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II liilMlllill
600048079Y
WÖRTERKUCH
zu 7lß X'/fj
m. MARTIN LUTHERS
DEUTSCHEN SCHKll'TEN
VON
PH. DIETZ
ZWEITER BASD.
EBSTE LIEFEBINO.
G -< HmIm.
LEIPZIG.
VEIU.AO VON F. C. W. VOGEX.
IS72.
G.
fVie bei den labialen und dentalen be-
gegnen wir bei L, auch einem schwanken-
den gebrauche der gutturalen, wofür bereits
vorr, XVII, XVIII hinreichende beispiele
zusammengestellt wurden, die hier noch
durch einige wenige vervollständigt werden
sollen.
1) Mit k [in- und auslautend von L. ck,
anfangs auch gk geschrieben) statt der
gutturalen media mögen aus den früheren
Schriften L.'s noch angemerkt werden:
€wigk, ewigklich (e wicklich), honigk, teyck
(neben sawrleyg), langk, lancksara, gesangk,
gefengknis, vergengklich, vberschwenckÜch.
iunck, iunckfraw, berck, wagenburgk, Augs-
purgk.
2) Mit g /ur k : schlang gracilis, fleisch-
bang, krangheit, tranggeld.
3) Als weiterer beleg des Schwankens
zwischen g und ch stehe hier noch die
einigemal vorkommende Schreibung grie-
gisch (auch kriegsch) für griechisch, ver-
einzelt steht rachgirich (rachg)Tich), sarch;
auch für flugs, in den früheren Schriften
gewöhnlich flux, begegnet einmal fluchs/
4) Mit h wechselt g in den praesentialen
formen von sclilagen(L.schlahen) und dessen
Zusammensetzungen, doch herrscht der ur-
sprüngliche laut (h) vor.
5) In dem mehrmals erscheinenden iunp-
fraw für iungfraw hat sich g dem flaut
assimiliert.
Gemination des g kommt äuszerst selten
vor; mir sind auszer flügg (so nach der
unzuverlässigen Schreibung bei de Wette)
und dem ein parmal begegnenden liggen
jacere keine weiteren beispiele im augen-
blicke zur hand.
dabe (gab), f. donum, mhd, gäbe (Ben.
1, SOS*"), aus dem pl. praeL von geben
DnBTZ, Wörterbuch. U.
(Weigand wtb. 1, 3S2). L. gebraucht
das worl
1) von den leiblichen wie geistlichen
gnadeng eschenken, welche gott an die men-
schen austheilt: alle gute gäbe vnd alle voll-
komene gäbe kompt von oben herab, von liem
valer des liechts. Jac. 1, 17; vnd werden
sich zu den gaben des herrn heu (Ten, nemhch
zum getreide, inost, öle, vnd junge schafe vnd
ochsen. Jer. 31, 12; kiuder sind eine gäbe
des herrn. ps. 127, 3; nu dieser segen . .,
begreiffit jnn sich alle andere gaben , die zu-
erhaltung des volcks not sind, als haus, hoff",
gelt, kleider, vieh, weih, kind, gesinde. der
147. psalm. (1532). Biij"; gäbe des friedes.
ebend. C/'; die schrilTt straffet das, das er
(Esau) die erste gepurt verachtet vnd ynn
wind schlug, wilchs doch eine feine gäbe von
golt war. vber das erste buch Mose/(lo'21).
Ji ij'' ; das er yhn aber macht gibt fleisch zu
essen, ist, wie gesagt, ein newe gäbe, ebend.
aj^'; denn wo man ehe vnd junckfrawschafl't
gegenander hellt, so ist freylich die keuscheyt
eyn edler gäbe denn die ehe, aber dennoch
ist die ehe ia so wol eyn gottis gäbe als die
keuscheyt. das 7. cap. s. Pauli zu den
Corinthern. (1523). Ciij* ; das euangelium ist
ein lauter geschencke, gab vnd heil, wie das
gesetzvndeuang. zu vnterscheiden. (1532 >.
Aiiij*'; die gäbe des heiligen geisls. apost,
gesch. 2, 38 ; von den geistlichen gaben aber
wd ich euch, lieben brüder, nicht verhalten.
1 Cor. 12, 1; die gäbe gesund zumachen.
V. 9.
2) von geschenken von menschen an
menschen : so haben wir sonst keine gäbe,
die wir dem man goltes bringen. 1 Sam. 9, 7;
sie nemen alle gerne geschencke vnd trachten
nach gaben. Jes. 1, 23; werdet jr mir den
träum anzeigen vnd deuten, so solt jr ge-
l
GABEL
GAFFEN
schenck, gaben vnd grosse ehre von mir ha-
ben. Dan, 2, 6 ; verzeug die gäbe dem dürff-
tigen nicht. Sir, 4,3; ja ein worl ist offt
angenemer, denn ein grosse gäbe. 18, 17;
ein vnfreundliche gäbe ist verdrieslich. v. 1 S ;
so denn jr, die jr doch arg seid, künd
dennocli ei\Ten kindern gute gäbe geben,
wie viel mehr wird ewer vater im himel
gutes geben, denen die jn bitten? Mallh.
7, 11.
3) von den freiwilligen opfergaben : vnd
eyn iglicher bracht seyns hertzen gäbe, var, zu
2 Mos. 35, 21 ; vnd sie namen zu sich von
Mose alle hebe, die die kinder Israel brachten
zu dem wercke des diensts des heiligthums,
das es gemacht würde, denn sie brachten alle
morgen jre willige gäbe {var, steure) zu jm.
2 Mos, 36, 3 ; vnd die fürsten opiferten zur
ein weihung des altars an dem tage, da er ge-
weihet ward, vnd opfferten jre gäbe für dem
altar. 4 Mos. 7, 10; am ersten tage opfferte
seine gäbe Nahesson . . . vnd seine gäbe war
eine silberne schüssel . . . eine silberne schale
... da zu einen güldenen leffel . . . einen
farren aus den rindern, 'einen widder, ein
jerig lamb zum brandopffer, einen zigenbock
zum sündopifer, vnd zum danckoplTer zwey
rinder, fünff widder, fiinff bocke vnd fünff
jerige lemmer. das ist die gäbe Nahesson.
t?. 12 — 17; warumb sollen wir geringer
sein, das wir vnsere gäbe dem herrn nicht
bringen müssen zu seiner zeit vnter den kin-
dern Israel ? 4 Mos, 9, 7 ; wenn du deine
gäbe aufl* den altar opfferst. Mallh. 5, 23;
durch den glauben hat Abel gott ein grösser
opffer gethan, denn Kain, durch welchen er
Zeugnis vberkomen hat, das er gerecht sey,
da gott zeugele von seiner gäbe. Hebr, 11,4.
doch sieht gäbe auch von gebotenen opfern :
vnd opflere die gäbe, die Moses befolhen hat.
Mallh. 8, 4.
Clabel (gabbel L.*s hausrechnung de Wette
hr. 6, 331), f. farca, mhd. gabel (Ben. 1,
509**), ahd. gabela, kapala {Graff 4, 127).
lieber die etymologie des Wortes vgl. Wei~
gand wtb. 1, 382 und Kuhn zeilschr.
1, 136.
1 ) eigentlich : die schneiten an den sensen
vnd ha wen vnd gabbel n vnd beüen waren ab-
geerbeitet. 1 Sam. 13, 21; gabeln vnd
hippen. das 14. vnd 15. cap, Johannis.
(1538). aaa üj*.
2) uneigenllich: darumb meinen sie {die
dem herrn die versuchliche frage vorlegen-
den pharisäer, ob es recht «et, dasz man
dem kaiser zins gebe) er sol sich auch also
kutzeln vnd mit dem fabchen rhümen be-
thoren lassen, das er sich gebe in jre zwo
gabeln vnd mordstiche, ehe ers gewar würde.
sermon auffMaUh, 22. (1535). Anij^. ausleg.
der evang. (1544). CC 6*.
fiabelstick, m. ictus furcae : behutt gott
für gabelstichenn, die machen drey locher.
auff das vberehrisU. buch, (1521). AijV
^Mtlkfjähe, schnell, eilig: zum ersten ist
die liebe langmütig,, das ist gedultig, ist nicht
gach noch schnei zum zorn. ausleg. der ep.
vnd euang. vom heil, dreykönigefest. (1525).
hj**; also gach ist den leuten vnd yhrem teuffet
mit yhrem irrsal. das diese wort etc. (1527).
s iiij*. später die jetzt übliche Schreibung
jach (s. d.); mhd. gkch (Ben, 1, 453), ahd.
gÄhi {Gralf 4, 129), üu gangan, gän gehen
(fVeigand wtb. 1, 383. Lexer hand-
wtb. 722).
Claek, naturlaut der ganSy s, gag.
Clack, pranger, s. gak.
Clackeiij cacare, s. kacken.
ClaifeBi eig. mit offenem munde sehen,
dann auch : anhaltend und eifrig schauen,
mhd. kapfen [Ben. 1, 786), ahd. chaphen
{Graff 4, 369): das maul offen haben vnd
gaffen, das schöne confilemini. (1530). Jij^ ;
darumb sollet jr ja dabei bleiben vnd euch
nicht das maul aufisperren lassen nach einem
andern zu gaffen, das 1 5. cap. der ersten
ep. s. Pauli an die Corinther, (1534). Bij**;
gen himel gaffen, von den schlüsseln. {ib30).
Hiiij"; nach einem kronch jnn der luflH gaffen.
das 5. 6. vnd 7. cap. s. Matthei. (1532).
Dj*; vber sich gaffen. Jes, 8, 22; noch
gafften vnser äugen auff die nichtige hülffe.
klagt, Jer. 4, 17; jderman fulet allein sein
vngemach vnd gaffet auff des andern gut
gemach, das man kinder zur schulen halten
solle. (1530). Gij**; das wir nicht auff die
werck odder wirde der heyligen gaffen sollen.
post. (1528). 334* ; das sie ym abendmal das
wort gotts nicht sehen vnd allein ynn das
leibliche essen gucken vnd gaffen, das diese
GAFFER
«GÄKEX
toori etc. (1527). rj'*. uneigenUich: wir
sehen vnd hören, wie aller menschen hertzen
auff diesen reichstag gaffen vnd warten, rer-
manung an die geistlichen. (1530). Aij^
substantivisch: das vergebliche lange gaffen.
ebend. Alf ; darumb lassen sie jr speien vnd
gaffen noch heats tages nicht, das 53. eap»
des proph. Jesaia. (1539). Kij*^.
Cafer, m. spectator, mhd. kapfsere {Ben.
1, 787): er verdamet auch die gaffer vnd
erforscher. Eisl, ausg. 2, 181*.
ISag (gack), naturlaut der gans : ich will
mich in ihr juristerey nicht vertiefen vnd
kunnt ich auch nichts mehr, denn wie eine
gans gag dazu sagen, de Weite br. 4, 663 ;
vnd wenn ich sie hette sollen fragen, wie
man die ersten zwey wort Matthei. j. über
generationis, solle verdeudschen, so hette jhr
keiner gewust gack dazu zu sagen, von dol'
metschen. (1530). Aiiij*.
Clake (gehe), schnell, plötzlich, mhd. gaehe
{Ben. 1, 454"*), ahd. gahi (Graff A, 129):
das ^ehe vnd plutzig verderben, ausleg. der
euang. von oslem etc. (1527). o 6*^. s. jähe.
Cäheadl (gehend), dasselbe: des gehenden
todts. von kauffshandlung vnd wucher.
(1524). ^f.
CihCMniig (gehezomig), joAiomt j^ : gehe-
zornige, vngedultige kopffe. das 5. 6. vnd
7. cap. s. Matthei. (1532). liiij*.
CiUick (gahlich), adv. plötzlich, jählings,
mhd. gaeheliche gaeliche {Lex er 725. Ben.
1, 454'): das einteib gahlich drob sterben,
etlich wansinnig werden, grund vnd vrsach.
(1520). ef.
CliUiag fgehling), adj. plötzlich: denn
da sol er wol alle schreckliche, gehlinge,
böse todte fürhalten. Jen. 1, 181*.
CaUiif; (gehling), adv. mhd. gaehelingen
{Lex er 12b): da man entweder gehling
hinstirbt oder in aberwitz aus schwacheit feit.
hausposl. Wittenb. (1545). festtheil 101';
das dieser mensch gehling hingangen oder
in Wahnwitz gefallen ist. ebend.
ÜiUiags (gehlings), adv. dasselbe: nu
ist die pestilentz vnd gifft ein solcher tod, die
nicht gehlings vnd plötzlich würget, das
15. cap. der ersten ep. s. Pauli an die
Corinther. (1534). kiij'.
fiah«5 gabt, s. gehen.
littlea (gehnemeulen) , gähnend
den mund aufsperren: gaffen vnd gehue*
meulen die weil auff das leiblich essen, das
diese worl. (1527). liij'; wir klotze vnd
steine achtens eben, wenn wirs hören, als
fiele ein fauler apffel vom bäum, gehnemeulen
dagegen, oh, hastu nicht mehr gesehen, das
ein Xauler apffel vom bäum feilet? der 111.
psalm. (1530). Eiiif.
v^/. ginmaulen {Schmellerwlb. 1^919)•
d&krea^ fermentescere, mhd. g&n {Ben.
1, b29% mit g aus j und r aus s, denn ahd.
j^sa^ {Graff 1, 611), welches mhd. neben
g6rn noch fortdauert. L. hat noch die ur>
sprünglichen praesenlialformen mit i (ie,
ieh) : o dem hier ist recht gegeben , darumb
giehrt vnd scheumet es so wol. wamunge
an s. L Deudschen. (1531). Eiäj'; ein fass
darinnen ein most gieret. EisL 1, 364'.
Clakt^ s. geist.
Claister^ s. geister.
dak (gack), m. pranger, schandpfahl,
ein niederdeutsches wort {vgl. brem. wtb.
2, 716. 717. Grimm wtb. .4, 47. 48.
Vilmaridiot. 190. Schmeller wtb. i^
882): weil sie sich so gewis jrs dings
rhümen, so sollen sie es auch gewis machen
oder sollen gack stehen {am pranger stehen,
öffentlich zu schänden werden), vom abend»
mal Christi. (1534). s ij'.
Cakea (geken, gecken), vom geschrei der
dohle, der krähe, des raben vnd anderm
kreischenden gesehrei: da haben die dolen
vnd kraen einen reichstag hingelegt ... da
geckt jung vnd alt durch einander, nacM^er
angewandt auf Sophisten und papisten : wie
seer nützlich volck es ist alles zuuerzeren,
was auf erden ist, vnd dafür gecken für die
lange weil. Jen. 5, 21'; es ist ein dolen
vnd raben gegecke vnd noch nicht so gut als
das gecken der dolen, denn die selben gecken
doch mit liebe und lust,^sie aber heulen jhr
gegeck mit vnlust, wie die vhu vnd nacht-
eulen. das man kinder zur schulen halten
solle. (1530). Df; {die papisten) da widder
gecken on grund der schrifft. die kl. ant"
wort. (1533). Eüj"*; die frösche sind die
Sophisten ... die viel gecken wider das
euangelium. vorr. auff die offenb. Joh.
Bindseill, M2; die frösche sind die
GÄKEN
GALL
plauderer, so jlzt den fürsten heuchlen vnd
wider das euängelium geken. randgL zu
offerib, Joh, 16, 13. 8. auch käken.
Hikeii^ n. schreien: das gecken der dolen.
s, vorher,
Üikkitüf (geckzen), n. dasselbe: jeder-
man, der Christum vnd sein wort von hertzen
lieb hat, der ist schuldig vnd pflichtig des
römischen antichrists vnd seiner heuchler vnd
frösche, alten vnd newen, geckzen, lügen
vnd falsche lere mit Worten vnd wercken vnd
wo mit er nur kan, getrost zu widerstreben.
Jen, 3, 187*.
UMtLüfpL heiL. galben, galbanum, /aX-
ßavT], ein stark vnd strenge riechendes
gummi Syriens : nim zu dir specerey . . .
galben vnd reinen Weyrauch . . . vnd mache
reuchwerg draus. 2 Mos, 30, 34; galban
vnd onych. Sir, 24, 21.
mhd, galban (Lex er 727).
dalee^ f. galeere, ruderschiff mit niedri-
gem borde : als wenn er yhn ewig ynn einen
kercker legt odder auff eyn galee schmidet.
das die ellern die kinder zur ehe nicht
zwingen sollen, (1524). Aiij''; vnd werden
weite Wassergraben sein, das darüber kein
schiff mit rudern faren, noch galehen da hin
schiffen werden. Jes, 33, 21; galleeu voller
gelreyds. tischr, 24*^.
mhd, gale, galie, galeide (Ben. 1, 458^.
Lexerl2S), aus m/a(. galeida. vgl, Wei"
gand wtb. 1, 385.
(ialgeu^ m. palibulum, L, noch galge
(randgl, zu Matth. 21 y 33), m/id. galge
(Ben. 1, 458*^), ahd, galgo (GraffA, 185):
nach dreien tagen wird dir Pharao dein heubt
erheben vnd dich an galgen beugen. 1 Mos,
40, 19; zu letzt komen sie beide an den
galgen. Sir. 20, 27 ; an den liechleu galgen
hengen. wider den falsch genanten geistl,
stand, (1522). Gj"; wo man sie alle an gal-
gen hengen solte, ^as diebe sind vnd doch
nicht heissen wollen, solt die weit bald wüst
werden vnd beide an hengern vnd galgen ge-
brechen, deudsch cal, (1529). Jj'*. Sprich-
wort: wer dem andern vom galgen hilfft,
den brecht der selb gern hinan, verrnanung
an die geistlichen, (1530). Bj\
Clalgenbergy m. berg, auf welchem ein
galgen errichtet ist, richlstätte: man helt,
es sey der oleberg gewesen, da man die vbel-
theter hat abgelhan, den wir den galgenberg
oder rabenslein heissen. randgl, zu 2 kön.
23, 13.
mhd, galgenberc (Ben, 1, 105*').
dalgeufrist, f „der kurze aufschub, den
ein zum galgen verurtheilter missethäter
erhält*' (Adelung wtb. 1, 388): wie man
sagt einer galgenfrist lang, tischr. 176^.
CalgeDreiie (galgenrew) f. falsche reue,
reue ohne glauben : der teuffei vnd alle vor-
dampten haben auch solche rew, die heisset
man auff deutsch judasrew vnd galgenrew.
grund vnd vrsach, (1520). eiij*; ob er
schon kaumct eyn halb galgenrew habe, die
sie nennen attrilio, szo kan er (der bapst)
durch kraift der schlussell ausz der selben
halb galgenrew macheu ein gantz gulte grund
gnadenreyche rewe. ebend, f iij".
(iall^ galle, f. fei, bilis, mhd. galle (Ben.
I. 459*), ahd. galla (Graff A, 180), zu gr.
yo'i.rj, lat, fei (Weigand wtb, 1, 386).
1) die grüngelbe bittere flüssigkeit in
einer blase des thierischen körpers : er hat
meine gallen aufl' die erden geschut. Hiob
16, 13; hawe den fisch von einander, das
hertz, die gallen vnd die lebbern behalt dir.
Tob, 6, 6 ; die galle vom fisch ist gut die
äugen damit zu salben. *v. 10 ; von des fisch es
gallen. 11, 4. hierher auch die redensart]:
die galle läuft einem über = er wird zornig:
so bald jr ewern Widersacher ansichtig werdet,
oder an jn gedenckt, so leufl't euch die gall
vber. hauspost, (Wittemb,'\bib), sommer-
theil, 74".
2) galle = gift: williger oltern gall.
5 Mos. 32, 33; er wird der oltern galle
saugen. Hiob 20, 16. nach Plinius (n. g.
II, 37 s, 62) hielt man die galle für den.
sitz des giftes,
3) eine bitterschmeckende giftpflanze von
betäubender Wirkung: vnd solcher rat grünet
auff allen furchen im felde wie galle. Hos.
10, 4 ; jre drauben sind gall, sie haben bittere
beere. 5 Mos. 32, 32 ; vnd sie geben mir
gallen zu essen vnd essig zu trincken. ps.
69, 22. vgl. Matth. 27, 34.
4) bildlich, a) bitterkeil, hasz : also kön-
nen man vnd weib mit niemand leichtlicher
vneins werden, denn mit jnen selbs, vnd kans.
GALLBEERE
GANG
das eine mit einem wort (ongefehr oder
schertzlich gered) versehen, das (dasz es) dem
andern durclis iierlz gehet vnd nicht ver-
gessen kan, vnd sie darnach beide darob eitel
gifft vnd galie jnn jrem hertzen wider ein-
ander schepffen. zwo hochzeii prediglen.
(1536J. Biij^ .
b) von leiden vnd gö Ulichen straf ge^
richten : sihe, ich wil dis voick mit wcrmul
speisen vnd mit gallen trencken. Jer. 9, 15.
23, 15 ; er hat mich verbawet vnd mich mit
gall vnd mühe vmbgeben. klag. Jer. 3» 5.
dallbcere, f. giftbeere : yhre beer ist eyn
galibeere. var. zu 5 Mos. 32, 32.
Calleiij schallen: schreien vnd klagen,
das (dasz es) jnn himel gallen vnd auf erdrich
schallen wird, das schöne cofi/llemtnt.(l 530).
Gif. vgl. SchmelleriDtb. 1*, 889.
dalrede^ f. gallerte, besonders gallert^
artige brühe : ja das ist seine galrede worden,
darin er sich weidet, vom schem hamphoras.
i 1 543). Biij' ; aber ich meine, ich habe koche
kriegen, die sie mir gewürtzt vnd zur gal-
reden gesetzt haben, auff des königs von
Engelland lesterschriffl. (1527). Biij*"; er
ist dem teuffel entkomen« wie wol er den leib
hat müssen drüber zu zoll geben vnd dem
leuffel lassen, der mache yhm eine galreden
draus, lusls yhn. trostunge an die Christen
zu Halle. (1527). Ciüj* ; so thut in die bruch
vnd beuget sie an den hals vnd machet dauon
euch ein galreden vnd fresset yhr gi'oben esel
.vnd sewe. wider Hans Worst. ( 1 54 1 ). Aiiij* ;
er redet ja nfcht von der blutwurst oder
schwartzen galreden. von den consilijs.
(1539). Miiij*; so sie (die sau) selbs nichts
hebers f risset, denn die galreden, so die bäum
hinder den zäun setzen, exempel einen christ-
lichen bischof zu weihen. (1542). Jj*^; gleich
als wenn ein kue baw oder eine saw ein
galrede frisset. Eisl. ausg. 2, 20 6*^.
mhd. galreide, galrede (Den. 1, 460*.
Lex er 730), gekürzt galrei, älter nhd.
gallrey (Älberus diel. siij*). ausmlat.ge-
ladria vom lat. gelatus.
iiSiU) s. gönnen.
dang^ imperat. s. gehen.
IlmBgj m. pl. genge, mhd. ganc {Ben. 1,
474^ Zexer 734), ahd. ganc, kanc (Graff
4, 98). in vielfachen bedeutungen.
1) gang, itio,itus, das gehen, der weg,
den jemand macht (als handlung) : erhalte
meinen gang auff deinen fussteigen, das meine
tritt nicht gleitten. ps. 17, 5; ich wil dich
auff rechter bahn leiten, das, wenn du gehest,
dein gang dir nicht säur werde, spr. 4, 12 ;
passah heisset ein gang, randgl. zu 2 Mos.
12, 43; dazu lülfft das wort mahalach trans-
itus, das heyst ein gang, wie man ynn der
stad hyn vnd widder vmb gehet, gleich wie
Moses spricht Exo. 14. der herr sey ynn der
nacht ynn Egvplen gangen, vnd alle erste
geburt geschlagen, der selbige gang ist nit
ein schnür gleicher durchlauft, sondern eyn
vmbgang hyn vnd widder gewest. derproph.
Jona. (1526). Jij*"; Mose sciu*eibt exo. xiiij.
das die kinder Israel gerust oder geharnischt
aus Egypten zogen, ob sie wol ynn Egypten
on vre rüstunge errettet wurden durch des
herrn gang oder phase. an den kurfürsten
zu Sachsen. (1545). Eij''; der gang Christi
zum vater. das 16. cap. s. Joh. (1538).
Miij^; darunib ist solch sclüeichen der
rechte gang des leufels. von den Schleichern.
(1532). Aij^
2) gang, art des gehens : wie schpn ist
dein gang in den schuhen, du fürsten tochter.
hohelied 7, 1; seine kleidung, lachen vnd
gang zeigen jn (den mann) an. ^tV. 19, 27 ;
dreierley haben einen feinen gang vnd das
vierde gehet wol. spr. 30, 29 ; wenn einer
auff dem wege gehet, der höret vnd siliet wol
was für yhm ist, aber ym starcken gange kan
er nicht sehen was hynder yhm ist. vber das
erste buch Mose. (1521). pij\ hieran
reiht sich
3) ein figürlicher gebrauch des Wortes
gang für wandet, arl vnd weise zu leben
und zu handeln : von dem herrn wird solchs
maus gang gefordert, ps. 37, 23, in der
auslegung dieses psalms erklärt L.: alles
was du thust, dein gantzes leben vnd wandel
... wird sclüeunig sein vnd fortgehen. Jen.
3, 30 8*^; vnser hertz ist nicht abgefallen,
noch vnser gang gewichen von deinem weg.
ps. 44, 19; las meinen gang gewis sein in
deinem wort. 119, 133; sie kennen den
weg des friedes nicht, vnd ist kein recht in
jren gengen. Jes. 59, 8; (Christus hat)
durch seinen heiligen, reinen gang vnsem
GÄNGE
6
GANGHAFTIG
schendiichen , sundliclien gang geheliiget.
von Jhesu Christo. (1:533). Ff.
4) gang von der beicegung, dem forigange
einer sacke: es ist noch nit gethan vnnd
geschehenn» es ist aber ym gang vnnd
schwanck. grund vnd vrsach. (1520). c iiif ;
lasst gottis wort seynen gang haben, von
weltlicher vberkeyt. (1523)^ Eil]'; das
gottes wort oder die heilige schrifllt frey vnd
vnuerbunden (wie es doch sein mus) jren
gang vnd recht habe, wider das bapstum.
(1545). Biij'; mit gottes hiilffe in den
schwang vnd gang komen ist. ebend, Jiiij' ;
die natur . . . mus yhren gang (lauf) haben.
vber das erste buch Mose. (1527). GjS
5) gang <»» schrill, in welcher bedeutung
es in der Jägersprache noch üblich ist: vnd
da sie ein her giengen mit der laden des herrn
sechs genge, opiferte man ein ochsen vnd ein
fett schaf. 2 Sam. 6, 13.
6) gang, weg, auf welchem man geht:
sein strick ist gelegt in die erden vnd seine
falle auil' seinem gang (var. pfad). Hiob
18, 10 ; ein jglicher suchte den gang zu sei-
ner thüre. weish. 19, 16; jr haus neiget
sich zum tod, vnd jre genge zu den verlornen.
*jpr. 2, 18.
7) bedeckter, unterirdischer gang: gang
des königes. 2 kön. 16, 18, durch welchen
die könige aus ihrem pallaste in den tempel
giengen ; sie (die priester) hatten einen heim-
lichen gang vnter dem tisch gemacht, bei zu
Babel 12; vnd sie musten jm zeigen die
heimlichen genge, dadurch sie waren aus vnd
eingegangen, v. 20.
8) 1 kön, 6, 6. 10 steht das wort von
dem in drei Stockwerken aufwärts immer
breiter werdenden, um den tempel herum
gebauten Umgang (galerie).
9) gang im bergwerk,^ erzgang, erzader:
es hat das silber seine genge. Hiob, 28, 1 ;
ich weisz nicht . . . wie die genge streichen,
als die häuwer wissen, tischr. 409*^.
1 0) gang in der mühle : ein mühl mit eylif
gangen vnd rädern, tischr. 332*.
11) der natürliche gang, durchweichen
die excremente ausgeworfen werden^ der
after: alles was zum munde eingehet, das
gehet in den bauch vnd wird durch den natür-
lichen gang ausgeworfen. Matth. 15, 17.
Marc, 7, 19; ausz der speise wirt vnflat,
so durch den natürlichen gang wirt auszge-
worifen. tischr. 32^.
(iäiige (genge) , 1 ) unter den leulen um»
gehend, üblich, gebräuchlich, gangbar, mhd,
genge {Ben. 1, 476^ Lexer 857); vnter
den Christen sol dis eine keudliche, gemeine
vnd genge spräche sein, das 15. cap. der
ersten ep. s. Pauli an die Corinlher. (1 534).
d ij* ; ein bekandte vnd genge spräche, aus-
leg. der ep. vnd euang. von ostem (1544).
L 6^. gewähnlich mit gebe verbunden (geng
vnd geb vsilatum et consuetum. Alberus
diel, k iij') : Abraham gehorcht Ephron vnd
wug jm das geld dar ... das im kauff geng
vnd gebe war. 1 Mos. 23, 16; geld, das
genge vnd gebe ist. 2 kön. 1 2, 4 ; gelt,
das genge vnd gebe ist. vber das erste buch
Mose, (1527). Ddiif. 2) gehend, auf-
gehend, von teig: der Sauerteig den teig
durchsewrt vnd genge macht, ausleg, der
ep, vnd euang. von ostem, (1544). Aif.
Hangeln (gengeln), leitend gehen lehren :
wie die mutter ein kind gengelt vnd leret
gehen vnd füret bey den armen, randgl, zu
Hosea 11,3; Christus vns mus gengeln, wie
die mutter oder magd ein kind gengelt, von
den concilijs vnd kirchen. (1539). Gij*.
nach Weigand wlb. 1, 388 auf mhd.
gengel «— ganger zurückgehend.
Hangen »» gegangen, s. gehen.
(ianghaftig (ganckhaiftig. an den christl.
adel. 1520. Hiiij'), im gange befindlich,
gangbar, gebräuchlich, mhd. ^anchaflic {Ben.
1, 477'): ein gemeyn ganghafftig zins. vber
das erste buch Mose. (Ib21). rrf; da noch
ettlich vbung des alten testaments ganghafftig
waren, serm, von dem n. lest. (1520). Cj';
exempeln zu vnsern zeytten ganghafftig. aus*
leg, der ep, vnd euang, von der heil, drey*
königefest etc, (1525). Biiij'; vnd villeicht
vieler zeddeln, sachen vnd klagen zu hoffe
weniger weren, wo solche Visitation vnd gut
Ordnung stattlich wurde ganghafftig seyn.
originalbr, v, j. 1525 im ges. archiv zu
Weimar reg. pag. 124. EEE. n. 4; das
gesetz bereit ynn viel stücken ganghafftig ist
gewesen bey den eltisten vetern. vber das
erste buch Mose. (1527). Yf; aus solchem
exempel vnd iiguren solten wir Christen billich
GÄNGIG
GÄKSERN
ein tegiich Sprichwort machen ... das wir
ynD vnsern reden ganghafHig sein liessen.
ebend. Zj^ ; dise wort sollen ynn der Christen-
heyt ganghafltig seyn. ausleg, der euang. von
ostem. eic. (1527). Biij*; solch wort in
deudscher spräche ganghaiFtig. wider den
bischof zu Magdeburg. (1539). Giij*.
CiBgig (gengig), dasselbe, mhd. gengic
{Ben, 1, An*): sitten vnd fragen, so bey
den Juden gengig sind, var, zu aposL gesch.
26, 3. bei BindseiL
fiingleiM (genglin, gengle), n. dim, von
gang als fechlerausdruck : vnd hah mit dem
benimpten fechter eyn genglin Ihan. auff
das vbirchrisllich buch. (1521). Aiij^'; ein
feyn gengie. ebend. Fiiij*. in derselben be»
deutung auch mhd. gengelin {Lexer S57).
fians^ f.anser, bekannter Schwimmvogel :
esz wirt nicht ein reycher hauszvatter werden,
der die gansz hynacb wirffl, darumb das man
yr ein feddern liat auszgeraufft. das magni-
ficat. (1521). hj**; die falschen heiligen,
wenn sie andechtig sein wollen, weriTen sie
den kopff zu beiden seilen, wie eine gans
gehet, gl. zu 1 kön. 18, 26; es ist als pfifl'e
sie eine gans an. Her proph. Sacharja.
(152S). Yj'; tzu letzt auch die gensze vnd
der kukuck bullentreger vnd ablaszkremer
werden musten. bulla cene domini. (1522).
Aj**; fewr das aus den gepraten genszen
raucht, serm. von dem ablas. (1520). Cij*;
wenn er jn eine gebratene gans liesse jnns
maul fliegen, das 5. 6. vnd 7. cap. s.
Mallh. (1532). xj*. als Schimpfname einer
dummen, einfälligen person : wenn ich aber
nicht so eine tolle gans oder nerrisch schaf
were, so dürfft ich mich wol auch einer
grossen Weisheit vnterstehen. Jen. 7, 357";
nu wolan, was können wir arme gense wider
solche schöne predigt? 7, 364*.
mhd. gans {Ben, 1, 47S^ Lexer 736),
ahd, gans, kans (Graff Aj 220).
QtMsarlj m. ganser, gänserichy männliche
gans: liebe gans, kanstu es gleuben? lieber
gansart, kanstu es gleuben? wider den
bischof zu Magdeburg. (1539). Giiij*.
In Hessen ist als name der männlichen
*§ans auszer ganser {hin vnd wieder hörl
man auch gansert) noch die einfachere und
ältere form ganze m,, gesprochen gonze {mhd.
ganze, ahd. ganzo) üblich, über die etgmo-
logie des worles vgl. Weigand wtb.
1, 3 SS unter gans.
Unaeel (gensei), n. ovum anserinum:
der klugen leutt, man sollt sie vber die
genszeyer setzen, antwort deutsch. (1522).
Ciij\ — mhd, gansei {Ben. 1, 414*).
fiänsefeder (gensfeder, gensenfedder), f.
penna anserina: meynstu das solch wortt
von genszfedern vnnd bawmblettern gesagt
sind? wider den falsch genanten geistl.
stand. (1522). Eiiij''; soltestu mir sagen,
das es an gensenfeddern henge, was die
schriflX leret. Jen. 1, 412^ (gedr. 403).
dimeittich (gensefittich), m. gänse flöget :
sie (die Schreiberei) bedarff allein der gense-
iittich, der man vmbsonst allenthalben gnug
findet, das man kinder zur schulen halten
soll. (1530). Gif.
filBiegicker (genskucker), m. wonstran-
tzen deuter vnd genszkücker. vorclerung
etlicher arlikel. (1520). AiiijS von L. ge^
brauchter Spottname für diejenigen, welche
in der auf der rückseite des titelblattes seiner
schrifft : „eyn sermon von dem hochwirdigen
sacrament etc,^^ angebrachten monstranz
(s. quellenverzeichnis n. 13') zwei gänse,
womit er auf Hus anspiele erblicken
wollten.
ClänsepfelfeB (genspfeifen), n. das pfei-
fen, zischen der gänse: lasst euch lesen
das exempel von dem leuseknicken (de Wette
br. 4, 416 läuseknicker) und von dem gens-
pfeifen. Jen. 5, 528*.
dänseprediger (genseprediger), m. nennt
L. den bischof von Magdeburg wiederholt
in der 1539 wider ihn gerichteten schrift,
z. b. Ciiif . Dj^
CläMepredigt (gensepredigt), f. eine den
gänsen, d, L einfältigen leuten gehaltene
predigt: weil der cardinal mit gensepredigt
alle weit effet, wil ich auch jni vnd seinen
jurisperditen ein klein gensepredigtlin thun.
wider den bischof von Magdeburg. (1539).
Eiiij\
fiiBsepredigtleiii (gensepredigtlin) , n.
dim, des vorigen, beleg s. vorher,
CÜBsern (gensern), zum narren haben,
spotten: wo er nicht lust bette, gott zu
spotten vnd die weit zu gensern. ebend. Giij^
GANZ
8
GANZ
(Jans fgantz), adj. mhd. ganz {Ben,
1, 479'), ahd. ganz {Graff. 4, 221).
1) ganz, inleger, unversehrt, unverletzt,
unbeschädigt, nicht entzwei: sihe, da es
{das holz) noch ganlz (vulg, integrum) war,
kundle man nichts draus machen. Ezech.
15, 5 ; eben wie man eins töpffers gefes zu-
brichl, das nicht mag wider gantz werden.
Jer. 19, 11; disz nusziin hat noch niemant
auffgepissen , werden auch mir szo gnedig
sein on yhm willen vnnd dasselb noch ein
weil wol ganlz lassenn. von dem bapstum
zu Rome. (1520). Fj'. gantze steine. 5 Mos.
27, 6. Jos. S, 31 sind unbehauene,
2) ganz, universus, totus, vollständig,
in welcher bedeutung es in der bibel un-
zählige mal erscheint: da sich die gantze
weit für furchte. Ezech. 32, 23 (u. 24: da
für sich auch alle weit furchtet); wo dis
euangelium geprediget wird in der gantzen
weit. Matth. 26, 1 3 {in der parallelstelle
Marc. 14, 9 dagegen: in aller weit); vnter
dem ganlzen Iiimel. 1 Mo^ 7,19; herrschen
vber die gantzen erde. 1, 26; das gantze
land. 2, 11; die gantze gegend. 13, 10;
die gantze stad. 18, 2S ; der gantze berg.
2 Mos. 19, 18; — die gantz Christenheit.
von dem bapstum. (1520). Fij^^ das gantze
beer. 2 Mos. 12, 41; die gantze gemeine
Israel, v. 47; das gantz volck. 19, 16; die
gantze rotte. 4 Mos. 16, 5; das gantze
kloster {sämtliche klosterpersonen) tzu
Nymptzschen. ursach vnd antwort. (1523).
Aij" ; — der gantz corper. serm. von dem
hochwirdigen sacrament. (1519). aiij'; das
gantze hcubt ist kranck, das gantze hertz ist
matt. Jes. 1, 5; Aie gantze haut. 3 Mos.
13, 12; das gantze fleisch, v. 13; — das
gantze buch, ein widderruff vom fegefeur.
(1530). Bj'' ; die gantze schriflft. ebend. Cij";
das gantz newe testament. ebend. ; das gantze
capitel. von den letzten worten Dauids.
(1 543). Riiij'' ; hat er den gantzen brieff aus-
gelesen, ebend. Aiiij'; — der thot sein
gantzes leben nichts guts. wamunge an s. l.
Deudschen. (1531). Gij' ; sein gantzes alter.
1 Mos. 5, 5 ; ein gantz iar. 3 Mos. 25, 29 ;
vnd der herr treib einen Ostwind ins land den
ganlzen tag vnd die gantze nacht. 2 Mos.
10, 3. — vnd soll den herrn deinen gott lieb-
haben von gantzem {ungetheillem) hertzen,
von gantzer seele, von allem vermügen.
5 Mos, 6, 5 ; ich dancke dem herrn von
gantzem hertzen. ps. 9, 2 ; verlas dich au ff
den herrn von gantzem hertzen. spr. 3, 5. —
Dauid aber vnd das gantze Israel spieleten
für gott her aus gantzer {aller) macht.
1 chron. 14, 8; {Esther vnd Mardachai)
schrieben mit gantzer gewalt. Esther 9, 29 ;
das mein leben deine rechte mit gantzem
{vollkommenem) ernst hielte, ps. 119, 5;
vnd erbeitet dran mit gantzer kra(ft seines
arms. Jes. 44, 12; hilff mir gnediglich das
werck volbringen, das ich mit gantzem
{vollem) vertrawen au ff dich hab. Judith
13, 6; so wil ich mich drauf er wegen mit
gantzer zuuersicht. vber das erste buch Mose.
(1527). Pif.
3) ganz =» all: vnd lies alle kiuder zu
Bethlehem tödten vnd an jren gantzen gren-
tzen {an allen ihren grenzen). Matth. 2, 16.
auch vor material-substantiven gebraucht
L. vereinzelt ganz: sampt dem gantzen
{allem) Weyrauch. 3 Mos. 2, 2.
4) seine Stellung nimmt ganz bei zahlen
sowohl vor als nach denselben: vnd bawet
gantzer hundert iar. vber das erste buch
Mose. (1527). Vij'; sechs gantzer tage.
ebend. Gij'; sieben gantzer sabbath. 3 Mos.
23, 15 ; vnd lagen drey gantze tage auff der
erden. 2 Macc. 13, 12. eigenthümlich geht
ganz auch dem pronom^n voraus : vnd sprach
von gantzem meinem hertzen. weish. 8,21.
vgl. auch in gantz meines vater hause (für
in meines vaters gautzem hause). 1 Sam.
22, 15; auff gantz seins vaters hause {für
auff seines vaters gantzes haus). 2 Sam.
3, 29.
Claiiij ado. omnino, gänzlich, völlig, voll-
kommen: a) bis man ganlz (fertig) gessen
vnd getruncken hat. Ruth. 3, 3; denn es
wird die rute gantz durchdringen. Jes.
30, 32; sihe solches edles stück der bejicht
{beichte) haben die papisten gantz gedempfft.
ein brieff an die zu Franckfort. (1533).
Ciiij^ ; denn er wird des armen nicht so gantz
vergessen, p«. 9, 19. — b) also ward die erde
gantz trocken am sieben vnd zwentzigsten
tage des andern monden. 1 Mos. 8, 14;
gantz rauch wie ein feil. 25, 25 ; gantz
GÄNZE
GAR
heriiich. p«. 45, 14 ; ganlz lieblich, hohe»
lied 5, 16; wie ist doch das Sprichwort so
gantz war. das diete t^art, (1527). aij*.
— c) ganz und gar : wo Christus ist , da
ist die gotthät gantz vnd gar. edaid.
fiij**; als wenn yhr ewer hertz eim guten
freunde gantz vnd gar eröffnet, vier trost'
Uche ^almen, (1526). Dj*; Christus wil
vns ein mal gantz vnd gar erlösen, den
SS. vnd 39. cap. Hesekiel. (1530). Auf;
der ring, so er eine borsten oder ritz
kriegt, taugt er gantz vnd gar nicht m^.
kurtz bekenlni», (1544). Eij^; aber des falls
ist jr gute meinung gantz vnd gar vmbsonst.
von den eoneilijs. (1539). Bij**; erstlich ist
man darin gantz vnd gar eins» von den
Juden vnd jren lügen. (1543). Viiij*; oder
ist gantz vnd gar stock star blind, vom abends
malChniÜ. (1528). aüj''.
Ciiiie (genze), f. vollsiändigkeit , mhd*
genze {Ben. 1, 479''), ah± ganz! {Graff 4,
222): vmb der gentze vnd volkommenheyt
wüien. ein eerm, von dem hoehwirdigen
sa cramenl. (1519). a ij*, voUeiändiger «. den
beleg unter füghch; das wortlin gantz gesund
{ps. 119, 1) bedeut geistlich gentze vnd vn-
uorletzung. von der beieht. (1521). i j^
Cmmi (ganzen), 1) ganz machen, mhd.
genzen {Ben. 1, 479^ Lexer 867): sibe
ob nicht ausz Schickung des heyUgen geysts
disze vier latinisch wort (radix omnium malo-
rum avaritia, geitz isl eine tourzel alles
Übels) mit yhren ersten buchstabenn den
namen Roma gentzen. bulla cene domini.
(1522). Cilij**; aber gentze oder helbe den
Christum wie du wilt. Jen, 6, 346*; wen
du erhebest den niderstu , vnd wen du gen-
tzest den zuhricbstu. 1 , 34 *.
2) tneder erstatten : wenn jhr nu wollet
hoch poltern, man solle euch die stillt vnd
klüster widder gentzen vnd alles widderümb
einreumen, so sagt man eudi billich widder-
ümb , lieben herrn, gebt vnd gentzet zuuor
Widder ewm zwifeltigen raub, vermanung
an die geistlichen. (1530). EiiijS
Wullck (genzlich), adv. völlig, ganz und
gar, mhd. gänzliche, genzliche {Ben. 1,
479''): bey seinem vater gentzlich beschlos-
sen war, Dauid zu tödten. 1 Sam. 20, 33;
Salomo folget (e) nicht gentzlich dem herrn.
DiETz, Wörterbuch. II.
1 hon. 11, 6; das heimliche Verlöbnis sol
gent^ich verhindert vnd für keine ehe gehal-
ten werden, von aft^AacAeii. (1530). Ciiij'';
solche stück sind gantz vnd gar eusserlich,
auch der vernunfft zu regirn mechtiglich vnd
gentzlich vnterworfen. von den condlijs.
(1539). kj*.
Car, adj. bereit, bereit gemacht, fertig,
mhd. gar, gare {Ben. 1, 479 ^ Lexer 737)»
ahd. garo, karo {Graff 4, 238).
1) fertig gekocht, percoetus: zünde das
fewr an, das das fleisch gar werde. Ezech.
24, 10; das fleisch gar machen, vorr. auf
den psalter. Bindseil 7, 322. büdUch:
gott mit allerley trübsal wol pbget, das wir
mürb vnd gar werden, dias schöne confite^
mini. (1530). Liiij*.
2) fertig, vollendet : die geisthche deutung
wollen wir spar^, bis wir bas hynein komen
vnd diese history gar (beendigt) haben, vber
das erste buch Mose. (1527). Ss ij*.
3) vollständig, ganz: wil man sie (^e be»
Schlüsse der conciHen) halten, so halle man
sie gar oder halte nichts, von den condUJs.
(1539). C üj '^ ; brandopffer das war ein solch
opffer, dauon die priester nichts kriegten,
sondern must gar verbrand werden mit mist
vnd felh. vber das erste buch Mose. (1527).
Ziüj\ die letzte stelle höhnte auch zu gar
adv. gerechnet werden.
6%ff adv. omnino, plane, gänzüeh, völ"
ligf ganz und gar, mhd. gar, gare {Ben. 1,
480"), ahd. garo {Graff 4, 240).
1) neben verbis: ich aber mus sein wie
einer, der seiner kinder gar beraubt ist. 1
Mos. 43, 14; sollen wir denn gar vnterge-
hen? 4 Mos. 17, 13; da sie das land gar
ausgeteilet hatten. Jos. 19, 49; die guten
löbhchen sitten tliet er gar abe. 2 Macc, 4,
11; bis das es gar durchsewrt ward {var. bis
das es durch vnd durch versa werte). Matth.
13, 33; die natur vnd art des brandopffers
ist, das man es gott gar gibt. Jen. 2, 24 ^
2) neben adj. : das er nicht gar heil ist.
ep. s. Petri gepredigt. (1523). N j * ; die gott-
heit gar vnleidlich vnd vnsterbtich ist. vber
das erste buch Mose. (1527). Gcüj"; ein
kind das zu frü geborn ist, ehe es gar völlig
vnd reifP ist. das 15. cap. der ersten ep, s.
Pauli an die Corinther. (1534). Fij*;so
2
GAR
10
GARN
bistu gewislich jnn sunden gar tod. vermanung
sum sacrameni. (1537).' G iiij ' ; gar., kalh
wie ein adeler. Mich. 1, 16; wie gar vnbe-
greifflieh sind seine geriohte. Rom. 11, 33.
oß auch in der bedeulung von sehr: es
müslen gar starcke beyne seyn, die gute tage
sotten tragen, derproph. Habacuc, (1526).
eij**; die gar rauchlosen geister. vber das
erste buch Mose. (1527). Ggj''; jungker
faulwitz garklu^ist. der iOl. psalm, (1534);
Giij"; die gar alten leule. Sir. 42, 8.
3 ) neben adv. : wie gar frech vnd wilde
lebt jtzt jederman. vorr. auf die prophelen
Bindseil 7, 337 ; ich wil aber gar kürlz-
lich zu euch komen. 1 Cor, 4, 19; er redet
gar blödlich vnd sorgf eltig dauon. das 7.
cap. s. PauK zu den Corinlhern, (1523).
B jj ■ ; ich bitte aber gar demütigHch vnd
freundlich, ermanunge zum fride, (1525).
DJ'; gar nahet so viel secten vnd vnter-
scheyd als köpff sind. post. (1528). 166**;
das ich gar nahe jn (Baruch) hette mit dem
dritten vnd vierden buch Esra lassen hin
streichen. Bindseil 7, 420; das maus
gar wol blewe. vber das erste buch
Mose. (1527). x ij**; siehalten gar wol mesz
vnd opCTernn recht, serm. vom n. lest.
(1520). Cüj**; welchs sie gar vbel verdros.
weish. 12, 27; vnd handelt gar anders mit
mir. klagt. Jer, 3, 3; darumb gehets gar
anders denn recht. Hab, 1, 4; gar viel an-
ders. 1 Mos. 45, 26; gar bald. ps. 49, 15;
gar offt. 78, 40; gar seer. das schöne con^
fUemini. (1530). Hiij*.
4) vor Verneinungen , ihre bedeutung zu
verstärken : eyn vertzweiffelte sach , der gar
nit tzu helffen. wider den falsch genanten
geistl. stand, (1522). Ej"; keuffe, die ynn
landen vnd stedten gar nicht zu leyden sind.
vonkauffshandlung. (1524). Giij " ; sam (a/^)
vorstund ichs spiel gar nichts, von dem bap-
stumzu Rome. (1520). Aij**; der dritte ent-
schuldiget sich gar nichts, zwo predigt, (1535).
Eiij ^ ; so haben wir gar keiner Vergebung zu
hoffen, zwo predigt auf der kinder taufe,
(1540). Lj"; gar niemand. 2 Macc. 6, 6.
5 ) Verstärkung des gar : also gar hegt es
alles am glauben. Jen. 1, 189^; — gott
warumb verstössestu vns so gar? ps, 74,
1 ; er war so gar erschrocken. 2 Macc, 3,
17 ; hatt yhn doch der teufifelszo gar beses-
sen. anlwort deutsch, (1522). Eij**; so gar
verrucht, das diese wort. ( 1527 ). b iij ** ; sich
so gar helle brennen, ebend. siiij^; als aber
der keiser so gar erbittert war. die weisheii
Salomo, (1529). Aij^; lente diesö gar nichts
fulen. der proph. Habacuc, (1526). fiij*.
— der teuffei hat sie zu gar besessen, das
16. cap. Johannis, (1538). E iiij **; damit er
nicht mit weib und kindlein zu gar verderben
müsse, de Wette br. b, 185; sie sind zu
gar fleischlich worden, gl. zu 1 Mos, 6, 3.
— ganz und gar s. unter ganz adv.
6) Stellung, bezieht «xcA'gar auf ein adj-,
welchem der unbestimmte artikel voraus^
geht , so stellt es L. nicht zwischen diesen
und das betreffende adj, , sondern setzt es
dem artikel vor: es isf gar ein kleyn ding
vmb böse Sitten, auffdas vbirchrisUich buch.
(1521). Jiij ■ ; gar eyn böszer rewling. ord-
nung eines gemeinen kastens. (1523). Aij^;
es müste sonst gar eine grosse tafel gewesen
sein, der proph. Habacuc. (1526)..hj*'; gar
viel eines bessern testaments. Hebr. 7, 22.
ClaraHV ^' ^^^ ^f völliges ende, unter'
gang: da folget denn der garausz, dasz
königreich, land vnd leute darüber verheret
vnd zerstöret werden, lischr. 33*; bis das
endlich gott hinter jnen her war vnd spilet
das garaus mit jnen. Eisl. 1, 501 \
Clarbe^ f manipulus, getraidebund : mich
dauchte, wir bunden garben auff dem felde,
vnd meine garbe richtet sich auff vnd stund,
vnd ewre garben neigeten sich gegen meiner
garben. 1 Mos. 37, 7 ; so solt jr eine garben
der erstlinge ewr erndten zu dem priester
bringen. 3 Mos. 23, 10; ein wagen vol
garben. Arnos 2, 13. — mhd. gai^be (Ben.
1, 481 ''j, ahd. garba, karpa {Graff 4, 247).
darbenbinder^ m. , der das abgeschnit-
tene getraide in garben bindet, ps, 129, 7.
dardian , m. guardian , pater superior :
gardianten. bulla cene domini, (1522). Aj°.
— mhd. gardiän {Lexer 738). die elymolo-
gie s. Diez etymol. wlb. 1 87 .
Ciarii (garen), n. 1) gespinst, faden. ' L's
hausrechnung de Wette br. 6, 330.
2) netz des ßschers und Jägers : angel, netze,
garn. derproph. Habacuc. (1526J. fiiij**;
die da gute garn wircken vnd netze stricken.
GARST
11
GASSE
Jes, 19,9; ich wil mein nelz vber dich aus-
werfPen durch einen grossen hauflTen volcks,
die dich sollen in mein garen jagen. Ezech.
32, 3; er war nicht das wild, das jnn jr
garn gehöret, das 15. cap, der ersten ep.
s. Pauli an die Cor. (1534). Qiij *.
mhd. ahd. garn {Ben. 1, 482*. Lexer
739, too auch die form garen belegt trird.
Graff, 4, 264).
fiant, m. eig. stinkender geschmaek oder
gerueh, rancor, in folgender stelle bildlich
für bittere, gehässige gesinnung: bringen
mit sich ein garstig bitter hertz, giffÜge äugen
vttd hessige obren vnd deuten denn die schrifft
nach jrem garst, gifft vnd hass. die kl. ant-
tport. (1533). Ciij^ — mhd. garst (Ben. 1,
482^ Lexer 7^9). vgl Weigandwtb. 1,
390. Ft/martdtol. 116. Davon
tenf igf adj. rancidus, mhd. garstic, ger-
Stic (Lexer 739). 1) verdorben schmeckend
oder riechend, ranzig, stinkend: garstiger
cresem. von der winkelmesse. ( i 534). K j ^ ;
garstige hefen. von den Juden vnd jren
lügen. (1543). Z j ' ; garstige {gedr. garstrige)
wunden, antwort deutsch. (1522). Biij^;
garstige kess. ausleg. der xehen gepot.
(1528). Miiij^
2) „verahscheuungsicerih^', a) von per'
sanen: er nimpts, wo ers findet, offt einen
garstigen balck für ein schönes weib. gl. zu
Sir. 23, 24; daher es kompt, das man viel
solcher narren sihet, so die schönsten vnd
frömesten weiber haben vnd sich etwo an
schendliche vnfletige, garstige beige vnd secke
hengen. zwo hochzeitpredigten. (1535). Ciij* ;
ein garstiger schendlicherhurenbalck. von den
Juden. (1543). Hij'^; wir garstigen, lausigen,
grindiche manche, die kl. antwort, (1533).
Diiij'. b) von Sachen : jr garstiges stanckbuch.
von dewconcilijs. (1539). giij^; ein alt zerrissen
garstig hederlin. hausposl. Wittenb. (1545).
winterteil 14"; meine garstige vnd schnöde
poeterey. der IW.psalm. (1530). Aij'; vnd
die reine lere haben besuddelt mit jrem gar-
stigen vnd madichten zusatz. das 5. 6. vnd
1: cap. s. Matth. (1532). Pij\
tenligf adv. schändlich: es ist alles so
garstig erlogen vnd ersrtuncken, als der cre-
sem selbs ist. V d. winkelmesse. (1534). Lij*.
(lartei^ m. hortus, L. noch garte (Jes. 1,
30. 58, 11. Joh. 18, 1) neben g^ien {vber
das ersie buch Mose 1527. Jj'), mhd. garte
(Ben. 1, 483 ^ Lexer 740), ahd. garto
(Gra/f 4, 259): vnd gott der herr pQantzet
einen garten in Eden. 1 Mos. 2, 8 ; im
garten, v. 9 ; aus dem garten. 3, 23 ; des
garten. 2 kön. 9, 27. der pl. lautet in der
regel noch garten: schöne lustige garten.
deudschpsalter, (1541). Aiij** ; wie die garten
an den wassern. 4 Mos. 24, 6; ich macht
mir garten vnd lustgarten. pred, 2, 5; diQ
du wonest in den garten, hohelied 8, 13.
doch begegnet auch schon die umgelaulete
form gärten (gerten), z. b. das 16. eap. Jo^
hannis. (153S). Pij*.
fiarteibaiM, m. ein in gärten gezogener
bäum: sonderUch für den zambe^men odder
gartenbewmen. vier Irosl/.pM^men. (1526).
Cj«.
dartcrtrader^ m. Wiedertäufer: der gar-
tenbruder Heizer (der wegen grober polyga^
mie lb29 hingerichtete Wiedertäufer Ludwig
Hetzer), lischr. 326^. lieber die garten-
brüder s. Liebknecht de fratemitate
hortensium, auch Seckendorf Luthera-
nism. L sect. 6. §. 176 p. 303.
fiartcabria^ m. wie ein gartenbrun (vulg.
fons hortorum). hohelied 4, 15.
fiartcakaif j m. ankauf eines gartens :
des verseumeten gartenkaufls. wider den
Wucher. (1540). Cij^
liartacr^ gertner, m. hortulanus, mhd.
gartnaere, gartenaere (Ben. 1, 484 ^ Lexer
740 S ahd. gartinki (Graff 4, 252): sie
meinet es sey der gartner. Joh. 20, 15; die
vnfleissigen gartner. von den consüijs. { 1 539).
Ziij''; — des gertners. serm. vber Joh. 20.
(1531). A ii j ' ; ackerleute vnd gertner. der
proph. Habacuc. (1526). ciij*.
Cassc» f. platea, vicus, via, mhd. gaj^^e
(Ben. 1, 489^. Lexer 745, wo auch die
verschiedenen etymologien des Wortes auf-
gestellt werden), ahd. ga^ä (Graff 4, 105).
In der hibel bezeichnet gasse nicht blosz die
straszen und wege, sondern auch die freien,
weiten und öffentlichen platze vor den häu-
sem oder zwischen den einzelnen Iheilen
der Stadt (s. Zell er Mbl. wtb. 1, 418.
419) : wie eine gasse, das man vberhin laufle.
Jes. 51, 23 ; wir wollen vber nacht auff der
2*
GASSENGEHEN
12
GÄTEN
gassen bleiben. 1 Mos, 19, 2; vnd allen
jren raub soltu samlen mitl^n auff die gassen.
5 Mos. 13» 16; die gassen zu Jerusalem.
Jer, 5, 1 ; so werden die gassen vnd mauren
wider gebawet werden. Dan. 9, 25 ; gehe
aas bald auff die Strassen vnd gassen der
stad. Lue. 14» 21 ; vnd sie giengen hin eine
gasse lang, aposi. gesch. 12, 10; mein ore
hörets ferne, so hörets einer gaseen weit.
vom abendmal Chrisli. (1528). rüj*; die
rhumretige Hansen in allen gassen, die desz
sacks wollen fünff zipffel haben vnd alles
regieren, tischr, 187**.
llaaseBgckeB^ o. nächlUches umher-
schweifen auf den gcusen: des gassengehens
und nachtgeschreys ist ja, golt lob, nicht
sonderlichs wie es vor zeiten gar gräulich ge-
west. de Weite br. 4, 694.
(lasscnnäkrlein (gassenmerlin), n. gas^
senmährchen : eine öffentliche predigt mehr
vermag denn hundert tabern geschrey vnd
gassenmertin. de Weite br. 6, 264.
fiassesraiker^ m. straszenräuber : Stras-
sen oder gassenreuber. ausleg, der ep. vnd
euang. van ostem, (1544). HH 5^
(SassensMt, f. 4 Mos. 22, 39, wörtliehe
Übersetzung der moabilischen stadl Mirjath
Chuzoth.
Catt, m. hospes, eonviva, mhd, ahd. gast
{Ben. 1, 485'. Lexer 742. Graff \, 268).
1) fremdling, ausländer : gast sein, frembd-
ling sein, gl, zu 1 Mos. 47, 4; ich bin
ein gast worden in frembdem lande. 2 Mos.
18, 3 (vgL 2, 22); so soltu jn auffnemen
als einen frembdlingen oder gast. 3 Mos.
25, 35; ich bin ein gast (var. frembdling)
auff erden, ps. 119, 19; warumb stellestu
dich, als werestu ein gast im lande. Jer. 14,
8 ; ich bin ein gast gewesen vnd jr habt mich
beborberget. Matth. 25,35; auslender vnd
gesle. apost. gesch, 17, 21. — noch han-
deln die heilosen ieute gegen mir , als were
ich ein gast jnn jrer kunst. von dolmetschen.
(1530). Bj*,
2) conviva, invilus: das ist doch nit an-
ders, denn als war gott selbs e. k. f. g. täg-
licher gast, de Welle br. 4, 21; denn der
herr hat ein schlachtopffer zubereitet vnd
seine geste dazu geladen. Zeph, 1, 7 ; vnd
sandte seine knechte aus, das sie den gesten
zur hoehzeit ruffeten. MatUh. 22, 3. — zu
gast laden, bitten, haben: vnd er lies zwei
feiste rinder schlachten vnd vier schafe vnd
lud alle seine nachbam vnd freunde zu gast.
Tob* 8, 21 ; vnd ledet dich ein mal oder
drey zu gast. Sir. 13, 8; doch bat vns zu
gast doctor Heinrich Aurbach. Jen. 1, 147*;
hertzog Georg hat vns auch alle drey zugleich
zu gast gehabt, ebend,
Cattfreiy f, couvtmiim, gaslmahl, bei L.
gesterey . Burhhardt briefw. 293.
testfrei j hospüalis: gastfrey heysst der
da gerne herberget, ep, s. Petri gepredigt,
(1523). Zj*; seid gastfrey yntemander on
murmeln. 1 Pet. 4, 9 ; gastfrey zu sein ver-
gesset nicht. Hebr. 13, 2.
tesfbais^ n. deversorium, fremdenher-
berge : wo ist das gasthaus, darinne ich das
osterlamb esse mit meinen Jüngern ? Marc.
14, 14 ; ynn des mancher böser mensch ym
gasthaus oben angesessen, post, (1528). bl.
82 ^ — mhd, gasthAs {Ben. 1, 7SS^.' Lexer
742).
dtslkaf^ m. dasselbe : da wir mit einan-
der in einem gasthoff vber nacht ligen. aus-
leg. der ep. vnd euang. von osiem, (1544).
N 6*; des lands, stad oder gasthoffs recht
vnd sitt^ ebend. N 7 * ; schandbare wort
sind die vnzüchtigen wort,... wilche man
viel pflegt zu brauchen ynn gasthöffen. post,
(1528). 329 ^ bildUchvan der erde als
herberge der himmelsbürger : darümb stellet
euch auch als frembdlinge vnd geste in die-
sem fremden lande vnd gasthofe , daraus jr
nicht mehr nemet denn essen, trincken, klei-
der, schuch vnd was jr bedürfft zu dieser
nachtherberge. Eisl. 2, 138*.
daatlickj adv, nach weise eines gasles,
wie es sich für einen gast schickt: wiltu ein
gast sein, so mustu dich auch friedlich vnd
gastlich halten, ausleg, der ep, vnd euang.
von ostem. ( 1 544). N 5^ — mhd. gastliche
{Ben. 1, 486*).
fiastugj f. beherbergung undverpftegwag
von fremden, de Wetie 6r, 6, 330. — n^ul.
gaslunge {Ben, 1, 487*).
testweise, adv. als gast, als fremder,
mhd. gastwise {Lexer 743): vnd wonetea
daselbs gastweise. 2 Sam, 4, 3.
fiitei (geten), n. runcatio : wens nu auff-
GATTER
13
6AUKELER
gehet, wird sich vnkraut vnd der feile so yiel
finden, das getens vnd flickens gnug sein
wird. Jen. 3, 437 ^ — g /Ür j, denn mM.
gSten, j^ten {Ben. 1, 538''), ahd. jätan
(Graff 1, 594).
tetter^ m. claüm, 'verschränkte eiäbe*
Verbindung' (Weigand), in folgender stelle
s. o. a. häfig: vnd stiessen jn gebunden in
ein gatter {vulg. cavea). Exech. 19, 9. —
niM. gater {Ben. 1, 489 \ Lexer 743).
tettonhity m. litis der über den gatter
gefordert und gereithl wird, de Wette &r.
6, 62. — mhdm gaterzins (Ben. 3, 899*.
Lexer 744).
MtiBg^ gattunge, f. genus, *dae durch
Verwandtschaft xusammengehörige' {Wei"
gand): aber mal ist gleich das himelreich
einem netze, das ins me«r geworffen wird,
da Düt man allerley gattnng fehet. Malih.
13, 47; Ihiere einer iglichen gattunge. der
proph. Saeharja. (1528). N j ^
teich^ m. alter name des kuekuks, mhd.
ahd. gouch (Ben. 1, 558*. Graff 4, 133),
dsent be% L.
1) wie auch in der älteren spräche als
beseichnung eines einfälligen, dummen men-
schen, eines thoren, narren : doctor Goch-
lens, welchen ich pflege zu nennen doctor
Rotzleffei odder doctor Gauch, die kl. ant-
wort. (1533). Aij*; weil er nu fület, das er
zu Wormbs so mit schänden bestund vnd
noch jmer ein gauch sein mus. ebend. G j** ;
kere dich nichts an hertzog Georgen vnd
seiner geuche schreien vnd iestem. ebend.
Giij*; der alte narr vnd gauch. von den
Juden. (1543). Xiij*^; das heyst denn gott
für eynen gauch odder hültzem putzen ach-
ten, das 14. vnd 15. cap. Joh. (1538).
aaa iüj*; das er seynen vnnd aller herrn nitt
hoher geschetzt hatt, denn an dem er seynen
gauch vnd allen bette, ausleg. der ep. vnd
euang, vom ehristag. (1522). Qqiüj^
2) gauch mm scherz : eyn iauff odder gauch
machen, etn Widderspruch, (1521). Aiij *.
lÜi^lei (geuchelei), f. narrheit, thor-
heit: es mus seyn eygen trawn vnd Ecolam-
pads zeicheley vnd geucheley heissen. das
diese wort etc. (1527). eiij*.
fiäicherti ^geucherei», f. dasse^: doch
das er nit aber tzornig werde vnd klage seyn
ding sey eyn geucherey vnnd iaufferey. ein
Widderspruch. (1521). Aiüj*; las die narrey
vnd geucherey (sren. von den Juden. (1543).
Bj**; haben doch die Türeken auch solch
geucherey vnter sich, vom schem hamplH>ras.
(1543). Dj^; geucherey vnd narrenspiel.
ebend. ¥\^; sie Iestem woi seer, allein zn
wider vns Christen mit vngeschickter hos-
hälftiger geucherey. von den leisten werten
Davids. (1543). Giiij*; sie haltens für geu-
cherey vnd lauter narrwerck. wider das
bapstum. (1545). Riij': geucherey vnd
narrenteiding. ebend. Yij^
Ciifhlete Tgeuchlin), n. kleiner thor,
dim. von gauch : lesst mich auch durch sein
geuchlin vnd nerrlin schrilftlich oder buch-
stäblich für aller weit schelten, die kl. ant^
wort. (1533). Aij*; neben seines geuchlins
doctor Rotzleffels schrifft. ebend. Ai]**. —
mhd. gouchelfin (Ben. 1, 558 ^j.
Iinif. m. s. jauf.
(JMikelclj geukclei (geugeley. buUa cene
domini. 1522. Eiij*), geuklei, f. \) trie-
gerisches blendwerk: das Jhesus die teuffei
recht austriebe vnd kein geuckley were.
vom schem hamphoras. (1543). Fij*. in fol-
genden stellen s. v. a. tmgschlüsse : schreien
vnd schreiben eitel lügen, folgerey vnd gau-
ckeley, das sie selbs nicht gleuben, das (dasx
es) war sey. eine bericht. (1528). Hij'';
das sage ich darumb , xlas man greiffe , wie
der Zwingel mit gauckeley vmb gehet vnd
solch lose geschwetz seinem yrthum zu
gründe legt. vomabendmtU Christi, (1528).
m ij * ; eben der selbigen klugheit ists, das er
(Ecolampad) für gibt, weil das abendmal ein
sacrament sey , so müssen die wort auch sa-
cramentlich zuuerstehen sein ... wo für sol
doch solch geuckeley? ebend. ([ in'} ^.
2) närrisches wesen, possen : lesst die%veU
den Mahometh mit seiner tyranney vnd den bapst
mit seiner geuckeley machen, was sie machen.
vorr. aufdenproph. Hesekiel, Bindseil 7,
353 ; das man die weü wol würde vergessen
des kinderspiels vnd narrenwercks von lan-
gen rocken, grossen platten, breiten gürtein,
bischoffs vnd cardinals hüten oder stehen vnd
der gleichen geuckeley. artickel. (1538).
Aiiij*.
Caikekr, gaukler, geukder, geukler
GAUKELGESCHWÄTZ
14
GAUKELPLAN
(geugler. vermanung xum saerament, 1530.
Diij*), m. praesligiator, lascheiMpieler, he-
Irieger, mhä, goagela?re, gookelaere (Ben, 1,
540 *j: wiltu noch nicht greiffen, das vnser
geist kein gauckeler sey. vom abendmcU
Christi. (1528). lij"; wo etwa ein geugler
kompt, der auff dem seyle gehet odder äffen
veyl hat. der ili. psalm. (1530). Diij^;
ists aber der geuckler einer, die vnter dem
hiiüin spielen, an die Christen zu Franck"
fort. (1533). Bj^; er (^o«) feret nicht erab,
das er allein wolle ein ledig gesiebt zeigen
als ein Schemen oder gespenst, wie ein gauck-
ler. von der heil, tauffe. (1535). Gij*; in
des sehen vnd hören wir, wie der bapst so
ein meisterlicher geuckeler ist, denn gleich
wie ein geuckler den albern leuten ins maul
gülden gauckelt, aber wenn sie es auffthun,
so haben sie pferds dreck drinnen, so thut
auch dieser schendlicher lecker Paulus Ter-
tius. wider das bapstum. (1545). Aiij'; wie
die stocknarren oder geuckler liegen, vom
schem hamphoras. (1543). Fj^; Christus
nicht ein solcher geuckler ist, der mit halben
Worten redet, das 5. 6. vnd 1. eap. s.
Malthei. (1532). Niij^ Christus hat mit
seiner ler,e vnd auslegung jr narr vnd geuck-
ler müssen sein, ehend. Aiij'. vgl. göck-
1er.
CaHkelgesehwiti (gauckelgeschwetz) , n.
thöriehtes gerede : das nu solch gauckelge-
schwetz erkant werde, auff das vbirchrist-
lieh buch. (1521). Ciij '^ ; an stat der warheit
solch yrthumb, Ittgen vnd gauckelgeschwetz
haben, anlwort deutsch. (1522). Aj^
ClaHkelgeseti (kaukelgesetz), n, thörieh-
tes, albernes gesetz : der bapst hat ynn sey-
nem kauckelgesetz das ding szo enge gespan-
nen. von der beieht. (1521j. hiiijV
taikelhlnmel^ m. wie man den kindern
pflegt für zu bilden einen gauckelhymel,
darynn ein gülden stuel siehe vnd Christus
neben dem vater sitze ynn einer korkappen
vnd gülden kröne, das diese wort etc.
(1527). fiij^
fiaikelkirche^ f. falsche hirche: das die
armen seelen nicht mehr so kleglich durch
solche triegerey vnd gauckelkirchen verfüret
werden, grund vnd vrsach. (1520). aij*.
(laikelmaiiDi geukelmann, m. l)gaukler:
sonst lenget man yhn (goll) an vnd helt yhn
für ein gawckdman. ep. s. Petri gepredigt..
(1523). Zij^ 2) narr: treiben also niit der
gantzen Christenheit jr gespey vnd gehey al»
werens eitel geuckelmenner oder puppen, die
schlecht nichts mercken künden, wie gar
falsche büberey sie für geben. Jen. 6, 571^»
fiaikelHiaileii (gauckelmenlin), n. dim.
des vorigen, närrchen : vnd spottet sein dazu
als seines narren vnd ganckelmenlins. von
den condlijs. ( 1 539). A ij* ; narren vnd gaug-
kelmenlin. ebend. kiij^. vgl. göckelmänn-
lein.
(laikeli (gaugeln, gaugkeln), geukeln»
mhd. gougeln, goukdn (Ben. 1, 540*), ahd.
gougalon {Graff 4, 134).
1 ) Zauberei, triegerisches blendwerk trei-
ben oder machen h gleich wie auch der bapst
mit seinem chresem , weich wasser vnd saltz
geuckelt vnd zeubert. zwo predigt auff der
kindertaufe. (1540). Fij^; gleich wie ein
geuckler den albern leulen ins maul gttlden
gauckelt. wider da^ bapstum. (1545). Aiij*;
ehe wir vns vmbsehen , so hat er vns pferds
dreck ins maul gegeuckelt. ebend.
2) triegerisches spiel mit worlen treiben:
gaugkeln also mit dem befelh vnd wort
gottes. von den schlüsseln. (1530). Güj^;
wolan ich künde wol leiden, das sie mit der
schriift also gauckelten vnd narreten, wenn
sie es heimlich bey sich selbs Iheten. widder-
ruff vom fege feur. (1530). Biiij*; aber es
ist der teufTel , der also geuckelt vnd würfel
spielet mit der schriift. da« 14. vnd 15. cap,
Joh. (1538). Xüij^; ja es ist gut gauckeln
mit concüijs vnd vetern ». wenn man mit den
buchstaben alfentzet. von den condlijs.
(1539). Hij"; was istsnu wunder, das
leichtfertige schwermer mit den worlen ^es
abendmal» nach yhrem dunckel gauckeln. dcu
diese wort etc. (1527). biiij^.
3) narren : was halt der teuffei sonst zu
schaffen auff erden, denn das er mit seynem
volck also gauckele vnd fasznachtspiel treybe ?
von weltlicher oberkeit. (1523;. Eüj*; wenn
narren ynn der fastnacht so gaugelten, gienge
es wol hyn. das ander legi widder die hymi-
tischen Propheten. (1525). Biij*.
fiaakclBarr^ m. s. gockelnarr.
daakelplaa» m. platz, auf welchem der
GAUKELR£CHT
15
GAUMEN
gaukler seine künsle auffvhrl : were besser,
das man solch weseo auff dem gauckelplan
triebe. posL (1528). 237 ^
CBlkclrcckti n. fäUehliches recht: das
lesterlieb gauckelrecht oder regiment des
bapsts. van den condlijs. (1539). kiij''.
CiAikelMck (gaugelsacfc. von den ieMüs*
eeln. 1530. Giiij.'Jlf geukeisack, m. sack,
taiche des gauklers, mhd. gougelsac (Ben.
2'^, 3^): aber du feindseliger Lulher reissest
mir hie dem gauckelsaek den boden aus.
vom abendmal Christi, (152S). 1 j**; da soll
sich aller erst ein gerümpel ynn Zwingeis
gauckelsaek heben, ebend, lij*; aber der
geist kan hie wol seinen gauckelsaek anruf-
fen, das er yhm eraus gebe etwa eine alleo-
sin. ebend. ; zuletzt ist noch der geuckeisack
des bapsts dahinden von nerrischen vnd kin-
dischen artikeln. arttcfte/ e(c. (1538). Hiiij*;
aus des bapsts vnd seiner nicklas bischolfe
geuckeisack. das 16. cap» s, Joh, (1538)
Piüj^; da sitzt der kautz zu Rom mit seinem
geuckeisack. vier predigten. (1546). Riij^
(laHkelsplel , n. spiel zur kurzweil, 6e-
lustigung, possenspiel : die pfaffen so leicht-
fertig mit dem sacrament handelten als were
es ein gauckelspiel. wamunge an s. l. Deud"
sehen. (1531). Fiiij"; das sie so sicher vnd
fein rips raps kundten messe halten, als trie-
ben sie ein gauckelspiel. von der winket-
messe. (1534). Ej*; {die beschneidung)
nichts mehr ist, denn ein leufels gauckel-
spiel, da mit er sie (die Juden) wie auch die
Türcken efiet vnd nerret. von den Juden.
(1543). Gij'; was ist das halten der andern
gesetze, denn ein lauter gaukelspiel vnd fast-
nachtslarven. ebend. Uij'. — mhd. gougel-
spil(Äeii. 22, 501*»).
fiMkelsäii4e^ f. falsche erdichtete sünde :
aber an solcher grewel stal lereten sie die
gauckelsünde , so widder yhr lügen gesetze
geschehen wareu. von den schliisseln. ( 1 530 ).
Kiij*.
Haikeiwerk (gauckelwergs geukelwerk,
fi. 1) triegerisches blendwerk: das gauckel-
werck der schwarzen kunst. Weisheit 17» 7.
falsche^ täuschende folgerung: awe, es ist
gaackelwerck vnd keyn grund da. das ander
legi Widder die hymlischen proph, (1525).
Dj'; den lel were k vnd geuckchverck. das
diese wartete. (1527). dij*; wir lassen hie
keine alleosin noch heterosin noch ithipeian
zu, noch einiges geuekelwerck das Zwingel
aus seinem gauckelsaek erfur bringt, vom
abendmal Christi. (1528). lj\
2) passen, leere, ceremanien : der bischoff-
gotzen lugenhafltig gauckelwerck die ferme-
lung. wilehe personen etc. (1522). Aij*; als
stünde eyn christlich wBsen ynn solchem eus-
serlichem gauckelwerg. widder d. hyml. pro*
pheten. (1525). Giij' ; sie (die papisten) haben
gotts wort auff yhre gauckelwerg gezogen.
der proph. Sacharja. (1528). Z iiij ' ; sind
nu keine sünde hie, so mus beide binden vnd
lösen ein lauter gauckelwerck vnd affenspiel
sein, van den SQhlüsseln. (1530). Giij^;
darnach von liecht weihen, palmen, fladeu
weihen, würtz, hafern etc. . . . vnd des gau-
ckelwercks vnzelich viel, artikel etc. (1538).
Hiiij'; mit gauckelwercken gott dienen.
der deudsche psalter. (1541). Uiiij^
Claikler^ m. s. gaukeler.
dänklerei fgeucklerei), f. was gaukelei:
daher verwerfen wir auch den bapst sampt
seiner gantzen kirchen , der hat alle weit er-
füllet mit gleicher geucklerei , zauberey, ab-
gö tterey . vom schem hamphoras. (1543).
DJ*.
üslmI, m. equtAS, pferd : hund vmb hund,
gaul vmb gorren. vom abendmal Christi.
(1528). mj^; der gaul istgezeumet vnd ge-
sattelt, setze drauff auch einen nacketen kna-
ben, der reiten kan , so gehet der gaul eben
so wol, als wenn jn der keiser odder bapst
riite. von der winckelmesse. (1534). Liiij^;
ein stetiger gaul. tischr. 406*^; die bösen
schelhgen geule. ausleg. der evang. an den
fümemisten festen. (1527). Yij'; die kollern
vnd tollern geule. der 101. psalm: (1534).
Niiij'^; man höret, das jre rosse bereit
schnauben zu Dan vnd jre geule schreien. Jer,
8, 16; vnd wiehert wie die starcken geule.
50, 11. das m,hd. giül (Ben. 1, 586*), wel-
ches den eber und auch das ungeheuer be-
deutet, gieng nach Weigand (wtb. 1,
393) etwa mit dem 15. jh, auf das pferd
über.
ClaHMeBj m. palatum: zunge, gaumen
vnd kele. von der winckelmesse. (1534).
Kj^; meine zunge klebt an meinem gaumen.
Gfi-
16
GEBÄRDE
ps. 22, 16; dem seugling klebl seine zunge
an seinem gaumen für durst. klagL Jer, 4,
4. einmal {Hioh 29, 10) bei L. auch das
md. güme. — mhd. guome, goume (Ben. 1,
587*)» ahd, guomo, goumo, giumo {Graff
4, 206). über die elymolqgie $. Weiland
M(b. 1, 393.
Üt'f unbetonte, untrennbare partikei in
xueammensetzungen vor subetanliven j ad-
jeeUven und verben, mhd. ge-, gi- {Ben. 1,
490), ahd, ga-, ka-, gi-, ki-, ge-, ke-
(Graff 4, 10 tf-)f 9oth. ga »» lat. cum mit,
zusavMnen.
1) L. bietet noch mehrere mit ge- com"
pon, Wörter, toeldie die heuUge spräche hat
abkommen lassen, z» b. gegatte (gälte), ge-
gitter, gerecht (=• recht n.), geschrift, ge-
schmuck, gestift («» Stiftung), gestwm
(Sturm), gezeit (zeit), gezelt, gezeug, gezeug-
nis, gezwaug ; gelieb («» lieb) ; gehaben, ge-
helfen, gelebeu, gestehen (kosten), gewach-
sen.
2) umgekehrt erscheinen manche unserer
heutigen, mit dem praeßx ge- zusammengc'
setzten Wörter bei L. auch noch ohne das-
selbe, z. b. berde, bet (beet), bot, brauch,
dank, fahr, fahrlich, fährlichkeit, lindigkeit,
ruch, schmack, stank, unziefer, hurtig, ba-
ren, berden, horchen, reichen für gebärde,
gebet, gebot, gebrauch, gedanke, gefahr, ge-
fährUch, gefährhchkeit, gehndigkeit, geruch,
geschmack, gestank, Ungeziefer, gebürtig,
gebaren, gebärden, gehorchen, gereichen.
einige der angeführten wÖrter gebraucht
L, herrschend in der einfachen form, so
brauch, fahr, fahrlich, fährlichkeit, unziefer;
neben lindigkeit, ruch, schmack, stank kommt
auch die mit ge- compon. form vor ; ein-
zelne, wie z. b, bet, bot, dank (»s gedanke)
begegnen nur in den früheren Schriften.
3) die wegwerfung des e uiUerbleibt noch
öfter bei gUed statt gelied, gnade st. genade,
vereinzelt auch bei glück; bei genug und
den davon gebildeten wörtem dagegen bil-
det die apocope des e die regel.
4) die bildung des part. praet. mit be-
tritt, wie bereits vorr. XVllJ bemerkt
wurde, bei L. anfangs (bis gegen das jähr
1524) weit spärlicher auf, als in den spä-
teren Schriften, aber auch in diesen begeg-
nen noch mehrere verben, z. b. bleiben,
bringen, ünden, geben, gehen, kommair krie-
gen, lassen, offenbaren, treffen, ziehen u. a.,
im part. praet, vielfach ohne augmenl.
eigenthümlich erscheint regieren im part,
praet. wiederholt mit dem praefix: oder ist
hierbei ein verb geregieren (vgl. mhd. gere-
gieren, geregnieren Ben. 2, 61 1 '') anzuneh*
men? auch gestudirt begegnet.
5) in L.*s frühester sehrifi : ein geystlich
edles buchleyn v. j. 1516 erscheint die Par-
tikel ge nach können auch vor dem inßn.,
wie dies in Hessen noch heute der fall ist
(Vilmar idiot, 120), z. b. der mensche
kan ym diser keins gegeben oder genemen.
a. a. 0. fi j *. hierher gehört wohl auch die
aus den predigten über das erste buch Mose
(1527) entnommene var. zu 1 Mos. 7, 14:
alles was gefliegen kund.
Htkikilf ttf part, geächtet, s. ächtigen.
Iiebackeiij part. adj. : vnd heissen vnsern
gott den gebacken got. das diese wort etc.
(1527). bij*; allerley gebacken speise. 1
Mos. 40, 17. subst. : wil er aber sein speis-
opffer thun vom gebacken im ofen. 3 Mos.
2, 4 ; vom gebacken in der pfannen. v. 5 ;
ich habe nichts gebackens. 1 kön. 17, 12 ;
maclie mir am ersten ein kleines gebackens
dauon. v. 13.
SeUknt (gebeent, gebenet), part. v.
bahnen (s. d.), adj. : wir wollen auff der
gebeenten Strasse ziehen. 4 Mos. 20, 19;
auff dem gebeenten pfad ist kein tod. spr.
12, 2S; richte dein hertz auff die gebenete
Strasse. Jer. 31, 21.
debarde (geberde, geperde), n. gestus,
mhd. gebaerde (Ben. 1, 149*. Lexer 747),
ahd. gibärida (Graff 3, 150).
1 ) äuszere erscheimmg, aussehen, gestalt :
lieben brüder seid gesynnet vnternander, wie
ylu* sehet yn Christo, wilcher da er ynn
gottes geperden war, lies er sich nicht dun-
cken, er hets mit raub erlanget, gott gleich
zu sein, sondern er eussert sich sein selbs
vnd nam an sich die geperde (wohl pL, da
sonst das wort nur als n. vorkommt) eins
knechts. po«l. (1528). 24% var. zu Phil.
2, 5 — 7 ; Christus verächtlich geberde. ebd.
56*; am wort hanget er (der glaube) allein,
vnd gar nichts am gesiebt odder geperde.
GEBÄRDE
17
GEBAREN
ehend. 9 * ; auff das der mensch das greszlich
geperd vnd büd des todts tieff betrachte.
serm. von der bereitung zum sterben. (1519).
a ij^ ; die da haben das geperde {den schein)
eynes gottseligen ^andeb. 2 Tim, 3, 5 tu
der 1. ausg, des n. lesL; ein geperde der
fnimkeyt. auff das vbirchristi. buch. (1521).
Oj^; alle ding gelien jnn schönem geberd
vnd gepreng. das 5. 6. vnd 7. cap. s,
Matthei. (\bd2). Güj^
2)« äuszerlieh sichtbares benehmen in
bewegung und handlung : ein mensch, dem
leid vnd vbel zu mute ist, der hat auswendig
elend geberde {originaldruck: die sieben
buszpsalm. 1517. C 5* hat hier gebirde, u>,
m. s.), sclilecht {schlägt) das heubt nider
vnd lüstet jn das heubt nicht auffheben. Jen.
1 , 24* ; vnd sibe wie er sein gebet beschreibt,
das er sich auch mit eusserlichen geberden
des knie beugens dazu stellet, ausleg. der
ep. vnd euang. von ostem. (1544). Pp6*;
ein vernuniTtiger merckt den man an seinen
geberden, denn seine kleidung, lachen vnd
gang zeigen jn an. Sir. 19. 26. 27; sie
{die Jünger) haben wol gedacht, es müsse
war sein, was er sagt, weil sie sehen solche
newe geberde (pl.) nach der letze, das er
von newes anfehet, von newes dancket, von
newen das benedicite spricht, vom abendmahl
Christi. (1528). yi]"*; eusserliche jrdische
geberden stellen {äuszerliche ceremonien
aufstellen), von den schlitsseln. (1530).
Bj**; kein eusserlich ding fordert odder
lülfft vns für golt, dennoch müssen wir eus-
serlich ding vnd geperde halten, so dazu
dienen, das man die leute zum wort gottes
halte, vber das erste buch Mose. (1527). ee
ij^ ; das reich gottes kompt nicht mit eusser-
lichen geberden. Luc. 17, 20; ich mag des
nicht, der stoltz geberde vnd hohen mut hat.
ps. 101, 5; freundlich geberd geben. auS"
leg. der euang. von ostem. { 1 527 ). g j ' ;
sawre, ernste geberden. Jen. 1, 194**; mit
seinen freundlichen geberden holet er dich
aus. Sir. 13, 14.
3) gebärde «=» gesicht, antlitz : da er-
grimmet Kain seer vnd sein geberde verstellet
sich. 1 Mos. 4, 5; wenn sie {die frau)
böse wird, so verstellet sie jr geberde vnd
DnT2, Wdrterbncli. IL
wird so scheuslich wie ein sack. Sir. 25,
23. vgl. noch das einfache bärde.
SeMriei (geberden, geperden), gestire,
se gerere, sich benehmen, handeln, ver-
fahren: das sich eyner stellet ab eyn gott
vnd auch also geberdet, ausleg. der ep. vnd
euang. vom heil, dreykönigefest. (1525).
yiij * ; darümb mus er {Abraham) einen hohen
geist gehabt haben, ders yhm gesagt hat, das
er vnter den dreyen {im hain Mamre zu
ihm gekommenen männem) einen sihet der
gott ist vnd die andern enget, vnd doch alle
drey annimpt wie menschen, als sie auch ge-
perden. vber das erste buch Mose. (1527).
s iiij ^ ; ich wils vber dein dencken vnd ver-
nunfft machen, wil dazu geperden ab wolt
ich liegen vnd eben das widderspiel thun.
ebend. x iiij * ; {Paulus) ass, tranck vnd ge-
berdet mit den Juden nach dem gesetz...
vnd mit den. beiden ass, tranck vnd geberdet
er on gesetz. post. (152S). 60^; {Christus)
also redet vnd geberdet, wie er leute für jm
hat. das 16. cap. Joh. (153S). Gciiij^; ein
verstendiger geberdet weislich, spr. 17, 24;
die am aller fürstlichsten geberden wollen.
der proph. Daniel {\bZO) Aiiij''; wol ists
fein , wo eine jungfraw oder weih from ist,
da$ sie ehrlich vnd reinlich gekleidet vnd ge-
zieret sey vnd eusserlich fein züchtig geberdet.
von den Juden. (1543). Hüj*. eigenthüm^
lieh ist ein unpersönliches es geberdet «»
es hat ein aussehen, eine gestalt : auch %vere
es kein glaube, wo es schyene vnd geperdet
v>ie der glaube acht vnd die wort lautten,
vnd eben darumb ists glaube, das es nieht
scheinet noch geperdet, wie der glaube vnd
die wort lautten. post. (152S). 9*. heute
ist nur noch sich gebärden üblich, vgl. auch
bärden.
fiebMIeis (geperde), n. dim. von ge-
bärde : wo das nicht da were, szo were das
ander eyttel gepertle vnnd geperden. aiiU
wort deutsch. (1522). £j*.
fiebarei; handeln, verfahren: wer hat
yhm {herzog Georg) die macht gegeben . . .
damit {mit einem briefe L.*s) zu handeln
vnd gebaren mit freuel. von heimliehen vnd
gestolen brieffen. { 1 529). Aiüj ^ ; damit öffent-
lich vnd freueUch gebaret seines willens.
ebend. h}*; damit gebaren seines gefallens.
3
GEBÄREN
18
GEBÄREN
timer amt iemkokeu arückeln. (1537). Ciij** ;
<L« harn der niiuersiut jrs geCallens mit mir
^dbrctt« Jen. 1, 129^; »o faren vnd geba-
m SM doch do mit als hetten sie es gestoleo.
äerlW.j^lm. (1530). Dj*; (der bapsl
kai) damit («tl den schiü$seln) gebaret, als
werm sie seyn allein vnd eigen, wider d<u
hap$imm. (1545j. Aaiiij^ — mhd. gebären
(Ben. 1, 146'. Lexer 748). vgl auch
baren.
CcUmi fgeberen, anfangs geperen), pa-
rere, hervorbringen, mhd. gel)^rn {Ben. 1,
156 ^ Lexer 752), ahd. gi-gabSran (Graff
3, 143;.
fonnen.
praes, $g.: idi gebere. Jes. 23, 4. GaL
4, 19; da gebirst. richL 13, 3; gebierest.
Jes. 45, 10. 54, 1. GaL'A, 27; er (sie, es)
gebirt 3 Mos. 12, 2. 5. 7. 5 Mos. 25, 6.
Hiöb 15, 35. 24, 21. Joh. 16, 21. GaL
4, 24; gebiert. Jes. 66, 7. /ac. 1, 25; pl.
geberen ; praet. gebar (eonj. gebere, einmal
gebäre. po«l. 152S. 155''); pari, geboren
11« gebom. beispiele s. hernach, {als selten-
heil darf hier feohl ein in Gersienberger* s
Chronik [mon. hass. 1 , 38] erscheinendes
schwaches praet. geberte angemerkt wer-
den.)
gebrauch.
1) von menschen, erzeugen, ein hind zur
weit bringen, a) vom vater, von welchem
jetzt zeugen gesagt wird : Abraham hat ge-
pom Isaac. var. zu Matth. 1,2; vnd er ge-
par Isaac. var. zu ap. gesch, 7, 8; du bist
mein son, heute hab ich dich geporn. 13, 33.
in diesen stellen wurde in späteren ausgg.
zeugen gesetzt; doch hat die bibel v. 1545
noch einige mal gebären »» zeugen: Hur
gebar Vri. Vri gebar Bezaleei. 1 chron. 2,
20 ; Segub aber gebar Jair. v. 22, obgleich
es Jer. 30, 8 dem heuligen sprachgebrauche
gemäsz heiszt: forschet doch vnd sehet ob
ein mansbilde geberen müge. b) häufiger
von der mutter: vnd zum weibe sprach er . . .
du solt mit schmertzen kinder geberen. 1
Mos, 3,16; vnd sie (Heva) ward schwanger
vnd gebar den Kain. 4, 1 ; vnd sie für fort
vnd gebar Habel seinen bruder. v. 2 ; wer
dflrfft von Abraham sagen, das Sara kinder
seuget vnd bette jm einen son geborn in
seinem alter? 21, 7; Milca hat auch kinder
geborn. 22, 20 ; die ebreischen weiber sind
harte weiber, ehe die wehmutter zu jnen
koropt, haben sie geborn. 2 Mos. 1, 19 ; da
deine mutter dich geboren hatte. hoheUed
8, 5 ; ein weib wenn sie geliirt, so liat sie
trawrigkeit . . . wenn sie alier das kind ge-
boren hat, dencket sie nicht mehr an die
angst. Joh. 16, 21. c) geboren werden:
da werden teglich kinder geporn. an die
radherm. (1524). Bij*; sol mir hundert jar
alt ein kind geboren werden. 1 Mos. 17.
17; vnd Abraliam hies seinen son, der jm
geborn war, Isaac. 21,3; vnd Joseph wurden
zween söne geboren. 41, 50; der tag. müsse
verloren sein, darinnen ich geborn bin. Hiob
3, 3 ; ich bin dazu geboren, das ich mit den
rotten vnd teuffein mus kriegen, die ep. s.
Pauli zu den Coloss. (1529). Aij'; wir sind
alle von natui* lügner,* in erbsttnd vnd bliad-
heit geboren, ausleg. der ep. vnd euang.
von ostem. (1544). yij^ d) von der geist-
lichen geburt, Wiedergeburt: meine lieben
kinder, welche ich abermal mit engsten ge-
bere. GaL 4, 19; es sey denn, das jemand
von newen geborn werde, kan er das reich
gottes nicht sehen. Joh. 3, 3 ; darumb hat
Christus wollen geporn werdenn, auff das
wyr durch yhn anderweytt gepornn wurden.
ausleg. der ep. vnd euang. vom christtag.
(1522). Fiiij'; daher ists auch so ein kreff-
tig jüngelbad, das es den menschen new ge-
birt. zwo predigt auff der kinderlauffe.
(1540). Giiij^
2) von thieren, ein junges zur well brin-
gen: weissestu die zeit w^nn die gemsen
auff den f eisen geberen? Hiob 39 , 1 ; sie
beugen sich, wenn sie geberen vnd reissen
sich vnd lassen aus jre jungen, v. 3 ; wenn
ein ochs oder lamb oder zige geboren ist. 3
Mos. 22, 27 ; alle erstegeburl, die vnter
deinen rindern vnd schafen geborn wird. 5
Mos. 15, 19.
3) hervorbringen überhaupt: er gehet
schwanger mit vnglück vnd gebirt mühe.
Hiob 15, 35; mit vnglück ist er schwanger,
er wird aber einen feil geberen. ps. 7, 15 ;
aber der törichten vnd vnnützen fragen ent-
schlahe dich, denn du weisseste das sie nur
zanck geberen. 2 Tim. 2, 13; darnach
GEBÄRER
19
GEBEIN
weon die lust empfangen hat, gebiert sie die
Sünde, die sünde aber wenn sie volendet ist,
gebirt sie den tod. Jae. 1, 15; also mus
jmerdar eine lügen die andern geberen. von
den schliuseln. (1530). Fiiij^; also ge-
bieret vnd heckt jmmer ein irrthumb den an-
dern. Uschr. 296 ^
(leUrer (geberer), m. erxeuger, vater:
denn durch das wörtlin 'deiner kindschaffl'
drückt er aus den vrsprung vnd geberer vnd
meister der selben kiudschaffl. Jen, 1, 101^.
— mhd. gebörer {Lexer 752).
Cebirerfi (gebererin), f. puerpera, krei-
szende, mutier j mhd, geb^rerinne {Lexer
752): bis das die gepererynn gepirt. posi.
(1528). 216"; angst (ist sie angekommen)
wie eine gebererin. pi, 48, 7 ; es wird jnen
bang sein wie einer gebererin. Jes, 13, 8;
ich höre ein geschrey als einer gebererin.
Jer, 4, 31 ; Maria goltes mutier oder gottes
gebererin ist. von den concilijs. (1539).
Sj*. einmal sieht auch geberin: vnd weise-
ten vns zu der' lieben gottesgeberin Maria.
zwo schöne predigt, (1537). Dij^ vgl.
gottesgebärerin.
(lekanchj L. gebers, m. in der auch in
Hessen vnter den hindern gebräuchlichen
redensart: gebarsch nemmarsch (Älherus
dict, Tt üj^; geh ars, nem ars), von solchen
die gegebenes bald wieder nehmen : yhr (der
weit) geben ist also, das die rechte band
gibt, aber die lincke zu sich zeucht, das
heisset man gebers nemers, wie die kinder
vntemander spotten, das 5. 6. vnd 7. cap,
8. MaUhei, (1532). e iiij "; die möchten
heissen gebers nemers, geben sie es, so neraen
sie es. wider das condlium obstaniiense,
(1535). Biüj^; darumb wollen wir in dem
concilio von vns begerd keinen Nestor leiden,
der vns eins gibt vnd das ander nimpt. . . .
vnd ist eiq rechter gebers nemers. von den
concilijs, (1539). cij'; dennoch wollen
sie den rhum haben, das sie gebers vnd nicht
nemers heissen. wider den wucher zu prc'
digen. (1540). Giiij'.
lleUmg (geperung), f, partus, die ge-
hurt: diese eine personliche geperung be-
schleust ein natürliche gepurt. ausleg, der
ep, vnd euang, vom christag, (1522).
Oiiij*. post. (1528). 127 ^ — mhd. ge-
b^runge [Lexer 752).
debil (gebew, gebewe. post. 1528.
315'), n. aedificium, gebäude, mhd, ge-
biuwe (Ben, 1, 289*. Lexer 756): vnd er
mas das gebew. Ezech, 40, 5 ; vnd er mas
die lenge des gebews. 41, 15; das herrlich
gebew ist verstöret. Sach, 11, 2; das sie
jm zeigeten des tempels gebew. Matth, 24,
1 ; man mus zum guten gebew nicht allein
werckstuck , sondern auch füllestein haben.
das man kinder zur schulen halten solle,
(1530). Diij'; vnd füret es herein vnter
einer gleichnis eines gebewes. das schöne
conßtemini. (1530). Mj*; das die helle
ein hültzen odder eisern gebew sey. von
Jhesu Christo, (1533). Jj*; das die helfft
solt gefallen zu dem gebew s. Peters kirchen
zu Rom. wider Hans Worsl, (1541). Lüj*.
bildlich : Christus sagt, die pfortenn der helle
sollen nit vormugen widder sein gebew {die
kirche)aiu(i den f eis. von dem bapstum, (1520).
Gj' ; vnd ist das bapstumbs gepew auff diessen
Spruch gegrundt. auff das vbirchrisllich
buch, (1521), Kiij'. der pl. lautet ge-
wöhnlich gebewe (gebew): denn wo so
grosse vnmenschliche gebew geschehen, da
müssen viel leute zugehören, die da erbeiten.
der proph. Habacuc. (1526). lij^; das
du dich auff deine gebewe verlassest. Jer.
48, 7 ; es hgt fürwar nicht an steten vnd ge-
be wen. Jen. 1, 27 2 ^ einmal begegnet je*
doch gebawe : Moses macht ein tabernackeli
mit dreyen vnderschidlichen gepawen. das
magnificat. (1521). bij^
(Icbaii4e (gebewde), n. dasselbe: vül bes-
serer thet der , der lauter umb gottis wUlen
gebe tzu dem gebewde s. Petri. serm, von
dem ablasz vnd gnade. (1518). Aüj *.
Hthtf adj, annehmbar, mhd. gsebe (Ben.
1, 509 ^ Lexer 721), in der redensart:
genge vnd gebe. s. gänge.
fiebeesl, gebenet, s, gebahnt.
CekelB^ gebeine (gepein, gepeine), n. coli.
zu bein, knochen, 'gesammtheit von knochen'
(Weigand), mM. gebeine (Ben. 1, 101 ^
Lexer 748), oM. gibeini (Graff 3, 130).
1) gebein, knochen: mein gebein hanget
an meiner haut. Eiob 19, 20; meine ge-
beine sind verdorret furhiue. 30, 30; seine
3*
GEBEISZE
20
GEBEN
{des hehemoihs) gebeine sind wie eiserne
stehe. 40, 13; alle meine gebeine haben sich
zurtrennet. ps. 22, 15; da ichs wolt ver-
schweigen, verschmachten meine gebeine.
32, 3 ; vnd ehe sie anff den boden hinab
kamen, ergriffen sie die lewen vnd zumalme-
ten auch jre gebeine. Dan, 6, 24. gebein
vnd fleisch : taste sein gebein vnd fleisch an.
Hioh 2,5; gedenckt auch dabey, das ich
ewr gebein vnd fleisch (euer llulsverwand"
ter) bin. rieht. 9, 2; wir sind deines ge-
beins vnd deines fleischs. 2 Sam, 5, 1.
2) gebein eines verstorbenen, leichnam,
todtengerippe : wenn euch gott heimsuchen
wird, so füret mein gebeine (1527 : gepeyn)
von dannen. 1 Mos. 50, 25, zu welcher
stelle L, in den predigten über das erste
buch Mose (1527) XX üj'^ bemerkt: das ist
abermal der glaube auff die verheissung des
lands Canaan, des zum zeichen vnd Sicherung
. . . beiihlet er (Joseph) auch seinen leib mit
yhn zu füren ; vnd Moses nam mit sich das
gebeine (1523: gepeyne) Joseph. 2 Mos.
13, 19 ; Dauid nam die gebeine Saul vnd die
gebeine Jonathan seins sons . . . vnd samleten
sie zuhauffen mit den gebein en der gehenge-
ten. 2 Sam. 21, 12. 13; zu der selbigen
zeit, spricht der herr, wird man die gebeine
der könige Juda, die gebeine jrer fürsten, die
gebeine der priester, die gebeine der prophe-
ten, die gebeine der bürger zu Jerusalem aus
jren grebern werffen. Jer. 8. 1 ; des ge-
beines lag seer viel auff dem feld. Ezech.
37, 2.
3) gebein = die beine: baten siePilatum,
das jre gebeine gebrochen würden, Joh.
19, 31.
debeisie (gebeisse), n. gezänk, streit:
solch gebeysse , neid, klagen vnd widderümb
versünen wird sich oflt haben begeben, vher
das erste buch Mose. (1527). Ttij**; ein
schendlich gezenck vnd gebeisse. von den
concilijs. (1539). Rj*; der stoltze vnge-
lerte bischoff hat ein grekisch böse gebeisse
angericht. ebend. Sij'^; solch ein gebeisse,
getümmel vnd vnordnung ist drinnen gehal-
ten, ehend. Yij*'; das gebeisse (der streit)
des fuchs vnd hunds. Eisl. 1, 422 '.
CebcBj dare, praebere, mhd. g^ben (Ben.
1, 500 ** /f. Lexer 749. 750), ahd. geban
(Graffi, 108 ff.), goth. giban. vgl. Grimm
über schenken und geben, hl. sehr. 2, 173.
formen.
praes.: ich gebe (geh), vereinzelt gib
(von dem bapstum zu Rome, 1520. Fiij'';
auf das vbirchristl, buch. 1521. Cij^), du
gibst, er gibt, selten gibet (z, b. an die rad^^
herrn. 1524. Aiij'; das 16. cap. Joh,
1538. Yij % wir geben u. «. to. ; praet.
gab, einigemal gäbe (vber das erste buch
Mose. 1527. Jij^; ccij''); parL anfangs
gewöhnlich geben, später gegeben ; imp. gib»
einmal gibe (wider den wucher zu predigen,
1540. Biif).
hedeutungen und gehrauch.
1) geben, darreichen, übergeben, milthei^
len.
a) ohne objeet: gibt jemand, so gebe er
einfeltiglich. Rom. 12, 8.
b) mit bloszem dalive: gib dem der dich
bittet. Matih. 5, 42 ; bittet, so wird euch
gegeben. 7, 7.
c) mit hloszem acc. : pflegt ewer meister
nicht den zinsgroschen zu geben? 17, 24 ;
ich habe gepflantzet, Apollo hat begossen,
aber gott hat das gedeien gegeben. 1 Cor. 3,
6 ; sollichen rat hab ich zu der zeyt geben»
do ich noch schew war. vom ehelichen leben,
(1522). Aiij^; ein klein anweisung geben.
derproph. Daniel. (1530). Bj'.
d) mit dat. und acc. hierfür bietet die
bihel zahlreiche stellen, wovon hier nur die
hauptsächlichsten ausgehoben werden Mn-
nen. als geschenk, lohn, abgäbe etc. ge-
ben : deinem samen wil ich dis land geben.
1 Mos, 12, 47; dem selben gab Abram den
zehenden. 14, 20 ; vnd zoch erfur silber vnd
gülden kleinod vnd k leider vnd gab sie Be-
beca. 24, 53 ; stimme das lohn, das ich dir
geben sol. 30, 28; ists recht, das man dem
keiser zinse gebe? Malth. 22, 17; das
boten- vnd tranckgeld wirstu dem fumiann
Wolffen wol wissen zu geben, de Welle &r.
6, 271. — zur ehe geben: befreundet euch
mit vns, gebt vns ewre töchter, vnd nemet jr
vnsere töchter. 1 Mos, 34, 9; du wollest
mir deine töchter zur ehe geben. 1 Macc»
10, 53. — einem einen kusz, einen schlag^
geben: du hast mir keinen kuss gegeben.
Luc. 7, 45; gab der diener einer Jhesu einen
GEBEN
21
GEBEN
backen streich. Joh, 18i 22; wenn man jm
vierzig schlege gegeben hat, sol man nicht
mehr schlahen. 5 Mos» 25» 3. — namen ge-
ben : vnd der mensch gab einem jghchen vieh
vnd vogel vnter dem himel vnd thier auifdeni
felde seinen namen. 1 Mos. 2, 20; vnd
gaben den stedten namen. 4 Mos. 32» 38.
— ein amt, gewait, macht geben, verleihen :
vnd vns das ampt geben. 2 Cor. 5, 18 var. ;
vnd preiseten gott» der solche macht den
menschen gegeben hat. MaUh, 9, 8; also
gibet er hiemit seinen aposteln vnd predigem
des euangeiy die höchste gewalt vnd macht.
das 16. cap. Joh. (1538). Kj^ — einen
befehl, ein gebot, ein gesetz, einen rath u.
dergl. geben, erlheilen: vnd gab jm befelh.
Sir. 45, 3; ein new gebot gebe ich euch.
Joh. 13y 34; vnd weis solches, das dem ge*
rechten kein gesetz gegeben ist. 1 Tim. 1,
9; vnd verlies den rat, den jm die ehesten
gegeben hatten. 1 kön. 12, 13; ich gebe
euch eine gute lere, spr, 4, 2. — einem ein
beispiel, ein exempel, ein ärgernis geben : ein
beyspiel habe ich euch gegeben. Joh. 13,
15; vnd den andern ein exempel zur furcht
gegeben würde, von ehesachen. (1530).
Eiiij*; lasset vns aber niemand jrgent ein
ergernis geben. 2 Cor. 6, 3. — einem ehre,
lob, preis geben : gebt vnserm gott allein die
ehre. 5 Mos. 32, 3; gib dem herm, dem
gott Israel die ehre vnd gib jm das lob. Joh.
7, 19 ; die thiere gaben preise, vnd ehre vnd
danck dem der da auff dem stuel sass. offenb.
Joh. 4,9. — schuld geben, beschuldigen :
vnd es war oben vber jn geschrieben was
man jm schuld gab. Marc. 15, 26 ; sie (die
papisten) ja so grobe stück auff jnen haben,
als sie vns schuld geben, das 14. u. 1 5. cap.
Joh. (1538). Ffiij^ — böse, gute worte
geben : wenn ich mich wider sie setze, so ge-
ben sie mir böse wort. Hioh 19, 18; vnd
jnen gute wort geben. 1 kön. 12,7; vnd
gibt dir die besten wort. Sir. 13, 7. — die
letze, ade, valet geben, abschied nehmen,
lebeu)ohl sagen : vnd hat jnen hiemit die letze
gegeben, das 1 4. vnd 1 5. cap. Joh. (1538).
Yy iij ^ ; vnd geben vns damit ade zu gutter
nacht, vom abendmal Chrisli. (1528).
Diij*; der ist dahin vnd hat der kirche das
valete gegeben, von den concilijs. (1539).
Bij'. — frist, zeit gehen, gewähren, verslal'-
ien : ynn des gib ich dir frist vnd rawm. auff
das vbirchrisU. buch. (1521). Cij^ ich
wil jnen noch frist geben hundert vnd zwen-
zig jar. 1 Mos. 6, 3 ; ich hab jr zeit gege-
ben, das sie solt busse thun. offenb, Joh. 2,
21. — ein mahl geben, veranstalten: Hero-
des auff seinen jartag ein abendmal gab den
obersten vnd heubtleuten vnd fumemeslen in
Galilea. Marc. 6, 21.
e) mit dal. und parUUvem gen. : welcher
seines samens dem molech gibt, der sol des
tods sterben. 3 Mos. 20, 2 ; was man des
dem herrn gibt. 27, 9; er gibt seines brots
den armen, spr. 22, 9. statt des gen. auch
die praep. von: gebt vns von ewreni ole.
Matlh. 25, 8 ; das (dasz) sie jm geben von
der frucht des Weinberges. Luc. 20, 10.
/) mit infin. : engein, welchen gege])en ist
zu beschedigen die erden vnd das meer.
offenb. Joh, 7,2; vnd ward jm gegeben zu
streiten mit den heiligen. 13, 7; vnd es
ward jr gegeben sich anzuthun mit reiner vnd
schöner seiden. 19, 8.
g) mit abhängigem satxe: gott gebe, es
sey diszer odder yhener tag. das 7. cap, s,
Pauli XU den Corinthem. (1523). Cj**;
gott gebe, das so bleibe vnd bestehe, das
schöne confUemini, (1530). Nij^; der herr
gebe euch, das jr rüge findet. Ruth 1,9; da
gab jr der herr, das sie schwanger ward. 4,
13; gott gäbe yhm, das er wol kund dem
bunger radten. vber das erste buch Mose.
(1527). ccij^
h) mit einer praep. : für duppel wahr gibt
man bUlich duppel gell, eine bericht. (1528).
Giij**; — das man den jungen, starcken
Juden vnd Jüdin in die band gebe flegel,
axt, karst, spaten, rocken, spindel. von den
Juden, (1543). fij*; vnd hat sie gegeben
in zurstrewung vnd Verwüstung. 2 chron,
29, 8; das du sie gebest in Verachtung.
iVeÄ. 4, 4 ; — so wil ich dir diese auch ge-
ben vmb den dienst. 1 Mos, 29, 27 ; wel-
chen er sich wegert dir vmb geld zu geben.
1 kön. 21, 15; — ich hab euch gegeben
allerley kraut ... zu ewr speise. 1 Mos. 1 ,
29 ; vnd es befand sich, das das gebot mir
zum tode reichet, das mir doch zum leben ge-
GEBEN
22
GEBEN
geben war. Rom. 1, 10 ; das har ist jr zur
decke gegeben. 1 Cor. 11, 15.
2) geben, hervorbringen, bewirken : dar-
nach wird sie {die Züchtigung) geben eine
friedsame frucht der gerechtigkeit. Hebr,
12, 11.
3) geben, entstehen : vnd werde jrgent in
einem hause ewr besitzung ein aussatzmal
geben. 3 Mos. 14, 34.
4) gehen^ergeben,anxeigen: so gibt die rech-
nung, das Abram viel jünger gewesen sey denn
Haran. vber das erste buch Mose. (1527).
fj'*; wie sein narae gibt. Sir. 46, 2; wie
das alles vnd viel mehr der text klerlich gibt.
Bindseil 7, 357 ; der text nicht gibt, ob es
rot odder blanck weyn gewesen, vndder die
hyml. Propheten. (1525). Kj" ; die schrillt
nicht sagt noch gibt, das sie (Maria) hernach
verruckt sey. das Jhesus Christus ein ge-
bomer Jude sey. (1523). Bij". gestat-
ten : die weil es der rawm gibt , wollen wir
dasselb falsch natürlich liecht . . . bas anzei-
gen, post. (1528). 116^
5) geben, zuschreiben: Thomas vnd yhre
folger geben der pusz drey teyll. serm. von
dem ablasz vnd gnade. (1518). Aj''; dem
vater gibt man das werck der schepffung.
ausleg. der ep. vnd euang. von ostem.
(1544). f5^
6) geben, ausdrücken: die ewren sagen,
das ewr ding gar viel bas ynn ewer behemi-
schen sprach lautte, denn yhrs zu latin geben
kündet, von anbeten des sacraments.
(1522). D5*^; ich habe sorge, es sey höher,
denn mans geben künd für den gemeynen
man. vber das erste buch Mose. (1527).
Hj'; ich kan das ebreische nicht wol geben
Widder (weder) deudsch noch latinisch. ebd.
Kiij '.
7) an den tag geben, offenbaren, in die
Öffentlichkeit bringen : das nicht yemand sa-
gen könne, wir betten lugen tey dinge an tag
geben, von er Lenhard Keiser. (1528).
Fij* ; vnd thüren nicht an tag geben, was es
sey, das man gleuben sol. warnunge an s.
l. Deudschen. (1531). Cj"; wir wollen jr
heulen vnd lügen an den tag geben mit gottes
hülffe. von den Juden. (1543). Ziij'; so
hab ich gleich wol diese artickel jnn des
wollen durch öffentlichen druck an den (ag
geben, artickel, (1538). Aij".
8) zu erkennen, zu verstehen geben, zur
kenntnis, zum Verständnis bringen: meyne
bedencken , die ich hiemit zuerkennen geb e.
f. g. originalbr. v.J. 1519 auf der bibL
zu Gotha cod. ehart. 379 fol. 2 ; auff e. k.
f. g. Schrift gebe ich aufs vnterthänigst zu er-
kennen, de Wette br. 5, 330 ; deinen kin-
dern gibstu damit zu verstehen, sie sollen
guter hoffnung sein, weish. 12, 19; die
solchs sagen , geben zuuerstehen , das sie ein
Vaterland suchen. Hebr. 11, 14.
9) geben auf einen (etwas), ihn (es) ach'
ten, schätzen, ästimieren : das man jre (der
eitern) wort vnd werck für äugen hab , gros
achte vnd darauf! gebe. Jen. 1, 277^; die
bisschoue gegen morgen nu viel weniger auff
den bisschoff zu Rom gaben weder zuuor.
von den condlijs, (1539). Rij*. nichts
geben auf etwas, sich nicht darum beküm*
mern, es nicht beachten : lasst vns jn mit der
Zungen todschlagen vnd nichts geben auff
alle seine rede. Jer. 18, 18; gaben nichts
auff die wort Simeon. post. (lb2S). 162**;
die auff das künßlige leben nichts geben
(nichts davon halten), das herrliche man-
dal. (1537). *3*. staU auf steht auch
die praep. um (vmb): die gottlosen gottes
wort verachten, vnd so gar nicht vmb sein
drewen geben, vorr. auf die propheten.
Bindseil 7, 336.
10) sich geben, ä) sich hingeben: eyn
iungfraw kan sich gantz an gott geben, das
7. cap. s. Pauli zu den Corinthern. (1523).
Kj«.
5) sich dargeben, opfern: der sich selbs
für vnser sünde gegeben hat. Gal. 1, 4 ;
gleich wie Christus geliebet hat die gemeine
vnd hat sich selbs für sie gegeben. Ephes.
5, 25 ; der sich selbs gegeben hat für alle
zur erlösung. 1 Tim. 2, 6.
c) auff das sichs desle leichter gebe vnd
fasse (einsehen und auffassen lasse)^ wil ich
zuerst den verstand dar legen, den das volk
Israel' vber jhrem osterlamb haben gehabt.
der 111. psalm. (1530). Bj*^ als sich
der text gibt, von den Schleichern. (1532).
Biij ».
d) sich ergeben, keinen widerstand lei^
GEBEN
23
GEBET
sten: sie (Babel) mus sich geben, jre grund-
feste sind {gefallen. Jer. 50, 15.
e) sich begeben : wer in dieser stad bleibt,
der wird sterben müssen durchs schwert,
huuger vnd pestilenlz, wer aber hinaus sich
gibt..., der sol lebendig bleiben. Jer. 21,
9 ; wer sich gern in fahr gibt, der verdirbt
drinne. Sir. 3, 27 ; vnd ermaneten jn, das
er sich nicht gebe auff den schawplatz. ap.
gesch. 19, 31 ; die da zum ehelicheu stand
sich geben wollen. Jen. 1, 172 ''.
f) sich geben an, auf etwas, sich an etwas
hingeben, sich damit beschäftigen, sich dar-
auflegen: der ander bruder sich auIT geitz
geben hat. vber das erste buch Mose.
(1527).' Rij'; ich hatte gehofft, man sollt
sich hynfurt an die heilige schrillt selb geben.
serm. auf das euang. Luc. 16. (1523).
Aj*" ; mein kind, gib dich nicht auffs betteln.
Sir, 40, 29 ; aus diesen Worten isls klar,
das die menschen werden sich geben auff
fressen vnd sauffen. post. (1528). 32 ^
Sebeii n. geben ist seliger denn nemen.
ap. gesch. 20, 35 ; wer sich gebens vnd ley-
hens erwegt. von kauffshandel vnd wucher.
(1524). Giij^; wie droben gesagt ist vom
geben, wider den wucher xu predigen.
(1540). Hij*; eins heiligen menschen leben
stehet mehr in nemen von gott, denn in ge-
ben. Jen. 1, 39*.
fiebeiedeieiy segnen, mhd. gebencdien
(Lexer 751): vnd Simeon gebenedeyete sie.
var.zuLuc.2, 34. post. (1528). 161*.
vgl. benedeien.
fiebeiedeiety welches sowohl pari, von
benedeien als auch von gebenedeien sein
kann, bedeutet in folgenden stellen nach L's.
eigner erklärung s. v. a, gelobt , gepriesen :
gebenedeiet bistu {gl. : auff deudscli also, ge-
lobet bistu etc.) vnler den weibern, vnd ge-
benedeiet ist die frucht deines leibes. Luc.
1, 42. subU.: du gebenedeiete (glosse: das
ist auff deudsch, du hochgelobte) vnter den
weibern. v. 28.
Ciebeiedeiiig, f. segnung : das gut nil in
nienschUcher witz» szondern in gottes gebene-
deyung st^t. an den christl. adel. (1520).
Miiij ^ ; diese gebenedeyung (des alten Si^
meon. Luc. 2, 34) ist nichts anders, denn das
er yhn (ihnen) wündscbet glück vnd heyl, ehre
vnd alles gut. post. (1528). 163^; aller
ablas, aller nutz, alle gebenedeiunge ... ist
hierinne (im valer unser) vberflüssig begrif-
fen. Jen. 1, 70^; da würde gebenedeiung
folgen, ebend. 1, 212*; von welchem Chri-
stus vnd alle gebenedeiung kerne, ebend. 1,
309*. vgl. benedeiung.
6tktmtilgtt, s. benedigen.
fieberi m. der gibt, dator: einen fröhchen
geber hat gott lieb. 2 Cor. 9, 7 ; wie di6
falschen geber thun. wider den wucher.
(1540). Hij**; die falschen geber vnd ley-
her. ebend. Jiij^ — mhd. geber {Ben. 1,
507*. Lexer lb\).
HAtfie, n. s. gebärde.
fieberdeij s. gebärden.
Weberei, s. gebären.
fieberer, m. s. gebärer.
fiebereriiy f. s. gebärerin.
fiebersi m. s. gebarsch.
fiebet (gebeet, gebelh, gebett,gepet,gepeet),
gebete, n. oratio, precatio, preces, mhd. geb^t
(Ben. 1, 172 •*. Lexer 753), ahd. gab^t,
kap^t (Graff 3, 57). vgl. das einfache bet.
1) sowohl die handlung des betens, als
auch die dabei gebrauchten worte: hie
müssen wir nu sehen, wie das gepct sol
gestalt sein... vierley gibt er (Paulus
Phil. 4, 6) dem gepet, nemlich das gepet,
das flehen, den danck vnd die bitte, das ge-
pet ist nichts anders denn die wort odder
das gesprech, als da ist, das vater vnser,
psalmeu vnd der gleichen , ynn welchem zu
weylen etwas anders gesagt wird, denn das,
darumb man bittet, post. (152^). 63*;
ein gebet Dauids. ps. 17, 1 ; ein gebet Mose.
96, 1 ; dis ist das gebet des propheten Haba-
cuc. Hab. 4, 1 ; meyn vnterthenigs amisz
gepeet vnd demütigs vormügen seynd ewrnn
f. g. alzceyt beuolir. de Wette br. 6, 1 1 ;
das eusserlich gebet, von den guten wercken.
(1520). Giij*; ynnerlich gebet, ebend.;
eygennutzige, eygenniessige gebet, ebend.
Hj^; ein rechtschaffen gebete. das 5. 6.
vnd 7. cap. s. Matthei. (1532). fiij*;
ein köstlich gebet, ebend. f iüj*; falsch vnd
vergeblich gebete. ebend. giü]*"; lang gebet.
Matth. 23, 14. es heiszt ein gebet beten,
thun, halten, aufl)eben, erheben, vorbringen:
dyse beten das gebeet mit dem munde, aber
GEBETLEIN
24
GEBIETEN
mit dem hertzen ^viddersprechen sie dem sel-
ben, ausleg. deuUch desv. u. (1518). Dj";
Elias betet (e) ein gebet. Jae, 5,17; vnd
thu l^ein flehen noch gebet für sie. Jer. 1 1,
14 ; das man jr erleubete . . . jr gebet zu thun
zum herrn. Judith 12, 6; sie hielten ein
gemein gebet. 2 Macc, 8, 29 ; so hebe dein
gebet auff für die vbrigen. 2 kön. 19, 4;
du wollest ein gebet erheben für die vbrigen.
Jes, 37, 4; vnd soll für sie kein klage noch
gebet furbringen. Jer. 7, 16. das gebet
wird von gott vernommen, angenommen, ge-
hört, erhört : mein gebet nimpt der herr an.
ps. 6,' 10 ; herr vernim mein gebet. 17, 1 ;
du wollest hören das gebet, das dein knecht
an dieser siedle thut. 1 hon. 8, 29; sey mir
gnedig vnd erhöre mein gebet, ps» 4, 2 u.
Öfter, besondere redensarten: zu starckem
gebet gehört auch ein starck fasten, das 7.
cap. s. Pauli zu den Corinthem. (1523).
Cij*"; auff eine gute predigt gehöret ein gut
gebete. da« 17. cap. JoA. (1530). Aiiij*;
das heissel das gebete ynn die schantz ge-
schlagen (wenn an der erhorung des gebeis
gezweifelt wird), deudsch catech. (1529).
Piiij'.
2) die einzelne bitte des gebets: disz ander
gebelh (die zweite bitte im gebet des Herrn)
thut tzwey dingk, ernidert vnnd erhebt vns.
ausleg. deutsch des v. u. (1518). Ciij ^
Sebetleii (gebetlin), n. dim. kleines gebet :
ein kurtz, fein, reich vnd vol gebetlin.
deudsch psalter. (1541). xj*; das vnnutze
geplepper vnd gemurre der rosenkrentz vnd
ander abgöttischen gebetlin auffgehöret hat.
das 5. 6. vnd 7. cap. s. Matthei. (1532).
bb j ' ; bruderschafften, gebetlin, rosenkrentze.
ebend. Nij'^; lassens bey unserm gebellin
bleiben. Jen. 1, 268 ^
fSiehtWf s. gebäu.
^ehtwitf s. gebäude.
Aelikart, n. pr. ahd. Gebahart (Graff
4, 123. 1022): gott ist ein reicher quellen-
der ewiger born aller gnaden vnd gaben vnd
billich der rechte Gebhart heissen soll. ausl.
der ep. vnd euang. von ostem. (1544).
Clj''.
fiekiekeBsteli (Gewichenstein, Gebich-
stein), m. die bürg Giebichenstein bei Halle,
bekannt durch den sagenhaften sprang Lud*
wigs des Springers : er hienge an einem gal-
gen, der sieben mal höher were weder der
Gebichenstein. wider den bischoff zu Mag-
deburg. (1539). Cj'; der Gewichenstetn
{Jen. 7, 362^ Gebichenstein). ebend. Fiüj';
hie aber ist Halle nahe vnd hart bey Ge-
wichenstein, ebenda Fiiij ^ ; also thet Albrecht
(bischof zu Magdeburg) der hencker zum
Gebichslein auch, wider Hans Worst.
(1541). Oij^
(2eUet| n. territorium, 'bereich des be-
fehlens* (Weigand), mhd. gebiete (Lexer
754) : in jren landen vnd gebieten. 1 Macc.
8, 24.
SeUetei (gepieten), imperare, jubere,
praecipere, befehlen, wihd, gebiete (Ben.
1, 186*. Lexer 754), ahd. gibioUn (Graff
3, 69). praes. sg. 2 pers. gebeutest (Jos.
1 , 18), 3 pers. gebeut ; imp. gebeul.
a) absolut : es mus ja alle vernunfft . . .
sagen, das (dasz) gebieten vnd gehorsam
sein sey zweierley. der 101. psa/m. (1534).
Mj * ; so er gebeut, so stdiets da. ps. 33, 9.
b) mit dat. : der seelen soll vnd kan nie-
mandt gepieten. von weltlicher oberkeii.
(1523). Dij'; er gebeut mit gewall den vn-
saubern geistern, vnd sie gehorchen jm.
Marc. 1, 27 ; vnd {Jesus) gebot dem fieber.
Luc. 4, 39 ; er gebeut dem winde und dem
Wasser, vnd sie sind jm gehorsam. 8, 25.
auch mit der praep. über: d&r herr gebeut
vber Ganaan. Jes. 23, 11.
c) mit acc. : du hast die Zeugnis deinei* ge-
rechtigkeit vod die warheit hart geboten, ps.
119, 138; opffere, was Moses geboten hat.
Marc. 1, 44; solchs gebeut vnd lere. 1
Tim. 4, 11.
d) mit dat. und acc. : sie sind schnei von
dem wege getreuen, den ich jnen geboten
habe. 2 Mos. 32, 8; gebot, die ich euch
gebiete. 5 Mos. 4, 2 ; Mose hat vns das ge-
setz geboten. 33, 4; vnd (fta^f) ^^^1» ^^1^^°
vnd gesetz jnen geboten. Nch. 9, 14.
e) mit inßn.: den ich gebot zu weiden
mein volck. 1 chron. 18, 6; vnd gebot jm
zu bawen das haus des herrn. 23, 6 ; vnd er
hat vns geboten zu predigen dem volck. ap.
gesch. 10, 42. auch ohne zu: vnd ist da-
durch (durch das 7. gebot) verpoten erstlich
dem nehisten schaden vnd vnrecht zuthuen . . .
GEBIETEN
25
GEBLÜT
vnd widderümb gepoten sein gut fordern,
bessern vnd wo er not leidet helffen. ieudich
caiech. (1529). Kj\
f) mit abhänffigem saixe : herr, wiltu, so
wollen wir gepieten, das das fewer vom
hymel fall. autUg.' deutsch» des v. «. ( 1 5 1 8).
Ej* ; vnd gebeut, das man das sacrament nicht
solle von yrrigen vnd abtrünnigen priestern,
noch abtrünnisch reichen lassen, eine berieht
(1528). Gij'^; \nA gebötest etlichen, das
sie nicht anders lereten. 1 Tim. 1,3; Chri-
stus Matt. 5 öffentlich vnd dörr gepeut, man
solle dem bösen nicht widderstehen, das
eitern die kinder zur ehe nicht iwingen
sollen. (1524). Aüj*.
UMaUm, n. es gtllt widder (weder) gepie-
Cens nach (noch) verbietens. widder die hyml.
profh. (1525). Jiij ^ ; faren nur mit gebieten
vnd treiben, das 53. cap. Jes. (1539). Bj\
CeMeter (gepieter), m. der befehle, geböte
gibt, herr : jch habe jn gestellet zum fursten
vnd gebieter den völckern. Jes. 55, 4; o
Jhesu, lieber gepieter, erbarme dich vnser.
von den sehen aussetzigen. (1521). Dj",
var. zu Luc. 17, 13; Carlstads theologia
ans Christo nur eyn exempel vnd gepieter
macht, das ander teyl widder d. hyml. prO'
pheten. (1525). Miij*^; man würde gewisz-
lieh nysze wortz den gepietem zu danck
schencken. von wellUeher oberkeil. (1523).
Oij**. — mhd. gebieter, gebietsere {Ben* 1,
ISl^. LexerlbS).
QMeOifk, imperiosus, gebieterisch : wenn
die hohen geister oder naseweisen gebietli-
4?her vnd herrUcher weise wollen das weltlich
rechtendem, der 101.p<a{iti. (1534). Mij^
üMfit, n. gebärde, md. gebierde (Lexer
747 unter ge)><Brde) : ein mensch dem leyd
vnnd vbel tzu mute ist, der hat auswendig elend
gebirde. die sieben buszps. (1517). C5*.
lleUrge (gepirge), n. gesammtheit von
bergen, mhd. gebirge (Ben, 1, 105**. Lexer
755), ahd. gibirgi, kapirgi {Graff 3, 190):
lies sich der kästen nider auff das gebirge
(1527 noch: gepirge) Ararat. 1 Mos, 8, 4;
was vberbleib flöhe auff das gebirge. 14, 10 ;
das er sie erwürget im gebirge. 2 Mos. 32,
1 2 ; vnd zogen auff die hölie des gebirgs. 4
Mos, 14, 40 (v. 44: des gebirges); ein gros
vnd fruchtbar gebirge. ps, 68, 16; hohe
DiETz, Würterbach. II.
gebirge. Jer. 49, 16; das welsche gebirge.
wider das bapstum. (1545). Bij\
üeUsi (gebis), n. frenum, mhd. gehv;
{Ben. 1, 195*. Lexer 756), ahd. gibi^, ka*
pif {Graff 3, 131) : so wil ich dir einen rinck
an deine nasen legen vnd ein gebis in dein
maul. 2 hon, 19, 28; seid nicht wie ross
vnd meuler, . . . welchen man zeum vnd ge-
bis mus ins maul legen (var. mit zeumen vnd
gebisz [mit gebissen vnd tzeumen] zwenge
yre backen), ps. 32, 9.
üebictt (gepletz), h. geßck : vnd ist des
vnnötigen geflicks vnd gepletzes so viel , das
sie selten zur sache komen. das diese wort
etc. (1527). cijV
Cebiinet^ mit blumen geschmückt, mhd,
geblöemet {Ben, 1, 217* unter blüemen), tH
folgender stelle figürlich : das redet er also
mit gemaleten,geblümeten Worten, ausleg. der
ep. vnd euasig. von oslem. (1544). v 6^
Mklit (geblüet), geblüte, ». 1) gesammt-
heit des blutes im körper, besonders das zur
fortpßanzung des geschlechts und nährung
der frucht dienende blut, mhd. geblüete (Ben.
1, 219*^): seyn voll frisch geblute vnd saSt
der natur. die sieben buszpsalm. (1517).
Fj^ ; dazu ist er ein iunger geselle vnd fris-
sches geblüts. vber das erste buch Mose.
(1527). kkiüj"; die seele des kindes ist
nicht von jrer {der mutler) natur oder ge-
blüU von den eoncilijs. (1539). Sij" ; welche
nicht von dem geblüt {var, ausz dem geblüete)
geboren sind. Joh. 1, 13. daher
2) geschlecht, blutsverwandtschaft: Ha-
man nicht der Persen geblüt ist. st, in Esther
6, 8 ; \Txd wenn wyr gleych hoch vns rhu-
men, so sind wyr dennoch heyden vnd die
Juden von dem geblutt Christi, das Jhesus
Christus ein gebomer Jude sey. (1523).
Aiij*; wir sind nicht des hohen, edlen ge-
blüts, Stammes, gehurt vnd herkommens. von
den Juden, (1543). Aiiij"; Abraham am
adel des geblüts t>der gehurt nichts gefeilet
hat. ebend, Brnj**; 1 Cor. 15 sagt ev (der
apostel Paulus), Christus sey nach laut der
schnfft von Dauids geblüte (1523 : geblütte)
komen. vorr, auf das a. test. Bindseil 7,
303 ; die yns geblüt boren {gehören) , es sey
vom stamm odder stieffTreüudschafft. post.
(1528). 124" ; alle freundschafft ausser dem
4
G£BLIT
26
GEBRAUCH
geblüt. ebend.; fürstlich geblüt. Jen, l,
255^
3) p«. 51, 16 überselzi L. in der ersten
ausg. der sieben buszpsalmen : erlosze mich
von den geblulen (var, geblüten) und erklärt
dann diese stelle in der auslegung : die ge-
blute sind die hoffertigen, die aus Adam ge-
born nach dem blute allzeit wider diese lere
vnd Weisheit streben.
tteUiti adj, blutsverwandt: gescblechte
heiszen wir die sipschaften vnd samlung ge-
blutter freundschafften, das magnificat.
(1521). fiiif.
liebst (gebott, gepot, gepott), n. praecep-
tum, 'Willenserklärung zur befolgung' ( Wei'
gand), mhd. gebot (Ben. 1, 187^. Lexer
75S), dhd, gibot, kapot {Graff ^, 11), zu
gebieten : ein strenge gebot. Dan, 6, 7 ; ein
ernstUch gebot, weish. 18, 16; das furne-
mest vnd gröste gebot. Malth. 22, 38 ; ein
new gebot. 1 Joh, 2, 7 ; das alte gebot.
ebend,; das were ein recht keiserlich vnd
weltlich gebot, eine bericht. (1528). Eiiij*^;
yhe weniger gepott, yhe mehr gutter werck.
serm. von dem n. lest. (1520). Aij\ dem
gebot steht das verbot gegenüber : das aber
widwen vnd widwyn von eynander bleyben
ist keyn gottis gepott noch verpott. das 1,
cap, s. Pauli zu den Cor, (1523). Fj^ ge-
bot wird von den göttlichen wie menschli-
chen befehlen gebraucht: die zehen gepot
gottes. deudsch calech, (152^). Ai]**; ge-
bot des herrn. 4 Mos, 4, 2. 13 u. öfter in
der bibel; des bapsts teuffelsch gebott. auff
das vbirchristlich buch. (1521). Aüi]**; ge-
bot des königes. 2 chron, 24, 21; gebot
der mutter. spr. 1,8. ein gebot unrd be-
fohlen, geboten, gegeben, gestellt: dis gebot
befelh ich dir. 1 Tim. 1, 18; alle gebot, die
ich dir heute gebiete. 5 Mos, 8, 1 ; ein new
gebot gebe ich euch. Joh, 13, 34; ein
strenge gebot stellen. Dan, 6, 7. die ba-
folgung des gebots wird ausgedrückt durch
das gebot halten, thun, dem gebot gehorchen,
nach dem gebot leben, in dem gebot wandeln :
wie lange wegert jr euch zu halten mein ge-
bot vnd gesetz. 2 Mos. 16, 28 ; vnd meine
gebot halten vnd thun. 3 Mos, 26, 3 ; so jr
gehorchet den geboten des herrn. 5 Mos,
11, 27; vnd nach meinen geboten nicht
lebet. Ezech, 5, 7 ; wirstu in meinen gebo-
ten wandeln. 1 kön, 6, 12. nichtbefolgung
wird ausgedrückt durch das gebot überge-
hen, übertreten, anstehen lassen, fahren las-
sen, verlassen, davon weichen: ich hab dein
gebot nicht vbergangen. 5 Mos. 26, 13;
warumb vbertrettet jr die gebot des herrn.
2 chron, 24, 20 ; wir aber haben vns .vmb
gekeret vnd dein gebot lassen faren. Esra
9, 14;' verlas nicht das gebot deiner mutter.
spr, 1,8; vnd es ward nicht gewichen vom
gebot des königes. 2 chron. 8, 15; vnd
lessest die weil gottes gepot anstehen, das
5. 6. vnd 7. cap. s, Matth. (1532). Riiij.
fieketswelse^ adv, nach art eines gebots :
droben hat er auff gepottsweysze gesagt das
7. cap. s. Pauli zu den Cor. (1523). Gij'\
fiebrine (gebreme), n. säum, randbesatz
eines kleides : ich wil dir dein gebreme auff-
decken. Nah, 3, 5 '; die füttern, die gebrenie.
Jes, 3, 20. — mhd. gebraeme (Lexer 759),
coli, von brgm Verbrämung (Ben, 1, 23 8\
Lexer 348), bair. bräm (Schmeller l^
355).
fiebraiit, part, von brennen, adj, in der
redensart einem das gebrannte leid thun, an-
thun, sehr empfindlichen schmerz bereiten :
die sind die krieger, die dem grossen wespen-
könig das gebrandte leid thun. zwo predigt
zu Smalkalden. (1537). Eiij'; vnd be-
weyset nichts mehr, denn das yhm solche
Sprüche das gebrandte leyd gethan haben.
das ander teyl widder die hyml. propheten.
(1525). Hj^; es ist doch ynn ewrem hertzcu,
das diese wort vberig vnd kein nütze sind
vnd wollet gar gerne , das sie nicht drynoen
stünden, weil sie euch das gebrandte leid an-
thun. das diese wort. (1527). q j". "wei-
tere belege s. unter anthun 2)
ttebnitiis^ fi. etwas gebratenes, assum :
darnach muste man bey dem gebratenen
lemlin oblaten essen vnd bey dem gebratnis
salsen oder bittere lacluken haben. Eist. 1 ,
336''.
Sebraii n. mit einer ganzen kufen torg-
schen biers eures gebräues. de Wette br, 5,
120. vgl, brau.
SeblUKckj m. usus, mhd. gebrüch. (Lexer
762): da ist er behalten worden nach yhrer
hoffmarch gebrauch, von er Lenhard Eeiser.
GEBRAUCHEN
27
GEBRECHLICH
(152S). Aiij'*; ob sie schon noch im ge-
brauch sind. Jen. 1, 6". sonst bei L, das
einfache brauch (s. d,),
ficbraicbei^ uti, benutzen, verwenden,
genieszen, mhd. gebrüchen (Ben. 1, 265'*.
Lexer 762), ahd. kaprdhhan (Graffd, 280).
vgl. brauchen.
a) die der könig als vertrawete rete ge-
brauchen wird. 1 Maee. 10, 37 ; so kan ia
niemand sagen, das gott ein feur odder hilze
dazugebrauche, der lil. psalm. (1532).
£ ij * ; das ist ein menschliche newe weise vnd
jnn der schrifft von keinem könige noch nie
gebraucht, die 3 symbola. (1538>. E iiij'*.
b) refl. mit gen. der sacke: gott gel)eut
sich des öffentlichen rechts zu nieten oder zu
gebrauchen, wider den bisehoff zu Magde^
bürg. (1539). Eiiij"; vnd ob wir vns der
ehre nicht wollen gebrauchen. Jen. 1, 267*.
€cbr«icbMg, f. gebrauch, genusz, mhd.
gebrftchunge {Ben. 1, 266". Lexer 1^2):
vnd stund do yn volkomner beschawung vnd
gebrauchung gotlichs weszens. eyn geystlich
edles huchlein. (1516). Aij". vgl. brau-
chung.
Debreeke (gebrech, geprech), gebrechen,
m. inopia, defectus, error, mhd. gebreche
(Ben. 1, 246". Lexer Ib^). Jen. 1, 247
begegnet der gen. gebrechens : wer sich ar-
routs , gebrechens , Verachtung seiner eitern
schemet.
1) mangel: der geprech an gellt vnd gutt.
ausleg. der ep. vnd euang. des aduents.
(1522). Ej»-, po»l. (1528). 11''.
2) körperlicher mangel, schaden : so es
{die Scheidung) doch Moses nur so fern er-
leubet, wenn er {der mann) eine vnlust odder
gebrechen an jr (der frau) fünde. das 5. 6.
vnd 7. cap. s. Matthei. (1532). V iij\
3) geistiger, moralischer mangel, fehler:
ein gebrech der seelen. Eist. \, 34"; der
gebrech ist am glauben. Jen. 1, 68"; dis
gehet auff alle beide gebrechen des glaubens
vnd des wandeis, doch am meisten auff den
ersten gebrechen des glaubens. post. (1528).
25''; sagen, es sey mehr ein feyl odder ge-
preche denn sunde. grund vnd vrsach.
( 1 521). d j ' ; szo musz dysser geprech ge-
wyszlich sund seynn. ebend. m iiij '' ; Pela-
gianer, so die erbsunde nicht wollen lassen
sunde sein, sondern solle ein gebrechen odder
feyl sein, vom abendmal Christi. (1528).
Fuji"; wenn du es nu ansihest, so ist eben
das der gebrechen gewest zu Sodom ... das
yedermann allein auff sich trachtet vnd zu
sich scharret, vber das erste buch Mose.
(1527). vj"; öffentliche gemeyne gepre-
chenn. ein vnterricht der beiehlkinder,
(1521). a iiij ** ; ich eyniger mensch, der doch
on geprechen nit leben kan. auff das vbir^
Christi, buch. (1521). Bj"; der dir alle
deine sünde vergibt vnd heilet alle deine ge-
brechen {var. kranckheyt). ps. 103, 3.
fiebrccbei (geprechen), mangeln, fehlen,
mhd. gebrochen {Ben. 1, 245**. Lexer lb9),
ahd. gibrSchan, kapr^hhan {Graff 3, 263).
a) ohne sächliches object : auff das nicht
vns vnd euch gebreche. Matth. 25, 9.
b) mit acc. der sache : da nu geld gebrach
im lande Egypten. 1 Mos. 47, 15; so sol
von dir nimer gebrechen ein man auff dem
stuel Israel. 1 kön. 2, 4 (in den parallel"
stellen unpers, mit au : es sol dir nicht ge-
brechen an einem man für mir. 8, 25. 9,
5. 2 chron. 6, 16. 7, 18); einen solchen
ort, da nichts gebricht, rieht. 18, 10. mit
dat. der person u. acc. der sache: auff das
jnen nichts gebreche. Tit. 3, 13 ; das jn gott
gnug solt geben auff erden vnd nichts gebre-
chen lassen, das 5. 6. vnd 7 . cap. s. Matthei.
(1532). Biiij\
c) unpers. mit an: es gebrach, an bauren
gebrachs in Israel, rieht. 5, 7 ; da es an
wein gebrach. Joh. 2, 3 ; nu gebrichts dis-
sem armen plauderer an beyden. von dem
bapstum zu Rome. (1520% D iiij'*.
fiebrecbleii (geprechlin), n. kleiner ge*
breche: am leyb hab ich ein kleynisz ge-
prechlin vhirkummen. sendbr. an Leo X.
(1520). Diiij-.
fiebrcckUck (geprechlich), mit einem ge-
brechen behaftet, mhd. gebrechlich {Ben. 1,
246"). 1) körperlich: der an einem fusoder
band gebrechlich ist. 3 Mos. 21, 19; blind
oder gebrechlich {von den opferthieren). 22,
22; knaben die nicht gebrechlich weren.
Dan. 1, 4. subst.: vnd war kein gebrechli-
cher vnter jren stemmen, ps. 105, 37.
2) geistig, moralisch: schwache gebrech-
liche menschen. Jen. 1, 71^; geprechlich
4*
4
4
GEBRECHLICHKEIT
28
GEBÜHREN
IdiMsn verderbet die christenheyt nicht» son*
dem vbet sie, aber geprechliche (irrige, fat-
gehe) lere vnd falscber glaube verderbet alles.
poiL (1528). 292*; einen armeB, gebrech-
lichen Sünder vermanen. das 5. 6. vnd 7.
cap.i.MaUh. (1532). Fiij'; woeinmensch
feilet odder gebrechlich ist , dem hellTen sie
nicht» tragen vnd dulden es nicht, der proph.
Saeharja. (1528). Ggj"; diese viere (con-
et^ten) kundten nidit on die keiser zusamen
konien, so gar gebrechlich waren die heiligen
veler, da nicht leicht einer dem andern wei-
chen wolt. von den conciliji, (1539). Tiiij";
zum zehenden lobt er gott, das er seine chri-
8ten nicht weg wirfft , ob sie schwach jm
l^uben odder geprechtich am leben sind, der
in.psalm. (1530). Giiij''.
fiebreckUchkeit (gebrechlicheit. Jen. 1,
99 * ; gebrechligkeit t , 71''; gebrechlickeit,
geprechlickeit), f. mangelhafligkeü, sehwacl^
heil, imbecilUtas, mhd, gebr^hlicheit (Lexer
760): ako sollen wir vnser nehisten sunde,
bürden vnd geprechlickeit auch auffvns laden.
post. (1528). 29*; wir sollen der schwa-
chen gebrechligkeit {var, geprechlickeit) tra-
gen. Rom, 15, 1; darumb mus es gar ein
ander schöner vnd reiner wesen werden on
aUe gebrechlickeit vnd notdurfit. das 15.
eap, der ersten ep, s, Pauli an die Cor.
(1534). cj*; denn sie haben nicht vn wis-
sentlich, noch aus gebrechlickeit das leidige
bapstum angefangen, wider das bapslum.
(1545). Lj'* ; die nicht sündigen oder je aus
lauter gebrechligkeit fallen. Jen. 1, 191".
Sebrene^ s. gebräme.
Clebreste Cgepreste), m. gebrechen, man"
gel, mhd. gebrSste {Ben. 1, 258". Lexer
760): die andern freyen vnd leychlfertigen
geisten, die solch yre gepreslen (Jen. 1, 75"
in gebrechen geändert) gering achten, aus-
leg. deutsch des v. u. (1518). Cij*'.
ISebrestei^ gebrechen, mangeln, mhd.
gebrSsten (Ben. 1, 257*'. Lexer 7 ßl), ahd.
gibröstan, kaprSstan (Graff 3, 272), bei L.,
wie gebreste, nur noch anfangs: er weysz
nicht WZ ym gebrist {Jen. 1, 15'' geändert
in gebricht), die sieben buszpsalmen.
(1517). Aiij".
ficbrMkei , hemiosus , mü einem bruche
behafUi: der gebrochen ist. 3 Mos. 19, 20.
ein gebrochener. 5 Mos. 23, 1 var.
debrvtea, in folgender stelle s. v. a. in
broi verwandelt: ich dencke noch wol, wie
gar vberaus schendhch sie vns mit vnsenn
lieben herm vnd heiland lesterten, hiessen ja
einen gebacken gott, einen brötem gott»
einen weinem gott, ein gebrotenen gott etc.
kuHs bekeninis. (1544). Bj\
üebrMer, gebrüdere, pL fraires, mhd.
gebnioder, md. gebrudere iBen. 1, 271*.
Leser 762): hertzog Johans Fridrich kür-
fürst vnd hertzog Ernst gebrudere. exempel
etc. (1542). Hiij*; lieber las nicht zanck
sein zwischen mir vnd dir . . . denn wir sind
gebrüder. 1 Mos. 13, 8.
Clebriderl^ verbrildert, part. v. gebrüdern,
mhd, gebruodern, md. gebriidem refl. sich
verbrüdern (Lexer 762): der adel (Ml) vn-
temander geuettert, geschwistert ... ja fast
gebrüdert, geuattert. Jen. 8, 45 **.
(leUkr (gebür, gepür, gebur, gepur), f.
1) was sich gebührt, mhd. gebür {Ben 1,
153^. Lexer 764): das yhr begerimg sey,
mich ynn dem der gepur weyszlich zuhallten.
originalbr. v. J. 1523 im ges, archiv zu
Weimar. pag. 74. FF 2; es ligt gott
nichts an solchem eusserlidien wesen ... so
fern, wie gesagt, das es messig sey, nach
eines iglichen stand« gepür. post. (1528).
27 1 '' ; opffern nach der zal vnd gebür. 1
chron. 24, 31.
2) was einem zukommt, lohn, sold und
dergl.: wie ein gros ding ists vmb einen
trewen vnd klugen hauslialter, welchen sein
herr setzet vber sein gesinde , das er jnen zu
recliter zeit jr gebür gebe. Luc. 12, 42;
wenn yemand mein bedarff vnd begerd, das
ich yhm zu willen bin vnd neme dafür mein
gebür. ob kriegsleute in sei. stände. (1527).
Fij*' ; so ferne dem erbherrn vnd landsfürsten
sein gebur (der ihm schuldige dienst) nicht
entzogen wird, ebend. ; vnd gab dem bapst
nicht sein jerlich gebür vom ampt. wider
das bapstum. (1545). Diij"; ihr bruder
muthwilliglich ihr furhält (vorenthaU) ihr
tochterliche oder frauliche gebühr (aussteuer).
de Wette br. 5, 290.
(tebikrei (gebaren, gepüren>, zukommen,
zustehen, geziemen, mhd. gebürn. {Ben. 1 ,
GEBVHRLIGU
29
GEBURT
153''. I«a;er 765), oAd. giburren, kipurjao
(GraffZ, 164),
a) die erstengeburt, die dem herrn sonst
gebürt. 3 Mos. 27, 26; dir gebürt die maie-
stet vod gewalt, herrligkeit, sieg vnd danck.
1 chron. 30, 11; (gebet) schos, dem der
schos gebärt, lol, dem der zol gebürt, furcht,
dem die furcht gebärt, ehre, dem die ehre
gebürt. Ttom. 13, 7. — es gebürt jnen die
hut. 1 chrou. 10, 27.
6) mU infin. a) ohne zu : einer hausmutier
gebürt die kinder geberen. wie das gesell
vnd euangelium zu unterscheiden. (1532).
iiij". ß) mit zu : mir gebürt widder {weder)
\ noch nein zu sagen, von heimlichen vnd
\Holen brieffen. (1529). Aiij'; wie wol
r nicht gebäret aulT diesen reichstag per-
llich zu erscheinen, vermanung an die
\Uichen, (1530). Aij"; dir gehurt vom
nicht zu weichen, wider den wucher.
0). Aüij* ; sprich, dir gebur auch nicht
«o selben zu deuten odder leucken. ebend. ;
vns gebürt zu reden, ps. 12, 5 ; vns gebürt
nicht zu essen vom geslolen gut. Tob. 2,
21. — es wil vns gebüren, nach den conci*
lien zu leben, von den concilijs, (1539).
Fij'* ; es gebürt dir Usia nicht zu reuchern.
2 ehron. 26, IS.
c) mit dasz : es gebürt euch , das jrs {das
fest) auch haltet. 2 Macc. 2, 16; weyl er
keyne person vnd stende aussondert, wills
vns nichts gepurn , das wir seyne wortt auff
die leyen deutten odder spannen sollten, das
7. cap. s. Pauli xu den Cor. (1523). E j''.
d) refl, u. unpers.: thu, wie sichs gebürt
vnd recht ist. der S2. psalm. (1530). Cij";
las das fett anzünden, wie sichs heute gebürt.
1 Sam, 2, 16 ; das wir jn nicht suchten, wie
sichs gebürt. 1 chron, 16, 13; — das nie-
mand weiter von jm halte ,- denn sichs gebürt
zu halten. Rom. 12, 3; wie wol solch ge-
setz Mose den Juden gab . . ., so gepurt sichs
doch den Christen nicht zu thun. das 7. cap.
s. Pauli zu den Cor. (1523). Fij\
fieUkrlick (gebüriich, geburbch}, gebüh-
rend, sMeküch, passend: ehre den artztmit
gebürhcher Verehrung. Sir. 38, 1 ; ver-
hülle seinen leib gebürlicher weise, v. 16;
ein geburlich antwort. Burkhardt briefw.
419.
flebaideai pari, gefangen {s. binden 5),
adj.: der gebunden Paulus, ap. gesch. 23,
18. suhsl.: Paulus, der gebunden Christi
Jhesu. Philem. 1 ; ein gebundener Jhesu
Christi, v. 9; gedencket der gebundenen.
Hebr. 1 3, 3.
fiebiitfiis^ n. bündnis, mhd. gebüntnisse
{Lexer 763): kein gebündnis halten. Jen.
2, 20*.
ütkif, s. gebühr.
fieUrea, s. gebühren.
Sfbirllcfe, s. gebührlich.
Gebart (gepurt) , f.partus, mhd. gehurt
(Ben. 1, 154''. Lexer 765), ahd. giburt,
kapurt (^ra/f 3, 159), zu b(p)äran. vergl,
Weigandwtb. 1, 398.
1) parlus, nativitas. a) von der muCier,
das zurweltbringen, das gebären: d^^eb^r
Rahd, vnd es kam sie hart an vber der gehurt.
1 Mos. 35, 17 ; die kinder sind kommen an
die gebürt vnd ist keine krault da zu geberen.
2 kön. 19,3; die sechs wochen lag, die eyn
frawe ynn hegt nach yhrer gepurt. der ge^
sang Simeonis. (1526). Aiij\ b) von der
fruchi, das zurweltkommen : lang für Chri-
stus gepurt. vber das erste buch Mose.
(1527). Mj"; die (rar. derj gehurt Christi.
Mallh. 1, 18; vnd viel werden sich setner
gehurt frewen. Luc. 1, 14. von erschaf-
fung der weit : dis ist die gepurt hymels vnd
erden, var. zu \ Mos. 2, 4, in den predig-
ten über das erste buch Mose (1527) er-
klärl : das er aber nennet die gepurt hymel
vnd erde, ist so viel geredt, da hymel vnd
erden geschaffen ist.
2) origo, abkunft, geschlcchl : beyde judisch
vnd heydnische gepurt odder weszen nichts
hyndert noch foddert für golt. das 7. cap. s.
PauU zu den Cor. (1523). Hj"; edlen ge-
blüts,^ Stammes, gebürt vnd herkomens. von
den Juden. (1543). Aiiij"; für der weit
güts wol, das ein mensch seiner gehurt hal-
ben edler sey denn das ander, ebend. Bij " ;
dein geschlecht vnd deine gehurt ist aus der
Cananiter lande. Ezech. 16,3; der gehurt
aus Ponto. apost. gesch. 18, 2 ; der gehurt
von Alexandria. v. 24.
3) das gebome: ein vnzeitige gehurt.
Hiob 3, 16 ; pred. Sal. 6, 3 ; unzeitige ge-
hurt geberen. Jes. 65, 23 ; eine vnzeitige
GEBURTREGISTER
30
GEDANKE
geburt, das ist ein kind das zu frö geborn ist,
ehe es gar völlig vnd reif ist. das 15. cap.
der ersten ep, s. Pauli an die Cor. (1534).
Fij-.
fiebartregister^ n. geschlechisregisler:
die selben suchten jre geburtrogistor. Esra
2, 62 ; Neh. 7, 64 rar.
(2ebirtiibrief (gepurtsbriefT), m. 'literae
natalitiae, lestimonium aliquem e legitime
toro ortum esse' (Frisch 1, 64^): ist aber
einer nicht ehelich geporn, so taug er ynns
handwerck nicht, ob er gleich heilig were,
hie mus man gepurtsbriefle bringen, post.
(1528). 268''; wollen dieser meiner hand-
scbrifft an stat seiner geburtsbrieffe jm lassen
hülfflich sein. Eist. 1, 177*. — mÄd. ge-
burtsbrief = laufschein. (Lexer 766).
fiebirtetag^ m. dies natalis, nihd. geburt-
tag (Lexer 766), ahd. kipurtitac (Graff b,
359): >venn des königs geburtstag war. 2
Macc. 6, 7.
debisck fgepüsch, gepusch), n. gesammt-
heil van hiischen: das gepüsch bedeckt jn
mit seinem schatten. Hio5 40, 17; er ligt
vnler dem gepusch verborgen, vor. zu Hioh
40, 16.
fieckeij s. gäken.
SecfcisMS^ m. catechismus : das er {Agri-
cola) einen kakismum oder geckismum ge-
schrieben . . . hab ich wol gewust. de Wette
br, 6, 250. vielleicht anspielung auf geck,
alberner mensch, Ihor.
fieckiea^ s. gäkzen.
fiedäcktiis (gedechtnis) , f. und n. oft
dicht nebeneinander (z. h. das ander teil
Widder d. hyml. propheten. 1525. Fj^:
das gedechtnis, Fij": die gedechtnis}, ifocft
mit bevorzugung des letzteren , memoria,
mhd, gedoehtnisse (Ben. 1, 350'*. Lexer
767), zu gedenken (vgl. Weigand 1,
399).
1) andenken, erinnerung: ich hab des ein
frisch gut gedechtnisz. auff des bocks zu
Leyptzck antwort. (1521). aij"; er Fabian
Feylitz seliger gedechtnis. eine bericht.
(1 528). Biiij* ; h. Johans seliger gedechtnis.
die kl. antwort. (1533). Gij''; hertzog
George vnseliger gedechtnis. von den Juden.
( ! 543). Jj '* ; vnd solt diesen tag haben zum
gedechtnis. 2 Mos. 12, 14; schreibe das
zum gedechtnis in ein buch. 17, 14 ; so soltn
d^s gedechtnis der Amalekiler austilgen. 5
Mos. 25, 19 ; ich werde jr gedechtnis auiT-
heben. 32, 26; vnd jre gedechtnis müsse
ausgerottet werden anfTof^i«« «•• iAA i^
hierzu bemerh
trostl. psalmei
man solte niciii - - : ji :
das man sie i. - * 4 -
vnd exempeln . "-.-—•
•schriffl heist ni — t r
(sonst were Ju< . ' • .
gedechtnis), sol t " T
lobet vnd ein ^ z z
ebenso sind aw 1 * C ^
heil, abendmahi * : i '
dechtnis. Luc. : • I i
zu verstehen, v i * "
darthut: diswo: * - 7 *
dencke wol... " ^ 3 -
gottliche ehre vr- - !
ment stellet, das
sol, was ist aber - ' 2
seine gnade vnd ^ ~ Z
hören, predigen, - " ; ;
die er vus jnn C - • ''
nung zum sacra
2) das vermöi _ . z
lerer) haben ge^ , 7
der Seelen seyei - I
stand vnd wilie.
(1527). Fiij»»; x - - -.
gut gedechtnis li. r t
auff das vermeih . z r
Aiij"; ein böse - r '
abendmal Christ "
aber vleis thun, d
meinem abschied. ,.. juj; ge-
dechtnis zu halten. 2 Pet. 1, 15.,
Üedank^i gedanken, m. zuweilen f. (z. b.
eine gedancken. vermanung zum sacrawent.
1530. Gij'*; ein schöne gedancken. von
Jhesu Christo. 1533. Bj*'; eine tröstliche
gedancken. ebend. Eij"), cogitatio, mhd.
gedanc (ßen. 1, 354 K Lexer 767), ahd.
gidanch, kadanch, gidanc, kadanl; Graff 5,
165)» zusammengesetzt mit dem gleichbed.
dank (vgl. dank 1), von denken (Weigand
wtb. 1, 399j.
1 ) alle gedancken vnnd syn des mensclüi-
GEDANKE
31
GEDEIHEN
chea hertzen stehn zu dem. ergistcn alletzey t.
var. MU 1 Mos. 6, 5 ; herr gotl vnser veter
. . . beware e^viglich solchen sinn vnd gedan-
cken im hertzen deines volcks. 1 ehron. 30,
IS; ich weis jr gedancken , da mit sie schon
jtzt vmbgehen. 5 Mos. 31, 21 ; kein gedan-
cken ist dir verborgen. Hiob 42, 2 ; ewrs
geistes gedancken kenne ich wol. Ezeeh. 11,
5; da aber Jhesus jre gedancken sähe.
Matth. 9,4; dis ist der alleredelst gedancken,
den die heiligen in jrem leiden haben. Jen.
1, 16^*; ein schreckUcher gedancken. das
schone confUemini. (1530). Hiij"; vnd hüte
sich mit vleis für diesen falschen, betriegli-
chen gedancken. eine einf eilige weise xu
belen. (1535). Aij"; verstendige gedan-
cken. Hiob 38, 36, fürstliche gedancken.
Jes. 32, 8; toUe gedancken. weish. 11, 16;
schwere gedancken. Sir. 34, 5 ; arge ge-
dancken. Mallh. 15, 19; böse gedancken.
Marc. 7, 21; — gedancken des friedes.
Jer, 29, 11; gedancken des vnglaubens vnd
verzweiuelung fülen sie. das t6. cap. s.
Joh. (1538). Tiiij*'. gedanken kommen,
fallen ein, fallen für (vor), steigen auf: fallen
dir gedancken ein, so las sie wider ausfallen,
komen sie, so las sie wider faren. Jen. 8,
282"; wenn einer des nachts auff seinem
bette rügen vnd schlafTen sol, fallen jm man-
cherley gedancken für. Sir. 40, 5; warumb
steygen solch gedancken auff ynn ewr hertz ?
var. zu Luc. 24, 38. Sprichwort: gedan-
cken sind zoüfrey. von weltlicher oberkeyt.
(1523). Diij"; von heimlichen u, geslolen
brieffen. (1529). Dj^
2) vorhaben, anschlag, plan: anschlege
vnd gedancken. das 7. cap. s. PauU zu den
Cor. (1523). Ciiij"; gott sey gelobt vnd ge-
danckt, der des teuffcls gedancken lange ver-
kommen hat. das man kinder zur schulen
halten soll. (1530). Aij*'; die gedancken
des herm wollen erfüllet werden wider Ba-
bel. Jer. 51, 29; du sihest alle jre räche
vnd alle jre gedancken wider mich, klagl.
Jer. 3, 60.
3) Vorstellung, meinung: vnd haben so
ein weltliche vnd menschliche gedancken von
gott vnd seiner gerechligkeit. vorr. vher das
buch Hiob. Bindseil 7, 316; aber dis worl
kü*che ist bey vns zumal vndeudscli vnd gibt
den sinn oder gedancken nicht , den man aus
dem artickel nemen mus. von den condUJs.
(1539). dj".
4) das ausgedachte, cogilatum: ah wehe
vnd aber wehe allen vnsern lerem vnd buch-
schreibern, die also sicher daher faren vnd
speyen eraus alles was yhn yns maul feilet
vnd sehen nicht zuuor einen gedancken zehen
mal an , ob er auch recht sey für gott. das
diese wort etc. (1527). aiiij"; aho hab ich
meinen lieben psahn für mich genommen,
hab darüber meine gedancken aufls papir ge-
fasset, das schöne confitemini. (1530).
Aij * ; solche meine gedancken hab ich euch
w^ollen zuschreiben vnd schencken. ebend.
UtAtAtmhf s. gedächtnis.
Sedegei : darumb ists yhrem herodischen
regiment gar nichts gelegen noch gedegen
(angenehm), das die magi . . . anfahen vom
liecht des euangeli tzu reden, ausleg. der
ep. vnd euang. vom christag. (1522). kkk
Se4cikei| L. gedeien (gedeyen), 'glückli-
chen f ortgang in seinem sein haben ( We i-
gand wtb. d. d. synon. 3, 1175), vorwärts-
kommen, wachsen, zunehmen, gerathen, an-
schlagen, (wohl) bekommen : die Ittgener ge-
deien nicht bey mir. ps. 101, 7 {in den
früheren ausgg. mehr dem hebr. entspre-
chend: wer do leuget der bestehet nicht für
myr) ; jr samen wird für dir gedeien (var.
bestehen). 102, 29; die kinder der ehebre-
cher gedeien niclit. weish. 3, 16 (var. mit
den kindern der ehebrecher hats keinen be-
stand) ; ein wüster könig verderbet land vnd
leute, wenn aber die gewaltigen klug sind,
so gedeiet die stad. Sir. 10, 3; was er (gott)
bescheret, das gedeiet jmerdar. 11, 16; es
glückt manchem in bösen sachen, aber es ge-
deiet (glückt, geräth) jm zum verderben. 20,
9; auch sihet man gemeyniglich, das arme
leute vnd yhre kinder fetter sind, vnd yhre
speyse weytter reicht vnd bas gedeyel, denn
bey den reichen alle yhr vorradt. ausleg. der
ep. vnd euang. von d. heyl. drey königefest.
(1525). nj\
mhd. gedihen, gedien (Ben. 1, 329''.
Lexer 770), aM. g(k)idihan (Gra/f 5, 107),
verstärktes deihen, mhd. dihen, ahd. dihan.
GEDEIHEN
32
GEDENKEN
goth. |>eiban ««> wachsen, zunehmen, vor"
wäris kommen.
ütitlktmf gedeien (gedeyen), n tncre*
mentum, wachsthum: ich habe gepflantzet,
Apollo hat begossen, aber gott hat das ge-
deien gegeben. 1 Cor. Z, 6 ; gott der das
gedeien gibt. v. 7 ; wissen , das gott müsse
das gedeyen vnd geraten geben jnn vnser
erbeit vnd huet. der segen. (1582). Aiij*;
gott wird dazu seynen segen vnd gedeyen
geben, originalbr. v. j, 1525 im ges. arth.
XU Weimar. pag. 124. EEE. n. 4.
(ledeakbiMy n. bild, das der erinnerung,
dem gedächlnü dient : denn die gedenckbil-
der odder zeugenbilder, wie die crucifix vnd
heyligen bilder sind, ist droben auch aus
Mose bewerd, das sie wol zu dulden sind,
auch ym gesetze, vnd nicht alleyne zu dulden,
sondern weyl das gedecbtnis vnd zeugen
dran weret, auch löbUch vnd ehrhch sind.
Widder d. hyml. Propheten, (1525). Cij".
fiedenkeiy cogitare, reminisei, mhd, ge-
denken (Ben. 1, 346* ff. Lexer 768), ahd.
gidenchan (Graff 5, 156), veret. denken.
1) gedenken = denken: aber die weyl es
gelt gilt, szo musz es gütlich Ordnung seinn,
was sie nur gedenckenn durffenn. von dem
hapslum zu Rome. (1520). Aiiij^; nit das
wir geschickt gnug sein etwas zu gedencken
von vns selber, sondern vnser geschicklickeit
ist von gott. auf das vhirchristL buch.
(1521). Eiiij", var. p. 2 Cor. 3, 5; kanstn
hie nicht höher noch anders gedencken (ausg.
v.J. 152S: dencken, s. denken 2), so bleib
u. s. w. vom abendmal Christi. ( 1 534). k iiij\
2) der gedanke, das gedachte, wird bei-
gefugt a) in direcler rede: er gedacht, ich
wil jn versünen mit dem geschenck. 1 Mos.
32, 20; der feind gedacht, ich wil jnen
nachiagen vnd erhasschen. 2 Mos. 15, 9.
b) in indirecter rede : vnd (Samuel) ge-
dacht, ob für dem herrn sey sein gesalbter. 1
Sam. 16, 6.
c) in einem abhängigen salz mit dasz:
das Jhesus von Nazareth were CIu*istus,
kundte niemand gedencken. der proph. Jona.
(1526). Diüj''.
d) in einem inf. et) ohne zu: darumb
icli auch gedenck, mehr die sach an yhr
salb handeln, dan (denn) yhrem ge-
schwetz antwortten. von dem bapstwn.
( 1 520). Aiij * ; werck, damit du das gesetz
erfüllen gedenckest. post. (1528). 151'.
ß) mit zu: wir gedencken (hoffen) auch alt
zu werden. Sir. 8, 7.
3) die gedankenridUung wird durch eine
praep. ausgedrückt: gott loben vnd sich
schuldigen, das ist recht an gott >iid sich
selbs gedencken. gl. zu ps. 38, 1 ; eben so
thun wir mit vnserm geitzen, das wir für das
geringste sorgen vnd an das grosse nimer ge-
dencken. das 5. 6. vnd 7. cap. s. Matthei.
(r532). sj"; — gottes wort kan nicht ge-
boret noch geleret werden, wo man die weil
anff etwas anders gedenckt. wider die sah-
bather. (1538). Gij'*; — nach solcher
gäbe der Weisheit recht gedencken. weish.
7, 15; — da aber Danid mercket, das Saul
böses vber jn gedacht. 1 Sam. 23, 9; —
draus mus folgen, das er nidits guts von mir
gedenckt. von heimlichen vnd gestolen
bneffen. (1529). Dj^
4) gedenken =*. sich erinnern, recor-
dari, reminisei, gegensatz von vergessen, a)
mit gen. : aber gedenck meiner , wenn dirs
wol gehet. 1 Mos. 40, 14; wir gedencken
der fissche, die wir in Egypten umb sonst
assen. 4 Mos. 11, 5; vnd gedenckt aller
gebot des herrn. 15, 39; vmb sonst oder
aus liebe wird jr {ihrer sc. der heiligen) nie-
mand viel gedencken. artickel etc. (1538).
Ciij'*. b) mit der praep. an: da gedachte
gott an Noah vnd an alle thier vnd an alles
vieh, das in dem kästen war. 1 Mos. 8, 1 ;
aber der oberste schenck gedacht nicht au
Joseph, sondern vergas sein. 40, 23; ich
gedencke heute an meine Sünde. 41,9. c)
mit abhängigem salze : ich gedencke, das du
mit mir auff eim wagen seinem vater nach-
furen (sie). 2 kön. 9, 25; wir haben ge-
dacht, das dieser verfürer sprach, da er noeli
lebet, ich wil nach dreien tagen aufferstehen.
Malth. 27, 63.
5) gedenken »» bedenken, reputare: denn
du solt gedenken, das du auch knecht in
Egyptenland wärest. 5 Mos. 5, 15; 15, 15;
gedenck, das mein leben ein wind ist. Hiob
7 , 7 ; da gedenck ein yglicher bey yhm sel-
ber, was für kurlz weil da sey gewesen.
ausleg. der zehen gepot. (1528). Dij**; ich
GEDENK£N
33
GEDINGE
wil nur angeregt vnd vrsach zu gedencken
geben haben, an den ehrUÜ. adel. (1520).
Fj-.
6) hedbsiehUgen, vorhaben, willens sein :
jr gedachtets böse mit mir zu machen , aber
gott gedachts gut zu machen. 1 Mos. &0,
20 ; so sollet jr jm thun, wie er gedacht sei-
nem bnider zu thun. 5 Mos, 19« 19; so
hab ich gedacht ein haus zu bawen. 1 kön.
5,'- 5.
7 ) gedenken »>' erwähnen^ insbes. rühm"
voll erwähnen^ loben, preisen : da er aber
der laden gottes gedacht. 1 Sam. 4, 18 ; zu
2 Mos, 23, 13 (anderer götter namen solt
jr nicht gedencken) hemerkl L, in der gl.
ausdrücklich: gedencken heisst hie so viel
als predigen, rbümen, dancken, gottesdienst
pflegen. Bindseil 7, 485; gleich wie Chri-
stus vns befilhet» das wir sein gedencken,
das ist seinen lod verkündigen vnd predigen
sollen, gl. zu 3 Mos, 24, 7. vgl. auch ge-
däcbtnis 1) am ende,
8) einem etwas gedenken: gedenck mir
mein gott zum besten alles das ich diesem
volck gethan habe. Neh. 5, 19; mein gott,
gedenck mir des auch vnd schone mein nach
deiner grossen barmhertzigkeit. 13, 22.
fiedrakei, n. memoria, erinnerung: ich
bin noch nicht sechtzig jar alt, noch weis
ich, das bcy meinem gedencken ist eingeris-
sen, das ein bischofT mehr weder ein stiiTt
hette. von den conciUjs. (1539). Biij*;
bey vnserm gedencken. das 15. cap. der
ersten ep. s. Pauli an die Cor. (1534).
Qij ^ ; sie sollen nach vier mans zeiten widder
hieher komen , das ist vier menschen geden-
cken, das sind fast zweihundert iar, denn
eins mans gedencken sind nicht viel vber
funffzig iar. vber das erste buch Mose.
(1527). oij'; das gibt auch die marunge,
das an keinem ort der weit das euangelion
lauter vnd rein ist blieben vber eins mans ge-
dencken. post. (1528). 318*; Mentzer
bistum hat bey menschenn gedenckenn fast
acht bischoff mentel ausz Rom kauflt. von
dem bapstum zu Rome, (1520). Aiiij^.
Utdtwk^fhff n. u><is denkopfer («. d.).
Sir, 38, 11.
(Sedickt^ n. poema, bei L. noch geticht
(geliebte, vom abendmal Christi, 1528.
DnsTZiWÖrtcrbuch. II.
n iiij ^), une lichten st. dichten, mhd. getihte
(Ben, 3, 36 ^ Lexer 944).
1) poetische arbeit, poema^ Carmen: vnd
hies die leuiten den herm loben mit dem ge-
ticht Dauid. 2 chron, 29, 30 ; ein fein ge-
ticht. ps. 49, 5 ; hab ich meine garstige vnd
schnöde poeterey odder geticht lassen faren.
der 111. p*afm. (1530). Aij^
2) erdichtung, tüge: szo soll nu eyn ygli-
cher sich fursehen, das er nit eynen trawm
vnd geticht an stat des glaubens ym hertzen
habe, euang. von den sehen aussetsigen.
(1520). Eij*"; des Emsers degen nur ein
nerricht geticht ist. auf das vbirchrisU. buch.
(1521). Ciü]*^; das ist auch nicht mein ge-
ticht. Widder den meuchler zu Dresen.
(1531)« BJ^T lügen vnd geticht. Dan,
2, 9.
Sediegea (gedigen), solidus, das alie als
adj. gebrauchte part, praet. von gedeüien.
a) von personen : die zuuor hie auff erden
in diesem leben sind gewesen reich, gewaltig,
frölich vnd gediegen, werden alsdenn sein
trawrig vnd verdampt. hauspost. (Jhena
1559). 15*. &) von mela/Jen: gedigengold.
zwo hochzeitpredigten. (1535). Cij*. hier-
her gehört auch die var, zu 4 Mos, 10« 2 :
von gedeyem silber , wo für gedeyem wohl
gedegem zu lesen ist.
Sedieiei^ dienen, dienste leisten : keyner
so gering ist, der nicht ettwas hette, damit
er andern gedienen künde, zwo predigt auff
die ep. s. Pauli 1 Thess. 4. (1525). Biij*.
— mhd. gedienen (Ben. 1, 370*. Lexer
769).
üedinge (geding), n« mhd. gedinge {Ben.
1, 340 ^ Lexer ni), ahd, gidingi (^ra/f
5, 193).
1) Übereinkunft, vertrag: vmb das gedinge
vber den froschen. var» zu 2 Mos. 8, 12;
nein, den jarmarckt wU ich nicht haben, nocli
solchen Wechsel vnd gedinge leiden, ver-
manung zum sacrament. (1530). Eiij^;
mit dem geding, das sie jnen gelts gnug da-
für bescheiden vnd geben musten. der 110.
psalm. (1539). biiij*; darnach sol vnser
geding also gehen, die weissen einf erbigen
schaff vnd was die selben für einferbige brin-
gen, sol auch dein sein, was aber bunds ge-
poren wird sol mein lohn sein, vber das
5
6EDÖNE
34
GEDUNR
er9ie bw^ Mose. (1527). Ttiiij^; das ist
die vorrede vnd der eingang zu dem volck,
damit gott für dem gesetz ein geding macht
mit dem volck. ausUg, der zehen gepot,
(1528). Gj«; der hauszvatter [Matih. 20, 1
ff.) machet mit keinem kein geding on mit
dem ersten. hausposL {WiUemb. 1545).
winterten 62 *".
2) mieMoohnimg, coniuctum: Paulus
aber bleib zwey jar in seinem eigen gedinge.
ap. gesch. 28, 30.
fiiHldBe^ 8. getöne.
CleilniBg, n. bedrängnis, drangsal, mkd.
gedranc (Ben, 1, 395. Lexer 774): in der
Welt werdet jr getrang haben. Jen. \, 94^,
. «ar. XU Joh. 16, 33. vgl. ge<}ränge.
Cfedräflge (gedrenge), n. dasselbe : wenn
uu dis also geschieht, so ist der mensch in
grossem gedrenge vnd engsten. Jen. 1 , 80^ ;
inn mir solt yhr friede haben , ynn der weit
werdet yhr gedreng haben, post. (1528).
89*, var. zu Joh. 16, 33. — mhd. ge-
drenge {Ben. 1, 395''. Lexer 774), aM.
gidrengi (Graff 5, 263).
fiedfiBgt (gedrengt), s. drängen.
fiedrcDge; s. gedränge.
fiedresek^ n. häufen, schaar: da er {der
blinde am u>ege zu Jßricho) das gedresch
höret für über gehen, hauspost. {Witlemb.
1545). winterleil 78*. — mhd. gedrosch,
geträsch, gedmsche, getrdsch {Ben. 1, 396'*.
Lexer nb. Schmeller 1*, 676).
(ledritty aus drei bestehend : bringets vnd
knüpillts alles zu samen als in ein bündlin
vnd machet ein gedrittes aus dem Zeugnis.
ausleg. der ep. vnd euang, von ostem.
(1544). Hij''; ich nenne es {die drei per-
sonen in der gotlheit) ein gedrittes, denn
dreifaltigkeit lautet ebentewrlich. hauspost.
{Jl^na 1559). sommerteil ^^^^ .
fiedald (gedult), f. patientia, mhd. ge-
dult (Ben. 1, 379*. Lexer 776), ahd. gi-
dult (Graff 5, 136): gedult oder erleydung.
bulla cene domim. (1522). Biiij''; göttli-
che gedult. Rom. 3, 26 ; gedult Christi. 2
Thess. 3, 5 ; die gedult Hiob. Jac» 5, 11;
vnd leide es mit grosser gedult. 2 Macc. 7,20;
hat er mit grosser gedult getragen die gefesse
des zoms. Rom. 9, 22 ; straffe, der wir vns
mit gedult vntergeben sollen, ob man für
dem sterben fliehen muge. (1527). Biij*;
welche {bücher) kein from biderman mit ge-
dult lesen kan. ein dialogus. (1545). Bj^
geduld haben, tragen : ein fromer Schulmeister
kan seer wo! gedult haben, das 16. cap.
Joh. (1538). Ddj*; das er gedult habe,
wens vbel gehet, ps. 94, 13; hab gedult,
gott wird dir bald helffen. Tob. 5, 14 ; also
trug er gedult. Hebr. 6, 15. geduld haben
mit einem (etwas) : e. f. g. wollen mit mir
alten vergessen man gedult haben, de Wette
br. 6, 209; habe gedult mit deinem nehesten
in der not. Sir. 29, 11; habe gedult mit
mir, ich wil dirs alles bezalen. Malth. 18,
26. 29.
fiedildea, dulden, nMl. gedulden (Lexer
776): sollen wirs noch lenger gedulden?
ein irew vermanung. (1522). Bij *.
dedlldig (gedullig, gedültig), patiens,
mhd. gedultec (Ben. 1, 379 ^ Lexer 776),
ahd. gidulttc {Graff 5, 137). ü wegen -ig
richtiger als u.
1) adj. a) praedic: der herr ist gedültig
vnd von grosser barmhertzigkeit. 4 Mos. 14,
18 ; wer gedültig ist, der ist weise, spr. 14,
29; seid gedültig in trübsal. Rom. 12, 12;
seid gedültig gegen jederman. 1 Thess. 5,
14; es ist des rhümens kein ende... wie
messig vnd gedültig sie sind, das diese wort
etc. (1527). bij*; nicht alleine gedültig,
sondern auch barmhertzig vnd iamerig raus
er sein, der proph. Sacharja. (1528 f.
Lj*. ■
b) attrib.: ein gedültiger geist ist besser,
denn ein hoher geist. pred. 7, 9.
2) subst. : ein gedültiger ist besser denn
ein starcker. spr. 16, 32.
Hedildig, adv. patienter: vod leid (litt)
es gedüll^. 2 Macc. 6, 19.
fiedilalgUeli (gedültighch), adv. dasselbe:
daraus wird er bewegt , nicht alleine zu ley-
den gedultiglich. der proph. Sacharja.
(1528). Lj*; die vnsern zu Augspurg so
hertzlich , demütiglich, gedultiglich . . . vmb
friede gebeten, widder den metichler zu
Dresen. (1531). Biij*^; darumb sollen wir
solche tyrannen nicht allein gedültighch lei-
den. Bindseil 7, 361 ; wollest mich gedul-
tiglich hören, ap. gesch. 26, 3.
Iiledinkj m. hedünken, guidünken, mhd.
GEDUNKEN
35
GEFALLEN
gedunc (Ben, 1, 359*. Lexer 776), bei L.
nur im pL : wanddlen nach jres bösen her-
tzen gedimcken« Jer. 1, 24; folgen jres
hertzen geduncken. 9, 14; nach geduncken
jres hertzen. 13» 10; wie die deutschen
singen :
necht tzahenl war ich truncken,
da redt ich noch (nach) geduncken.
bulla cene domini, (1522). Aiij*; vnd ge-
het eben wie ein wagen, so jnn der nacht
feret, und nach geduncken gehen mus. der
101. psa/m. (1534). Biiij *; zwar wenn es
nach geduncken jnn solchen sachen gülte zu
reden, wdt ichs auch wol können, zwo pre^
digi, (1535). Aiy'; so du doch solt alle
geduncken faren lassen. Jen. 1, 66^. vgl.
dunk.
fiedaikei^ dünken, refl. sich dünken,
einbilden : denn die selben sich geduncken.
Jen. 1, 73":
fiedinkt; parL eingebildei: szo kann man
der selben gedunkten peyn keynen namen
gebenn. ein serm. von dem ablasz. (15 IS).
Aij^
üttlf s. gel.
fieelsickt. /*. gelbsucht. 5 Mos. 28, 22,
wo es eine krankheit des gelraides bezeich'
netf welche ein gelbwerden, hinwelken des^
selben zur folge hat (1 kön, S, 37 übersetzt
L. dasselbe wort mit brand, Arnos 4, 9 mit
brandkorn).
ISeessen^ s. essen.
ISefabr^ f. periculum, bei L. , der noch
das einfache falir («. d.) gebrauchty äuszerst
selten erscheinend: der jederman sich auch
mit gefalir des lebens dargibt. Jen, 1, 405**;
on alle gefar {gedr, gefär, Jen. 2, 310^* fahr)
des gewissen, das 7. cap, s, Pauli zu den
Cor. (1523). Hiiij*.
liefahr (gefehr), f. betrug, hintetlist, mhd.
^e\adre (Ben. 3, 267**. Lexer 956): den-
noch wil gott jnen (der obrigkeit) gehorsam
gehalten haben on alle list vnd gefehr. Jen.
1, 281^
liefähr (gefehr), adj. feindselig, aufsät-
zig, mhd. gevaere (Ben. 3, 267 ^ Lexer
957): da wirslu finden... erbare heilige
leute für der wellt, die dir gefehr vnd gram
seyen. das 11. cap. Joh. (1530). Niij^;
sonst würden sie beide ym vnd vns der per-
son halben nicht so feind vnd gefehr sein.
das 14. und 15. cap. s. Joh. (1598). zzz
fiefakre« (gefaren), hintergehen, täuschen
(?), mhd. gevllren (Ben. 3, 271'*. Lexer
957): gleich als weiin vns die pelagianer
wolten gefaren mit diesem wort erbsunde
odder Adams seuche. von den concilijs.
(1539). PijV
fiefikrte (geferte),m. fahrt-, reisegenosse,
mhd. geverte (Ben. 3, 257'. Lexer 960):
meyn artiger geferte. var, zu PhiL 4, 3 ;
diszen artigen gefertten verstehen viel, es sey
s. Paulus weyb geweszen. das 7. cap. s.
Pauli zu den Cor. (1523). Diij'; sie niei-
neten aber, er were vnter den geferten. Luc.
2, 44 ; die menner aber die seine geferten
waren, ap. gesch. 9, 7 ; zum geferten vnser
fart. 2 Cor. %, 19. auch in fem. bedeU'
tung gefährtin : da bracht er alle thier, sie
vnd er, zum Adam, aber seine sie odder ge-
ferten fand er nicht, vber das erste buch
Mose. (1527). Jiij^
fiefalleii, mhd. gevallen (Ben. 3, 219'.
Lexer 955), ahd. gi-, kafallan (Graff 3,
456 ff.), von L. noch in zwei bedeutungen
gebraucht.
\) fallen, zufallen, zukommen: es hatte
dazu der bapst dennoch die band mit im sode
behalten, das die helfft solt gefallen zu dem
gebew s. Peters kirchen zu Rom. wider
Hans Worst. (1541). Liij'; vnd gefiel
{fiel, wurde gegeben) eine solche antwort.
Verantwortung etc. (1533). Eij'; böse ge-
selschaffl, da offt gar erg erhebe wort gefallen
wider den glauben vnd verderben gute ge-
wissen, gl. zu 1 Cor. 15, 33.
2) placere, gratum esse, a) ohne dat.
derperson: wenn holTnung da ist, ettwas
zu erschnappen, thuen vnd reden' sie (die
hofeschranzen) getrost, was sie dünckt es
gefalle, vier trostl. psalmen. (1526). C
iiij ' ; da muß ja kein ander predigt gefallen,
denn aus eingeben des bösen geisls. von den
Schleichern. (1532). Bj*. b) mit dat.:
ihut mit jnen was euch gefellet. 1 Mos. 19,
8; solte das dem herrn gefallen? 3 Mos.
10, 19; sie gefellet meinen äugen, rieht.
14, 3; denn ich halt, das dis büchlin auch
vnsern widdersachernselbs müsse gefallen, ob
6*
GEFALLEN
36
GEFANGEN
lie wol nichts wollen der vnsern yhn gefal-
sen lassen, oeconomia chrisliana, (1529).
Aij*'; — thue mit jr wie dirs gefeit. 1 Mos,
16, 6 ; der sol thun wie es meinem hcrtzen
vnd meiner seelen gefellet. 1 Sam. 2, 35.
c) mit inf, oder mit einem abhängigen
salze : es gefellet mir nicht sie zu nemen. 5
Mos, 25, 8 ; gefeit dirs mit mir gen Babel zu
zihen, so kom. Jer. 40, 4 ; — gefellet es
euch, das ich meinen todten l^egrabe, so
höret mich. 1 Mos. 23, 8; es gefiel dem
könige, das er mich hin sendete. Neh. 2, 6.
d) mit adv. : die rede gefiel Hemor vnd sei-
nem son wol. 1 Mos. 34, 18; es gefalle jm
denn recht wol. wider das bapslum zu
Rom. (1545). Aij^; das wird dem herrn
bas gefallen, ps. 69, 32; welchs jm doch
viel bas gefellet , denn dem storke sein klap-
pern, vom abendmal Christi. (1534). dij**.
e) sich (L, ihm, ihr, ihnen) etwas gefallen
lassen , seine Zustimmung dazu geben , sich
demselben nicht widersetzen: da das Moses
höret, lies ers jm gefallen. 3 Mos. 10, 20;
denn werden sie jnen die straffe jrer misse-
that gefallen lassen. 26, 41 ; vnd dieselbige
lesset es jr gefallen bey jm zu wonen. 1
Cor. 7, 12.
Cefallen^ m. und n. mhd. geval (Ben, 3,
222 ^ Lexer 955), bei L. in folgenden
redensarten : a) an , zu etwas gefallen (lust,
neigung) haben : vnter meins valers kindern
hat er gefallen gehabt an mir. 1 chron. 29,
4 ; w^er wird gefallen haben an seinem hause
nachjm? Hiob 21, 21; er hat nicht lusl
an der slercke des rosses, noch gefallen an
jemandes beinen. ps. 147, 10; hephetz
heisst eigentlich ein gefallen oder willen,
lust, neigung zu einem ding haben, von den
letzten Worten Dauids. (1543). Xij'';
(herzog Friderich) hatte solchen gefallen vnd
hoffnung zu dem bischoue, das er dis fröhche
wort hat gesagt , lasst mir den man mausen.
tpider Hans Worst. (1541). Kiiij^ b)
2u gefallen thun: 'Asser wird den königen
zu gefallen thun. 1 Mos. 49, 20 ; dem herrn
etwas zu gefallen thun. Hos. 9, 4. c) dei-
nes, seines etc. gefallens (belieben): du bist
<ler man nicht , der d. Luther deudsch reden
tiol leren, odder jm seine wort nemen vnd
kleines gefallens deuten, widder d. meuchler.
(1531). Biiij^; so ists auch nicht recht...
das einer das gemein sacrament der kirchen
nach seiner eigen andacht wil brauchen vnd
damit seins gefallens... spielen, artickel
etc. (1538). Biiij'; vnd pfarher schicken
yhrs gefallens. originalbr. v.J. 1530 in der
bibl. zu Wolfenbüttel, de Wette &r. 4, 194;
woll jr dem herrn ewrs gefallens zeit vnd tage
bestellen, wenn er helffen sol? Judith 8.
11.
ttejfällig ^gefellig), placens, gratus, mhd.
gevellic {Ben, 3, 225*. Lexer 959J, ahd.
gef ellig (6rra/f 3, 465). a) mit dat.: gerech-
tigkeit, die jm (gott) gefeilig ist. Luc. 1,75;
wer darinnen Christo dienet, der ist gott ge-
fellig. Rom. 14, 18; oder gedenck ich men-
schen gefellig zu sein. Gal, 1, 10; da wirt
gott dem hertzen szo lieblich vnnd gefellig
vnnd susz, das es nitt mehr begerd. euang.
von den zehen aussetzigen. (1*521). Hiij'.
b) mit für (vor) : meine lere ist für dir recht
vnd gefellig. von heimlichen und gestolen
brieffen. (1529). Fj"; was recht vnd ge-»
fellig ist für dem herrn. 5 Mos. 12, 28;
vnd thun was für jm (gott) gefellig ist. 1
Johi 3, 22. c) sich jemand gefällig machen:
gleich wie ich auch jederman in allerley mit-li
gefellig mache. 1 Cor. 10, 33.
Gefangen 5 captus, part. von fahen [fan-
gen),
1) adj.: sein gefangen volck. ps, 14, 7.
53, 7 ; das gefangen Egypten. Jes. 20, 4 :
du gefangene tochter Zion. 52, 2 ; — ich
bin gefangen gewesen vnd jr seid zu mir
komeh. Matth. 25, 36 ; wenn haben wir
dich kranck oder gefangen gesehen vnd sind
zu dir komen? v. 39; vnd lies Paulum hin-
der sich gefangen, ap. gesch. 24, 27. hier
mögen auch belege für die Verbindung des
part. gefangen mit nehmen, führen, halten,
legen, liegen, siVien eine stelle finden : alle
kinder vnd weiber namen sie gefangen, l
Mos. 34, 29 ; streit er wider Israel vnd fürel
etliche gefangen. 4 Mos. 21, 1 ; im lande
jres gefengnis, da man sie gefangen helt. 2
chron. 6, 38 ; vnd legten jn gefangen. 3
Mos. 24, 12; ins gefengnis, da Joseph ge-
fangen lag. 1 Mos. 40, 3; die da sitzen
muslen gefangen im zwang vnd eisen, ps.
107, 10.
GEFÄNGLICH
37
GEFLISSEN
2) subsL: ich gefangener in dem herrn.
Ephes. 4, 1 ; auch mit beitimmlem artikel:
der gefangener. 3, 1 ; gen. des gefangenen.
2 Mos. 12, 29. der pl, schwanJU xiDisehen
gefangene und gefangenen : des königs ge-
fangene. 1 Mos. 39, 20; da haben doch
mit einander friede die gefangenen. Biob 3,
18; bringet die gefangenen wider hin. 2
chron. 28, 11; jr solt die gefangene nicht
her ein bringen, v. 13 ; die summa des raubs
der gefangen (gefangenen). 4 Mos. dl, 26.
Cdivglicb (gefenghch), adv. geßlnglich
einziehen, gefangen nehmen, seUen: der
ehrwürdig vater general hette gewilligct mich
... gefenghch einzuziehen. Jen. 1, 127^;
nach dem Johannes gefenglich eingezogen.
hausposL {Witlemb. 1545). winlerleil 8*.
gefenghch ^^ gefangen: das viel gefenghch
w^gefurt waren. 1 Macc. b, 26 ; da hiell
jn Arsaces gefenglich. 14, 3.
CefiBglia (gefengnis), f. und n., doch mit
bevorzugung des letzleren, mhd. gevanc-
nisse, gevencnisse, ebenfalls f. und n. (Ben.
3, 212*. Lexer9bQ), gebraucht L, \) ßr den
zustand des gefangenseins , die gefangen-
schaß : so wird der herr dein gott deine ge-
fengnis wenden. 5 Mos. 30, 3; im lande
jres gefengnis. 1 kön. 8, 47 ; wen das ge-
fengnis trifft, den trelTe es. Jer. 15, 2; vmb
die zeit des babylonischen gefengnis. Malth.
1, 11 ; nach der babylonischen gefengnis. v.
1 2 ; meyn büchlin von der babylonischen ge-
fengknisz. antwort deutsch. (1522). Diig*^;
die grosse gefengnis der sunden (gefangen-
Schaft in Sünden), artikel u. s. w. (1538).
Eiij •. •
2) ort des gefangenseins: vnd legt jn ins
gefengnis. 1 Mos. 39, 20; vnd lies sie
setzen in des hofenieislei^ haus , ins gefeng-
nis, da Joseph gefangen lag. 40, 3; vnd
worlTen sie in das gemeine gefengnis. ap,
gesch. 5, 18; die thür des gefengnis. v. 19;
das gefengnis funden wir verschlossen, v. 23.
auch der Ort der quäl, die hölle, heiszt. 1
Petr 3, 19 gefengnis.
3) gefangene: vnd hast das gefengnis ge-
fangen, ps. 68, 19.
Iicfasi (gefesz, gefess, gefes), gefäsze (ge-
fesse. ap. gesch. 27, 17), n. vas, colL zu
fasz yS. d.), mhd. gevie^e {Ben. 3, 2S3*.
Lexer 958). 1) eigentlich: ein töpffer kan
aus dem thon ein gefes machen, was er wil.
gl. zu Jes.* 45, 11; kanden vnd ander gefesz.
von der beicht. (1521) bij*; silbern vnd
gülden gefess. 2 Mos. 3, 22; httlUen gefess.
3 Mos^ 11, 32; erden gefess. v. 33; die
gefesse des hauses des herrn. Esra 1,7.
2) bildlich: goi% hat mit grosser gedult
getragen die gefessa des zoms. Rom. 9, 22 ;
gefesse der barmhertzigkeit. v. 23 ; ynn der
gantzen scluifft wird das gefess genommen
für die wort, darumb das ynn vnd mit den
Worten der synn verfasset, geben vnd genom-
men wird, gleich wie mit dem gefess der
wein, Wasser, kolen vnd was denn ist, das
man fasset, post. (1528). 63 ^
fiefitter, s. gevatter.
defsttenckafti s. gevatterschaft.
fiefchr^ s. gefähr.
Cefellig, s. gerällig.
Ctefenglichj s. gefänglich.
SefeigiiSj s. gefängnis.
fiefertei s. gefahrte.
fiefessi s. gefäsz.
deficdert (gefiddert), part. adj. mit federn
versehen, mhd. gevidert {Ben. 3, 288*),
ahd. gäfiderit {GraffS, 449): allerley gefid-
derls geuogel. 1 Mos. 1 , 21; gefidderle
reder. Jen. 5, 21*.
dcfildf I n. Campus, ebene, blachfeld, coli,
zu feld, mhd. gevilde {Ben. 3, 296 ^ Lexer
962*, ahd. gilUdi {GraffS, 516): das gefilde
Moab. 4 Mos. 22, 1 ; das gefilde der Hoa-
biter. 33, 48; des gefildes. v. 49; vnd man
wii'd gehen im gantzen lande vmb, wie aufl"
einem gefilde. Sach. 14, 10.
deflick, geflicke, n. 1) anhaltendes oder
wiederholtes flicken , bildlish in folgender
stelle : vud ist des vnnötigen geflicks vnd ge-
pletzes so viel, das sie selten zur sache komen.
das diese worte etc. (1527). c ij*. 2) cento,
flickwerk, in der folgenden stelle ein zu-
sammengestöppeltes Schriftstück: vnd ist
{SC. das kaiserliche edict) ein jemerhch ge-
flicke, nicht anders denn als eins bettelers
mantel, denn ich höre, das wol funlT mal dis
eilict sev verendert vnd haben viel sich dran
geerbeit. auff das vermeint keiserlich edict.
(1531). Aiiij^
(»eflissfi (gevltssen, geulissen), part.
GEFRÄSZ
38
GEGEN
praei, von fleiszen {s. d.): zu dienen vnd
folgen . . . ailweil erbültig, willig vid gevlis-
sen. Verantwortung der auffgelegten auff-
rur. (1533). Ciij*.
MfäMf gerräsze (gefres, gefresse), n.
eolL zu frasz »* das fressen, mhd, gevrae^e
(Ben. 1, 762^ Lexer 965): vnd also ein
lauter gefres aus dem * abendmal machten.
vom aJbendmal Christi. .(1528). Cüij*; vnd
aus dem sacrament ein leiblich gefresse
macheten. vermanung zum sacrament.
(1537). Hij^
Uttrtltif gefreit, part, von freien, frei
machen, befreien : von diesen bürden sol nu
forthin das land Juda . . . gefreiet sein. 1
Macc. 10, 30; vom schos gefreiet sein. v.
33. subst.: wer ein knecht beruffen ist in
dem herrn, der ist ein gefreiter des herrn. 1
Cor. 1, 22.
CefreSj gefresse, s. gefräsz.
Cr frr nnd; befreundet, verwandt : w eil sie
mit einander gefreund waren. 2 Macc, 5,
9. — mhd. gevriunt (Ben. 3, 412 •. Lexer
966).
defreundtc, m. freund, verwandter: ein
gefreundter des , dem Petrus das ohr abge-
hawen halte. Joh. 18, 26; grüsset Hero-
dionem meinen gefreundten. Rom. 16, 11;
die meine gefreundte sind nach dem fleisch.
9, 3; jre nachbarn vnd gefreundten. Luc.
1,58.
(IffreiiBdtei f. freunöin, verwandtin:
Elisabet deine gefreundte. Luc. 1, 36.
Gefre HndtiB I f. dasselbe: auch spricht
der eugel Gabriel Luc. 1 {v. 36) das Elisabet
sey Maria mume oder gefreundlin. vom schem
hamphorgs. (1543). Mij*. t?^/. t?orAer ge-
freundte. ,
' Hefriern^ gelare, frieren, nüid. gevrieseu
(Ben. 3, 413^ Lexer 965), ahd. gi-, ka-
friusan (Graff 3, 828): er lest im winler
schneien, reiflen vnd gefrieren, der 147.
psalm. (1532). Diij*; wenn es gefrewret,
so werden ciszacken. Sir. 43, 21.
Gegäky gegäke (gegeck, gegecke, gekecke),
n. da« kreischende geschrei der dolen und
raben, wie auch der frösche: ein gekecke
der frösche. tischr, 147 *". noch einen be^
leg s. unier gäken.
(legatte, m, gälte, conjux: man sagt, dasz
ein pfaw keinen ne]>en jm könne leiden, der
mit seinem gegalten auch zu hielte, tischr.
306 ^ — mhd. gegale {Ben, 1, 488*. Lexer
778).
(itfitm, praep., mhd. gegen {Ben. 1, 492'.
Lexer 778), ahd. gegin, gagao, kakan {Graff
4, 135), anfangs von L. oft kegen geschrie-
ben (belege s. hemaeh). vereinzelt begegnet
contr. gern >» gegen dem (z. b. 1 Mos. 11,
2). in der regel construiert L. gegen noch
mit dem dal. , doch ist die constructian mit
dem aec. nicht gerade selten, es steht
1) räumlich, a) hin, zu, nach etwas: er
(Daniel) hatte an seinem sommerhause offene
fensler gegen Jerusalem. Dan. 6, 10; vnd
gott der herr pflanlzel einen garten in Eden
gegen dem morgen. 1 Mos. 2, 8 ; da sie nu
zogen gern morgen. 11, 2; sihe gegen mit-
ternacht, gegen dem mittag, gegen dem mor-
gen, vnd gegen dem abend. 13, 14; gegen
dem gnadenstuel sprengen. 3 Mos. 16, 14
(v. 15: gegen den gnadenstuel); verbirge
dich am bach Crith, der gegen dem Jordao
fleusst. 1 hon. 17, 3; das sie können gegen
die vier ort der well... gehen. Bindseil 7,
351. b) gegenüber, vor: hie haben der
heyden meistere... feindlich getrachet, wie
es zugehe, das er (der regtnbogen) allenuil
gegen der sonnen stehet, vber das erste buch
Mose. (1527). aüj''; vnd als er seine äugen
auffliub vnd sähe, da stunden drey menner
gegen jm. 1 Mos, 18, 2; in der hole, die
da ligt gegen Mamre. 25, 9 (vgl. 23, 17);
vnd man satzt sie gegen jm. 43, 23; die
salzten sich gegen das grab {dem grab gegen»
über). Malth. 27, 61; gehet hin in den
marckt, der gegen (Matth. 21, 2: für vor)
euch hgt. Luc. 19, 30.
2) zeillich, annäherung ausdrückend:
vnd Dauid schlug sie von dem morgen an bis
an den abend gegen dem andern tag, d. i.
gegen den beginn des andern lages, welcher
mit dem abend eintrat. 1 Sam. 30, 17.
3) vergleichend: einer mag besser vnd ge-
schickler sein dan der ander, gleich wie
sancl Paul war kegen Petro. von dem bap-
stum. (1520). Dj*'; noch ilzt furslen, bi-
schofie vnd herrn sind, die gegen dem könig
zu Nineue rechte beller sind, der proph.
Jona. (1526). Aiij ^ ; gegen wem messet jr
GEGENANDER
39
GEGENTHEIL
mich, dem ich gleich sein solle ? Jei, 46,5;
die abtrünnige Israel ist from gegen die ver-
stockte Jtida. Jet, 3i 11; sie sollen klein
sein gegen andern königreichen. Etech, 29,
15; gold ist gegen sie wie geringer sand,
vnd süber ist wie kot gegen sie zu rechen.
wei9h, ly 9.
4) von freundlichen gesinnungen und
handlungen, erga: sein hertz entbrand jm
gegen seinem bruder. 1 Mos. 43, 30 ; dar-
um bricht mir mein hertz gegen jm. Jer. 31,
20; danimb preiset gott seine liebe gegen
vns. Rom. 5, S; vleissiget euch der ehrbar-
keit gegen jederman. 12, 17; seid gedültig
gegen jederman. 1 Thess, 5, 14; sanfftmü-
tigkeit beweisen gegen allen menschen. TU.
3, 2 ; ob du auch liebe gegen deynen nehi-
slen beweyssist. von beider geslalt. (1522).
Dij • ; für euer gutwilliges hertz, so ihr gegen
mir erzeigt habt, de Welle br, 4, 586.
5) feindlich gegen, wider : vnd rüslelen
sich gegen Israel. 1 Sam. 4, 2 ; vnd rüsten
sich zum streit gegen die Phihsler. 17, 2; jr
solt nicht streiten weder gegen klein noch
gegen gros, sondern gegen dem könig Israel
alleine. 2 chron. 18, 30; das jr bestehen
künd gegen die listigen anlaulT des teufeis.
Ephes. 6, 11; vnd es that seinen mund aufT
zur leslerung gegen gott. offenb. Joh. 13,
6. oft unentschieden : wie flh mich gegen
gott stelle, so stellet er sich gegen mir. vber
das erste buch Mose. (1527). aiüj*; wer
weis, was er (gott) droben dencket odder im
sinn hat gegen mir? das 17. cap. Joh.
(1530j. Hj«.
Ut^eaMmAtr, s. gegeneinander.
CiCgciUM^ gegenbilde, n. anlitf^pus, ab^
bild im gegensatz von vorbild: Christus ist
nicht eingegangen in das heilige, so mit hen-
den gemacht ist, welchs ist ein gegenbilde
des rechtschaffenen. Hebr. 9, 24 ; darumb
ist not, das man nicht alleine die drey bilde
in Christo ansehe vnd die gegenbilde damit
austreibe vnd fallen lasse. Jen. 1, 185*.
fiegendj f. regia ^ mhd. gegent, gegende,
gegenote (Äen. 1,494*. Lexer 780): die
gantze gegend am Jordan. 1 Mos. 13, 10;
von der gegend vmb Jerusalem her. Neh.
12, 28; Jhesus entweich in die gegend Tyro
vnd Sidon. Matlh. 15, 21; die menner aus
den gegent«n. Neh. 3, 22.
Cegcaeliandcrj häufig verkürzt gegen-
ander, mutuus, gegenseitig, eins gegen das
andere: figur vnnd erfullung der figurenn
haben sich kegennander wie ein leyplich vnd
geistlich odder euszerlich vnnd ynnerlich
ding, von dem bapslum. (1520). Diij*";
mit vnsaglichem hasz vnd neyd gegenander
streytten. an d. ehristl.adel. (1520). Güj*;
hie vnterricht s. Paulus die eheleutt, wie sie
sich gegeneinander hallten sollen der ehe-
pflicht halben, das 7. oap. s, PauU zu den
Cor. (1523). Biiij*^; wo man ehe vnd
junckfrawschafft gegenander hellt, ebend,
Ciij*; wenn wir nu alles gegeneinander hal-
ten, vber das erste buch Mose. (1527).
Ej ^ ; vnd rüsten sich also die zween könige
gegen ander. Bindseil 7, 374; es ist nicht
ein geschrey gegen ander. 2 Mos. 32, 18;
jre andhtz stunden gegen ander. 37, 9 ; die
weiber sungen gegen einander. 1 Sam.
18, 7.
Hcgenpart, m. eUiversarius, gegner: vnd
solt seinen rechten oberherrn, den keiser,
hierin lassen richter sein vnd sein gegenpart
lassen daselhs zur verhör vnd zur antwort
komen. wider den bischoff tu Magdeburg.
(1539). Cij*; abwesens seines gegenpart«.
ebend. D j *.
liegcnspieJ, n. contrarium, gegentheil:
die Juden haben diesen feinen brauch gehabt,
das sie das jar nach den monden zelen , wir
thun das gegenspiel. EisL 1, 335*^; das ge-
genspiel sehen wir. 2, 200 ^.
degentj^nidiy m. contradictio : thue ich
nu derhalb daran vbel , so ich dieser deeretal
vnter äugen setze diesen gegenspruch. Jen.
1, 126* (gedr. 131).
degeMtanii^ m. ordo adversarius: gilt
Judenstand nicht für gott , wolan so wil ich
den faren lassen vnd ein Krieche werden vnd
den gegenständ annehmen. posC. (1528).
189*.
degrathdl (gegen teil), m. und n. gegner,
Widerpart: ein feldflüchtiger geist, der nicht
thar seinem gegenteil richtig vnter äugen ge-
hen, vom abendmal Christi. (1534). fiij*";
die jre widdersachcr vnd gegenteil können
nidderschlahen. das 6. cap. Ephes. (1533).
.\
GEGENÜBER
40
GEGITTER
Cj**; wenn einer eine böse sache hat vnd
das gegenteil mit der hellen warheit yhm das
hertze leid thut vnd bange macht, vom
abendmal Christi. (1528). xiy\ — mhd,
gegenteil m. {Lexer 781).
(legcnnber (gegen vber), e regione: vnd
satzte sich gegen vber. 1 Mos. 21, 16; vnd
daselbs gegen vber sich lagern. 2 Mos. 14,
2; vnd tratlen gegen vber. 2 hon. 2, 7.
fk^gennrtheil (gegenurteil) , tt. Unheils^
Spruch, welcher einem andern entgegenge-
setzt wird: durch goltes gegenvrteil ver-
dampt. das 16. cap. Joh. (1538). Nüij^.
(Icgenwärtig (gegenwertig, kegenwertig.
von der wit^elmessß. 1533. Liij^), adj.
praesens, mhd. gegen wertic (Ben. 3, 600*.
Lexer 781), ahd. geginwertig, gagenwartig
{Graff l , 1 1 0). 1 ) adj. a) attributiv: were er
igott) aber eyn gegenwertiger, sichtlicher
'mensch, er sollt sie mit eym strohallm zum
lande ausiagen. das ander teyl widder die
hyml. Propheten. (1525). Aij'; vnd sprach
für gegenwertigem Israel. Jos. 10, 12; das
gegenwertig gut. pred. 6, 9 ; vmb der ge-
genwertigen not willen. 1 Cor. 7, 26. b)
praedicativ : widderumb mus sie (die göttli-
che gewalt) an allen orten wesentlich vnd
gegenwertig sein, das diese wort etc. (1527).
f iiij ^ ; das der herr selbs gegenwertig were
in dem streit. Sir. 46, 8; nu sind wir alle
hie gegenwertig für gott. ap. gesch. 10,
33; als der ich mit dem leibe nicht da bin,
doch mit dem geist gegenwertig. 1 Cor. 5,
3; derhalben ich auch solchs abwesend
schreibe, auff das ich nicht, wenn ich gegen-
wertig bin, scherffe brauchen müsse. 2 Cor.
13, 10.
2) substantivisch: auff das sie mit vleis
heuchlen möchten dem abwesenden als dem
gegenwertigen, weish. 14, 17; weder ge-
genwertiges, noch zukünfftiges. Rom. 8, 38;
es sey das gegenwertige oder das zuküniftige.
1 Cor. 3, 22.
degenwirtig (kegenwertig), adv. inprae-
sentit nunc: wye sie Christum kegenwertig
furchten vnd eeren mit yren bettlyn vnd an-
dacht. serm. von dem hochw. sacrament.
(1519). biij^
Cegenwärtigkeit fgegenwertigkeit, gegen-
wertickeit, kegenwertickeit. var. zu psalm
102, 11), f. gegenwar t, praesentia: goll
hat zweyerley wesen odder gegenwerlickeyl.
eyne ist natürlich, die ander geystlich. na-
türlich ist er an allen enden . . . aber geyst-
lich ist er alleyne, da man yhn also kennet.
der prophet Jona. (1526). Cij*; in gegen-
wertigkeit der priester vnd alles volcks. Jer.
28, 1 ; in gegen Wertigkeit des gantzcn volcks.
V. 1 1 ; die gegenwertigkeit des leibes. 2 Cor.
10, 10; in meiner gegenwertigkeit. Phil. 2,
12. — mhd. gegenwertikeit (Ben. 3, 600V).
(legenwartiglich (^egenwertiglich) , adv.
in praesenti : weil meine kirche , bisschoue
vnd sacrament flugs wircken vnd heißen in
diesem leben vnd gegen wertiglich. von den
concilijs. (1539). i j **; alles was du gegen-
wertiglich brauchest, gl. zu 5 Mos. 28, 5 ;
das brod ist wesentlich vnd gegenwertiglich
da {im h. abendmal) meyn leyb. post.
(1528). 300 ^ — mhd. gegenwerticltche
{Ben. 3,. 600 K Lexer 782).
degenwehr^ gegenwehre (gegenwere), f.
defensio, mhd. gegen wer (Leo^er 781): on
alles widdersetzen odder gegenwehre, der
82. psaliti. (1530). Aij*'; aber du soll
mirs keine auffrur deuten, sondern allein eine
gegenwehre widder mörder vnd bösewichter.
Widder den meuchler zu Dresen. (1531i.
Dj**; vnd habe auch nicht wollen den vnsem
raten zur gege|yvehre. ebend. Diij ^ ; nicht
das ich hie mit wolle jemand reitzen noch
erwecken zu solcher gegenwere. wamunge
an s. l. Deudschen. (1531). Biij^; als die
Juden Chris tnm wollen fahen, stellt er {Pe-
trus) sich so bald zur gegenwere. das 14.
vnd 15. cap, s. Joh. (1538) Aj**; vnd er-
würgeten alles was sich auff den mauren zur
gegenwehr stellet. 1 Macc. 10, 17.
Gegenwort 9 n. verbum conirarium: sie
bekennen mit worten, das Chr stus ein könig,
priester vnd für vns gestorben sey, aber mit
andern gegenworten . . . leucken sie das alles.
post. (1528). 240*. andre bedeutung hat
das mhd. gegenwort {Ben. 3 808**).
Gegenwarfy m. objectum, gegenständ,
mhd. gegenwurf (Ben. 3, 741*. Lexer
782): als ein gegenwurff den man ansihet.
Jen. 1, 28^; gegen wurfT des glaubens. post.
(1528). 9*.
Gegitter, n. gitter, gatter: denn am fenster
GEGRÜNDET
41
GEHEIM
meins hauses kucket ich durchs gegilter. spr,
7,6. im folgender Helle, wie gatter (#. d,),
s, V. a. kiifi§: den {gefangenen tiirkiechen
kaieer) satzt er in ein eisern gegilter. tiechr.
388 **. vgl. gitter.
fiegriadet^ pari, fundalue, cerlue: für
bewerte vnd gegrundte warheyl auszclaffen.
serm. von d. abUuz. (1520). bj\ vergl,
grOnden.
ttehabca^ 1) gefallen : alles das do ist ge-
vellet vnd gehabet got wol. eyn geistlich
edles büchlin. (1516). Biij^ 2) später
nur noch, wie heute, refi, sich gehaben -«
sieh befinden: es geht yhm wol, er gehabt
sich wol, es steht wol vmb yhn. der 36. ps.
(1521). Dj*; ym abscheydenn sagen wir
gehabt euch wol, habt gute nacht, lasts euch
wol geben, ebend,; vier IrosU. psalmen.
(1526). Cj*'; gehabt euch wol, fürchtet
euch nicht. 1 Mos. 43, 23 ; gehabt euch
wol. op. geseh. 15, 29; gehab dich wol.
23, 30; gehab dich wol im faerrn. Jen. 1.
Aij ^; ewer veterliche gute. . . gehab sich wol
in Ghristo. 1, 12P. — warumb gehabt sich
dein hertz so vbel? 1 5aifi. 1, 8 ; ich greme
mich vnd gehabe mich vbel. Jer. 8, 21 ; der
publican im euangelio {Lue. 18, 13) der ge-
hübe sich vbel. Jen, 1, 24*.
inA4. gehaben (l^en. 1, 600 ^ Lexer 783),
ahd. kahap^n {Gra/f i, 728), goth. gahaban
^= haben, halten,
fichilt^ m. valor, werth: der bapsl magk
gleych wie der keysser reytten vnd der key-
szer ist seyn thrabant vff das bischofflicher
wirde gehalt nicht gemindert werde, passiv
onalChrütL (1521). Cij*. Eisl. 1,53".
Mumlachti geharnscht, pari. adj. lori*
calus, gerüstet, gewaffnet: wie die kinder
Ephraim so geharnischt {var. geharnscht)
den bogeo füreten. ps. 78, 9; sie {die hin'
der Israel) zogen geharnscht aus. der pro-
phet Habacuc. (1526). oj*. uneigentlich:
keiserliche maiestet mus nicht allein mit
harnscb oddcr woffen gezieret, sondern auch
mit rechten geharnscht oder gerüstet sein.
das man kinder xur schulen halten soll,
(1530). Fiüj\ subst.: die geharnischten.
2 chron. 28, 14; vnd zeucht aus den ge-
harnisditen entgegen. Hieb 39, 21.
mhd, geharnascht {Lexer 785).
DxiTs, Wörterbuch. II.
fielM^ s. gäbe.
ttchcad^ s. gähend.
CeheMnlgi s. gähezornig.
Mkttkitf n. gebüseh, buschwerk: dar-
umb isls auch so vnördig gewachsen, das zu
keynem baw, sondern nur eyn vnnütz ge-
hecke vnd nur zum fewrwerg tüchtig ist. an
dieradherm. (1524). Biij^
fUh^gtf n. sepes, saun, einfriedigung :
vnd mache dem volck ein gflhege >«nbher. 2
Mos. 19, 12; mache ein gehege vrab den
berg. V. 23 ; mandrae sol heissen ein schlecht
gezeune oder gehege, wie von püsschen,
streuchen, reisern gemacht wird for das vieh.
von den condHjs, (1539). Züj**. — mhd.
gehege {Ben. 1, 606*. Lexer 786), coli, tu
hac hag.
€ehei (gehey), n. höhn, gespott: daraus
man greiffen mus, das sie aus dem ewigen
leben ein lauter gehey vnd gespötte haben.
wamunge an s. l, Deudsehen. (1531).
Eüij * ; treiben also mit der gantzen Christen-
heit jhr gespey vnd gehey als werens eitel
geuckelmenner oder puppen, was auff dem
reichstag %u Nuremberg etc. (1538). Aij*.
Deheieiy vexieren, foppen, zum besten
haben: {ein guter prediger) sol sich von
jedermann lassen vexiren vnd geheien. tischr.
180**; das gefeit mir wol, wenn ein teufel
den andern vexirt vnnd geheyet. ebend.
219'.
deheiligeti geheiligt, pari, sanctus, san-
ctißcalus. 1) adj.: ein geheiligt absonderung.
Ezech, 48, 20; ein gelieiliget fas. 2 Tim.
2, 21. 2) subst,: wenn sie jr gelieiligetes
essen. 3 Mos, 22, 16; das geheiligete der
kinder Israel. 4 Mos, 18, 32 ; ich hab mei-
nen gehelligeten geboten. Jes, 13, 3; den
geheiligten in Christo Jhesu. 1 Cor, 1, 2.
Clehcin, n. mysterium^ geheimnis: mitt
diszen wortlen hat s. Paulus feyn vergeystet
das gülden reuchfassz vnd seyn geheym
offenbart, ausleg. der ep. vnd euang, des
advents. (1521). Ziij*; entdeckunge des
geheymsz. var. zu Rom, 16, 25 in der er*
sten ausg. des n. lest, ; das geheym der got-
sehgkeyt {myslerium pielatis, 1 Tim, d,
16), das ist, das gotselige geheym. post.
(152S). 69^; er hat on zweyffel ein geyst-
6
}
GEÜEUINIS 42
GEHEN
bdi gefaeym drinnen wollen anzeygen. ebend.
Cckcfanb^ n. dasselbe : geheymnis heyst
cm nrborgen heymlich ding, das man nicht
wers. post. (1528). 3 1 *» ; das geheimnis
des faerrn vnsers gottes ist offenbart 5 Mos.
29t 29 ; das jr das geheimnis des himelreichs
vernemet. Maltih, 13, 11; das geheimnis
des reichs gottes. Marc. 4, 1 1 ; haushalter
vbcr gottes geheimnis (pL, var. vhir die ge-
heymnisz gottes). 1 Cor. 4, 1 ; alle geheim-
nis. 13, 2. in beireff der Übersetzung von
fivariJQior durch geheimnis sagt L. : ich kan
beattigs tages kein deudsch finden auffdas
wort mysteriom vnd were gleich gut, das wir
blieben bey dem selbigen kriechischen worl,
wie wir bey vielen mehr sind blieben, es
heistia so viel ab secretum, ein solch ding
da» aus den äugen gethan vnd verporgen ist,
das niemand sihet, vnd gehet gemeyniglich
die wort an, als wenn etwas gesagt wird das
man nicht verstehet, spricht man, das ist ver-
dackt, da ist etwas binden, das hat ein myste-
rion, da ist etwas verborgens. eben dassel-
bige verporgen heist eygentlich mysterium,
ich heisse es ein gehevmnis. post. (1528).
43*.
tSckelii (geheiss), m. oder n. ? befehl, ge-
bot, mhd, gehei^ m. {Ben. 1, 660'. Lexer
787), ahd. gi-, kahei^ (Graff 4, 1084):
aus geheis gottes. Jen. 1, 92*; weil jrs
thul aus meinem befelh vnd geheiss, so Ihu
ichs selbs. zwo predigt auff der kindertauffe.
(1540). Jiiij*; vorpirge iah nit deine ge-
heysz (pl.) var. zu ps. 119, 19; den weg
deyner geheisz wil ich lauffen. r. 32 ; vnd
wil mich halten zu deinen geheissen. v. 47
u. noch öfter in diesem psalm.
Cehelfen^ helfen, mhd. geholfen {Ben. 1,
682*. Lexer 787): sage mir arme seel, ob
ich dir nicht gehelfen müge? die lügend.
(1537). Aiiij^
Gehen (gehn, gähn [gän]), ire, mhd. gön,
gän, gangen {Ben. 1, 462** ff. Lexer 733.
7 34), ahd. g^n, gän, gangan {Graff 4,
65 /fj.
i. Was zunächst die bei L. erscheinen-
den formen dieses worles betrifft, so bie-
ten die friiheren Schriften noch häufig alte,
später ungebräuchlich gewordene formen.
so lautet z. b. der inßn. in den frühesten
Schriften gewöhnlich gähn {von dem baps-
tum zu Rome. 1520. Biü)*"; Diij^; grund
vnd vrsach. 1520. niiij^), ghan {vorele-
rung etlicher artickell. 1520. Aj**), gan
{von den guten wercken. 1520. Aiij*;
Niüj*), später nur gehen, zuweilen gehn
(belege hernach), ebenso die 3. pers. praes.
ind. gabt, gat {des reimes wegen einmal auch
noch in einer späteren schrift : ein weis fdd,
darin ist schwarlze saat, manch man für vber
gaht [gedr. gäbet], der nicht weis was da
stat. von den letzten Worten Dauids. 1543.
Aüj ^) ; conj. gäbe (das yemant eine gotliche
Ordnung recht zu hertzen gäbe, von dem
bapstum. 1520. Aiüj*; das er nach [noch]
ein iar in die schul galie. ebend. Dij ^), neben
gee (die sieben buszpsalm. 1517. Eiij'}.
imper. anfangs gang {von den guten wer-
cken. 1520. Aüj**; an den christl. adel.
1520. Cj'; häufig noch in den beiden er-
sten ausgg. des n. lest, vom j. 1522, z. b.
Matth. 5, 41. 17, 27; Luc. 5, 14; verein-
zelt auch noch in der ersten ausg. des a.
lest. v.J. 1523, z. b. 2 Mos. 17, 5), später
schwacl^es gehe statt des richtigeren geh (1
Mos. 12, 1; 2 Mos. 32, 7. 33, 1; magd
gehe milcke die kue. ein einf eltige weise zu
beten. 1535. Biij*). prae(. gieng (gienck
auf das vbirchristl. buch. 1521. Aüj**),
selten ging geschrieben, part. praet. gangen
und gegangen {beisp. hernach). — da* perf.
wird auch mit haben construiert , z. b. du
hast zu Tolpell yn die schul gangen, auff
das vbirchristl. buch. (1521). Dj''; also
hats diesen mördern auch gangen, widder
den meuchler zu Dresen. (1531). Bi j **.
//. bedeutung und gebrauch.
1) gehen in engerem sinne: sich mitteUt
der füsze fortbewegen, es wird gebraucht
a) ohne weitere bestimmung: das es noch
stincket, wo ein scharrhans gehet odder ste-
het. das schöne confitemini. (1530). Biiij';
ich wil meilich hanach treiben, darnach das
vieh vnd die kinder gehen können. 1 Mos.
33, 14 ; vnd Dauid fieng an zugehen. 1 Sam.
17, 39; ich gehe oder lige, so bistu vmb
mich. ps. 139, 3.
b) mit adverbien oder praedic. adj. : vnd
gieng ein wenig furbas. Marc. 14, 35; vnd
i
GEHEN
43
GEHEN
I
er stellet sich, als wolt er fürder gehen.
Luc. 24, 28 ; gehe eilend zu der gemeine. 4
Mos, 16, 46; massig gan. von den guten
tpercken. (1520). Niiij*; vnd er thct also,
gieog nacket vnd barfus. Jes. 20, 2; finger
nacket gehen, wider Hans Worst, (1541).
Dij * ; ich gehe krum vnd seer gebücket, ps,
38, 7 ; ob er wol nichts den (denn) hincken
kan vnd nymmer gerad gähn, grund vnd vr-
sach. (1520). niiij**. — schwanger, schwer
gehen, schwanger sein, uterwn gerere : hastu
gemerckt, wenn die hirsschen schwanger ge-
hen? Hiob 39, 1; Elisabeth gehet auch
schwanger. Luc. 1, 36 var. ; wyr deutschen
sagen nicht concepit, das weyb hatt empfan-
gen, . . . sondern so spricht der deutsch man
vnd mutter tzunge, das weyb gehet schwan-
ger adder (oder) gehet schweer. das Jhesus
Christus ein gebomer Jude sey. (1523).
Biüi^
c) mtl tn/iti. ohne zu : als wolten sie beten
gehen. Judith 3, 1 1 ; wallen gehen, das
6. cap.Ephes. (1533). Biij^; das der alt
esel nicht zu mutwillig werde vnd aufls cysz
tantzen gehe. ep.s. Petri gepredigt. (1523).
Eiiij'; betteln gehen. Hiob 20, 10, woßr
auch nach brot gehen, ps. 37, 25 ; schlaffen
gehen. 5 Mos, 31, 16, hier s, v« a. sterben.
— mtl zu: Laban war gangen seine herde
zu scheren. 1 Mos. 31, 19; menner, die
gegangen waren das land zu erkunden. 4
Mos. 14, 38.
d) mit acc. : darnach gehet ewre Strasse.
Jos. 2, 1 6 ; jr seid den weg vor hin nicht
gegangen. 3, 4 ; das er seinen weg gienge.
rieht. 17, 8; vieleicht sagt er vns vnsern
weg, den wir gehen. 1 Sam. 9, 6. oder
gen. : also giengen die kinder Dan jrs weges.
rieht. 18, 26; also gieng das weih hin jres
wegs. 1 Sam. 1, 18; gehe widerum deines
weges. 1 fco». 19, 15; vnd der prophet Je-
remia gieng seines weges. Jer. 28, 11.
e) nUt praepositionen u. zwar a) welche
die art der bewegung bezeichnen: amstabe
geben. 2 Sam. 3, 29 ; die an stecken gehen
für grossem alter. Sach. 8, 4 ; das sich
reget vnd gehet auff vier füssen. 3 Mos. 11,
2 1 ; alles was auff tappen gehet vnter den
Ihieren. v. 27 ; zu fusz gehen s. fusz. ß)
die das w o bezeichnen : vnd gingen a n der
weide im grase. 1 Mos. 41, 2; vnd jre
jnngfrawen giengen an dem rande des Was-
sers. 2 Mos. 2, 5; Dauid gieng auff dem
dach des königes hause. 2 Sam. 11, 2; ich
gieng für dem acker des faulen vnd für dem
Weinberg des narren, spr. 24, 30 ; vnd des
volcks das für jm gieng war kein ende.
pred. SaL 4,16; vnd sie höreten die stimme
gottes des herrn, der im garten gieng. 1
Mos. 3, 8 ; vnd die eselinnen giengen neben
jnen an der weide. Hiob 1, 14. y) welche
das woher oder wohin bezeichnen: er
(Pharao) wird ans wasser gehen. 2 Mos.
7, 15; gehe auffs feld vnd fahe mir ein
Wildbret. 1 Mos. 27, 3; Mose aber vnd
Aaron vnd Hur giengen auff die spitzen des
hügels. 2 Mos. 17, 10; gehe aus dem
kästen. 1 Mos. 8, 16; gehe aus deinem
Vaterland. 12,1; denn ich wil in der sel-
bigen nacht durch Egyptenland gehen. 2
Mos. 12, 12; aber die kinder Israel giengen
trocken mitten durchs nieer. 14, 29; so du
aber mit deinem Widersacher für den fürsten
gehest. Luc. 12, 58; die {schwarzen rosse)
giengen gegen mitternacht . . . aber die
scheckichten giengen gegen mittag. Sach. 6,
6 ; stehe auff vnd gehe gegen mittag, ap.
gesch. 8, 26; vnd die menner giengen gen
Sodom. 1 Mos. 18, 22; wenn man gen
Assyria gehet. 25, 1 8 ; du solt i n den* kästen
gehen. 6, 1 8 ; da hub Jacob seine füsse auff
vnd gieng in das land, das gegen morgen
ligt. 29, 1 ; da ich V b e r diesen Jordan gieng.
32, 10; vnd gehet sieben mal vmb die stad.
Jos. 6, 4 ; ich bin nicht werd, das du vnter
mein dach gehest. Matth. 8, 8; da aber
Paulus wolt vnter das volck gehen, ap. gesch.
19, 30 ; also gieng Kain von dem angesicht
des herrn. 1 Mos. 4, 16; da sie von Pharao
giengen. 2 Mos. 5, 20 ; wer bin ich, das
ich z 11 Pharao gehe. 3, 11; wenn du bey
deinem weib wonest, mit jr zu bette vnd
tisch gehest, zwo hochzeiipredigten. (1536).
Bj * ; abents wenn die kinder zu haus gehen.
vnterricht der visilatom. (1538). Mj^;
ich bin alle tage zur messe gangen.
«tttfima des christl. lebens. (1533). Bj';
die weyll das volck selten zu diessem
sacrament geht. eyn senn. von dem
hochwirdigen sacrament. (1519). a ij\
6*
GEHEN
44
GEHEN
S) aii betimdere, hierher gehörige redens»
artem mögen hier noch stehen : auf der grübe
gehen» dem ende nahe sein, bald sterben :
als der ich nu auif der gruben gehe, kurtz
bekenHds. (1544). Aij*; wekhs ist ein
zeichen, das sie {die well) nicht lange stehen
kan vnd gar auff der gruben gehet, das 5.
6. tnd 7. cap. #. Matihei, (1532). p iiij^
zur band gehen, behiUßich sein, unterstützen:
wii sie dir nicht zur band gehen , so scheide
dich von jr. Sir. 25, 35. zu stuhl gehen,
seine noÄdurß verrichten: er ist vieleicht
zu stuel gangen, rieht, 3, 24.
2) gehen und zunehmen (abnehmen): vnd
er (Isaac) ward ein grosser man, gieng vnd
nam zu bis er fast gros ward. 1 Mos, 26,
13; der knabe Samuel gieng vnd nam zu. 1
Sam. 2, 26 ; Dauid aber gieng vnd nam zu,
vnd das haus Saul gieng und nam abe. 2
Sam. 3, 1.
3) gehen, tropisch für leben: Dauid gehet
in deinem gehorsam. 1 Sam, 22, 14; wer
aber in seinem befelh gehet, des werck ist
recht, spr. 21, 8; sie (Zacharias u. EHsa-
beih) giengen in allen geboten vnd Satzungen
des herrn vntaddelich. Luc. 1, 6.
4) gehen von leblosen dingen, sich bewe^
gen, fortbewegen ; daselbs gehen die schiffe.
ps. 104, 26; wenn sie (die räder) gehen
sollen, -kondten sie in alle vier orter gehen.
Ezech, 1, 17; der wind gehet gen mittag.
pred* Sal. 1 , 5 ; das wasser zu Siloha , das
stille gehet, /e«. 8, 6 ; sol der schatten zehen
stuffen forder gehen oder zehen stuffen zu
rücke gehen? 2 kön. 20, 9.
5) gehen von zuständen, begebenheiten
etc. im gang, in Übung sein: disze obgesagte
weysze gehet itzt tzu Wittemberg. von bey*
dergestalt. (1522). Cij^; der gottisdienst
der itzt allenthalben gehet, von ordenung
gottesdiensL (1523). Aij*; wo dein recht
im lande gehet. Jes. 26, 9; es gehet ein ge-
mein geschrey, das «. s. w. 1 Cor. 5, l ;
wie die sage gehet. Jen. 1, 146^; es gehen
itzt rede vnd geschieht vnter dem pöfel Wid-
der das sacrament..., das einer soll lieber
sterben, denn eine predigt vnter sie schrei-
ben, das diese wort etc. (1527). hj^ —
das gerechligkeit dennoch für jm bleibe vnd
im schwang gehe. p«. 85, 14; das gesetze
fein im schwang gieng. 2 Macc. 3, 1 ; vnter
so viel Patriarchen gottes wort ym schwang
gieng. vber das erste buch Mose. (1527).
sij^
6) redensarten. zu herzen, durchs herz
gehen, eindruek machen: die besten vnd
frumisten, den die sach zu hertzen gehl.
ausleg. der ep. vnd euang, des advenU.
(1522). Niiij*; da must der andern gepre-
eben vnd durfEt dyr zu hertzen lassen gehen.
serm. von dpn hochwirdigen sacrament.
(1519). biij"; da sie aber das höreten
giengs jnen durchs hertz. ap. geseh. 2, 37.
in sein herz gehen, in sich gehen ; wenn nu
vber dich komet dis alles . . . vnd in dein faortz
gdiest. 5 Mos. 30, 1. — zu boden, zu
grund gehen, perire, verderben: so bittet nu
der prophet, das gott wolle das judisch volck
nicht gar lassen zu boden gehen, der pro-
phet Habacuc. (1526). fj*; mache sie nur
vneinig, das sie zu boddem gehen, vber das
erste bwih Mose. (1527). eiiij*; da mit
gehet der glaube zu boddem. ebend. Bb ij';
wenn gleich alles zu podem gieng. ebend.
Ddiiij''; hören nicht auff bis sie zu grund
gehen, das schöne con filemini. (1530).
Fiij ^ ; alle schulen, zucht vnd lere lassen zu
gründe gehen, das man kinder zur schuien
halten solle. (1530). Bij^; vnd stehen
auch drinnen {im 2. psalm) drewung wider
die weltlichen könige vnd herrn, wie sie
sollen zu grund geben, wo sie diesem könige
nicht hulden vnd dienen, deudseh psalter.
(1541). Diij*. zu irümmern, zu scheitern
gehen, zerseheitem: die sich nicht dran
keren noch das gleuben , bis das sie ... zu
drümern gehen, vom kriege widder d. Tür*
cken. (1529). Biij%* da die mutter vber
den kindem zu drümmern gieng. Hos. 10,
14 ; meyn gerechtickeyt, meyn warheyt, muss
alle zu scheyttem gehen, ep. s. Petri ge*
predigt. (1523). ^Lij*. — von statten ge-
hen, forlgang, erfolg haben: wenn man wil
viel rotkelchen vnd vogel fangen, mus man
das katzUn oder eine eule asff den kloben
oder leimruten setzen, so gehets von staten»
vondenconcilijs. (1539). Ziiij**; da giengs
{der tempelbau) von staten. Mindseil 7,
409. für sich gehen, vorwärts gehen, fotl~
gang haben: es thu nu der teuffei odder
GEHEN
45
GEHEN
mensch, ein schalck odder fromer solch werck
... so gehet gleich wol die Ordnung vnd he-
felh goUes für sich, von der winekelmesse.
(1533). M}\ $. aui^ für I, A, l, b. —
im schwang gehen, in Übung sein : wenn das
freye euangelisch leyhen ym schwanck gienge.
von kauffehandlnng und umeher, (1524).
Cj **. #. cmeh 5 am ende, zu lehen gehen,
eUi lehen empfangen: also rhttmet er {der
apoitel Paulus) allenthalben, das sein apo-
stelaropt nicht ist ^u lehen gangen von men-
schen, das 15. cap. der ersten ep, s. PauU
an die Corinlher. (1534). Fij*; der himel
oder himeireich gehet nicht zu lehen vom
keiser. teider Hans fVorsL (1541)« Jiiij^
7) einen gehen lassen , ihn nicht aufhat'
len, fortgehen, weggehen lassen, entlassen :
las mich gehen , denn die morgenröte bricht
an. 1 Mos. 32, 26 ; morgen wil ich dich
lassen gehen. 1 Sam, 9, 19; vnd heilet jn
vnd lies jn gehen. Lue, 14, 4; aber sie
drawelen jnen vnd liessen sie gehen, ap.
geseh, 4, 21. etwas gehen lassen, sich nicht
damit befassen : was sie begraben haben, das
las ich gehen (will ich nicht weiter unter'
suchen), originalbr. v. j. 1537 im ges.
arch. zu Weimar, pag, 143. EEE 9.
8) vnd Jhesus gi^g in das dreissigst jar.
Lue. 3, 23; es gehet nu in das vier vnd
zwentzigst jar, das zu Worms der erst reichs-
tag vnter diesem keiser Garolo gehalten ward.
wider das bapstum. (1545). Aiij^
9) gehen *^hervorgeheny hervorkommen :
wo nicht so gehe fewr aus dem dombusch.
rieht. 9, 1 5 ; aus wes leib ist das eys gegan-
gen? Biob 38, 29; es gehet nicht aus dem
glauben, was aber nicht aus dem glauben
gehet, das ist siinde. Rom. 14, 23.
10) gehen •« ergehen, kommen: dein
grim gehet vber mich. ps. 88, 17; gleich
wie mein zom vnd grim vber die einwoner
zu Jerusalem gegangen ist, so sol er auch
vber euch gehen. Jer. 42, 18; es wird eine
straffe vber euch gehen. Bos. 5, 1 ; so ist
alle dis gros vnglück vber vns gegangen.
Dem. 9, 13 ; vnd wisset, das eben dieselbigen
leiden vber ewer briider in der weit gehen.
1 Fetr. 5, 9.
11) gehen •« reichen^ sich erstrecken:
funflzehen eilen hoch gieng das gewesser vber
die berge. I Mos. 7, 20; vnd füret mich
durchs wasser bis mirs an die knöchel gieng.
Eseeh. 47, 3 ; bis mirs an die knie gieng. v.
4 ; seine ehre gehet so weit der himel ist.
ps. 113, 4 ; sein lob gehet so weit himel vnd
erden ist. 148, 13; eines menschen barm-
hertzigkeit gehet allein vber seinen nehesten,
aber gottes barmhertzigkeit gehet vber alle
weit. Sir. 18, 12; dis mus jhe ein seltzam
wunderlich reich sein, welchs sol gehen vber
alle herrschafft vnd gewalt auflT erden, dtr
110. psalm. (1539). Fj *"; das stücke gehet
beyde auff den man vnd das weih, vber das
erste buch Mose. (1527). Nij*.
12) gehen, eine gewisse richtung haben:
von der tzungen die gegen mittag werts ge*
het. Jos. 15, 2; {die grenze) gehet durch
Zin vnd gehet aber hinaulT von mittag werts
gegen Kades Barnea. v. 3 ; darnach gehet sie
{die grenze) zu dem wasser Ensemes. v. 7 ;
zwo sIrassen, der eine gen Bediel, die ander
gen Gibea gehet, rieht. 20, 31; auff dem
wege der gen Sichem gehet. Bo9. 6, 9 ; vnd
es gieng ein meurlin vmb ein jglichs der viere«
Ezeeh. 46, 23.
1 3) gehen , einen räum einnehmen, auS'
fuUen: vierzig bath in einen kessel gieng. '1
kön. 7, 38 ; vnd gieng in je einen {krug) zwey
oder drey mas. Joh. 2, 6.
14) auf etwas gehen, wozu verbraucht
werden: zum kosten, der auff das opffer ge-
het. 1 J#ace. 10, 39; was jerlich auff die
opffer gienge, das wolle er von seinen eigen
renten reichen. 2 Jfacc. 9, 16; auch sich
keiner koste lassen dauren, so auff solche
leute... zu halten vnd zu erziehen gienge.
histona Galeatij Capelle. (1538). Aiij*.
1 5) gehen von musikalischen instrumen'
len, tönen: da gehet die drummel, hie die
drometen. dieep.desproph.Jesaia. (1526).
Dij*.
16) unpers. es gehet, gewöhnlich im
sinne von ergehen, geschehen.
a) wie es ytzt leyder gat. von den guien
wercken. (1520). Cij**; wie es gehet heuCs
tages. 5 Mos. 6, 24 ; wie du geredl hast, so
gehets. Jer. 32, 24 ; wir sehen das {dasz
es) also gehet wie er sagt, von den Juden.
(1543). Aiij*; es mus also gehen. Matlh.
26, 54. — aber itzt gabt es, das iderman zur
OEMES
46
GEHÖR
iS-r-- ^lit iiiiui'jij**r<ry gtlzogea wjri. oii
I atf 4flf. 4tr persom: düs sie erfaren
ir< -4.. i»«t <» jm ^«beD würde. 2 J#a«. 2, 4 :
»r ««o«» Biclit, wk es diesem iiiaa Mose
^<Ik;l 3^ 2^ : es müsse allen fetnden meins
utfTL ki4u^et> ^eiien« wie es dem kiuben ge-
h^ 2 SmitL. 1 S, 32 ; da mirs also solt ge-
ij»ui, HMTuuib hm icli sdiwanger worden? 1
MM' 20, 22 ; alM gebt es den blindleyttern.
m>^ 4tu tinrtiuisaich buch. (1521)/ Bg**;
Ml werdet jr finden, das jn allen so gangen
HsL ^«K 5. 0. cmd 7. eap. «. MaUhei. (1532).
Li:j ^ : — auir das mirs desle bas- gebe. 1
Mo$^ 12, 13; es gebt ^iim woL der 36.
psiUm. (1521). l>i*; der zarte neidliart,
dem es leid ist, das es einem andern wol ge-
bet am$Ug. der ep, vnd euangm ton osUm.
<1544>. Oijj'; das jm vnd seiner verzwei-
uelteo bulienscbuie viel erger gelien würde
im concibo , weder es zu Costnitz dem Ijapsl
iobanni gangen isL u>ider das bapslum.
fl545j. BJj^; — es gebet mir nacb der
fraweu weise. 1 Mos. 31, 35; — so wird
mirs g*^lien, das mich todscblage wer micb
Üudet. 4, 14«
Vebm^ «« der imfui. des vorigen terb.
swbst.: im geben sprach er also. 2 Sam.
Ib, 33.
(Üthmf/tiß part. t. liangen (bengeni;
i^t/b^i. der gebengete, ein am galgen, kreuz
4tMfgeiyäMgUr : mit den gebeinen der gehen-
geteiL 2 Ham^ 21, 13. daneben
ißthmlUf pari, V. benken, subsl. was der
;4eJAeü;i»it»; : em gebeiM:kter ist verflucht bey
g^ylt 5 M^s, 21, 23.
ik k it n iß afäm/jfus, beherzt: vnd werden
hO gebe*1/l« das sie &>ich für keioeui ding
türdiUm, tber das er^U bwM> Mose. (1527).
0<j^; gelM:?itxt vnd O^'ylig. ebend, lij*;
mui bann ^tAmau Wm^t, g«ilie<1/te, freudige
vnd rerslendige pfarriieirn^ Usehr, 17S*;
wird dazu getiiaa A^i% ^ßimi/M vnd slarcke
Wort. EisL 2, SO*/ — mtid, geh<*rzet
(Lexer 790), pari. r. geberzen, beherzt
machen,
dehrnlf , n. ululalus: zur selbigen zeit
wird sich ein laut geschrey erheJieu von dem
fischthor an vnd ein geheule von dem andern
Ihor. Zeph, 1, 10; jre lere ist ein gelieiile.
gl, SU Jes. 52, 5 ; yhr gdieule vnd gemurre
ynn ybren kircben. der proph. Saeharja,
(152S). Yiij'; wir ven^'oflen mit nichle
das gebete, sondern das lauter vnnütze ge-
beult vud gemurre verwerffen wir. deudsch
cal. (1529). OÜ**.
CchfUe, s. gehälfe.
Mdn (geb^Tnj, n. cerebrum, mhd. ge-
hime {Ben, 1, 691 ^ Lexer 790). 1) eigent-
lich, die gesawUheü des himes : sie hart für
den kopff gestossen werdenn, das yhn das
geb)Tn schwindelt, von dem bapstum.
^1520». Giiij*; beysse yhn nyeszwurtz ne-
meu, damit er das g^yrn fege. ep. s. Pelri
gepredigt. (1523). Kj''; szo gebe golt, das
du müssest evttel brodfarb essen \iid nvmer
mehr k^n brod, bisz*du deyn tolles geh>Tn
durch hunger fegest vnnd revnigst. antwori
deuUeh, (1522). Diij^
2) verstand: vnd nach yhrem tollen ^e-
hyrn den beyligen geyst zur schulen foren.
ron weltlicher vberkeiL (1523). Aij^ hier-
her gehört auch die redensarl: sein gehirn
im Ketsch berg verlieren : auiT das mir nit not
sey zu argwenen, er habsein gehirn ym Ketzsch-
perg vorloren. der 36. psalm, (1521). Liij".
3) ein unverständiger mensch: syntemal
das nit thun, dann etthch finster gefayrne,
die die biblien nie gerochen, die chnstenlicfae
lerer nie geleszen. serm, von dem ablasz
vnd gnade, ( 1 5 1 S). Aiiij * ; das heyst meyn
ich narren geregnet, es verdreust mich , das
ich mit solchen wansynnigen gehyrnnen tzeytt
vnd papyr verlieren musz. antwort deutsch,
(1522)/ Bij'.
deböfelt (gehöffelt), gehobelt, part, von
hobeln, L, hofein : von glatem vnd gehofel-
ten thennen holtz. t*&er das erste buch
Mose, (1527). Viiij**; von einer riegen ge-
höffelter redern. 1 kön. 6, 36; gehöffelt
holtz. 2 chron, 34, 11; ein gehöffelt bret
sendbr. von dolmetschen, (1530). Bij'.
deholi^ s, gehülze.
Cleliör^ gehöre, n. auditus, mhd, gehcere
(Lexer 791). 1) das hören: vnd wolt das
dein hessige äugen müsten sehen meyn tegli-
chen frülichen mut , wie wol das gehör (heb
fast gnug krenckt. auff des bocks zu Leip-
zick antwort, (1521). a iij^; (Christus hat)
solch Offenbarung vnd Verkündigung {sc.
GEHORCHEN
47
GEHORSAM
seiner auffahrt) nicht thun lassen, das allein
da bey bleibe vnd nur ein rede odder gehöre
sey, sondern frucht bringe ynn vns. posl,
(1528). 72''; vnd ist doch ein schenietz a
schama, ein gehör oder geschwetz, da nichts
hinder ist. gl. zu 2 Mos. 32, 25.
2) der gehörsinn: wenn der gantze leib
äuge were, wo bliebe das gehöre? so er
gantz das gehöre were, wo bliebe der ge-
rucb. 1 Cor. 12, 17.
l2€h«rchcH5 parere, ohedire, folgen,
*f€orauf hörend folgsam sein {Weigand)^
mhd, gehdrehen (Ben. 1, 714^. Lexer
791).
a) ahsoL: rede du mit vns, wir wollen
gehorchen. 2 Mos, 20, 19; ich wil gehor-
chen. Jer. 42, 4; sie gehorchen oder las-
sens. Ezech. 2, 5 ; wirstu gern gehorchen,
so wirstu sie kriegen. Sir. 6, 34.
b) mit dat. : die weil du hast gehorchet
der stimme deines weibes. 1 Mos. 3, 17 ;
Abram der gehorcht der stimme Sarai. 16,
2 ; das Jacob seinem vater vnd seiner mutter
gehorchet. 28, 7 ; so jr gehorchet den ge-
boten des herrn. 5 Mos, 11, 27; vnd ge-
horchest (folgest) meinem rat nicht. 2 chron,
25, 16; wer rat gehorcht der ist weise, spr.
12, 15; ein Spötter gehorcht der straffe
nicht. 13, 1.
deli^rde^ n. was gehör, mhd. gehoerde,
md. gehorde (ßen. 1, 714'. Lexer 791),
nur noch einmal in der ersten ausg. der
sieben buszpsalmen t\ j. 1517 : gib meynem
gehorde freud vnd trost. var. zups. 51, 10,
wo die bibel hat : las mich hören freude vnd
Wonne.
dchi^reni mM. gehoeren (Ben. 1, 713*.
Lexer 792), ahd. gi-, kih6ran (Graff 4,
1004], goüi. gahausjan, urspr. hören, ge^
horchen bedeutend, kommt bei L, nur noch
in folgenden bedeutungen vor:
1) angehören, zukommen: die kamer ge-
Qüu mittag gehöret den pries lern. Ezech,
40, 45; das vbrige aber vom geheiligten
lande sol den priestern gehören. 45, 4 ; zwey
teil gehören dem stam Joseph. 47, 13; sie
{die häuser) gehören welchem herrn sie
wollen, de Wette br, 5, 796; — dem esel
gehört sein futter, geissei vnd last, also dem
knecht sein brot, straffe vnd erbeit. Sir, 33,
25 ; den volkomen aber gehört starcke speise.
Hebr. 5, 14.
2) eines herrschaft unterworfen sein:
als er vernam, das er vnter Herodes öberkeit
gehöret. Luc, 23, 7.
3) einen theil eines ganzen bilden: on
was zur speise gehöret. 2 Mos, 12, 16; die
zu jrem beer gehören. 4 Mos, 2, 9; vnd
alles was zu seinem dienst gehöret. 3, 26;
was zu jrem ampt gehört. 4, 26 ; hyrein (in
die äuszerliche Christenheit) gehören alle
bepste, cardinel, bischoff, prelaten, priester,
monich, nonnen vnnd alle die ym %uszerli-
eben wesen für Christen gehalten werden, sie
sein warhafflig grundlich Christen odder nit.
von dem bapstum, (1520). Ciij*.
4) seinen platz haben: die ins lager Juda
gehören. 4 Mos, 2, 9; olezweige, die in den
tempel gehöreten. 2 Macc, 14, 4.
5) erfordert werden, nöthig sein: der mit
seiner band nicht erwerben kan, was zu
seiner reinigung gehört. 3 Mos. 14, 32; zu
rechter lere gehöret die Weisheit. Str. 15-,
10; da gehört ein grösser vnd starcker
glaube zu, das einer also frey sey ynn der
rede, der \\2. psalm, (1526). d6**;dar-
umb geboret dazu, das man hie jmerdar wacker
vnd f ursichtig vnd jnn sorgen lebe, das 1 5.
cap. der ersten ep, s. Pauli an die Cor.
(1534). aij\
fleh^nan^ adj. obediens, mhd. gehorsam
(Ben, 1, 714*. Lexer 192), ahd. gi-, ki-
hörsam {Graff 4, 1009). a) attrib.: gehor-
same kinder. 1 Tim, 3, 4; 1 Pet. 1, 4; ein
gehorsam hertz. 1 kön. 3, 9. b) praedic. :
der oberkeyt gehorsam seyn. widder die
hyml, Propheten, (1525). FiJ'; gotte ge-
horsam sein, der 110. psalm. (1539).
Qiij ' ; das Abraham meiner stimme gehorsam
gewesen ist. 1 Mos. 26, 5; deinem wort
sol alle mein volck gehorsam sein. 41, 40;
gehorsam den geboten des herro. 5 Mos,
28, 13; es wurden auch viel- priester dem
glauben gehorsam, ap. gesch. 6, 7 ; sie sind
nicht alle dem euangelio gehorsam. Rom. 10,
16.
(Ifhorsftn, m, und f. obedientia, mhd.
gehörsam, gehorsame, m. f. {Ben. 1, 714^
Lexer 792), ahd, gihörsami, gihörsama
(Graff 4, 1009) : meyn trew vbirflussige ge-
GEHORSAMLICH
48
GEIERSNASE
iMreaai. af^elMUm. (1520). Aij*'; eine
sÜDckeade gehorsam, von den coneilijt.
(1539). Gij'; danimb kan vns der keiser
Boch keine crealur zu solchem verfluchten
gehorsam zwingen, wider Hans Wwrst,
(1541). Kj''; vom gehorsam der eitern (ge-
genOeellem), wider die sabbalher. (1538).
Giiij*^; gehorsam der stimme {gegen die
elimme) des herrn. 1 Sam. 15, 22; vnd
gehet in deinem gehorsam. 22, 14; gehor-
sam leisten. Rom» 6, 12; zum gehorsam
bringen. 15, 18; gehorsam lernen. Hekr.
5,8. •
JohOTiwIlcfcj adv. obedienter: vnter-
tbeoiglieh vnd gehorszamlich anzcuhoren.
Bnrkhardl briefw. 39 ; gottes wort von bei-
der gestalt ist nicht eine newerung, sondern
von Christo selbst gesetzt vnd lenger denn
von funffzehen hundert jaren her von der
kirchen gehorsamlich gehalten, auffdae ver-
wteinl keiserUch edicl, (1531). Giiij ^ ; wenn
■u ein mensch nach der lere des ersten buchs
{der Sprüche Salamo) wil gehorsamlich leben.
Binde eil 7, 332; gotl gehorsamlich ge-
dienet. Jen. 1, 192 ^
fickigelti hügel habend: ein gebügelt (ge-
hdgelt, gehuglet) berg, d, i, ein gipfelreicher
berg, var, zu pe, 68, 16; warumb hupffet
yhr gehügelle berge? v. 17, in beiden siel--
len der bibel später durch gros wiedergege-
ben, wozu in der vorr. auf den psaller be-
merkt wird: ein gebügelt berg, ein fetter
berg, haben wir jtzt gedeudscht ein gros
berg, sintemal doch die meinung ist, das
gleich wie ein gros berg ist vnd heisset, da
viel hugel an ein ander. Bindseil 7, 324.
fichtUf^ gehnlfe (gehulff, gehülff, gehulffe,
gehülffe, einmal auch gehilffe. var. zu 1
Mos. 2, 18 bei Bind seil), m, adjutor,
mhd. gehSlfe, gehilfe {Ben, 1, 683*. Lexer
787), ahd. gehölfo (Graff 4, 925): aber es
fand sich dem menschen keyn gehulff gegen
yhm. var. zu 1 Mos, 2, 20; Timotheus
mein gehulffe. Rom. 16, 21; welcher mein
geselle vnd gehulffe vnter euch ist. 2 Cor.
8, 23; vnsern gehülffen im euangelio. 1
Thess. 3, 2 ; vnserm gehülffen. Philem. 1 ;
wir sind goltes gehülffen. 1 Cor. 3, 9 ; wir
sind gehülffen ewrer freu de. 2 Cor, 1 , 24 ;
doch hab ich widderumb nicht allzu frey die
buchstaben lassen faren, sondern mit grossen
sorgen sampt meinen gehülffen drauff gese-
hen, das, wo etwa an einem wort gelegen
ist, hab ichs nach den buchstaben bdialten.
von dolmetschen, (1530). Cj^ einmal
auch der pl. gehülfe: durch mich vnd meine
gehölffe. von heiwUiehen vnd gestolen
brieffen. (1529). Diij*. das mcuc. gehülfe
verwendet L. auch da, wo es auf ein femin.
bezogen wird: vnd hast jm (Adam) gegeben
Heuam zu einem gehülffen. Tob. 8, 8 ; wer
ein hausfrawen hat, der bringet sein gut in
rat, vnd hat ein trewen geholffen. Sir. 36,
26.
«ehilte (gehulffe), f. adjutrix, gehiüfin,
mhd. gehSlfe, gehilfe f (Ben, 1, 683 *. Lexer
787): ich will ym eyn (^»» eifie) gehulffeQ
machen, die yhm zur handt seyn soll. serm.
vom ehelichen stand. (1519). Aj^; ich wil
jm ein gehülffen machen, die vmb jn sey. 1
Mos. 2, 18; aber für den menscheoi ward
kein (==^ keine) gehulffe funden , die vmb jn
were. v. 20. Frommann nimmt oticA tn
diesen stellen, in welchen gehülfe das weib-
liche relativpron, hinler sich hat, das m<uc.
an, vgl. vorschlüge s. 29.
(lehiilsj gehilie (gehüllze), n. gehölz,
mhd, gehülze {Lexer 794), coli, zu holz,
wald, Waldung : desgleichen ist auch zu reden
vom feur, so jm walde odder jnn der beide
vnd geliültze auff gehet, das schöne conßte-
mini, (1530j. Gj*; da sie komen zur wü-
sten hinaus , auff ein beide vnd gehültze , da
keine leute waren. Eisl, 1, 367^.
Ceicr (geyer) , geir , m, vultur , mhd. gir
{Ben. 1, 535 ^ Lexer 1019, wo auch ver-
muthungen über die etymologie), ahd. gtr
{Graff 4, 236): den geyer. 3 Mos. 1 1, 14;
der geier mit seiner art. 5 Mos, 14, 13 ; die
zwey weyber {Sach. 5) haben flügel gehabt,
wie ein geyr odder weyh. post. (1528).
182*. pl. geire (geyre): da werden vntern-
ander iauffen marder vnd geyre. Jes. 34,
14.
tteicrsnugej n. oculus vuliuris: den steig
kein geiersauge gesehen. Hiob 28, 7.
(lelersflAgel (geyrflügel), m. ala vuUuris :
drumb sind es wol weyh odder geyrflügel.
post. (1528). 182*.
deiersnnse^ f, Hans Metzscli, welcher bis-
GEIFER
49
GEIL
her eine gantz nüchterne geyrsnase {de Weile
br. 4, 61 1 : geyers-nase) gehabt auff die pe-
sülentz. wri^nalhr» v» j. 1535 im ges. ar^
chiv XU Weimar. N. pag. 109. H. 42.
1. e.
Heiler (geiffer, geyffer), m. spulum, spei-
chele mkd. geifer {Lexer 795): vnd sein
geiffer flos jm in den hart. 1 Sam. 21, 13 ;
geiffer im munde, den man ausspürtzet.
kauspoii, {WUlemb. 1545). tütMerlW/ 26*.
häufig bildUch: ich ßnde nichts drynnen,
dan das er die heyligen schrifll mit seinem
vnnutzen geyffer begeyffert. von dem bap-
slum. (1520). Uj^ {der bapst) vnvor-
schampl anheultet den rotz vnd geyfler seyner
gnade, bulla cene domini, (1522), Diiij*;
schemestu dich niclit, das du dyr so lange
lesst anffrucken, wie du deynen geyffer, deyne
lugen, deyne Irewme ynn die schrifft tregst ?
das ander teyl widder d, hyml. propheten,
(1525). Hj^; Widder solche donnerschlege
der schnilt thut er nicht mehr, denn setzt
seinen blossen vnd nacketen geiffer daher.
vom abendmal ChrieU. (1528). liij''.
Üeifcrcr, m. leerer schwätxer : vnd sihet
die weyl nicht, das neben dem selben wört-
lin ander text stehn, die beyde schmyrer vsd
geyfferer stossen, das er alle vier ynn die
höhe keret. das ander legi widder die
hyml. Propheten, (1525). Hiiij'; las nu
dieselbigen geifferer herfiir tretlen vnd die
fürsten trösten, eine heerpredigt widder d,
T. (1542). Aij^
MfenMily n. dasselbe: so klug faren
sie einher die Heben geiffer meuler. das 17.
cap. Johanms. (1530). Pij^
icifcni (geyffem), speien, bei L. nur
figürlich für schwatzen : vnd sol alles gotlich
Ordnung heyssen was sie geyffernn. von dem
bapstum zu Rome, (1520). Fiiij*; aber
das ist noch klüger ding, da sie geyffern, s.
PauJus habe Habacuc nicht recht verdol-
medscht. der proph. Habacuc. (1526).
h iiij * ; gott ym doch nicht mehr zu lesst,
denn eitel lame, schale, faule zoten geyffern.
das diese wort etc. (1527). bij'; gleich
wie vnser lumpen wesscher bisher auff der
canizel nicht anders denn von fegfewr, ab-
las, cappen, rosenkrentzen, kertzen auffstecken
gegeifert haben, das 5. 6. vnd 7. cap, s.
DiBTZ, Wörterbuch. II.
Matthei. (1532). nnij*; die vnnfitzen
lumpen wessdier, diepapislen, die da viel von
wercken geiffern. etliche schöne predigten.
(1533). Giiij*; noch sind es solche tölpel
vnd knebel, das sie nichts anders können
Widder vns geiffern denn wasser ist wasser.
von der heil, tauffe. (1535). Bj*. vgl.
auch dahergeifern, wozu hier noch folgende
stelle nachgetragen werden soll: vnd dar-
nach dahergeiffern , was solt ein handvol
Wassers der seelen helffen ? deudsch catech.
(1529). Tiiij*. — mhd. geifern (Lexer
795).
Clelge (geyge), f. bekanntes Streichinstru-
ment, mhd. gige {Ben. 1, 511*^. Lexer
1013): mit paucken, mit freuden vnd mit
geigen. 1 Sam. 18, 6; harffen, geigen,
psalter. Dan. 3, 5. 7. redensarten: es ist
die selbe geyge, daran ff er ymer fiddelt (er
bringt immer derselbe wieder vor), widder
die hywU. propheten. (1525). Küij*; das
ist die alte geyge des bapsts in allen seinen
drecketen vnd drecketaln. wider das bap-
stum zu Rom. (1545). Biij*; die {Juden)
noch heuts tages auff jrer alten geigen {mei-
nung) bleiben vnd harren auff einen messias.
das 53. rap. Jesaias. (1539). Kij*; vnd
weil yhr so gerne an diesem reygen tantzt,
dunckt euch, der hymel henge vol geygen {es
gäbe für euch nur freude). das diese wort
etc. (1527). füij'; wenn ein feind lobet,
wütet vnd stoltzieret vnd lesset sich düncken,
der himel henge alles voller geigen. Eisl. 1 ,
363 ^
Ceigen (geygen), die geige spielen, mhd.
gtgen (Ben. 1, 511 ^ Lexer 1014): nach
Ecolampads klugheit hat Christus kein andere
ehre, denn das er zur rechten band gotts sitze
auff eim sammet polster vnd lasse yhm die
engel singen, geygen, kUngen vnd spielen.
das diese wort etc. (1527). h iij'. — über
die etymologie vgl. Lexer a. a. o.
deiger^ m. geigenspieler : Jubal, von dem
sind herkomen die geiger vnd pfeiffer. 1
Mos. 4, 2t.
tteil(geyl), lascivus, Ubidinosus, mhd.
ahd. geil(fien. 1, 494*. Lexer 795. Graff
4, 182).
1) von wilder kraft, ungesahmt: du hast
mich gezüchtigt . . . wie ein geü kalb. Jer.
7
GEIL
50
GEILEND
31, 18; ellich meynen, er (Jesus) hab zu-
erst auff dem füllen gesessen, aber die weyl
es noch geyl vnd vngezemet gewesen, hab er
darnach auff die esellin gesessen, posi,
(1528). 18 ^
2) fett, üppig, von gewachsen: er stehet
ynn eim geylen fruchtbaren weinstock. aiiÄ-
leg. der euang. an den fümemislen festen.
(1527). miiij^
3) übermiHhig , mulhwillig, üppig , von
personen: da er aber feit vnd satt ward,
ward er geiL 5 Mos. 32, 15 ; wenn sie (die
jungen wilwen) geil worden sind wider
Christum, so wollen sie freien. 1 Tim. 5,
1 1, jsii welcher stelle es in der gl. heisst:
geil, als die das futter sticht, weil sie von
dem gemeinen almosen wolleben, müssig ge-
hen vnd faul werden ; hilff gott, wie leckl er,
wie geil ist er, wie tantzt er ynn seinem
dunckeL das diese toort etc. (1527). fij';
die Christen wil er mit solchem vnglück yro
zäum halten, das sie nicht von gott weichen,
nicht lecken vnd zu geil werden, die zehen
gepott. (1528). F 8'; wir haben lange zeyt
fride gehabt vnd gute tage bis wyr zu geyl
vnd kutzel worden, sendbrieff von dem
harten hüchlein. (1525). ciiij*; es ist vn-
segUch, wie geil vnd kutzel die bawrn itzl
worden sind durch diese fridreiche zeit ettU-
che iar daher, der i^l.psalm. (1532). Cij';
den mutigen vnd geilen Adam. Jen. 1,
276*; das geil fleisch. Eist. 1, 29'.
4) 'allzuviel von geschlechtslust in seiner
natur gelrieben (Weigand), wollüstig: geyl
vnzüchtig seyn. post. (1528). 5*; die
geilen menner. vom schem hamphoras.
(1543). Niiij*; denn wie wir alle betten
müssen frucht zeugen, wo die natur vouer-
rückt were, wie vfel mehr müssen wirs thun,
so sie ytzt verterbel vnd viel geyler ist. vber
das erste buch Mose. (1527). Jiiij''.
Ceilj m. oder n. wollust, mhd. geil m.
und n. (Ben. 1, 494''. Lexer 796): ists
nicht mehr vnkeuscheyt, wo grösser brunst,
lieb, geyl vnd külzel ist, denn da des weniger
ist? po8L (1528). 310^ geyls vnd fur-
witzs vol. ebend.
Helle (geylhe), f. testiculus, hode, mhd.
geile /l vnd, wie noch bei Älberus {dict.
Kiiij* ein geyli, geil n. (Ben. 1, 494 ■. Lexer
796): aber es gehet jm, wie im buch der
weisen stehet, da er (der äffe) einen baurn
hatte sehen ein gros hollz spalten, gehet er
hin vnd setzt sich auch reitlinges drauff vnd
spaltet mit der axt. er hatte aber kein bad-
bembd an vnd die geylen fielen jm jnn die
spalten vnd vergisset einen keyl einzuschla-
hen. so zeucht er die axt aus, klemmet vnd
zuquitzscht die geylhen, das er sein lebtag ein
ongeil oder eunuchus bleiben muste. der
101. psalm.^ (1534). Diüj**; die oddern
seyner geylhen. var. zu Hiob 40, 12.
Geilen^ s. v. a. entgeilen, castrare : jr viel
ausz grosser vngedult, da sie die vnzucht vod
brunst so plagte, haben sich selbs mit gewalt
gegeilet, tischr. 329*.
Geilen, unzucht treiben: fawlentzen vnd
geyllen. ausleg. der ep. vnd euang. des
aduents. (1522). Biiij'; fressen, sauffen,
geylen vnd fawlen. ebend. Cj*. var. zu
Rom. 13, 13, wo die bibel vnzucht hol,
Geileiii unverschämt und anhaltend bit-
ten, betteln, mhd. gtlen, geilen (Ben. 1> 495'',
9. Lexer 1015) : im andern stück von dem
blinden leret vns der euangehst eine rechte
bettlerische kunsl, das man für gottwol gei-
len lernen, vnuerschempt sein vnd jmer an-
halten sol. hauspost. (Wittemb. 1545).
winterteil. 78"; vnd ist doch nicht der erbeyt
schuld, sondern ewers engstlichen vngleubi-
gen hertzen, das nicht gleubt, gott werde
euch erneeren, sondern geylet vnd Ireybt viid
will zuuor kästen, beuttel, keller vnd boden
voll haben, der 121 . psalm. (1524). Cij'';
die sich zu jm dringen vnd gleich vberfalleu,
wie die geilende fraw den richter Luc. 18.
gl. zu ps. 34, 6.
Geilen 9 n. das anhaltende, dringende
bitten f betteln, mhd. gtlen (Lexer 1015): so
wird er doch vmb seines unuerschampten
geilens willen auffstehen. Luc. 11, 8; das
nicht viel bitten noch geden darff. post.
(1528). 264"; e. f. g. wollen mir mein
geilen gnedighch zu gut halten, de Wette br.
6, 297 ; vns kan man mit dem geilen mttde,
vnlustig vnd vnwdlig machen, hattspost.
(Wittemb. 1545). winterteil 78*; auff sein
bettlen vnd geilen der churfürst hatte einen
peltz zu geben verheissen. tischr, 186*^.
Geilend, s. geilen, betteln, am ende.
I
GEILER
51
GEIST
Mhf, m. heUler, mhd. gilaere (Ben. ] ,
495 ^ Lexer 1015) : so iobel Christus auch
selbs einen vnuerschampten geiler Luc. 1 1 .
vermanung zum sacramenL (1537). Hiij^;
vnser herr gott hat solche geiler gern, die
getrost anhalten. hausposL { Witlemb, 1545).
78*; wie man sagt von den geilern, wie
plaget mich der mensch so wol. gl. zu Luc.
18, 5.
dcUhcit, f. mhd. geilheit (Ben, i, 495'.
Lexer 796).
1) libido, laseivia, woUusl, unxuchl. Hu-
siigkeil zu tmkeuscheyt (gemima-gemm. u üij*") :
geylheyl. var, zu Gah 5, 19. 1 Pelr. 4,
3 , an welchen beiden stellen die bibel Un-
zucht hat: wollen wo! gern, das kein hofTart,
geitz . . . ehebruch oder geilheit bey den vn-
sern were. von den concilijs, (1539). Oj*;
icli habe gesehen deine ehebrechercy , deine
geilheit, dein vreche hurerey. Jer. 13, 27.
2) üppigheit, fleischliche zügellosigkeil
überhaupt:- ziehen die gnad gottis auff die
geylheyt. var, zu br. Judae 4,u>oL, später
das gr. wort, welches de Wette durch ^aus-
Schweifung' übersetzt, durch routwille aus*
drückte.
3) üppiger wuchs der pflanzen : jetzund
wirt man in Düringen vnd Meissen müssen
die saat schrapfien für grosser geilheit.
tisehr. 415 **.
deischeli) s. geisein.
Helscl , gisel , m. und f, obses, leibbürge,
mhd. gfsel m., selten n. {Ben. 1, 536*.
Lexer 1022), ahd. gisal m. {Graffi, 266):
der zu Rom ein geisel gewesen ist. 1 Macc.
1 , 11; dazu musl er den Römern geisel
schicken. 8, 7 ; vnd nam der fumenieslen
leut« kinder zu geisel. 9, 53 ; seine zween
söne zu geisel geben. 13, 16; der buh An-
tiochus war zu Rom zum geisel gegeben.
tisehr. 426 ^. die alte form gisel begegnet
nur einmal in folgender stelle: Antiochus,
genannt eddel, den geringesten vnd vngeach-
teslen gen Rom zur gisel odder pfand ge-
schickt, der proph. Dan. (1530). Diiij*.
Bindseil 7, 373.
CIcisel (geissei), f. flagellum, peitsche,
neben dem gewöhnliehen fem, erscheint
auszer dem zweifelhaften ein (=» eine?).
geissei spr. 26, 3 einmal auch das masc, :
sie werden euch zum geissei [varr, stecken,
pfal) in ewQr seilen werden. Jos. 23, 13.
doch läszt sich mit Frommann vorschlage
s. 29 annehmen , dasz der mänrdiche arti-
kel irriger weise aus den Varianten in
diese stelle sich eingeschlichen habe. vgl.
jedoch auch Parz. 314, 2.
1) eigentlich: ein reisslin, daraus sie eine
geisel mache, wider den wucher zu predi-
gen. (1540). Lj**; vnd er machte eine
geissei aus stricken. Joh. 2, 15; denn da
wird man hören die geissein klappen. Nah.
3, 2; die geissei macht Striemen. Sir, 28,
21 ; der gerne die ochssen mit der geissei
treibet. 38, 26; mit geissein vnd riemen
gesteupt. 2 Macc. 7, 1 ; mit geissein ge-
peitzet. ausleg. der zehen gepott. (1528).
Eij * ; eyn gantzs creutz mit negelln, speren
vnnd gcysseln. originalbr. v. j, 1522 im
ges, arch. zu Weimar. N. 109. 42.
2) bildlich: er wird dich verbergen für
der geissei der zungen. Hiob 5 , 21; als
denn wird der herr Zebaoth eine .geissei
(Züchtigung) vber jn erwecken. Jes. 10,
26.
mhd. geisel (Ben. 1, 495 ^ Lexer 797),
ahd. geisila (Graff 4, 274). mit dem vor^
hergehenden geisel obses von einem verlor-
nen goth. wurzelverbum geisan stoszen,
hauen, schlagen, vgl, Weigand wtb. 1,
406#
Deiseln (geissein), flagellare, mhd. gei-
sein (Ben. 1, 496*. Lexer 798); in von
L. nicht selbst besorgten ausgaben seiner
Schriften auch geischeln, z. b. werden euch
geyscheln ynn ybren schulen, ausleg. der
ep. an den fümemislen festen. (1527).
Eiiij" ; wenn man sich geyschlet vnd casteyet.
ausleg. der euang.*von ostem. (1527).
E 8 '*. vgl, auch zergeiseln.
1) eigentlich: vnd werden euch geissein
in jren schulen. Matth. 10, 17 ; Jhesum lies
er (Pilatus) geissein. 27, 26; vnd vberanl-
worlet jnen Jhesum, das er gegeisselt vnd
gecreutziget würde. Marc. 15, 15.
2) uneigentlich s. v. a. plagen, strafen :
wenn er igott) anhebt zu geissein, so dringet
er fort bald zum tod. Hiob 9, 23.
fielst^ m. spiritusj ahd. mhd. geist (Graff
4, 269. Ben. 1, 496". Lexer 798). etn-
7*
GEIST
52
GEIST
wmU begegnet auch der tunn^ eg» geiste : der
beylig geiste. von dem bapelum. (1520).
Ej^ als nachahmung der eüddeuUcken
ausspräche bedient sich L. auch der Schrei-
bung gaist, beleg s. unter geister. der pL
schwankt bei L. noch zwischen geiste und
geisler, ersteres in den früheren, letzteres
in den späteren Schriften vorherrschend,
die etymologie des worles, welches mit
geisel einer würzet ist, s, bei Weigand
wtb. i, 406.
bedeutungen.
1) hauch, aüiem, wind: das sie durch den
ödem gottes sind vmbkomen vnd vom geisl
seines zoms {von seinem zomeshauch} ver-
tilget. Hiob 4, 9; er wirt den gottloszen
tödten mit dem geyst seiner iippen. var, zu
Jes. \\y ^t wo die bibel hat: ödem seiner
Iippen ; der geyst geystet (der wind blaset)
wo er wil. eyn geystUch edles büchlein.
(1516). Bj", var. zu Joh. 3, 8.
2) g«ist im gegensatze zum körper und
zwar rpv/1^ und nvivfta bezeichnend.
a) rfwxfj, anima^ das belebende im kör'
pery die seele : da ein lebendiger geist innen
war. 1 Mos. 7, 15 (vgl. 6, 17. 7, 22);
vnd ist kein geist (bibel: odemj ynn yhm.
var. zu Habac. 2, 19; vnd als er tranck,
kam sein geist wider vnd ward erquicket.
rieht. 15, 19; vnd da er gessen hatte, kam
sein geist wider zu jm. 1 Sam. 30, 1^ das
ander {sc, stück des menschen), die seele, ist
eben der selbe geist nach der natur. Jen. 1 ,
453".
b) nvtvfjiu, Spiritus, animus: ewer geist
gantz sampt der seele vnd leib müsse behal-
ten werden vnstref flieh. 1 Thess. 5, 23;
bis das (dasz es) scheidet seele vnd geist.
Hebr. 4, 12; das erste stuck, der geyst, ist
das höchste, tieffeste, edliste teil des men-
schen, damit er geschickt ist vnbegreifflich,
vnsichtige, ewige ding zu fassen, das magni-
fkat. (1521). bij"; das ein yglicher diese
wort sol mit dem geist fassen, vber das
erste buch Mose. (1527). Gij'^; vnd da es
morgen ward, war sein geist bekümmert. 1
Mos. 41, 8; was ists, das dein geist so vn-
muts ist. 1 kön. 21, 5; wol dem menschen,
in des geist kein falsch ist. ps. 32, 2; ewrs
geistes gedancken kenne ich wol. Ezech, 1 1 ,
5. tfi bezug auf gesinnung und Charakter
wird geist mit verschiedenen epithela ver-
bunden: gib mir einen uewen gewissen
(festen) geist. ps. 51, 13; befestige mich
mit eiffl freiwilligem geist. var. zu ps. 51,
14; ein geengster geist. 51, 19; ein ge-
dültiger geisl ist besser denn ein hoher geist.
pred. Sal. 7. 9; ich wonc bey denen, so
Zuschlägen» vnd demütigen geists sind. Jes.
57, 15; für ein betrübten geist. 61, 3; jr
habt nicht einen knechtlichen geist empfan-
gen. Rom. 8, 15; einen erbitterten geist.
11, 8; sol ich mit der ruten zu euch komen
oder mit liebe vnd sanfitmütigem geist? 1
Cor. 4, 21 ; das gesetz gibt den furchtenden
kneditischen caynschen geyst, aber die gnade
gibt den freyen kindlichen habelschen geyst.
ausleg. der ep. vnd euang. vom chrislag.
(1522): Jiüj'-.
3 ) geist im gegensatze zu fleisch, der durch
den heil, geist wiedergebome neue mensch:
die schrifft teilet den menschen in drey teil . . .
vnd ein jgliches dieser dreier sampt dem gan-
zen menschen wird auch geteilet auff ein an-
der weise in zwey stück, die da heissen geist
vnd fleisch , welche teilung nicht der natur,
sondern der eigenschafft ist. Jen. 1, 453";
der geist ist willig, aber das fleisch ist
schwach. Matth. 26, 41; das fleisch gelüstet
wider den geist, vnd den geist wider das
fleisch. Gal. 5, 17 ; was vom fleisch geborn
wird, das ist fleisch, vnd was vom geist ge-
boren wird, das ist geist. Jqh. 3, 6.
4) geist von der ganzen pers(^: gleubet
nicht einem jgliehen geist, sondern prüfet die
geister, ob sie von gott sind, denn es sind
viel falscher propheten ausgegangen in die
weit. 1 Joh. 4, 1 ; die ander (Jungfrau) be-
deuttet die geyste, die angefangen got zu
dienenn. dasmagnificat. (1521). ciij". vor-
zugsweise bedient sich L. des wortes zur
bezeichnung der sacramentsschwärmer, der
'schwermergeister* [Carlstad, Zwingli u. a.) :
nu sage myr, was von dem geyst (von Carl-
stad ist die rede) sey zu hallten, der eyae
solche treffliche sache thar wagen on alle
schrifft vnd wort, das ander teyl widder d.
hyml. Propheten. (1525). Dj''; so gar hat
dieser geist (Zwingli) die schrifTl ynn seiner
gewalt. das diese wort. (1527). mj''; wie
GEX&T
53
GEIST
das auch wol anzeyget des geistes nebiste
antwort widder solch mein büchlin. vom
abendmal Christi. (1528). aij"; so stym-
met denn Zwingeis rethoricka mit dem geist
ynn der Schlesie fein vber eins, ebend, x
üj *> ; solche geister soll man zur schulen füren
vnd Petrum Uispanum leren, ebend. rij'*.
mit beiwörlem: die irrigen geister stiff^eii
viel böses. Sir. 34, 11; anhangen den vcr-
fürischen geistern. 1 Tim. 4, 1 ; die andern
freyen vnd leychlfertigen geisten, die solch
yre gepresten gering achten, auszleg. deutsch
des V. u. (15 IS). Cij'*; was solt es (das
sacramenl) bey den freyen sichern geysten
wircken ? serm. von dem hoehmrdigen «a-
Brameni. (1519). a iiij '* ; den freyen, sichern
geysten, die yhre sund nit heysset, die mesz
keyn nütz ist. serm. vom n. lest* (1520).
Düj '' ; die vnreinen genieszsuchtigen geyste.
dasmagni^at, (1521). ciij"; den eckein
geistern, den die schrifft nicht schmecket.
vber das erste buch Mose. (1527 ). n iiij' ;
ein freueler geist. vom abendmal Christi.
(1528). h ij"; stoltze freidige geister. elli'
che schöne ^edigten. (1533). Aüj*"; edle
geyster. eyn vrteyl der Iheologen zu Paris.
(1521). Düj"; frome geyster. ein predigt
vnd Warnung. (1525). Dj'; kluge geister.
das \1 . eaf. s. Johannis. (1530). Rij'.
5) geist, unkörfeiiiches , ukerirdiisehes
u>esen.
a) sie meineten, sie sehen einen geist.
Lmc. 24, 37 ; ein geist hat nicht fleisch vnd
bein. v. 39; was vnserm gesiebt dick vnd
finster ist, als holtz, stein vnd ^rtz, das ist
eim geist wie ein glas, ia wie eine helle lufft,
wie denn das die poltergeister vnd engcl wol
beweisen, vom abendmal Christi. (1528).
kj*; gott ist ein geist. Joh. 4, 24.
b) ein umgehender, abgeschiedener geist,
gespenst : zuletzt auch die todten, die wan-
deUenden geyster. ausleg. der ep. vnd
euang. vom christag. (1522). AT iiij \ vgl.
Poltergeist, rumpelgeist.
c) von den engein: er macht seine enget
geister. Hebr. 1,7; sind sie nicht alle zu
mal dienstbare geister ? v. 1 4.
d) der böse geist, der teufet : solch wu-
tende weysz hatt der bosze geyst eyn tragen.
eyn sermon von dem hochwirdigen scuira^
ment. (1519). c j '' ; der böse ^eist kan auch
die leute auffblasen. das 14. vnd 15. cap.
Joh. (1538). Ddiiij^ böse, unsaubere,
unreine geister: der geist aber des herrn
weich von Saul vnd ein böser geist vom herrn
macht jn seer vnrügig. 1 Sam. 16, 14 ; ein
böser geist, Asmodi genant, hatte sie alle ge-
tödtet. Tob. 3, 8 ; vnd gab jnen macht vber
die vnsaul)ern geister. Matth. 10, 1 ; er ge-
beut mit gewalt den vnsaubem geistern
(1522: geysten). Marc. 1, 27; drey vn-
reinc geister. offenb. Joh. 16, 13.
e) der heilige geist, die dritte person in
der gotiheit : wer den teuflel nicht kennet,
möchl wol meyncn, sie betten funff heilige
geyste bey sich, das ander teyl widder die
hyml. Propheten. (1525). Aiiij'; der hei-
lige geist, der hobest vnd beste poet. der
IM. psalm. ( 1 530). Aj " ; das sie schwan-
ger war von dem heiligen geisl. Matth. 1,
18; der wird euch mit dem heiligen geist
vnd mit fewr teuffen. 3, 1 1 ; vnd teuffet sie
im namen des valers, vnd des sohns vnd des
heiligen geisls. 28, 19. auch geisi gottes,
geist des herrn, geisl Christi u. s. f., sowie
schlechthin der geist genannt: vnd der geist
gottes schwellet auff dem wasser. 1 Mos. 1 ,
2 ; erfüllet mit dem geist gottes. 2 Mos. 41,
3 ; vnd Johannes sähe den geist gottes gleich
als eine taube her ab faren. Matth. 3, 16;
vnd der geist des herrn war in jm. rieht. 3,
10; zog der geist des herrn Gid«on an. 6,
34 ; der geist des herrn ist bey mir. Luc.
4,18; weil jr denn kinder seid, hat gott ge-
sand den geist seines sons. Gal, 4, 6 ; der
geist Christi. 1 Pet. 1,11; durch handrei-
chung des geistes Jhesu Christi. PhiL 1,19;
da ward Jhesus vom geist in die wüsten ge-
fürt. Matth. 4, 1 ; die lesterung wider den
geist wird den menschen nicht vergeben. 1 2,
31. mit rücksicht auf die gaben und wir'
kungen des heil, geistes heisxt er geist der
Weisheit, der gnade, der kindschaft, des
glaubens, der warheit, des gebets u. s. w. :
die ich mit dem geist der Weisheit erfüllet
habe. 2 Mos. 28, 3 ; auff welchem wird rü-
gen der geist der Weisheit vnd des Verstands,
der geist des rats vnd der stercke, der geist
des erkentnis vnd der furcht des herrn. Jes.
11, 2; geist der gnaden vnd des gebets.
GEISTÄNGSTER
54
GEISTGRUNDIG
Scich. 12, 10; geisl der warlieil. Joh. 14,
17; 15, 26; geist des glaiibens. 2 Cor. 4,
13; geist der Weissagung, offenh. Joh. 19,
10.
Heistaagster j m. der ein mit sünden be-
ladenes gewissen ansiall mit dem tröste des
evangeUums aufzurichten in die angst der
Verzweiflung treibt: aber wo das geschehe,
szo wurde den seelmordern vnd geystengslern
der beychl pfennig empfallen. ausleg. der
ep. vnd euang. vom christag, (1522). nnn
• • • •
mj".
fieisiani} arm am geiste: ein geistarme
seele, die nichts mehr hat, denn das geschrey,
liehen vnd bitten. Jen. 1, 18"; dis gebot
foddert eine geistarme seele. 1, 248 '*.
flehteiiy wehen, blasen, beleg $. unter
geist 1).
fleister^ m. enthusiast, Schwärmer: so
viel ich dem geruch meiner nasen nachspüren
vnd vr teilen kan, so ist er (S. Frank) ein
enthusiast oder gaister, dem nichts gefellet,
denn gaist, gaist, gaist, der vom wort, sacra-
ment, predigampt nichts helt, sondern nach
dem gaist sol man leben, ein dialogus.
(1545). Aiij''.
Ceisterei j f. geistliches wesen : mit dem
heiligen geist (2 Cor. 6, 6), was ist das ? es
mag zween syn haben, den ersten, das er
(der apostel Paulus) rede von dem heiligen
geist, der da golt ist, den andern, das er rede
schlecht vom geist odder geistlichem wesen,
das heiliger geist so viel sey als heyhge gei-
sterey, als wolt er sagen, hütet euch für den
geistlichen vnd hübschen geystereyen , die
sich viel rhümen des geists, vnd ist doch ein
falscher, vnreiner, vnheiliger geist da, der
nur secten vnd zwitracht bringt, bleibt yhr
aber ynn der rechten heiligen geisterey, die
aus dem heyligen geist gotts kompt ... die nu
ynn einem glauben, wahn vnd synn bleiben,
die beweisen mit rechter heiliger geisterey
vnd mit dem heiligen geist, das sie gott die-
nen, denn rechte geisterey odder ein recht
heilig wesen ym geist, stehet ynn eynickeil
vnd gleichmütigem hertzen ym glauben etc.
post. (1528). 320 \ besonders das falsche
geistliche wesen, selbsterwählter gottesdienst
u. dergl, : aus dem sihestu aber mal, das klö-
sterey vnd geisterey zu vnsern zeytten vnrechl
ist. das 7. cap. Cor. (1523). Jj'; miin-
cherey vnd geysterey. Ordnung eines gemei-
nen hastens. (1523). Aij\' der alte teüfel,
der Adam vnd Eua auch zu enthusiasten
machte, vom eusserliclien wort gottes auff
geisterey vnd eigen dünckel füret. artickeU
etc. (1538). Güij*; blinde geister, die das
eusserlicb wort vnd sacrament verachten vnd
dafür jre eigen ertichte geisterey furgeben.
das 15. cap. der ersten ep: s. Pauli an dte
Cor. (1534). Biiij**; ertrewmele geisterey
fürgeben, von der heil, taufe, (1535).
Diij •.
fietotieiscli j n. es ist gott ynn diesem
fleisch (dem leibe Christi), ein gottsfleisch,
ein geistfleisch ists. das diese wort etc.
(1527). püij*.
Mstgelelirte (geistgelerte), m. wer einer
unmittelbaren Unterweisung (Offenbarung)
des heil, geistes sich rühmt: wer hie anders
thut, denn sie (die schwermer), der ist eyn
zwifelltiger papist, der henckel vnd mordet
Christum, vnd müssen schriiTtgelehrten seyn,
wer es aber thut, der ist schon ynn den
geyst hyneyn gesprungen mit stiffeln vnd mil
allem vnd ist eyn geystgelerter. das ander
teyl Widder die hyml. propheten, (1525).
Aiiij ^ ; also hies Müntzer (gedr. Mützer) vds
Wittemberger theologen die schrifflgelerten
vnd sich den geistgelerten, vnd jna nach viel
ander mehr, von den condlijs, (1539).
• • • *
«eistgeiiMi, m genösse des teufeU: das
nit erfunden werde ynn dyr . . . eyn tagweler,
odder eyn geystgenosz (vulg, auguria), odder
eyn hexen, ausleg. der ep. vnd euang, vom
christag, (1522). fffüj*, var. zu 5 Mos.
18, 10. dte erfttönin^ von geistgenosz, tre^
ches wort eine bildung Vs, zu sein scheint,
gibt er selbst in folgender stelle : die geysl-
genossen, ich weysz nit wie ich sie sonst
nennen sol, (sind) die den teuffel yn eyn
Spiegel, bild, stock, schwerd, glasz, christall,
fingernagel, kreysz, rutten vnd dergleychen
beschweren, vnd alda heymlich schetz, ge-
schieht vnd ander ding sehen wollen, ebend.
fffiiij*.
Uthigr^niif^f im innersten des geistes sei-
nen sitz habend: diszer betrighcher schedli-
cher lisl keynen menschen frey lest, sundem
GEISTHUNGRIG
55
GEISTLICH
ganlz geyslgrunüig {Jen. 1, 19'^: geistgrün-
dig) ynn allen Ist. die sieben busxpsalm.
(1517). Brnj".
GeisIkBBgrigi hungrig nach dem heiligen
geiiU : geysthüngrig (gedr. geistliünrig) vnd
gaaddürstig werden, auff das vbirchrisU.
buch. (1521). Fiij\
CJetstture^ /*. die hohen schule tzii Parisz
isl . . . die grossist geysthure , die von der
sonnen beschynen ist. eyn vrleyl der iheO'
logen. (1521). Dij\
CIcistleia (geistlin), n. kleiner, unbedeu-
tender geist (vgl. geist 4) : neyn, liebs geyst-
lin, du eatleufiest myr nicht also, das ander
ieyl Widder d. hgnU. prophelen. (1525).
Nj"; verdrehe dich ein mal geisthn. vom
abendmal Christi. (1534). piiij''; du zor-
niges geistlin. wider Hans Warst. (1541).
Aii] " ; solchs sihet m. Grikel (Agncola) nicht,
das sein geistlin da hinaus wil mit rhümen
vnd pochen , das er auch das geselz predige.
Jen. 7, 381'*. de Wette br. 6, 255.
fieistler^ m. was geister: hierauff gehen
die Sprüche, so die geistler füren, vom
abendmal Christi. (1528). iiiij".
deistUelii adj. spiritualis, sacer, mhd.
ahd. geistlich (Ben. i, 496^ Lexer SOO.
Graff 4, 271), gebraucht L
1) im gegensatz von leiblich : figur vnnd
erfullung der figurenn haben sich kegenn an-
der wie ein leypiich vnd geistlich odder eu-
szerhch vnnd ynnerlich ding, von dem bap-
8tum zu Rome. (1520). Diij''; gleich ak
wen ich von einem menschen rede vnd yhn
Dach der seelen ein geistlichen, nach dem leyp
ein leypiichen menschen nenne, ebend. Ciij" ;
eyn yglich christenmensch ist zweyerley
natur, geystlicher vnd leyplicher. von der
freiheil eines Christenmenschen. (1521).
Aij •» ; s. Peter redt (redet) von der ynnerli-
chen geystlichen priesterschaffl. auff das
vbirchristl. buch. (1521). Bij"; denn so
die beiden sind jrer geistlichen guter teilhaff-
lig worden, ists billich, das sie jnen auch in
leibheben gutem dienst beweisen. Rom. 15,
27 ; vnd haben alle einerley geistliche speisse
gessen vnd haben alle einerley geistlichen
Iranck getruncken, sie truncken aber von
dem geistlichen fels, der mit folget, welcher
war Christus. 1 Cor. 10, 3. 4; von den
geistlichen gaben aber wil ich euch, lieben
brüdcr, nicht verhalten. 12, 1 ; hie komen
beide geistliche vnd leihliche Verfolgung zu-
samcn. Bindseil 7, 470.
2) im gegensatz von ileischUch (vgl. geist
3): jr aber seid nicht fleischlich, sondern
geistlich, so anders gottes geist in euch wonet.
Rom. 8 , 9 ; ein geistlicher mensch richtet
alle ding, an den christl. adel. (1520).
Biiiji', var. zu 1 Cor. 2, 15; nichts beweiset
einen geistlichen man also wol, als der han-
del mit eines andern sunden. post. (1528).
23 ".
3) im gegensatz von natürlich (seelisch) :
es wird geseet ein natürlicher leib vnd wird
auffers leben ein geistlicher leib, hat man
einen natürlichen leib, so hat man auch einen
geisthchen leib ... der erste mensch Adam ist
gemacht ins natttrUclie leben, vnd der letzte
Adam ins geisthche leben. 1 Cor. 15, 44.
45. die ausdriUke 'natürUcher leib, geistU-
cher leib' erklärt L. in der gl. zu dieser
steile: natürhcher leib ist, der isset, trincket,
schleffl,, dewet, zu vnd abnimpt, kinder zeu-
get etc. geistlich, der solches keines darff
vnd doch ein warer leib vom geist lebendig
ist, wie man aus gen. 2 verstehen kan. Bind'
seil 7, 559. vgl. auch dieauslegung dieser
stelle in: das 15. cap. der ersten epist. s.
Pauli an die Cor. (1534). füj"* — h iijv
4) im gegensatz von buchstäblich : das
schwerd aber, das wort gottis nympt er vnd
gibt für nit mit der scheyden, das ist mit dem
buchstabe, sondern mit der schneyden, das
ist mit dem geystlichen vorstand! zu hawen.
auff das vbirchristl. buch. (1521). Aüj";
nach dem geisthchen verstand, da sind die
psalmen recht lieblich vnd süsse, von den
letzten Worten Dauids. (1543). Biiij";
wilchs ist der schrifftlich vnd wuchs der geyst-
Uche synn. auff das vbirchristlich buch.
(1521). Ej''; nu solt ich hie die geistliche
(allegorische) deutung auch einfüren, vber
das erste buch Mose. (1527). Kj " .
5) im gegensatz von weltUch: die geyst-
lich vnd welltlich öberkeyl sollen ynn yhrem
ampt billich handeln, so sie alle bettelseck
abtheten. von kauffshandlung vnd wucher.
(1524). Fj'' ; ynn dem ampt mustenyhm die
apostel nach folgen vnd alle geystliche regi-
GEISTLICH
56
GEISTLICHKEIT
rer. van weltUcher vberkeü. (1523). Güj\
der geistliche stand, ordo eeclesiasticus : vor
allen dingenn heysset man hie den geistlichen
stand die bischoff, priester vnd ordensleut.
von dem bapstum zu Rome. (1520). Cij'';
wir reden aber itzt nicht ^om brauch odder
miszbrauch der stende, sondern von art vnd
natur der stende an yhn selbs vnd schlieszen,
das der ehestand gollt vnd der geystlich stand
dreck ist, darumb das ihener zum glaulien,
diszer aber zum vnglauben förderlich ist. das
7. cap. Cor, (15*23). Dij"; ich meine aber
nicht den jtzigen geistlichen stand jnn klö-
stern vnd stifften. das man kinder zur
schulen hallen solle. (1530). Biij*'; s.
Paulus sagt nicht allein von pfarrhern vnd
Predigern, sondern auch von aposteln, euan-
geUsten, propheten vnd andern hohen geist-
lichen stenden. von den concilijs. (1539).
f ij*. es sollte auch manch bisschoiT^apt vnd
andere geystliche herrn zur ehe greyfled. an
die herrn deudsch ordens. (1523). Cij';
da, da, jr bepste, cardinel, papisten, geistli*
chen herrn, verfolget mehr gottes wort.
wamunge an s. L Deudschen, (1531).
Eiiij ** ; wer wollt nu die geystlichen vetter
(väter) verdencken, das sie hurerey tzu las-
sen vmb gellt, wider den falsch genanten
geisll. stand. (1522). Gi]**; damit hat er
fder bapst) die weit vol geistlicher leute, das
ist vol huren vnd buhen gemacht, vber das
erste buch Mose. (1527). Oiij^ das geist-
liche recht. Jus canonicum : ich sag zum er-
sten, das es gut were, das geistlich recht von
dem ersten buchstaben bisz an den letzten
wurd zu grund auszgelilget. an den chrisll.
adel. (1520). Lij*; auch szo ist ym geist-
lichen recht szo streng vorpotten dem geist-
lichen stand gewere vnnd wapen (waffen) zu
tragen, grund vnnd vrsach. (1521). n ij*".
das geistliche amt, ministerium eodesiasH-
cum: künd auch noch wol leiden, das bapst
vnd bischoue weltliche herrn weren vnd
blieben, weil sie doch der bisChof fliehen ampt
sich eussern vnd schewen, wenn sie allein
das geistlich ampt hülffen durch andere trei-
ben vnd fordern, von den schlüsseln. (1530).
Fiiij*. geisthche guter, kirchengüter : vnd
wey tter streckt man das wortlein geystlich in
die zeittlichen gutter, nit der die worhafftig
geistlich sein durch den glauben, sondern die
in der andern leyplichen Christenheit- sein,
vnd heyssen der selben guter geystlich odder
der kirchen. von dem b^slum »U R0me.
(1520). Cüj**; diesz darf man sich nit be-
sorgen, dasz die fürsten solche geistliche
guter alle den kaiser werden lassen an sich
ziehen, de Wette br, 5» 28.
fieitlUeil) adv. spiritualiter, mhd. geist-
liche (Ben. 1 , 497*. Lexer 800), ahd.
geistlicho (Graff 4, 273): denn es mus
geistlich (var. geistlicher weise) gerichtet
sein. 1 Cor. 2, 14; es kompt aber die tzeytl
vnnti ist schon itzt, das rechtschaffene anlieter
den vatter anbeten werden geystUch (bibel:
im geist) vnd rechtschaffen, von anbeten des
sacramenls. (1522). CijS var. zu Joh. 4,
23 ; der geistlicJi vnd gründlich betet. Jen.
1, 70'; das macht, das er geystlich, vnsicht-
lieh regirt. von der freyheyt einisz Christen-
menschen. ( 1 5 20 ). Bij *.
fieisUleliey m. dem geistlichen stand an-
gehöriger : es ist doch zu hoffen, das hynfort
wenig mehr mönche vnd geystliche werden
sollen, an die herren deudsch ordens.
(1523^. Aij*; man sol den babst tioeh die
geistlichen niclit schelten, vber das erste
buch Mose. (1 527 ). b iiij ^ ; der keiser The-
odosius nicht mehr wolt lassen einen bischofl
zu Constantinopel welen aus den priestern
oder geistlichen in der slad Constantinopel.
von den concilijs. (1539). Hij"*; die geist-
lichen haben gute tage, post. (1528). 232'.
Clelstliclikelt (geystlickeit , geisthgkeit,
geistlicheit , /*. mhd. geistltchkeit {Ben. \,
497 '. Lexer 800).
1 ) geistliches leben : in demut vnd geisl-
ligkeit der engel. Col. 2, 18; selb ^welete
geistligkeit vnd demut. v. 23; szo ist der
grosz man (Gerson) betrogen worden von
der abglewbischen , engUschen geystlickeyt.
ausleg. der ep. vnd euang. des aduents.
(1522). Cij*; zu weylen will auch vber-
flüssig geystUckeyt da regirn. das 1. cap.
Cor. (1523). Cij*; wo aber das wort nicht
gehet, da mus sclilechte geistlikeit sein, das
man kinder zur schulen halten solle. (1530).
Biij^; also wollen auch sie jre geistligkeit
mit saursehen ausrichten, das 14. vnd 15.
cap. s. Joh. (1538). Bj^; grosse andacht
GEISTLOS
57
GEIZEN
vnd geistlicheit. wider d(U bapslum. (1545).
2) geisUicher^ stand: es sollen weitlich
herrn vnd stete mit der geystlicheyt da zu
thun, das solchs abthan wurde, serm. von
dem hoehwirdigen gacrament, (1519). cj**;
ein regent in der geistligkeit. vier predig-
len. (1546). Jiij'*; denn er wil je die vn-
schuldige kirche vnd geistlicheit mit jm zum
teufel füren. Jen. 1,201 ^
CieistlM, keinen geist habend, mhd. geiste-
los {Lexer 799). 1) adj.: au(T erden nicht
ist ein elender, dürflftiger, geystloser voick
denn yhr seyt; nicht geystUch, sondern
geystlos solt man euch billich heissen. post,
(152S). 14*; vnkeuscheil hat keinen stand
also sehr erseuift, als den geistlichen, sol ich
yhn anders geislHch nennen, so er mehr denn
Heisch selbs vnd gantz geistlos ist. ebend.
33*.
2) subst. : den geistloszen aber seind solch
wort gar geringe antzusehen. das magnifi-
cat. (1521). fj*.
(leistreieliy reich an geisi, gegensalz von
geistarm (s. d.) : die zarte glose seynes geyst-
reichen vnd schrifftlosen kopffs. das ander
legi Widder d. hyml. prophelen. (1525).
^j*; geticht vnd spiel eines geistreichen
poeten. Bindseil 7, 417; ein geistlich schön
geticht eines geistreichen mans. ebend, 412.
Mstsfenteadigy was das einfache wer-
ständig: wiewol es on das zu wönschen
were, das yemand geistsverstendig sich der
mühe vnterwünde vnd läutert die legenden
der heiligen, ausleg. der euang. an den farne-
mislen festen, (1527). aaij\
deiu (geys. 1 Mos, 15, 9 var.), f,
capra, ziege, noch mit dem st. pl, geisse:
behut got für dem bock die geysse , die yhr
hemer in seyden geflochten tragen, an den
bock. (1521). Aij*.
mhd. ahd. gei^ {Ben. 1 , 497 *. Lexer
SOO. Ora/f 4, 2S6) lautverschoben stim-
mend mit tat. haedtts junger Ziegenbock,
vgl. Weigand wtb. 1, 406.
(Icittfell, n. xiegenfell: sie fechten für
die winkelmesse und sagen selbst es sey eine
nichtige sache und geiswolle: ich wollt sie
lehren diesz geisfell kennen und haare aus der
wolle machen, de Wette br. 3, 4S3.
DiBTZ, Wörterbacli. IL
fieisshaar (geyshar), n. Ziegenhaar^ nur-
in der ersten ausg, der fünf bücher Moses
(2 Mos. 25, 4) vorkommende Variante, wo-
für schon die folgende ausg. zigenhar hat.
— mhd. gei^hk (Ben. 1 , 634 **. Lexer
801).
fieiuMilclij f. Ziegenmilch: lasz die geysz-
milch {bibel: Ziegenmilch) dein speisz seyu
ym hawsze. var. zu spr. Sal. 27, 27 in der
1521 erschienenen schriß von der beicht.
— mhd, gei^milch {Lexer 801 ^
fieisiwoile, f. ziegenwoUe, mhd. gei;;-
wolle (Ben. 3, 803*. Lexer 801). beleg,
s, unter geiszfell.
Heilig, geittig, s. geizig.
Seil (geitz, geytz^ m, avaritia: geytz vnd
gelt durst. serm. von dem n. lest. (1520).
Dij**; der tückisch geytz vnterweylen yhm
selb eyne färb anstreycht, als neme er das
vbrige für ein geschenck. von kauffshand-
lung, (1524). Gij**; wer aber eins kran-
cken wartet vmb geitzs vnd erbteil willen.
ob man für dem sterben fliehen müge.
(1527). Biiij*; ich war zornig vber die vn-
lugent jres geitzes. Jßs. 57, 17; sondern
neige ten sich zum geitz vnd namen gescheock.
1 Sam, 8,3. — personif. : ist der furmund
des bauchs, iuncker geitz, nit ein listiger
schalck? eiian^. von den tzehen aussetzi-
gen. (1521). Gij*^; pfui dich mal an Juncker
geitz. tischr. 59 '. — der römische geiz =*
der bapst: nu hat der romisch geytz vnd
raubstul nit mocht der zeit erwarttea. an
den Christi, adel. (1520). Dij'; es hat auch
iler liebe romische geytz den prauch erdacht,
das u. s. w. ebend. Diiij^.
Mit fortschiebung des mhd. t in z und
Übergang des i in ei aus mhd. git {Ben. 1,
537 ^ Lexer 1024 ^ ahd. gft, kil {Graff 4,
145^. über die etymologie des voortes vgl.
Weigand wtb. 1, 407.
fieiien fgeitzen), mhd. giten {Lexer 1024).
1) überhaupt nach etwas gierig sein:
daher klar ist, das er {Abraham) nicht ge-
geizt hat nach einer andern {sc. frau). vber
das erste buch Mose, (1527). o iiij\
2) häufiger nach geld und gut gierig sein,
habgierig sein: geitzen, zu sich scharren.
der 112. psalm. (1526). a ij ** ; geitzen
mns jtzt heissen endelich sein, vorsieh tiglich
8
GEIZEN
58
6EJECHT
handeln, bescheiden vnd narhafilig sein.
hauspost. {Jhena 1559). 271^; burger
geitzet, adel kratzt, wider Hans WorsL
< 1 541). Kiij* ; wen der geitz bestanden hat,
das er scharret vnd kratzet, der hat schon
ein iinstemis im hertzen, wo er aber zu feret
vnd schmückt sich, das es nicht gegeitzt
heisse ... das heisst erst ein recht dicke dup-
pel finsternis. das 5. 6. vnd 7. cap. s.
Mallhei. (1532). pij''; das ist nicht die
weise gut zu erwerben vnd reich werden, so
einer den andern hasset, neidet vnd vntern-
ander schindet, streitet, geitzet vnd teuschet.
gl. zu Jac. 4, 2 ; er schilt aber das volck,
das sie allein auff jre guter vnd heuser vleis-
sig gegeitzt hatten, ßindseil 7, 409; die
jmer in jren sack geitzen {ihn durch geiz
füllen), ebend. ; ein jglicher geitzet für sich
in seinem stände. Jes. 56, 11 ; weh dem der
da geitzet zum vnglück seines hauses. Hab,
3, 9.
fieiien^ n. eim geitzbals wird sein geitzen
blutsawer. ein christL schöner Irost, (1535).
Aij*.
, Qtiwtftif /<. habsucht: das {geistliche
recht) doch an yhm selb ein lauter tyranney,
geytzerey vnd zeitlicher pracht ist. an den
Christi, adel. (1520). Ciiij".
Cleixliaki m. homo avarissimus: wenn
der arm man mus keuffen oder annemen die
tegliche wahr so thewer der geitzbals wil.
gl. zu 3 Mos. 25, 36; verderbt doch ein
solcher geitzbals auch wol alle ander gute
werck. ob kriegsleute etc. (1526). Fj**;
ein ehebrecher, ein hurer, ein geitzbals oder
sonst ein sunder. vondeT\concilijs. (1539).
Xij*; gottlose geitzhälse. de Wette br, 5,
422.
Heilig (geitzig), avarus, gierig, habgierig,
in den ersten ausgg, des n. lest» auch noch
die älter-nhd. formen geyttig und gyttig,
mhd» gitec, gttic (Ben. 1, 538*. Lexer
1024), ahd. gUac, kttac {Graff 4, 145).
1) adj. a) praedic: was ist die hoffnung
des heuchlers, das er so geitzig ist. Hiob
27, 8; {die phariseer) waren geitzig. Luc.
16, 14; es sol ein bischotf nicht geitzig
sein. 1 Jim. 3, 3; ist einer furm iar
stoltz vnd geitzig gewesen, so ist er hewer
viel geitziger vnd stoltzer. deudsch catech.
(1529). Xij^ miij/en.: lasset vns nicht eileler
ehre geitzig {septemberausgabe desn. lest. v.J.
1522: geyttig; decemberausg. : gyttig) sein.
GaL 5, 26. — b) aUribr. kündten sie doch
nicht einen geitzigen menschen ersettigen.
der 147. psalm. (1532). Giif ; alle das ge-
würm vnd geitziges vnziefer. ein brieff von
seinem buch der winckelmesse, (1534).
Cij\
2) subst.: der geitzige segenet sich vnd
lestert den herm. ps. 10,3; des geitzigen
regieren ist eitel schaden. Jss. 32, 7 ; weder
die diebe noch die geitzigen . . . werden das
reich gottes ererben. 1 Cor. 6, 10.
fveiligen <= geizen : weil wir jmer hin in
aller henger namen geitzigen. EisL 2, 1 48^.
Cleiiigkeit (geizickeit), f. dvaritia : vnrei-
nickeit, böse begirde, geizickeit. grund vnd
vrsach. (1521). cijS var. zu CoL 3, 5,
— mhd. gitecheit (Ben. 1 , 538'. Lexer
1024).
Cleiiiglidi; adv. gierig, heiszhungrig : da
der wolif eins mals ein schaf geitziglich fräs.
Jen. 5, 272'. — mhd. gitecliche {Ben. 1,
538*. Lexer 1 024).
deiiwansty m. was geizhals : wir Deud-
sehen von einem geitzwanst sagen, geld ist
sein hertz, das ist, wenn er nur geld hat,
das ist sein freud vnd trost vnd summa sein
gott. das 5. 6. vnd 7. cap. s, Mallhei.
(1532). oj*; einen geitzwanst kan man
trösten mit gelt, einen krancken mit ertzney.
das 15. cap. der ersten ep. s. Pauü an die
Corinther. (1534). Lii]**; ein geitzwanst
dem fiirsten mehr abschätzen, denn eine
gantze stad geben kan. ausleg. der ep, vnd
euang. von ostem. (1544). Aaüj*; der
vnsettige, grundlose geitzwanst Paulus.
wider das bapslum zu Rom. (1545). Eij^
der pl. lautet geizwanste u. geizwenste : die
reichen geitzwanste. das man kinder zur
schulen halten solle, (1530). Giiij * ; ein Zu-
satz der geitzwanste. ein widderruff vom
fegefewr. (1530). Eij'*; das bawrliedhn,
das alle geitz wenste singen. d<is 5. 6. vnd
7. cap. s. Matthei. (1532i. niiij*.
dejeclit^ ffi\t^i^ n.jagd: es ist des Lu-
thers reformation, der hat ein seltzam geiegt
angericht vnd solche eselsköpffe yn die schrifll
geiagt. von priesterehe. (1528). Aiij*;als
GEKÄMPF
59
GELÄCHTER
jr mich auff ewr iaget füret, hielt ich auch zu
gleich auff dem wagen mein geistlich geiegt
vnd fieng den cxlvij. psalm : huda Jerusalem
mit seiner auslegung» welchs mir denn die
aller lüstigesten geiegt vnd edlest wilt ist.
der 147. psalm. (1532). Aj''; der beer-
woljf entgehet allem geiecht vnd woffen.
Jen. 7, 393'. — mhd. gejegede {Ben 1,
768*. Lexer 802).
fieküüpf (gekempf), n. andauernde»
kämpfen: die leute des gezencks vnd ge-
kempffs vher der sciirifft sind müde worden.
zwo predigt xu Smalkalden» (1537). Dj **.
fiekeln : den ritter weis er zu setzen, den
rocbe zu zihen vnd die bauren zu gekeln
(schlagen?), aber die frawe bt sein meister
ynn dem spiel (vom Schachspiel ist die rede),
de Weile br. ß, 149.
Cekeij s, gäken.
Iicfcirre^ n. da höret das gedöne vnd ge-
kirre auff. Uschr, 202**, vom schreien, grün-
zen der Schweine, s, kirren.
HekisMMim. calechismus : mit seinem ge-
kysmo. de Weite br. 6, 252.
fiekoriij n. hom, granum : manna ist fast
gewesen wie coriander, wiewol coriander
ist noch ein kleiner gekorn, gleich wie bcy
vns reiss oder hiersen. Eisl. 1, 373 ^ vgl.
mhd. gekornze getreide (Lexer 803).
fiekrätia (gekretze), n. was gekämpf: was
er (der Türke) ynn Hungern vnd deudschen
landen thut, das wird das letzte gekretze vnd
gereuffe sein , das er mit den vnsern vnd die
vnsem mit yhm haben werden, eine heer^
predigt. (1529). Gij".
Cid (geel, gelb), gelb^ flavus, mhd. gSl,
gen. gglwes {Ben. 1, 497**. Lexer 804),
ahd. g6lo {Graff 4, 181). die dem mhd.
entsprechende form gel ist die bei L. vor^
herrschende, gelb {mit b aus w) erscheint
nur vereinzelt in den früheren Schriften.
a) belege für gel (geel, gelb) : gele {erste
ausg. der fünf bücher Mosis : gelle) seiden.
2 Mos. 2b, 4; gele schnür. 28, 37; ein
gantz geele decke. 4 Mos. 4, 6 ; gele tücher.
£sth. 1, 6; gele vnd schwefeliche pantzer.
offenb. Joh. 9, 17; gele sporn, der 82.
psalm. (1530). Diiij^; die bansen vom adel
so daher Iretten mit jren gelen keten. serm.
auff Malih. 22. (1535). Dij^ wie man die
' bSttler vnd Juden an den gelen rincken ken-
net, das diese worl. (1527). riüj^; vmh
seiner schonen gelben bar willen, ob kriegs^
leute etc. { 1527). Ej" ; sie sind zu geel vmb
den Schnabel, die jungen papirklicker , vnd
gar zu vnuersucht. von den concilijs. ( 1 539).
Ciiij\
b) belege zu gelb : (die aufgehende sonne)
yhre starcke glentz also in yhr gesiebte stost,
das yhn grün vnd gelb für den angen schy-
mert. wider die bullen des endchrist.
(1520). Bij"; von gelber seyden. 2 Mos.
27, 16 tn der ersten ausg. der fünf bücher
Mosis v.J. 1523; vmb deines gelben bares
willen, post. (1528). 91'*.
Ivel (geel), n. das gelbe: denn ob er ver-
Zeiten zu geschwind wäre gewesen, acht ich,
er sollt nu das geel abgelaufen haben, de
Wette br. 2, 381 ; das geel am schnabel nicht
ahgestoszen. ebend. 4, 651.
Helackt (gelecht), n. das lachen : gott hat
mir eyn gelecht (bibel: lachen) zugericht.
var. zu 1 Mos. 21,6.
CleUcliter (gelecbler), n. 1) das lachen:
ein gelechter anrichten, wider Hans Worst.
(1540). Aiiij''.
2) gegenständ des lachens, scherz, spoit :
vnd ist leichtlidi zu rechen, das solch veria-
gen ewrem fleisch vnd blut kein seitenspiel
noch gelechter gewesen sey vnd noch kein
lust noch freude ist. Verantwortung etc.
(1533). Cij^; ich hab offt selbs mit gelacht,
wo ich gesehen, das man den liunden an dem
messer einen bissen brot geboten, vnd wenn
sie darnach geschnappt mit dem hefft auff die
schnaussen geschlagen hat, das die armen
hunde nicht allein den schaden, sondern auch
den schmertzen dazu haben musten, vnd ist
ein fein gelechter, ich dacht aber zu der zeit
nicht , das der teuffel mit vns menschen auch
also sein gelechter hette. von den concilijs.
(1539). Aij*; auff das der teuffel sein ge-
lechter an vns habe, das diese wort etc.
(1 527). c iij '^ ; sein wort vnd drewen, welchs
sie für lauter geiechter halten, predigt von
derzidtunfft Chrüti. (1532). Gij'; das sie
von diesem artikel gar nichts gleuben ... das
sie es für eitel gelechter halten, von Jhesu
Christo. (1533). Aiij ^ ; die jm hertzen nichts
dauon glewben vnd heimlich halten für ein
GELAHRT
60
GELD
lauter gelechter, das 15. cap. der ersten
ep, s. Pauli an die Cor. (1534). Kj'; aus
dem schütz oder Verteidigung des ablas ward
ein gelechter vnd spot. Jen. l, 146 ^
mhd. gelehter {Ben. 1, 923 ^ Lexer SOS),
zusammengeseUt mit mhd. das lahter , ahd.
hlahtar das lachen, vgl. Weigand tolb. 1,
407.
delahrtj s. gelehrt.
ClclaagcSj pervenire, mhd. gelangen (Ben.
1, 933^. Lexer 805), ahd. gilang6n {Graff
2, 224).
1) bis wohin langenj reichen, sich er-
strecken : vnd das dieselb grentze gelange am
dorffAdar. 4 Mos. 34, 4; wenn grosse
Wasserflut komen , werden sie nicht an die
selbigen gelangen, ps. 32, 6.
2) wohin kommen : im halliar sol er (der
acker) wider gelangen an denselben, von dem
er jn gekaufTt hat. 3 Mos. 27, 24; wird
aber euch eine sache zu hart sein, die lasset
an mich gelangen. 5 Mos. 1 , 17; stehet
stille bis wir an euch gelangen. 1 Sam. 14,
9 ; an welchem ort des königes wort vnd ge-
bot gelanget. Eslh. 4, 3 ; denn wir faren
nicht zu weit , als betten wir nicht gelanget
bis an euch , denn wir sind je bis auch zu
euch komen. 2 Cor. 10, 14; das meine
predigt nicht alleine an euch gelange, son>
dem ynn alle wellt zu allen beiden kome.
der proph. Sacharja . (1528). Kiiij *.
3) eigenlhümlich sieht gelangen im sinne
von gereichen, wozu dienen, nützen in fol-
gender stelle : vnd ob dyr gelünge, das du
mit solchem vnglauben gleich aller dinge
reych würdest, gelanget dyr doch solchs zu
grosser verderbung der seelen ewiglich, der
m.psalm. (1524). Biij^
CelMsen^ part, praet. von lassen —
überlassen: ein knabe jm selbs gelassen
schendet seine mutter. spr. Sal. 29, 15.
delassen^ adj. u. adv. ergeben, golterge-
ben: ein gelassen gebet, post. (1528).
27 7 ' ; nu dis buch {der prediger Salomonis)
sollt billich den titel haben, das es widder
' den freyen willen geschrieben were , denn es
alles dahyn zeucht, das aller menschen rad,
anschlege vnd furnemen vmb sonst vnd ver-
gebhch sind vnd ymer anders hynaus gehet
denn wyr wollen vnd dencken , auff das er
vns lerne gelassen stehen vnd gott lassen
alleyne alle ding vber, widder vnd on vnsern
wissen vnd rad thun. Bindseil 7, 334; bis
das der mensch w^erde gantz gelassen. Jen.
1, 79\
M^Mtüthth, f. ergebenheit, gottergeben-
heit, mhä. geU^enheit (Ben. 1, 951*. Lexer
806): diese weise vnd gelassenheit ist die
höchst gerechligkeit die wir haben mügen
vnd das rechte opfler das da heisst holocau-
stum. Jen. 1, 31**; gib vns rechten gehor-
sam, ein volkomene, ledige gelassenheit in
allen dingen. 1,253^ post. (1528). U^^
wird die gelassenheyt unter den fruchten
des heil, geistes aufgeführt.
fielanft (geleufll), n. geläuf, wallfahren,
mhd. gdeufte (Lexer 824): wo die wal-
fartten nit wollen angehen, hebt man die
heyligen an zurheben, nit dien heyligen zu
ehren , sondern geleufilt vnd ein geltbringen
aufiTtzurichten. an den christl. adel. { 1 520).
Jij " ; man (zerbreche) die bilder zur eychen,
ym grymmetal , zum birnbaum vnd wo solch
geleuffle mehr zu den bilden ist. widder die
hyml. Propheten. (1525). Cij\
Selb, s. gel.
Celd (gelt, gellt), n. pecunia, mhd. ahd.
g6lt(ß<?n. 1, 522 \ Lexer S2b. Graff A,
191), V. gelten, daher
1) zunächst s, v. a. Zahlung die geleistet
wird, abgäbe, zins : zölner hiesse man dazu
mal die leut hin vnd her jnn landen, so von
den Römern eine stad , zol odder sonst eine
pflege odder ampt bestunden vnd jnen ein
genant gelt dauon gaben, predigt vom ver-
lornen schaf, (1533). Aiij^.
2) Zahlungsmittel: er gebe mir sie vmb
geld, so viel sie werd ist. 1 Mos. 23, 9;
nim von mir das geld für den acker. v. 13;
Abraham wug jm das geld dar. v. 16; mit
geld bezalen. 2 Mos. 21, 34; trinckl yhr
ausz ledigen kandeln vnd tzelett gellt ausz
leren taschen? auff da« vbirchristl. buch.
(1521). Jiiij"; bahr gelt, wider den wucher.
(1540). Cj"; die pfalfen sollen vnmesslich
gellt dazu verheissen haben, widder den
meuchler. (1531). Bij". Sprichwort: gelt
macht schelcke, occasio facit furem. das 5.
6. vnd 7. cap. s. Matthei. (1532). pj'.
häufig in der Verbindung geld und gut ^=
GELDBRINGEN
61
GELDSUMME
vermögen : geprech an gellt vnd gutt. ausleg.
der ep. vnd euang, d. aduenU, (1522). Ej '^ ;
geld vnd gut machet mut. Sir, 40, 26 ; wenn
du gleich des Türeken gelt vnd gut hettest. der
82. psalm. (1530). Dj^; ist doch niemand,
der sein gellt vnd gut wolle so frey oflen
stehen , das es neme , wer am ersten dazu
kerne, von ehesachen. (1530). Bj"; alles
gelt vnd gut , das yhr mit bescheisserey ge-
raubt habt, ein brie/fan den erzbischof von
MeinU. (1530). Bif ; gelt vnd gut gewin-
nen, von den Juden. (1543). ej"; da
ward ich reich vnd vberkam gelt vnd gut.
lischr, 53 " ; der bapst mit seinem ablas, feg-
feur, heiligen dienst dLa weit vmb jr gut vnd
geld so schendlict) betrogen hat. die lügend
von 8. Joh. Chrysostomo. (1537). Dj^
fieldbriiigea, n. was geld einbringt, be^
leg s, unter geläuft.
fielddicb, in. wer geld sliehll : dieb ist ein
dieb, er sey gelt dieb odder brieffe dieb. von
heimlichen undgeslolen briefen. ( 1 529). Bj *.
ficMdnratj m. durst, begierde nach geld :
geytz vnd geltdürsl. serm. von dem n. lest.
(1520). Dij^
MdtrsMf m. so der rost vnd geldfras,
der da wucher heist, drein kompt. vier pre^
digten, (1546). Küj-.
Celdgehj m. geiz, gier nach geld: eher-
geilz vnd geltgeitz ist beydes geitz, einer so
wol vnrecht als der ander, ob kriegsleute
etc. (1527). Gj*.
Celdktni (gehkutz), m. die lieben heyligenn
zu geltkutzen auffsetzen, sie als lockvögel
zum geldgewinn benutzen, an den chrisil.
adel, (1520). Jij*. über kuii für kam vergl,
kauz.
deldkraMj m. geldhandel: das fegfewr
ist ein lauter ertichtet ding, trewdelmarckt
vnd geltkram. Jen. 3, 186 ^
CleldleilieBj n. darin der wucher fast alle
seine geschefft itzt treibet, sonderlich jm geld-
leyhen. wider den wucher. (1541). Aiij*.
Clddliebej f. liebe zum geld : gleych wie
geytz möcht geldlieb heissen . post. ( 1 5 2 8 ) .9 T.
ficidiarr, m. der die heyligen goltis worl
nit hoher acht vnd handlet, dan als het sie
einn stock odder geltnarr in der faslnacht für
ein mehrhn ertichlet. von dem bapstum zu
Rome. (1520). Aij*».
fieldnetSj n. miUel zum gelderwerb: die
grewlichen exempel, die etUch trawmpredi-
ger ertichtet haben von der vordampnis der
vngepeychten tzu schrecken die leut vnd yn
yhr gelt netz tzu iagen. von der beicht.
(1521). e j '^ ; vnd treyben vns mit dem sel-
ben w^ort ynn yhr gesetz, ia ynn yhr geltnetz.
auff das vbirchrisll. buch. (1521). Dij'';
vnd sie {die eheverbote) auch nur dazu er-
funden sind, das sie geltnetz vnd seelstrick
sein sollen. Jen. 2, 152*.
CcldMck, m. geldbeulel: er hat den geld-
saek mit sich genomen. spr. Sal. 7, 20. •
fieldstMMeln (geltsamlen) , ^n. so ist es
worden ein geltsamlen zu hier. Jen. \,
211*.
Celdsclilnnd ^ m. des bapsts geltschlund.
ausleg. der ep. vnd euang. von ostem,
( 1 544). K 6 ' ; die annaten vnd andere geld-
schlund. Jen, 6, 572*.
teidsclinldy f. schtUd an geld: zur
Schmach dieser .edler gewalt verbannet man
nur vmb geldschuld. Jen. 1, 244*; euch
bewegt, ob gellschuld so auff erben von
eitern gelassen w^rd, auch ein creutz sey von
golt aufgelegt. Eist. 2, 15^. — mhd. gelt-
schull (Ben, 2\ 186*. Lexer 828).
tcldstrick. m, was geldnetz : künden mit
dem maul geltslrick flechten, von dem bap^
slum zu Rome. (1520). Hj*; also sind seine
gesetze nicht allein seelstricke vnd bände der
aiinen gewissen, sondern auch geltstricke
vnd netze, wider das bapstum zu Rom.
(1545). Siiij*.
tieldstroM j m. es gros daran gelegen ist»
wo der gelltstrom hyn gefuret wird, von
kauffshandlung vnd wucher. (1524). Fiij^
Cleldsnchtj f, geldgier: der bapst {hat)
seine geltsucht gebüsset, da er so viel tausent
gülden für die pallia genomen. Jen. 1, 143*;
gcilz vnd gellsucht weniger zu settigen ist,
denn die helle. 1, 143 ^
Clcldsnchtif^, geldgierig: gellsuchtige, ty-
rannische gesetze. an den christl. adel.
(1520"). Hij^
fieldsiMMe^ f. der Wucherer sitzt zu
Leyptzig, Augspurg, Franckfort vnd der glei-
chen sledten vnd handelt mit geldsummen.
under den wucher zu predigen. (1540).
Liiij K
GELDVERTHUN
62
GELEHRT
HeMfertliiDj n. geldverschwendung : vn-
nütz geltverthttD. Jen. 1, 211*.
fielcbe«; mhd. geloben {Ben. 1, 955*.
Lexer 807)» ahd. gileb^n {Graff 2\ 43),
schon von Frisch cUs nicht mehr ge^
bräuchlich bezeichnet, hat L. noch in fol-
genden bedeutungen:
1) leben: dasz er alihie nicht ferne von
vns als unser meinung und gnade gelebte.
de Wette br. 3, 29.
2) leben von, genieszen: ich habe hie
kein bürgerrecht, nere vnd gelebe auch der
Wittemberger recht vnd guter nicht, vom
abendmal Christi. (1528). sij*.
3) nachleben, befolgen : nu wyr aber vn-
ter vnsern fursten, herrn vnd keysern sind
vnd eusserhch yhrer gesetzen geleben müssen.
Widder die hyml. Propheten. (1525). Gj*;
dieser lere Christi sind wryr schuldig zu ge-
leben, ermanunge zum fride. (1525). Fj';
das v^ere ein recht keiserlich vnd welthch
gebot, dem wir schuldig weren zu geleben.
einebericht. (1528). Eiiij^
Mttktf geleckter^ s. gelacht, gelächter.
UeltgtUf part. zu liegen (ligen) u. gehe-
gen (gehgen), mhd. gelogen {Ben. 1, 988^
Lexer 807).
1) Situs, seine läge habend: Tyro vnd
Sidon am meer gelegen. Luc. 6, 17.
2) opportunus, bequem, passend, von
ort und zeit : vnd solt gelegene ort welen.
5 Mos. 19, 3 ; trieben sie die Juden aus den
festen vnd gelegenen flecken. 2 Macc. 10,
1 5 ; an gelegen malstad. de Welle br. 2,
335 ; zu gelegener zeit. Dan. 1 1, 29 ; wenn
ich gelegene zeit hab, wil ich dich her lassen
ruffen. apost. gesch. 24, 25 ; vnd es kam
ein gelegener (1522: gelegner) tag. Marc.
6, 21.
3) placidus, gefälUg, zusagend : ists gele-
gen dem könige ... so schreibe man , das
u. s. w. Esther 8, 5 ; aber das (die einige
heit der fürsten) ist dem römischen bapst
nicht gelegen, wider das bapstum. (1545).
Hiij \
4) daran gelegen sein, von interesse sein :
der ganzen Christenheit dran gelegen ist, das
die grossen heubter hertzlich eines weren.
ebend.\ denn du lest dich heute mercken,
das dirs nicht {var. dir nichts) gelegen ist an
den heubtleuten vnd knechten. 2 Sam.
19, 6.
Cf legenlicit, f. bei L. in folgenden be-
deutungen :
1 ) art und weise wie etwas liegt, läge :
auffs letzte ist auch hie beschrieben das laml
Sodom vnd Gomorra, das zuuerstehen mus
man die gelegenheit wissen, vber das erste
buch Mose. (1527). kj*.
2) beschaffenheit : müssen wir nach gele-
genheit der Sachen zuweilen die gebot en-
dern, stücke in Esther. 6, 7 ; erwägung ge-
stalt vnd gelegenheit aller sachen. de Welle
br. 2, 335.
3) occasio, opportunitas: die gelegenheit
{die gelegene, passende zeit) ist hie. var. zu
ps. 102, 14; gedachte er, das er gelegenheit
bette, das er widervmb zu seinem alten stand
komen kündte. 2 Macc. 4, 32; vnd von
dem an suchet er gelegenheit, das er jn ver-
rhiete. Matth. 26, 16; frey soUs seyn nach
dem du andacht vnd gelegenheyt hast, von
anbeten des sacraments. (1522). Giiij'';
ein iglichs zu seiner zeyt vnd gelegenheyt.
post. (1528). 156'*; wie er {der teufet)
seine zeit vnd gelegenheit ersihet vier pre^
digten. (1546). Eüij'; wenn gelegenheit
fürfellet. Jen. 1, 4*.
mhd. gelegenheit (Ben. 1, 988''. LeXer
807 f.), doch noch nicht in der letzten be-
deulung.
€eielirt (gelert, geleret), eruditus, doctus,
part, praet. v. lehren (leren), einigemal be-
gegnet auch das md. {urspr. mittelniederd.)
pari, gelart, zumal wenn es als subst. ge-
braucht wird, z. b. bürger, gelarlen vnd wer
etwas ist oder sein kan. Bindseil 7, 388;
wie vn geschickt ding das sey, wissen die ge-
larten wol. vom abendmal Christi. (1528).
oiij*.
1 ) adj. : ey wie geleret ist der bock zu
Leyptzick. auf das vbirchrisll. buch, (1521).
Aiij ^ ; kein eselskopff ist so vngelert , wenn
er nur widder den Luther schreibt, so ist er
gelert. eine bericht. {\b2S). Aij*; thue
dem heiligen geist die ehre, das er gelerter
sey denn du. vber das erste buch Mose.
(1527). Cij*; ich bin gelerter denn alle
meine lerer, ps. 119, 99; ich meynet auch
ich were geleret vnd weys mich auch gelerter
GELEiCHEN
63
GELEITSMANN
denn aller hohen schulen Sophisten von goUis
gnaden. Bindseil 7,315. — es hat vns gott
der allmechtige vater zu dieser zeit viel treff-
licher gelerter leute gegeben, der propkel
Sacharja. (1528). Aij*; ein fein gelerter
pfarher. vom abendmal Christi. (1528).
Aüj*; eiu gelerter theologus, der weis die
schrillt recht auszulegen, ein widderruff
vom fegefeur. (1530). Dj^ auch von sa-
cken : der herr hat mir eine gelerte zunge ge-
geben. Jes. 50» 4 ; eyn auszbundige gelerte
epistel. vorr. auf die ep. an die Ebreer, in
den ersten ausgg. des n. lest,, später feine.
2 ) subst. : darumb seyn alle Christen man
pfaffen, alle weyber pffeffyn, es sey . . . fraw
oder magd, geleret oder leye. serm, von dem
n. lest. (1520). Giiij*; vnd denn gern wol-
len hundert gülden geben für einen halben
gelerten, da sie itzt nicht zehen gegeben
helten für zween gantz gelerten. das man
kinder u, s. io. (1530). Bj^; die gelerten
achteten mein nicht. Jer. 2, 8; vnser ge-
lerten verteidingen vns fein, wamunge an
s. L Deudsehen. (1531). Biiij^; es müge
ein jeder sein gewissen ratsfragen odder bey
hoher gelerten andern verstand suchen. Wid-
der den toucher, (1541). Aiiij*. Sprich-
wort : die gelerten die verkerten. ausleg. der
euang, von ostem* (1527). i 6*^.
CeleicIieBj s. gleichen.
tteleit (geleidt, gleit), n. landesherrlicher
schütz, Sicherheit für reisende, mhd, geleit,
geleite (Ben. \, 977'. Lexer 809), spät-
ahd. gileiti (Graff 2, 188): ich schemete
mich vom könige geleit vnd reuter zu for-
dern. Esra 8, 22 ; vnd sie erlangten geleit
vom könige, das sie sicher eraus möchten ge-
hen. 1 Mace, 6; 49 ; vnd die Römer gaben
jnen brieue vnd geleit, das sie sicher wider-
umb heim zögen. 12, 4; alle die Juden, so
zwisschen hie vnd dem dreissigsten tag des
aprilis reisen werden, sollen frey sicher ge-
leit haben. 2 Macc. 11, 30; ist etwo eyn
ketzer meyster . . . den lasz ich wissen, das er
hab sicher geleydt (ttmnäm^tcftnacA Witten-
berg zu kowunen). eyn sermon von dem ab-
Uuz. (1520). Cij''; wollte ich besehen, ob
ich ihm ein geleit erwerben mocht. de Weite
br. 2, 629 ; der marggraf vns nicht geden)|kt
sicher geleit zu seynen landen zu geben.
Burkhardt briefw. 67 ; Johanni Huss das
christlich gleit nicht gehalten. Jen, 1, 359;
das man darumb das gleit nicht bette dürfft
brechen, ebend. bildlich: zu letzt ist im
psalter die Sicherheit vnd ein wol verwaret
geleit, das man allen heiligen on fahr drinnen
nachfolgen kan. Bindseil 7, 320; wiltu
sein {des teufeis) eigen sein, so hastu geleid
von yhm, , das er dich mit der schrifft wol zu
friden lesst. das diese wort etc. (1527).
a iiij *.
Mciten, mhd, geleiten {Ben. 1, 976*.
Lexer 809), ähd. gileitan. ( (rra/f 2, 183).
1) leiten, fuhren: vnd {gott) geleitet Lot
aus den stedten, die er vmbkeret. 1 Mos.
19, 29 ; du hast geleitet durch deine barm-
hertzigkeit dein volck. 2 Mos. 15, 13 ; wer
wil mich füren in eine feste stad? wer ge-
leitet mich bis in Edom ? p«. 60, 1 1 .
2) begleiten: vnd Pharao befalh seinen
leuten vber jm {Abraham), das sie jn ge-
leiten. 1 Mos. 12, 20; vnd Abraham gieng
mit jnen, das er sie geleitel. 18, 16; wiltu
meinen son geleiten in die jstad Rages ? Tob,
5, 15 ; sein engel geleile euch, v, 23 ; vnd
sie wurden von der gemeine geleitet, apost.
gesch. 15, 3. zum schütz begleiten: denn
ob der keiser gleich jn {den bapst\ auff der
landstrassen zu beiden seilen mit hundert
tausentman liesse geleiten, so spreche er doch,
ia wer wil den selben vertrawen. wider das
bapstum. (1545). Ciij*.
(leleitsbrief 9 m. das geleit enthaltende
Urkunde : d. Eck selbs nicht verstehet was er
anzeiget in dem latinischen gleitsbrieff. Jen,
1, 359'.
MeiUleite (gleitzleute) , pl, personen,
denen das geleit obliegt : nu halte ich barm-
herlzigkeil mit jnen, gab jnen eine furbitte an
die gleitzleute , das sie vmbs Christus willen
sie sollen frey zihen lassen, von den Juden,
(1543). Miiij*. auch begleiter üherhaupt:
sie waren seine geleitsleule. deudseh psalter.
(1541). Rij^
fieleitsMMB (geleidsman, gleitzman), m.
begleiter, fuhrer, mhd, geleitman {Lexer
810): gott der herr ging für den kyndemn
Israel, den weg zu weyssen, des tags yn
eyner wolckenseule, des nachts yn eyner
fewrseulen, dz (dasz) er yn beyden tzeiten
GELENK
64
GELINDE
der geleytzman were. ausleg, deutsch des
^7. psalms. (1521). Aiij*; {der stem) ist
ylir {der weisen aus dem morgenlande) ge-
leidsman. ausleg, der ep. tnd euang. vom
christag, (1522). hlihiij''; du wirst einen
grossen gieitzman haben, vber das erste
buch Mose. (1527). Ff]'*.
fifkak (gelenck), n. arliculus, arlus: da
er sähe, das er jn nicht vbermoeht« rüret er
das gelenck seiner hüfft an , vnd das gelenck
seiner hüfft ward vber dem ringen mit jm
verrenckt. 1 Mos, 32, 25 ; meine gelencke
beben mir vber dem gesiebt. Dan, 10, 16;
ein glied am andern hanget durch alle ge-
lencke. Ephee, 4, 16; gelenck (var. geleng)
vnd fugen. CoL 2, 19; gelenck vnd marck.
var, zu Hehr, 4, 12, wo die bibel marck
vnd bein hat.
wiAd. gelenke ( ßen. 1,934^ LexerSlOf,),
doch nicht in dieser bedeutung^ welche nach
Weigandwtb, 1, 409 erst im 1 6,jh. auftritt,
Mtmky f^elenkf ; adj. biegsam, lenksam,
folgsam, nachgiebig, mhd, gelenke {Ben, 1,
934 ^ Lexer 811): die wcyszheyt aber von
oben her ist auffs erst keusch , darnach frid-
sam, gehnde, gelencke {bibel : lesst jr sagen).
var, zu Jac, 3, 17; cyn Christen aber sol
gelencke seyn ynn solchen sachen vnd gerne
weichen, ausleg, der ep. vnd euang. von
der heil, drey Könige tag etc. (1525). Jiiij* ;
{der goUesfürchtige) bleibt demütig vnd ge-
lenck ynn alle seinem wandel. post, (1528).
139*; gruszt mir eure liebe coste vnd sagt,
dasz sie werde ein gerade vnd gelenke riebe.
de Wette br. 3, 129 ; der stttcklin seyns ge-
lencken synnes sind viel mehr, widder d.
hymlischen Propheten, (1525). Eiiij". wie
das subst, gelenk v, mhd. lanke lende, s,
fVeigandwtb, 1, 409.
delifb => lieb: ich meyne nit, das ich
meyn gnedigsten herrn yhe erzcurnet habe,
ich hett es dann darynne than, das ich seyn
gnade zcu vill gelieb gehabt, originalbr. v.
j, 1517 im ges.^archiv zu Weimar, reg. N.
108. 41. de Wette br, 1, 77.
CieliebeB, 1) lieb sein: das ich nicht esse
von dem das jnen geliebt, ps, 141, 4; Ba-
iaam gehebete der lohn der vngerechtigkeit.
2 Pel, 2, 15 ; als wenns nu angehet, das du
etwa eine narung für dich bracht hast, das
dir solchs geliebt, das 5. 6. vnd 7. cap, s.
Matthei, (1532). pj*.
2) belieben f gefallen: wo was mehr zu
ordnen ist, kann der predigcr vor sich selbst,
oder wo ihm geliebt, durch vnsere mithülfe
wohl versorgen, de Wette br, 2, 621 ; mag
nu e. w. denselben Wittenibergere folgen,
odder so es geliebt, die strenge straff des
keyserlichen rechts furnemen. 6, 53.
mhd, gelieben (Ben, 1, 1016 ^ Lexer
816), ahd, gfkjiliuban {Graff 2, 59).
flcliebty geliebet, part, praet. v, gelieben
u. lieben. 1) adj,: vmb Abrahams deines
geliebten freu nds willen, gebet Asarie 35;
geliebte brüder. 2 Thess, 2, 13; die ge-
liebte stad. offenb, Joh. 20, 9.
2) subst.: der gehebete. Col, 4, 14 ; du
samen Abrahams meines gehebten. Jes, 41,
8 ; Israel seinem geliebten. Bar, 3, 37 ; hei-
ligen vnd geliebeten. Col. 3, 12.
ficliedi s, glied.
ÜeliedMasi, s. gliedmasz.
liellcferi (gelieuem), gerinnen : denn das
ist nicht allein dünne blut, sondern auch ge-
heuert vnd gekocht, von den concilijs,
(1539). Ej*; fleisch ist nichts anders denn
ein stück bluts gelieffert. tischr^ 4 1 9 "*. —
mit ndd, f (v) statt hochd, b, denn mhd, li-
beren {Ben, 1, 970*), im 11. jh, liberon,
giliberön {Graff % 80».
CJeliegen (geligen), bei L, nur im sinne
von niederkommen, ins kindbett kommen:
die hatte gott alle geplaget, das sie nicht
kundlen der frucht los werden, also das
frucht vnd zeit, da sie gehgen sollen, aber
nicht kundten, ynn fahr stunden, vber das
erste buch Mose, (1527». yiiij*; Pinehas
weih war schwanger vnd solt schier geliegen.
1 Sam. 4, 19; ich vnd dis weih woneten in
einem hause, vnd ich gelag bey jr im hause.
1 kön, 3, 17; vnter dem apfelbawm weckt
ich dich, da deine mutter dich geboren hatte,
da mit dir gelegen ist, die dich gezeuget hat.
hohelied 8,5. — mhd. gehgen {Ben, 1,
988". Lexer 817), ahd. galigan {Graff 2,
83), s, liegen.
fielinde^ mollis, lenis, mhd, seilen gehnde
{Ben, 1, 1 000 *"), Aätt/i^er ein/ac^e« linde
(sh'd),
1) vonpersonen, mild, leicht nachgiebig :
GELINDEN
65
GELIRNIG
ein bischoff sol sein gelinde. 1 Tim. 3, 3 ;
erinnere sie, das sie. . . gelinde seien. TiL 3,
2y WOZU L, am rand bemerkt: golinde das
sind die alle ding zum besten keren vnd deu-
ten oder annemen ; jr knechte seid vnlerthan
mit aller furchte den herren, nicht allein d(*n
gütigen vnd gelinden, sondern auch den wun-
derlichen. 1 PeL 2, 18; da ich das stücke
befand, ward ich gelinder gegen jrem thun.
reehensehaft. (1533). Ai]**; man find wol,
die sich gegen frembde aufis aller freundlichst
vnud gelindisl hallten , aber gegen die yhren
odder faeymischen, der sie gewonct sind, ist
eyttel starrig vnd knorrig weszen an yhn.
ausleg. der ep, vnd euang, des aduenls.
(1522). Zj*.
2) von Sachen: daher man auch das recht
teylet ynn streng vnd gelind recht, post.
(1528). 60**; wo ein d. Lutlier in dem con-
cilio gewest were, hette solcher gelinder
brieff nicht müssen an den bischoff zu Rom
geschrieben werden, von den eoncilijs,
(1539). Qij'; nu ist solche brunst ynn ett-
lichen herlter, ynn ettlichen gehnder. das
l.cap. Cor. (1523). Eüj**; jr wort sind
gelinder denn ole vnd sind doch blosse
Schwerter, ps. 55, 22 ; das der zorn geUn-
der vnd die straffe senffter wird, der proph.
Jonas. (1526). Giij^
licIMea =» gelingen, erfolg haben,
glücken: wer aber dawidder strebt, des
seele wird nichts gelioden. der proph. Ha"
bacuc. (1526). hij*, rar. 2u Hab. 2, 4.
dagegen steht hiij*: des seele wird nichts
gelingen, doch auch noch einmal gelinden.
Miadigkeit^ f. lenitas : gelindickeyt das
ist eyn tugent, das sich eyner lenckt vnd
schickt, gemesz vnd eben macht eynem an-
dern, vnnd ist eynem wie dem andern vnd
yderman gleych, der nicht sich selb tzum
leysten vnd tzur regel macht vnd will das
sich yderman nach yhm lencken, schicken vnd
messigen soll, ausleg. der ep, vnd euang.
des aduenls. (1522). Yij^; du woltest vns
kürzlich hören nach deiner gelindigkeit. ap.
gesch. 24, 4 ; (er hat) mit grosser gelindig-
keit vnd frenndligkeit die leute zu yhm bracht.
das 53. eap. Jes. (1539). A4''; mit
scbmach vnd quäl wollen wir yhn stocken,
das wir seine gelindigkeit erfaren vnd seine
DiRTi, Wörterbuch. II.
gedult erkennen, die Weisheit Salomo.
(1529). Rii^ var. zu cap. 2, 19. — vgl.
lindigkeit.
Misf^CB, procedere, succedere , ge*
wünschten erfolg haben, glücken, gerßthen,
mhd. gelingen (Ben. 1, 1001 ^ Lexer 819),
ahd. gilingan (Graff 2, 223). der conj. lau-
tet bei L. noch gelünge : vnd ob dyr gelünge,
das du u. s. w. der 127. psalm. (1524).
Biij'*. das perf. wird mit sein (Hiob 9, 4.
ap. gesch. 26, 22) und haben (1 Macc, 2,
47) construiert.
meist unpers. mit dat.: ich bin villeicht
meinem got vnd der weit noch eine torheit
schuldig, die ich mir itzt furgenommen, szo
myrs gelingenn mag, redlich tzalen. an den
Christi, adel. (1520). Aij"; es wird euch
nicht gelingen. 4 Mos. 14, 41; es müsse
dir gelingen in deinem schmuck, ps. 45, 5;
vnd wenn die weit voll teufel wer
vnd wolt vns gar verschhngen,
so fürchten wir vns nicht so seer,
es sol vns doch gelingen.
Jen. 8, 401 ^; es wird dem lande nichts ge-
lingen. Jes. 24, 19; wer gott fürchtet, dem
wirds gelingen mit freunden. Sir. 6, 17.
nicht selten auch ohne es, was neuere bibel-
ausgaben ergänzen : als denn wird dir (jetzt :
dirs) gelingen in allem das du thuest. Jos.
1 , 8 ; er lesst (in neueren bibeln zugefügt :
es) den auffrichtigen gelingen, spr. Sal. 2,
7; wer seine missethat leugnet, dem wird
(heute: wirds) nicht gelingen. 28, 13; denn
aller zeug, der wider dich zubereit wird, dem
sol (es) nicht gehngen. Jes. 54, 17; wer
deineü namen furcht, dem wird (es) gelingen.
Mich. 6, 9. mit folgendem dasz: vnd es hat
jnen gelungen, das sie das gesetz erhielten.
1 Macc. 2, 47 ; vnd wird jm gelingen, das
ers ausrichte. Dan. 8, 24. mit der praep.
zu : denn ich weis, das mir dasselbige gelin-
get {gereicht, dient) zur Seligkeit. Phil, 1,
19. ohne dat.: (^oll) lesst solch furnemen
nicht gelingen. 1 Sam. 2, 3 ; das er dein
thun gelingen vnd nicht feilen lasse. Sir,
37, 19.
lieliriigf gelehrig: sie haben (nach der
schefflin arl) seer leise öhrlin vnd sind fast
gelirnig jres hirten stimme zu erkennen.
ausleg. der ep. vnd euang. von ostem.
9
GELLEN
66
GELTEN
(1544). d5^ — mhd. gel^rnic {Lexer
811).
ttelieiiy iinnire, laut tönen, mhd. gellen
{Ben. 1, 519'. Laxer 821), ahd. ggUan
(Graff i, 178): {die naehligal) die gantze
uacht singet vnd gellet sich schir zu tod. das
5. 6. vnd 7. cap. s. Matthei. (1532). s iij";
ich thu ein ding in Israel, das, wer das hören
wird, dem werden seine beide obren gellen.
1 5aiii. 3, 11. 2 kön. 21, 12.
Cclobde, s, gelübde.
CleUbeB; spondeN, vovere, feierlich ver^
sprechen, mhd. geloben {Ben, 1, 1022*.
Lexer 822), ahd, gilobon {Gra/f 2, 63).
1) ohne und mit dal. der person, welcher
etwas versprochen wird: was gott zusagt
vnd gelobt, kan man vns nicht gnug einbil-
den vnd fürblcwen. vber das erste buch
Mose. (1527). xxj"; ausgenomen, was jr
gelobt vnd freiwillig gebt zu brandopflern.
4 Mos. 29, 39 ; wenn jemnnds gesindc ge-
lobd oder sich mit einem eide verbindet vber
seine seele. 30, 1 1 ; was du gelobest, das
halt, es ist besser du gelobest nichts, denn
das du nicht hellest was du gelobest, pred.
Sal. 5, 4; da gelobt Israel dem herrn ein
gclübd. 4 Mos. 21,2; mein gelübd, da^ ich
dem herrn gelobt habe. 2 Sam, 15, 7.
2) das, was geloht wird, steht im acc. :
der sein opffer dem herrn gelobt. 4 Mos.
6, 21. oder es folgt ein in f. mit zu: also
gelobet das gantze volck dem Simon gehor-
sam zu sein. 1 Macc. 14, 46; vnd gelobten
jm [Judas Ischarioth) geld zu geben. Luc.
22, 5. oder ein abhängiger salz mit dasz:
ich hab dir gott gelobt, das ich dir dancken
wil. ps. 56, 13; alszo wenig kanslu auch
geloben, das du dich nicht samcn odder meh-
ren wolltist. vom ehelichen leben. (1522).
Aiij'; also gelolien wir jnn der tauffe, das
wir den herrn Christum wollen ehren, der
ßb.psalm. (1534). Biij^
3) geloben -= bürge werden, bürgschaft
leisten : ob du gleich einen bürgen für mich
wollest, wer wil für mich geloben? Hiob
17, 3. hierher gehört auch die redensart:
an die band geloben, heute : in die band g. :
es ist ein narr der an die band gelobt vnd
bürge wird für seinen neheslen. spr. Sal.
17, 18.
4) refl. sich geloben, weihen: vnd gelob-
ten sich dem schendlichen abgott. Hos. 9,
1 ; furchtet er sich für pestilenlz, so gelobt
er sich zu sanct Sebastian odder Rochio.
deudsch calech. (1529). ßij*.
CleUbciiy n. der in f. des vorigen verb.
substantivisch: wenn ilu das gelobeu vnter-
wegen lessest. 5 Mos. 23, 22.
Helolir, n. geheul: vnd mus yhr gelöhr
vnd geschrey lassen für vber gehen, von
priesterehe. (1528). Aiij^ v^^ lören.
fielöt (geloel), n. eine ladung blei, ein
schusz, mhd. gelöste {Lexer 823), coli, zu
16t : also bette itzt vnser herr gott auch wol
kund, den von Brunswig lassen treffen etwa
mit einem geloet oder spies. an den kurfür-
slen zu Sachsen. (1545). Bj\
ÜcUmii^ verkaufen: e. k. f. g. wollten
ihm die gnade erzeigen vnd jhm frist vud
räum lassen, sein haus auffs beste zu gelosen.
de Weite br. 4, 552.
CIcUcj f. gefäsz für flüssigkeilen : in wel-
cher (der bundeslade) war die güldene gelte
(1522: gellte), die das hymelbrot hatte.
Hebr. 9, 4 ; zwo gelten mit wasser. tischr.
218''; gelten oder stuntzen. 218 ^ auch
in Luthers hausrechnung {de Wette br. 6,
331) werden die gelten neben den fessern
aufgeführt.
mhd. gelte, gekürzt aus älterem gellete,
gellite {Ben. 1, 498*. Lexer 826), ahd.
gellila, gellida (Graff 4, 184) aus mlat.
gaUda.
MttR, mhd. gelten {Ben. 1, 519 ^
Lexer 827), ahd. g6ltan {Gra/f 4, 185).
von der heuligen spräche abweichende con-
jugalions formen sind der pl. praet, gölten
{mhd. gulten): auch gölten die opffer im
alten testament nichts . . . wenn sie der mei-
nung geschahen, das man gotte damit dienen
wolt^ als gebe man jhm etwas, der 117.
psalm. (1530). Giij^; mein gute werck die
gölten nicht. Wackernagel kirchenl.
129. der conj. gülte: wenn es nach gedun-
cken jnn solchen sachen gülte zu reden.
zwo predigt. (1535). Aüj'; wenn schon
das nit gulte, das . . . von dem bapstum zu
Rome. (1520). Fj'^; so merckt auch Jona
selbst, es gülde yhni alleyne. der prophet
Jona (1526). Hüj*". das pari, gölten für
GELTEN
67
GELTEN
gegolten begegnet nur anfangs: der texl
sagt, es habe szo viel gollten, was Ahithophel
für gab, alls wer goU selbs gefragt helte.
von welOieher vberkeyL (1523). Fij^
beäeuiungen nnd gebrauch.
1 ) gelten «» entgelten : wer mit geniessen
will, der uiusz auch mit gellen, serm, von
dem hochwirdigen saerament. ( 1 5 1 9 ). a lij' ;
weil wir jnn solchem wirlshaiis zeren , so
müssen wir jm auch gelten, das 15. cap.
der 1. ep. ^. PauU an die Cor. (1534).
Miij*.
2) gelten , einen gewissen preis haben,
kosten, einen werth haben : ein grossch hat
zu der zeit fast 30 lawen pfennig vnser meis-
nisschen müntze gegolten, gl. zu Joh. 12,
5; ein sekel gilt zwenzig gera. 2 Mos. 30,
1 3 ; tregt er {der acker) ein homor gersten,
so sol er funfizig sekel silbers gelten. 3
Mos. 27, 16; so dirs gefeit, wil ich dir sil-
l)er dafür (/tir den weinberg) gehen, so viel
er gilt. 1 kön. 21, 2 ; sie aber lielagerten
die stad bis das ein eselsk«)pff acht silberlinge
vod ein vierteil kab daubenmist fünff silber-
linge galt. 2 kön. 6, 25 ; ein knccht galt
dazumal ein gülden odder achte, ein magd
ein gülden odder sechsse. vber das erste
buch Mose. (1527). yiij^
3) guUigkeit, kraft haben: vnd ekelt mich
jr nicht also, das mit jnen aus sein soll, vnd
mein bund mit jnen solt nicht mehr gelten.
3 Mos. 26, 44 ; vnd ji* gelübde vnd ver>
bündnis kompt für jren vater vnd er schweigt
da zu, so gilt alle jr gelübd vnd alle jre ver-
bindnis. 4 Mos. 30, 5; was sie sagen, das
nius gelten auff erden, ps. 73, 9 ; bis das zu
letzt das bapstum draus ist worden, darynn
nichts gillt, denn menschen gebot, das diese
wort etc. (1527). aij*"; er (d^ teufelj lies
zuletzt geschehen, das alleine die schrilft
gölte, ebend. a ij *.
4) ansehen haben : ein prophet gilt nir-
gend weniger denn in seinem Vaterland vnd
in seinem hause.. Matth. 13, 57; die falschen
apostd zogen an, das die zwelll' apostcl mit
Christo selbs gewandelt hatten, darumb sie
mehr denn Paulus gülten. gl. zu Gal. 2, 6.
5) gelten, bedeuten : wenn wir sagen *inan
vnd wed) ist ein leib\ gilt eben so viel als
*ein man vnd ein weih ist ein leib.' vom
abendmal Christi. (1534). oj'.
6) gellen, betreffen, angehen: es wird
auch Juda gelten, wenn Jerusalem belegert
wird. Sach. 12, 2; dis gebot gilt euch.
Mal. 2, 1 ; solclis antwort mus jch vnd die
meinen vns jtzl auch lassen gelten vnd gesagt
sein, wamunge an s. l. Deudschen. (1531).
Aij ^ ; das der träum deinen feinden vnd seine
deutung deinen widerwertigen gülte. Dan.
4, 16.
7 ) unpers. : es gilt.
a) mit gen. : es gilt wid<ler {weder) gepie-
tens nach (tiocA) verbietens. widder die
hyml. Propheten. (1525). Jiij''; mit der
lere gills nichl schertzcns. vber das erste
buch Mose. (1527). a iiij '^ ; da gilLs Schwei-
gens, vom abendmal Christi. (\h2^). riij^;
es gilt nicht Itey den Christen disputirens,
forschcns, kiügelns vnd meisterns aus vnser
vernunfft. der Wi). psalm. (1539)t Ciiij";
wo es gilt spielcns vmb ein schock nüsse.
wider den bischof zu Magdeburg. (1539).
Ciiij'; es gillt hie der streichen, das diese
wort u. s. w. (1527). eiij*.
b) mit in f. : es gillt* hie nit.losze faule vn-
gegrundte auszrede lichten, atisleg. der ep.
vnd euang. vom christag. (1522). <iq<l *"]'*?
es gilt hie nicht so vnter dem hütlin spielen.
ein brieff an die zu Frank fort a. M.
(1533). Bj'; hie gilts nicht den hrey im
maul weltzen vnd mum mum sagen, ebend.;
hie gilts im linslern vnd bUntzling gehen.
vom abendmal Christi. (1534). zj^
c) mit folgendem dasz : es gillt nichl, das
man die süude die s. Paulus dem essen gibt,
aus eygeuer turst will dem gedechtnis zu
eygen. das ander teyl widder die hyml.
Propheten. (1525). Hiij*; es gilt nicht, das
man also etliche wort ans der schrifll zwacke.
serm. von der heubtsumma. (1526). d 8^;
es gilt aber nicht, das man yhm furschlage.
vber das erste buch Mose. (1527). U ij*.
d) was gilts? nachdrücklich bejahende
redensart, gewis, sicher, wahrlich: doch
mein spot sol dich widderumb auch kützeln,
was gillLs. das diese wort. (1527). eiij^;
was gills, wir wollen jnen angewinnen? 1
kön. 20, 23 ; was gilts, er wird dich ins an-
gesiebt segenen ? Uiob 1,11; was gilts, es
9*
GELÜBDE
68
GEMACH
sol gehen, wie ich dencke. Jes. 14, 24;
was gilts, es wird dich angst ankommen?
Jer, 13, 21.
llelftMe (gelöbde), n. gelöbnis, feierliches
versprechen, mhd, gelübde, gelübede {Ben.
1, 1022^ Lexer 828): eyn Izusagen ader
(oder) gelubdt. serm. von dem neuen lest,
(1520). Aiiij''; vnd Jacob thet ein gelübd.
1 Mos, 28, 20 ; wenn jemand dem herrn ein
besonder gelübde thut. 3 Mos, 27, 2; so
lange die zeit solchs seines gelübds weret. 4
Mos. 6, 5 ; ich wil mein gelübd ausrichten.
2 Sam. 15, 7 ; ich wil meine gelübde beza-
len. ps. 22, 26; wir wollen vnser gelübde
halten . . . wolan, jr habt ewer gelübd erfül-
let vnd ewer gelübde gehalten. Jer, 44, 25 ;
ab er gleich tausent heimliche gelöbde er-
longt hette. von ehesachen. (1530). Bj**.
ISeläbflopf er 9 n. gelohtes opfer, im ge-
gensalz zur freiwilligen gäbe, 4 Mos,
15, 8..
Mick, n. s, glück.
fielist , m. oder gelüste , n. ? lusl, , böse
begierde, mhd, gelust mf. und gelüste n.
{Ben. 1, 1055 '^ Lexer 830. 831). L,
bietet nur den pl. gelüste (gelüste) : darumb
hat sie auch gott dahin gegeben in jrer her-
tzen gelüste. Rom. 1, 24; vnd sind an ein-
ander erhitzet ynn yhren gelüsten, v. 27
nach den ersten ausgg, des n, lest., später
lüsten.
(leliisteR, lusl, verlangen haben (nach
etwas), mhd. gelüsten {Ben. 1, 1056^
Lexer 831), ahd. güusUn {Graff 2, 292).
a) vnd spotten vns darnach wie sie gelü-
stet, serm, von dem sacrament des leibes
u. s. w. (1526). Aiij"; jnn des wil ich
leben, wie mich gelüstet, das 14. vnd 15.
cap, Joh. (1538). Lij''; darumb mag ich
thun, was mich gelüstet, ausleg, der ep. vnd
euang. von ostern etc. (1544). Aaiiij'; las
dich nicht gelüsten. Rom, 1,1; das fleisch
gelüstet wider den geist vnd den geist wider
das fleisch. Gal. 5» 17.
b) mit acc,: las dich jre schöne nicht ge-
lüsten in deinem hertzen. spr. Sal. 6, 25 ;
las dich nicht gelüsten deines nehesten weih.
5 Mos. 5, 21. häufiger
c) mit gen.: las dich nicht gelüsten deines
nehesten weibs, noch seines knechts, noch
seiner magd tt. «. w. 2 Mos. 20, 17; des
gelüstet mich. Jos, 7, 21; mich hat deines
diensts nicht gelust. Jes. 43, 23; das wir
nicht vns gelüsten lassen des bösen. 1 Cor.
10, 6.
d) mit inf.: weü deine seele fleisch zu
essen gelüstet. 5 Mos. 12, 20 ; gelüslets jn
aber nicht dich zunemen. Ruth, 3, 13; wen
soll noch gelüsten zu leben ? 1 Macc, 2,
1 3 ; wenns jn gelüste widderzukommen, das
5. 6. vnd 1, cap. s. Malthei. (1532). )üj'.
e) eigenthümlich steht gelüsten auch mit
dat. der person: wer sich absondert, der
suchet, was jm gelüstet, spr. 18,1.
ISelwerk, n. gelbwerk: er macht auch
einen furhang von gelwerck. 2 chron. 3,
14, dasselbe was 2 Mos. 26, 31 gele seide
heiszt, aber eigentlich fäden von blauem
purpur bedeutet, vgl. Zeller bibl. wtb. 1,
453.
üem «=» gegen dem : da sie nu zogen gern
morgen. 1 Mos. 11,2.
HevAclii adv. langsam ^ allmählich, ge-
mächlich, mhd. gemach {Lexer 832): wenn
dirs gefiel, so wollen wir vorhin ziehen vnd
dein weib so gemach lassen hernach ziehen.
Tob, 11, 4; ander thun gemach mit erbeyl.
der 127. psalm, (1524). Bi}'; zu weilen
thet die flamme gemach, das sie ja nicht ver-
brennete die thier. weish, Sal, 16, 18; die
creatur ist helTtig zur plage vber die vnge-
rechten vnd thut gemach zur wolthat vber
die, so dir trawen. v. 24.
(ienachi n. in doppelter bedeutung:
1) ruhe, bequemlichkeit : sondern ist ge-
sagt von dem zeytlichen gutteu gemach vnd
rüge auff diszem leben, die eyn keuscher
mensch halt vber eyn ehlich mensch, das 7.
cap. Corinth. (1523). Biij**; jderman fulet
allein sein vngemach vnd gaffet auff des an-
dern gut gemach, das man kinder zur
schulen halten solle. (1530). Gij'^; wenn
gottes gaben als reichtumb, gewalt, ehre,
gemach furhanden ist. der 111. psalm.
(1530). Ciiij''; da wird nichts aus, das je-
mand sein datum auff der weit gonst, gut
vnd gemach setze, das 14. und 15. cap. s.
Johannes. (1538). Nj *; im sause vnd gu-
tem gemach leben, ebend. Eiüj'; das sie
GEMACHSAM
69
GEMAHNEN
rüge, friede vod gut gemach haben inügen.
Bindseill, 381.
2) ort fvo man der ruhe pßegi, zimmer,
Wohnung: der breutgam gehe aus seiner
kanier vnd die braut aus jrem gemach. Joel
2, 16; vlid ein liecht schein in dem gemach.
ap. gesch. 12, 7. pL gemache (gemach):
vnd Dauid gab seinem son Salomo ein furbild
der halle vnd seins hauses vnd der gemach
vnd saal vnd kamern. 1 chron, 29, 11; die
gemach so beider seits neben dem thor waren.
Ezech, 40, 7 ; vnd es waren enge fensterhn
an den gemachen, v, 16. — das heimHche
gemach =» der abtrilt : die füsse decken heisst
auff das heimlich gemach gehen, gl. zu 1
Sam. 24, 4; vnd ist der Idulkrieg vbers arm
papyr gangen, wuchs dadurch aulTs heymlich
gemach gemehret worden ist. auf das vbir-
Christi, buch. (1521). Bj^; dazu mügen wir
sein wapeu, da er die Schlüssel füret vnd
seine krön draufT mit gutem gewissen aufis
heimlich gemach füren vnd zur vnternotdurfll
brauchen, wider das bapslum. (1545).
Jiiij^; Rom ist des teuffels heimlich gemach.
der 110. psalm, (1539). eiij**; die heilige
kirche hat müssen sein {des bapsls) heimlich
gemach sein, von den concilijs. (1539).
b inj^
mhd. gemach {Ben. 2, 13". 14'. Lexer
832), ahd. gimah {Graff2, 635), aber noch
mchi im sinne von wohnung. die abslam-
mung s. bei Weigand wlb. 1, 411.
lieaaeiisan^ gemächUch: gemachsam vnd
langsam, der 110. psalm. (1539). Jij^.
mM. gemachsam {Ben. 2, 15 \ Lexer 833).
(ienicht (gemecht), n. zev^ngsglied :
nasen, oren vnd gemecht abgeschnitten.
einer a%LS den hohen arlikeln. (1537).
Diiij*; es faulet jm {Herodes) sein gemecht.
hausposL {WiUemb. ibib). fesUeil 2\\
Weiterbildung aus dem gleichbed. mhd.
gemäht f. {Ben. 2, 9'. Lexer 834), ahd.
gimaht (^a/f 2, 615). das fem. hat noch
SleinhövelEsop 110*.
QeMicIite (gemechte), n. das gemachte,
gebilde, bes. kunsi- oder handwerksarbeit :
er kennet was für ein gemecht {var. ge-
mechle) wir sind. ps. 103, 14; vnd ein ge-
mechte spreche von seinem töpffer, er kennet
mich nicht. Jes. 29, 1 6 ; ein fein gemechte.
weish. 14, 20.
ISenahl (gemalh, anfangs auch noch ge-
roahcl. serm. von dem ehelichen leben.
1519. Aj**), gewöhnlich n. conjux, eig. der
{die) in öffentlicher Versammlung der freien
genossenschaft zusammengesprochene, mhd.
der u. die gemahele {Ben. 2, 20 \ Lexer
833), aus ahd, gimahalo u. gimahala {Graff
2, 652). vereinzelt erscheint bei L. auch
das masc. {z. b. das 7. cap. Cor. 1523.
Fiij''), ebenso das fem. {z. b, stücke in
Esther 6, 9. Burkhardt briefw. 292).
man mus Christum der seelen gemahl höher
hallten, denn den leyplichen gemalh. das 7.
cap. s. Pauli zu den Cor. (1523). Fiij'*;
eyn Christen {christlich) gemalh darfT sich
nicht scheyden, soddern kan wol bleyben
bey seynem vnchristen gemalli . . . wenn der
vuchristen gemalh seynen Christen gemalh
nicht weret christlich zu leben, ebend. Fiiij' ;
das christliche gemalh. ebend. Gj"; vnser
vnschüldige j^euialh, die königin Esther, st.
in Esther 6, 9 ; Esther , welche der könig
zum gemahl genomen. 9, 3 ; Joseph, du son
Dauid, fürchte dich nicht, Mariani dein ge-
malh zu dir zu uemen. Matth. 1, 20.
fienahlscliatiy m. brautgabe, bes. verlo*
bungsring : vergisset doch ein iungfraw jres
krantzes nicht, noch ein braut jres gemahl-
schatzs. Jer. 2, 32 var.; sol auch nichts
heHfen, ob yn der heimlichen Verlöbnis ge-
mahlschetze {ausg.v. 1540 : gemahelschetze),
handgclübde, eide odder pflicht gefallen
weren. von ehesachen. (1530). Dj*. —
mhd. gemahelschaz {Ben. 2 ^, 90 ^. Lexer
834).
lienahiieR (gemanen), erinnern, bei L.
nur unpers. es gemahnet mich, es scheint
mir, kommt mir vor: es gemanet mich eben
als wen ein reicher milder fürst seine rey-
chenn schetze aufflhet , vnd freyheit gebe den
armen durflligen zuhoUen, was sie durfften.
von dem bapstum. (1520). Fiij'; das ge-
manet mich eben als wenn der reiche man
jm euangelio von dem armen Lasaro sagte:
Lasarus u. s. w. wider den wucher. (1540).
Kiij ^ ; wenn das wort gottes zu den vettern
kommet, so gemanet m chs gleich als wenn
einer milch senget durch einen kohlsack.
GEMÄLDE
70
GEMEIN
lüfihr. 365 ^ mtl gen.: es geuianet mich
solcher leutt eben wie der iungeii megdlin,
die mit locken spielen, ausleg, der ep. vnd
euang, des aduenis, (1522). Eiiij*; es ge-
manet mich solchs seyns reyssens vnd mar-
terns ynn gottes Worten, gerad als yhener
tt. s. U7. das ander leyl widder d, hyml.
prophelen, (1525). Ciij*; es gemahnet mich
doch des geists eben, als wenn ein toller
mensch ein armbrusl helle, vom abendmal
Ckrisli, (1528). fij'^; vnd gemanet mich
jrcr glüsen eben wie eines bösen halstarrigen
weibes. von den Juden. (1543). Kj*^; es
gemanet mich der well wie eines bawf elligen
hauses. Uschr. 53 ^
mhd. gemanen (Ben. 2, 54*. Lexer 835),
ahd. gimanön (Chraff 2, 768).
DeMtlile (gemeide), n. pictura, bild, mhd.
gemaelde (Ben. 2, 25*. Lexer 835), ahd.
gimälidi (Graff 2, 718): vnd sihe, wie s.
Paulus hie ein köstlicher maier wird , malet
vnd schnitzet die aufl'ersteliung jnn alles was
da wechst auff erden, fasseis alles jnn das
worl, was du seest, nemlich allerley körn vnd
geweclis, das nimpt er alles zum exempel
odder gemeld, darinn er diesen artikel wil
einbilden vnd allenthalben für äugen stellen.
das 15. cap. der ersten ep. s. Pauli an die
Corinlher. (1534). ciij"; wenn du auff
dem feld einen bawrn odder ackerman siebest
daher gehen vnd jnn seinen sack greiffen vnd
vnib sich werffen vnd strewen, da hastu ein
schon bild vnd gemeld wie gott die lodten
aufferwecken wird, ebend. c iiij *.
Utmwägk%rmfn. gemengtes gelraide: die
ochsen vnd füllen, so den acker bawen, {wer*
den) gemangkorn (bibel: gemenget fulter)
essen, der proph. Jesaia. (1528). Hij^,
var. zu Jes. 30, 24. schon 1457 thürin^
giseh (vgl, Grimm weisth. 3, 623).
lieMUM (gemes), conveniensy angemessen,
mhd. gemae^e (Ben. 2, 208 ^ Lexer 836),
<ihd. gim^^i (Graff 2, 902) : wie gar ein fein
gemein regel vnd leben gibt er, allen slenden
gemes vnd eben. post. (1528). 75"; vnd
achtesLs deiner maiestet nicht gemes jemand
zu venlamnen, der die straffe nicht verdienet
hat. weish. 12, 15; wie es dem heiligen
göttlichen gesetz gemes war. 2 Afacc. 6,
23 ; dem glauben an Christo gemes. auf das
vermeint keiserlieh ediet. (1531). Fij*^; der
reinen lehre gantz gemess. ausleg. der ep.
vnd euang. von oslem etc. (1544). 6'.
IScnccht, s. gemacht.
^tmtAVtf s. gemachte.
lieMeiR^ gemeine, mhd. gemeine (Ben. 2,
97' — 100'. Lexer 839. 840), ahd. gi-
meini (Graff 2, 782), goth, gamains, laut-
verschoben zu dem gUichbed. lat, communis
stimmend.
1) allen ohne unterschied gemeinsam,
für alle bestimmt ^ allen gehörig, überall
verbreitet, allgemein: gemeyn ding heist, des
viel ynn gemeyn gemessen, als gemeyne born,
gemeyne gassen, gemeyner acker, wiesen,
holtz, fewr etc. vom abendmal Christi.
(1528). Eij* ; die bawrn ym gemeinen wein-
hause, ebend. Biiij ' ; vnd habe auch, da ich
geborn war^ ödem geholet aus der gemeinen
lufllL. weish. 7> 3; vnd worffen sie in das
gemeine gefengnis. ap. gesch. 5, 18; eine
gemeine sie wer. Rom. 15, 26; vnser aller
gemein {gemeinsames) bekentnis. Verant-
wortung. (1533). Giij"; ein gemein, frey,
christlich concüium. wider das bapstum.
(1545). Aiij^; das'eyn iglicher sich prüffen
mus, ob er die gemeyne odder die sonderliche
gäbe an yhm Gnde. das 7. cap. Cor. (1523).
Giij^; doch ist neben der gemeinen schuld
auch ein sonderliche. deudsch catech.
(1529. verm. ausg.). P5'; reichet dar in
der brüderlichen liebe gemeine liebe. 2 Petr.
1,7, wozu L. in der ausleg. dieser stelle
bemerkt : die gemeine liebe gehet beide vber
freunde vnd feinde. Jen. 2, 396*; ich habe
keine gewisse, sonderliche, eigene sprach im
leutschen, sondern brauche der gemeinen
teutschen sprach, dasz mich beyde Ober- vnd
Niderländer verstehen mügen. Uschr. 412*;
ein gemeiner land brauch, ausleg. der ep.
vnd euang. von ostem. (1544). V 5*; er-
tichlen , das gotles worl auffrnr mache vnd
sey gemeinem frie4le schedlich. das schöne
confUenäni. (1530). Fiiij''; solchs ist eine
gemeine rede worden bey den Juden bis auff
den heuligen tag. Matth. 28, 15; es gehet
ein gemein geschrey, das u. s. w. 1 Cor. 5,
1 ; ehe wir den text anfahen, mus ich vor den
weg bawen vnd einen gemeinen {allgemei-
nen) eingang machen, der nicht alleine die-
GEMEIN
71
GEMEIN
sen, sondern fast alle propheten desle bas
zuuerstehen, nötig vnd nützlich ist. der pro*
phei Habaeuc, i 1 526). b j ** ; daraus morckt
man wol» das ym gemeinen volck alle weisa-
giing von Christo mit dem geroeinen namen
hallen gesiebt gehcissen. ebend. bj**. ein
gemein weih , das sich jedem hingibt , eine
hure: ein gemein weyb viel ehr mag gen
hymel kommen denn dieser eines, posl,
(1528). iib^; ein gemein weib verdienet
auch yhren lohn mit sunden vnd vnzucht.
von ehesaehen. (1530). Ciiij*. gemeines
frawenhaus, bardel: ist das nit ein yemerlich
diug, das wir Christen vnter vns sollen halten
feyne, gemeyne frawenheuszer. an den
chrisU. adel. (1520). M iiij *"; sind vit erger,
denn die gemeynen frawenhewszcr. wider
den falsch genanten geistlichen stand.
(1523). Gj ' ; warumb sehen die gemeynen
frawen wirtt nit gern, das junge knabeu eh-
lich werden ? ebend. G ij •*. — gemein sein :
keiner sagetc von seinen güterir, das sie
sein weren, sondern es war jnen alles ge-
mein, ap. gesch. 4, 32; vnuerstand der
vnter den gewaltigen gemein ist. pred. Sal.
10, 5 ; lügen ist gemein bey vngezogen leu-
(en. Sir. 20, 26; er acht 4lie keuscheyt
nicht so gemeyne (allgemein verbreitet), wie
wyr bisher tlian haben, das 7. cap. Cor.
(1523). Biiij'*; wie solche weise yn der
schrifft zu reden fast gemein ist, das man
könige vnd fürsten nennet felsen. der 82.
psalm. (1530). Fiiij'; itzl nichts so gemein
ist, als das recht vnrecht vnd aus vnrecht
recht machen, das 5. 6. vnd 7. cap. s.
Matth. (1532 . a iiij'; solch leyhen ist itzt
gemeine durch alle stende. wider den wu-
eher. (1541). Aiiij"; wie denn solch reimen
in allen sprachen gemein ist. von den Juden.
(1543). Küi]**; sie sind theuer solche hirten
vu*l nicht so gemein als die zweyfüssige puffel
vnd bapsteset zu Rom. wider das bapstum.
(1545). Tiiij'; dis sind verdriesliche leule,
doch seer gemein jnn der weit. Wittemb.
ausg. 1, 222'.
2) der gemeinde angehörig: was gemeine
personen sind auff sold vnd lohn gedingt, als
ein sladartzt, staddicner, söldcner vnd wie sie
mögen genennet werden , mügen nicht flie-
hen, ob man für dem sterben ßiehen müge.
(1527). Aiiij-.
3 ) zur groszen menge gehörig, den nie-
drigen ständeny einer niederen stufe ange-
hörend: von dem ablasz ist gnug eynem ge-
meynen man zu wyssen, das ablas sey entlc-
digung der gnugthuung für die sunde. doct.
M. L. Unterricht. (1519). Aij"; so redet
der gemeyne man ynn dcudschen landen.
das ander teyl widder d. himml. propheten.
(1525). Diiij**; deudsche bucher sind fur-
nehmlich dem gemeinen man gemacht, das
man kinder etc. (1530). Aiij''; beide ge-
mein man vnd herm. ps. 49, 3; die grelier
der gemeinen leulc. 2 kön. 23, 6; wens
aber eine seele vom gemeinen volrk versihet.
3 Mos. 4, 27 ; ergernisz vnnd hyndernisz des
gemeynenn volcks. an den christl. adel,
(1520). Gij^; darumb ist es eine grosse
gnade, das er lesset den gemeynen pöfel
wenig haben, vber das erste buch Mose.
(1527). kj**; der gemeine pöfel leufllt vmb
gewonheit willen zum sacrament. vnterricht
der visitatam. (1538). Gij*; redet doch
dauon wie der gemeine pöbel. Hiob 21,
29 ; vnd lies seinen leichnam vnter dem ge-
meinen pöfel begraben. Jer. 26, 23 ; aber
latinisch müssen die gemeinen pfarrher vnd
prediger können, das man kinder etc.
(1530). Diij^
4) profan, nicht heilig, unrein nach dem
gesetz : gemein brot. 1 Sam. 21, 4 im ge-
gensatz zum heil, schaubrot ; mit gemeinen,
'das ist mit vngewasschen henden das brot
essen. Marc. 7, 2; ich weis vnd bins gewis
in dem herm Jbcsu, das nichts gemein ist an
jm selbs, on der es rechnet für gemein, dem
selbigen ists gemein. Rom. 14, 14. daher
gemein machen ^» entweihen, entheiligen,
verunreinigen : es ist nichts ausser dem men-
schen, das jn künde gemein machen, so es in
jn gehet , sondern das von jm ausgehet , das
ists, das den menschen gemein macht. Marc.
7, 15; auch dazu hat er (Paulus) die Gne-
chen in den tempel gefüret vnd diese heilige
Stele gemein gemacht, ap. gesch. 21, 28.
5) sich gemein machen, sich jederman
hingeben, anvertrauen: also das du dich
einem jglichen, wer für vber gieng, gemein
machtest. Ezech. 16, 15; das weysz ich ybe
GEMEIN
72
GEMEINIGLICH
wol, wie ich teglicli nil allein von meinen
bey wonern» szondern auch ausz vielen n lan-
den schryflUich vor warnet werd, icli sol mich
nit so gemeyn yderman machen, auff des
bocks zu L, anlworL (1521). a iiij*.
6) einem gemein sein, sich zu ihm herab'
lassen: verlas dich nicht drauff, das er (ein
gewalliger) dir seer gemein ist. denn er ver-
sucht dich damit, vnd mit seinen freundlichen
geberden holet er dich aus. Sir. 13, 14.
<3€MeiB> adv. gemeinsam, gemeinschafl"
lieh, zusammen, mhd. gemeine {Ben. 2,
100 •. Lexer 841), ahd. ginieino {Graff 2,
7S4): nu frewt euch lieben Christen gemein,
vnd last vns frölich springen. Jen, 8, 403*.
üeneiRe (gemein), f. gemeinde, mhd. ge-
meine (Ben. 2, 101 \ Lexer 841).
1) Versammlung, versammetle menge
überhaupt: ein mensch der vom wege der
klugheit jrret, der wird bleiben in der todten
gemeine, spr. SaL 21, 16; die gemeine der
schule, ap, geseh. 13, 43; wolt jr aber
etwas anders handeln, so mag man es alis-
richten in einer ordentlichen gemeine. 19,
39 ; vnd da er solches gesaget, hes er die ge-
meine gehen, v. 40 ; die gemeine oder das
volck so zu hauff auff den marckt gelauffen
war. vermanung zum sacramenl, (1537).
dj«.
2) die bürgerliche gemeinde: gleich als
der burger vntreglich ist, der von der ge-
meyn wollt beholffen, beschützt vnd befreyet
seyn, vnd er doch widderunib der gemeyn
nichts thun. serm. von dem hochw. sacramenl'
(1519). bj''; das ist yhe ein klarer spruch
(Joh, 18, 36), damit die Christenheit wir t
auszgezogen von allen weltlichen gemeynen.
von dem bapslum zu Rom. (1520). Biiij*.
3) das alUeslamenlliche gottesvolck,
Israel: sagt der gaotzen gemeine Israel. 2
Mos, 12,3; des seele sol ausgerottet werden
von der gemeine Israel, v. 19; die summa
der gantzen gemeine der kinder Israel. 4
Mos, 1, 2, u. öfter,
4) das Volk der Christen, die Christenheit,
die christliche kirche (ecdesia ein kirch i.
die gemeyne. Älberus dict, p iij ^) : auff
diesen felsen wil ich bawen meine gemeine.
Matth, 16, 18; der herr aber that hin zu
teglich, die da selig wurden zu der gemeine.
ap, geseh, 3, 47; die Christenheit odder
christlich gemeyn. von dem bapstum zu
Rome. (1520). Biij'^; so bleibt der heilige
geist bey der heiligen gemeine odder Christen-
heit, deudsch caleeh, (1529). Oiiij*. auch
von der einzelgemeinde: es erhub sich aber
zu der zeit eine Verfolgung vber die gemeine
zu Jerusalem. . ap, geseh. 8, 1 ; vnd dem
enget der gemeine zu Epheso schreibe, offenb,
Joh. 2, 1 ; vnd dem engel der gemeinen zu
Smyrnen schreibe, v, S u. s, f,
5) hier mögen auch die belege für das
adv. in gemein (mhd, in der gemeine. Lexer
84 1 unter gemeine /. am ende), heule insge-
mein eine stelle finden: wolthat, so sich allen
in gemein vnd in Sonderheit gegen einem
jglichen erzeigt habe. 2 Mace. 9, 26; da
Christus zu allen in gemein (insgesamt) sagt.
von dem bapslum zu Rome, (1520). Eüi]**;
disze wort tzu allen ynn gemeyn geredt wer-
den, eyn widderspruch, (1521). Aiiij'';
das sie alle ynn gemeyn vnd ynn eyn den
eynigen feyb Christi nemen. das ander leyl
undder die hyml, propheten. (1525). Giiij'';
denn es (das wort *satan) ynn gemein (im
allgemeinen, in der regel) alle widder wer-
tige heisset. der proph. Sacharja. (1528).
Miij " ; es sollen sich auch die prediger aller
schmechwort enthalten vnd die laster straffen
jnn gemein. vntervichl der visilalom.
(1538). Kiij".
lieMeiRigiich (gcmeynicklich. auf das
vbirchristlich buch. 1521. Cj '), adv. jp/6-
rumque, meistens, gewöhnlich, mhd, gemei-
necltche (Ben, 2, 102''. Lexer 841): das
geschach gemeiniglich alle jar. 2 Sam. 14,
26; gemeiniglich *arbe' vnd 'hagab' für hew-
schrecken gehalten werden, gl, zu 3 Mos.
11, 22; was wir seele nennen, das heisset
die scbrifft gemeyniglich den geist. vber das
erste buch Mose, (1527). a ij"; diegelübde
die ytzt zuzoteu gehen , haben gemeyniglich
drey feyl. ebend, Ppiij"; vnd sind nicht
viel grosser herrn vnd fursten schetze je mal
wol angelegt, sondern gemeiniglich durch
kriege verheeret, das 5. 6. vnd 7. cap, s.
Matihei. (1532). miiij"; (die geistlichen
der Stadt Constantinopel) gemeiniglich stoltz,
ehrsüchtig vnd köppisch waren, von den
concilijs. (1539). Rij''; wie die creutze
OEMEINLICH
73
GEMSE
an den caseln gemeiDigiich sind, wider das
bapstum. (t545*. Zj''.
lienf iiiicli, adv. dasselbe, mhd. gemein-
liehe (Ben. 2. 102". Lexer 842), ahd. gi-
meinlthho {Graff 2, 784): wie sich denn ge*
raeinlich der chebrueh verursacht vom seilen.
das 5. 6. vnd 7. cap, s. Mallh, (1 532). Vj' .
CifBeiRR&tiigi Omnibus utilis, gegensait
von eigennützig: das also die eigennützige
lieb seins selbs durcii dis sacramcnt ausge-
rottet, einlasse die gemeinnützige liebe aller
menschen. Jen. \, 210''.
<leMeiMck«ft, f, communio, mhd. ge-
meinschafl (Ben. 2. 103". Lexer 843),
ahd. kameinscaf {Graff 2, 784).
1) allgemein, iheilnahme, Verbindung,
Umgang: gemeinschafll odder teilhabiing.
vom abendmal Christi. (1528). Eiiij';ge'-
meinschafft haben verstehet man gemeiniglich
mit yemand zu schaffen haben, ebend. Eüj*^ ;
ich habe nicht gemeinschafft mit den falschen.
ps. 26, 4 ; vnd hast gemeinschafll mit den
ehebrechern. 50, 18; die Juden haben
keine gemeinschafll mit den Samaritern. Joh.
4, 9 ; vnd keine christliche gemeinschafft mit
jnen haben, wider den wueher. (1540i.
Eiüj". gemeinschaffl am euangelio. Phil. {,
5 ; durch welchen jr beruffen seid zur ge-
meinschaffl seines sons Jhesu Christi (glosse ;
das ist jr seid miterben vnd mitgenossen aller
guter Christi). 1 Cor. 1,9.
2) der gesegnete kelch, welchen wirsege-
nen, ist der nicht die gemeinschaffl des bluls
Christi? das brot das wir brechen, ist das
nicht die gemeinschaffl des leibes Christi ? 1
Cor. 10, 16. Ober bedeutung und gebrauch
des Wortes gemeinschaft in dieser stelle 5e-
merkl L.: gemeinschafllL heisst hie das ge-
meyne gut, des viel theilhafl^ig sind vnd ge-
messen, als das vnter sie alle ynn gemeyn ge-
geben wird ... so ist nu gewis , das kenonia
(xoivMvla) die gemeinschafn des leibs Christi
ist nichts anders, denn der leib Christi als ein
gemeyn gut vnter viel ausgeleilet vnd gege-
ben zu geniessen. vom abendmal Christi.
(1528). Eij*; es ist nicht so gar eigentlich
deudsch als ich gerne wolle haben ... es sol
ia hie so viel heissen, als ich droben verkleret
habe, als wenn viel eines gemeinen dings
brauchen, geniessen odder teilhafftig sind,
Dim, Wörterbach. II.
solchs mus ich gemeinschaffl dolmetzschen,
ich hab kein besser wort dazu finden mügen.
ebend. Eiij ''.
3j die Verdeutschung von communio san-
ctorum im symb. apost. durch gemeinschaft
der heiligen tadelt L, als iibel und Unverstand"
lieh und sagt : das wort communio solt nicht
gemeinschafft, sondern gemeine heissen, vnd
ist nicht anders denn die glose odder ausle-
giing, da ymand hat wollen deuten was die
christliche kyrche heisse. daftir haben die vn-
seru, so widdcr latinisch noch deudsch gekund
haben, gemachet gemeinschaffl der heiligen,
so doch kein deudsche spräche so redet noch
verstehet, aber recht deudsch zureden solt es
heissen, ein gemeine der heiligen, das ist ein
gemeyne, daryn eitel heiligen sind, odder
noch klerlicher, ein heilige gemeine, deudsch
catech. (1529). Oiij''.
(Hiemtn^tf n. vermengung, Vermischung,
mhd. gemenge {Ben. 2, 137'\ Lexer 845):
da mustu mir nicht ein gemenge machen vnd
die zwey vnter einander brewen. das 5. 6.
vnd 7. cap. s. Matth. (1532). ppiij'';
wenn ein wort, so mehr denn einerley deu-
timg hat vnd nicht vnterscheiden wird, so
folget ein gemenge vnd Verwirrung daraus.
Jen. 1, 52''; gewerre vnd gemenge (ver^
wirrung) der gewissen, ausleg. der ep. vnd
euang. des aduents. (1522). Kiij".
lienrnkel^ n. heimlicher handel (?), v.
menkeln , handeln, hleine geschäße machen
(Ben. 2, 60'): vnd ditz seyn gemenckel ym
finster vnd schew des lichtesz macht, das
wenn der liapst eytell engel were, kund ich
yhm dennoch nicht glaubenn. warumb des
bapsts vnd seiner jünger bucher verbrannt.
(1520). Biij*'. — vgl. menkeln.
Ilenerk, n. merkzeichsn, merkmal, mhd.
gemerke (Ben. 2, 66''. Lexer S4b): vnd
sol kein antler eusserlich zeichen oder ge-
merck sein, dabey man es kennen möge, der
110. p«a;m. (1539). Kiiij^
6en<*R5 s. geniäsz.
fienMSCR^ s. messen.
^mne^ f. rupicapra, felsenziege : weis-
sestu die zeit, wenn die gemsen auff den
felsen geboren? Hioh 39, 1 ; auff den felsen
der gemsen. 1 Sam. 24, 3; die hohen berge
sind der gemsen Zuflucht, ps. 104, 18.
10
GEMSENSTEIGER
74
GEMÜTH
mhd, und späl-ahd. garas; {Ben. i, 401''.
Lexer 733. Gra/f 4, 208), nach Wei-
gand wtb, 1, 413 fremdher.
OeMseMteigery m. gemsenjäger: ducli
das sie zuseliCQ vud sich selb nit vorlagen
noch vorsteygen {versteigen), wie den gem-
sensteyger geschichl. auff das vMrehrislL
buch, (1521). Eij''; die rottcngeister sind
oilel junge leutc , die in den lüfllen fladdern,
gemsens teiger. lischr, 6''.
IScnscr (gempser), m. dti spoUname
Luthers (?) : hui Peter von Naschusen zeyge
dem armen gcmpser eyn kleines wortiin»
dringe, zwinge, uötlige yhn , das ers mus so
bekennen, denn gemser höret wol, das du es
sagest, das ander legi undder d. hgmL pro'
phelen. (1525). Cij*'; were ich bey dyr ge-
wesen, nieyn Pelcr, ich wollt dyr eyn andern
gemser haben furgestellt, der cym solchen
rültzen sollt den pflüg wol gckeylet haben.
ebend, Ciij " ; der gemser soll versuchen, ob
er dyr künd die oren auffkneuffelu. ebend. Ej*.
deniket; bemühet, belästigt, geplagt,
pari, von mühen : vnser herr golt musz ein
gemüheter man seyn , dasz er die well mit
leuten versorget, lischr. 93''.
CenmMcl (gemümmel, gemümel), n.
murmur, gemurmel: ym hause ein gemümel
{Burkhardt liest: gewümel) gewest ist, als
sollen hertzog Albrecht von Mekelburgk
sanipt seiner gemalh "zu meiner gnedigsten
frawen gen Liechtenbcrg komen. Burkhardt
briefw. 292 ; vnd es war eyn gros gemüm-
mel von yhm vnlcr dem volck. vär, zu Joh.
7, 12. andere varr. haben gemümmel, ge-
mümel, die bibel hat gemurmel. vgl, mummeln.
(}«niirai, n. dasselbe: das geschwurm
vnd gemurm vnszer lorichlcn gepett. ausz-
leg. der ep. vnd euang. von der heil, drey-
königefest. (1525). Qqj''.
deMmel (gemurmel), n. murmur: so
hüelet euch nu für dem vnnützen gemurmel
{vulg. murmuralio). var, zu weish. Sal. 1,
1 1 ; vnd es war ein gros gemurmel von jm
vnlcr dem volck. Joh. 7,12; was hiifllt yhn
viel gedöne, gemurmel, gesang von vigilien vnd
messen. po«(. (1528). 85". t?^^ gemümmel.
lieniiiTe^ n. das murren, gemurmel, mhd.
gemürre {Lexer 847), von dem plappergebet
der geistlichen: Christus sagen wird, das der
kinder singen vnd taotzen auff den gassen
yhm lieber scy, denn alle yhr geheule vnd
gemurre ynn ylircn kirchcn. der prophet
Sacharja. (1528). Yiij"; wir verwerffen
mit nichte das gebete, sondern das lauter vn-
nützc geheule vnd gemurrc verwerffen wir,
wie auch Christus selbs lang gewessche ver-
wirfft vnd verbeut, deudsch catech. (1529).
Qij'' ; das ist aber war, weun es (das gebet)
ein lautier eusserlich geberde, geraurre odder
geplerrc ist . . . das heisset freilich nicht ge-
betet, das 17. cap. Joh. (1530). Bj"; das
vnuutze geplepper vnd gemurre der rosen-
krentz vnd ander abgöttischen gebetlin. das
5. 6. vnd 7. cap. s. Matth. (1532). bbj';
der plerret hie ym kor, der ym andern vnd
schwürmen die kirchen vol gemurres. post.
11528). Rriij".
Viewmtj lt. von garten- und feldfrüchien
zubereitete speise ^ mhd. gemüese (Lexer
847), coli, zu muos mus, brei: Ueber, las
meine Schwester Thamar komen , das sie für
mir ein gemüse oder zwey mache. 2 Sam.
13, 6; setz zu ein gros töpffen vnd koch ein
gemüse. 2 kön. 4t 38.
lienatk (gemül, gemut), n. animus, sen-
sus, eigentlich gemüthe (gemüte, gemüele
[gemuete], wie L, hin vnd wieder noch hat,
z. b. 2 Cor. 8, 11 ; 1 Mos. 23, 8 var. bei
Bindseil), denn mhd. gemüele , gemuote
{Ben. 2, 257''. 258 "K Lexer 847), ahd.
gimuati {Graff2, 684); coli, zu muot muih.
1) die gesammtheit der gedanken und
emp/indungen, sinn, inneres, herz: ym ge-
mül yhrs hertzen , das ist ynn yhrem synn.
ep. Petri gepredigt. (1523). Eüj"; sihewie
sein {Abels) hertz gestanden sey . . . dargegen
sihe uu auch, wie Kains gemüt gestanden ist.
vber das erste buch Mose. (1527). Fi]" *' ;
das wesen vnd natur des gebets sey nichts
anders dann ein auffhebung des gemüts oder
hertzen tzu golt. ausleg. deutsch des v. u.
(1518). Aiiij '* ; was bey jm in seinem g^nttt
war. 1 chron. 29, 1 2 ; du soll lieben golt
deinen hcrrn von ganlzem hertzen, von gan-
tzer Seelen, von ganlzem gemüte. MaUh. 22,
37 ; ich sehe aber ein ander gesetz in meinen
gliedern, das da widderstreilet dem gesetz in
meinem gemüte. Rom. 7, 23; ernewerteuch
aber un geist ewers gemüts. Ephes. 4, 22.
GEN
75
GENEIGT
mit adjeeliven: da sprach ich mit kleghchen
wortten vnd I>etrublen geinut. au/f des bocks
antwort. (1521;. aij*; widder die men-
schen sol man kecke , frey vnd trotzig sein,
als die doch vnrechl haben, vnd also mit
trotzigem getrostem geinul sie schlahen. oh
kriegsleute. (1527). Eij''; aus rohem wil-
den gemClthe. ebend, Giij"; zornig gern ttt. 2
Sam, 17, S; niedriges gemUt. spr. Sal. 16,
19; ein bestendig gemüt. Str. 26, 23; ein
geneiget gemüte. 2 Cor. 8, 1 1 ; aus geneig-
tem gemüt 1 Pelr, 5, 2 var. ; ich hallte
meyns vermügens was ich geredt habe mit
voller hoffnung, yhr werdet ewreni adehchem
gemüt nach widderhaUten, was jr geredt habt.
doM 7. eap. Cor. (1523). Aij"; mit fürstU-
chem vnd bischofflichem, das ist mit gar gü-
tigem vnd gelindem gemüt annehmen. Jen.
1, 2'.
2) von der ganzen person : hie beger ich,
das zuhören vmlten alleyn frume, redliche
gemüete. posL (1528). 240*.
tten {mhd. g^n), praep. «» gegen, woraus
es mitleUt aussiosxung und zusammenne-
hung entsprungen ist, üblich schon bei L,
nur noch von der bewegung und richtung
nach einem orte, wofür die bibel zahlreiche
belege bietet : vnd sie kamen gen llaran. 1
Mos. 11, 31; vnd (Lot) setzt seine hüttcn
gen Sodom. 13, 12; vnd die menner gien-
gen gen Sodom. 18, 22; vnd zoch gen Mc-
sopotamian. 24, 10; an dem wego gen
Ephrath. 35, 19 u. s, f. nach einer well"
gegend: der wind gehet gen mittag, pred.
Siri^ 1, 6; von morgen bis gen abend.
Ezeeh. 48, 1. gen himmel: sihe gen him-
mel. 1 Mos. 15, 5; nemet ewre feuste vol
russ aus dem ofen vnd Mose sprenge jn gegen
himel . . . vnd Mose sprenget jn gen himel. 2
Mos. 9,8. 10; recke deine band auff gen
liimel. V. 22 ; da die lohe aufluhr vom altar
gen himel. rieht. 13, 20. einmal auch gen
helle {höUe) : bosz lere ist das grössist übel
auff erden, das die seeley mit hauflen gen
helle furett. auff des boehs antwort. (1521).
bij".
Qtfud, s. gnade.
OeMiligy 8. gnädig.
dcnatiHy eine natürliche beschaffenheit
habend, von natur beschaffen sein : sie {die
Sterngucker) sagen, wer vnter einem solchen
zeychen goborn wird, der müsse also gena-
turt werden, vber das erste buch Mose.
(1527). Fj«». Dentzler \2S' : genatürt.
(}€■•■ (genaw, gnaw), genaue (gnawe.
Verantwortung etc. 1533. Gij'), adv. eX"
acte, accurate , mhd. genouwe {Ben. 2,
4 1 8 ^ Lexer 861 ) : wenn du dein land ein-
rrntest, soltu es nicht alles gnaw auflsamlcn.
3 Mos. 19, 9 ; abo auch soltu deinen Wein-
berg nicht genaw lesen, v. 10; das wirs ia
gewis treffen vnd gnaw abwegeten. das
diese worle etc. (1527). eiij''; wie genaw
vnd nerlich redet der engel. der proph. Sa-
charja. fl52S). Gij '' ; wie gar scharjtff vnd
genaw hat der man gottes werck angesehen,
der 147. psalm. (1532). Diiij'';— wie doch
der text aufs scherffest vnd genawest nach
jrer m^inung verdeudscht gibt, wider die
sabbather. (1538). Giij"; nicht alle ding
auffs guawest suchen. Jen. 1 , 283 ; — der
man forschet so genaw nach vus vnd vnser
freundschalTl. I Mos. 43, 7 ; doch nnis die
rechnung nicht so gnaw alle minuten treffen.
bind seil 7, 473; wir auch der marter
entladen sind, so genaw alle sunde zu zelen.
deudseh catech. (1529. verm. ausg.) Piij"*;
— reche nicht zu genaw alle misselhal. Sir.
10, 6 ; nu sihe mir auch nicht allzu genaw
zu. das diese wort etc. (1527). ej^
fienekn (geneui), was gern genommen
wird, angenehm^ wohlgefällig, mhd. genaeme
{Ken. 2, 370'*. Lexer 852): biszher haben
wir gelemet wie der glaub wirckt... vnd
wie genehm er für gutt sey. euang. von den
zehen aussetzigen. (1520). Fij^; ich hah
dich ynn der genemen zeyt erhöret, var. zu
2 Cor. 6, 2, wo die bibel angenem hat.
HeReigty geneiget, propensus, proclivis,
part. zu neigen: so viel an mir ist, bin ich
geneigel auch euch zu Rom das euangeUuni
zu predigen. Rom. 1, 15; were auch gar
willig vnd geneigt gewcst, . . . selbst person-
lich euch zu ersuchen, br. an die zu Frank'
fort. (1533). Eij''; die alten heyligen veter
sind zu mal geneygt gewesen die propheten,
apostelu vnd grosse heyligen zu endschüldi-
gen. der proph. Jonas. (1526). Cij'*; das
man jn igott) gnedig vnd geneigpt mache zu
hören. Jen. 1, 70''; — gleichwie da ist
10*
GENESEN
76
GENIESZ
ein geneiget gemüte zu wollen , so sey auch
da ein geneiget gemüte zu tliun. 2 Cor. S,
11.
UtneBem, mhd. genesen (Ben, 2, 379 ** /f.
Lexer 856j, ahd. ginäsan (Graff % 109S),
qoth. ganisau.
1 ) dte qrundbedeuiung isl : gerettet wer-
den, welche allgemeinere bedeulung das
toort in folgenden stellen hat: ich habe gotl
von aogesicht gesehen vnd meine seele ist
genesen (wörtlich: mein leben ist errettet
' worden). 1 Mos, 32, 30 ; las leuchten dein
andlitz, so genesen wir. ps. 80, 4. S. 20 ;
wer from einher gehet, wird genesen (Ger-
lach: wird gerettet werden), spr. 28, 18;
darnach aber als er (Jona) ist genesen (aus
dem bauch des walfisches errettet) vnd Wid-
der lebendig worden, hat er solch gebet ynn
schrifft verfasset, der proph, Jona, (J526).
Gij " ; wer also den teulTel kan abweisen . . .
der ist genesen, hausposi, (Wittemb, 1845).
sommerteil, 5 *,
2) von krankheit errettet werden, gesun-
den: gehet hin vnd fragt Baal Sebub, den
gott zu Ekron , ob ich von dieser kranckheit
genesen werde? 2 kön, 1, 2; sprich, ob ich
von dieser kranckheit müge genesen ? 8, 8 ;
so gott nicht fürchten vnd sündlich leben, die
werden mit kranckheit geplaget vnd genesen
doch etliche, das sie nicht sterben, gl. zu ps.
107, 17. Sprichwort: da der kranck genas,
er nie erger was. Eisl, 1, 324 ''.
3) eines kindes genesen, entbunden wer-
den: sie ist genesen eines knabens, ehe denn
jr kindsnot kompL Jes, 66, 7 ; die grossen
perge sollten auch einmal eynis kinds gene-
szen. auff das vbirchristl, buch. (1521j.
Bj ^. atuih ohne den gen, : ein weih wenn
es gebirt, so leidet es angst, wenn sie aber
genesen ist, so gedenckt sie der angst nimer.
Jen, 1, 180 ^ var, zu Joh, 16, 21.
Cleneseil^ n. errettung, gesundung: des
volcks verterben vnnd geneszen am meyslen
ligt an den hewbternn. wider den falsch
genanten geistl, stand, (1522). Aüj''; mir
lieber were dein genesen denn verderben.
Jen. 1, 406*.
(leiietter^ m, ein {türkisches?) ross: (die
Juden) warten noch heutigs tages auif einen
andern weltUchen könig, der einreite auff
einem hübschen genetler. hauspost. (Jhena
1559). 139*. — mhd. gönlt (Ben. 1, 498'.
Lexer 860), von ital. ginnetto, giannetto
leichtes pferd,
UtneiM, s, gnätze.
(Hitngt, s, gänge.
Ütm^elu, s. gängeln.
fif«gig, s, gängig.
Itelgle^ geugbn, s, gänglein.
lieiick, n, cervix: brich jni das genick.
2 Mos, 13, 13; die bösen geister die leute
erseuffen vnd das genick brechen, das 6.
cap, Ephes. (1533). Giiij^; da kam er (der
teufet) so bald vnd brach jm {einem fiuci^er)
das genick. das 15. cap, der ersten ep. s.
Pauli an die Cor, (1534). aij**; den kopff
abkneipen hinder dem genick. 3 Mos, 5, 8.
mhd. genic, genicke {Ben, 2, 283 ^, Lexer
S58j , zu ntgen, nicken, also urspr. das
neigeglied ( We ig and wtb. 1 , 415).
fieiiedera (geniddern), erniedrigen, mhd,
giMiideren (Ben, 2, 337 ^ Lexer 858):
gotthch natur mag widder genyddert noch
erhöhet werden, ausleg, der ep, vnd euang.
vom christag. (1522). Nij ^
fieniesi (genies), m. mhd. genie:; (Ben. 2,
394*. Lexer 858), zu genieszen. l) er-
trag: da man einschneyt vnd einfuret aller-
ley fruchte vnd genies des lands. die ep. des
proph, Jes, (1526). Biij*.
2) nutzen, vortheil, gewinn: das arm
asscheuprodlin hat nichts denn eyttel
mangel vnd vngemach, sucht kein ge-
niesz, lessit yhm benugen. das magnifieat.
(1520). ciij'; schendlichs geniesz süchtig.
wider den falsch genanten geislL stand,
(1522). Aülj*^; diese heihgen nichts thun
denn yhren wanst vnd genies suchen, vber
das erste buch Mose, (1527). Yyij"; eine
magd hatte einen warsagergeist vnd trug jren
herrn viel genies zu mit warsagen, ap. gesch,
16, 16 ; vmb genies willen, br. Judae, 1 1 ;
man heuchelt vmb genies willen, vier trostl,
psalmen, (1526)^ Ciüj"; vmb jres genies
vnd uutzes willen, deudsche psaller, (1541)'
Riiij^
3) gemeinschaft: was hat die gerechtig-
keit für genies mit der vngerechtigkeit? was
hat das liecht für gemeinschafft mit dem fin-
sternis? 2 Cor. 6, 14.
GENIESZEN
77
GENUG
ÜeRicsieB (geniessen), frui^ mhd. genies^en
(Ben, 2, 391 '*. Lexer S59), ahd, giniu^an,
ginio:;an (Graff % 1120), goth. ganiiilau,
zusammeng. aus der partikel ga- und dem
einfachen niutan, welches mit genieszen
gleichbedeutend ist, urspr, aber *fanggn\
ergreifen, nehmen bedeutet, L. conjugieri
noch icti geniesse, dif geueusst, er geiieussl
(geneust), verbunden ist genieszeii in der
reget mit dem gen., selten mit dem acc.
(z. b» wer dis gebrochen brod geneusl. vom
abendmal Christi. 1528. Eij).
1) theil woran haben, gebrauchen, be~
nutzen : gott wonet doch mitten vnter eitel
suDdern vnd heiliget sie, das ist, seiner heilig-
keit geniessen sie \nd heissen Iioilig vnib sei-
neu willen, gl. zu 3 Mos. IG, 16; genieyn
ding heist des viel ynn genieyn geniessen, als
genieyne born, gemeyne gassen, gemey^er
acker, wiesen, holtz, fewr etc. vom abend"
mal Christi. (1528). Eij\
2) nutzen, vortheil woran haben, gegen-
iatz zu entgelten (s. d.). a) absoL: wer mit
geniessen will, der musz auch mit gelten
(entgelten), serm. von dem hochwirdigen
sacrament. (1519). a iij ". b) mit gen. der
person: vngenielige, der niemant genieszen
kan vnd sie yderroans getiieszen wollen. auS'
leg. der ep. vnd euang. votn christag.
( 1 522). mmm j '' ; so mus nu dis gantze land
des Josephs geniessen. vber das erste buch
Mose. (1527). nnj''. c) mit gen. der
Sache: er wird erbeiten vnd des nicht ge-
niessen. Hiob 20, 18; sie geniessen doch
jrer erbeit wol. pred. Sal. 4, 9 ; der ist
reich, der da erbeilel vnd samlet geld vnd
höret auff vnd geueusst sein auch. Sir. 3 1 ,
3 ; die des altars pflegen, geniessen des altars.
1 Cor. 9, 1 3 ; es sol aber der ackerman, der
den acker bawel, der fruchte am ersten ge-
niessen. 2 Tim. 2, 6.
^) als speise oder trank zu sich nehmen,
essen u. trinken: denn so ichs mit dancksa-
gung geniesse , was solle ich denn verlestert
werden vber dem da für ich dancke ? 1 Cor.
10, 30 ; wer dis gebrochen brod geneust, der
geneust des leibs Christi, vom abendmal
ChHsti. (1528). Eij *; hilfft auch nicht, das
sie getfiem, wir geniessen des leibs vnd bluts
Christi in der wiuckehnessen geistlich, von
der winckelmesse. (1534). Dij'*.
lienieflieB, 7». der inf. des vorigen verb,
subsl.: das figürlich, zeichelich vnd deutlich
geniessen kan yiu abendmal nicht sein, vom
abendmal Christi. (1528). Eij ^
(ieRiesileiR ( — lin), n. dim. zu geniesz :
ein händelchen vnd genieszlin der rabulen
vnnd zungcmh'esclier. tischr. 27 1 ". — mhd.
genie^ltn (Lexer 859).
fieRicsilich (genieslich), geniesz, nutzen
bringend, nützlich: sanftraütigkeit, welche
wir haben gegen die freund vnd die vns nütz-
Hell; genieslich sind an gut, ehre vnd gunst.
Jen. 1, 284 ^
fle^iesisnchtig^ süchtig nach geniesz : die
vnreinen gnieszsuchtigen geyste. das magni'
fieat. (1521). ciij\
ÜeBietig; dessen man im gemeinen leben
genieszen kann (vgl. imgenietig) : gleych wie
die euangeli Christum abeuialeu vnter den
leutten, der yderman frunflich ist, niemant
voracht, niemant vorsagt, vnnd gantz schlach-
tig, merb vnd genietig ist. ausleg. der ep.
und euang. vom chris tag. (1522). H i ii j " .
zu genieten ?
a0k%M€f m. einmal auch der nom. sg.
genossen (ein heimlicher genossen, de Wette
br. 6, 286), socius, eig. der mitgenieszende :
alle jre genossen werden zuschanden. Jes.
44, 11; des glaubens genossen. Gal. 6, 10;
yhres handwercks genossen, von ehesachen.
(1530). Fj".
mhd. gen5^, geno^e {Ben. 2, 395'. Lexer
861), ahd. gino^ (Graff 2, 1125).
(ieBseittich, s. gänsefittich.
(ie^nei, s. gänseei.
Ütmntpftälger , gensepredigt , gensepre-
digtlin, s, gänseprediger, gänsepredigt, gänse-
predigtlein.
(iense»; s. gänsern.
üemnMttf genskucker, genspfeifen, s.
gänsefeder, gänsegucker, gänsepfeifen.
Hea^gj gniig) vereinzelt auch nasal gnung
{z. b. Bindseil 7, 309), satis, hinreichend,
9nhd. genuoc (Ben. 2, 357 ''. Lexer 866),
ahd. g(k)inuoc {Graff 2, 1005). L, schrieb
gnug , was auch die meisten originaldrucke
haben, während die Schriften, deren heraus-
gäbe er nicht selbst besorgte {z. b. die pre^ *
GENUG
78
GENUG
digten über das erste buch Mose, die ausle-
gung der zehen gepol), auch genug bieten.
* 1) genug sein, a) wo man erbeitet, da ist
gnug, wo man aber mit werten vmhgehet, da
ist mangel. spr, 14, 23; der herr sprach zu
mir, las gnug sein, sage mir dauon nicht
mehr. 5 Mos, 3, 26 ; es ist gnug, las nu
deine hand ab. 2 Sam. 24, 16; Elias sprach,
es ist gnug. 1 kön, 19, 4; vnd wen (wenn)
kein ander spruch wcre, der do beweret, das
römische vbirkeit ausz menschlicher vnd nit
golliclier Ordnung sey, szo were eben disser
Spruch allein genug, von dem bapstum.
(1520). Gj-.
b) mit gen. : ob er (golt) gleich Tur sich
selbs dem teuffei maus gnug ist. das 6. cap.
Ephes. (1533). Ciij\* das yhn freylich
Claus Narr mansz gnug were tzu antworlten.
von beider geslalt. (1522). Bij'; in des ge-
rechten haus ist guts gnug. spr, 15, 6; des
dings war gnug zu atlerley werck das zu
machen war. 2 Mos. 36, 7 ; das der leben-
digen nicht gnug waren, sie zu begraben.
weish. 18, 12.
c) mit praep. : es war daran genug, weish.
18, 25; dis sey gnug von der schatzkamer.
2 Macc. 3, 40 ; dis sey gnug von dem* heid-
nischen opITer. 7, 42.
d) mit nachfolgendem dasz : es ist gnug,
das ein jglicher lag sein eigen plage habe.
Malth. 6, 34 ; es ist dem jünger gnug, das
er sey wie sein meister. 10, 25; yt^t sey
gnug, das sund beychten nit muge durch
tzcygen dem pricster bedeut oder figurirt
sein, euang, von den zehen auszselzigen.
(1520). Biiij ^ ; myr ist gnug, das meyn namc
tzu Rom auff das fest szo herlich auszgeruffen
wirt. bulla cene domini. (1522). Aiiij^
2) genug haben, a) ich habe gnug, mein
bruder. 1 Mos. 33, 9; wenn er gleich die
fülle vnd genug hat. Hiob 20, 22; in der
thewrung werden sie gnug haben, ps, 37,
19 ; Ephraim spricht, ich bin reich, ich habe
gnug. Hos. 12, 9.
b) mit einem subsl. im gen. : bette ich hie
. melh vnd brot, gelt vnd guts gnug. ausleg.
der ep. vnd euang. von ostem, (1544).
X iij ** ; las deine äugen wacker sein, so wirslu
brots gnug haben, spr. Sal. 20, 13; wer
seinen acker bawet wird brots gnug haben,
wer aber müssiggang nachgehet wird armuts
gnug haben. 28, 19 ; er hatte wassers gnug
sich aus zubreiten. Ezech. 31,5; wir betten
schatzs gnug gehabt. Tob. 10, 6. tm acc:
ah das ich wasser gnug hette in meinem
heuble. Jer. 9, 1 ; da hatten wir auch brot
gnug. 44, 17.
c) mit praep. : sie haben gnug am newen
testament. vorr, auf das alte lest. Bind-
seil 7, 309; man hat gnug am wort gottes,
wenn man recht leren wil. Sir. 34, 8 ; der
vnauszmeszlich geytz noch nit gnug hat an
allen diszen schetzenn. an den christl. adel.
(1520). Eij*; eyn gesunder glawb, deren
yhm selb gnug hat. der 36. psalm. (1521).
Ciiij ^
d) mit folgendem dasz : ich hab gnug, das
mein son Joseph noch lebet. 1 Mos, 45, 2S.
^) neben verb. : jr habt dis gebirge nu
gnug vmbzogen. 3 Mos. 2, 3 ; kom, las vns
gnug bulen. spr. 7, 18; ja sie {die diebe)
sollen gnug stelen. Obadja v. 5; Pilatus
aber gedachte dem volck gnug zu thun.
Marc. 15, 15; was golt zusagt vnd gelobt,
kan man vns nicht gnug einbilden vnd für-
blewen. vber das erste buch Mose. (1527).
XX j"; wir habens jhe gnug gesagt, gesungen,
gemalt vnd auff alleriey weise gelrieben vnd
geblewet. serm. von dem heubiman zu Ca-
pemaum, ( 1 535). Ciij **.
4) neben adj, oder adv.: so ist nu das
land weit gnug für sie. I Mos. 34, 21 ; jr
seid lang gnug an diesem berge gewesen. 5
Mos. 1,6; berieffen sie alle die zur röstung
alt gnug waren. 2 hon. 3, 21 ; die grübe ist
tieff vnd weit gnug. Jes. 30, 33 ; hernach
mus ers thewr gnug bezalen. Str. 20, 12;
dauon ich offt gnug gesagt habe, vber das
erste buch Mose. (1527). xij**; des koni-
ges vnd ihener aller vnrecht zimlich gnug ge-
strafllL ist. originalbr. v. j. 1532 in der
bibl. zu WolfenbOUel.
5) neben subst.t gewöhnlich im gen.: so
wird sich verachtens vnd zorns gnug heben
{erheben), Esth. 1, 18; ich wil jren armen
brols gnug geben, ps, 132, 15; vnd gaben
den kriegsknechten gelds gnug. Malth. 28,
1 2 ; gelts gnug wird vor banden seyn. aus-
leg. der zehen gepot, (1528). Gij'. doch
i
GENÜGDE
79
GENllGTHUUNG
sieht auch der acc: vnd euch regen gnug
geben. S<ich. 10, 1.
ISeBigdCj gnügde, f. genüge, mhd, genüe-
gede {Ben, 1, 359 ^ Lexer 864): so sie
doch mit allem fleis also leben, das sie nur
in rüge, fried, ehr, gemacb, gnügde vnd
nichl im creutze oder vnruge leben mügen.
Jen, 1, IS*; die im sause vnd gnügde des
fleisches leben. 1,34*.
CeBige^ gnüge (gnuge), f, salietas, suffi-
denlia, mÄd. genüegc (Ben, 2, 359 ^ Lexer
864), ahd, ginuogt {Graff 2, 1008): du
Ihust deyne band auff vnd erfüllest alle thier
mit gnuge. das 7. cap. Cor. (1523). Dj%
var. zu ps. 104, 28 ; das der glaube ylie fein
rein vnd lauter bliebe beyde ynn mangel vnd
genüge, vber das erste buch Mose. (1527).
iij * ; dieser stirbet frisch vnd gesund in allem
reicbthum vnd voller gnüg. Hiob 21, 23 :
igoU gibt) brot von des ackers einkomen vnd
desselbigen volle genüge. Jes. 30, 23 ; ich
bin komen, das sie das leben vnd volle ge-
nüge haben sollen. Joh. 10, 10 ; das jr in
allen dingen volle genüge (var. allerley gnuge)
habt. 2 Cor. 9, 8. neben diesem enlschie-
den fem. gebrauch des Wortes ist das ein-
mal [Esth, 5, 13: an dem allen habe ich
keinen gnüge [rar. keyne geauge]) erschei-
nende masc. mit Frommann vorschlage
5. 32 wohl als druekfehler anzusehen.
flcBigea, gnügen,^entij^, hinlänglich sein,
mhd. genüegen, genuogen (Ben. 2, 360*.
Lexer 864), ahd. ^imo^nn (Graff 2, 1009),
gebraucht L,
1) unpersönlich : herr zeige vns den vater,
so genüget vns. Joh. 14, 8. mit an: das
yhoa (dem erzvater Jacob) nicht genügt an
zweyen (sc. weibem), vber das erste buch
Mose. (1527). Ssiij*.
2) reß. stets mtl lassen verbunden: wer
sich mit seiner crbeit neeret vnd lesst jm ge-
nügen, der hat ein fein rügig leben. Sir. 40,
lS;#ich habe gelernet, mir genügen lassen.
Phil. 4, 1 1 ; wenn wir futter vnd decke ha-
ben, so sollen wir vns lassen genügen, wider
den Wucher zu predigen. (1540). Fj''. mit
an : vnd sich an eynem bettgenoszcn gnugen
lest. serm. vom ehelichen stand, (1519).
Aiij'; ein vorteilisofaer mensch lesst jm nimcr
gnügen an seinem teil. Str. 14, 9; las dir
an meiner gnade genügen. 2 Cor. 12, 9 ;
wolan ich lasse mir daran genügen dis mal.
von den Juden. (1543). Giij^
fieiigig. guügig, genügsam, mhd. genüegec
(Ben. 2, 361 \ Lexer 864): gütig, gnügig,
mitteilig, von den concilijs. (1539). h iij*.
IteRHgsaii; gnugsam, genügend, hinrei-
chend, zur genüge, nüid. genuocsam (Ben,
2, 359 ^ Lexer 866).
1) adj. : dem ich auch nicht gnugsam bin,
seine schuch zutragen, üiaith. 3, 1 1 ; für
gott kein rew wirdig ist vnnd gnugsam.
grund vnd vrsach'. (1521). h ij ' ; mit gnug-
samer vrsach. von dem bapstum. (1520).
Bj**; vnd stellen an yhre stat gnugsamc Ver-
walter, ob man für dem sterben fUehen
müge. (1527). Aiij^
. 2) adv, : von diesem stücke habe ich gnug-
sam geschrieben ynn ihenem bücblin vom
Uirckenkriege. eine heerpredigt. (1529).
Üiiij'*; gotte, den eitern vnd schulmeistern
kau man nimmer gnugsam dancken. deudsch
catech. (1529). Fij '; nicht jderman solches
meisterlied gnugsam verstehen kan. der 111.
psalm. (1530). Aij^; an diesen vier arti-
ckeln werden sie gnugsam (genug) zu ver-
dammen haben im concilio. ar(tcfte( etc.
(1538). Diij'.
lleilgMMlickj adv, zur genüge, mhd.
gcnuocsamllche (Lexer 866): e. g. gnug-
sauilich auffs mehrer teil dieser artickel sich
selb entrichten kan.* EisL 1, 118^
^^nmglhutff m. der satisfaction leistet :
die menschlichen gnugtliuer. ausleg. der
euang. von ostem. (1527). s 5*.
üeRlgtkiiR, gnugthun, satisfaction lei-
sten : wo der mensch recht rcwet, beichtet,
gnugthet, so bette er damit Vergebung ver-
dienet, artickel etc. (1538). Eiiij"; es ist
ein groszer yrthum das yemand meyne, er
wolle gnugthun vor seync sund. serm. von
dem ablasz vnd gnad. (1518). Aiij *.
lieBHgtkllR^ gnugthun, n. saiisfactio : vnd
zu solcher busse setzten sie' drey teil, rew,
bcicht, gnugthun. artickel etc. (1538).
Eiij^; (der bapst sagt) glaube thuts nicht,
sondern dein eigen rew vnd gnugthun. wider
das bapstum. (1545). Qij\
^«■■gtliiiiiRg, gnugthuung, f. dasselbe:
geben der pusz drey teyll, nemlich die rew,
GENZE
80
GEPRÄNGE
die peycht, die gnugthuuog. serm, von dem
ablasz vnd gnade. (1518). Aj^; gnug-
thuuDg fiir die sllnd<^ vnterricht elc, (1519).
Aij ^ ; die beychlc besclineylle, vnd gougthü-
ung vorwerfl ich. eine befiehl elc. (1528)«
Aj**; clöster, so zu gnugthuung vnd able-
giing der Sünde aiiffgericlit sind, das 16.
ßap. g. Joh. (1538). Gij*'; die satisfactio,
gnugthuung, isl der anfang vnd vrsprung,
thür vnd eingang zu allen grevvcln im haps-
tum. wider Hans Worsl. (1541). Dij^
lieaif j genzen, genzlich, 5. ganze, ganzen,
gänzlich.
Gepeii, s. gehein.
Üeperile^ geperden, s, gebärde, gebärden.
%tfit\tfk, gepieter, s, gebieten, gebieter.
Vepflngt^ pari, subsl, : du feuchtest sein
gepflügtes, ps. ()5, 11.
fiepfcht^ picealus, pari, adj.: ein gepichte
haut. Jud. 10, 6.
Üeflugif pari. adj. : Mose war ein seer
geplagter mensch. 4 Mos, 12, 3. .
C2epilpp«r (geplepper), m. anhaltendes
plappern, besonders vom plappergebel : das
weibische geplepper. Jen. 1, 81''; an stat
eines rechten gebets einjauter gewessch vnd
geplepper wurde, das 'Ty. 6. vnd 7. cap. s.
Mallh. (1532). gij*; ein geplepper vnd
eitel ledig gewesch. ein ein f eilige weise zu
belen. (1535). Bij''; so mus das die beste
vigilj sein, welche die lengste ist vnd am mei-
sten plappert, gerade als bette gott lust zu
grossem vnd vielem geplepper. vom fege-
feur. (1530). Fj'*. noch einen beleg s.
unter gemurre.
deplirr (geplerr), n. praesligiae: wie
spricht er {Christus) denn hie {Joh. 17, 11),
das er nicht mehr jnn der weit sey vml ma-
chet ein geplerr für die äugen, als füre er
ferne hinweg, das 17. cap. Joh. (1530).
Lj''; {der leufel) kompt jmer widder vnd
bringet andere rencke, damit er vns bezeu-
bere vnd ein geplerr für den äugen mache
mit schönem furgeben vnd schein, das 6.
cap. Ephes. (1533). Dj'. — mhd. blerre
u. geblerre falsches oder doppeltes sehen
{Lexer 304. 756). vgl. auch Schmeller
r^, 461. über die elymologie vgl. Grimm
wlb. 1, 108 unter blerr.
Qeflifff geplärre (geplerr), n. geschrei,
mhd. geblere {Lexer 7 hQ): thu nur weg von
mir das geplerr deiner lieder. Arnos 5, 23 ;
geplerr vnd geschrey. ein widderruff vom
fege feur. (1530». Aij'; gedone vnd ge-
plerr jnn der kirchen. das 5. 6. vnd 7.
cap. s. Mallh. (1532). giüj'*; wenn es
ein lautier eusserUch geberde, gemurre odder
geplerre ist . . . das heisset freilich nicht ge-
betet, das 17. cap. Joh. (1530). Bj';
wollet solchen cseln ia nicht anders noch
mehr antworten auff jhr vnnülze geplerre.
vom dolmetschen. (1530). Bj''; ob etliche
mich nu wol einen ketzer schellen ... so acht
ich doch solch geplerre nicht gros. Jen. 1,
59 '' ; das geplerre so man ynn kirchen vnd
klöstern treibt, jpo^l. (1528). 295".
(ieplimler (gepleuder), n. geplauder:
darumb ists ein lauter tillens tellens vnd vd-
nütze gepleuder. vom abendmal Chfisli.
(1528). d ij ''; der geister gepleuder. ebend.
d iiij **.
Ileplepper, s. gepläpper.
fieplerr^ s. geplärr.
(lepleti^ s. geblelz.
Ütflthier, s. geplauder.
fiepet; s. gebot.
(ieprägy gepräge (geprege), n. aufgepresz-
tes zeichen oder bild: vnd fragt, wes das
gepreg vnd vberschrilTt sey. serm. auff
Mallh. 22. (1535).. Bij"; dis jar ist ein
geprege wir scbawgroschen • aus dem nider-
land heraulT komen. an Kurfürsten zu Sach-
sen. (1545). Biij"; darümb möchte man
billich ynn eines ignchen fromen fürstcn
Schild ein brod setzen für ein lawen odder
rawten krantz odder auff die müntze für das
geprege schlagen, deudsch calech. (1529).
Riiij^. — mhd. gebraeche i Lexer 758).
fiepränge (gepreng, gcprenge), n. pompa,
äuszere pracht, prunk, mhd. gebrenge (Ben.
1, 233\ Lexer 160): Agrippas vnd Ber-
nice kamen mit grossem geprenge. ap. gesch.
25, 23 ; vnser geistlichen gehen jnn sc^pnem
geberd vnd gepreng jnn der kirchen. das 5.
6. vnd 7. cap. s. Mallh. (1532). Giij^
ein grosser fürst vnd bischofi selbs teuffet
mit grossem schall vnd geprenge. von der
heil, lauffe. (1535). Aij''; Seligkeit, die
man mit keinem gesenge noch geprenge erk-
langen kan. das man kinder zur schulen
GEPRASSEL
81
GEAÄTU
halten soUe. (1530) Biü*"; doch hindan
gesetzt alle laruen vnd gespetiste vnchristlichs
Wesens vnd geprenges. arUckeleie. (1538).
Hj ^; alles mus eine \(eise vnd geprenge ha-
ben, gl. zu 4 Mos. 27» 20 ; bissehoff hut
vnd das gantz bepstlich geprenge. wider
Hans Worst. (1541). Fmj^ auch der
aufwand in worten : ey so schemet euch ynn
ewr hertz hinein, das yhr *ein> solch gepreng
treibt mit diesem stück, das diese woH eU.
(1527). h iiij * ; da macht der euangelist eine
vorrede vnd gepreng, wie sich Christus ge-
stellet habe zu der predigt, das 5. 6. vndl.
cap.s.Matth. (1532). Bj\
liej^nsMlj n. strepüus, getöse: da es
{d4u fßosser des rolhen meeres) nu plötzlich
wider zusamen schleget, wie meinst du, was
es mus fOr ein prausen vnd geprassel gewe-
sen sein? EüL 1, 363 ^
UtfTtAtj s. gebreche.
Ütfngt, s. gepräge.
^fftfägt^ s. gepränge.
42epre8t| s, gebrest. ,
litfmri, s. geburl.
^epischi s. gebüsch.
Cmuly gerade, adj.
1) F0**> gegensatx von ungerade: was ist
iossen doch anders, denn eyn verbündnis, des
wyr vnternander eins werden vber eyner
Sachen, die wyr ynn die fahr setzen, wem sie
werde durchs los . . . nach dem das messer
mal odder vmbmal tregt, nach dem es gerade
odder vngerade ist und so fort an. der prO'
phetJona. (1526). Fj".
2) reetus, gegensalz von krumm oder
gebogen: so mochtistu auch sagen, ein hin-
ckend mensch sey gerad. grund vnd vrsaeh,
U521). n iüj^; eine gerade linie. der 110.
psalm. (1539). Liij''; die gerade schlan-
gen. Hiob 26, 13; wer ist die, die er auff
gehet aus der wüsten, wie ein gerader {senk--
recht in die höhe steigender) rauch, hohe»
lied 3, 6. bildlich für gerecht: das scepter
deines reichs ist ein gerade scepter. ps. 45, 7.
mhd, gerat, gerade (Ben. 2, 558 '^
Lexer 87 1), ahd. gerad ((Trajf 2, 456), doch
nur in der ersten bedeutung, in welcher be^
deutung es zu goth. ra))jo die zahl gehört.
fleradi gerade, adv. mhd. gerade {Ben. 2,
558 •. Lexer 870).
Dxm, Wörterbuch. II.
1) reete, aufgerichtet: jre beine stunden
gerade. Ezeeh. 1,7; ob er wol nichts den
(denn) hincken kan vnd nymmer gerad gähn.
grund vnd vrsaeh, (1521). niHj^
2) ttt genauer iibereinsHmmung mit dem
objecte. a) dem orte nach : gerad oben vber
jnen. Ezech, 1, 22. b) der zeit nach: 1542
sinds gerade 1468 jar (sc. seü der Zerstö-
rung Jerusalems), von den Juden. (1543).
Aij'^. c) der beschaffenheü nach: vnd ist
gerade wie der tod, der nicht zu settigen ist.
Hab. 3, 1.
3) gerade als quasi: gerade als sey die
ganlze weit mit yhrer oberkeit gotts turnyr.
der proph. Habacuc. (1526). ciij^; ge-
rade als bette er recht vnd macht Zusehens
zu rauben, von heimlichen vnd gestolen
brieffen. (1529). Büj*; gerade ak wüste
kein mensch, was jr hellisch, teufelisch wesen
zu Rom sey. wider das bapstum. ( 1545). Ej ^
flerftibrcdit , part. v. radbr^chen, auf
dem rad hinrichten: jr Juden würdet ja
nimmermehr einen gehenckten oder gerad-
brechten beiden nach seinem tode für einen
herrn anbeten. Jen. 6, 533 ''.
fleniMeii, als ziel ins äuge fassen, aufs
kom nehmen, mit gen. des objeets : ich will
nur des gewissesten geramen. deutung der
zwo figuren. (1523). Bj'; meint ich, er
sollt zur stubenthür hinausgehen, so gerämet
er der thür in der Jungfer kammer. de Wette
br. 6, 222.
mhd. gerämen (Ben. 2, 550 ^ Lexer
870), zu räm, ziel.
(ierith, gerälhe (geret 2 Mos. 25, 39,
gerete), n. ulensilia, supeUex, vasa, mhd.
geraete (Ben. 2, 573*. Lexer 871), ahd.
gir^ti (Graff2, 465), coli, zu rath in haus-
rath, vorrath. L. gebraucht das wort von gs"
räthschaßen jeder art, insbesondere steht es
1 ) vom hausralh : leyhen heisst das, wenn
ich jemand mein geld, gut oder gerete thu,
das ers brauche wie lange jm not ist oder ich
kan vnd wil . . . wie ein nachbar dem andern
leyhet schussd, kannen, bette, kleider. wider
den Wucher. (1540). Aüj*.
2) von den heiligen gefäszen und gerä^
then der stißshmte und des tempels: vnd
sie sollen mir ein heiligthum machen . . . wie
ich du* ein furbUde der wonunge vnd alles
11
GERATHE^
82
GERATHEN
seines gereles zeigen werde, so solt jrs ma-
chen. 2 Mos, 25, 8. 9 ; den tisch mit alle
seinem gerete, den leuchter mit seinem ge-
rete. 30, 27 ; vnd macht auch von feinem
golde das gerete auff den tisch, schusseln,
becher, kannen vnd schalen. 37, 16; gerete
{var, geredtich) zu dem altar, ascbentöpffe,
schauffein, kecken, kreuel, kolpfannen.
38, 3.
3) van der bagage des Heeres : zwei hun-
dert blieben bei dem gerete. 1 Sam, 25, 13.
30, 24 ; sihe da lag der weg vol kieider vnd
gerete, welche die Syrer von sich geworffen
hatten. 2 hon, 7, 15.
4) vom schiffsgeräthe : vnd die schiffleute
worffen das gerete, das im schiff war, ins
meer, das es leichter würde. Jon, 1, 5 ; das
geredte vnd die wahre aus dem schiff werffen.
der proph, Jona. (1526). Diiij " .
5) von kleidungsstücken, leinen : ein weih
sol nicht mans gerete tragen vnd ein man sol
nicht weiberkleider anthun. '5 Mos. 22, '5;
es sollte ein reinlich käste seyn für leinen
geräthe drein zu legen, de Weite br. 5,
162.
6) die silbern vnd gülden gerete 2 Mos.
12, 35 (3, 22 und 11, 3 : gefess) sind klei-
node, Schmucksachen, welche die Egypler
den abziehenden Israeliten als ehrengaben,
gastgeschenke, mitgäben.
' %tnXhtn (geraten , geratten , geradten),
mÄd. ^erÄten {Ben. 2, 579". 581". Lexer
871), ahd. girÄtan {Graff 2, 459). bei L.
in folgenden bedeutungen :
1) gelingen, erwünschten erfolg, fortgang
haben, glücklich ausfallen, gut ausschlagen :
triegen ist, wen (wenn) die lugen geraten
vnd angehen, bulla cene domini. (1522).
Eij * ; vnd solcher sein anschlag ist jm auch
etlicher massen geraten, zwo schöne predig-
ten. (1537). Bj**; frue see deinen samen,
vnd las deine band des abends nicht ab, denn
du weissest nicht, ob dis oder das geraten
wird, vnd obs beide geriete, so were es deste
besser, pred. 11, 6; durch seine klugheit
wird jm der betrug geraten. Dan. 8, 25;
gott lasse dein furnemen geraten. Jud. 10,
9 ; eim lessigen geret sein handel nicht, spr.
12, 27. oß mit wol verbunden: wenn es
wol geraten ist. ep. des proph. Jesaia.
(1526). Biij"; was er macht das geret wol.
p«. 1, 3 ; du leslest jr getreide wol geraten.
65, 10; der gerechten wundsch mus doch
wol geraten, spr. Sal. 11, 23; ob der herr
seyne reyse bette lassen wol geraten, var,
zu 1 Mos. 24, 21. zuweilen auch mit ijXi^:
wens {wenn es) denn geschehe, das das erst
mal vbel geriete. 2 Sam. 17, 9. von per-
sonen : gut einschlagen : geredt nu eyn fürst,
das er klug, frum odder eyn Christen ist, das
ist der grossen wunder eyns. von weltlicher
vberkeit. (1523). Ej*'; vnd sehen, das sein
son so geraten were. die kl. anttoort.
(1533). Gij**; vnd geret doch zu weilen
eine tochter bas, denn der son. Sir. 36, 23 ;
wie giengs dem lieben Abraham, dem sein
son Ismael auch nicht geriet, das man kin-
der zur schulen halten solle. (1530). Diij^
2) zu etwas geraten, wozu dienen, etwas
bewirken, zur folge haben: es gerate zum
krieg odder zur auffrur. wamunge an s, L
Deudschen, (1531). Aiiij"; wo du jren
göttern dienest, wird dirs zum ergemis gera-
ten. 2 Mos, 23, 33 ; ich wil sie jm geben,
das sie jm zum fall gerate. iSam, 18, 21 ;
es gerate zum tod oder zum leben. 2 Sam.
15, 21; vnd das geriet zur sünde. 1 kön.
12, 30; das ist nur mehr zur Forderung des
euangelij geraten. Phil. 1, 12.
3) wohin kommen, gelangen : das du nicht
geratest an eines andern weih. spr. Sai. 2,
16; das dein hertz nicht an sie gerate. Sir.
9, 13; an den bettelstab geraten, hauspost.
(»FtUemft. 1545). festteil. 81"; — wenn
solchs auff den predigstul gerett. das 15.
cap. der ersten ep. s. Pauli an die Cor.
(1534). Aiij**; das sie nicht auff eine tor-
heit geraten, ps. 85, 9; das du nicht gera-
lest auff den weg der bösen, spr. 2, 12;
— wenn er ynn solchen stand geratten were
vnfalls halben, wider den falsch genanten
geistl. stand. (1522). Hij*; nu ists in an-
dern verstand geraten, von den Juden.
(1543). Gij^; in den jrthum geraten, weish.
12, 24; in schlemmen vnd vnkeuscheit ge-
raten. Sir, 23, 1 ; — vnd der geist des
herrn geriet vber jn. rieht. 14, 6; vnd der
geist des herrn geriet vber Dauid. 1 Sam.
16, 13 ; des andern tags geriet der böse geist
von gott vber Saul. 18, 10; — las mich
GERATUEN
83
GERECHT
nicht vnter die lessterer geraten. Str. 23»
1 ; wenns erst gerett vnter die gelerten. das
15. cap, der 1. ep, s, PauU an die Cor,
(1534). züj^
4) mit gen, enlraihen, entbehren: eyn
man kan eyns weybs nicht geratten. wider
den falsch genanten geistl. stand. (1522).
Hij^; vnd steht nicht ynn seyner macht der-
selben {der ehe) zu geratten. das 7. eop.
Cor. (1523). Eij^; wo man der eyns ge-
ratten must, besser wer das wyr der werck
vnd hystory mangleten, denn des worts vnd
der lere. ep. s. Petri gepredigt. (1523).
Aij * ; so kan auch die Christenheit wol sol-
cher bischoue vnd bepste geraten, verma-
nung an die geistUchen. (1530). Ej^; als
wenig wir essens vnd trinckens geraten kön-
nen» so wenig können wir anfechtung vnd
leidens geraten, serm. vom creuUt. (1531).
Gij*; das man meiner vnd meines gleichen
bücher wol geraten kündte. eatalogus.
(1533). Aij^ er (Christns) kan jrer (der
fursten) hülffe leichter geraten, weder sie
können setner hülffe geraten, von den coit-
ciUjs. (1539J. Aüj*;
herschafft one schütz,
reichthumb one nutz,
richter one recht,
lotter vnd spilzknecht
mag man auff erden wol gerathen.
tUehr. 437 ^
lientheiy part. adj. gnt ausgefallen, ge»
diehen: ein seer wol geraten bilde, mder
Hans Worst. (1541). Eiiij^
Utnthem, n. das gelingen j gedeihen:
wissen, das gott müsse das gedeyen vnd ge-
raten geben jnn vnser erbeit vnd huet. der
segen, so man nach der messe spricht.
(1532). Aiij" ; es ligt doch alles am geraten.
gl. xupred. Sal. 8, 17.
fier&tUete (geretlin), n. kleines geräth:
wir legten vnser geretlin ab. gl. xu apost.
geseh. 21, 15 ; sich mit mentelin vnd andern
geringen geretlin decken, hauspost. (Wit-
temh. 1545). winterteil 16*; es hat mir
herr Johann Pommer geschrieben aus Ham-
burg, wie er sich gerüstet wieder anher zu
kommen vnd schon sein geräthlein etlichs
voran geschickt, de Wette br. 3, 452.
ficriirh (gereuch), n. rauchwerk: das
sol das tegUch gereuch sein. 2 Mos. 30» 8 ;
jr solt kein frembd gereuch drauff thun. v.
9 ; wie ein gereuch von myrrhen. hoheUed
3, 6.
mhd. gerouche, das rauchen {Lexer
886).
Ceräife (gereuffe), n. rauferei, mhd. ge-
röufe (Lexer 887). beleg s. unter gekrätze.
flerker, m. cortarti». mhd. gerwer (Ben.
1,481^): Simon, der ein gerber war. op.
gesch. 9, 43. 10, 6 ; in dem hause des ger-
bers. 10, 32 ; ein schuster oder gerber. von
den concilijs. (1539). Zij ^.
Cerecht, justus, mhd, ger^t (Ben. 2,
616*. Lexer 874), ahd. giröht, doch nur
in der bed. rectus (Graff 2, 410), golh.
garaihts.
1) adj. a) praedic. : das wyr auff deutsch
sagenn , das ist ein frum man , das saget die
schrifft, der ist iustus, rechtfertig odder ge-
recht, ausleg, der ep. vnd euang. des ad-
uents. (1522). Eij*; der herr ist gerecht.
2 Mos. 9, 27 ; trew ist gott vnd kein böses
an jm, gerecht vnd from ist er. 5 Mos. 32,
4 ; Saul sprach zu Dauid , du bist gerechter
denn ich. 1 Sam. 24, 18; wie mag ein
mensch gerechter sein denn gott. Hiob 4,
17 ; für dir. ist kein lebendiger gerecht, ps.
143, 2; wer recht thut, der ist gerecht. 1
Joh. 3, 7 ; wer aber an diesen (Christus)
gleubet, der ist gerecht, ap. gesch. 13, 39;
auff das er allein gerecht sey vnd gerecht
mache den, der da ist des glaubens an Jhesu.
Rom. 3, 26.
b) attrib.: diese gottlosen leute haben einen
gerechten man erwürget. 2 Sam. 4, 11;
der gerechte herrscher. 23, 3 ; du gerechter
gott. ps. 1, 10; das gerechte volck. Jes.
26, 2; gottes gerechter zorn. 2 Macc. 9,
18; gerechte sitten vnd gebot. 5 Mos. 4, 8«
2) subst. der gerechte: das sey ferne von
dir, das du das thust vnd tödtest den gerech-
ten mit den gottlosen, das der gerechte sey
gleich wie der gottlose. 1 Mos. 18» 25; der
gott des gerechten. 5 Mos. 33, 26; von
dem gerechten. Hiob 38, 7 ; der herr prüfet
den gerechten, ps. 11, 5; seidfröUch jr ge-
rechten. 32, 11 ; ein gerechter. 37, 16.
flereckt^ adv. juste : gerecht leben. Tit.
2, 12. ,
11*
GERECHT
84
GEREGIEREN
CerecU, n. recht, mhd. geröht, geruhte
{Ben. 2, 617*. Lexer 875): wan ich das
sage, szo spricht man , ich widderstrebe dem
pabst vnnd geystlichen gerecht, vnterricht,
(1519). Aij^;das auch ettlich geystlich ge-
recht sagen, groszer serm. v. d. toucfcer.
(1520). aiij*.
flereehtferflgi s.v.a. rechtfertig, gerecht :
dan das ich nit gereehtfertig (in der ausleg. :
das ich ein sunder) byn, wil ich vorkundigen.
var. zu ps. 38, 19 bei Bindseil. substan-
tivisch : der gerechtfertige wird leben durch
seinen glauben, post. (1528). 93*, var.
XU Rom. \, 17.
Clerechtferdgt^ s. rechtfertigen.
Clerechtigkeit (anfangs gerechtickeit), f.
mhd. geröhlecheit {Ben. 2, 617*. Lexer
875).
i)justilia.
a) als göttliche eigenschaft: gott die
ewige, bestendige, wesende vnd nymer wan-
delbare gerechtickeit selb ist. die sieben
buszpsalmen. (1517). D 5 ^ ; gerechtigkeit
des herrn. rieht. 5, 11; herr, errette mich
durch deine gerechtigkeit. ps. 31, '2; herr
mein gott, richte mich nach deiner gerechtig-
keit. 35, 24; gott, deine gerechtigkeit ist
hoch. 71, 19.
b) die menschliche gerechtigkeit und
zwar a) als lebensgerechtigkeit, werkgerech-
Ugkeit, gesetzesgerechtigkeit: gerechtickeit
ist, das man thut eim yeden was yhm gepürt.
post. (1528). 76*; gerechtigkeit heisst jnn
der weit vnd nach aller vemunfft solch regi-
ment vnd wesen, so man lebt nach gesetzen
vnd gepoten. das 16. cap, Joh. (1538).
Mj ^ ; so ist nu dieses priesters schmuck ge-
rechtickeit, das sind alle lügende als liebe, trew,
freude, friede vnd summa wie sie s. Paulus Tit. 1
vnd 2 Tim. 4 erzelet. der proph. Saeharja.
(1528). Vj^; gerechtickeit heist hie die liebe
vnd barmhertzickeit, damit sie gegen den ne-
histen recht thun. ebend. Yiiij*; gerechtig-
keit erhöhet ein volck, aber die sünde ist der
leute verderben, spr. Sal. 14, 34 ; habt ge-
rechtigkeit lieb, jr regenten auCf erden, wei^h.
1, 1. es heiszt der gerechtigkeit nachjagen.
spr, 15, 9; in gerechtigkeit wandeln. Jes.
33, 15; g. tiben. 64, 5; g. handhaben. 1
chron. 19, 14. -<^ ß) als glaubensgerech'
tigkeit, d. i. die dem glauben zugerechnete
gerechtigkeit Christi : sintemal darinnen (im
evangeUum) offenbaret wird die gerechtig-
keit, die vor golt gilt, welche kompt aus
glauben in glauben. Rom, 1, 17 ; Abraham
hat gott g«glenbet vnd das ist jm zur gerech-
tigkeit gerechnet. 4, 3 ; nach welcher weise
auch Dauid sagt, das die Seligkeit sey alleiii
des menschen, welchem gott zurechenet die
gerechtigkeit on zuthun der wer<^. v. 6.
2) gerechtsame : es solle das bistumb hie
mit nicht zu rissen werden, sondern ein frey
corpus bleiben wie zuuor mit aller seino* ge-
rechtigkeit, denn wie wir müssen die pfar-
güter vnd jre gerechtigkeit nicht reissen von
den pfarhen. exempet etc. (1542). Jij*.
4ieredeii zusctgen, versprechen, gelobenf,
mhd. gereden {Ben. 2, 605*. Lexer 873).
a) da wird yhm so bange, das er nyder
feilet, bitt gnade vnd geredt mehr, denn er
hat vnd bezalen kan. serm. an dem 23.
sontag n. Ir. (152i3?). Aiiij^; wer viel ge-
redt vnd helt nicht, spr. 25, 14 ; ich ballte
meyns vermugens was ich geredt habe, das
7. cap. Cor. (1523). Aij*; so heysst war-
heyt, trew, das man sich auff einen verlassen
darff . . . vnd der selbe halte was er geredt
Bindseil 7, 329.
b) mit dai. der person und acc, der
Sache: auch szo gereden die priester nit
gotte, szondern dem bapst an teuffels statt
yhr keuscheyt. wider den falsch genanten
geistL stand. (1522). Giiij^; bis er [der
teufet) zu letzt ein alte wetterhure anrichtet,
der geredet er ein rot par schuch, .wo sie die
zwey eheleut kondte vneins machen, das 14.
vnd 15. cap. s. Joh, (1538). mmraiiij^;
der herr kund sie nicht ins land bringen, das
er jnen geredt hatte. 5 Mos. 9, 28.
c) mit infin. oder abhängigem saize:
das er dem bischoff in keinem weg gerede
keuscheit zu halten, an den christl. adel.
(1520). Hj*; ich wil nicht mehr gereden
fromb zu sein, tischr, 146*; vnd geredet jm
mit einem eide, wenn er von seinem yeler-
liehen gesetze abtreten wolt, so solt er einen
gnedigen herrn an jm haben. 2 Macc. 7,
24.
Ceregieren, s. die partikel ge 4).
GEREINIGTE
85
GERICHT
ifreiygtCy m. das pari, gereinigt iubtt. :
der gereinigete. 3 Mos, 14, 8; des gereinig-
ten. V. 18; den gereinigten, v. 19; dem
gereinigten, v. 29.
Cereisi (gereiss), n. das reissen : wie solt
ein gereiss vmb die liebe tauff sein, haus-'
post. (ir»a0md. 1545). ftsU^ü^lK
%tftm gern, m. schosi, rocksehosx: da
breitet ich meinen gern vber dich. Ezech.
1 6, 8 ; wenn jemand beilig fleisch trüge in
seines kleides geren. Hagg. 2, 13. nach
dem grundUxie {i\^^ flügel, Mipfel des ober^
kleides oder des mantels, der hei nacht zur
decke Hernie.
von mhd. g^re {Ben. l, 499*. Lexer
869), ahd. g^o kteinia, zwickel {Graff 4,
225).
(SeretCj s. geräth.
Cerellla, s. geräthlein.
Ccrettck, s. geräuch.
fienetett (gerewen), poenitere, reuen»
mM. geriuwen {Ben. 2, 750 ^ Lexer 884) ;
nur unpers. mit persönlichem objeei : gott
gedacht, es möcht das volck gerewen {sc. der
auszug aus Egypien). 2 Mos. 13, 17; also
gerewet den herrn das vbel. 32, 14; vnd
wird sie gerewen die bosheit. Ezech, 6, 9 ;
als denn wird euch ewer {eure) sünde vnd
abgötterey gerewen. 36, 31 ; eine rewe, die
niemand gerewet. 2 Cor, 7, 10. das pari.,
wie mhd., noch stark : vnd jn nicht gerewen
hat. Jer. 20. 16; denn es hat mich schon
gerewen das vbel. 42, 10; hat dich der
ßchimpff gerewen ? Jen. 1, 359 ^
Umrtmte, s. geräufe.
fierich^ gerichte, n. mhd. geriht, gerthte
{Ben. 2, 646*^ — 649". Lexer 880), ahd,
girihti {Graff 2, 417). in zwei hauptbedeu^
lungen.
1) Judicium, a) ort und personal des
geriehts fiieszen häußg in einander: sey
nictit zenckiscb- f ur gericht. Sir. 4, 7 ; wiltu
das gestehen vnd öffentlich für gericht beken-
nea vnd bezeugen? von ehesachen. (1530).
Gij * ; wie die lasen zungendresscher für Be-
richt Xhun. von den Juden, (1543). biiij*;
vnd ist ein gemeine plage ynn der weit , das
ym gericht .seltien frome leut sitzen, deudsch
caiech, (1529). Kij*; wenn ein hadder ist
zwisschen mennern, so sol man sie für gericht
bringen vnd sie richten. 5 Mos. 25, 1 ; er
ist nicht mein gleiche, dem ich antworten
möchte, das wir für gerichte mit einander
kernen. Hiob 9, 32 ; meinstu er wird sieh
für dir furchten dich zu strafen vnd mit dir
für gericht tretten? 22, 4; keret wider vmb
fürs gericht. Susanna 49 ; die reichen ziehen
euch für gerichte. Jac. 2, 6.
b) die handhabung der gerechiigkeit, des
riehUranUes, das gerichlsverfahren mit ein*
schlusz des uriheilsspruehes und dessen
Vollstreckung: gerichte, wdches heisst nidit
anders, denn (wie wir auch dauon reden) da
man handelt vnd vrteilet zwischen zweierley
streitigen parten, welches recht oder vnrecbt
habe, vnd fasset zu gleich die beide stück,
welche müssen alle zeit im gerichishandd
sein, gnade vnd zorn, odder hülfe vnd straffe,
eines das der vnschüldiger ledig gesprochen
vnd jm zu recht geholfen wird, das ander,
das der schuldige verdampt vnd gestraffet
wird, doch wird es fast am meisten ge-
braucht für das ander teil des geriehts oder
rechtspruchs, nemlich für verdamnen vnd von
dem folge oder execution desselben, ausleg*
det ep. vnd euang. von oslem. (1544).
Q 5 ^ ; wer einen todschlag gethan hat, der
ist erstlich schuldig des geriehts, das ist, das
man jn furstelle, zu jm klage vnd ein vrteil
vber jn feile, das 5. 6. vnd 7. eap. s.
Malih. (1532). Rj^ in diesem sinne häu-
fig in der bibel: keine person solt jr im ge-
richt ansehen. 5 Mos. 1, 17; das sie das
volck richten mit rechtem gericht. 16, 18;
darumb bleiben die gottlosen nicht im ge-
richte. ps. 1 , 5 ; er {der herr) hat einen
stuel bereitet zum gericht. 9, 8; daselbst
sitzen die stttle zum gericht 122, 5; alle
zunge so sich wider dich setzt, soltu im ge-
richt verdamnen. Jes. 54, 17; es wird gar
ein scharf gericht gehen vl)er die oberherrn.
weish, 6, 6 ; es wird aber ein vnbarmliertzig
gericht vber den gehen, der nicht barmher-
tzigkeit gethan hat. Jac. 2, 13; öffentlich
gericht. der proph, Jona. (1526). Eiiij'.
das jüngste gericht, das endgerichl, weltge^^
rieht : vorzeiten da die maier das jüngste ge-
richt maleten. wider Hans Worst. (1541).
Eiiij ^ ; da aber Paulus redet von dem zukünff-
tigen gerichte. ap. geseh, 24, 25 ; es wird
GERICHT
86
GERING
Tyro vnd Sidon treulicher ergeben am ge-
richte» denn euch. Luc, 10, 14. es heiszl
gericht halten, handhaben, zu gericht sitzen,
a%€h blosz gericht sitzen, das gericht hegen :
eine halle, darin man gericht hielt. 1 hon,
1,1; wenn wiltu gericht halten vber meine
Verfolger? p«. 119, 84; Dauid handhabet
gericht vnd gerechtigkeit. 1 cAroti. 19, 14;
ein geist des rechts, dem der zu gericht sitzt.
Jes. 28, 6; wenn sie solten gericht sitzen
vnd etwa ein blut vrteil sprechen, zwo
hochzeilpredigten. (1536). Aiiij^; der
amptman Ues gericht sitzen vnd den bapst
mit den cardinelen verklagen, trider das
bapstum. (1545). Dii]**; ein richter sol er
zwar sein, aber jnn der zukiinfftigen weit, da
er wird sein gericht hegen vnd halten am
jüngsten tage, das 53. cap, Jes, (1539).
Jiiij^
c) gericht — ■ urtheü : die engel nicht er-
tragen das lesterliche geriebt wider sich vom
herrn. 2 Petr. 2, 1 1 ; mit welcherley ge-
richte jr richtet, werdet jr gerichtet werden.
Matth, 7, 2; richtet nicht nach dem ansehen,
sondern richtet ein recht gerichle. Joh. 7,
24; du hast das gericht lassen hören vom
hymel. ps. 76, 9 var.
d) gericht <=» Strafgericht, strafe: ich wil
euch erlösen durch grosse gerichte. 2 Mos.
6, 6 ; der herr hatte auch an jren göttern ge-
richte geübt. 4 Mos. 33, 4 ; auch thetten
sie an Joas gerichte. 2 chron. 24, 24 var.
e) in den ersten ausgg. der bibel begegnet
das wort gericht noch in einigen andern be-
deutungen , worüber sich L, in der vorrede
auf den psalter {Bindseil 1 , 329) auS'
spricht: das wörtlin gericht, wens alleyne
stehet heysst es ettwa eyn richterampt, als
psalm 7 (v, 7) erwecke das gericht das du
gepotten hast vnd richten heysst denn regiern.
ettwa heysst es gottes gepott als psalm civ iij
(1 19, 26) lere mich deyue gerichte. item eyne
gewonheyt odder recht, als exo. xxij (21,
9) er soll mit yhr thun nach dem gericht der
tochter, das ist tochter recht, odder wie man
eyner tochter pflegt zu thun etc. wens aber
bey dem wort gerechtickeyt steht, so ist es
des gerichts werck die helfft, nemlich das vr-
teyl da mit das gotttos vnd vnrecht verurteylt,
gciiasset vnd gestrafft wird.
2) angerichtete speise: vnd Jacob kocht
ein gerichte. 1 Mos, 25, 29 ; las mich ko-
sten das rote gericht. v. 30; ein gericht
kraut, spr, 15, 17; ein herrlich gros mal
mit vnaussprechlichen gerichten. zwo pre^
digt, (1535). Ej\
Cerichtanty n. das richteramt: das ge-
richtamt ist gottes. 5 Mos, 1, 17.
Cericktshattdel^ m, \) das gerichtsver-
fahren : die beide stück müssen allzeit im ge-
richtshandel sein , gnade vnd zom. ausleg.
der ep, vnd euang. von ostem, (1544).
Q5^
2) Streitsache vor gericht: vnd ist zwi-
schen ym (gott) vnnd den selben (den selbst-^
gerechten) ann vnderlasz ein kriegischer ge-
richtshandell. die sieben buszpsalm. (1517).
5**; am sechsten ( 1 Cor, 6) strafft er die
gerichtshendel als vnclu-isüich wesen. Bind"
seil 7, 450 anmerk. 10 ; item, das man nicht
gerichtshendel haben sol. post, (1528).
235*; das (dasz) gerichtshendel sind ist
nicht das beste, were besser es were keiner.
Jen. 1, 74*^.
CerichtMrdiiiiig, f. Ordnung in gerichls-
Sachen : das ander stücke christlicher freiheit
ist, das vns Christus nicht bindet an die cere-
monien vnd genchtsordnung des gesetzs Mosi,
sondern das Christen mügen brauchen ge-
richtsordnung aller lender. vnterricht der
visitatom. (1538). Jüj *.
Clerichtsstihl 9 m. richterstuhl, rieht-
stuhl: da er (Pilatus) auff dem gerichtstuel
sasz, schickte zu yhm seyn weyb. MaUh. 27,
1 9 var. ; wyr werden alle für dem gericht-
stuel Christi dargestellet werden. Rom, 14,
1 var. ; alle menschen, alle engel vnd teu-
fel für seinem gerichtsstuel komen müssen.
Jen, 1, 250 ^
derlttg, geringe^ adj. parvus, exiguus,
mAd. geringe (Ben. 2, 7lP. Lexer SS2).
1) gering, klein an zahl: ich bin ein ge-
ringer hauffe. 1 Mos, 34, 30 ; der {der erz-
vater Jacob) zoch hinab in Egypten vnd war
daselbs ein frembdling mit geringem volck
vnd ward daselbs ein gros, starck vnd viel
volck. 5 Mos. 26, 6.
2) gering, niedrig an werih, werihlos:
alles gold ist gegen sie wie geringer sand.
weish, 7, 9; vnd regierte den gerechten
GERINGE
87
GERN
durch ein geringe hol tz. 10, 4; nichts ge-
ringers vnd verachters bt denn eyn dürr
bhd. der proph. Jona. (1526). Hj'.
3) gering an innerer gikte, innerem ge^
halt, schlecht: secke anzihen ist aulT ebreisch
gered, das es heyst geringe kleider antbun.
der proph. Jona. (1526). Jiiij*; das kind
(Jesus) hat neerlich geringe, arme windelin.
hauspost» (Jhena 1559). 45S*; es ist bes-
ser geringe naning vnter einem bretern eigdn
dach, denn köstJicher tisch vnter den fremb-
den. Sir. 29, 29 ; jederman gibt zum ersten
guten wein , vnd wenn sie truocken worden
sind, als denn den geringern. Joh. 2, 10;
solch elendt barmhertzig kuchen laiin wol
werdt were eyns geringen deutschs. ein
bepstlieh brew. (1523). Rij*.
4) gering der bedeutung, wiehUgkeit
nach, unerheblich, unbedeutend: wo aber
eine grosse sache ist, das sie die selb an dich
bringen, vnd sie alle geringe Sachen richten»
2 Mos. 18, 22; vnd gott wircket nicht ge-
ringe thaten durch die hende Pauli, ap,
gesch. 19, 11; nach dir wird ein ander kö-
nigreich auffkomen, geringer denn deines.
Dan. 2, 39; — darumb ist mein rat, das
man die rüstung nicht so geringe anschlahe.
vom kriege wider d. T. (1529). Hj\
5) gering der Würdigkeit nach, untotir-
dig: ich bin zu geringe aller bannhertzigkeit
vnd aller trewe. 1 Mos. 32, 10; ich bin
der geringste vnter den aposteln , als der ich
nicht werd bin, das ich ein apostel heisse,
darumb das ich die gemeine gottes verfolget
habe. 1 Cor. 15, 9.
6) gering dem stände, der würde nach,
nicht vornehm, arm : ich aber bin ein armer
geringer man. 1 Sam, IS, 23; von dem ge-
ringen volck, das nichts hatte, lies zur selbi-
gen zeit Nebusar Adan der heubtman etliche
im lande Juda. Jer. 39, 10. substantivisch:
er wird gnedig sein den geringen vnd armen.
ps. 72, 13; wer dem geringen gewalt thut,
der lestert desselben schepffer. spr, Sal. 14,
31.
Üedmfjjtf adv. wenig, mhd, geringe {Ben.
2, 712*. Lexer 882): da er sein leben ge-
ringe bedachte. Phil. 2, 30.
Clcriigenii verringern, vermindern: gott
seine dienst vorkurtzen vnd geringern. von
den guten wereken. (1520). Aiij^; also
wird das los vnsers erbteils geringen. 4
Mos. 36, 3. — mhd. geringern {Ben. 2,
712 ^ Lexer SS3).
Utfimgtwmmgj f. Verminderung: das ist
von predigen vnd leren gesagt, die zu des
glaubens besserung oder geringerung geleret
werden, gl. xu 1 Cor. 3, 12.
4ieriigigkdt (geringickeit), f. niedrigkeit:
vnser geringikeit. ausleg. der ep. vnd euang.
von ostem etc. (1544). E 5^
flcriigU<;k, adv. gern und schneU,
leicht, ohne Schwierigkeit, mhd. gerincltche
{Ben. 2, 713'. Lexer 882): hat aber yr-
gend einer seinen nehisten ermordet , so ists
yhm viel geringlfcher vergeben worden, denn
das er ein kirche odder kirchoff entweihet
bette, ausleg, der euang, an den /ümettit-
sten festen. (1527). Q7^;vnd verdorren
gleich dem gras vnd noch geringlicher. auS'
leg. schöner Sprüche. (1549). Jj*. infoU
gender stelle steht es adj. im sinne von ge*
ringj unwerth, unwichtig: noch kompt michs
so sawr vnd schwer an, diesen artikel im
hertzen zu erhalten, das ich jn trawen nicht
wil noch kan so verachten vnd geringlich hal-
ten, das \%. cap. s. Joh. (1538). Bbiiij*.
^tilwätm^ XU festerem sein {zustande) zu-
sammenrinnen : hastu mich nicht wie milch
gemolcken vnd wie kese lassen gerinnen.
Hiob 10, 10. — mhd, gerinnen {Ben. 2,
717 *. Lexer 883), ahd. girinnan {Graff 2,
514).
dem, genie^ adv, mhd. gern, ggrne {Ben.
1, 534. Lexer SSb), ahd. gSruo {Graff A,
233). anfangs bietet L. noch den in der
älteren spräche üblichen compar. gerner
=M lieber : ob er sonst gemer stürb. serm,
von der bereitung xum sterben. (1519).
a u] •.
1) libenter, mit freude, bereitwillig: sein
vater (Isaac) nicht gern sähe die töchter Ca-
naan. 1 Mos. 28, 8 ; ich wil nu gerne ster-
ben. 49, 30 ; alle die es gerne vnd wilhg-
lieh gaben. 2 Mos. 35, 21; mein hertz
frewet sich, das du so gerne hilffest, ps, 13,
6; er ist alle zeit barmhertzig vnd leihet
gerne. 37, 26; deinen willen, mein gott,
thu ich gerne. 40, 9 ; völcker die da gern
kriegen. 68, 31; gerne haddem. spr, 20,
GERNEGAST
88
GERCCHT
3 ; got ist szo beraten, das er die schreyen-
den vnd clagende gerne hört, die sieben
husxpsalm. (1517). Bij*; ich lasse es von
hertzen gerne zu» das das abendmal an sacra-
mentsey. vom abendmal Chriiti, (1528).
q iiij * ; die hofejunckern vnd amptleute sind
gerne frey. der iO\. psalm, (1534). Fiij^
oft dient es zur erhöhung des optaUven
ausdruckes: eins bitte ich vom herm, das
bette ich gerne, ps. 21, 4 ; ich wolt gerne
hin gehen mit dem haaffen vnd mit jnen wal-
len zum hause gottes. 42, 5 ; deine knechte
wollen gerne, das sie (Zion) gebawet würde
vnd sehen {sähen) gerne, das jre steine vnd
kalck zugericht würde. 102, 15; o wie
gerne wolte ich, dasz jre confutation an tag
keme. Uschr. 371 ^
2) mit leichtigkeit , leicht möglieh: das
(schwert Joabs) gieng gerne aus vnd ein. 2
Sam, 20, 8 ; er {der rabinen und gramma^
listen verstand [»» Verständnis, auslegung])
klebt on das von jm selber allzu gern an, wie
pech vnd leym, wenn man sich gleich wil
fürsetzlich da für hüeten. die letzten worte
Dauids. (1543). Aiiij*.
Ceriegast^ gerngast , m. wer sich gern
als gast aufdrängt: das sind die tellerlecker,
suchen trüncke vnd gemgeste (die 1533 bei
G, Rhaw erschienene ausg. des Jesus Sp-
rach hat gemegeste), die faulen schelmen, die
nichts thun wollen. gL zu Sir, 40, 29 bei
BindseiL
Cerste, gerstei^ f. hordeum, mhd. garste
{Ben, 1, 499 ^ Lexer 887), ahd, g(§rstä
{Graff 4, 265)* noch mit schwacher bie-
gung, woher auch der nom. sg. gersten : die
gersten hatte geschosset. 2 Mos. 9, 31 ; ein
homor gersten. 3 Mos, 27, 16; es war bey
eim epha gersten. Ruih, 2, 17 ; Boas worf-
feit diese nacht gersten. 3, 2; der herbst
bringt körn, gersten, habern. der ^b.psalm.
(1534). Jij^
Hentei^ adj, hordeaceus, von gersle,
mhd. girstin (Ben. 1, 499^. Lexer 1021),
ahd, girsttn {Graff 4, 265): ein geröstet
gersten brot. rieht. 7, 13; es ist ein knabe
hie, der hat fünff gersten brot. Joh. 6, 9 ;
den zehenden epha gersten melhs. 4 Mos. 5,
1 5. heute gerstenbrot, gerstenmehl.
SenteienitCi f. es war aber vmb die zeit
das die gersten erndte angieng. Ruth, t, 22 ;
bis das die gerstenernd vnd weitzenemd aus
war. 2, 23; wenn die gerstenerndte ange-
het. 7, Sam. 21/9; in der gerstenemdte.
Judith 8, 2.
flcnteBliickei, m. huchen «cm gersten-
mehl: gerstenkuchen soltu essen. Ezech.
4, 12.
Cericb^ m. odor, odoratus, mhd. geruch
{Lexer 888)> v. riechen.
1) der geruchsinn: so viel ich dem ge-
ruch meiner nasen nachspüren vnd vrteilen
kan. ein dialogus. (1545). Aiij^
2) odor: vnd der herr roch den lieblichen
geruch. 1 Mos. 8, 21 ; da roch er den ge-
ruch seiner kleider vnd segnet jn vnd sprach :
süie, der geruch meins sons ist wie ein ge-
ruch des feldes, das der herr gesegnet hat.
27, 27 ; der geruch deiner salben vbertrilft
alle würtze. hohelied 4 , 10; ein süsser
•
geruch. 2 Mos. 29, 18; ein guter geruch.
2 Cor. 2, 15; der psalter trefflichen edlen
geruch von sich gab. Bindseil 7, 317.
3) ruf, gerücht: der herr sehe auff euch
vnd richte es, das jr vnsern geruch habt
»tincken gemacht für Pharao. 2 Mos. 5, 21.
flerikiit (gerucht), geriehte, n. mhd. ge-
rücht, gerücht {Ben. 2, 803 * unter geruo-
chede. Lexer 888), zu riechen.
*1) odor, geruch: das wort gotts ist ymer
heylsam, obs wol den gottlosen eyne giffi
vnd gerücht des tods zum tod ist. das ander
leyl Widder die hymL propheten. (152?).
Mij». vgl. 2 Cor. 2, 16.
2) fama, umlaufendes gerede wovon:
da sie das gerüchte höret, das die lade gottes
genomen vnd jr schweher vnd man tod war.
1 Sam. 4, 19; kam das gerüchte für Dauid,
das Absalom bette alle kinder des königs er-
schlagen. 2 Sam. 13, 30; Mardachai war
gros im hause des königes vnd sein gerüchte
erschall in allen lendern. Esth. 9, 4 ; sein
[Jesu) gerucht erschal in das gantz Syrien-
land. Matth. 4, 24; zu der zeit kam das ge-
rüchte von Jhesu für den vierfürsten Hero-
des. 14, 1 ; von eyner predigt, die dodi der
könig selbs nicht höret, sondern nur das ge-
rächte dauon vernam. der proph. Jona.
(1526). Aiij*. gutes gerücht, guter ruf
guter name : ein gut gerücht machet das ge-
GERÜHLICH
89
GESANG
beine fett. spr. SaL 15, 30 ; ein gut gerächt
aus fernen landen ist wie kalt nasser einer
durstigen seele. 25, 25; ein gut gerücht ist
besser denn gute salbe, pred, SaL 1, 2;
menner die ein gut gerücht haben, ap, ge$ch.
6, 3. einmal steht atich das einfache ge-
rücht «» guter name: das gerücht ist köst-
licher denn gros reichthüm. spr, SaL 22, 1.
böses gerücht, üble nachrede: auff das dirs
Dicht vbel spreche der es höret vnd dein böse
gerücht nimer ablasse. 25, 10; durch böse
gerüchte vnd gute gerüchte. 2 Cor, 6, 8.
(ierihlichy L. gerüglich (geruglich), ruhig,
1) adj,: auff das wir ein gerüglich (erste
ausg. des n. lest, gerüglich) vnd stilles leben
füren mögen. 1 rtiii. 2, 2. — 2) adv,: ge-
rüglich sterben. Jen. 1, 182*.
Ilernipely n. tumultus, mhd. gerumpel,
gerömpel (Ben. 2, 793 ^ Lexer S90): rieht
ein solch gerumpel ynn der scfirifll an. das
diese worl etc. (1527). aij'; da wird wid-
derumb ein gerumpel ynn der schrifft wer-
den, ebend, a iij '^ ; da solt sich alier erst ein
gerumpel ynn Zwingeis gauckelsack heben.
vom abendmal Christi. (1528). lij*.
^tmty geribte^ n. mhd. gerüste (Ben. 2,
823'. Lexer 891), ahd. girusti (Graff 2,
547), V. rüsten.
1) geräth, Werkzeug: da hat der mensch
angel, netze, garn, körbe, reusen vnd aller-
ley gerüst, das man sie (die fische) fehet vnd
frisset. der prophet Habacuc. (1526).
f iiij ^
2) erbaute Vorrichtung wozu : wir wissen
nicht, wie vnser herr gott seinen bauw zu-
richtet, wir sehen nur das gerüste von Stan-
gen vnd bestehnen stricken zugericht. tischr,
44'. bildlich: lieben Christen, lastmcyn vnd
aller lerer auszlegen nur eyn gerust seyn zum
rechten baw. ausleg, der ep. vnd euang.
vom christag, (1522). ttt5**.
3) Waffenrüstung: gerüst oder wappen
{Waffen), Jen. 1, 93".
^emiti, gerüst, part. 1) adj.: gerüstete
krieger. deudsche psaller, (1541). Rij**;
gerüst heeruolck. 1 chron, 8, 4.
2) stibst, : die sechs hundert gerüste mit
jrem hämisch, rieht. 18, 16; die gerüsteten
in Moab. Jes, 15, 4.
flcstgei^ sagen, mhd. gesagen (Ben. 2^
DiKTz, Wörterbuch. II.
20 ^ Lexer S9^): wenn sie dasselbig^ ge-
sagen, so ists denn gnug. ' vom abendmal
Christi. (1528). gij^
flesalbct, gesalbt, part. 1) adj.: ein ge-
salbeter könig. 2 Sam. 3, 39. — 2)subsL:
Messias, welches ist verdolmetscht der gesal-
bete. Joh,' 1, 41; vnd wird macht geben
seinem könige, vnd erhöhen das hom seines
gesalbten. 1 Sam. 2, 10 ; das lasse der herr
ferne von mir sein, das ich das thun solte,
vnd meine band legen an meinen herrn den
gesalbten des herrn. 24, 7 ; die könige im
lande lehnen sich auff vnd die herrn ratschla-
gen mit einander wider den herrn vnd seinen
gesalbeten. ps. 2, 2.
ClesMiilte, m. legatus, böte: apostel heisst
ein gesandter oder böte. gl. zu Joh. 13,
1 6 ; apostel das ist gesandte oder auff recht
alt deudsch boten, der HO. psalm. (1539).
Mij^; da die gesandten widerumb zu hause
kamen. Luc. 7, 10; die gesandten giengen
hin vnd funden wie er jnen gesagt hatte. 19,
32.
Hesrnng (gesangk. ausleg. deutsch des v.
u. 1518. Bj*), m. cantusy mhd. gesanc
(Ben. 2^ 304'. Lexer 894), ahd. kisanc
(Graft 6, 251). einmal begegnet nqch das
in der älteren spräche übliche n. : das
deudsche gesang, mitten jnn dem leben etc.
vnterricht der visitatom. (1538). Kiii j ^.
1) die handlung des singens: der gesang
der senger. 2 chron. 29, 28 ; ich hab des
gesangs ein ende gemacht. Jes. 16, 10; die
weiber aus allen stedten Israel waren gegan-
gen mit gesang vnd reigen dem könige Saul
entgegen. 1 Sam, 18, 6; vnd wil her aus
nemen allen frölichen gesang. Jer. 25, 10.
von tiiieren : man sagt vom pfauwe , dasz er
habe ein diebischen gang vnd teufelischen ge-
sang. tischr. 277^; mau kennt yhn (den
vogel) bey seynem gesang vnd feddern. auff
des bocks antwort, (1521). aij'.
2) da« gesungene, lied: wie Moses zeuget
in seinem gesang. 2 Macc, 7, 6 ; das ist
llabacucs gebet vnd gesang. der proph. Ha-
bacuc. (1526). oiiij'; der gesang der
dreien menner im fewr. Überschrift eines
apokryphischen buches ; ein gesang von dreien
leisen, hauspost. (Wittemb, 1545). winter-
teil 23'; elUche psalmen vnd gesenge.
12
CESAKGBÜCHLEIX !
deudtch eaUeh. (1529). Aiiij'': viel guler
lieder vad ge»eng. von der vinekelmeue.
(1533). (iii'.
3) gesang «• metodie: der geung oder
dohn. von den teilten teortat Da%Udi.
(1543). Biij''.
4) redeniarl: viel gesanges aus etwas
machen, viel toetetu , viel aufhebent, viel
rükmetu von eltetu machen : dis buch {die
teeitheil Salontomt) in der römischen kirchen
also hoch vnd acboD gehalten, das fredich
kaum aus einem buch in der schrüTt so viel
geMQges gemacht ist als aus diesem, vorr.
aug die weühetl Salomarät. Bindteil 7.
415.
tIeniKbieUeli, n. kleine$ ge$a»gbudi:
gesangbüchlin. aantunge an $. l. Dend-
sehen. (1531). HiJ'*.
fiesnige (gesenge), n. getang. coli, tu
sang, tRhd. gesenge {Lexer 911): das ge-
senge ynn den sontags messen, von orde-
nung goUis^ensl. (1523). Aii]''; Seligkeit,
die man mit keinem gesenge noch gcprenge
erlangen kan. da« man kinder zw tchulen
halten solle. (1530). Biij''; vnd als er nahe
zum hause kam hürel er das gesenge. Luc.
15, 25 ; der vogel gesenge. gl. tu Hieb 35,
10.
ficsSsi, geiäsie (gesesse), n. mhd. gcsai^e
(Ben. 2', 340". Lexer 895|. 1) sede*.
siti: vnd waren lehnen auff beiden seilen
vmb das gesesse. 1 kön. 10, 19. 2 chron.
9,18; der königslul vnd gesess sei dein vnd
nicht eins andern sein. Jen. 1, 92*.
2) silstheil des kÖTpers , der hintere:
küsse mich außs gesess. tischr. 214*; «iltu
vns ja fressen , so bitten ivir dich du woltest
vnten am gescsse anheben. Eisl. l, 421'.
fltsallf n. nebenform von gcsetz; der
bapsl ynn soleliem gesaU {dem verbot ä«r
prietlerehe) des teulTets apostci gcweszen ist.
auff das vbirchristl. buch. (1521). Aiiij^
fiesBuert (gesetirt, gcsewrlj, /ermenlaltu :
gesewrt brot. 2 Mos. 12, 15. 19. 20; 13,
7- stibsl.: du sott kein gescurts aulT das fest
essen. 5 Mos. 16, 3; es sol in sieben lagen
kein geseurts gesehen werden, v. 4>
(Inehäffc (gescheffe), n. gesehöpf, werk :
die ehe ist ein göttlich geschefTe, gäbe vnd
K) GESCHÄRFT
ordenung. wider die 32 arlikel. (1545).
Bij-.
dne^aStM'-^ beschaffen: also sol sein
geschaffen eins jgliclien Christen leben vnd
wesea. Jen. 1, IS*.
UttAaKtmlhk, durcA schaffen henorge-
bracht: (die Arianer) sprachen, das ditz
wortt gotlis were wol auch ein goU, aber nit
naturlich , szondern geschaffen lieh, austeg.
der ep. vnd euang. vom chrislag. (1522).
Oij*.
fieuhäft, gescliine (geschefTt, geschefilel.
n. mhd. gescheft, gescherte, gescbepfede, ge-
schcffede (Ben. 2', 72'. 74*. lexer 897|.
1) das geschaffene, gesehöpf, werk: ich
rhüme die gcschefftc deiner hende. pi. 92.
5 ; die geseheffte der hende gottes das siad
die rromen, die er gebirt vnd schaffet. Jen.
1,40". ^
2) Ordnung, anordnun^, Stiftung; das sol
vns gnug seyn , das gott mit vns ist, vnd den
ehestand ynn ehren haltten als eyn göttlich
edles gescheffle, das!, cap. Cor. (1523).
Aüij*; vnd lässei s jm gefallen als sein Ord-
nung vnd gescheDl. das 5. 6. vnd 7. cap.
s. Matth. (1532). Tj*.
3) oerricAlun^, arbeit: es begab sich, das
Joseph in das haus gicng sein geschefft i»
thun. 1 Mos. 39, 11; die geschefTt ausrich-
ten. 1 kSn. 9, 23; mit'der haussorge vnd
andern gescheffleu beladen, swo predigt auff
der kindertauffe. (1540). Cj'; wellUche
geschefft. an den ehristl. adel. (1520).
Fülj*; königliche gescheflte. Bindseil T,
333; wie man auff deudsch spricht von
schweren geschcITten. der proph. Habaciic.
(1526). c j"; nuulichc, heilsame geschefftc.
auff des bocks anlwort. (1521). aij*.
4) euphen. gemächt: da schlug jn das
Wetter... oben zum bäupt hineyn, dasz a
vnteu zum gescheffte wider herausz gieug.
tischr. 262*.
DeschäMlg (gcschemig) , pudtcus : dieser
name (apostel) ist ein geschemig name vnil
doch gleicli wol hoch vnd ehrlich, ausleg.
der euang. an den ßmemislen festen.
(1527). Aiiij".
fiescliitilit, s. schenken.
Cesefcärft (gescherift), part. adj.: meine
GESCU£FF£
91
GESCHENK
gescherfite feddern. die M, onttßorL (1533).
CfcMheffe^ s. gesebäffe.
fieschcfty s, geschäft.
Cesehciieii, fieri, evemre, mhd. gesch^en,
conir. gesehen {Ben, 2*, 112*» — 115*.
Lexer S98)» <ühd. gi-, kiscähan {Graff %,
412 ff*). L. hat nur anfangs noch die zu-
sammengexogene form gesehen (von dem
hapslum, 1520. Eij*), geschcen {serm. von
dem abUuz. 1518. Aiij^). der sg. des
praes, lautet geschieht, der sg. des praet.
geschach.
l) vnrhlich werden, a) so er spricht so
geschieh ts. ps, 33, 9 ; vnd es geschach also.
1 Mos, 1, 7. 9. 11. 15. 24; vnd geschach
wie der man gottes dem könige sagte. 2
kön. 7, 18; es wird geschehen was er ge-
schrien hat wider den altar. 1 kön. 13, 32.
b) mit bestimmter angäbe dessen, was
geschieht: vnd sihe, es geschach ein gros
erdbeben. Matih, 28, 2 ; vnd da geschahen
stimmen vnd donner vnd bhtzen vnd erdbe-
bung. offenb. Joh, 8, 5; vnd es geschach
schnelle ein brausen vom himel. ap. gesch.
2, 2; vnd es werden zeichen geschehen an
der sonnen vnd mond vnd Sternen. Luc. 21,
25 ; vnd ist eine grosse schlacht im volck ge-
schehen. 1 Sam. 4, 17; auffrhur, die in der
stad geschach. Luc, 23, 1 9 ; auffrhur vnd
abfall drinnen geschieht. Esra 4, 19; das
der grewel vnter euch geschehen ist. 5 Mos,
13, 14; was ist das für eine bosheit die bey
euch geschehen ist? rieht, 20, 12; stricke,
damit nie keine erbeit geschehen ist. 16,
1 1 ; vieleicht ist ein jrthum da geschehen. 1
Mos, 43, 12 ; dein wille geschehe auff erden
wie im himel. Matlh, 6, 10; o das meine
bitte geschehe. Hiob 6, 8.
c) wtit abhängigem satz: es were leicht
geschehen, das jemand vom volck sich zu
deinem weibe gelegt bette. 1 Mos, 26, 10;
vnd es wird geschehen, das du auch ein herr
vnd sein joch von deinem halse reissen wirst.
27, 40 ; wens (wenn es) denn geschehe, das
das erst mal vbel geriete. 2 Sam, 17, 9;
vnd sei geschehen, das, wer dem schwert
Jehu entrinnet, den sol Ehsa tödten. 1 kön,
19, 17.
d) mit praep,: da geschach desherrn wort
zu Samuel. 1 Sam, 15, 10; da gesehach
der befclh gottes zu Johannes, Zacharias son.
Luc. 3, 2. — - das geschach also von dem
herrn. Jos. 11, 20; von mir ist solcher be-
felh geschehen. Esra 6, 1 1 ; von dem herrn
ist das geschehen vnd es ist wunderbarUch
für vnsem äugen. McUth, 21, 42. — vnd
wird nicht geschehen durch grossen arm
noch viel volcks. Ezech. 17, 9; vnd gescha-
hen viel wimder vnd zeichen durch die apo-
stel. ap, gesQh. 2, 43; erlösung, so durch
Christo Jhesu geschehen ist. Rom. 3, 24;
— beschneitung, die m i t der band geschieht.
Ephes, 2,11.
2) zu (heil werden, widerfahren, mit
dat,: was ist dem son Kis geschehen? 1
Sam, 10, 11; morgen sol euch hülffe ge-
schehen. 11, 9; herr schaw, wie mir so vn-
recht geschieht, klagt, Jer„ 3, 59 ; errette*
den, dem gewalt gesclücht. Sir, 4, 9 ; klage
jn als sey dir gros leid geschehen. 38, 16 ;
so aber eine Offenbarung geschieht einem an-
dern. 1 Cor, 14, 30; dir geschehe wie du
gegleubt hast. Matlh. 8, 13.
Clescheideii^ part, geschieden, in folgen-
der stelle subst, : das ist auch die sach , das
er den gescheydenen nicht erleubt sich zu-
uerendern. das 7. cap. Cor, (1523;. Fij^.
vgl, scheiden.
I^eseheid (gescheit), prudens, sagax,
schlau: es geboret für allen dingen ein fromer
man zu einem ricbter vnd nicht allein ein
fromer, sondern auch ein weiser, gescheider,
ia auch ein küner und kecker man. deudsch
catech, (1529). Kij*; wer ynn ^solchen
Sachen der geschickste und gescbeideste ist.
ebend. Liij'»; da sie aber einen verschmitzten,
gescheiten antrifft vnd der einen grossen ver-
standt hat... desz brauchet sie. tischr, 95*.
— mÄd. geschide (Ben. 2*, 97*. Lexer
901). über etymologie und urspr, bedeu-
tung s, Weigand wtb, 1, 422.
desckeidigkeit (gescheidikeit), f, gescheid-
heit, Schlauheit f mhd, geschidecheit (Ben, 2\
97'*. Lexer 902): und wollen solchs nicht
schalkeit, sondern gescheidikeit vnd fursich-
tigkeit genennet haben, deudseh catech,
(1529). Liij^
fieschemig^ s, geschämig.
lieseheikj geschenke, n. donum, munus^
12*
GE$CH£NKLEIN
92
GESCHICKT
wikd. geschenke {Ben. 2S 8 1 '. Lexer 900) ;
leibes frucht ist eio geschenck. ps, 127, 3 ;
das euangelium ist ein lauter geschencke. wie
das gesetz vnd ewMngeUum zu vnierschet'
den. (1532). Aiiij^; wer wU ein geschencke
für Wucher achten? wider den wucher^
(1540). Bj**; ich danke euch für euer ge-
schenke. de Wette br. 4» 494; das reich ge~
schenk, ebend. 5, 767 ; königliche geschencke.
EsÜh. 2, 18; aber den kindern, die er von
den kebsweibem hatte, gab er geschencke.
1 Mos. 25, 6; darum b bringen wir dem
herrn geschencke. 4 Mas. 31, 50; du solt
nicht geschencke nemen, denn geschencke
machen die sehenden bUnd. 2 Mos. 23, 8.
tfi den briefen bietet L, einmal den pL : ge-
schenker : ich bedanke mich e. w. geschenker.
de Wette br. 4, 278.
flesckettkleiii (geschencklin), n. munus-
culum, kleines geschenk: ein geschencklin
zur zugäbe, das 5.6. vnd 7. cap. s. Matth.
(1532). 00 j^
l^cschepfy s. geschöpf.
CesfUcUy gewöhnlich n., selten f. {z. b.
die geschieht, das ander teyl widder die
hyml. Propheten. 1525. Oij'; eine geschieht.
Esra 6, 2), acta, res gesta, historia, mhd.
geschieht /. und n. {Ben. 2\ 115 ff. Lexer
902), oÄd. geseiht (6rra)f 6, 415). pL ge-
schichte (geschieht), woraus unser nhd. die
geschickte statt des urspr. geschieht hervor^
gieng.
1) was geschieht, ereignis, begebenheit:
geschieht, das sich darnach begäbe, vber das
erste buch Mose. (1527). Jj*; lasst vns nu
gehen gen Bethlehem vnd die geschieht se-
hen, die da geschehen ist. Luc. 2, 15; vnd
machet die geschieht ruchtbar. Marc. 1, 45;
vnd dis geschieht ward alles ruchtbar. Luc.
1, 65; das du nicht vergessest der geschieht
{gen. pl.), die deine äugen gesehen haben. 5
Mos. 4, 9 ; wenn man nu das geschieht an-
sihet, damit er die vergebunge der sunde er-
worben hat, so war es am abentmal nicht
geschehen, das ander teyl widder d. hyml.
Propheten. (1525). Oj**; ich wil alte ge-
schichte (pl.) aussprechen, ps. 78, 2; dis
sind die geschieh te Jeremia. Jer. 1, 1; die
geschieht (d. t. geschichte pl.) des königs
Dauid. 1 chron. 30, 29 ; die geschieht Re-
habeam. 2 chron. 12, 15.
2) erzäMung von geschehenem, historia:
es ist aber ditz gantz euanglium eyn schlecht
leycht hystorien odder geschieht, die nit viel
auszlegensz darff. euang. von den tzehen
aussetzigen. (1520). Dj".
desekicky n. mhd. geschicke {Lexer 901),
1) Schickung, fugung: durch gotte^geschick.
Jen. 1, 69^; die weyl den {denn) durch
gottis geschick vnd boszer menschen gesuch
on vnszer schult das reych vns geben ist, wil
ich nit raten dasselb faren zulassen, an den
Christi, adel. (1520). Mij*.
2) gestalt, beschaffenheit : die von natur
vnnd leybs geschick tüchtig sind tzur ehe.
vom ehelichen leben. (1522). AiiijS
descUcklickkeit fgeschickhgkeit, ge-
schicklickeit) , /l dexteritas, habUitas: s.
Paulus macht eyn geschicklickeyt vnd dienst
draus {aus der keuschheit) zum gottis wort
vnd glauben, das 7. cap. Cor, (1523). Dij'';
ein kriegsman von got die geschicklickeit hat
zukriegen, ob kriegsleute etc. (1527). Fif;
ein mensch der seine erbeit mit Weisheit, ver-
nunfft, geschickligkeit (var. geschicklickeyt)
gethan hat. pred. SaL 2, 21 ; geschickligkeit
in allen sachen. 4, 4. noch einen beleg s.
unter gedenken 1).
Cesckickt, part. adj. mhd. geschicket
{Ben. 2*, 119^ Lexer 901).
1) gestaltet: geschickt oder gestalt (d. i.
gestaltet), vber das erste buch Mose. (1527).
Dj * ; hie sol man aber nicht dencken wie die
philosophi Plato vnd Aristoteles gethan haben
mit yhren ideis, sondern auffs einfeltigest
also, das da rechtschaffen hymel vnd erden
gewest sey, wie ers selbs nennet vnd die
erste creatur, aber der beyde keines geschickt
sey gewesen, wie es seyn solte, gleich als
ein kind ynn mutter leib zum ersten nicht gar
nichts ist, aber doch nicht zugericht, wie ein
völUg kind sein sol. ebend.
2) bereit: das sie auff den selbigen tag
geschickt weren. Estii. 3, 14; das die Juden
auff den tag geschickt sein sollen sich zu re-
chen an jren feinden. 8, 13.
3) beschaffen: der christlich glawb ist
also geschiekt, das er sich frey dahyn setzt
auff gottis wort mit gantzem vertrawen. ep.
GESCHIRR
93
GESCHLECHT
8, Petri gepredigt. (1523). Eiiij*; dauon
yederman lerne, wie' der glaube geschickt
mos sein vnd was er für art habe, vber d€LS
erste buch Mose, (1527). giiij*; die selbi-
gen henchler sind also geschickt, das sie sich
frewen vnd ein lust dran haben, das sie von
eines andern ehebruch odder laster. reden
mügen. ausleg, der euang. von ostern etc.
(1527). eiiij^
4) 'paszlich beschaffen*, passend, taug^
lichf tüchtig {zu etwas) : tüchtige geschickte
leut. der 82. psalm. (1530). Ciij'; wer
seine band an den pflüg leget vnd sihet zu
rück, der ist nicht geschickt zum reich gottes.
Luc. 9, 62 ; wenn du sehest, das am henger
. . . mangcllt vnd du dich geschickt fundest,
soltistu dich datzu erbieten, von weltlicher
vberkeit. (1523). Biiij*; geschickt zu emp-
tern. 1 chron. 27, S ; zum streit geschickt.
2 chron. 26, 13; geschickt zu streiten, ho-
helied 3, 8; geschickt zu dienen. Dan. 1,
4 ; zu allem guten werck geschickt. 2 Tim.
3, 17 ; fast geschickt zum studio, de Wette
br. 4, 326.
5) hun^g , weise, verständig: das er
weise, verstendig, geschickt sey zu allerley
werck. 2 Mos. 35, 31 ; zur narung hilfft
nicht geschickt sein. pred. Sal. 9, 11 ; seine
(Kains) kinder geschickte vnd kflnstreiche
leute worden sind, vber das erste buch
Mose. (1527). Rj*; also findet man jnn
allerley stenden zuweilen furbundige, ge-
schickte menner. der iO\. psalm. (1534).
Ciiij ^ ; weib sol nicht leren im voick, summa
es sol ein gescliickter auserwelter man sein.
van den concilijs. (1539). fij*. — solche
geschickt {kluge, von klugheit zeugend, hier
ironisch) antwort sol niemand denn hertzog
George vnd seine eseltheologen geben. Ver-
antwortung etc. (1533). Eij ".
CescUrr (geschir), n. geräih, Werkzeug,
mhd. geschirre {Ben. 2^ 164 '. Lexer 903),
ahd. kisckirri (Graff 6, 538) : geschirr (vulg,
juga) vom ochsen. 2 Sam, 24, 22; ich
gebe das rind zum brandopffer vnd das ge-
schirr {vulg. tribula) zu lioltz. 1 chron. 22,
23 ; solchem geschir vnd furwerck wird ver-
gleichet der Christenheit regiment. das 16.
eap. 8. Johannis. (1538). Viiij^; ein ledig
geschirr (leer gefäsz). ausleg. der ep. vnd
euang. von ostern. (1544). c 5'.
CleMMeehti geschlechte (2 Mos. 25, 19;
4 Mos. 2&, 20; Sach. 12, 12), n. mhd. ge-
siebte {Ben, 2*, 390 •. Lexer 911), ahd.
gi-, kislahta (Qraff ^y 781), coli, von dem
von ahd. slalian schlagen in der bed. arten
abgeleiteten ahd. die slahta, mhd. slahte «=>
art, geschlecht vgl. Weigand wtb. 1,423.
der pl, lautet bei L, noch geschlechte (ge-
schlecht), vereinzelt begegnet der gm. pl.
geschlechten, z. b. ihrer geschlechten. 1
chron. 9, 28; aller geschlechten. Jer. 31, 1.
1) eine durch Verwandtschaft gebildete
natürliche gruppe, familie, stamm, volck:
geschlechte beiszen wie die sipschaüten vnd ^
samlung geblutter freuntschafiten. das ma-
gnificat. (1521). gj*. im umfassendsten
sinn steht das wort von der ganzen mensch-
heit: gott selbs verschonet dem gantzen
mensclilichem geschlecht vmb eines menschen
willen, der Jhesus Christus heist. das man
kinder zur schulen halten solle. (1530).
Gij'; das gröste teil das menschlichen ge^
schlechts. das 15. cap. der ersten ep, s. Pauli
an d. Cor. ( 1 534). Oij * ; in dir sollen gesegnet
werden alle geschlecht aufT erden. 1 Mos.
12, 3 ; als denn werden heulen alle ge-
schlechte auCr erden. Matth, 24, 30. von
^inem ganzen volcke, einer nation: dieser
{der könig von Egypten) treib hinderlist mit
vnserm geschlechte {dem jüdischen volck),
ap. gesch. 7, 19; vnd nam zu im jüden-
thum vber viel meines gleichen in meinem
geschlecht. Gal, 1, 14; jr aber seid das
ausserwelete geschlecht, das königliche prie-
sterthum, das heilige volck. 1 Pet. 2, 9.
von den abtheilungen und unterabiheilungen
eines volkes, eines Stammes : die zwelff ge-
schlechte («(ä'mme) Israel. Matth, 19, 28;
ein man aus dem geschlechte Benjamin, ap,
gesch. 13, 21; vnd sollet euch früe erzu
machen ein stam nach dem andern, vnd wel-
chen stam der herr trefTen wird, der soll sich
erzu machen ein gesclilecht nach dem andern,
vnd welch geschlechl der herr treffen wird,
das sol sich erzu machen ein haus nach dem
andern. Jos. 7, 14. von einer familie im
engsten sinn: so wil doch ich mein andlitz
wider den selben menschen setzen vnd wider
GESGHLECUTREGISTER
94
GESGHftiElSZ
sein ^eschleeht. 3 Mos. 20, .5; das ge-
sclilechte des hauses Dauid. Sack. 12, 12;
das geschlecht des hauses Nathan, ebend.;
das geschlecht Simei. v. 13.
2) generation und zwar a) die folge der
einzelnen glieder eines gesehleehU : wir mus-
sen der schriilt gewonen, die do nennet ge-
scldechte die folge der naturlichen tzichtung
adder gepurt alsz ein mensch vom andern für
vndfurgepornwirt. das magnißcal. (1521).
f iiijN ich byn dein got, starek vnd emsig,
der do strafft die sund der vetter in den Lin-
dern ynsz dritte vnd vierde geschlechte, denen
die mich iiassen. ebend. gj*, var, zu 2
Mos. 20, 5. 6) die gesammlheit der men-
schen, die zu einer gewissen zeit, während
eines menschenallers , mit einander lebt:
da auch alle die zu d^ zeit gelebt hatten, zu
jren vetern versandet worden, kam nach jnen
ein ander gesclilecht auff, das den herrn nicht
kennet, rieht, 2, 10; frage die vorigen ge-
schlechte. Hiob 8, 8 ; ein geschiccht verge-
ltet, das ander kompl. pred. Sal. 1,4; wem
sol ich aber Bis geschlecbt vergleichen?
Malth. 11, 16.
3) herkunft, abkunfl : dein geschlecht vnd
deine geburt ist aus der Gananiter lande.
Ezech, 16, 3 ; schertze nicht mit einem gro-
ben menschen, das er dein geschlechte (vulg.
progenies) nicht schmehe. Sir. 8, 5.
4) genus, art : wir sind seines geschlechts
{var. art). ap. gesch. 17, 28; so wir denn
götthchs geschlechts (var. gottlicher art)
sind. V. 29.
5) familiengeschichle : dis ist das ge-
schlecht Noah. 1 Mos. 6, 9 ; dis ist das ge-
schlechte Isaacs. 25, 19; das sind die ge-
schlechte Jacob. 37, 2.
Cleschleditregister, n. genealogia: der
törichten fragen aber, der geschlechtregister,
entsciüahe dich. Tit. 3, 9.
Cieschieppe, n. ge folge: es müsten aber
nicht alle bischoue, epte, münche, doctores
vnd des vnnützen huddelmans gesindlin vnd
das gros geschleppe dahin {zum concilium)
komen. von den concilijs. (1539). cij*^.
Cieschinack; m. sapor, selten, häufiger
noch das einfaihe schmack {s. d.): darumb
ist sein geschmack jm blieben vnd sein geruch
nicht verendert worden. Jer. 48, 1 1 ; brod,
das voller lust vnd lieblichs geschmacks ist»
Jen. 1, 82 •.
mhd. gesmac {Ben. 2\ 417'. LexerQlS),
ahd. gesmah {Graff 6, 825), auch vom aus^
strömenden geruche gebraucht,
lle§€hniali (geschmetz), n. geschwätz,
mhd. gesmetze i^Lexer 919), coü. zu smaz:
vnd des geschmetzs melir. von den concilijs
vnd Kirchen. (1539). Kiiij».
Ceschmeide, gescknide^ n. schmuck, be»
sonders metallschmuck, mhd. gesmtde {Ben.
2^ 426*. Lexer 919), aAd. gasmide {Grajf
ßf 827), coli, des ahd. smfda metall. in der
bibel begegnet nur die nhd. form geschmeide
(doch kommt einmal armgeschmid vor),
andre Schriften bieten noch die ältere form
geschmide : achsa heyst auff deutsch schmuck,
odder geschmide (post. 1528: geschmeide)
der schuch. ausleg, der ep. vnd euang. vom
chrislag. (1522). Cc ij ' ; schmuck, das mit
geschmide gezieret ist. der 111. psalm.
(1530). Diiij*; der herr wird jre geschmeide
wegnemen. Jes. 3, 17; wie eine braut in
jrem geschmeide berdet. 61, 10; vnd legt
die geschmeid an deine arm. Ezech. 16, 11 ;
vnd schmücktest dich mit geschmeide. 23,
40.
(teschmeisi (geschmeis), n. mhd. gesmei^e
{Ben. 2^ 433'. Lexer 919), von schmei-
szen cacare, auswerfen.
1) unrath, excremente: mit dickem staube
vnd Spinneweben vnd allerley vnzifers ge-
schmeis behengt. das iß. cap. Joh. (1538).
Rij '.
2) Ungeziefer, schädliche insecten: un-
zifer, das die Griechen heissen kynomyia, ist
alle böse würm, so da schaden thun im felde,
raupen, fliegen, zwifalter, emmeisse, kefer,
brenner vnd der gleichen geschmeis, das
beume vnd gewechse verderbet, gl. zu 2
Mos. 8, 21 ; was die hewschrecken lassen,
das fressen die kefer, vnd was die kefer
lassen, das frisset das geschmeis. Joel 1, 4;
ich wil euch die jare erstatten, welche die
hewschrecken, kefer, geschmeis vnd raupen
gefressen haben. 2, 25. bildlich von schäd-
lichen, verderbenbringenden personen: wie
vnsere rottengeister jtzt rhämen von grosser
hebe die s\t vnternander haben, das man
daraus müsse spüren, das da* heilige geist
GESCHMICK
95
GESCHREI
bey ju sey. was thuD sie aber ? sie lieben jr
eigen rotten gesciuneis, daneben sind sie vns
spinnen vnd mordlich feind. das 5. 6. vnd
7. cofi. s. Mallh, (1532)« dij*; bischoue,
pfaffen vnd das gantze bapsts geschmets.
serm. auff Malih. 22. (1535). Cj''.
3) epidemie, ansteckende krankheil: wol
ists war, das ein haus oder zwey ein ge-
schmeys gehabt, originalbr. vom J. 1535
im ges, arch. zu Weimar. N pag. 109. H.
42. 1. e; hat nu gott selbs im alten testa-
ment befolhen die aussetzigen aus der ge-
meine zuthun vnd aussen für der stad zu
wonen, das geschmeys zuuermeiden, so sollen
wir ja vid mehr also thun in diesem fehrii-
eben geschmeys. ob man für dem sterben
fliehen muge. (1527). Cüj^; also ist itzt
vnser pestilentz hie zu Wittemberg alleine
aus geschmeysse herkomen. ebend.; sich
fursehen für dem giffügen geschmeis {tat.
lext: contagio) solcher Sicherheit, deudsch
calech, 1530. Aiiij*. bildlich von die seele
vergiftenden irrlehren : wie jnn den lendern
hin vnd widder die Juden mit jrem geschmeis
vnd lere einreissen. ander die sabbather.
(153S). Aij*; heist das die schafe Christi
geweidet» wenn wir selbs nicht wissen obs
gras oder gifft, hew oder geschmeis sey ? von
den concilijs. (1539). Hiij\
fieseJiMck^ m. omatus, sphmuck, mhd.
gesmuc (Ben, 2^ 432*. Lexer ^20): zierde
vnd gesclimuck. von dem bapslum. (1520).
Diüj *; daher auch noch bey den papisten die
mesgewand odder kirchenkleider ornat, das
ist geschmuck heissen. der proph. Sacharja,
(1528). Mij*; kemerer, der der weiber
wartet vnd gebe jnen jren geschmuck. Esth,
2, 3; welcher (der weiber) geschmuck sol
nicht auswendig sein mit har flechten vnd gold
vmbhengen oder kleider anlegen. 1 Pet, 3,
3 ; da nympt er abermal den hymel für vnd
gibt yhm noch ein geschmuck, vber das erste
buch Mose. (1527). Fij".
Cieachöpf > L. geschepff, n. geschaffenes
wesen, werk : vnd haben geehret vnd gedienet
dem geschepffe melu* denn dem schepffer.
Aoffi. 1, 25 ; weil er aber das thut, so lestert
vnd lügenstrafft er erstlich gotte, sein ge-
schepff vnd sein wort, die kl. antwort.
(1533). Fij*; er solle mit jnen helffen gott
lestem vnd seine geschepff höhntich verach-
ten, von den Juden. (1543). Bj''.
Ce8ch«§i fgeschos), n. mhd. gescho^, ge-
sch6;5(īi. 2', 175^ 176*. Lexer 904),
ahd. gisc6^ {Oraff 6, 562). in zwei bedeu-
tungen,
1 ) missüe, jaeulum : er hat seinen bogen
gespannet vnd zielet, vnd hat drauff gelegt
tödlich geschos. ps. 7, 13. 14; wie einer
heimlich mit geschos vnd pfeilen scheust.
spr. Sal. 26, 18; er sol gesteinigt oder mit
geschos erschossen werden. 2 Mos. 19, 13;
Hehr, 12, 20. — die geschos der bhtzen.
weish. 5, 22.
2) abgäbe, schosz: nu hat s. Paulus zun
Rom. am 13. cap. drey stücke erzelet, die
der oberkeit gehören, das erste geschos.
vnterricht der visitatom. (1538). Dj*.
(ÜMchrei (geschrey), n. mhd. geschrei, ge-
schreie ißen. 2', 215**. Lexer 905), ahd.
giscrei (Graff 6, 566).
1) clamor: gelöhr vnd geschrey. von
priesterehe. (1528). Aiij**; geplerr vnd ge-
schrey. ein widderruffvom fegefeur. (1530).
Aij * ; da er höret, das ich ein geschrey machte
vnd ricff, da lies er sein kleid bey mir. 1
Mos. 39, 15. es steht vom klag^ wie jubel-
geschrei: vnd wird ein gros geschrey sein in
gantz Egyptenland. 2 Mos, 11.6; auff dem
gebirge hat man ein gesclurey gehöret, viel
klagens, weincns vnd heulens. Matth, 2,18;
da nu Josua höret des volcks geschrey, das
sie jouchzeten, sprach er zu Mose, es ist ein
geschrey im lagcr wie im streit, er ant-
wortet, es ist nicht ein geschrey gegen ander,
dere die obligen vnd vnterligen, sondern ich
höre ein geschrey eins singentantzs. 2 Mos.
32, 17. 18; da aber die Phihster höreten
das geschrey solchs jauchzens, sprachen sie,
was ist das geschrey solchs grossens jauch-
zens in der Ebreer lager? 1 Sam. 4, 6.
von dem geschrei der sich zum kämpfe an^
feuernden krieger ( vgl. kriegsgeschrei ) :
solchs deutet auch die losung vnd geschrey
yra slreyt, hie keyser, hie Franckreich, hie
Lüneburg, hie Braunsweig. ob kriegsleute
etc. (1527). Fj**. von dem lauten klägli-
chen, ängstlichen rufen, mit dem die heili^
gen gott nahen : herr, merck auff mein ge-
schrey (rar. ruffen). ps. 17, 1; höre gott
.*
GESCHRIFT
96
GESCHWEIGE
mein geschrey {var, meyne klage). 61» 2;
neige deine oliren zu meinem geschrey. 88,
3 ; las mein geschrey zu dir komen. 102, 2
var,
2) fama, ruf: ich mercke eher, dasz der-
selben Jugend viel solch geschrey der pesti-
lentz gern gehöret, de Wette hr, 4, 611;
da das geschrey kam in Pharao haus, das Jo-
sephs hrüder komen weren. 1 Mos. 45, 16;
aber es kam ein erlogen geschrey aus, wie
Antiochus soll tod sein. 2 Macc. 5, 5; es
gehet ein gemein geschrey, das hurerey vnter
euch ist. 1 Cor. 5, 1 ; Elisabet, die im ge-
schrey ist, das sie vnfruchtbar sey. Luc. 1,
36 ; da aber Jhesus anhub zu wundern vnd
ynsz geschrey kam. ausleg. der ep. vnd
euang. des aduents. (1522). Tij*; widder-
umb machen sie dem ehestand eyn geschrey,
als sey er welltlich vnd fleischhch. das 7.
cap. Cor. (1523). Dj"; wir Deudschen ha-
ben sonderlich geschrey dauon {von der
Irunkenheii) ynn andern lendern. vber das
erste buch Mose. (1527). biij\ grosz, gut
geschrei, ruf: ynn kriechischer sprach nen-
nett man heroes die grossenn leult von gros-
sem geschrey vnd thatten. ausleg. der ep.
vnd euang. vom christag. (1522). iiiij^;
euangelion ist eyn kriechisch wortt vnd heyst
auff deutsch gute botschalTt, gute meher,
gutte newzeytung, gutt geschrey. vorr. auff
das n. lest. 2*; das ist nicht ein gut ge-
schrey, das ich höre. 1 Sam. 2, 24. bös
geschrei : vnd bracht für jren valer, wo ein
böse geschrey wider sie war. 1 Mos. 37, 2 ;
vnd machten dem lande, das sie erkundet
hatten, ein böse geschrey vnter den kindern
Israel. 4 Mos. 13, 33; vnd legt jr was
schendlichs auff vnd bringet ein böse geschrey
vber sie aus. 5 Mos. 22, 14.
Cleschrift^ f. schrift, mhd. geschrift (Ben.
2^ 209 ^ Lexer 905): die geschrifft = die
heilige schrift. eyn hettbuchlin. (1522).
Aij ^ ; falscher verstand der geschrifft. post.
(1528). 324 •».
Cieschiht (geschucht), beschuht : sondern
weren geschucht. Marc. 6, 9.
lieschati, n. schieszzeug, schieszwaffen :
mit hämisch vnd geschutz. der proph. 5a-
charja. (1528). Jj''; die da trotzen auff jre
macht, wagen spies vnd geschütze. Jud, 9,
8 ; vnd die beiden wurden gewar , was diese
für geschutz betten. Sir. 3, 7; allerley
knegsrüstung vnd geschutz. 1 Macc. 6, 20 ;
vnd belagert das heiligthum eine lange zeit
vnd richtet da gegen auff allerley geschüte.
v. 51.
mhd. geschütze (ßen. 2^, 177". Lexer
907), coli, zu schusz. «. Weigand wtb. 1,
424.
Cesehwacht (geschwecht), part. v. schwä-
chen «s schwängernt subsl. : sie (die kinder
Aarons) sollen keine hure nemen, noch keine
geschwechte. 3 Mos. 21, 7; keine widwe
noch verstossene, noch geschwechte, noch
hure, sondern eine jungfraw seines volcks
sol er zum weihe nemen. 21, 14.
Cleschwägert (geschwegert) , verschwä-
gert, durch anheirathung verwandt: der
adel vnternander geuettert, geschwislert, ge-
schwegert (ist), Jen. 8, 45 ^
Cleschwäti (geschwetz), n. sermo, mhd.
geswetze (Ben. 2', 766 ^ Lexer 940).
1) rede überhaupt: das euangelion ist eyn
rede vnd geschwetz von Christo, ausleg. der
euang. von ostem. (1527). C 8^; gros und
lange geschwetz. Bindseil 7, 316.
2) häufiger in übler bedeulung, inhalts-
loses, unsittliches gerede, nugae: ich hab
mehr zu thun denn deines schrifftloszen ge-
schwetzs zu warten, auff das vbirchristl.
buch. (1521). Jm'}^; narren teydinge sind
die fabeln vnd merlin vnd ander geschw^etz.
ausleg. der ep. vnd euang. von der heil,
dreykönigetag. (1525). qij**^ faul, lani,
schal geschwetz. das diese wort etc. (1527).
i ij ** ; faul geschwetz. Ephes. 4, 29 ; vnnütz
geschwetz. 1 Tim. 1, 6; vngeistliche Jose
geschwetz. 6, 20 ; böse geschwetze verder-
ben gute Sitten. 1 Cor. 15, 33.
Cieschweblichi schwefelich: geschwebli-
cher gestanck. ein wellische lugenschrift.
(1545). Aüij*.
Geschweeht^ s. geschwächt.
Cieschwegert^ s. geschwägert.
deschweige^ ne dicam, nedum: vnd ist
gemeinighch geschehen, das die reinesten
münche die ergesten hüben gewesen sind,
geschweige das sie darzu das euangelium ha-
ben verloren, vier predigten. (1546).
Li".
GESGHW£IGEN
97
GESEOENEN
fieschweigei^ schweigen , mhd. geswtgen
{Ben. 2', 788 *. Lexer 940) : so doch unser
beschlusz, wie herr Carolus wohl weisz, also
gesunden ist, dasz ich geschweigen wollt, so
ferne meine widderparl auch schwiege, de
Weite hr. \, 237. mti gen, schweigen von
(etwas) : ich wil der fahr geschweigen , das
tt. s. w. von ehesachen. (1530). Bij^
lieschwcti, s. geschwätz.
ClMf hwlttd f geschwinde , bei L. noch im
sinne von schlau, klug, listig: wir auch
Boch teglich erfaren, wie geschwind, listig,
klug, behend der weit kinder sind gegen vns
frome, albere, gute, einfeltige schepse vnd
schafe. der 101. psalm. (1534). Miiij*;
dazu kan der teulfel so spitzige rencke vnd
geschwinde griflc, gifftige practiken erden-
cken vnd eingeben widder das euangelion.
das 6. cap. Ephes. (1533). Giiij*; sie er-
üchten schalckheit vnd haltens heimlich, sind
verschlagen vnd haben geschwinde rencke.
ps, 64, 7 ; man wird von tag zu tag . . . ge-
schwinder vnd anschlegiger auff den schend-
iiclien verfluchten geitz vnd wucher. haus^
post. {Wittemb. 1545). winterteil 99';
dasz vielleicht etliche furgcben bcy c. k. f. g.
die zwo Schriften scyn scharf vnd geschwinde,
das ist wahrlich wahr, de Wette br. 4,
239.
mhd. geswinde {Ben. 2^, 798'. Lexer
940 ) , häufiger das einfache swinde , was
auch L. noch braucht, s. schwind.
CegehwiBde^ adv. heftig, rasch, mhd. ge-
swmde(ß6n. 2', 798*. Lexer 940): nicht
zu geschwinde faren. st, in Esth. 6, 7.
ClesrhwiBilci, schwinden, m/id. ges winden
(Äen. 2*, 798 ^ Lexer 940): es möchten
sonst einem alle sinnen da für geschwinden
vnd vergehen, wamunge an s. l. Deudschen.
(1531). Hj^
Ceschwittdigkeit , f. klugheit, listi wer
die schärfe vnd geschwindigkeit des handeis
aaff jenem theil ansiehet odder merkt, der
wird meine schrift nicht für sonderliche
schärfe vnd geschwindigkeit rechen, de Wette
br. 4, 239.
fiesfhwisterigj pl. geschunster: das sein
zwey geschwistrig, die offl gerne bey ein an-
der sind, eyn geistlich edles büchlein.
(1516). Cüj*. einen weiteren beleg für die
DisTZ, Wörterbuch. II.
nicht häufig vorkommende form geschwi-
sterig bietet folgende stelle eines zeitgenos'
sen Ls.: die münch wollen den armen nun-
nen nit günnen, dz {dasz) sy ire fromm valter
vnd nmter vnd geschwisterig mögen sähen.
die fünfzehn bundgenoszen. (1521?). der
IX. bundtgnosz. b ij **.
CeschwIsterUid^ n. consobrinus: hie
haben wir nu die mutter des mcssia, die ist
mit Joseph geschwisterkind vnd sind beides
nifrtel eines grosvaters Matthes. vom schem
hamphoras. (1543). Lij*; so were Maria
mit Johanne dem teuffer geschwisterkind.
ebend, Mij*; h. M. (herzog Moritz) lesset
die nepotes; neffen, geschwisterkinder, der
churfürst aber die proncpotes, die ander ge-
schwisterkinder zu sich mit einander zu ver-
ehelichen, lischr. 315**. — mhd, geswister-
kint (Lexer 941).
fiesckwisterty als geschwister verwandt,
beleg s. gebrüdert.
<2c8diwiir> n. ulcus, eiternde körperstelle:
vnd rho fleisch im geschwür ist. 3 Mos. 13,
10; ein geschwür des brandmals. v. 28.
entstellt aus mhd. geswSr {Ben. 2^ 810*.
Lexer 939), ahd. giswSr {Graff 6, 889).
<2esehwnrM^ n. turba, gewimmel, mhd.
geswerme, geswarme {Ben. 2', 763 ^ Lexer
939), coli, xtt schwärm: ein geschwürm von
gesten aus allen orten, post. (1528). 83';
das gantze geschwürm vnscr geistlichen.
deudsch catech. (1529). Diiij*; das gantze
geschwürm des bapsts, pfaflen vnd mönche.
das 16. cap. s. Joh. (1538). Zij^;.es sind
noch viel mehr der newen stücke, als feg-
fewr, heilthumb, kirchen weihen vnd des ge-
schwUrms gantze drecket vnd dreckental.
wider Hans Warst. (1541). Eiij^; das
gantze geschwürm vnd gewürm menschUcher
geselzen vnd geboten. Bindseil 7, 447; vnd
were das vnzeliche vnzifer, gewürm vnd ge-
schwürm der bücher nicht. in die kirchen
komcn. Jen, 1 , * iij ^
ClesegeiM, gesegnen, segnen, benedicere,
mhd. gesogenen (Ben. 2^ 240^. Lexer
907), ahd. gisegan6n (6rra/f 6, 147): das
sol jhm der teufel gesegenen. von den
schlüsseln. (1530). Biiij ^ ; vnd er wol müge
yhr weniges also gesegenen, das sie vberflus
haben, post, (1528). 336*; weyl er soll
13
GESEGNET ;
98
GESELLBRUDER >
der . gesegenele samen seyn der alle andere
gesegenen solt. das Jhesus Christus eyn gC'
iomer Jude sey. (1523). Bj"; fride sey
euch, das ist so viel gesagt, gehabt euch wol
. . . wie wir sagen : goU grüsse euch odder
gott gesegne euch, ausleg. der.euang. von
ostem ftc, (1527). V 6**. einen gesegnen,
ihn zum abschiede segnen, von ihm abschied
nehmen: Tobias gesegnet valer vnd mutler
vnd zoch mit seinem gesellen dahin. Tob. 5,
24 ; vnd als wir einander gesegneten, tratten
wir ins schiff, ap. gesch.2\, 6; nach dem
ich nu ein zeillang alhie gewesen vnd euch
gepredigt habe, auch nu anheim mus vnd
villeicht euch nicht mehr predigen möcht , so
wil ich euch hiemil gesegnen, vier predig-
ten. (1546). Sj^
üeseguetj part. s. segnen.
üesein s. v. a. sein, mhd. gesin {Ben. 2V
294'. Lexer 914): so bald es gesein kan,
Jen. 2, 13 '^ ; das selb worl mag vnd kan kein
crealur gesein. post. (1528). 111"; ich woll
gerne vergeblicli blut vergiessen vnd verlorne
kriege verkomen, wo es ymer gesein mochte.
vom krieg widder d. T. (1529). Hij**.
Geseligen , selig machen, mhd. gesaeligen
{Ben. 2^ 41 ". Lexer 894): das wir sollen
ewige golles erben jm himel, lebendig vnd
geseligt sein, das 16. cap. s. Joh. (1538).
Pi]**. s. auch seligen.
desellj geselle^ m. socius, mhd. geselle
{Ben. 2'\ 29". Lexer 908), ahd. gisello
{Graff 6, 178). zu sal haus, daher
1) urspr. hausgenosse , dann genösse
überhaupt, geführte, freund: mein Ire wer
geselle {var. geferte). Phil. 4, 3; darum
hat dich gott, dein gott, gesalbet mit freuden-
öle, mehr denn deine gesellen {var. mitge-
nossen), ps. 45, 8; Daniel sampt seinen ge-
sellen. Dan. 2, 13; Eck mit seinen gesellen.
Widder die bullen des endchrists. (1520).
B 6 " ; s. Mattheus vnd seine gesellen, der
proph. Sacharja. (1528). Tij^; s. Moritz
mit seinen gesellen, von den concilijs.
(1539). Fiiij*; wer mit den weisen vmbge-
het, der wird weise, wer aber der narren
geselle ist, der wird vnglück haben, spr.
Sal, 13, 20; sihe, wie ist der mensch ein
fresser vnd ein weinseuffer , der zölner vnd
der Sünder geselle. Matth. 11,19; ich bin
ein bruder der schlangen vnd- ein geselle der
straussen.' Hiob 30, 29; ich habs beschlos-
sen, mir sie (die Weisheit) zum gesellen
{bibel: gespielen) zu nemen. var. zu weish.
8, 9. Eiob 36, 33 wird der donner ein
geselle des blitzes genannt, gehülfe bei einer
arbeit, mitarbeiter : Titus, welcher mein ge-
selle vnd gehülffe vnler euch ist. 2 Cor. 8,
23 ; da zu jm {dem proph. Haggai) hernach
vber zween monden Sacharja zum geselleu
gegeben ward , au ff das durch zweier zeugen
munde gottes worl deste gewisser gegleubt
würde. Bindseil T, 409. kriegsgenosze,
camerad: auff die weise solt man sie {die
kriegsknechte) vermanen: lieben gesellen,
wir sind alhie versamlet yni dienst, pflicht
vnd geliorsam vnsers fürsten. ob kriegsleutte.
C1527). Gj'. freund, geliebter: das er sich
so nahe zu yhn macht vnd vmbgehet, wie ein
gesell mit dem andern, vber das erste buch
Mose. . {Ib21). siiij''; sein gulter freund
vnd geselle, post. (1528). 183^; als bru-
der vnd gesellen, artickel etc. (1538).
Giiij ^
2) allgemeiner: bursche , junger mann,
person: sihe an, wie ein schön gesel oder
melze ich bin für andern, von den Juden.
(1543). Biij*; verachte mir nicht die ge-
sellen , die für der thur panem propter deum
sagen, das man kinder zur schulen halten
solle. (1530). Giiij'; wir Deudschen sind
solche gesellen, was new ist, da fallen wir
auff vnd hangen dran wie die narren, das
diese worl etc. (1527). b j'; vnd bulet mit
allen schönen gesellen. Ezech. 23, 7 ; da
gieng der junge Tobias hin aus vnd fand
einen feinen jungen gesellen stehen. Tob. 5,
5; dazu ist er ein iunger geselle vnd frisches
geblüK vber das erste buch Mose. (1527).
kkiiij'; jhe helle ich diesen odder jhenen
jungep gesellen für meinen vnfletigen man.
eine höchzeilpredigt. ( 1 53 1 ). c j ^; ein frum
geselle, von ehesachen. (1530). Bj'; ein
gut gesel. ioider den bischof zu Magdeburg.
(1539). Ciiij"; wie kan ein schlechter vner-
farner geselle dencken, das ein cardinal solch
ein böser wurmb sein künd? ebend. ¥i}^.
Clesellbrnder, m. Ordensbruder, kloster-
bruder : aber sein geselbruder gieng neben jm
ledig. Verantwortung etc. (1533). Bij^
GESELLEN
99
GESETZ
fiesclicBj sociare, zum {^esellpn machen,
vereinigen, verbinden, mhd, {gesellen (Ben,
2^ 32 ^ Lexer 909), ahd. gisellaii {Graff
6. 178). beiL. nur refl,
a) mit dal. : sonst pflegen die proplielen
nicht also zu reden, das sie sich gotle ge-
sellen oder gleichen. Verlegung des alcoran.
(1542). Rj*.
b) mit zu : geselle dich zu fronien leuten.
Sir, 9, 23 ; wer sich gesellet zum hofferti-
geD, der lernet hoflart. 13, 1; so so) ein
jglich mensch sich gesellen zu seines glei-
chen. V. 20 ; es ist ehen ^Is wenn sich der
wolfT zum schaf gesellet , wenn ein gottloser
sich zum fromen gesellet, v. 21 ; geselle dich
nicht zum zornigen man. spr. SaL 22, 24 ;
wir gesellen vns nicht zu den spöttern. Jer.
15, 17.
e) sich mit einem (etwas) gesellen, ver-
binden: wie hyena mit dem hund sich ge-
sellet, also auch der reiche mit dem armen.
5i>. 13, 22. von leblosen dingen: das ein
jgliches der heyder sieh mit seinem orlbret von
vnten aufl* geselle. 2 Jifos. 26, 24. 36, 29.
Ilesdiigj mhd. gesellec (£^en. 2S 31'.
Lexer 909).
1) socialiSt ehelich: cznm dritten ist eyn
weyb geschaffen dem man zu eynem geseih-
gen hulffen in allen dingen, besondern kin-
der zu bringen, serm. von dem ehelichen
stand. (1519). Aij*.
2) loie es einem gesellen zukommt,
freundlich: es sind gar freundliche vnd ge-
selhge reden vnd worte, gleich wie gute
freunde mit einander vber tisch reden möcii-
len. EüL 2, 465*.
^kselliD; /*. gefährtin, mhd. geselltn , ge-
sellinne (Ben. 2*, 31*. Lexer 9\0): dar-
umb das der herr zwischen dir vnd dem weih
deiner jugent gezeuget hat, die du verachtest,
so sie doch deine geseliin vnd ein weih deines
bunds ist. Mal. 2 , 14; keines (der Ihiere)
hielt sich zu yhm (Adam) als seine geseliin.
vber das erste buch Mose. (1527). Jiij^
(tesclischift y f. so(ielas, mhd. geselle-
schaft {Ben. 2*, 32*. Lexer 910), ahd. gi-
selliscaft (öro/f 6, 179).
1) freundschaftliches beisammen- oder
Verbundensein, gemeinschaft : gleich als wo
ich in kercker würde gelegt , were ich wol
beraubt der eusserliclien geselschafft guter
freunde. Jen. 1, 239 ''; vnd kompl klugheit
durch jr (der Weisheit) geselschaflt vnd ge-
sprech. weish. 8, 18; vnd also der heiligen
geselschaül dich teilhafflig machen, verma-
nung zum sacrament. (1530). Ciij'.
2) Versammlung zu einer festlichkeil: da
durch man die leut lachen, lustig vnd frölich
macht, wie das ynn geselschafften vnd wol-
leben geschieht, post. (1528). 330'; gleich
wie zur hochzeit oder andern geselschafften.
von den concilijs. (1539).kj'.
3) Vereinigung mehrerer, schaar, genos-
senschaft: es ist nicht ein kerckerklost^r,
sondern eine freie geselschaft etlicher pries ter
gewest. ebend. a j '^ ; vnd habe mich nie zu
vnzüchliger vnd leichtfertiger geselschafft ge-
halten. Tob. 3, 1 8 ; meinslu die gesellschaff-
ten werden jn zuschneiten ? Hiob. 40, 25.
besonders kaufmännische genossenschaft,
handelsgesellschaft : hie must man werlich
auch den fuckern vnd der gleychen gesel-
schafften ein zawm ynsz maul legen, an den
christl. adel. (1520). Niiij'; nu kauffschla-
gen yhe solche geselschafften mit eyttel ewi-
gen gewissen gülden vrob vnsere zeytliche,
vngewisse pfennige. von kauffshandlung.
(1 524). Diiij ^ ; die hendler vnd geselschafften.
wider d. wucher. . (1540). Diij*.
4) gesellsehaft ^= genösse, freund: denn
es thut ja wehe vnd macht ein blöde hertz,
das ein mensch plölzhch sol verlieren alle
seine freunde vpd geselschafft, zu den er sich
alles guts versehen hat. das 16. cap. s. Joh.
(1538). Ddiiij*.
fiescage^ n. s, gesänge.
Clesess^ n. s, gesäsz.
Clesessea , pari. adj. angesessen , an-
sässig : gesessene bürger. von den concilijs.
(1539). Fiij^ mhd. ges^^en (Ben. 2»,
331 ^ Lexer 9\2).
Gfseliy gesetze, n. lex, mhd. gesetze (Ben.
2*, 345 ^ Lea;er91l). eine bei L. vor-
kommende neben form von gesetz ist gesatz
{s. d.).
1) liederstrophe : das (ehre sei gott etc.
Luc. 2, 14) ist ein gesang von dreien leisen
oder gesetzen. hauspost, (fVittemb. 1545).
winterteil. 23 '.
2) zur be folgung festgesetztes : das gesetz
13*
GESETZ
100
GESGTZHEILIGE
gebeut vnd foddert von vns, was wyr thüen
sollen, ist allein auff vnser Ihuen gericlit vnd
sldiet ym foddern. vber das erste buch
Mose. (1527). Aij^; geselz ist, wenn gott
heisset thun odder lassen vnd etwas von vns
foddert. ebend. nj'; des herrn gesetz. 2
Mos. 13, 9 ; gesetz gotles. Esra 7, 14 ; das
gesetz des königs. 7, 26 ; die römischen ge-
wonheit vnd gesetz. auff das vbirchrislL
buch. (1521). Diij'; des mamelischen ge-
setzes. Verlegung des alcoran. (1542). Mij*.
der gegenslandi worauf sich das geselz be^
zieht, ist im gen. oder mit einer praep. bei-
gefügt: das geselz des brandöpffers. 3 Mos.
6, 9; gesetz des speisopffers. v. 14; gesetz
des sündopffers. v. 25 ; gesetz des danck-
opffers. 7, 11 ; das gesetz von den tliieren
vnd vögeln. 11, 46; das geselz vber die
mal des aussatzs. 13, 59. es heiszt ein ge-
setz geben, gebieten, stellen, machen, vor-
legen : er gab ein gesetz in Israel, das er vn-
sern vetern gebot zu leren jre kinder. ps.
78, 5; vnd weis solches, das dem gerechten
kein gesetz gegeben ist. 1 Tim. 1, 9; Mose
hat vns das gesetz geboten. 5 Mos. 33, 4 ;
daselbs stellet er jnen ein gesetze vnd ein
recht. 2 Mos. 15, 25 ; aber doch sollt man
keyn nöttigs gesetze hyrynnen stellen, das
l.cap.Cor. (1523). Cj**; also macht Jo-
seph jnen ein gesetz bis auff disen tag. 1
Mos, 47, 26; dis gesetz, das ich euch heuts
tags fürlege. 5 Mos, 4, 8. ebenso es ändern,
auflösen, abthun, aufheben^ abtilgen: vnd
wird sich vnterstehen zeit vnd gesetz zu en-
dern. Dan. 7, 25 ; jr soll nicht wehnen, das
ich komen bin, das gesetz oder die propheten
aiuffzulösen. Matth. 5, 17 ; das wir jnen jr
gesetz abthun wollen. 1 Macc. 6, 59 ; das
alle ander gesetz auffgehaben. 2 Macc. 2,
23 ; vnd tilgete die alten ehrlichen gesetz ab.
4,11. befolgung des gesetzes wird ausge-
drückt durch das gesetz erfüllen, halten,
thun, nach dem gesetz thun, im gesetz wan-
deln, nichtbefolgung durch das gesetz über-
gehen, übertreten: wer den andern Hebel,
der hat das gesetz erfüllet. Rom. 13, 8; vnd
halten alle seine gesetz. 2 Mos. 15, 26;
niemand vnler euch thut das gesetze. Joh.
7, 19; das du hallest vnd thust aller ding
nach dem gesetz, das dir Mose mein knecht
geboten hat. Jos. 1 , 7 ; das ichs versuche,
obs in meinem gesclze wandele oder nicht.
2 Mos. 16,4; sie vbergehen das gesetz. Jes.
24, 5 ; das gantz Israel vber trat dein geselz.
Dan. 9, 1 1 ; der du das gesetz vberlTitlesl.
Rom. 2, 27.
3 ) gesetz ^=== buch des gesetzesi die fünf
bücher Moses: denn es mus alles erfüllet
werden, was von mir geschrieben ist im ge-
setz Mosi, in den propheten vnd in psalmen.
Luc. 24, 44. oder auch das ganze alte
testament : stehet nicht geschrieben in ewrem
gesetz {ps. 82, 6), ich hab gesagt, jr seid
gölter? Joh. 10, 34; das erfüllet werde der
Spruch in jrem gesetze gesclirieben (ps, 69,
5), sie hassen mich on vrsache. 15, 25.
CleMUbDchy fi. das alle testament: so
wisse nu, das dis buch {das a. lest.) ein ge-
setzbuch ist, das da leret was man thun vnd
lassen sol. vorr. auf das alte lest. Bind-
seil 7, 304 ; weü ym newen testament die
zusagung mit hauffen stehen vnd ym alten die
gesetz mit hauffen, nennet man eins euange-
lion, das ander gesetzbuch. post. (1528).
55*; vnd Josua schreib dis alles ins gesetz-
buch gottes. Jos. 24, 26; ich habe das ge-
setzbuch gefunden im hause des herrn. 2
kön. 22, 8. — mhd. gesatzbuoch {Lexer
895).
ClescUesweise^ adv. in form eines ge-
setzes: das er vns gesetzsweise sage, was
wir zu thun schuldig sind, der proph. Sa-
charja. (1528). hiij".
CleseUgeber^ m. legislator: es ist ein
einiger gesetzgeber. Jae. 4t, 12; gesetz vnd
gesetzgeber. eyn vrteil. (1521). Gj*.
Oesetshtlter, m. halter, befolger des ge-
setzes : solche wircker vnd gesetzhalter wil
gott haben, post. (1528). 131*.
Hesetskdllge^ m. wer durch befolgung
des gesetzes ohne gnade vor gott gerecht
werden will: ynn dem Ismael wird angezeigt
das volck so das gesetz helt, darümb füret er
auch den namen, art vnd weise so solche
leute füren,, das er ein furbilde ist aller ge-
setz- vnd werckheUigen, derhalben sol es vns
auch bekand sein, was für leute sind, die
durch werck| das ist on gnade wollen from
werden, vber das erste buch Mose.^ (1527).
pj^
GESETZLEHRER
tot
GESICHT
(Seselilekrer (geseulerer), m. yofiodidda-
xuXog, doclor legis : er (Chrültis) ferct nicht
da her wie Moses odder ein gesetzlerer mit
gebieten , drewen vnd schrecken, das 5. 6.
vndT.Zap.s. MaUh. (1532). Eüj*"; Mose
wie ein volkomener geselzlerer allenthalben
seinem ampt gnug thet. vorr, auf das a. lesL
Bindseü 1, 306. insbesondere ein lehrer
der gese^zesgerechUgkeity werkgerechligkeil :
das sind treffliche, wortt vnnd slreylten ge-
waltig Widder die werckmeyster vnd gesetz-
lerer, ausleg, der ep, vnd euang. vom
chrisiag etc. (1522). Viij'; da mit bedeutet
er die geselzlerer, so mit wercken den gotts-
dienst treiben, derproph. Sacharja. (1528).
Gc iiij ^ ; merck das der heilige geisl die werck-
vnd gesetzelerer nicht sendet, gl. zu ap.
geseh. 15, 24.
deMtlldo, gesetzle, n. dtm. zu gesetz:
die papisten deutten aber den selben gehor-
sam nicht auff gottis gepol, sondern auff yhre
gesetzle vnd fündle. posl. (1528). 187*.
CleaeUlM» exlex: so sey es nu beschlos-
sen, das die zwelffte zal bedeul die apostel,
die apostolische lere, den apostolischen glau-
ben vnd den rechten witwen, geystlichen, ge-
setzlosen stand. posL (1528). 173 ^
Cesetwucher^ m. geseizgeber: wo ist ein
gesetzmacher wie er ist? var. zu Hiob 36,
22 ; denn sie halten Christum für einen ge-
setzmacher. posl. (1528). 54^; wilch vor-
kerung gibt klar getzeugnis, ausz wilchem
geyst sie furnehmen gesetzmecher zu sein.
auff das vbirchristL buch. (1521). Dij^
(lesefiMeisteri m. was gesetzlehrer : dar-
umb gebet er {der aposlel Paulus) auch mit
den CoUossern so freundlich vmb, gepeut
nicht, treybt vnd trewet nicht, wie die ge-
setznieyster thun vnd thun müssen mit dem
gesetzvolck. posL (1528). 290 ^
lleaetsf rcdigerj m. prediget des geseizes :
im 1. cap. {der ersten ep. s. PaM an Timoth.)
befilhet er, das ein bischoff halte vber dem
rechten glauben vnd liebe vnd den falschen ge-
setzpredigem widerstehe, die neben Christo
vnd dem euangelio auch die werck des ge-
selzestreiben wollen. Bindseil 7, 457.
(leMtisckrelkcr» m. Moses aber in seinen
bücbem treibet, dringet, drewet, schlegt vnd
straffet greulich» denn er ist ein gesetzschrei-
ber vnd treiber. vorr. auff das n. tesi.
Bindseil 7, 428.
Oesetitrcihcri m. der zuir befolgung des
gesetzes antreibt: da kam der gesetztreiber
vnd iagt euch von einem werck zum andern.
derproph, Sacharja. (1528). Rbiij'; denn sie
fuleten wol Mosen den gesetztreiber. ebend. ;
ein gesetztreyber dringet mit drewen vnd stra-
ffen, po«/. (1528). 252*; es geburt den ofti-
cialen vnd bischoffen, weil sie nicht theologen,
sondern gesetztreiber sind, nicht ym gewissen
zu m eistern. von ehesachen. (1530). Biij * ;
0c8efif«lckj n. da das gesetzvolck
regiret, da sind eytel Ismael , empfahen auch
von gott rechten samen, wie Ismael von
Abram empfangen wird, hören das worl vnd
predigt, wachssen mehr dauon denn die rech-
ten cliristen, aber werden nicht rechlscliaffen,
fallen auff werck , greiffens mit dem freyen
willen an, verlassen sich drauff, haben gottes
gepot zuuor, da gehen sie ynn einem schein-
barlichem leben für der weit, das niemands
taddeln kan. vber das erste buch Mose.
(1527). p ij*; wer ein gesetzuolck regieren
sol, der mus jmer anhalten, jmer treiben vnd
sich mit dem volck wie mit eseln blewen.
Bindseil 7, 308. noch einen beleg s. unter
gesetzmeister.
C2c8etiwerk| n. durch ein gesetz vorge-
schriebenes werk: kein gesetzwerck gehet
mit lust vnd liebe abe, es ist alles erzwungen
vnd abgenötiget. Bindseil 7, 308; gesetz-
werck gezwungen werck sind, ebend.
C2eseliwarger| m. der einige gesetzwürger
d. i. Christus, weil er uns vom gesetz er-
löset hat. zwo predigt zu Smalkalden.
(1537). Eiij*.
ficsickt^ gesickte, n. visus, visio, mhd.
gesiht, gesihte (Ben. 2\ 283"'*. Lexer
913), ahd. gisiht, gisihü [Graff 6, 123).
1 ) das sehen, ansehen, der blick : so mu-
gen sie von dem geruch oder gesiebt salb
werden, ausleg. deutsch des v. u. (1518).
Fiij ^ ; der basilisk auch mit dem gesiebt die
leute vergifftet vnd tödtet. von den Juden.
(1543). Jj*; das ist nicht ein freundlicher
blick oder gnedig gesicht, sondern ein sawr
zornig ansehen, ausleg. der ep. vnd euang,
von ostem. (1544). tij*.
2) gesichtssinn, äugen: viel blinden sehen*
GESICHT
102
GESINNET
cket er das gesiclille. Luc. 7, 21 ; silie vnsere
leibliche äugen vnd gesiclile an, wenn wir die
äugen auflthun, so ist vnser gesichte ynn eyin
augenblick vber funfl* odder sechs meyle wegs,
vnd zugleich an allen orten, die ynn solchen
sechs meilen sind gegenwertig vnd ist doch
nur ein gesichle ein äuge, vom abendmat
Christi, (1528). hiü]**; er hat ein rein
scharff gesichte. das 5. 6. vnd 7. cap, s.
Mallh. (1532). pij'; {die aufgehende
sonne) yhre slarcke glentz .also in yhr gesichte
slosl, das yhn grün vnd gelb für den äugen
schyroert. widder die bullen des endchrisis,
(1520). Bij*; der neyd ausz seinem
gesiebt gleich prant vnd funckelt für grosser
boszheit. auff des bocks antworl. (1521).
aij'^; das gesiebt vergehet mir. ps. 69, 4;
da er für onmacht zur erden sanck vnd jm
das gesiebt vergieng. 2 Macc. 3, 27 ; das
gesiebt vergehet vns, vnd ist alles scbwartz
für den äugen, gl. zu hlagl, Jet, 5, 17.
einem ins gesicht kommenf venire in con-
speclum alicujus: wenn wir hinüber komen
zu den leuten vnd jnen ins gesicht komen. 1
Sam. 14, 8; da sie nu der Philister lager
beide ins gesicht kamen, v. 11.
3) zweifelhaft ist nach L, die bedeutung
von gesicht in folgender stelle : Lea hatte ein
blöde gesiebt. 1 Hos, 29, 17. in den pre-
digten über das erste buch Mose bemerkt er
nemlich hierzu: nicht weys ich, ob er {Mo-
ses) von blöden äugen odder vom gantzen
angesicht redet, als wir sagen mager, dürr
vnd bleych von angesicht, verfallen vnd nicht
voll, wuchs mir am besten gefeit.
4) visio, erscheinung: zu Abram geschach
das wort des herrn im gesieht. 1 Mos, 15,
1 ; ich wil dahin vnd besehen dis gros ge-
sicht. 2 Mos, 3» 3^jr soll dis gesicht (die
Verklärung Christi) niemand «agen. Matth.
17, 9 ; sie mer€kten, das er ein gesichte ge-
sehen hatte im tempel. Luc, 1, 22. über-
haupt göttliche Offenbarung: Samuel aber
rnrchte sich, das gesicht Eli anzusagen. 1
Sam, 3, 15; da Nathan alle diese wort vnd
alle dis gesichle Dauid gesagt hatte. 2 Sam,
7, 17. insbesondere Weissagung: gesichte
sind prophecien. gl, zu 2 chron, 26, 5 ; dis
ist das gesiebte Jesaja. Jes, 1 , 1 ; dis ist das
gesicht Obadja. Obadja 1.
ClesiDde, n. mhd, gesinde {Ben. 2^ 295*.
Lexer 914), aM. gisindi (Graff 6, 233),
coli, V, sind weg, reise, daher eig. die be-
gleitung auf dem wege, reisegefolge, dann
gefolge überhaupt, dienerschaft, besonders
des hauses {vgl. hausgesinde) : daher so
grosse klag ist vber gesind vnd dienstleule
ynn der weit, vber das erste buch Mose.
(1527). y iij*; ein yglicher bausuater schul-
dig ist, das er zum wenigsten die wochen ein
mal seine kinder vnd gesinde vmbfrage vnd
verhöre, was sie dauon (vom caiechismus)
wissen, deudsch calech. (1529). Aij'; das
siebend gebot von sielen muslu bey hand-
wercken, hendlern, ja auch bey bawren vnd
gesinde hefflig treiben, der kl. catech.
(1539). A 5'*; der son meines gesinds. 1
Mos. 15» 3 ; was gesinds da heim geborn
oder erkaufll ist. 17, 12; vnd war kein
mensch vom gesinde des hauses dabey. 39,
11 ; das gesinde Pharao. 45, 2; das gesinde
des königs. 2 Sam, 16, 2. allgemeiner:
bepstlich gesind, an den christlichen adel.
(1520J. Dij**; hie fragislu weytter, ob denn
auch die bollel , hencker, Juristen, furspre-
chen vnnd was des gesinds ist, Christen seyn
mügen. von weltlicher vberkeit, (1523).
Giiij^; Kain mit seinem gesinde. vber das
erste buch Mose, (1527). Rüj**; hudel-
manns gesinde. tischr, 331 ^ «. hudelmann.
Clesindieiii (gesindhn), n. dim. v, gesinde :
welcher baur aulT eim dorffe denckt das
goltes gäbe sey, das er hinder seinem zäun
so sicher sitzt mit seinem gesindlin? der
147. psalm, (1532). Aiiij '. mehr im sinne
von gesindel : bapst, cardinal vnd was seiner
abgötterey vnd bepsllicber heiligkeit gesindlin
ist. wider das bapslum, (1545). Lj*; bapst,
cardinal vnd jr gesindlin. ebend. Oiij * ; was
der teuflel vnd sein gesindlin für fruchllin
sind, wider die gottlosen Sauliten. (1541).
Aiij*; bischoue, epte, münchc, doctores vnd
des vnnützen huddelmans gesindlin. von den
concilijs, (1539). cij^
desinnet^ participbildung zu sinn, eine
gesinnung habend, mhd. gesinnet {Ben. 2 ^
308 ^ Lexer 9 1 5 j : wie er gegen den leulten
gesinnet sey. serm. von dem guten hirlen,
(1523). a ij'; das ist goUes bilde, das eben
also gesynnet ist. vber das erste buch Mose»
GESPAt^NEN
103
GESPIELE
(1527). Hj**; die gesinnet sind, wie du bist.
Str. 37, 16; eio jgliclier sey gesinnet, wie
Jhesus Christus auch war. Phil. 2, 5 ; vnd
sendet etliche, das wir wissen, was jr gesin-
Det seid. 2 Macc. 11, 37; die da fleisclilich
sind, die sind fleischlich gesiunet, die aber
geistlich sind, die sind geisthch gesinnet. Rom,
S, 5; die jrdisch gesinnet sind. Pfui. 3, 19;
endhch aber seid allesampt gleich gesinnet. 1
PeL 3, 8 ; vnd meinet alle well sey mit jhr
gleich gesinnet. serm. vberJoh, 20. (1531).
Aiij*.
(lespaDDCB, pari. s. spannen.
(icspci (gespey), n. 1) geschtcälz, gerede:
alle das gespey, das d. Carlstad von dem er-
kentnis des leybs Christi ynn dieser sachen
auswirfft, fleusst aus dem gründe, das er seyn
tuto au ff den sitzenden leyb Christi gerichtet
hat. das ander teyl widder d. hyml. pro-
pheten. (1525). Miij^
2) gespöU: gespey vnd gehey. was auff
dem reichstag zu Nuremberg etc. (1538).
Aij^. vollständiger siehe die stelle unter
gehei.
mhd. gespei, gespeie »» gespött {Lexer^
922).
ÜCspcDst; gespenste, n. spectrum, phan-
t€Lsma,.mhd. gespenste n„ gewöhnlicher noch
gespenst, gespanst/". {Ben. 2\ 477 **. Lexer
921), ahd. gi-, kaspanst {Graff 6, 342), v.
ahd. spanan — > locken, verlocken, daher
1) s.v. a. Verlockung, läuschung, welche
bedeulung noch in folgender stelle ange-
nommen werden kann : ach das wir szo blind
sein vnd dem teuflel in sey neu gespensten nit
allein seinen mutwillen laszen, szondern auch
stercken vund mehren, an den christl. adel.
(1520). Jij*.
2) trugbild, bloszer schein, schatten: jrr-
wische vnd gespenst, so die leute von rech-
tem weg vnd Strasse füren, das 16. cap. s.
Joh. (1538). Sj^; nu Tertullians mcinung
zuuerstehen ist zu mercken , das der kctzcr
Marcion lerel, wie Christus nicht helle natür-
lichen rechten leib an sich gcnomeu von
Maria , wie auch ander mehr kctzer lerctcn,
sondern were nur ein Schemen oddcr ge-
spenst eins leibs (scheinleib) gewosl, das
sich Widder greiifen, fulcn noch halten lessl,
wie die teuifel zu weilen erscheinen ynn
mancherley weise vnd ist doch nichls vnd ein
eitel gespenst für den äugen, widder diesen
Marcion ficht nu Tertuliian vnd wil, das
Christus hab einen rechten natürlichen leih
gehab l, vnd schleusst also, was ein eitel ding,
Schemen odder gespenst ist, das kan keine
gestalt fassen, denn ein gespenst hat widder
färbe, noch dicke, noch lenge, noch breite, es
ist ein eiteler schein, das diese wort etc.
(1527). niiij'; er (gott) feret nicht erab,
das er allein wolle ein ledig gesiebt zeigen,
als ein Schemen oder gespenst wie ein gauck-
ler. von der heil, taufe. (1535). Gij";
doch hindan gesetzt alle laruen vnd gespenste
vn christl ichs wesens vnd geprenges. ar ticket
etc. (1538). llj'*; darum b ist das fegfeur
mit allem seinem geprenge, gottesdienst vnd
gewerbe für ein lauter teufeis gespenste zu
achten, ebend. Biiij ** ; das heisst aulT deudsch
ein Icufels gespenst für die äugen stellen.
kurtz bekentnis. (1544). Fj^
3) von der {schaUenhaften) erscheinung
abgeschiedener seelen oder böser geister:
solcher rauch vertreibt allerley böse gespenst.
Tob. 6, 9 ; vnd da jn die jünger sahen aufT
dem meer gehen, erschracken sie, vnd spra-
chen , es ist ein gespenst vnd schrien für
furcht. Matth. 14, 26. Marc. 6, 49. die
erscheinung Samuels (1 Sam. 28, 11 /T-)
hält L. nach seiner gl. zu 1 Sam. 28, 3 für
ein trugbild des bösen geistes: Sanuiel aber
war gestorben etc. das erzelel die schrifll
darumb, aufT das sie warne jederman, das er
das nachfolgende gespenst von Samuel recht
verstehe vnd wisse , das Samuel tod sey vnd
solchs der böse geist mit der zeuberinnen vnd
Saul redet vnd thut in Samuels person vnd
namen.
Hcflf err , n. gebälk , sparrenwerk , mhd.
gespcrre {Ben. 2^ 486 ^ Lexer 922), ahd.
gispcrri (Graff 6, 362), coli, zu sparre: das
gesperr oder balckon. zwo predigt. (1540).
Mj'; die balcken am gesperr. Babac. 3,
1 1 ; sein eigen gebewe sol yhn erschrecken
mit eim krachen ym gesperre. der prophet
Habacuc. (1526). Ij''.
Clesfiele^ m. {f.) spielgenosse, geführte,
freund, mhd. gespil, gespile (Ben. 2^ 504''.
Lexer 92^): ich liabs beschlossen, mir sie
zum gespielen zu ncmen. weish, 8, 9 ; vnd
GESPIESZTE
104
GESTALT
meine jungfrawschaffl beweine mit meinen
gespieien. rieht, 11, 37; jrc gespielen, die
jungfrawen, die jr nachgehen, ps, 45, 15.
fiespicsstej m. s. spieszen.
fiespott^ gespötte (gespott, gespoltc), n.
ludibriuM, mhd, gespöte, gespötte (Ben. 2^
519 **. Lexer 923), coli, zu spolt.
1) spoH^ Verspottung, Verhöhnung: wer
von vnrechtcm gut bpffert, des opffcr ist ein
gespöt, aber solch gespöt der gottlosen gc-
feilet gott nichts vberall. Str. 34, 21. 22 ;
da müssen wir ia greiffen , das es ein lauter
hochmü(ige gespöt scy des teufTcls. d<is diese
wort etc. (1527). d ij ' ; darumb ficht mich
solch der Juden gespötte nichts an. von den
letzten worten Dauids. (1543). Aij^; (der
satan) sein gespöt an jm (Christo) hat. vom
abendmal Christi. (1534). r ij ^ ; die narren
treiben das gespöt mit der sünde. spr. Sal.
14, 9; ich hab einen sack angezogen, aber
sie treiben das gespött draus, ps. 69, 12;
daraus man greiffen mus, das sie aus dem
ewigen leben ein lauter gehey vnd gespötte
haben, wamunge an s. l. Deudschen.
(1531). Eiiij*; bis er {Augustinus) jnn der
Manicheer ketzerev fiel vnd beide aus Christo
vnd seiner tauffe das gespötte hielt, verma-
nung zum sacrament. (1530). Aiij'.
2) gegenständ des spottes: macht sie
truncken . . . auff das sie auch zum gespött
werde. Jer. 48, 26 ; Israel hat dein gespött
sein müssen, v. 27 ; gottes wort mus der
vernunfft ein gespötte sein, der proph. Sa-
chärja. (1528). K]'; so wird der glawbe
nicht mehr rawm haben, sondern für ein tor-
liche predigt gehalten vnd ein lauter gespötte
daraus werden, das 15. cap. der ersten ep.
s. Pauli an die Cor. (1534). Ej*.
fiesprächj gespräche (gesprech, gespreche),
n. mhd. gesprseche (Ben. 2^ 537". Lexer
923), ahd. gisprkhi (Graff 6, 384); coli,
zu spräche.
1 ) rede ; las dir wolgefallen die rede mei-
nes niundes vnd das gesprech meines hertzen
für dir. ps. 19, 15. uneigentlich von der
stimme (dem murmeln) des donners: lieber,
höret doch, wie sein donner zürnet vnd was
für gesprech von seinem munde ausgehet.
Hiob 37, 2.
2) Unterredung, colloquium: mus derbal-
ben mit euch ein heimlich freundlich gesprech
halten, vermanung an die geistlichen.
(1530). Eij * ; hie sagt er von einem gesprech,
so gehalten wird in der gottheit. das 16.
,eap. s. JoH. (1538). Qij^; solche disputa-
tion gehören in das sonder gespreche, wider
den Wucher. (1540). Biij^
ClespigniSj n. spectrum, gespensl, trug-
bild {vgl. spugnis); gauckelwerck vnd ge-
spugnis. post. (1528). 241*; was spiegel-
ficht er denn mit seinen falschen erlichten
worttcn vnd gespugnisscn. an den christl.
adel. (1520). Miij"; darumb soltu alles
solch gespugnisz der geysler frey vnd frölich
ynn den wind schlahenn. ausleg. der ep.
vnd euang. vom christag. (1522). fiTij^
dcspule^ n. Spülicht, mhd. gespüele (Ben.
2', 554 **) : ich halt, sie Werdens {das sacra-
ment) noch mit der zeit ein ströde odder gc-
spüle nennen. Verantwortung etc. (1533).
Eij\
Gessen -»> gegessen, s. essen.
Cestalt (gestallt), f. figura, forma, species,
mhd. gestalt (Ben. 2', 563 ^ Lexer 926).
k 1) figur, form, aussehen, 'das äuszere,
wie ein ding sich vor äugen stellt, wahrge-
nommen wird' ( Weigand) : eine form odder
gestalt. das diese wort etc. (1525).. n iij'* ;
die gestalt odder forme, der proph. Sacharja.
(1528). Riiij'*; gestalt odder eusserlich an-
sehen, ebend. Riiij ' ; geberde odder geslall.
post. (1528). 342'. von gott und den
engein: er sihet den herrn in seiner gestalt.
4 Mos. 12, 8 ; ob er (Christus) wol in gött-
licher gestalt war, hielt ers nicht für einen
raub gotte gleich sein. Phil. 2, 6 ; vnd hüten
vns für dem teuffei, der sich kau bilden vnd
darstellen jnn Christus gestalt vnd namen.
das 14. vnd 15. cap. Johannis. (1538).
Bij'; seine gestalt war anzusehen wie ein
engel gottes. rieht. 13, 6. vom menschen:
in der gestalt eines menschen. 1 chron. 18,
17 ; sihe nicht an seine gestalt noch seine
grosse person. 1 Sam. 16, 7; er (David)
war guter gestalt. «.,12; vnd das-weib war
seer schöner gestalt. 2 Sam. 11, 2 ; ein
weib schön von gestalt. 14, 27; darnach
erschein jm ein ander alter herrlicher man in
köstlichen kleidern vnd in einer gantzen herr-
lichen gestalt. 2 Macc. 15, 13 ; meine gestalt
GESTALT
105
GESTATTEN
ist jemeriich für elende, ps. 88, 10; meine
geslaU ist verfallen. 6, 8 ; des erschrack der
könig Belsazer noch herter vnd verlor ganlz
seine gestalt. Dan. 5, 9. von sacken: ge-
slaU des himels. 2 Mos. 24, 10; des himels
gestalt könnet jr vrteüen. Mailh. 1 6, 3 ; die
gestalt der erden vnd des himels künd jr
prüfen. Luc. 12, 56; du vernewest die ge-
stalt (vor. das ansehen) der erden, ps, 104,
30; die gestalt des fewrs. 4 Mos. 9, 16; so
müssel jr nu machen gleiche gestall ewren
ersen vnd ewren meusen. 1 Sam. 6, 5 ; ge-
stallt vom brod. anUßori deutsch» (1522).
Dij"; thusta es doch s'elbs nicht, wenn du
dein körn jnn die erden seest, das es solt so
bleiben vnd nicht ein ander gestalt kriegen,
sondern wirflest es eben darumb dahin, das
es seine ilzige gestalt verliere, das 15. cap,
der ersten ep. s. Pauli an die Cor. (1534).
(iiüj^
2) ratio, art und weise: ich habs {das
euangelium) ja nicht gepredigt der gestalt,
wie si«> es furgeben vnd dauon reden mensch-
licher weise, nach der vernunfft vnd vnserm
verstand, denn solch weltliche gestalt zu pre-
digen odder darnach zurichten verderbt vnd
verleuret gewislich das euangelion gar. ebend.
Cj'*; feindlicher masse vnd gestalt hierynn
handeln, von heimlichen vnd gestolen
brieffen. (1529). Biiij"'.
3) spedes: (der bapsl) hat so viel gestalt
vnd vnlerscheyd der sundeu gemacht, das es*
niemand erschwindeu kan. serm. von der
beicht. (1525). Aiij''.
4) die elemenle im sacrament des heil.
abendmahU: darnach haben sie vns die eyne
gestalt des weins gar gcnuumien . . . mit der
weysze mochten sie vns aucli die ander ge-
stalt nemen. serm. von dem n. test. (1520).
Ej''; mit dem euangelio vnd nicht mit der
Ihatl odder ordiuantz tmU man die beyde ge-
stallt Widder aiifTrichten. von beyder gestalt
des saeraments. (1522). Cij*; der ba]ist
deu Bebenien beyde gcstall erleiihl. eine be-
rieht. (1528). Oiij"; das sacranicnt jder-
man jnn seiner pfarr wo! bekomcn mag, son-
derlich einer gestall. von der winckelmesse.
(1534). Dj''; den leieii ist gnug eine gestalt.
wider das bapstum. (1545). <Jj '*.
üestalt '^ geslallel, eine gestalt habend,
ViKTt, Wörtorbuch. II.
beschaffen: wie ist er gestalt? 1 Sam. 28,
14 ; wie war der man gestalt? 2 kön. 1,7;
vnd darinnen war es gestalt wie vier thiere
vnd vnter jnen eines gestalt wie ein mensch.
Ezech. 1, 5; oben aber vber den thieren
war es gleich gestalt wie der himel. v. 22 ;
vnd inwendig war es gestalt wie ein fewr.
V. 27 ; sie sind gestalt wie rosse. Joel 2, 4 ;
wie eine zunge gestalt. gl. zu Jos. 7, 21.
GfstalfDiSi gcsteifDas^ f. (n. ?) was ge-
stalt: welchs auch in den gestaltnusszen
iEisl. 1, 4'': gestaltnissen) dyses saeraments
angetzeyget wirt. eyn gutte tröstliche pre^
digt. (1519). Ay^. — mhd. geslaltnisse,
gesteltnisse (Ben. 2^ 563 ' . Lexer 928).
Clestäidig (gestendig/ sein, fateri, gette-
hen: das er aber nicht verleucket ist das ers
gestendig ist, was er sey. post. (1528).
66'; darüber ich dem bapst mit allen den
seinen nichts gestendig bin. Jen. 1, 360".
destankj m. foetor, übler geruch, mKd.
geslanc {Ben. 2^ 642*. Lexer 926): {die
Juden) alle beiden für eitel grewliche kot
vnd gestanck halten, von den Juden. (1543).
Ciitj**; es {das grab) war voll solchs ge-
schwebliclies gestancks, das es alle, die da vmb-
her standen , kranck machte, etfi wellische
lügenschrift. (1545). Aiiij". vgl. stank.
üesfilteDy zulassen, gewähren, erlauben^
mhd. gestaten (Ben. 2\ 607". Lexer 927),
ahd. g,kJisUt6n (Graff 6, 650).
a) mit dat. und acc. : solt ich den groben
kopilen alle yhren mutwillen gestatten, von
dem bapstum zu Rom. (1520). lliij''; wenn
mir solche thurst gestattet würde, das diese
wort etc. (1527). ciij"; aber Sihon ge-
stallet den k indem Israel deu zug nicht durch
seine grcnlze. 4 Mos. 21, 23. ohne dat.:
deu auspruch nicht gestaten. von ehesachen.
(1530). I)j\
6) mit dat. und gen.: das er jui seins
nmlwillens in der stad nicht geslatteu woll.
2 Macc. 3, 4 ; darumb solt jm der keiser
solrlis leliens nicht gestatten, an den christl.
adel. (1520). Fiiij'.
c) mit dat. und inf.: zuletzt wirds jm ge-
stattet den kauffman zu recken, wider den
bischof zu Magdeburg. (1539). Eij ''.
d) mit dat. und abhängigem satz: es wird
niemand gestattet, das er mit gott rechte.
14
GESTEHEN
106
GESTIRN
Hiob 34, 23 ; einem weibe aber gestatte ich
nicht, das sie lere. 1 Tim» 2, 12; gott hat
jm nicht gestattet , das er mir schaden thet.
1 Mos. 31, 7. auch ohne dat.: der herr
wils nicht gestatten, das ich mit euch ziehe.
4 Mos. 22, 13.
C2estchei^ mhd. gesten, gestiin {Ben. 2^,
582''— 585". Laxer 926), ahd. gistÄn
(Graff 6, 590).
1) stehen, stehen bleiben: die tiefTe oben
gestehet. Hiob 38, 30.
2) zugestehen, zugeben : wir gestehen jn
nicht, das sie die kirche seien, artickel etc.
(1538). Hij**; wenn ich aber also sage, dort
gehet gott auff der gassen, holet wasser vnd
brot , das er mit seiner mutter esse vnd
trincke, diese rede gestehet mir Neslorius
nicht, vondenconcilijs. (1539). Siij**; vnd
gestehet den Juden der beschnei ttung halben
keine sonderung. von den Juden. (1543).
Dij^
3) worin beitreten, zustimmen : yederman
sol yhrer deuttung gestehen, post. (1528).
234''.
4) bekennen: wiltu das gestehen vnd
öffentlich für gericht bekennen vnd bezeugen ?
von ehesachen. (1530). Gij"; er gestehet
dir nichts vnd leugnet alle deine gründe, das
15. cap, der ersten ep. s. Pauli an die Cor.
(1534). Jij''.
5) zu stehen kommen^ gelten, kosten: ein
yglicher (bischofmantel) bey dreyssig tausent
gülden gestet, von dem bapstum. (1520).
Aiiij ^ ; das pallium, welchs gestehet, wie man
sagt, 26000, etliche sagen 30000 gülden.
wider Hans Worst. (1541). Lij''; vnd dich
weder kost noch muhe gestehet, vermanung
zum sacrament. (1530). Giij"; köstliche
kleinot, die viel gestehen mochten, der 147.
psalm. (1532). Aiij''; solcher lediger name
hat die Deudschen viel gestanden, wider das
bapstum zu Rom. (1545). Aaij".
Clesteinichtj petrosus, steinicht: etlichs
fiel ynn das gesteynichte. Marc. 4, 5 var.
ebenso v. 16.
C2estellj n. basis : mit ehernem gestell. 1
kön. 7, 30 ; gestell (des wagens). Bindseil
7, 351. — mhd. gestelle (Ben. 2^ 559*.
Lexer 928), ahd. gislelli (Graff 6,. 666).
Gesfendigj s. geständig.
C2c8terD> heri : ich hab gestern bey meinem
vater gelegen. 1 Mos. 19, 34; gestern vnd
ehegestern. 31, 2. 5; weder heute noch
gestern. 2 Mos. 5, 14; gestern wars an
mir, heute ists an dir. Sir. 38, 23; Jhesus
Christus gestern vnd heute vnd derselbe auch
in ewigkeit. Hebr. 13, 8. in den früheren
Schriften L.'s begegnet nicht selten die
nebenform gistern, z. b. ausleg. der ep, vnd
euang. des aduents. (1522). Aiiij''; die
ander ep. s, Petri. (1524). iiij''; post.
(1528). 19''; 2 Mos. 4, 10 var.
mhd. gestern, gesteren neben gßsler (Ben.
1, 500". Lexer 929. 930), ahd. gösteren,
gesteron neben kestre {Graff 4, 273), goth.
gistra {in gistradagis tnorpen. Matth. 6, 30j.
desticklj s. sticken.
UesÜtif n. Stiftung, mhd. gestift, gestifte
{Ben. 2 \ 629 " ''. Lexer 930 j : ein gottes-
dienst seine gottliche Ordnung vnd gnaden-
reich gestiffi ist. vermanung zum sacra-
ment. (1530). Dj" ; dis gnadenreich gestiffi
gottes. ebend. Diij'*; der ehestand gottes
gestifft ist. zwo hochzeitpredigten. (1536).
Aij '' ; die taufe ist sein eigen gestifft vnd Ord-
nung, zwo predigt auff der kindertaufe.
(1540). Fiij\
lleslimmet, gestimpt, part. s. stimmen.
Gestiru^ gestirne^ n. sidus, constellatio,
* zusammenstand u. gesammtheit von stemen
( Weigand), mhd. gestim, gestime {Ben. 2 ^,
'622". 'Lexer 931), ahd. gi-, kistirni [Graff
6, 723), coli, zu Stern ^ du machest, das
beide sonn vnd gestirn jren gewissen lauff
haben, ps. 74, 16; in vielen tagen weder
sonne noch gestirn erschein, ap. gesch. 27,
1 9 ; orion ist das helle gestime gegen mittag,
das die bauren. den jacobsstab hcissen. die
glucken oder die henne sind die sieben kleine
gestirse. gl. zu Hiob 9, 9 ; zwilling, die nii
ein gestirn am himel Geissen, wurden bei den
beiden gehalten für götter, die den schiff-
leuten gnedig weren, vnd heissen Gastor vnd
Pollux. gl. zu ap. gesch. 28, 1 1 ; also mag
er auch hie von abend bis zu morgen ein
gantzen tag an dem gestirn gemacht haben.
vber das erste buch Mose. (1527). Eiiij*;
ynn dem odder diesem zeyehen der gestirn
geporn. ebend. Fj"; sie {die astronomen)
sagen, das ein yglich zeyehen vnd gestirn
GESTRAGKS
107
GESUND
seinen einflus habe , sonderlieh aufT die men-
schen, ebenä, Fj'*.
Clestracks, adv, direele, stracks, gerade-
zu, mhd. gestrackes {Lexer 932): geslracks
Widder goltes worl. von er Lenhard Keiser,
(1528). AiiijK
üestrcDgy gestrenge, adj, mhd, gestrenge
{Ben. 2*, 675". Lexer 933).
1 ) stark, gewaltig, tapfer, in welcher he-
deutung es L. nur als epith. om. edler man-
ner gebraucht : dem gestrengen vnd vhesten
Hans Metsch, heubtman zu Wittemberg. oe-
conomia christiana. (1529). Aij"; es hatt
bey myr synnen lassen meyn gnediger herr
graff Albrecht zu Mansfeld etc. an ewr ge-
streng eyn schrifftlich vnterricht zu thun.
eyn sendhrieffy oh etc, (1522). Aj''. mehr
belege s. unter ehrenfest und fest 4).
2) severus, streng, keine nachsieht übend:
ein gestrenger richter. Jen, \, 15"; ge-
strenge acht, ebend. 29 '' ; gestrenge vrteyl.
vber das erste btmh Mose, (1527). Oij';
gestreng leben. Eisl. 2, 172".
Cestrengy adv, severe, stricte: was sols
d(»ch sein, das in stifften vnd klöstern so ge-
streng die priester werden verbunden zu den
jerlichen messen. Jen, \, 317'*.
fiestrcigkeity f. t) strenuitas, als titel
des adels : es hat myr er Nicolaus von Amsz-
dorff... von ewr gestrengkeyt eyn solchen
fall ertzelet. sendhr, an Jhan von Schlei-
nilz, (1523). Ai^
2) severitas, strenge: aulf das sie {die
Obrigkeit) weis die gestrengkeil zu messigen
vnd zu Undern. ausleg, der euang. von
ostem, (1527). g7".
3) strenge, enthaltsame lebensweise, mhd,
gestrengecheit (Lexet 933): gestrengkeit
aller heiligen. Eul, 2, 172".
(lestrenglich, adv, ohne nachsieht, mhd.
gestrengecltchen {Ben, 2*, 675". Lexer
933): gestrenghch lichten, ausleg, deutsch
desv,u. (1518). Güij".
(lestrody gestrode, n. ein viehfutter, mhd,
geströude? {Ben, 2*, 701 ^ Lexer 934)
vgl, ströde : eine saw kennet doch die fraw
odder magd, von welcher sie die trester, kleyeu
vnd gestrod zu fressen krigt. der 147. psalm,
(1532). Aiij**; die mügt yhr bey euch be-
halten vnd ewern sewen vnd hunden ein ge-
slrode dauon machen, eine hericht. (1528).
Giiij^
(lestühlc (geslüle), n. mhd> gestüele {Ben,
2^ 715". Lexer 934), coli, zu stuhl. L.
verwendet d<is wort nur in der bibel im
sinne von hasis, fuszgestell : er machet auch
zehen eherne gestüle. 1 kön, 1, 27 ; es war
aber das gestüle also gemacht, v. 28 ; ein
jglich gestüle hatte vier eherne reder. v. 30 ;
vnd die achsen der reder waren am gestüle.
V, 32; vnd die vier achseln auff den vier
ecken eins jglichen gestüls waren auch am
gestttle. V. 34 ; vnd setzt fünff gestül an die
rechten ecken des hauses. v, 39 u. öfter,
Hcstlimi^ m. s, V, a. das einfache stürm,
mhd. gestürme {Ben. 2^ 717 ". Xexer 935),
coli, zu Sturm : als er {der proph, Jonas) nu
ynn diesem gesturm {Jen, 3, 237 " : stürm)
gelernet hat. der proph. Jona, (1526).
Hiiij'.
Clesnch (gesüch), n. das angelegentliche
suchen, streben, besonders das streben nach
gewinn, erwerb, mhd, gesuoch m. {Ben, 2^,
7''. Lexer 937), ahd. gisuoch {Graff 6,
85): czwo sorge odder gesuch des fleyschs
berurt hie s. Paulus, ausleg. der ep. vnd
euang, des aduents, (1522). Gj*^; durch
gottis geschick vnd boszer menschen gesuch
... das reych vns geben ist. an den christL
adel, (1520). Mij"; das gesuch der narung.
ebend, Nij^; gesuch des Verdienstes, post.
(1528). 93^; gesuch des lohns^ ebend,
179^; es ist nur ein voick auff seinen nutz
vnd gesuch {gewinn, erwerb) gericht. ebend,
228 '^; mit sorgen zeitlicher narung vnd vn-
redhchem gesüch derselben so gar vberladen.
Jen, 1, 287"; vnser endlich gesüch sol sein
etwas bessers vnd höhers, nemlich das selige
erbe im himel. Eisl. 2, 137"; auch ist eyn
ferlich gesuche ynn diesem kauff. von kauffs-
handlung. (1524). Jij^
C2C8ifhtj n. (?) einmal erscheinende
nebenform v. gesuch : on eygen geniesz vnd
gesucht, das magnificat, (1521). e iij ".
ücsiod (gesunt. grundvndvrsach, 1521.
ciü]**), mhd, gesunt {Ben, 2^ 746 ^ Lexer
936), ahd. gisunt, gisunti {Graff 6, 259).
1) gesund, sanus, gegensatz v. krank : die
gesunden dürffen des artztes nicht, sondern
die krancken. Luc. 5, 31 ; es ist nichts ge-
14*
GESUNDHEIT
108
GRTRAM
Sundes an meinem leibe, ps. 38, 4; von der
fussolen bis auffs heubl ist nichts gesundes
an jm. Jes, 1 , 6 ; ich wil deinen son gesund
hin vnd her wider füren. Tob. 5, 22 ; herr
erbarm dich vnser, das wir beide gesund mö-
gen vnser alter erlangen. 8> 10; lohe den
herrn die weil du lebest vnd gesund bist.
Sir. 17, 27 ; gesund vnd frisch sein ist bes-
ser, denn gold, vnd ein gesunder leib ist
}>esser, denn gros gut. 30, 15; gesunde
kinder. Tob. 6, 22 ; ein gesund aiige. von
dolmetschen. (1530). Cj"; gesunde ver-
nunffl. wider d<i8 bapstum. (1545). Fij^;
— gesund im glauben. Tit. 1, 13. 2, 2;
ein gesumler glawb. der 36. psalm. (1521).
Ciiij K
2) gesund werden, convalescere, genesen:
vnd er (Hishia) ward gesund. 2 kön. 20,
7 ; dies ist die schriiTl Hiskia des königes
Juda, da er kranck gewesen vnd von der
kranckheit gesund worden war. Jes. 38, 9;
sprich nur ein wort, so wird mein knccht ge-
sund. Matlh. 8, 8 ; möcht ich nur sein kleid
anrüren, so würde ich gesund. 9, 21.
3) gesund machen, sanare , heilen: ich
wil dich gesund machen. 2 kön. 20, 5 ; da
ich schrey zu dir, machtcslu mich gesund
(var. heyl). ps. 30, 3 ; er machte sie gesund
vnd errettet sie, das sie nicht slurlien. 107,
20 ; ich wil sie heilen vnd gesund machen.
Jer. 33, 6; vnd sie brachten zu jm allerley
krancken mit mancherley scuchen vnd quäl
hehafll . . . vnd er machte sie alle gesund.
Matih. 4, 24; die gäbe gesund zu machen,
l Cor. 12, 9.
4) gesund, saluber, der gesundheil zu-
träglich, förderlich: mein kind, prüfe, was
deinem leibe gesund ist, vnd sihe, was jm vn-
gesund ist, das gib jm nicht. Sir. 37, 30 ;
sie (meine worte] sind gesund jrem gantzen
leibe, spr. Sal. 4, 22; das wird deinem
nabel gesund sein. 3, 8 ; ein gesundt lagor.
ob man für dem sterben fliehen müge.
(1527). Biiij^
üesundheit (gcsuntheit. von guten wer-
cken. 1520. Dj*; grund vnd vrsach. 1521.
ciiij *"), f. sanitas^ mhd. gesunlhcit (Ben. 2\
748 ^ Lexer 937): vnd rüffet den schwa-
chen vmb gesundheit an. weish. 13, 18;
vnd gibt gesundheit, leben vnd scgen. Sir.
34, 20 ; der mensch war vber vierzig jar alt,
an welchem dis zeichen der gesundheit ge-
schehen war. ap. gesch. 4, 22; die bletter
des holtzs dieneten zu der gesundheit der bei-
den, offenb. Joh. 22, 2.
<ietäfelt fgeleflclt), s. täfeln.
Oefeo, s. gäten.
Uethan^ part. adj. beschaffen, sich ver-
haltend, mhd. get«1n (Ben. 3, 143". Lexer
942): also ist das auch gcthan (so verhall
sich auch), das er schreibt ym lalinischen
vnnd deutschen, das Christus sey ein heuUt
der Turcken, der heyilen . . . von dem bap-
slum. (1520). Dij''; wir wissen, das in der
Christenheit also gethan ist (sich so verhall),
das alle kirchen gleich sind, wider das bap-
stum. (1545). Yiiij"; mein herlz ist alszo
gethan {beschaffen), auf des bocks antworl.
(1521). b ij"; die Christenheit aber ist also
gethan, das sich ein yglicher des andern not
annympt. vber das erste buch Mose. (1527).
e iij '' ; also ist es vmb alle abgötterey gethan.
deudsch catech. ( 1 529 ). Biij " ; lasst vns zu
erst fragen, wie es vmb die feinde gethan
sey. der WO. psalm. (1539). Fij"; des
gleichen wird nu hiemit auch sein reich be-
schrieben, was vnd wie es gethan sey. ebend.
Ciiij '• ; aus diesen Worten allen lernen wir,
wie der bann sol gethan sein. Jen. 1, 239^
dethÖBe^ s. getöne.
GethäMel^ s. getümmel.
Cleticktj getichte, s. gedieht.
üctöie (gothöne. 1 Macc. 6, 4 1 ; ge-
döne, gedone), n. sonilus , mhd. gedopne
(Ben. 1, 383". Lexer 773), coli, zu ton
(don) : wollen die weil heilig sein mit jrem
grossen vielen gedone vnd geplerr jnn der
kirchen. das 5. 6. vnd 7. cap. s. Matlh.
(1532). g iiij '• ; seine rede war wie ein gros
gedone. Dan. 10, 6; du wärest vol gedönes.
Jes. 22, 2 ; ich höret die Mgel rauschen wie
grosse wasser vnd wie ein gedone des all-
mechtigen. Ezech. 1, 24; ein gedone wie
eines grossen erdhebens. 3,12; also wil ich
mit dem gedone deins gesanges ein ende ma-
chen. 26, 13; vnd das gantze haus erschall
von dem süssen gedone. Str. 50, 20.
Cletraidig, s. getreidig.
(letrank^ n. getränk, mhd. getraue (Ben.
3, 93". Lexer 946), nur noch einmal in
GGTRÄNK
109
GETROST
der hibel: Weinessig oddcr starcks gelrancks
essig. 4 Moi. 6, 3. sonst immer
üetriBki getränke (getronck, gclrencke),
n. poiulenium: das gptrenck Irtig man in
giildeo gefessen. Esth, 1, 7; allerloy bewnie
vnd fruchte . . . daraus man nicht allein s])ciso,
sondern auch getrcncke machet, vber das
erste buch Mose. (1527). Gtij''; du soll
keinen wein noch starck gelrenckc trincken.
3 Mos, 10, 9 ; sich weins vnd starcks ge-
Irencks enthalten. 6, 3; starck getrenckc
macht wihle. spr. SaL 20, 1 ; gut getrenck.
Jes. 24, 9.
mhd. getrenke -=» trinkgelage {Ben, 3,
93''. Lcxer 947).
Crtraaeii (getrawen), trauen, vertrauen,
mhd. gelnWen, getriuwen (Ben, 3, 109''.
Lexer 949): die Christen sind solche narren
vnd verzagte schehnen, die sicli fiir gott so
seer fürclitcn, jre sunde vnd seinen zorn so
hoch achten, das sie für seiner göttlichen
maiestet äugen nicht getrawen zu ersciieinen
ou einen mittler oder mesia. von den Juden.
(1543). lij"; man solt sie ahcr recht leren,
das sie einen goltfürchtigten willen hetten
vnd aufr jren willen vnd meinung gar nichts
getrawen. Jen, 1, 79^
CetniVfD (getrawen), n. vertrauen, mhd.
golruwen {Ben, 3, llO''. Lexer 950): auff
Rillen glauben vnd getrawen. Eisl, 1, 333*.
ttftreide (getreid 2 kön. 4. 42), n. fru-
mentum, urspr. s. v. a. was getragen wird,
denn mhd. getregede, getragide [Ben. 3, 77*'.
/.exer 947), ahd. gitragidi (Graff b, 501),
r. tragen : allcrley getreyde, körn, weitzcn,
rocken , gersten , hahern , hirsen , reiss etc.
vber das erste buch Mose, (1527). Oiij'';
kom odder getreide. der proph. Sacharja,
(1528). Riiij"; das sie getreide auffschdtlen
in Pharao kornheuscr. 1 Mos. 41, 35; da
aber Jacob sähe, das getreide in Egypten veil
war. 42, 1 ; also kamen die kinder Israel ge-
treide zu keulfen. t;. 5 ; der weitzen vnd ro-
cken ward nicht geschlagen, denn es war spat
getreide. 2 Mos, 9, 32; sie assen das ge-
treids vom lande Canaan. Jos. 5, 12; des
getreides. 2 chron. 32, 28.
ÜetreideUidy n. Asser hat gut getreide-
laod innen gehabt, gl, zu 1 Mos. 49, 20.
fif treidi^ (gelraidig de Wette br. 5, 515>,
fi. nebenform v. getreide : allerley körn vnd
getreidig. Jen, 5, 21"; sechtzig scheffel ge-
Ireydich. tischr. 347 *.
fiefren (getrew), fidelis, mhd. getriuwe
(Ben. 3, 106*. Lexer 948), ahd. gitriuwi
(Graffh, 464): der getrew ist. 1 Sam. 22,
14; gott ist getrew. 1 Vor, 10, 13; sey
getrew bis an den tod. offenb. Joh. 2, 10;
— ein verleumbder verrhet was er heimlich
weis, aber wer eins getrewen hertzen ist,
verbirgel dasselb. spr. Sal. II, 13; ein ge-
trewcrbote. 25, 1 3 ; getrewer knccht. Matth.
25. 21 ; getrewer diener. Ephes. 6, 21 ; ge-
trewer son. 1 Cor. 4, 17; dem selben ge-
trewen hirten folgen seyne scheu lein. gr.
serm. von d. Wucher. fl520). biij^ subsl.:
alle meine getrewen haben grewel an mir.
Hiob 19, 19.
Iiptrealich(getrew]icli),adr. fideliter, mhd.
getriuwcHche (Ben. 3, 107*. Lexer 948):
so sollen die Juden den Römern getrewiich
liülfTe thun. 1 Macc. 8, 25 ; da ge^en auch
sollen jnen die Römer getrewiich beiden.
V, 27.
fictriebj n. das treiben^ getreibe, anstifte
ung: es war alles der feynd getrieb. der 36.
psalm. (1521). Ai]**; was solche beiden
widiler Christum vnd sein wort toben, das
ist des teulTels gelrieb, das schöne con/ilemini
(1530). Fiij'-; solchs alles ist ein getrieb des
obersten schaicks jnn der well, des bapsts.
wamunge an s, l. Deutschen. (1531). Ej*'.
- mhd. getrip (Ben. 3, 89*. Lexer 948).
CrtriBken^ trinken, mhd. getrinken (Ben.
3, 92*. Lexer 948), ahd, getrinken (Graff
5, 539) : vnd als er getranck, kam sein geist
wider, var. zu rieht. 15, 19.
CetrMty adj. fidens, conßdens, *ruhig
und zuversichtlich vertrauend* (Weigand):
lielwn knechte, scyl frisch vnd getrost, wir
wollen ob gott wil heute ehre einlegen, ob
kriegsleute etc. (1527). Oj'; getrost vnd
frisch. 2 chron, 32, 7 ; seid getrost vnd vn-
uerzagt. Deut. 31, 6; sey nur getrost vnd
seer freidig. Jos, 1,7; seid frölich vnd ge-
trost. Matth. 5, 1 2 ; ich gehe hin den weg
aller well, so sey getrost vnd sey ein man.
1 kön. 2, 2 ; der gerechte ist auch in seim
tod getrost, spr. Sal. 14, 32; — seid nur
getroste leut. das 16 cap. s. Joh, (1538).
GETROST
110
GEVATTERT
Fflij''; gott gab Salomo getrost liertz. 1
Itön. 4, 29.
CletrMty adv, fidenler: fordert nur getrost
von mir niorgengabe vnd geschenek. 1 Mos.
34, 12; lass vns getrost handeln. 1 chron.
20, 13^ ruffe getrost. Jes. 58, 1 ; er thut
seinen mund gelro^ aulT. Sir. 39, 7 ; getrost
sterben. 2 Macc, 6, 28; getrost anhalten.
vermanung zum sacramenl. (1537). ßj*.
lititHMMel (getümel, gethüniel), getümele
{Matih.9, 23), getümle iposl. 1528. 177"),
n. lumuUus, strepilus, mhd. getüinmel, ge-
tümele {Ben. 3, 128 K Lexer 950), coli, zu
luroel lärm : solch ein gebeisse, getümmel vnd
vnordnung ist drinnen gehalten, von den
concilijs. (1539). Yij''; ist alsbald ein er-
schrecklich rumor vnd gethüniel gehört
worden, ein wellische lügenschrifl, (1545).
Aüj**; ein laut getümel. 1 Sam. 4, 14; ein
gros getümmel. 2 Sam, 18, 29; das ge-
schrey vnd getümel der stad. 1 kön. 1,41;
das getümel der stad. Hiob 39, 7 ; ein ge-
schrey als eins getümels der versandeten kö-
nigreiche der beiden. Jes. 13, 4; das getü-
mel der leute. 17, 12; wie ein getümel in
einem beer. Ezech. 1,24; gelhümel das sie
mit dem hämisch vnd eisen machten. 1
Macc. 6, 41.
üetÜBcht; pari. s. tünchen.
UetMtMf vom schreien der eisler: wie es
vnmüglich ist, dasz die agiaster jr hüpffen
vnd geizen lasset, lischr. 423*^. aus mhd.
gagzen {Lexer 742). vgl. gäkzen.
He übt, pari, exercilalus : wer aber nicht
geübt ist, der verstehet wenig. Sir. 34, 10;
die durch gewonheit haben geübete sinnen.
Hehr. 5, 14.
Heiehelei, s. gäuchelei.
Heichereij s. gäucherei.
Cleidisch^ adv. prodige, verschwende^
risch: geudisch vorschütten, an den christL
adel. (1520). Mj', vollständiger s. die
stelle unter bedürfen c). wegen der selten-
heit des heute veralteten Wortes stehe hier
noch ein beleg aus derselben zeit : etwan do
sye den Christen glauben angenomen, haben
sye allzu geudisch vnd mer dann nutz vnd
biilich gewest, von dem jren zu den kirchen
geben. Ulrich von Hütten gesprächbüchlin.
(1521). xj*. 1482: geudisch, prodigalis.
zu geuden (mhd. giuden Ben. 1, 538^.
Lexer 1025), verschwenden, wa^ heute für
sieh allein veraltet und nur noch in ver-
geuden gebräuchlich ist.
Geisie (geusse), f. überflusz: vnnd will,
das sie reychthum, ehre vnd furcht von yeder-
man die geusse vnd die menge haben sollen.
von weltlicher vberkeit. (1523). Ej**. in der-
selben bedeutung mhd. giuse {Lexer 1026).
üevatter (geualer), Jen. 1, 187 *. (geatter
de Wette 6, 330. gefatter), m. f. (geistlicher)
mitvater als laufpathe, sowohl von dem
männlichen als weiblichen taufzeugen, mhd.
gevater, gevatere {Ben. 3, 280*. > Lexer
957): sondern frey dabyn nemen {sc. zur
ehe) eyn gefaller den andern vnd der patt
den gefattern. sendebr. an Jhan von Schlei-
nitz. (1523). Aiij*; lieber gefaller Peter.
das ander teyl widder d. hyml. propheten.
(1525). Liij*; liebe geuatter. auszleg.
deutsch des v. u. (1618). Eiiij''; die gefat-
tern freundtlich aufl* die backen schlahen, so
es anders hübsch glate melzlin sind, widder
den falsch genanten geisll. stand. (1522).
Bj" ; glücken teulTen mit 200 gefattern an emem
strick, vermanung an die geistlichen, ( 1530).
Iliij'*; das wir ynn des gefattern {gevatler-
leute) worden sind, ob kriegsleute etc.
(1527). Giij''; da er den teuffei so weyt zu
gefattern gebeten hatte, widder die hyml. pro-
pheten. (1525). Eij'^; wenn man den teufel
vber die thür malet vnd zu gefattern bittet.
wider das bapstum. (1545). Hj^;man darf
den teufel nicht über die thür malen, noch ihn
zu gevaltern bitten, de Wette br. 3, 322.
UevMttersehtft (gefatlerschaft), f. das ge-
vattemamt: damit sie viel neher ym geyst
fremd werden, denn durch euszerlich gefatter-
schafft. wilche personen etc. ( 1 522). Aij' ;
zur ehe zu greyffen sollt man widder gefatter-
schafft noch pattschafft ansehen, an Jhan
von Schleinitz. (1523). Aiij*; gefatter-
schaiften. an den christl. adel. (1520).
Hiiij'*. — mhd. gevaterschaft {Ben. 3, 280*.
Lexer 958).
Hcvatterschiiij f. gevatterin: liebe fraw
(loctorin vnd geuatterschin. Eisl. 1, 15^^.
C2ef attert, als gevaller verwandt, beleg
s. unter gebrüdert. — part. v. gevattern,
GEVETTERT
111
GEWÄHREN
tnhd. gevateren, refl. sich gevatter nennen,
als g. behandeln (Lexer 958).
Ceretterty vertcandl s, gebrüderl.
ücvif rdic (geuierde), n. 1 ) viereck, qua-
dral : vnd stehen wie vier rosse im geuiordc.
Bindseil 7, 351; aufT das selbige geuierde
leget er den boden von cedero breitem. 1
kön. 7, 2; hundert eilen lang vnd hundert
eilen breit ins geuierde. Ezech. 40, 47 ; also
halte die maur ins geuierde auff jeder seilen
herumb fünfT hundert ruten. 42, 20 ; zwei ff
eilen lang vnd zwelff eilen breit ins geuierde.
43, 16. 2) eine schaar von vieren: vnd
vbirant Worte te yhn vier geui erden Kriegs
knechten, var. zu ap. gesch, 12, 4. in der
bibel: vier vierteile mil der glosse: ein hau IT
knechte ward in vier teil geteilet, da ja (je)
ein teil musle das vierde teil der nachl wa-
chen, eins vmbs aader.
Geviert (geuierdt), pari, v. vieren z. zu vie-
ren zusammen scharen: da sind auch vier
geuierdte reder vnib die Ihier her, bei jglichem
thier ein rad. vorr. auf den proph, Ezechiel.
Bindseil 1, 351. nach der heschreibung.
Ezech, 1 waren dies räder, die atu je vie-
ren so zusammengesetzt waren, dasz sie
ohne sich umwenden zu müssen nach vier
richtungen hin gehen konnten (für sich, hin-
der sich vnd zu beiden seilen).
üeTÖgel (gevogel), n. mhd. gevügel, ge-
vügele, gevögele (Ben. 3, 358**. Lexer
969), coli, zu vogel : gevogel, das auff erden
vnter der feste des himels ileuget. l Mos. 1,
20; allerley gefidderls gevogel. v. 21; das
geuogel mehre sich auff erden, r. 22; das
gevogel fiel auff die ass. 15,11; alles gevogel.
5 Mos. 14, 19; geuögel des himels. 28, 26;
fidderig geuögel. var, zu ps. 78, 27.
(lewäehs^ ge wachse (gewechs, gewechse),
n. gewachsenes, besonders der erde ent-
sprossenes, planta, mhd. gewahs, gewehse
(Ben, 3, 463". Lexer 981): das laud sol
sein gewechs geben. 3 Mos. 26, 4 ; das die
erde jr gewechse nicht gebe. 5 Mos. 11, 17;
vnd segenesl sein gewechse. ps, 65, 11;
gleich wie gewechs aus der erden wechst.
Jes. 61, 11; seines gewechs bletter ver-
dorren. Ezech, 17, 9; vnd schmückel sie
(die erde) mit allerley gewechsse. vber das
erste buch Mose. (1527). Giij**. frucht,
erzeugnis überhaupt: ich werde von nu an
nicht mehr von diesem gewechs des wein-
Stocks trinckcn. Matth, 26, 29; vom ge-
wechse des weinstocks. Marc, 14, 25.
sprosse, nachkomme: das gewechse deines
leibs {deine nachkommenschafl), Jes. 48,
19 > das ich dem Dauid ein gerecht gewechs
erwecken wil. Jer, 23, 5. 33, 15. bildlich:
das gewechse ewer gerechligkeil. 2 Cor,
9, 10.
Gewtchseo^ wachsen, aufwachsen, mhd,
gewahsen (Ben. 3, 462 ^ Lexer 912), ahd,
giwahsan (Graff 1, 685): da nu die Irespen,
winden oder vnkraul gros gewuchs, da sähe
man aller erst den schaden: der 101 psalm,
(1534). Sij^
üewibr (gewar), adv, mhd, gewar (Ben,
3, 505". Lexer 977), ahd. giwar (Graff
1, 908). 1) gewahr werden, ansichtig, be-
wuszt werden, bemerken a) mit gen. : die
da gewar werden jrer plage. 1 kön, 8, 38;
vnd war Dauids gewar. 1 chron. 22, 2 1 ; vnd
ward gewar eins nerrischen Jünglings, spr,
Sal. 7, 7; vnd der könig ward gewar der
band die da schreib. Dan, 5,5; eines an-
furls aber wurden sie gewar. ap, gesch.
27, 39; wo ich des gewar vnd gewis
würde, ein brief an die zu Franckfort,
(1533). Biij^
b) mit acc: vnd wirst nicht gewar den
baicken in deinem äuge. Matth, 7, 3.
c) mit dasz : vnd wurden gewar, das sie
nacket waren. 1 Mos, 3, 7 ; vnd ward ge-
war, das Isaac schertzet mil seinem weihe.
26, 8 ; vnd ward gewar, das ein man gegen
jm stund. Jos, 5, 13.
2) gewahr nehmen mit gen,^ acht haben
worauf: die andern, die nu solchs wüsten
vnd sterckern glawben hatten, namen der
schwachen nicht gewar. |>o«(. (1528). 21*.
Cewjihrei (geweren), zu theil werden
lassen, zukommen lassen, mhd, gew@rn
{Ben, 3, 584*. Lexer 988), ahd. giwär^n
(Graff 1, 942), bei L, noch mit acc. der
person und gen, der sache : der herr gewere
dich aller deiner bitte, ps. 20, 6; vnd wil
sie des gebets vmb fried vnd trew geweren.
Jes. 33, 6; ich wil heute nicht essen noch
trincken, du gewerest mich denn einer bitte.
Tob. 7, 10.
^\*
GEWAHRSAM
112
GEWALTIG
CcwahrsAM (gewarsamj, f. aufsieht, oh-
sorge, mhd» gewarsame (Ben. 3, 506'.
Lexer 978): Samaria heist ein hut oder ge-
warsam. EisL 1, 36'.
fiewall^ m. und f,, polenlia, poleslas^ vis,
mhd. gewalt w/". {Ben. 3, 474 ^ Lexer 91 2\
ahd. giwalt mf. (Graff 1, 808). obgleich
schon bei L. das heule allein gellende fem,
entschieden vorwiegt, so ist doch das masc,
besonders in den früherenschriflen, nicht ge-
rade selten : die helle pforten sind aller ge walt
wider die chrislen. gl, zu Mallh, 16, 18; den
gevvalL 1 Macc, 2, 67 ; vbcr allen gewallt.
Luc, 10, 19 var.; einen gewalt. von dem
bapstum. ( 1 520). Fiij '^ ; bepslliclien gewalt.
ebend. Fij '^ ; keinen gewallt, antwort deutsch.
(1522). Biiij''; den massigen, prachtlichen,
lustreichen gewalt des bapstumbs. grundvnd
vrsach. (1521). Ij"*; viel gewalts. Jer. 20,
8 ; vnterscheyd iles gewallts. ep, s, Pelri ge-
predigt, (1523). Kiij\
1 ) gewalt, macht, herrschaft: gewall gehet
vber reciil (Sprichwort), der proph, Ha-
bacuc. (1526). ciiij*, aus Hab. l, 3; wie
weislu was gott vermag? wie kanslu seine
Weisheit vnd gewalt abmessen? eine bericht.
(1528). Giiij'; l>ci jm (gotl) ist Weisheit
vnd gewalt. Hiob 12, 13; meinslu das er
(gott) deine gewalt achte? 36, 19; pochet
nicht so hoch auß* ewcr gewalt. ps, 75, 6;
vberiiebe dich deiner gewalt nicht zu seer.
2 Macc. 7, 34; deine magd ist vnter deiner
gewall. 1 Mos. 16, 6 ; da sie des hcrrn jres
gütlcs vergasseu, verkaufft er sie vnter die
gewall Sissera. 1 Sam. 12, 9; der herr gab
Israel einen heiland , der sie aus der gewalt
der Syrer füret. 2 kön. 13, 5; gott wird
meine seele erlösen aus der hellen göwalt.
ps. 49, 16; dadurch du von des leiiflels, tods
vnd der hellen gewall wirst gefreiet, zwo
predigt, auf der kindertaufe. (1540). Kiij'' ;
gewall des bapsts vber die gantz Christenheit.
von dem bapstum, (1520). Fij''; die ge-
wallt der elllern, das eitern die kinder zur
ehe nicht zwingen sollen. (1524). Aij'*;
daruinb isls nicht eine weltlicbe gewalt, da-
durch die bisschüue vber die kirchen sich
brüsten vnd herrschen iiiöchlen, sondern eine
geistliche gewalt. wider das bapstum. ( 1 545).
Nj**; die macht odder gewalt zu regirn. vier
trostHche psalmen, (1^26). B 8*; gewalt
zu tödten. Str. 9, 18. es heiszt gewalt
haben, geben, verleihen : des er keinen fug,
gewalt noch recht hat. von dem bapstum.
(1520). Eiij'; des wir alle gleichen gewalt
haben, an den christl, adel, (1520). ßj-';
der höhest gewalt hat vber der menschen
königreiche. Dan, 4, 14; du hast gewalt
beide vber leben vnd vber tod. weish, 16,
1 3 ; vnd der könig gab Sadrach, Mesach vnd
Abednego grosse gewalt im lande zu Babel.
Dan. 3, 30; vnd gebe dir gewalt eigene
müntze in deinem lande zu schlahen. 1 Macc.
15, 6 ; mir ist gegeben alle (var, aller) ge-
walt im himel vnd erden. Matth. 28, 18;
vnd gab jnen gewalt vnd macht vber alle
teufel. Luc. 9, 1 ; vnd dir vber alles gewalt
verüben hat. Dan. 2, 38. mit gewalt: vnd
zwang die kinder Israel mit gewalt zwenzig
jar. rieht. 4, 3 ; deine schenckel mit gewalt'
geblösset. Jer. 13, 22; der pofel will mit
gewall regirt seyn. sendbr. von dem harten
buchUn, (1525). cij*; vnterstund er sich
mit gewalt Egypten zu gewinnen, der proph.
Daniel. (1530J. Ej'.
2) gewaltthätigkeit: gewalt ist öffenlhcher
freuel. gl, zu Luc, 3, 14; ob ich jemand
hab gewall oder vnrecht gethan. 1 Sam. 12,
3 ; du hast vns kein gewalt noch vnrecht ge-
than. V. 4 ; wer dem geringen gewall thut,
der leslert desselben schepfler. spr, Sal. 14,
31 ; — du hast gewall im lande geübt. Hiob
22,8; der gewalt vnd vnrecht geübt. Ezech.
18, 18; sind nicht die reichen die, die gewalt
an euch vbcn. Jac. 2, 6 ; — du wirst gewalt
vnd vnrecht leiden müssen. 5 Mos, 28, 29 ;
der recht schaffet denen , so gewall leitlen.
ps. 146, 7; — das er jm nicht wolle lassen
gewalt geschehen, von Jhesu Christo. (1533).
Eiij\
tiewaltig^ gewehig, potens, gewalt ha-
bend, mächtig, stark, mhd. gewaltic, ge-
weltic {Ben. 3, 476 ^ Lexer 973), ahd.
gewaltig {Graff 1, 810). die form gewellig
begegnet anfangs häufig, später seltener.
1) adj. a) von personen: Nimrod lieng au
ein gewaltiger herr zu sein auff erden. 1
Mos. 10, 8; ein gewaltiger jeger. r. 9; er
(Naeman) war ein gewaltiger man. 2 kön.
5, 1 ; gewaltige leute. 1 chron. 8, 2 ; der
GEWALTIGLICH
113
GEWAPNET
gewaltigst fürst. Jud. 11, 6; du gewaltiger
herrscher. weisk. 12, 18; ein gewaltiger
könig. Sir. 1, 7; ein gewaltig gut kriegs-
uolk. 1 Jiiacc, 1,4; wenn die aniptleut so
viel gelerter vnd gc weltiger sind denn der
landsfurst selbs. originalbr. v.J. 1530 au/*
der bibl. zu WolfenbüUeL — dennoch ist er
gefangen, das er sifh nicht eraus richten kan,
noch setner Sinne gewaltig ist. das 5. 6. und
7. cap, s. Mallh, (1532). o iij^
h) von sacken: eine grosse gewaltige slad.
Jud. 1, 1 ; die gewallige (1522: gcwelltige)
hand gottes. 1 PeL 5, 6 ; du hast einen ge-
waltigen arm. ps, 89, 14; gewallige thatten.
ill, 6; ein gewaltiger schütz. Str. 34, 19;
als eines gewalligen windes. ap, gesch, 2,
2; gewaltige vnd tapperc brieffe. deutsch
iheologia, (1518). Aj^; mit statlicher ge-
waltiger furbit« an kurßrsten zu Sachsen.
(1545). Aiij ^ ; seine geweitige vbirkeyt. von
dem bapslum. (1520). Aüij'; hie sihestu,
das gar ein lebendig geweitig ding ist vmb
den glawben. euang. von den zehen aus-
geizigen. (1520). Oy^; vnd gleych eyn ge-
^'elltigen scheyn gewunnen hat. das 7. cap.
8. Pauli zu den Cor. (1523). Aij'.
2) subsL: ein gewaltiger (1522: gewei-
diger) der königin Candakes. ap. gesch. 8,
27; nicht viel gewaltige (1522: geweitige)
sind beruffen. 1 Cor. 1, 26; die gewaltigen
Moab. 2 Mos. 15, 15; die gewalligen des
königes Sihon. Jos. 13, 21 ; Belsazer machte
ein herrlich malh seinen gewaltigen vnd
heubtleuten. Dan, 5, 1 ; die gewaltigen
heisset man gnedige herrn. Lue. 22, 25 ;
das erste teyl waren patricij, obersten vnd
gewalligsten, vber das erste buch Mose.
(1527). ciij^
3) adv.: er prediget gewaltig (var. ge-
waltiglich). Matth. 7, 29; das sind treffliche
wortt vnnd streylten gewaltig widder die
werckmeyster. ausleg. der ep. vnd euang.
vom christag. (1522). Viij*; slercke dicli
aulfs gewaltigst. Nah. 2, 2.
fiewaltiglieli, geweltiglicli (nur in den
früheren Schriften vorkommend), adv. mit
gewall oder macht, mhd. gcwallccliche (Ben.
3, 477*. Lexer 973): der fursleu plage ge-
welliglich da her gehet, von weltlicher ober-
heit. (1523). Eiij'; weyl denn schrilTt vnd
l>i£TZ, Wörtetbach. II.
geschieht so geweltiglich mit eynander vber
eyn treffen. dasJhesus Christus etc. (1523).
Eiij '' ; vnd wil hie mil gewal liglich beweisen.
das schone confUemini. (1530). Fij^; klar
vnd gewaltiglich verdeudschen. von dolmet-
schen. (1530). Bij^; dis stücke zeiget ge-
waltiglich, das (d€i8z) u. s. u). artickel etc.
(1538j. Dij'; itzt meine ich ja, sind wir
redlich vnd gewaltiglich absoluiret. von den
concilijs. (1539). Bj"; zum glauben ge-
wal liglicli treiben, vorr. auf die propheten.
Bindseil 7, 336; es gehel gewaltiglich vnd
frülich zu an seinem ort. 1 chron. 17, 27;
seine rechte hand hiliUt gewaltiglich. ps. 20,
7 ; du hast dein volck erlöset gewal liglich.
77, 16 ; vnd er lieff iu seinem zorn gewaltig-
lich zu jm zu. Dan. 8, 6; die gewaltigen
werden gewaltiglich gestraiTl werden, toeish.
6, 8; er leret gewaltiglich. Jfarc. 1, 22.
ficwaltlich; adv. dasselbe: forchtlich vnd
gewaltlich alle ding durchdringen. Jen. 1,
93'.
fiewaltsclilfissclj m. clavis potestatis:
der gewal tschlüssel heisst, das^ der bapst
macht hat jnn himel vnd erden zu gebieten
vnd zu verbieten, wie vnd was er wil. von
den schlüsseln. (1530). Fij'; also auch d^n
gewall Schlüssel odder den herrschlüssel wol-
len vnd sollen wir auch nicht leiden, ebend.
Gij\
fiewaHdj n. veslis, kleid: vnd (Simson)
schlug dreissig man vnter jnen vnd nam ir
gewand. rieht. 14, 19; sie teilen meine
kleider vnter sich vnd werffen das los vmb
mein gewand. ps. 22, 19; sie werden alle
veralten wie ein gewand. (var. kleyd). 102,
27; köstlich gewand. Ezech. 27, 24; wul-
len gewand. von kauffshandlung (1524).
Diij " ; man sagt vom pfauwe, dasz er hab ein
engeUsch gewand. lischr. 277''.
mhd. gewant (Ben. 3, 683\ Lexer 975),
späl-ahd. giwant (in badegiwanl Graff l,
762); zu winden.
CIcwandhans, n. kleiderhaus. 2 kön, 10,
22 var. — nüid. gewanlhus (Lexer 976).
üewandschneider , m. tuchhändler. de
Welle br. 0, 330. — mhd. gewanUsnider
(Ben. 2^ 442^ Lexer 976 .
Ccwapnct; gewaffnet, pari. : ein gewapt-
ncler (sie) uiau. spr. Sal. 6, 1 1 ; wenn ein
15
GEWAR
114
6EWE6EN
starcker gewapneter sein pallast bewaret.
Luc, 11, 21; die gewapneten werden jn
holen. Hiob 5, 5.
fiewar, «. gewahr.
(^ewanam, s. gewahrsam.
üewartcn, mhd. gewarten (Ben, 3, 531 **;
Lexer 978), ahd. giwarten (Graff 1, 952).
1) erwarten, erharren^ hoffen, a) mit
gen, : es fodert die noddurfft eyn antzeygen
vnd vorrhede zu stellen, da mit der einfeil lige
man vnterrichtet werde, wes er ynn disem
buch gewartten solle, vorr. auff das n. test,
(1522). 2'; ein Christen man eyns andern
leben nach diszem gewarttet. das 7. cap.
Cor. (1523). Aiij'; es gehört auch nicht
ein milchglaube dazu, das man des todes ge-
warte, ob man für dem sterben fliehen
müge, (1527). Aij^; Adam hat yhn nichts
anders gepredigt, denn das sie des samens
gewarten müsten. vber das erste buch Mose.
(1527). üäii**; sie können vnd wollen des
Spiels, so sie zu Costnitz erhdden, nicht mehr
gewarten, tcider das bapslum. (1545).
Aiüj^
b) mit acc: was sol ich mehr von dem
herrn gewarten? 2 kön. 6, 33 ; deine nach-
komen haben viel gutes zu gewarten. Jer.
31, 17 ; der nichts bessers zu hoffen noch zu
gewarten hat. Sir. 41, 4; ja noch lohn im
himel gewarten, gl, zu 5 Mos. 29, 19; das
wir vmb des euangelij willen müssen ge-
warten feindschaffl. vber das erste buch
Mose. (1527). Qj*; auff das du von keinem
tyrannen dürffest solche wüeterey gewarten.
ob hriegsleute etc. (1527). Dij*"; jhr solt
leyhen vnd nichts davon hoffen odder gewar-
ten, loider den wucher. (1540). Füij*'.
c) mit abhängigem satz: wo der recht
hewbtstreytt angehet mit dem tcuffel vnter
vns selbs, müssen wir gewarten, das auch
die fallen, die itzt die spitzen füren, von bei-
der gestalt. (1522). Aij'; so mügen sie
gewarten , wem die funcken jnn die äugen
stieben werden, wider das lesterlich buch-
lin. (1533). Aüj*.
2) einem zu gewarten sitzen, ihm zu
dienst stehen: als müste ich gleich dem ge-
ringesten verpflichten odder gefangenen hie
zu gewarten sitzen, von heimlichen vnd gc'
Stolen brieffen, (1529). Aij^
3) eines dinges gewarten, abwarten, fieisz
darauf verwenden : sie können der ampt
auch nicht gewarten. Sir. 38, 37; desglei-
chen haben wir armen Christen auch mit den
geboten gottes.zuthun, so viel das wir ander
hoher werck nicht können gewarten, von
den concilijs. (1539). Gj*; wenn köoi^
Heyntz auch seynes königreichs hett gewartet.
antwort deutsch. (1522). Diij*.
fiewiscli (gewesch), n, 'geist- und ge-
haltloses gerede* ( We ig an d), geschwätz :
nu leret man vns ymer mit viel gewesch, das
wir wissen, vom abendmal Christi. (1528).
fi*; das ich dieses gewesschs ein mal ein
ende mache, eine predigt das man kinder
zur schulen halten solle. (1530). Gii]*";
an stat eines rechten gebets ein lauter ge-
wessch vnd geplepper. das 5. 6. vnd 7. cap.
s.Matih. (1532). g ij '; eitel ledig gewesch.
ein einf eltige weise zu beten. (1535). Bij^;
ein vergeblich, vnnütze gewesch. das 16.
cap. s. Joh. (1538). Siiij^; mehrlin oder
gewessch. Verlegung des alcoran. (1542).
S j ' ; ein bepstisch gewesch. wider das baps-
tum. (1545). Aaj*; grosz vn nutz gewesch
vnd holhyppeley. Burkhardt briefw. 415;
solch drewliche,schisserhche gewesch. ebend. ;
eitel faul, tod gewesche. Bindseil 7, 335.
dcwässer (gewesser), n. nebenform ge-
wisser (*. b. 1 Mos. 7, 24. 8, 7), niM. ge-
we^^er (Lexer 989), coli, zu wasser: das
gewesser der sindflut. 1 Mos. 7, 10; das
der käste auff dem gewesser fuhr. v. IS;
vnd das gewesser verlieff sich von .der erden.
8, 3 ; sihe, da kam ein gewesser des weges
von Edom vnd füllet das land mit wasser. 2
kon. 3, 20. die nebenform gewisser begeg-
net auch noch ein par mal in den predigten
vber das erste buch Mose, z. b. vnd (macht)
den hymel mit einem finstern nebel odder
finster gewisser. Diiij^; das rohe, finstere
gewisser, ebend. ', vnd machet es also, das
er die feste setzet zwischen zweyen gewissem.
ebend.
üewigsert (gewessert), part. : ein gewas-
serter garte. Je«. 58, 11.
- Clewechs^ s. gewächs.
dcwegen^ part. adj.i gewichtig, in fol-
gender stelle s. V. a. reich: der pfarherr zu
Wittenberg möcht solchs rechts auch spielen
GEWEHNEN
115
GEWERBE
mit den gewegenesten bürgern oder bawern,
die reich oder mechtig weren. Jen. 6, 523*.
GcwehncMy s. gewöhnen.
CIcwf hr^ f. possessorium, rechUkräfUger
besüz, zustehendes recht, mhd, gewer , ge-
were (Ben. 3, 586*. Lexer 984)» ahd.
giwerl (Graff 1, 929), zu ahd. werjan, goth.
wasjan ^=^ bekleiden: aber wenn ich als die
konig vnd fursten were, so wollen wir yhm
das predigen verbieten, das er vns nicht aus
vnser gewehr setzet, ein brief an den car^
dinal ertzbischof zu Mentz. (1530). Bj';
aus der alten gewehr treiben, ebend. Bj ** ;
sie wollen warlich der gewehr vnentsetzt
sein, das sie bis her vber gottes wort meister
vnd richter gewest sind, ebend. Bij*; sie
wollen das possessorium haben, Widder jnn
die alten gewehr sitzen, wamunge an s. /.
Deudschen, ( 1 53 1 ). Hij^ ; auffs possessorium
odder auff die alten gewehr dringen, ebend.
Hüj* ; sie sitzen in der gewehr vnd veriherung,
das ist possessorium, praescriptio. un sagen
alle rechte, man solle niemand aus der gewehr
heben . . . gott ist gott, der gestehet keiner
Creator weder gewehr noch veriherung wider
sich oder sein worl, denn er ist ewig, ewig-
keit aber gehet vber alle gewehr vnd veriher-
ung. exempel einen christl. bischof zu wei-
hen. (1542). Eiij*.
Clcwchr (gew^er), n. mhd. gewer (Ben.
3, 512**. Lexer 985), ahd. giwer (Graff
1, 930), zu wehren.
1) toaffe: auch szo istym geistlichen recht
szo streng vorpotten dem geistlichen stand
gewere vnnd wapen zu tragen, grund vnd
vrsach. (1521). nij^; Tubalkain ertz vnd
eissen, das ist hämisch vnd gewere erstlich
erfunden vnd gemacht hat. vber d(U erste
buch Mose. (1527). Rij*.
2) ein den lauf des wassers wehrendes
mauerwerk : ein wasserstrom den ich mit kei-
nem tarn noch gewere kan schützen, grund
vnd vrsach. (1521). fj'; vnd sind alszo
weysze, alsz wer den Heyn wolt schützen mit
eyrem stroeren gewehr. widder den falsch
genanten geistl. stand. (1522). Dj^
fiewehrei^ s. gewähren.
Uewtlhe, s. gewölbe.
(}eweltig, geweltiglicby s. gewaltig, ge-
waltiglich.
tücweien, s. gewöhnen.
ticwer, s. gewehr.
Gewerb, gewerbe, n. mhd. gew^rp, ge-
wörf (Ben. 3, 726**. Lexer 986), von wer-
ben ^= ihäUg sein.
\) aufgetragenes geschäft, IhäUgkeit:
was soll einer von dem andern habenn, wenn
sie alle gleich einerley botschafft vnd gewerbe
von einem herrn haben ? von dem bapstum.
(1520). Dj^
2) dem erwerb dienende thätigkeit, ge-
schüft, erwerbsmittel : was ist dein gewerbe.
Jon. 1, 8; die da meinen, gottsehgkeit sey
ein gewerbe. 1 Tim. 6, 5 ; was L. in der
gl. zu dieser steUe erklärt : ein hendelchen,
damit man ehre oder gut möge suchen.
Bindseil 7, 564; gewerbe vnd hantirung.
weish. 13, 19; gewerb vnd handel. gl. zu
Jes. 23, 17 ; jr begert, ewr gewerbe Jbey vns
zu treiben. 2 Macc. 11, 29 ; wir wollen die
fasten darümb gehalten haben, auff das vnser
land vnd leute, so mit fischen handeln, yhr
gewerbe haben, einebericht. (1528). Eiiij^;
knecht vnd megde, so die gantze wocben
yhrer erbeit vnd gewerbe gewartet, deudsch
catech. (1529). Diij".
3) erwerb, gewinn : vnd wendet den vom
handwerck nit geringe gewerb zu. ap.gesch.
19, 24 var.
4) das erworbene, die habe: thu dein ge-
werbe weg aus dem lande. Jer. 10, 17.
5) Werbung : szo ich doch nit mehr than
hett, den (denn) das ich den selben sun(«oAn)
bewegt hett, meyn nodt vnd gewerb dem
fursten antzutragen. serm. von dem n. lest.
(1520). Ciij«.
Gewerben, thätig sein, handeln, mhd. ge-
worben (Ben. 3, 726 ■. Lexer 985): wenn
ich hundert gülden habe vnd damit gewerben
sol, mag mir hunderterley fahr begegen, das
ich nichts gewinne, gr. seryn. von dem Wu-
cher. (1520). ciiij^
Gewerben, n. im handell vnd gewerben
mit blossem gelt, ebend.
Geweren, s. gewähren.
Gewerre, n. mhd. gewSrre m. und n.
(Ben. 3, 747 ". Lexer 988).
1) gewirre, Verwirrung: man wol sihet,
wie es nit mehr denn lautter regiment des
muttwilligen teuffels ist, der eyn solch ge-
15*
GEWESGII
116
GEWINNEN
werre vnd genienge der gewissen ynn der
welll anrieht, avisleg, der ep. vnd euang.
des aduents. (1522). Kiij*. posL (1528).
27". vgl, gewirre.
2) Unfriede, ztoielrachl: das nicht etwa
eyn hitter w-urtzel aiiffwachsze vnd eyn ge-
werre mache. Hebr, 12, 15 var,
(lewesch, s, gewäsch.
CleweseU; gewest, pari, s, sein.
<iewe88cr; s. gewässcr.
de wicht; gewichte, n. pondus, mhd, ge-
willt, gewihte {Ben, 3, 641". I<?xer990j:
wo gott nicht mit in der woge ist vnd das
gewichte gihl, so sinckcn wir mit vnser
Schüssel zu gründe, von den concilijs,
(1539). Tij"; sekel ist ein gewiclite «in der
müntze, ein ortes gülden, denn vor zeiten
man das geld so wug, wie man jtzl mit gold
thut. gl, zu 1 JÜos, 23, 15; sihe, da war
eines jghchen gehl ohen in seinem sack mit
volhgem gewicht. 1 Mos, 43, 21 ; du solt
nicht zwcierley gewicht in deinem sack, gros
vnd klein hahen. 5 Mos, 25, 13; ein volhg
vnd recht gewicht, v. 15; falsche gewichte.
Micha 6, 11; — ilas gewicht seines pantzers
war fünlT tausent scckcl ertzs. 1 Sam. 17,
5; das gewicht seines spers. 2 Sam. 21, IG.
üewildiiis; /. wildnis: auch können wir
nicht weiter gehen, noch zur seilen von we-
gen der einöde vnd gewildnis. EisL 1, 370''.
— mhd, gewiltnis n. {Lexer 991).
liewiHH (gewin), m. erwerb, voriheil,
nutzen, mhd, gewin {Ben, 3, 712^ Lexer
991), ahd, giwin (Graff 1, 881): fienge er
aber etwas, so vbertreffe die koste doch den ge-
win alzu weit, der 82. psalm. (1530). DiJ'';
sie brachten keinen gewin (kriegsbeuie) da
von. rieht, 5, 19; sterben ist mein gewin.
Phil, 1, 21; was mir gewin war, das hab
ich vmb Christus jwillen für schaden geachtet.
3, 7 ; leren das nicht taug vmb schendliches
gewins willen. Tit. 1, 12.
CjewiBBen, mhd. gewinnen {Ben, 3, 709"
— 712". Lexer 991), aAd. giwinnan 'Graff
1, 876). der pl, des prael, lautet bei L.
noch gewonnen (z. b. 4 Mos. 2 1 , 32. 32,
39. 5 Mos. 2, 34. Jos. 6, 20 u. a.), der
conj, gewünne (z. b. Matth. 16, 26. Luc,
9y 25), einmal auch gewönne {das diese
tDorl etc. 1527. riiij''). als pari, kommt
noch gewunnen neben gewonnen vor,
1 ) absoL gewinnen , aus einem kämpfe
als Sieger hervorgehen : zu letzt hahenn sich
etlich lassen duncken das beste sein, mich
anlzugreylTen , wie die pharisei Christum,
eynen auffgeworffen vnd gedacht, gewinnet
der, so haben wir alle gewonnen, wirl er
vhefwunden, so ist er allein vorloren. von
dem bapslum zu Rome. (1520). Aij**; wie
s. Paulus mit dem tetiiTel kempfet vnd ritter-
lich facht vnd allenthalben gewan. die ep.
des proph. Jesaia. (1526). Fj**; vnd wie
wol sie o(l\ angefochten worden , gewonnen
sie doch. gl. zu 1 Mos. 49, 12; du bist
mir zu slarck gewest vnd hast gewonnen.
Jer. 20, 7 ; ich mus yhn gewonnen geben.
vom abendmal Christi, (1528). Cij*; vnd
(musz) sich endlich gewonnen gehen {als be-
siegt betrachten), deudsch catech. (1529).
Tj*.
2) durch arbeit, anstrengung, sieg wozu
gelangen, etwas erwerben: vbel gewunnen,
böslich zenmnen (Sprichwort), ein christl,
Schoner trost. (1535). Iliiij*; vnd wollen
ein jar da ligen vnd hantieren vnd gewinnen.
Jac. 4, 13; das land sol euch offen sein,
wonet vnd werbet vnd gewinnet drinnen. 1
Mos. 34, 10; wo man nicht erbeitet, da ge-
winnet man auch nichts, gl. zu spr. Sal.
14, 4; vnd dencken nicht weiter, denn was
sie mit jrer erheit gewinnen mügen. Sir.
38, 39 ; da gieng der hin der fünff cenlner
empfangen hatte vnd handelte mit den selbi-
gen vnd gewan andere fünff centner. Matth.
25, 16; gelt vnd gut gewinnen, von den
Juden, (1543^. ej*. eine Stadt, ein land
gewinnen, erobern, einnehmen: der seines
muls herr ist, ist besser, denn der stedte ge-
winnet, spr. Sal, 16, 32; als solle Jeru-
salem nicht gewunnen werden. Bindseil 7,
350 ; da er sicher war . . . kamen die Persen
vnd Meder plötzlich, gewonnen Babylon vnd
tödten den könig. der proph. Habacuc.
(1526). i iiij^; die kinder Machir giengen in
Gilead vnd gewonnens. 4 Mos. 32, 39 ; das
sie viel lender gewonnen betten. 1 Macc.
8, 3. einen gewinnen, für sich gewinnen,
anwerben, in folgenden- stellen: für das
himmelreich werben : denn wiewol ich frey
GEWmSSÜCHTlG
117
GEWIS
bin von jederman, hab ich doch mich selbs
jedermaa zum knechte gemacht, aufl* das ich
jrer viel gevrinno. den Juden hin ich wor-
den als ein Jude, aufT das ich die Juden ge-
winne, denen die vnter dem gesetz sind, hin
ich worden als vnter dem gesetz, aulT das ich
die so vnter dem gesetz sind gewinne. 1
Cor. 9, 19. 20 ; au IT das auch die, so nicht
gleulien an das worl, durch der wcil)er wan-
ilel on wort gewonnen werden. 1 Pelr.
3, 1.
3) erlangen, bekommen überhaupt: ein
fridsam frölich hertz zu gott gewynnen. das
ander leyl widder die hyml. prophelen,
(1525). Piij^; gewinnen aber auch zu letzt
das krawen ym nacken. vom kriege widder
d. T. (1529». Fj**; etliche die muttcrbrief
gefressen, davon sie das herzeweh vnd Sehn-
sucht zum Vaterland gewonnen, de Weile
br. 4, 611; vnd gewan einen grewel an
seinem erbe. ps. 106, 40; Paulus gewan
eine zuuersicht. ap. gesch, 28, 15. —
wenn der esell horner gewynnet. auf das
vbirchrisU. buch, (1521). Biiij ' ; der flachs
(hatte) knoten gewonnen. 2 Mos. 9, 31 ;
wenn sein zweig jtzt safftig wird vnd bletter
gewinnet. MaUh. 24, 32 ; der herr hat ge-
boten, das man die grossen hcuser schlahcn
sol, das sie ritze gewinnen, vnd die kleinen
heiiser, das sie lücken gewinnen. Arnos 6,
1 i ; vnd das haus gewan einen grossen riss.
Lue, 6, 49; das die Versuchung so ein ende
gewinne. 1 Cor. 10, 13; bessert euch, das
doch die plage eynen vcrzug vnd lenger aulT-
schob gewünne. ermanunge zum friede.
(1525). Eiiij*; damit es desteein hesser an-
sehen gewünne. vom kriege widder d. T.
(1529). Aij*'; dasselb capiteleyn geweitigen
sclieyn gewunnen hat. das 7. cap. s. Pauli
zu d. Cor. (I523j. Aij'.
4 ) mit näherer bestimmung durch prödt-
caiives adjecliv: auff das sich die freunde
vnternander crkenneten vnd lieb gewönnen.
das diese Worte etc. (1527). riiij^
^jewinssichtig, gewinnsüchtig: wenn der,
der da weiden sol, also aiifls gut gericht vnd
gewinssüchtig {originaldruck: ep. s. Petri
gepredigt. 1523. bbj''; gewyns süchtig)
ist, würd er bald ein wollT werden. Jen. 2,
373*. Wittenb. 1, 227*.
ficwiisty m. erwerb, gewinn, mit unor^
ganisch eingeflossenem s: gewinst ewiger
dampnisz. widder die bullen des endchrists.
(1520). Biij"*; gewinst oder schaden, gro-
szer serm. v. d. wucher. (1520). cij';
geben für, man müsse allenthalben gewinst
suchen, weish. 15, 12; vnd wendet denen
vom handwerck nicht geringen gewinst zu.
ap. gesch. 19, 24; das sie für gott wollen
gewinst damit treiben, das 7. cap. Cor, .
(1523). Jiij*; man solle den fünfften teil
des gewinsts gotte geben. Verlegung des
alcoran. (1542). Nj'; die heihgen werden
seuberlich vnd mit gewinst gestrafll. gl. zu
1 Mos. 20, 16.
üewirke^ n. ein gewirktes zeug: jr ge-
wirke taug nicht zur decke. Jes. 59, 6.
fiewirkty pari., s. wirken.
^wlrttf n. was gewerre 1): er wolt
denn die sach noch yn eyn grosser gewyrre
treyben. an bapst Leo X. (1520). Aij';
so dis concilium vns so viel ge wirres gibti
was solLs werden, wenn wir die andern auch
solten furnemen ? von den concilijs. { 1 539).
Eüij*.
tüewis (gewisz), adj. certus, sicher, zU'
verlässig ^ mhd. gewis (Ben. 3, 795 '^. Lexer
993), ahd. giwis (Graff 1, 1106); zu
wissen.
1) anien, das ist war vnd gewis. Jen. 1,
255'; das zcugnis des herrn ist gewis izu"
verlässig), ps, 19, 8; halte ob dem wort,
das gewis ist. Tit. 1,9; Daniel ward etwas
ofTenbart, das gewis ist. Dan. 10, 1 ; meinstu
aber, das deine Weissagung gewis ist (sicher
eintreffen wird\ so darflstu nicht erschre-
cken. Jud. 6, 4; es vsird zur letzten zeit
der berg da des herrn haus ist, gewis sein.
Jes. 2, 2 erklärt L. in der gl. zu dieser
stelle: das man nicht hie vnd da darfl* lauften,
sondern gewis gott finden wird.
2) attrib. : vnd setzt sich wider spies vnd
büchsen jnn den gewissen {sieher bevorsle^
henden) tod hinein, ein christl. schöner
trost. (1535). Bij**; mein gewisser («ui?er-
lässiger, untrüglicher) wetterhahn ist der
land Voigt Hans Metzsch. de Wette br. 4,
61t; die gotloszen fallen vnd schlipfl*ern al-
tzeyl hyn vnd her, haben keynen gewissen
{sichern, festen) trit. der 36. p«a/m. (1521).
GEWIS
118
6EWISLIGH
Giij*; beilige gewisse lere der schrifft. an
den chrislL adeL (1520). Liij^; far ge-
wisse warheit gehalten werden. Verlegung
des alcoran, (1542). Lj*; wir foddern ge-
wisse beweisung. vom abendmal Christi.
(1528). p iiij'; die weil du hurest vnd hü-
best ists ein gewis zeichen, das du on glau-
ben bist, eine hochzeitpredigl. (1531).
ciiij'; gebt mir ein gewis zeichen. Jos. 2,
.12; sonn vnd gestim jren gewissen lauff ha-
ben, ps, 74, 16; ein gewisser geist. ps.
51, 12 ist nach L*s. erklärung: ein geist,
der im glauben on zweiuel vnd der sachen
gewis ist vnd sich nicht jrren noch bewegen
lesst von mancherley wahn, gedancken, leren
etc. gl. zu ps. 51, 12.
3) es ist gewis, constat, liquet: darumb
ists gewisz, das alle stiflTt vnd klöster . . . sind
vil erger denn die gemeynen frawenhewszer,
tabernen vnd mordgruhen. wider den falsch
genanten geistl. stand. (1522). Gj'; so
ists gewisz, das den freyen , sichern geysten
die yhre sund nit beysset, die mesz keyn
nütz ist. serm, von dem n. lest, (1520).
Diij ^ ; erstlich ist das gewis, das Zwingel vnd
Ecolampad ym verstand eintreclitig sind, das
diese worl etc, (1527). c iiij ^.
4) einer sache gewis sein, a) mit gen, :
des {im originaldruck : die sieben buszpsal-
men. 1517. H 5': das) bin ich gewis. Jen.
1, 42 **; wo ich des gewar vnd gewis würde.
ein brief an die zu. Franckfurl. (1533).
Biij ^ ; denn er nichts mehr denn eins augen-
bhcks der zeit seins lehens gewMs ist. ep, des
proph. Jes, (1526). Fij**; wenn er stehet,
wird er seines lebens nicht gewis sein. Hiob
24, 22 ; der gerechte ist seiner sache zuuor
gewis. spr, Sal, 18, 17 ; werde der sachen
gewis. Sir. 33, 4; Isaac vnd Esau meyneten,
sie weren der sache gewis, darum b feylen sie
auch, vber das erste buch Mose. (1527).
Ji ij '* b) mit abhängigem satze : Nicanor
war gewis, das er wolt grosse ehre einlegen.
2 Macc, 1 5, 6 ; sie waren gewis, das es vn-
gelerte leute vnd leien waren, ap, gesch, 4,
13; also ist Salomon gewis gewesen, das
sein trawni von gott war. zwue sermon.
(1526). Diiij'; darumb sind wir auch nicht
gewis, ob der schlüssel troffen odder gefeilct
hat. von den schlüsseln. (1530). Giiij*;
thustu das mit fleysz, so bisz gewisz, du bist
der besten streyler vnd hertzog eyner. von
den guten wercken. (1520). Hiüj^
5) subst.: in jrem munde ist nichts ge-
wisses, ps, 5, 10.
|}cwis^ adv. mhd. gewisse {Ben. 3, 796*.
Lexer 994), ahd. giwisso (Graff 1, 1108),
1) in zuverlässiger weise, auf sicherstel-
lende art: den greiflet vnd füret jn gewis
(vulg. caule). üfarc. 14, 44. 2) sicherlich,
ohne zweifei: so ists gewis der aussalz. 3
Mos. 13, 3. 8. 11; was vns mehr denn
gottis wort wirt furtragen, das sey gewisz
yrthnmb. auf das vbirchrisll. buch. (1521).
Gij*^; wer da meuchelt, der ist gewis ein
feltflüchtiger Heintz. wider Hans Worst.
(1541). Qj'; was wider diese lere ist, das
ist gewis erlogen, das 16. cap. Joh, (1538).
Sj*. 3) als Verstärkung des begriffst wenn
du findest das gewis war ist. 5 Mos. 17,4.
4) als betheurung^ freilich, wahrHch: awe
ja, gewis, es feilet jhm nicht vmb ein har.
das schöne confitemini. (1530). Eüj'.
4Sew1sheit, /. certitudo, Zuverlässigkeit,
mhd. gewisheit (Ben. 3, 796'. Lexer 993),
ahd. giwisheit (Graff i, 1 1 12) : vnser euan-
gelium ist bey euch gewesen in grosser ge-
wisheit. 1 Thess. 1 , 5 ; das ist jr warzei-
chen, da mit sie jrs glaubens gewissheit be-
weisen. Verantwortung etc. (1533). Giij^;
deiner warheit gewisheil macht mich, das
ichs festlich gleub. Jen. 1, 90*.
Clewisllch (gewiszhch), adv. certe, sicher-
lich, ohne zwei fei, mhd. gewislfche (Ben. 3,
796 ^ Lexer 994), ahd. giwislicho {Graff
1, 1112): gewislich, hie hab ich gesehen
den, der mich hernach angesehen hat. 1 Mos.
16, 13; gewishch ist der herr an diesem ort.
28, 16 ; das solches gott gewislich vnd eilend
thun wird. 41, 32; vnd erfur, das Saul ge-
wislich komen were. 1 Sam. 26, 4 ; sihe,
es kompt gewislich. Ezech. 30, 9 ; das ge-
wislich geschehen wird. Dan. 10, 21; eyn
narr ists, der eyn weyb nympt, spricht die
wellt, vnd ist auch gewiszlich war. das 7.
cap. Cor. (1523). Aiij"; das ist ie gewis-
lich war. 1 Tim. 1, 15; das grossist vn-
gluck deutscher nation ist gewiszHch der
zynszkaufT. an den chrisU. adel. (1520.
Miiij ■ ; jhr sollts aber gewiszlich (fest) glau-
GEWISSEN
119
GEWISSEN
beo, dasz d. Garlstadt und Philipps aufs beste
eins seyn. de Wette br, 1, 525; denn wo
nil gewiszlich (sidier, unwidersprechUch)
mit der schlifft mag erweysset werden, das
s. Peter zu Rom gesessen Iiab. auff das
vbirehrUaich buch. (1521). Hiij^
dcwissen^ n. conseientia, avyiürfOig,
mhd, gewi^;;en, gewi^s^ene, f,, selten n.
{Ben. 3, 790*. 791'. Lexer 995), ahd.
gawi;;aiil (Graff 1, 1097). bei L. erscheint
das wort gewissen, dessen ursprüngliche
bedeuUmg, gleich avyeiSfjatg und consci-
enttüt mtwissenschaft ist,
1) dem älteren Sprachgebrauch enlspre-
chend im sinne von kenntniss, bewustsein:
auir das aber disze vnszer procesz bracht
werden zu gemeinem aller gewissen. buUa
cene domini. (1522). Gj*^; ich war vierzig
jar alt, das mich Mose der knechl des herru
aussandte von Kades Barnea, das land zuuer-
kundschaffen » vnd ich jm widersagt nach
meinem gewissen {so gut ich wuszte, 'nach
bestem wissen und gewissen), Jos. 14, 7 ;
gott sind wir oflenbar. ich hoffe aber, das wir
auch in ewrem gewissen {vor eurer kennt"
nits) offenbar sind (= ich hoffe, dasz ihr
mich eben so gut kennen gelernt habt, wie
goll mich kennt). 2 6'or. 5, 11; da ylmi
\David) Simei schuld gab, er bette Saul das
königreich mit gewalt abgedrungen, zeigt er
an, das ynn seim gewissen nicht sey vnd
nennets ignorantia, welchs wir müssen dcud-
sehen vnschold, weil wir kein besser wort
haben , aber es ist zu starck , denn das laut
gar fein demütiger vnd christlicher, das man
sich für gott nicht rhüme der vnschuld, son-
dern des gewissens, denn es mag yemand
wo! ym gewissen nichts böses fülen , das er
deonoch danimb nicht vnschuldig ist. der
proph, Habacuc. (1526). n j^; Abimelcch
auch on gewissen (in ununssenheit) war, da
er Sara nam, vnd war yhm dennoch das
werckfur gott vnrecht. ebend. — das object
der kenntnis, des bewustseins ist im gen.
beigefugt: wenn einem von eim ding nichts
bewust ist, odder hat des kein gewissen.
^bend. ; also moste der prophet Jona mitten
im Walfische beten vnd rüffen vnler dem
schweren, vntreglichen gewissen seiner
Sünde, das 16. cap. s. Joh. (1538). Xiiif ;
sie werden aber komen verzagt mit dem ge-
wissen jrer sünden. weish. 4, 20. oder mit
von : sonst helle das opffern auffgehöret, wo
die, so am gottesdienst sind, kein gewissen
mehr betten von den sünden. Hebr, 10, 2.
oder mit abhängigem satz: die ein gewissen
haben {die zu der erkennlnis gekommen sind,
die Überzeugung gewonnen haben), als sey
meyn lere recht, vnterricht der beichtkinder,
(1521). aj»>-
2) sodann in engerer bedeutung : bewust-
sein in ethischem sinn {bewustsein mit ur-
iheil, bewustsein von gut und böse, schuld
oder Unschuld) : mein gewissen beisset mich
nicht meines gantzen lebens halben. Hiob
27, 6; sintemal jr gewissen sie bezeuget.
Rom. 2, 15; des mir zeugnis gibt mein ge-
wissen. 9, 1 ; verwirret die gewissen nicht.
14,1; auff das jr des gewissens verschonet.
1 Cor. 10, 25; so lasset nu niemand euch
gewissen machen vber speise oder vber
tranck oder vber bestimpten Feiertagen.
Coloss. 2, 16; wo sie {die Juden) vns Chri-
sten heimlich fluchen, gifften oder schaden
thun können, des machen sie jnen kein ge-
wissen, von den Juden. (1543). iiij''; sie
{die Juristen) haben kein gewissen, nemmeu
ein thaler oder zehen vnd dienen bösen Sa-
chen, tischr, 398*^; das lasst euch ewr ge-
wissen vnd eigens hertz sagen, wider Hans
Worst. (1541). Jiij"; ich weys für war,
das auch d. Garlstads gewissen selbst hie zap-
pelt, das ander teyl widder d. hyml. pro-
pheten. (1525). Fj^; weil euer gewissen
sich hierinne beschwert findet, de Wette br.
5, 613; nach gethaner sünde das gewissen
angst leidet, gl. zu 1 Mos. 3, 8.
3) epiiheta bei gewissen: habt ein gut
gewissen. 1 Pet. 3, 16. Hebr. 13, 18; wo
sunde sind , da ist kein gut gewissen, post.
(1528). 9*; ich habe mit allem guten ge-
wissen gewandelt für gott bis auff diesen tag.
ap. gesch. 23, 1 ; wir können mit guttem
gewissen aus vnserm beruff nicht tretten.
vermanung zum gebet. (1541). Gj**; die
das geheimnis des glaubens in reinem ge-
wissen haben. 1 Tim. 3, 9; ich dancke
gotte, dem ich diene von meinen voreitern
her in reinem gewissen. 2 Tim. 1 , 3 ; ein
vnuerletzt {yar. unanstössig) gewissen, ap.
GEWISSENSGHLÜSSEL
120
GEWAHNEN
gesch. 24, 16; ein rügig (ruhig) gewissen.
Sir, 19, 10; ein sicher gewissen, das diese
wort etc, (1527). eij*; ein gut, frölicli,
sicher, vnerschrocken, selig gewissen, post,
(1528).. 14^; frölich gewissen, deüdsch
caL (1529. verm, ausg.). P 7 ^; frey ge-
wissen, der proph, Habacuc. (1526). nj^;
cyn biüde, schwach gewissen, ausleg, der
ep. vnä euang. van der heil, dreykönige fest.
(1525). cj'; blöde, furchtsame gewissen.
das 17. cap. Joh. (1530). Giij*; ein blöde
kleinintUig gewissen. Jen, 1, 311''; ge-
drengle vnd beengste gewissen, ausleg, der
ep. vnd euang. des aduents. (1522). Ni]**;
jrrige gewissen, das man kinder zur schulen
hallen solle. (1530). Giij*'; elende gewis-
sen, der 1\\. psalm. (1530). Fiij'; ein
erschrocken gewissen, weish. 17, 11; die
erschrocken gewissen tragen, serm. von d.
hochw . sacramenl. (1519;. a iiij '^ ; brand-
vortzeichente gewissen, grund vnd vrsach,
(1521). eiiij''; rohe rauchlose gewissen.
ob hriegsleule etc. (1527). Aij*; böse ge-
wissen. Sir. 14, 1. 2; wo du es on böse
gewissen thun kanst. 19, 8; ich weis wol,
wie böse gewissen Ihun. das diese wort etc.
( 1 527). c ij * ; ein bepstlich gewissen, wider
das bapstum. (1545). Diiij\
Cewisscnsclilussclj m. Schlüssel zum ge-
wissen : es heysscn nit hertzensehlussel oder
gewissenschlussel , sondern hynielschlussel.
von der beicht. (1521). ej*.
dewisscr, s. gewässer.
ficwitter^ n. mhd. gcwitcr, gewitere {Ben.
3, 610". Lexer 995), ahd, giwitiri {Graff
1, 630), coli, zu wetter, von L. noch im
sinn von welter, Witterung gebraucht : me-
lecheth wol möchl heissen weiter oder ge-
wilter des himels. gl, zu Jer. 44, 17 ; er
gibt allerley gewitter vnd gaben, damit du
dich vnd deinen leib pflegen vnd warten mö-
gest. Eisl. 2, 221^
ficwitiigtj s. witzigen.
Iiewohncn (gewonen), suescere, consues-
cere, mhd. gewonen (Ben, 3, 805 **. Lexer
997), ahd. giwonen (Graff 1 , 874) , ge-
wöhnlich mit sein, einigemal auch mit ha-
ben (z. b. Matlh. 27, !5).
a) mit gen. : wyr müssen der schrifft ge-
wonen. ausleg, der ep, vnd euang. des ad-
uents, (1522). Xij''; darneben mustu auch
der sprach gewonen. vber das erste buch
Mose. (1527j. Eij''; das du nicht gewonesl
der narrheit. Sir. 23, 19; das sie des lati-
nischen gewoneten. vnterricht dervisitalom.
(1538). Kij*; des er basz gewonet. serm,
von dem ablasx. (1520)^ Gij*; weil jr des
bösen gewonet seid. Jer. 13, 23; sie ist der
ehebrecherey gewonet. Ezech. 23, 43.
b) mit infin.: die leute gewonen (gewöh-
nen sich) gar leicht, sich von Christo zu
wenden, von dolmetschen, (1530). Dj";
demnach sollen wir auch lernen vnd ge-
wonen, also zu dencken. das 15. cap. der
ersten ep, s. Pauli an die Cor. (1534).
c iiij ^^ ; ein junger lewe der gewonet auch die
leute zureissen vnd fressen. Ezech. 19, 6;
aufl* das feste aber hatte der landpfleger ge-
wonet (die gewohnheit), dem volck einen ge-
fangen los zu geben. Matüi. 27, 15; es ha-
ben gewonet (die gewohnheit gehabt) die
romischen bischofif vnsere vorfaren auff diszes
fest zu vben die waifen der gerechtickeit.
bulla cene domini, (1522). Aüij*.
c) mit abhängigem satz : so gar sind die
grossen herrn gewonet, dz (dasz) man yhn
heuchle vnd schmeychle. antwort deutsch,
(1522). Biij'; die leut warens nu gewonet,
das er sich so lang mit yhn blewete. vber
das erste buch Mose. (1527). Yj^
Ueber die ableitung des Wortes gewöhnen
s. ]Veigandwtb. 1, 434.
<iewdhneii, (gewehnen, gewenen), ge-
wohnt machen, mhd. gewenen (Ben. 3,
806^ Lexer 983), ahd. giwennan, gi\ven-
jau (Graff 1, 868).
1) Iran«.: desselben gleichen sollen die
Schulmeister die kuaben vnd jügent leren vnd
gewenen, das sie erschrecken vnd pfu dich
sagen für dem nanien Wucherer, wider den
Wucher. (1540). Jiij"; gleich wie man die
kiudhn gewenet, das sie fasten vnd beten.
der 147. psalm. (1532). Bj*'; wie man
einen knaben gcwelmet, so la<«sl er nicht
dauon wenn er alt wird. spr. Sal. 22, 6;
du hast sie so gewchnet wider dich. Jer. 13,
3 1 ; gevvehnc deinen mund nicht zum schwe-
ren vnd gollcs uamen zu füren. Sir. 23, 9.
j 2) refl, a) mit gen. : so gewene dich nu
GEWOHNHEIT
121
GEWOLKE
der rede, vorr, auf die ep, s, Pauli an die
Römer. Bindseil 7, 434.
6) mit praep.: gewene dich nicht an die
lügen. Sir. 7, 14 ; da gewenete er also bald
seine leute aufl* der beiden sitlen. 2 JÜaec,
4, 10; gewene dich nicht zu der singerin.
Sir. 9, 4; gewene dich nicht zum schlem-
men. 18, 32.
c) wUl inßn. oder mil abhängigem saU:
der gewenete sich die leute zureissen vnd
fressen. Eiech. 19, 3; darmnb sollen wir
vns mit allem vieis gewenen, diese sachen
mit des glaubens äugen anzusehen, xwo pre^
digl auf der kinderlauffe. (1540). Eiiij";
aufls erste sol sich ein jglicher gewenen, das
er die wort nicht anders achte, denn als
weren sie gestern geschrieben, vber das
ersU buch Mose. (1527). Giiij^
t}ew«tahcit (gewonheit) , f. consueludo,
usus, mos, mhd. gewonheit, gewoneheit
{Ben. 3, 803 ^ Lexer991), ahd. giwona-
heil {Graff 1, 871): gewehne dich nicht an
die lügen, denn das ist eine schedliche ge-
wonheit. Sir. 7, 14; sitten vnd gewonheite.
der proph. Saeh. (1528). Gj**; vnser ge-
wonheit, alter brauch \nd alt herkomen. der
117. psalm. (1530). Ciiij''; so ists nicht
lands sitte noch gewonheit. von ehesachen.
(1530). Güij"; wie die gewonheit ist. tot-
der das bapslum. (1545). Dij^; es war
aber von alters her eine solche gewonheit in
Israel. Ruih 4,7; vnd ward eine gewon-
heit in Israel, das die töchter Israel jerlich
hingehen zu klagen die tochter Jephthah.
rieht. 11, 39; vnd machten eine gewonheit
draus. 2j:hron. 3b, 25 ; ihr habt aber eine
gewonheit, das ich euch einen auif ostern los
gebe. Joh. 18, 39; vnd sie giengen mit ein-
ander hin aus nach jrer gewonheit. Jud. 13,
1 1 ; nach alter gewonheit. von den eonci-
lijs. (1539). Gij**; aus alter gewonheit.
ehend. Güj*; nach gewonheit des lands.
ausleg, der ep. vnd euang. des aduents.
(1522). Eiij*; nach gewonheit des priester-
thums. Luc. 1 , 9 ; nach gewonheit dos
festes. 2, 42 ; der gemeine pöfel leuffl vmb
gewonheit willen zum sacrament. vnterrichl
der visitalom. (1538). Gij".
fiewihalgliek (gewöniglich), adv, in der
regeU plerumque : so musten die weiber ynn
DiBTX, WÖiteitncli. IL
den versa mlungen auch besonders stehen,
wie die Juden noch gewöniglich thun. der
proph. Sacharja. (1528). Hhij^ — mhd.
gewoneclich in ungewoneclich.
t^ew^hilidi; gewdliMiicIi (gewonlich, ge-
wönhch)t adj. consuelus, usitatus, solitus,
mhd. gewonlich, gewonelich (Ben. 3, 804 *.
Lexer 997): man sagt, es sey nicht gewon-
lich (^«dräticA<t<!^). post. (1528). 240 ^
die rede sol nu fast vns gewohnlich sein, der
proph. Sacharja. (1528). Niij*'; so folgen
wir dem alten vnd gewonUchem (gewohntem)
brauch. buUa cene domini. (1522). Aiiij";
die natur des lisschs hat da müssen. stille hal-
ten von yhrer gewonlichen. wirckunge vnd
dewunge. der proph. Jona, (1526). Jj";
wenn aber ein weih jren blutflus eine lange
zeit hat, nicht allein zur gewönlicher zeit,
sondern auch vber die gewonlichen zeit. 3
Mos. 15, 25; vnd hielt weder sabbath noch
andere gewiinliche feier. 2 Macc. 6, 6 ; die
gleichnis natürlich wolgefallen den eynfelti-
gen vnd behalten sie feyn, weyl sie genomen
werden von den gewonlichen dingen, da die
leute mit vmbgehen. post. (1528). 311*.
Clewdlbc (gewelbe) , n. fomix , camera,
mhd. gewelbe {Ben. 3, 665". Lexer 982),
ahd. giwelbi {Graff 1, 845); zti wölben
(weihen) = bogenförmig gestalten.
1) 'hohlrund gemauerte decke* (IFet-
gand) : offen vnd gewelb der cancelley. auff
des boehs antwort. (1521). aij^; vnd fieng
an eyn gros starck gcwclb vber sich zu
bawen. das ander teyl widder die hyml.
Propheten. (1525). Gij"; die grosse lust-
garten, so er der königin lies bawen oben
ynn der höhe aufl' ge weihen, der prophet
Habacuc. (1526). lij"; das die kirche vn3
gewelbe beben, von den concilijs. (1539).
Fj-.
2) ein räum mit gewölbter decke: vnd
warff jn {den propheten) ins gewelbe. Jer,
20, 2; da es morgen ward, zoch Pashur Je-
remiam aus dem gewelb. v. 3 ; wüllen ge-
wand . . . ynn finstern gewelben odder kreme
feyl zu haben, von kauffshandlung und
Wucher. (1524). Diij".
Clew^Ike^ gfwölke^ gewiilke^ n. coli, zu
wölke, mhd. gewülke (Ben. 3, 802 ^. Lexer
998): so bittet nu vom herrn spatregen, so
16
GEWOLK£N
122
GfiZERRE
wird der herr gewokke (in der fnM: ge-
wolcken) madieD vod yhn regen giiug ge-
ben. Sach. 10, 1 in der ausleg, des proph,
Sackarja. (1528^. Gciij''; diese erbeker
sind die jxrediger, welclie hie der |»r»f»hete
gewokke heisst. ebend. Cc iiij " ; wenn sie
{die sonne) auffgehet, lesscl sie Hich ganU
sehen on alles gewükke. EiH, 2» 72**.
bildlich : der gnadenhiwel isi inecfaliger denn
der sunden gewokke. der 117. ps^lm.
(1530). Fiij^
6ew«lkcii (d. i. gewolkcue), n. coU, zu
wölken, mhd. gewulkene {Lexer 998): ein
nebel odder tuuckel gewolcken iJen. 4, 16" :
gewölcken). vber das erste buch Mose,
(1527): Hij**; so wird der. herr gewolcken
maclien. Sach, 10, 1. vgL ge wölke.
fiewJHUiehl (gewUndscht), pari. ad§, er-
wünscht, ersehnt^ werth, ikeuer: ah mein
gewündsditer son. spr. SaL 31, 2; meine
lieben vnd gcwändschte brüder. Phil. 4, 1.
Ccwiimi ftwkfemt (1 Mos. 6, 7), s.
coli, zu wurm ^s= kriechendes Uiier, mhd.
gewürme (Ben. 3, 827. Lexer 999) : remes
auft* ebreisch heisl alles was da kreucht viid
schleicht, weklis ich gewürm, heysse, wie
wol das wort zu enge ist, aber ich Itabe kein
anders, der proph. Habacuc. (1526). füy'';
die erde bringe erfür . . . gewürm vad thier
auff erden. 1 Mos. 1, 24; gewürm das auff
erden kreucht, v. 26; ass eines gewürmes.
3 Mos, 5, 2 ; darinnen waren. . . wilde thier
vnd gewürme vnd vogel des himels. ap.
gesch. 10, 12.
Clewun^ n. condimenlum, coli, zu mhd.
ahd. würz = kraut : die besten lisscbe mit
köstlichsten latwergen vnd gewürtz. das 5.
Q.vndl.cap.s.Matth. (1532). küj".
CIcjr — , s. gei —.
6emg, s. gezank.
CeiMlk (gezang^ m. zank : der auch key-
nen hadder noch gezang mit yemand haben
wölk, sen^r. an bapsl Leo X. (1520).
Aiij " ; vud sol hie keiner den andern vrley-
len, richten, verachten, noch eynigen gezanck
yuQ den gedanckeu anfahen. post. (1528).
26''; vnd darüber in gezanck sich gegen an-
der leut le^en. Jen. 1, 20 \
Clefänk, geiankc (gezeng, gezenck, ge-
zencke), n. streit, mhd. gezenke (Ben. 3,
849 ^ Lea^r l))OM« €oU. zu zank: durch
gezenck breyt er sich weyt aus. spr. Sol,
17,14 var. ; das gezenck der falsch berümp-
ten kunst. 1 Tim. 6, 20 ; daher kompi es,
das hadder, gezenck... szouiU seynd. gr.
serm. von dem wucher. (1520). aiij'; da-
mit er sie aus der schriffl reysse vnd ynn
scyn gezencke menge vnd also zu letzt niil
sokitcr list aussen der schrifil vbunge ynn
gezeng erhassche vnd vmbbringe. der proph.
Jona. ( 1 526). Aij * ** ; wer aber müssig ge-
zencke liei)el, der frage ymer hin. der pro-
phet Sucharja. (1528). Ggj''. weitere be-
lege s. unter gebeisce und gekämpf.
dem« (gezaw), fi. Werkzeug, mhd. ge-
zouwe (l^en. 3, 942 ^ Lexer 1007), ahd.
gizawa ((vra/f 5, 713): da raus der fissch,
der vorhyn des tods gezaw war, des Icbens
gezaw seyn. der proph. Jona* (1526). Jj^.
Cleiinc (gezeune), n. coli. 2uzaun, mhd.
geziune, «4. gezüne {Lexer 1005): man-
drae sol hetssen ein schlecht gezeune oder
gehege. von den conciUjs. (1539). Ztij^
fieiftWy s. gezau.
ütMÜf f.» mhd. geztt (Ben. 3, 913*.
Lexer 1004),
1) zeU: der tichler wissentlich vnd mit
vleis den jrthum der gezeit vnd namen drein
gesetzt hat. vorr. auf das buch Judith.
Bi$^eil 413; bleibt also der jrthum vnd
zweiuel beide der gezeiten vnd nanien. ebd.
412.
2}^eUiunde, horae canonicae : die sieben
gezeyte. ausleg. der ep, vnd euang. von
der heyl. dreykönige fest. (J525). Yj'';
lesen vnd mummeln yhre siebet^ gezeiten.
ausleg. der zehen gepol. (1528). Dj^; die
jre gezeiie on alles inwendiges begirde
schlappern. X^t». 1, 71".
CleMlIi n. zeit, mhd. gezeit (Ben. 3, 869%
Lexer 1001), ahd. gndli {Grüff 5, 660):
da zoch Isaac von danncn vnd sdilug sein
gezeit auff im gründe Gerar. 1 Mos. 26, 17;
gegen mitlag sol ligen das gezeit vud pantr
Ruhen. 4 Mos. 2, 10; da es kam an die ge-
zelte. rieht. 7, 13; ob sie in gezeiten oder
Festungen wonen. 4 Mos. 13, 20.
fieienk^ geieakc^ s. gezänk.
CleierrCv n. das hin' vnd hetttiszen^ mhd.
gezarre, colL zu zar, das reiszen (Ben. 3,
TtfiZEfie
123
CEZWraNT
904'. Lextr 1000): ttocii nicht on ge-
sehrey vnd gezerre, von den concilijs,
(1539). eij^
CieiCMg, getDÖhnlich n., einmai { 1 kön.
7, 48) noch das in der alleren spräche vor-
herrschende m. , geräihe , Werkzeug , mhd,
geziuc (Ben. 3, 917^ texer 1004), ahd.
giziac {Graff 5, 612): vnd lies nicht zu, das
yemant eyn gezeug {tnbel: etwas) durch den
tempel Inige. Marn. 11,16 rar. : ein eisen
gezeug. l kön, 6, 7 ; also machet Salomo
allen gezeng, der zum hause des herrn ge-
höret. 7, 48; alles gezeng, das dem Baal
vnd dem liayne vnd allem heer des himcls ge-
macht war. 2 kön. 23, 4 ; nym aberma! zu
dir gezeug (bihel: gerele) eines törichten
hirten. Saeh. 11, 15 var.; eines tollen hir-
ten gezeug, als da sind die stehe, hörner,
tasschen. der proph, Sacharja, (1528).
Ffüi]**; der mensch hat maneherley gezeug
die ftssche zu fahen. der proph. Habacuc,
(1526). fiiij^; vnd ia nicht leucken kan,
das ich eyn vnwirdiges gezeug gottes gewe-
sen byn, dadnrch er viel seefen geholfTen hat.
ein brief an die Christen zu Strasburg.
(1525). Aiij»».
|}ficage> m. zeuge, mhd, geziuge {Ben 3,
919**. Lexer 1005J: damit er yhe ineyn
vawilliger, vngünstiger viul szo viel deste
stercker getzeug ist. auf das vbirchfiiUl,
buch. (1521). H]"; vnd macht got zu einem
falschen getzeugen. von dem bapstum.
(1520). Biiij'*; niemant sol sterben von
eynis getzeugen wegen, ebend. Fij*; ein
igliche sache sol heslehn durch den mund
zweer odder drcyer getzeugen. ebend.
ÜMMgals, f. und n. zeugnis, ImIwio«
mim, mhä. geziugni^se {Ben. 3, 921".
Lemer 1005): (iurch vieler rnimer eut
schrifft vnd gtizeugnis. amf des bocks anl-
woTi. (1521). a üj " ; ein edle getzeugnisz.
ebend. biij*; klar getzeugnis. auf das
vbirehrislL buch. (1521). Dij''; siegeben
mir seibs allesampt getzeugnisz daryasy das
ieh reckt thaii liab. widder die buUen des
endchrists. (1520>. Aüij''; du solt nicht
Cabeh geseugMft geben. Matlh. 19, 18; du
seit nicht falsch gezeugnis reden. Harc, 1 0,
19; das isl geschehen zu stereken ybren
glauben durch zwey gezeugnis. post, (1528).
Ooij\
fietiditj geziehte, s. gezüeht.
Ilctiemei (gezimen), decere, convenire:
ob eim Christen menafhen gezyme zufliehen
ynn sterbensleufften. ob man für dem ster-
ben ßiehen müge. (1522>. Aij"; gottes-
dienst, der solchem edlen blut der veter vnd
beschnittenen heiligen woi gezime vnd ge-
bäre, von den Juden. (1543). ij".
tieihwBer (gezimer), n. mhd. gezimmer,
gezimber {Ben, 3, 892 ^ Lexer 1003), ahd.
gizimbari {Graff b^ 670).
1) bau, gebäude: vnd oben drauffein ge-
zimer von cedern. 1 kÖn. 7, 3.
2> bUdlieh vom menschen : so wil er doch
vns daau brauchen vnd dem stoltzen, zorni-
gen geist (dem teufel) eine schalckeit thun,
das er y^ idder jn stellet vnd für wirfft ein
solch arm schwach gezimer. das 6. cap,
Ephes. (1533). Ciij''.
fletlrh, m. bezirk: den gezirck des heyli-
gen römischen reychs. zweg keyserliche ge-
poU. (1524). Aiij".
<}eiiehtj geiichtc, L. gezicht, gezichte,
n. ifuf zuziehende» , aufzuziehende junge,
brul, mhd. geafrtite (Lexer 1008), coli, zu
zudil : des teuffels geziclite. eyn vriegl der
Iheologen. (1521). Aij'*. vgl. Ottergezücht,
schlangen geziklit. -•
ieiieMget^ par§, s. züchiigen.
fieiWAMg; m. zwanff: weyl sie nicht aus
Inst vnd hebe» sondern mit grosser vnlust,
viftwillen vnd gezwang gehallten wirlt. das
7. cap. Cor. (1523). Eirf''; mit gezwang
vnter dem schwerd vnd gesetz eusserlieh
fmm seyn. undder die hgtnl. propheten.
(1525). Aiüj^; der iunge erbe ynn furcht
vnd gezwang erzöge« wird. posl. (1528).
1 7 ** ; aus gezwang vnd not des gesetzs gut
Ihun. ebend. 157 \
mhd, getwanc {Ben. 3, 164 ^ Lexer
951), ahd, gidwang, gidwanc {Graff 5,
277).
Cleiwclct) pari, von zweien, subsl. : mtt
Sabellio helt ers , das goH nicht drey perso-
nen sey, doch setzt er ein gezweiet {eine
zweiheit) in der gottheit. Verlegung des
aUoran. (1542). Biij\
CMWlnK^ pari, mdf.: von weisser ge-
16*
GlCHPRITOHTir. 1'
iwiruler seiden. 2 Mos. 26, 1. 31 ; 36, 8;
von geiwJrDlem weissem linwail. 39, 28.
filckpricUigf s. ijichtbrücUlig.
tiltkt, f. paralytii: die ijichl. euang. von
de* Zehen awttelagea. (1521)- t'J''' ^*^
kleine oder halbe sddag, die gichl. randgl.
t* Matth. 9, 2. .
tnhd. diu u. da; gihl {Ben. 1, 5tT^
Lexer 10I4I. das gidil noch bei Aber*t
diel, aiiij''. nach Weigand iclb. l, A3G
{vgl. auch Ben. mhd. wtb.) mit gidil ^
gang zu gelien. nac* Wackernagel
wlb. 113'' lu mM. gtgeo, nhd. geigen — >
m litlemde betoegung getten.
filehikntkigkhlyrud}), f. datsetbe: discr
heublman isl nicht gesund worden von der
gichlprucli seynes knechls. austeg. der ep.
v»d euang. von der heil, dren könige feit.
(1525). Oiiij"; po*t. (1528). 27!»".
fllchtfcrächlg (gicblfiruchig), paratylictu,
mhd. gichtbrühec (Lexer 1014). die ertlen
ausgaben der bibel und des n. lest., sowie
andere frühere Schriften bieten die tieben-
formen gichtliriicbtig (gicblprüchtig) , gieb-
pruchüg.
t ) adj, : mein knecbt ligt zu hause vnd ist
gichtbrucbig (var. gichpruchtig, gicblprucb-
lig, gichtbnichtig). Üatlh. 8, 6; eüidie
menner brachten einen menschen atilT einem
bette der war giehlLrüclüg. Luc. 5, 18;
Eneas der war giclitbriicbig (var. gichtpnicb-
tig, giditbrücblig). ap. gesch. 9, 33.
2) «wbK..- der gichtbrüchige {var. gich-
bruehtige, gichüiriichtige). Marc. 2, 4 ; da
brachten sie zu jm einen gi<Jitbrüchigen (var.
gichpruchtigen, gichtpnichligen, gichlbrUcb-
ligen). ilatth. 9, 2 ; auch viel gichtbrüchige
vnd lameii wurden gesund gemacht, ap.
geseh. 8, 7 ; die gichtbrüchige o (var. gicht-
brüchtigen). MaUh. 4, 24.
fllchllg, dasselbe, mhd. gUiüc [Ben. 1,
517". Lexer 1015): von bliaden, lamen,
gichtigen... war den prieslern ym gesetz
nichts befolhen. von den sehen aussetxtgen.
(1521). Ciig\
filckcBj s. kicken.
fllerlg Igirig), adj. begierig, mAd. giric
{Ben, 1, 531°. lexer 1U2U): ein giriger
beer. spr. Sal. 28, 15 ( seid girig nach der
verDLinlTligea lautem milclt. 1 Pet. 2, 2;
14 GIESZEN
wie vberaus girig vni) durstig sie sind nach
der fromen Christen lilul. das 16. cap. s.
Jok. (153S). Ej".
Vlerig (girig), adv. mit begierde: Triss
nicht lu girig. Sir. 37, 32; icli hatte jre
lere so girig in mich gefressen. Jen. l. Aj".
SiMKB, fundere, mhä. gießen (Ben. 1,
540'. Lexer 1U11), ahd. gio^an {Graff 4.
281), golh. giutan; in gr. x^^'"' ''>'■ ^*">~
dere, ikr. hu opfern, opfer ausgiessen. vgl.
Grimm kl. sehr. 2, 20b. Curtius gntnd-
lüge 193. Huhn zeilschr. 14, 268.
Zacher seitsckr. 1,4. tm praes. eonju-
giert L. du geussest, er geusset, geussl;
1) gieszen, autgiesten, eigentlich u. bild-
lich: die dicken wolckeu gössen wasser. ps.
77. 18; da muslu ja greifTen, das hie keine
taiilTc sein kan, ob gleich die wort der tauße
gesprochen vnd das wasser gegossen wird.
L-on der loinckelmesse. (1534). Biij'; aber
er wölb {das wasser) nicht triucken, son-
dern gos es dem herrn. 2 Sam. 23, 16;
vnd gosseu daselbs jre tranckopß'er. Ezech.
20, 28. — vnd alles blul giessen an den
boden des h randop fferaltars. 3 Mos. 4, 7 ;
genss es {das wasser) aulT das trodien land,
2 Mos. 4, 9 ; auff des lieubt das salböte ge-
gossen. 3 Mos. 21. 10 ; geus deine vngnade
aufTsie. ps. 69, 25; ich wil meinen geisl
auff deinen sainen giessen, vnd meinen s^en
aufl deine nachkoraen. Jes. H, 3; darnach
sol er des Öles aus dem log nemen vnd in
seine (des priesters) lincke band giessen. 3
Mos. 14, 15; dar nach gos er wasser in ein
hecken. Joh. 13, 5; gleych wie das wasser
der lauffe, wan das der priesler vber das kind
geust, bedeut die hey^ge göttlich vnd ewige
gnade, die do neben wirt gössen in die seel
vnd leyb desselben kinds. senn. von dem
ehelichen stand. (1519). Aij^; nenn man
aber wasser vber den samen gösse. 3 Mos.
11, 38. tnil partit. gen.: vnd gos des salh-
üles auff Aarons hcubt. 3 Mos. S, 12.
2) meiall gieszen: darumb samlen sie
grosse schelze, giessen büchssen. der 127.
psalm. (1524). Biiij'; ich wolt od zweiuel
nicht, das du mir glocken gössest, poji.
(152S). IS"; vnd geus vier gülden rincken.
GIESZKÄNNLEIN
125
GIFTIG
2 Mos. 25, 12; und solt jnen funIT ehrnen
füsse giessen. 26, 37; der meister geiisst
wol ein bilde. Jes. 40, 19.
IL inIrans» sich ergieszen: wenn ein
platzregen von Itergen auff sie geusst. Hioh
24,8.
üiesikuftlciH (giskenlin, gieskenlin), n.
kleine kanne zum gieszen : die gülden gis-
kenlin. der proph, Sacharja, {l^2S). Qij^;
die gieskenlin von golde. ebend.
fliflly f. vereinzelt auch ml (seinen gifll.
aujf das vbirchrisll. buch, .1521. Aiij**;
solchen gifft. das 15. cap, der ersten ep. s.
PauU an die Cor. 1533. Kj*; von dem
giill. hausposL Witlemb, 1545. sommer-
teü 56'), mhd. ahd. gift {Ben. 1, 510*.
Lexer 1012. Graff 4, 124); zu geben.
1 ) gäbe : die almoszen vnd gifll sainlen.
gr, serm. von dem wucher. (1520). b iij*.
2) venenum, eigentlich u. bildlich: tod
ich wil dir eine gifft sein. Hos. 13, 14 ; das
er sich selbs mit gifft vmbbrachl. 2 Mace.
10, 13; vol tödlicher gifft. Joe, 3, 8; die
todliche gifft. ob man /tir dem sterben flie»
hen miige. (1527). Biij*; vnd gaben dem
newen bepstlichen könig so starcke gifft, das
sein leib grase grün ward, einer aus den
koken aflikeln. (1537). Dj**; das sie {die
kinder) vngezogen anffwachsen vnd den an-
dern kindem gifft vnd schmeysse seycn. an
die radherm. (1524). Bij**; das wort golts
ist ymer heylsam, obs wol den gottlosen
eyne gifft vnd gerücht des tods zum tod ist.
das ander teyl Widder d. hyml. propheten.
(1525). Mij'; die widderteuffer auch gern
herein schleichen vnd die vnsern mit jrer
gifft (falschen lehre) beschmeissen. von den
Schleichern, (1532). Aij*; vnd wollen jre
gifft mit meiner erbeit schmücken, arlickel
etc. (1538). Ai]**; aber nu klebt diese teu-
felische gifft vnd hellischer mord dran, u^tder
Bans Worst. (1541). Eiiij*. die verbin-
düng gift und galle s. unter galle.
HiftUMcr^ m. der einem andern gift ein-
bläst, in folgender stelle bildlich für böser
ralhgeber: nicht das ich sorge, keiserliche
maiestat werde solchen gifilblasern folgen.
wamunge an s. l. Deudschen. (1531). Dij ' .
CiftcBy mhd. giften (Ben. 1, 510^ Lexer
1013), ahd. gifUn {Graff 4, 126), urspr.
als gäbe darreichen, bei L. als gift beibrin-
gen, vergiften: wo sie vns Christen heimlich
fluchen, gifllen oder schaden thun können.
von den Juden. (1543). iiij''; der enthu-
siasmus sticket jnn Adam vnd seinen kindem
von anfang bis i\\ ende der weit von dem
alten trachen jnn sie gestifltet vnd gegifftet.
arüdiel etc. (1538). Giiij''; so gar tieff ist
des Satans bösheit jnn Adams kinder gegifftet.
mder den wucher. (1540). Jiiij*.
Mftigj venenatus, mhd. giftec {Ben. 1,
510 **. Lexer 1013): gifltige lufft. 5 Mos.
28, 22; gifitige drachen. toeish. 16, 10;
vnd ist jnen gleich wie dem gifitigen thier
salamandra. ausleg. der ep. vnd euang. von
ostem. (1544). Oiij«. häufig bildlich für
schädlich, verderblich , boshaß: er (der
teufet) rousz ein boszhafltiger, gifftiger, dür-
stiger geist seyn. lischr. 200 **; ich bin noch
im leben . . . , noch flnden sich solche gifllige
leute, die sich vnterstehen mein schriffl vnd
lere stracks widdor mich zu füren, ar ticket
etc. (1538). Aij**; wo wollen sie aw
Schwefel, pech, fewr vnd holtz gnug finden,
den gifftigen ketzer zupuluern ? euang. von
den tzehen aussetzigen. ( 1 52 1 ). Aij * ; gifllige
ohrenbleser. der Wi.psalm. (1530). Aiij";
gifftig«, argwenige deuter. br. an den ertz-
bischof zu Mentz. (1530), Aij"; gifltigs
lastermaul. bulla cene domini. (1522). Cij*;
ein bitter gifftig hos maul, das 5. 6. vnd 7.
cap. s. Matth. (1532). Jiij'; giffliger mund
vnd böses hertz. spr. Sal. 26, 23 ; gifltige
äugen, die kl. antwort. (1533). Cüj*";
gifttige Worte, ps. 64, 4 ; wer hatt ybe le-
sterlicber, gifftiger, hellischer»., wort ge-
hört, denn hie Emszer ausz seynem gifftigen
hellrachen yn den hymel treybt? auf das
vbirchristl. buch. (1521). Giiij**; gifftige
buchle. ebend. Jij*; was leret doch disze
gifltige lasterbullen? bulla etc. (1522).
Cij**; gifftige practiken. das 6. cap. Ephes.
(1533). Güij*; gifftiger groll, das ander
legi Widder die hyml. propheten. (1525).
Bij^; gifltiger neid. weish. 6, 25 ; gifftiger
yrthum. von welllicher vberkeyl. (1523).
Aj ^ gifltiger hobmut. j)o«l. (1528). 225^
(liftig 5 adv. auf boshafte, schändliche
weise: wens kunsl were gifftig deuten vnd
einem andern seine wort boshafltig ver-
oimoLicit
126
GLÄNZ
keren, so wolt ich hertzog Georgen avcli wol
deuten, verantworiung ele. (1533). Aij'';
thar frey auirraick sogiflTig hegen. Jen. 1 »356*.
liilUglicIi , adv. dasselbe: vnd leuget
alieriual giffttglich vnd luutwiUiglieh. das
ander teyl widder d. hynU. propheten,
(1525). Mj**; yhr yun solchen ernslen Sa-
chen so mutwillighch, wissenüich vnd gifl'lig'-
lieh liegel. ebend. Niij * ; damit vns hey jren
Zuhörern verretherlich vnd gifftiglich ver-
leumbdeu. die drey symbola, (1538). Fij^.
MflkäcUcin (hn) , n. giftiger, kleiner ku-
chen: ein lieUisch gifftkücblin. die kl. anl-
worL (1533). Cj^
fiiganti n. ungeheurer riese : grosse rysen
odder giganten. vber das erste buch Mose.
(1527). Tj'. - schon mhd. und ahd. gi-
gant {Ben. l, 511^ Lexer 1013. Graf 4,
142), aw lal.-gr. gigas.
iiiüdt, f. genossenschaft, zunfl: wer
solclis qicht kan, den solt man aus der
scliwernier zunifl vnd gilde werften, das
diese Wort etc. (1527). ej^
aus dem ndd. aufgenommenes worl s.
Weigaudwtb. 1, 438.
MrrM» einigemal st, kirren «(ndere, einen
greUen{scharfen)ton von sich geben, schreien,
z. b. vom geschrei des schweins : den altuatter
dauchle, erhörete einen gantzen haufl*en sawen
girren vnnd gruntzen. lischr, 202 *". dann
auch klagelöne von sich geben, ächzen, wie
in folgender stelle: ich winselt wie einkranch
vnd sdiwalbe vnd girret wie eine taube. Jes.
38, 14. vgL kirren.
diael, s, geisel.
Clistera, s. gestern.
dHter, n. clathri, mhd. gttter, giler
{Lexer 1025), nach Weigand wtb. 1,
440 gekürzt aus dem daneben noch übli'
chen gegitter: das gitter. 2 Mos. 27, 5;
Ahasia fiel durchs gitter. 2 kön. 1, 2; ein
ehern gitter. 2 Mos. 21 j 4 ; des ehrnen
gitters. 38, 5 ; mit cysscrn gitter vergittern.
ausleg. der zehen gepot. (1528). L7^
^9^' gegitter u. gatter.
Cllani, m. splendor, nilor, mhd. glänz
(Ben. 1, 549 \ Lexer 1027); zu glinzen
(vgl. Weigand wtb. 1, 440).
1) eigentlich y heller schein, Schimmer:
von dem glanlz für jro {dem lichlglanze, wel-
chen die herrliehkeit Jthova*s verbreitet)
brandte es uül lilitzen. 2 Sam. 22, 13 ; der
schöne glantz gottes. ps. 50, 2; vnd der
vorhof *(i^ard) vol glaulzes von der herrlig-
keit des lierrn. Ezech. 10, 4 ; der sonnen
glanlz. weish. 2, 4; der glantz des monden.
Jes. 60, 19; des hiniels glanlz. Dan. 12,
3; das fewr gab einen glantz von sich.
Ezech. 1 , 13; man wolt denn sagen, das
gotl dem liecht souiel glantz geben habe zu
dem kästen, das es sie {die arche) gar er-
leuchl habe, vber das ersie buch Mose.
(1527), Xj*"; das man die heiligen mit eim
Schemen oder glantz vmb das heubt malet.
hauspitsl. {Wiltemb. 1545). festteillb^.
2) uneigenlUch: der halben ist sie durch
den feynen glantz der jungfrawschaflt so
fasst verblendet, das 7. cap. Cor. (1523).
.Ij*^; glantz der erkenlnis. Bindseil 7, 311.
3) häußg gebraucht L. einen p/. glenze
im sirme von sirahlen^ lichislrahlfn: glen-
tzen giengen von seinen hen<len. Hab. 4, 4 ;
vnd giengen von yhm aus wie glenlze von
der sonnen... also giengen diese glenize
nicht vom angesicht des herrn, sondern von
seinen henden . . . solche glentae nennet die
ebreische zuugen hörner. exodt xxx iij {mmsz
heiszen xxx iiij) halte Mose hömer das ist
glenlze ynn seim amllilz. der proph. Haha-
cuc. (1526). niij^; das ig| der gleoizen
einer von seinen henden. ehend, n iiij ' ; die-
ser vers zeigt aber der glentzen einen an.
ebend, o j ' ; die glenlze der sonnen sind dir
so nahe, das sie dich gleich ynn die äugen
odder auif die liant stechen, das diese wort
etc. ( 1 527). h ij ' ; auff der sonnen glentze
reylten. an die herren deulschs ordens.
(1523). Cij"; s'te {die Juden) konten nicht
leiden die glentz vnnd slremen seynis ange-
sichts, ausleg. der ep. vnd euang, vom
christaß. (1522). Ssj\ hildlieh: Uxv ^ra^-
sera erschrecken der au%eliend3ft warheit,
wilch yhre starcke glenlz also in yhr ange-
sichle stost. widder He bullen des end-
christs. (1520). Bij"*; seiner gulheit glentze.
das magnifißat, (1521). c^j'^; die glentz
seyner gnade vnd gerechtiekeytt. auslef. der
ep. vnd euang. des adments. (1522). B^^.
Uänt (glenlz), f. glänz, sehimnmv, wahd.
glenze {Lexer 1032): gleich wie die glentz
GLÄNZEN
117
GLATT
(Jen. 1, 42^: der gianiz) der sonnen vnndhitze
des fenrs isl nk, wo die sonne vnd das feur
nit isl. die sieben buszpstUm» (1517). 11 5 *. ,
fiUuiiea (glenzen), iplendere, glänz von
sich geben, leitchlenf sclUmmem, mhd. glen-
lea (Ben. {, 549*. Lexer 1032): Laban
betssel aulT deudsch weis, gleissend» das hell
daher glentsel. vber das ersie buch M^e.
( 1 527 ). Og j **. vnd glcttlzet wie eine flamme.
ehewd. Oj ^ ; ein glentzend liecht. Hiöb 4 1 ,
9 vor.; fewr das allenlhallien vmbhcr
glenlzel. Ezech. 1,4; vnd wnste nicht das
tlie haut seines angesichts glentzei. 2 Mos.
34, 29 ; vnd glentzei beide spies vnd lantzen.
Biob 39, 23 ; hie blickt schwerd, da glentzt
spies. die ep. des proph. Jesaia. (1526).
Üij'; er bringt reuter eraulT mit glentzenden
sdiwerten. Nah. 3, 3 ; so Ihun die waflen
ym streit, das sie blicken vnd glentzen,
welcbs sie ymi der sdieklcn nicht Ihun. der
proph. Habacuc. (1526). oij*; vnd sein
kleid ward weis vnd glentzet. ümc. 9, 29 ;
da tratten bey sie zween menner mit glen-
tzenden kleidern. 24, 4; den staub abge-
wischet, gefegel vnd ans liecht bracht, das es
(das fiDort goUes) wider rein jglentzet. das
16. eap. s. Joh. (153S). Rij".
UiUM (glenzen), n. deine pfeile fuhren
mit ^entzen da .hin. Hab. 4, 1 1.
Muilda (glenzlitt), n. kleiner, sehwa^
eher strahl : so möchte sie (die sonne) leiden,
das alle lose hüben uicht ein glentzlin von jr
kriegten, ein chrisUich schöner Irosl.
(1535). €j*. ausieg. der ep. vnd euang.
von osiem. (1544). qüj*.
CkM (glasz. ep. vnd euang. vom chrislag.
1522. fitiiij"), n. viirum, mhd. ahd. glas
(Ben. 1, 545'. Lexer 102S). i)alsmasse:
vnd die stad (t/Dar) von laulcrm golde gleich
dem reinen glase, offenb. 21, 18; ein geist
sihet, feret vnd höret durch ein eiserne maur
so hell vnd leiciil, als ich durch die luü'l oder
glas sehe odder höre, vom abeudimal Christi.
(1528). iüij*.
2) aus glas gemachles: sihc den wein
nicht an, das er so rot ist vnd im glase so
schön stehet, spr. Sal. 23, 31 ; ein glas mit
köstlichem wasser. Matth. 26, 7 ; ist denn
Christas leib an allen enden, ey so wil ich
yhn fressen vod saufien aus allen schusseln,
glesem vnd kanncn. das diese worl e^.
(1527). hj*^; durch ein gemalet glas (brille)
lesen, ein 6r. an die zu FranckforL (1533).
B^j^
UaMlgCi n. in folgender sleiie wohl s.
V, a. mit einem glas (einer brille) bewaff-
neles äuge : wir müssen vns lassen verdamen
vnd ansehen durch glassaugen. Eisl. 2, 235'.
t^lMcr^ m. vitriaritis, mhd. glasa^re (Ben,
l, 546*. Lea?er 1029). de Weile br.ü, 3^0.
Clläsern (glesern), vitreiM.-einglcsern mcer.
offenb. Joh. 4, 6. 15, 2 hat die erste ausg.
des n. lesL gläsern. — mhd, glesin, selten
glesertn (Ben. 1, 546". Lexer 1032).
CJlMireBi mit glasur überziehen : er nuis
denckcn, wie ers (das irdene gefäsz) fein
glasure. Sir. 38, 34. heute glasieren.
filaU (glal), laevis^ mhd. ahd. glat (Ben.
1, 547*. Lexer 1029. Graff i, 287). der
comp, lautet bei L. gletter, gleter (ps, 55,
22 ; spr. Sal. 5, 3), nicht glatcr. Ueber die
etymologie des wortes s. Weigand wtb. 1,
441.
1) glatt im gegensatz von rauh, eigentlich
und bildlich: Esau ist rauch vnd ich glal. 1
Mos. 27, 11; die foll von den böcklin thet
sie jm vmb seine hcnde vnd wo er glat war
am halse, v. 16; hübsche glate melzlin. tot-
der den falsch genanten geistl. stand.
(1522). Bj* ; kelzlin wie hast du so ein glat-
ten balg, tischr. 92**; glatte stein. 1 Sam.
17, 40; dein wesen ist an den glatten bach-
steinen. Jes. 57, 6; ein glatcr weg im fin-
stem, darauff sie gleiten vnd fallen. Jer. 23,
12; das eis ist dis jar seer glal gefroren.
wider das bapslum zu Rom. (1645). Diiij';
— jr mund isl gletter denn butler vnd hal)en
doch krieg im sinn. ps. 55, 22; weibcr ha-
ben giate meuler (können gut schmeicheln),
also auch die heuchelprcdiger. der prophet
Sacharja. (1528). Sj*; vnd krawen jn mit
glaten (schmeichlerischen) Worten, serm.
auf Matth. 22. (1535). Aiiij*; die glate
wort gibt. spr. Sal. 2, 16. 7, 5.
2) glatt, glänzend: vnd glintzeten wie ein
hell glat ertz. Ezech. 1, 7.
filftttj adv. 1) genau passend: yderman
sihet nicht mehr, denn wie glad einem andern
der schuch anligt, sihet aber nicht wo er yhn
drückt, widderumb der den schuch an hat,
GLATZE
128
GLAUB
achtet nicht wie glad er anligt, sondern wie
vbel er yhn drückt, posi. (1528). 145*.
2) auf eine sanfte weise: er (der wein)
gehet glat ein. spr. Sal. 23, 31 ; die taler
niügen glat eingehen, müssen aber rauch wi-
der ausgehen, wider den bischoff zu Mag-
deburg. (1539). Jij^
Cllatie^ /*. 'haarlose stelle auf dem köpfe'
(Weigand), mhd. glaz, glatz m. (Ben, 1,
547 ^ Lexer 1031): fallen sie (die haare)
jm fornen am heuht aus vnd wird eine glatze,
so ist er rein. 3 Mos, 1 3, 4 1 ; an der glatzen
oder da er kalh ist. v, 42; an der glatze oder
am kalhkopif. ehend,; an seiner glatzen oder
kalhkopfT. v. 43 ; eine glatze für ein kraus
haar. Jes. 3, 24.
ClUttbj glftube, glauben, m. ntanq, fhdes,
mhd, glouhe, geloube {Ben, 1 , 1019*. Lexer
823), ahd. gi-, ki-, ga-, kaloul)0 {Graff 2,
71.72). In betreff der formen ist zu be-
merken, dasz glaub {auch glawb geschrie-
ben), eine kürzung von glaube, in den frü-
heren Schriften L's, häufig begegnet, der
nom. sg, glauben nur seilen erscheint (z. b,
der proph. Jona. 1526. Jü]**; post, 1528.
fol. 251'*.. 277"). der gen, sg, lautet ge-
wöhnlich glaubens vnd nur sehr vereinzelt
glauben {z, b. eynickeit des glauben, von
dem bapstum zu Rome, 1520. Biiij*).
bedeutungen und redensarten.
\) L, bedient sich des wortes glaube, den
gebrauch desselben im sinne von 'fürwahr*
halten bekämpfend (diszer glawb [das für-
wahrhalten] ist mehr eyn wissenschaiTt odder
merckung denn eyn glawb. ein betbüchlin.
1522. Biiij*; sie [die papisten] heissen das
glauben, das sie von Christo gehört haben
vnd hallen , es sey alles war , wie denn die
teuifel auch gleuben vnd werden dennoch
nicht frum da durch, aber das ist nicht ein
christlich glaub, ia es ist mehr ein wahn denn
em glaube, post, 1528. fol, 149"), vor
allem in der seinem Ursprünge gemäsz {vgL
hernach glauben credere) ihm zukommenden
bedeutung von hingebung, vertrauen, zu-
trauen, zuversichty wie diesz auch die in
seinen Schriften häufig wiederkehrenden de-
ßnitionen vom glauben bekunden, wovon
einige hierher gesetzt werden sollen : glawb
ist ein lebendige erwegene zuuersicht auff
gottis gnade, vorr, auff die ep, s. Pauli an
die Römer, Bindseil 7, 437 ; das heyst
ein rechter glaube ein lebendige zuuersicht
auffgottes gilte. post, (1528). 275''; so
sey denn der selb glaube nichts anders, denn
ein tröstlich, lebendig verlassen aulT Christus
gegeben verdienst. Jen, 2, 219**. ähnlich
deßniert der epistograph des briefes an die
Hebräer die nhxig: es ist aber der glaube
eine gewisse zuuersicht des, das man hoffet,
vnd nicht zweiueln an dem, das man nicht
sihet. Hebr. 11, i, zu welcher stelle L, be-
merkt: änderst kan mans einem Dcudschen
nicht sagen, so ers verstehen sol. denn der
glaube ist vnd sol auch sein ein standfest des
hertzen, der nicht wancket, wackelt, bebet,
zappelt, noch zweiuelt, sondern fest stehet
vnd seiner sachen gewis ist. von den letzten
Worten Damds, (1543). Bij^ noch ge-
nauer ist glaube die hingäbe des Vertrauens
einer person an eine andere person (der
glaube geht allezeit auf eine person sagt L.
selbst einmal), namentlich an die person
des lebendigen gottes , an die person Jesu
Christi: emuna (n3*i72K) heist die warheit,
die einer ynn seim hertzen hat vnd hanget
damit an des andern warheit vnd trew . . .
nu las ich geschehen , wer so zenckisch wil
sein, das er den sinn ym hertzen^ der eim an-
dern als trewen vnd warhaiftigen anhanget
vnd auff yhn sich verlest, nenne warheit odder
wie er wil, Paulus vnd wir wissen solchen
mut nicht anders zu nennen denn glauben.
der proph, Habacuc, (1526). hiiij''; sihe
ein solcher gutter wahn odder trostliche tzu-
uorsicht oder frey vormutung tzu got oder
wie du es ymer nennen wilt, das heist ein
christlicher glaube, euang. von den tzehen
aussetzigen, (1520). Dij'^ es ist ein glaube
von Christo vnd nicht zu odder an Christon.
post. (1528). 8'; habt glauben an gott.
Marc. 11, 22; an allen orten ist auch ewer
glaube an gott ausgebrochen. 1 Thess. 1,
8 ; vnd höret jn von dem glauben an Christo.
ap, gesch, 24, 24 ; nach dem wir gehöret
haben von ewrem glauben an Christum
Jesum. CoL 1,4. statt der praep. an
kommt bei L. auch noch in vor: das erste
vnnd höchste aller edelst gut werck ist der
GLAUBE
129
GLAUBEN
glaube in Christum. v<m den gurten wercken.
(1520). Aiij*.
bibliäche redensaHen : im glauben stehen.
1 Cor. 16» 13. 2 Cor. 1, 24; im glauben
bleiben. Col. 1, 23; tom glauben abfallen.
Sir. 26, 27 ; von dem glauben abtreiten. 1
Tim. 4, 1 ; den glauben verleugnen. 5, S ;
am Rauben schiflliruch erleiden. 1, 19.
aäjecUva neben glaube: eyn gesunder
glawb. der 36. p^a^M. (1521). CiiijN ein
rechter, lebendiger glaube, der proph. Jona.
(1526). Dülj**; falscher glawbe. ebend.
£j^; der fakche, geferbete glaube, ebend.
Eij*; vngeferbter glaube. 1 Tim. 1, 5; rei-
nerglaube, der iil. psalm. (1530). Giij**;
reditscfaaffener glaube, post. (1528). S * ;
ein grosser vnd starcker glaube.' der 112.
psaim. (1526). d6''; schwacher glaube.
ettUehe schöne prediglen. (1533). iiij';
ein fester, frökcher glaube, serm.von dem
jre freundschaift vnd was sonst bey der Juden
glauben blieben war. 2 Mace. 8, 1 ; die Ju-
den nicht haben wollen willigen in die ver-
enderung jres gottesdiensts auf heidnische
weise, sondern wollen bey jrem glauben
bleiben. 11, 24; Soltan vnd Türck eines
glaubens sind, eine keerpredigi. (1542).
Biüj ^
5) glaube '^eymbolum aposlolicum: das
einer nach dem andern auifsage das vater
vnser, den glauben vnd die zehcn gebot, vn-
lerricht der visilaiom. (1537). Mij**; das
sie von solchem leslern lassen vnd dafür das
vater vnser vnd den glauben belen. venna-
nung xum gebet wider d.T. (1541). Ciüj''.
(ilaiben, credere, mhd. glouben, gelou-
ben {Ben. 1, 1018 ^ Lexer 824), ahd. gi-
louban, käloupan (Graff 2, 66), gotk. ga«
laubjan {d. i. ga-laub-j-an). mil glaube i»
einem nicht mehr nachzuweisenden goth.
n. lest. (1520). Bij*; ein fester, hertzlicher umnelverbum liuban, ahd* liopan, ^^^hinge*
glaube, ausleg. deutsch des v.u. (1518>.
Jij*; ein vnwanckender, vnschwanckender
neigt , günstig sein (?) , aus welchem auch
heb und lob entsprangen, vgl. Grimm gr.
glawb. grund vnd vrsach. (1521). biij*; 2, 49 nr. 530. IVeigand wtb. 1, 441.
eyn fauler vnd schlefierlicher glawb. ep. s, \ 442. Vilmar past. theoL bl. 3, 187. L.
Peiri gepredigt, (1 523). Eiiij " ; heiloser vnd hat stets gleuben {nur in einzelnen drucken
nichtiger glaube, post. (1528). 8". \ früherer schrißen kommt ein par mal ^hn-
2) einem glauben geben , ihm vertrauen ben vor, z. b. vnlerricht der beichtkinder.
schenken: was sol ich jm für ein zeichen 1519. Aj''; serm. von dem n. lest. 1520.
bringen, das er mir glauben gebe? Tob. 5« , c j^), gleichsam mhd. glimben, dessen um-
2 ; ich bitte e. k. f. g. noch einst, sie wollen laut in dem ableitenden j des goth. galaub-
denen nicht ehe glauben geben, so da sagen, jan begründet wäre, vgl, auch erleiiben für
bnider Martinus habe vbel geredl vnd vn- erlauben (s. d.).
recht geleret , er werde denn verhöret vnd ' eine definition von glauben gibt L. in fol-
vberweiset. Jen. 1, 130*. , gender stelle: gleuben lioisst eigentlich das
3) glaube »» treue, warhaftigkeit in er- ; für war halten vnd sich von gantzem hertzen
füllung gegebener zusagen : die zwey wort, darauff erwegen , so das euangelium von
Christo sagt, ausleg, der ep, vnd euang.
von ostem etc. (1544). Tiiij'*.
fügungen.
a) absol. : ich gleube, darum rede ich. ps.
1 16, 10; gleuht jr nicht, so bleibt jr nicht.
Jes. 7, 9; wer gleubt, der fleugt nicht. 28,
16; wer bald gleubet, der ist leichtfertig.
Str. 19, 4; alle ding sind müglich dem der
da gleubet. Marc. 9, 23.
b) mit dat. der person: c. f. g. glewbe
myr narren doch auch eyn kleyn wenig, ort-
ginalbr. v. j. 1522 im ges.^archiv zu Wei-
mar N, 109. 42; also gehets denn, das man
17
warheyt vnd glaube ym ebreischen fast gleich
vnd schier eyns für das ander genomen wird.
wie auch aulT deutsch wyr sagen , der hellt
glauben, der warhafftig vnd trew ist. vorr.
auff den psalter. Bindseil 7 , 329 ; {die
Juden) gott schuld geben, er habe Dauid
nicht trew noch glauben gehalten, toider die
sabbather. (1538). Dij"; er hell weder
trew noch glauben. Jes, 33, 8; der glauben
heit ewiglich, ps, 146, 6; halt jm {dem
freunde) f^auhen. Sir, 27, 18; soltjrervn-
glaube gottes glaube auffheben. Rom. 3, 3.
4) glaube, religio: vnd riefien zu haufP
DncTZ, Wörterbuch. II.
GLAUBEN
130
GLÄUBIG
goU zu keiner zeyt glewben wil. der proph.
Hahacvic, (1526). Giij"; gott lustvod liebe
hat an denen , die yhm gleuben. vber das
erste buch Mose. (1527). siiij^; Abram
gleubte dem herrn. 1 Mos. 15» 6; sihe» sie
werden mir nicht gleuben. 2 Mos. 4, 1.
an die stelle der person tritt eine sacke :
so wü ich ewren werten gleuben. 1 Mos.
42, 20 ; du solt falscher anklage nicht gleu-
ben. 2 Mos. 23, 1 ; aber wer gleubt vnser
predigt? Jes, 53, 1; der engelischen bot-
schaflt gleuben. das magnificat. (1521).
f ij ^ ; vnd müssen nu fort fast des bapsts vnd
der seinen historien gleuben, welchen seer
mislich ist zu gleuben. von den concilijs.
(1539). Tiiij«.
c) mit acc. der sacke : ein törichter gleubt
das nicht, ps. 92, 7 ; ein alber gleubt alles.
spr. Sal. 14, 15; ich aber gleich wol das
feld hinein alles gleubte. Verlegung des al-
coran. (1542). Tj^; die weder dis noch
das gleuben. ebend. Tij^; ich glewb eyn
offirstand des fleyscbsz vnd eyn ewigs leben.
ausleg. der ep. vnd euang. vom ckristag,
(1522). Ej^; ich gleube die Vergebung der
sunden. eine kockzeitpredigt. (1531). cüj**;
wer diesen artikel nicht gleubt . . . dem ist
auch nichts beholffen. eine predigt von den
engein. (1544). Aiij^; ich thurst aber meyn
hals dran verwetten, ob der selben lugener
eyner ... diser artickel eynen von hertzen
glewbte. das Jkesus Christus ein gebomer
Jude sey. (1523). Aij*; — mehr denn
einen einigen gott gleuben. von den Juden.
(1543). kj**; ein gott vnd viel götter nicht
könen zu gleich mit warheit gegleubt wer-
den, ebend.
d) mit der praep. an : ich gleube an gott
vater, der mich geschaffen hat, ich gleube an
gott den son, der mich erlöset hat, ich gleube
an den heiligen geist, der mich heilig machet.
deudsck cateck. (1529). Nj'^; darum b ligt
grosse maeht daran, ob man gleube an den
erschienenen oder zukünftigen Christum.
zwo predigt auf der kindertaufe. (1540).
Diiij'; wie lange wollen sie nicht an mich
gleuben. 4 Mos. 14, 1 1 ; sie gleuben an die
leblosen götzen. weisk. 14, 29; vnd gleub-
ten nic|}t an seine wunder, p«. 78, 32; da
gleubten sie an seine wort. 106, 12; thut
busse vnd gleubt an das euangelium. Marc.
1,15; der eunuchus glewbt an das euangelio
von Philippo gepredigt vnd wüste doch nicht,
ob viel odder wenig dran glewbten. t70ft
menscken lere. (1522). Giij*. früher auch
nock mit in : wer in mich glaubt von seinem
leybe sollen fliessen flusse des lebendigen
Wassers, serm. von dem n. lest. (1520).
Cj ^ var. XU Joh. 7, 38 ; wen (wenn) wir in
yim glewben. von dem bapslum, (1520).
Diij'^; ynn Christum gleuben. post. (1528).
30 ^
e) mit abkängigem salze : darumb werden
sie gleuben, das dir erschienen sey der herr.
2 Mos. 4, 5 ; wer gleubts aber, das du so
seer zömest? ps. 90, 11; gleubt jr, das ich
euch solchs thun kan? Maltk. 9, 28; wie
die lieyden , die nicht gleuben , das gott das
los meystere. der propk. Jona. (1526).
Eiiij^; das man gleube, gott sey da, der das
eyd anneme. ebend.
Cllaubei (gleuben), n. das trawen vnd
gleuben des hertzens. deudsck cateck. ( 1 529).
Bj'.
tiaubeispredigtj f eine predigt die von
gegenständen des glaubens kandelt: es sind
glawbenspredigt , die nicht darlegen , das sie
sagen, sondern zukunfftig verheisen widder
das, so für äugen stehet, der propk. Haba-
cuc. (1526). iiij*.
ClUibeiswerck y n. ein werk, das aus
dem glauben kervorgekt : mich dunckt lossen
sey an yhm selbs ein recht glaubens werck.
der propk. Jona. (1526). Eiiij*. •
Milbig (gleubig), fidelis, glaubend, an-
fangs auck okne umlaul glaubig [z. b. von
dem bapstum. 1520. Bij^; auf das vbir-
ckrisll. bück. 1521. Gj*), mkd. gloubic,
geloubic (ff^n. 1, 1019 ^ Lexer S23), akd.
giloubtc {Graff 2, 73): sey nicht vngleubig,
sondern gleubig. Jok. 20, 27 ; die gleubig
waren worden, ap. gesck. 2, 44 ; viel wur-
den gleubig. 4, 4. mit an: viel wurden
gleubig an den herrn. 9, 42 ; vnd befolhen
sie dem herrn, an den sie gleubig worden^
waren. 14, 23; an gott gleubig. 16, 34.
gleubige herrn. 1 Tim. 6, 2 ; gleubige kin-
der. Tit. 1, 6; gleubige brüder. Col. 1, 2;
mit dem gleubigen Abraham. Gal. 3, 9.
subst. : der gleubige. 2 Cor. 6, 1 5 ; der
GLÄUBIGIN
131
GLEICH
gleubigen isl wenig vnter dcu menschen km> I werckeler. das 14. vnd 15. cap. s. Joh,
dem, ps. 12, 2; die gleubigen behüt der
berr. 31, 24; vnter den Christen oder gleu-
bigen. von ehesachen. (1530). Aij'; ein gleu-
biger. 1 Tim. 5, 16.
(IltlUglli £.gleubiginne, f. eine gläubige
person weiblichen geschleehls, 1 Tim. 5, 16.
(IltuUsch (gleubisch), mM. gelöubisch
(Lexer 824) : die christlich gfewbische (durch
den glauben erlangte) gerechtickeyt. ausleg,
der ep, vnd euang, vom christag. (1522).
Cciiii^ posL (1528). HP.
(UiiUicb (gleublich), credibiUs, glaubhaft,
glaubwürdigf mhd. geloublich {Ben, 1 , 1 1 9*^.
Lexer S24), ahd. keloupUh (Graff % 75):
ein gesiebt, das gleublich war. 2 Macc, 15,
11 ; glewblicb ist, sie {Maria) sey zu fussen
gangen mit Joseph, ^usleg. der ep. vnd
euang.vom christag. (1522). Eiiij*; es ist
aach wol glewblicb , das er (der apostel
Paulus) eya weyb habe gehabt, das 1. cap.
Cor. (1523). Diij •; wie ists gleublich ? wie
reimet sichs ? das er jnn diesem grewlichen,
langen, grossen elende solte so gar nichts
hallen an seiner herrlichen verheissungen.
wider die sabbather. (1538). Dj*; wie kan
es aber gleublich sein, das golt sein volk solt
lenger lassen ausser dem regiment denn im
regiment sein, ebend. Hiij " ; denn es nicht
gleublich ist, das s. Jeremias diener, der auch
Baruch heisst . . . nicht solt höher vnd reicher
im geist sein, weder dieser Baruch (sehr eiber
des apokryphischen buches Baruch) ist.
BindseU 7, 419.
UtiUich (gleublich), adv. credibiliter,
auf glaubhafte weise : der kurfurst zu Bran-
denburg vnd hertzog George zu Sachsen sollen
(hab ich gleublich gehört) dem kaiser zugesagt
haben, wider den meuchler. (1&31). Bij*"; nu
bin ich glaublich bericht, dasz sich derselbig
Campensis zu Brunswig an lahre vnd leben
übel gehalten habe, de Weite br. 4, 377.
filiubling (gleubling>, m. der sich gläubig
dünkt, ohne es zu sein: wercklose gleub-
linge. das 14. vnd 15. cap. s. Joh. (1538).
DnniiiJ^
filaibUs, des glaubens ermangelnd, un-
gläubig : ein glaubloser mensch. Bindseil 7,
437 ; ein gottloser, glaubloser mensch, von
der winckelmesse. (1533). Biiij^; glaublose
(1538). tttiniiij^; das glaublos hertz. post,
(1528). 73*^; ein glaublos hertz. ausleg.
schöner spriiche. (1549). F 5^; die glaub-
lose vnd menschliche gerechtigkeit. Bindseil
7, 454 ; Hagar des gesetzes vnd glaubloser
werck ligur ist. gl. zu 1 Mos, 21, 17.
Cllaubw&rdtgy fide dignus, L. noch glaub-
wirdig, mhd. geloubwirdec (Lexer 824):
dan (denn) alszo thüt man auch in weltlichen
testamenten, das nit allein die wort scbhfft-
lieh vorfast, sondern auch sigell oder notarien
zeychen dran gehengt werden , das es yhe
bestendig vnd glaubwirdig sey. serm. von
dem n. lest. ( 1 520). Bj * ; das eyn fegfewr sey,
kan man nit ausz der schriffl beweysen, die
do sey beweret vnd glawbwirdig. grund vnd
ursach. ( 1 52 1 ). oij* ; glaub werdige («tr)*men-
ner. ob kriegsleute etc. ( 1 527). Gi] ^ ; glaub-
wirdige zeugnis von ehesachen. (1530). Jij';
glaub wirdige historia. von den concilijs.
(1539). Tiiij * ; ein glaubwirdiger wahn. post.
(1528). 102*; — Christus vnd Paulus offt
schweren, yhre lere vnd zeugnis den menschen
nutzhch vnd glaubwirdig zu machen, von
weltlicher vberkeit, (1523). Giiij*; alhie
haben sie grosse mühe vnd arbeit, das sie
glaubwirdig machen, das kein brod mehr da
bleibe. Jen. 2, 28*.
Cllaach^ hell, glänzend, mhd. gl6che (Lexer
1039): ein glauch erz. Ezech. 1, 7 var. —
vgl. Schöpf tirol.idiot. 193. Schmeller
bair. wlb, l^ 969. s, auch glu.
C}leich| adj. aequaUs, mhd, glich, geltch
(Ben, 1, 972". Lexer 812), ahd. gi-, ki-,
kalih (Graff2, HO), goih. galeiks. die ur-
sprüngliche Bedeutung ist, der Zusammen-
setzung aus ge- und leich (mhd. Itch, ahd.
lih, goth. leik =- leib, leibliche gestalt, aus-
sehen) entsprechend, 'von übereinstimmender
leibes gestalt*, dann : übereinstimmend über-
haupt, insbesondere völlig,,
1) gleich, nicht verschieden, überein-
stimmend, a) ohne casus: vnd sollen alle
zehen (teppiche) gleich sein. 2 Mos. 26,
2; epha vnd bath sollen gleich sein.
Ezech. 45, 11; die lenge vnd die breite vnd
die höhe der . stad sind gleich, offenb.
Joh. 21, 16; das Paulus einer andern ver-
dolmetzung braucht, da ligt auch nicht an,
17*
GLEICH
132
GLEICH
die summa des synnes ist doch gleicli. der
proph. Habacuc. (1526). dij^; «— gleiche
gestalt. 1 Sam. 6, 5 ; gleiche stimme. Hiob
AOf 4 ; sie haben alle einerley eingang in das
leben vnd gleichen ausgang. weisk.l, 6;
gleidie gaben, ap, gesch, 11, 17 ; dieweil er
gleichs (desselben) h^ndwercks war. 18, 3;
gleicfas dünckels. Phil. 2, 2 vor.; es ist da
gleicher glaub, gleich gutt, gleich erbe vnd
alles gleich, das 7. cap. Cor. (1523). Hiij";
die guter leyden nicht gleiche auszteylung.
ioider den falsch genanien geisU. sland.
( 1 522). Hüj** ; sie sollen gleichen teil zu essen
haben. 5 Mos. 18,8; (die sonne) gehet jmer
jren gldchen laufit. predigt von der zukwnft
Christi. (1532). Aiiif ; — damit wird auif-
gehaben das mittel vnd richtmas aller tugend,
das man heisst gleich vmb gleich, equalitas
arithmetica. wider den ww^er. (1540).
Diiij " ; gleich vnd gleich gesellet sich gern
(Sprichwort), von den schlüsseln. (1530).
Biij».
b) mit dat. zuweilen nur s. v. a. ähnlich :
herr, wer ist dir gleich vnter den göttern ?
2 Mos. 15, 11 ; dir herr ist niemand gleich.
Jes. 10, 6; ob er wol in göttUcher gestalt
war, hielt ers nicht für einen raub gotte
gleich sein. Phil. 2, 6 ; wol dir Israel, wer
ist dir gleich? *5 Mos. 33, 29; Paphnutius
niuste lernen, er were einem fiddeler gleich,
der ein mörder gewest war. von den conci-
Ujs. (1539). Ziij"; vnd gott sprach, lasstvns
menschen machen, ein bild, das vns gleich sey.
1 Mos. 1, 26 ; ein bilde, das gleich sey einem
man oder weib. 5 Mos. 4, 16 ; das ander thier
hernach war gleich einem beeren. Dan. 7,5;
es sind aber nicht hewschrecken, sondern den
hewschrecken odder heymen gleich, vier
trostL psalmen. ( 1 526). G 5 " ; ein land, das
ewrm land gleich ist. 2 kön. 18, 32; vnd
war kein tag diesem gleich. Jos. 10, 14 ; was
hab ich jtzt geths^n, das ewr that gleich sey?
rieht. 8, 2; das himelreich ist gleich einem
menschen, der guten samen auff seinen acker
seet. Mailh. 13, 24 ; ich weisz nicht, ob der
kirche etwas möge gleicher seyn , denn (die
blume) amarantus. lischr. 172**; — man hat
mich gleich geacht dem staub vnd asschen.
Hiob 30, 19 ; dem golde gleich geacht. klagt,
Jer. 4, 2 ; einer hell einen tag für den andern,
der ander aber helt alle tage gleich. Rom, 14,
5 ; ists aber ein haus aoff dem dorfie, da keine
maur vmb ist, das sol man dem feld des lands
gleich rechen. 3 Mos. 25, 31; den vbel-
thetem gleich gerechent. Jes. 53, 12; topa-
sius aus Morenland wird jr fder weiskiit)
nicht gleidi geschätzt vnd das reineste gold
gild jr nicht gleich. Biob 28, 19; wie gkich
sihet der junge g^dl vnserm vetter. Tob. 7,2.
cj substantiviseh mü abhängigem gen.
(vgl. Grimm gr. A, TiS): wer bat jemals
des exempels gleichen gelesen, veramiwortumg.
(1533). Cüij*; des weibs gleiche ist nicht
auff erden. Judith 1 1, 16 ; so findet man des
mans gleichen nicht. 5fr. 36, 25; das deines
gleichen vor dir nicht gewesen ist. 1 hon. 3,
12 ; das deines gleichen keiner vnter den kö-
nigen ist. v. 13; die vogel gesellen sich zu
jres gleichen. Sir. 27, 10; das meins glei-
chen nicht ist in allen landen. 2 Mos. 9, 14 ;
vnd nam zu im jüdenthum vber viel meines
gleichen. Gal. 1, 14; zu seines gleichen.
1 Mos. 8, 19 ; es ist seins gleichen nidit.
1 Sam. 21, 9. vgl. auch dergleichen u. des-
gleichen, daneben auch noch wie mhd. ((fin,
min, sin geliche) nUt ungebogenem possesnv :
herr, es ist dein gleidie nicht. 1 chron. i 8,
20; herr, wer ist dein gleichen ? ps.Sb, 10;
es ist in allen königreichen dein gleiche nicht.
Jer, 10, 7; er ist nidit mein gleiche. Hiob
9, 32 ; es ist sein gleiche nicht im lande. 1,
8. 2, 3. einmal begegnet auch der ace. sg.
seinen gleichen: das ander (sc. gebot der
zweiten tafel) leret, wie man sich halt gegen
seynen (Jen. 1, 246*: seinem) gleychen.
kurtz form der z&hen gebot. (1520). Aij**.
2) gleich, eben : wenn ers gleich gemadiet
hat, so strewet er wicken. Jes. 28, 25.
3) gleich, billig, recht: jrherrn, wasredit
vnd gleich ist, das beweiset den knechten.
Cot. 4, 1 ; ein billicher vnd gleicher (rechts--
kräftiger) kauff. das diese wort etc. (1527).
eij*.
Uelch^ ado. mhd. geliche (Ben. 1, 973*.
Lexer 813), ahd. gilicho (Graff 2, 112).
1) aequaliter, aequabiliter , auf gUiühe
weise, nach gleichem masze, a) neben verbis,
wobei es jedoch oft zweifelhaft sein kann^
ob adv. oder adjeet. bedeutung anzunehmen
ist: stellet euch nicht dieser weit gleich.
GLEICH
133
GL£1CHB£RTIG
Rom, 12, 2; vnd sol gleich (gleichmässig)
geleilet werden. 1 Som. 30, 24 ; vod jr solts
gleidi austeilen, einem wie dem andern.
Eieeh.il ^ 14 ; dapreiseten sie sie alle gleich
(mtl einer tUmme). Jud. 15, 11; der herr
sorget für alle gleich (auf gleicke weise),
weish, 6, 8 ; vnd es wurden beide gleich ge-
plagt. 11,12; gleich leben, vermanung zum
sacramefU. (1530). Aiij*; gleich thun.
WtUenb. 1, 222*. — b) neben adj,: gleich
feind. weish. 14, 9; gleich gros. 2 Mos,
26, B; gleich vierecket (quadralus). 27,
1; gleich lang. Exeeh. 45, 7. oder pari,:
gleich gestalt. 1, 22; gleich gesinnet, nu,
3, 16.
2) rede, gerade, in gerader linie: las
deinen fus gleich für sich (var, schnurgleich)
gehen, spr, SaL 4, 26; vnd alle deine wege
gleych ausz sich richten, var. zu spr, 4, 26
det Bindseü, — recht, aufrichtig : wer gleich
zuret, wird geliebet spr, SaL 16, 13.
3) statim, eonfesUm, auf der steUe, als-
bald: so wolt ich vber liin springen, das mir
die neben sollen krachen, soll ich auch gleich
lam werden, das diese wort etc, (1527).
e j ^; sein königreich zerfiel gleich da er starb.
Bindseil 7, 364.
4) gleich := gleichsam, quasi: Jesaiasauch
selbs gleich mit fingern seine ieser dahin wei-
set, der proph. Jesaias, (1528). 1^; das
heysl gott gleych für eynen gauch odder hül-
Izern putzen achten, das 14. u, 15. cap, s.
Joh, (1538). aaaiiij*.
5) gleich also, eben so: vnd thet gleich
also. Matth. 20, 5.
6) gleich als, gleich als wenn, gleich sam,
perinde ac si, perinde quasi: erfüllet ewr
tagwerck gleich als da jr stro hattet. 2 Mos.
5, 13; vnd sol einer vber den andern hin-
fallen gleich als für dem schwert. 3 Mos.
26, 37 ; das sie auszogen gleich als ein einiger
man. 1 Sam. 11,7; vnd Johannes sähe den
geist gottes gleich als {in der parallelstelle
Marc. 1, 10: gleich wie) eine taube her ab
faren. Matth. 3, 16; gleich als ich von der
rechten gotts sage, das diese wort. (1527).
h ij " ; gleich als (1 534 : wie) ein kannen gie-
sser die kannen ynn seiner form al)misset.
vom abendmal Christi. (1528). hüj**; —
gleich als wenn mans gebe dem der nicht le-
sen kan. Jes. 29, 12; vnd gehet gleich als
wenn die kinder bis an die geburt komen
sind. 37, 3 ; gleich ab wenn jemand für dem
lewen flöhe. Arnos 5, 19; gleich als wenn
ein strosack vol stro stecket, vom abendmal
Christi. ( 1 528). k ij ^ — das er mich schUt,
ich ertichte , gleich sam {als) were es war,
das die papisten widder die lutherischen krie-
gen wollen, wider den meuehler zu Dresen.
(1531), Bj*.
7) gleich wie, sieui, veluti: ein garten des
herrn gleich wie Egyptenland. 1 Mos, 13,
1 ; gleich wie wir dich nicht angetastet ha-
ben. 26, 29 ; vnd waren heslich gleich wie
vorhin. 41, 21; darumb soll jr volkomen
sein gleich wie ewer vater im himel volkomen
ist. Matth. 5, 48; gleych wie ich von der
tauff gesagt, serm, von dem hochwirdigen
sacrament. (1519). a ij *.
8) ob gleich, wenn gleich, concessive con^
junctionen, bei L, noch durchaus getrennt:
ob gleich eine hitze kompt, furcht er sich
doch nicht. Jer, 17, 8; wir wollen sie
einnemen, ob gleich der herr da wonet.
Exech. 35, 10; wir deutschen den nüchtern
heyssen der nit truncken odder voll ist,
szondem feyn bey yhm selbs vnd messig,
ob er gleych gessen vnd truncken hat
ausleg, der ep, vnd euang. vom ehristag.
(1522). Cj*; ob es gleich (ausent vnd
aber tausent jar werete. das 15. cap. der
ersten ep. s. Pauli an die Cor. (1533).
Tiij '. — wenn gleich seine höhe in den himel
reichet . . ., so wird er doch zu letzt vmb-
komen. Hiob 20, 6; darumb fürchten wir
vns nicht, wenn gleich die weit vntergienge.
ps. 46, 3; wenn mir gleich leib vnd seele
verschmacht, so bistu doch gott alle zeit mei-
nes hectzen trost. 73, 26 ; wenn sie gleich alt
werden, werden sie dennoch blühen. 92, 15.
Clletchkertigy gleichgestaltet, gleich : wyr
sind auch menschen euch gleychbertig. ap.
gesch. 14, 15 var. ; das sie gleychbertig seyn
sollen dem ebenbUd seynes sons. Rom, 8,
29 var.; gleychbertig den vorigen lüsten.
1 Pet. 1, 14 var. in den ersten ausgg. des
n. lest, einige ausgaben haben gleichwertig
statt gleichbertig, wie auch die gleichgebil-
deten heilbertig und heilwertig wechseln.
berlig in gleichbertig steht wohl für bärdig,
GLEICHE
134
GLEICHNIS
mhd. baerdec (in baerdecheit. Lexer 127).
vgl. bärde.
UfifhCi m. der einem gleich ist: denn
jm ist kein gleicher in allem voick. 1 Sam.
\0, 24. 8. auch oben gleich adj. 1 c.
Cllelche^ f, gleichheity übereinsHmmung,
mhd, geltche {Ben. 1, 973^ Lexer 813):
was hat der tempel gotles für ein gleiche mit
dem götzen ? 2 Cor. 6, 1 6 ; denn es ist ia
kein gleiche vnser barmhertzigkeit gegen got-
tes barmhertzigkeit. d<u 5.» 6. vnd 7. cap.
8. Mallh. (1532). Gj".
Mfichei, mhd. geliehen {Ben. 1, 794*.
Lexer Sl 4) f ahd. kalthhen (Gra/f 2, 118),
goih. galeikon.
1 ) tran8, im 8inne von vergleichen, gleich-
stellen: aulT erden ist jm {dem levialhan)
niemand zu gleichen. Hioh 41, 24; alles
was du wündschen magst ist jr {der Weisheit)
nicht zu gleichen, spr. Sal. 3,15; ich gleiche
dich, meine freundin, meinem reisigen zeuge
an den wagen Pharao, hohelied 1,9; wem
sol ich dich gleichen ? klagt. Jer. 2, 1 3 ; ich
gleichet(6) jr (der Weisheit) keinen edestein.
weish. 7, 9; der massen ist das auch, das du
mich gleychist den apoteker, die auff yhr
buchsen gult titeil schreybenn vndgifltdryn-
nen haben, auf das vbirchristl. buch. (1521).
Jij*; er gleycht sie eim hunde. post. (1528).
327 **; wer dürffte ytzt solche stedte Sodom
gleichen wie Christus die stad Capernaum da-
gegen helt. vber das erste buch Mose.
(1527). siij^; on das man sie {die ep. an
die Hebräer) den apostolischen episteln nicht
gleichen (gleichstellen) mag. Bindseil 7, 464.
2) reß. sich gleichen, sich gleichstellen:
darumb solt jr euch jnen nicht gleichen.
Mallh. 6, 8.
3) intrans. gleich sein: gold vnd demant
mag jr nicht gleichen. Hiob 28, 17; alles
was man wündschen mag, kan jr nicht glei-
chen, spr, Sal. 8, 1 1 .
Gif if hennasien^ gleiche rwf ise, similiter,
simili ralione, eodem modo, sind absolute
genitive, die auch noch getrennt vorkommen :
nach dem nu die kinder fleisch vnd blut ha-
ben, ist ers gleichermasse teilhalTtig worden.
Hebr. 2, 14; — wir gleuben durch die gnade
des herrn Jhesu Christi selig zu werden, glei-
cherweise wie auch sie. ap. gesch. 15, 11;
gleicher weise wie auch jr weiland nicht habt
gegleubet an gott. Rom. 11, 30.
dlfiehförmig, conformis, mhd. gelich-
formec {Lexer 814): des (Christi) bilde müs-
sen wir auch tragen vnd yhm gleichföroiig
werden, vber das erste buch Mose. Fiiij * ;
gott gleichförmig, ebend. Sj * ; dem bilde des
sons gottes vnd allen heiligen gleichförmig.
Verantwortung etc. (1533). Fiiij*; er sey
j^ denn gleichförmig in der busse vnd leiden.
Jen. 1, 23'; ein fromes kind nennet man,
das von fromen, ehrlichen eitern gebom, den
selben in aller mas nachfolget vnd gleichför-
mig ist. ebend. 72 ^
Gleichheit fgleicheit), f. aequalilas, «tmt-
Utudo, mhd. gelicheit (Ben. \, 793 ^ Lexer
813): gleicheyt des glaubens. das 7. cap.
Cor. (1523).. Hiij'; gleicheit vnd einigkeit.
eine bericht. (1528). Gij'; er redet hie
nicht von der einigkeit, die da heisset eine
gleicheit. das 17. cap. s. Joh. (1530).
Mj^; vnd ist eitel gleicheit hie zu sehen vnd
keine sonderung oder vngleicheit. von den
Juden. (1543). Dij^
Clleichhellig, übereinstimmend: diszer ar-
tickel ist den vorgesagten yrthumen gieych-
hellig. ein vrteyl der iheologen, (1521).
Bij*. 8. auch einhellig.
Clleichkaify m. die einen kauf abschlie-
szende handlang, wodurch derselbe rechts-
kräftig wird: gleich wie man wein trinckt
zum gleichkauif, das da ein billicher vnd glei-
cher kauif sey, des man gedencken vnd fest-
halten sol. das diese wort etc. (1527). ej^
— auch Ma tthesius gebraucht das wort
in diesem sinn {s. Frisch 1, 353'). vgl.
auch gleich adj. 3.
Cllcichmasiig (gleichmessig), aequabilis:
einem yglichen vorteil anhangt sein gleich-
mässigs nachteyl. post. (1528). 145';
leihen von art vnd natur nicht anders ist,
denn etwas für einen andern darstrecken vmb
sonst mit bedingen, dasselb oder des gleich-
messigen vnd nicht mehr vber weü wider zu
nemen. Jen. 1, 196 ^
fileirhmuthig; aequanimis: ein recht hei-
lig wesen yra geist stehet ynn eynickeit vnd
gleichmütigem hertzen ym glauben, post.
(1528). 320".
(ileichnisy gleiehnlsse^ n. und f., ebenso
GLEICHSAM
135
GLEISZEN
mhd. dazu, diu gelichnisse (Ben. 1, 973 ^
Lexer 815), ahd. kilthnissa, killhnissi {Graff
2, 115).
1) HmUiiudo, ähnlichkeit, ebenbild, bild"
nisy abbild: ym ebreischen lauten die wort
(1 Mos. 1, 26) also, last vns menschen ma-
chen ynu vnserm bilde nach vnser gleichnis.
vber das erste buch Mose, (1527). Fiiij";
da goU den menschen schuff, machet er jn
nach dem gleichnis gottes. 1 Mos, 5, 1 ; du
solt dir kein bildnis noch jrgend ein gleich-
nis machen. 2 Mos. 20, 4 ; du solt dir kein
bildnis machen einiches gleichnis. 5 Mos. 5,8;
Tnd verwandelten jre ehre in ein gleichnis eines
ochsen, ps, 106,20; die gleichnis {das abbild)
des aliars des berrn. Jos. 22, 28 ; da er einen
altar sähe der zu Damasco war, sandte der
könig Ahas desselben altars -ebenbild vnd
gldchnis zum priester Vria. 2 kön. 16, 10.
2) TQonog, figur, vorbild: ein gleichnis,
furbilde odder deutzeichen, das diese worl,
(1527). niij^; wo eine figur, symbolum
odder gleichnis sein sol , da eins das ander
bedeuten sol , da mus ia etwas gleichs ynn
beiden angezeigt werden, darauff die gleichnis
stehe, vom abendmal Christi. (1528).
p ij * ; der weinstock ist ein* gleichnis odder
figur Christi, ebend. p ij ^ ; Ehas ist eine fi-
gur odder gleichnis Johannis. ebend. ; das
osterlamb ist eine gleichnis Christi, ebend. ;
wenn nu Christus wolt ein abendmal einse-
tzen, da nicht sein leib vnd blut, sondern
gleichnis seins leibs vnd bluts ynnen were, so
hette er billich vns das alte Moses abendmal
mit dem osterlamb gelassen, welches aus der
massen vnd rund vmb , durch vnd durch , al-
lenthalben, auffs feinest seinen leib für vns
gegeben vnd sein blut für vns vergossen zur
vergebnnge der sunden deutet vnd eine figur
odder glächnis ist. ebend.
Z)parabel, gleiehnissrede : vnd er redet
zu jnen mancherley durch gleichnisse. Matth.
13, 3 ; so höret nu jr diese gleichnis von dem
seeman. v. 18; er leget jnen ein ander
gleichnis für. v. 24 ; also lesen wir auch jm
euangelio Matth. 18 jnn der gleichnis von dem
knecht, welchem sein herr alle seine schuld
geschenckt halte, das 5. 6. vnd 7. cap. s.
Matth. (1532). aij-,
(21eichga«, s. gleich adv. 6)
Clleichstimmigj übereinstimmend: ob aber
dieser Spruch wol gleichstymmig ij. reg. vij
vnd j. parali. xxüj geschrieben steht, hat er
4loch ij. reg. vij. solche vmbstende, das er von
Salomon nicht mag verstanden werden» post.
(1528). 108^
Uetchtag, m. aequinoclium : der gleich tag
oder equinoctium. vondencondlijs. (1539).
Lj* ; im vollen mond mertz nebest dem gleich-
tage oder equinoctio. ebend. Lij*.
Clleichwirüg j von gleichem werihe:
gleichwirdige busse ist eine dem vergehen,
der Sünde, entsprechende. Jen. 1, 67*.-
QiMAwalf auch unverbunden gleich wol,
tarnen : die zal der ziegel solt jr jnen gleich-
wol aufQegen. 2 Mos. 5, 8 ; wenn sie schon
in der feinde land sind, habe ich sie gleichwol
nicht verworffen. 3 Mos. 26, 44 ; ewer
Schwert frisset gleichwol ewr propheten.
Jer. 2, 30 ; Jehiskia fragt nichts darnach, für
gleich wol fort vnd lies schlangen götzer
bleiben wer da wolt. trostunge an die Chri-
sten zu Halle. (1527). Ciij^; der erste man
ist nicht jr eheman, aber sie ist gleichwol sein
eheweib. von ehesachen. (1530). Bij^;
also kömpt auch sein reicli on vnser bitten
von sich selbs, doch bitten wir gleichwol, das
es zu uns kome. deudsch catech. (1529).
Qiiij^; doch gleichwol ist der liebe gott so
sorgfeltig für vns. von der kindertauff.
(1540). Giij^
dleisien (gleissen), glänzen, leuchten,
scheinen, mhd. gli:;en {Ben. 1, 549''. Lexer
1036), ahd. gll^an (Graff 4, 289). praet.
glisz (L. gliess) : vnd wurde also ein liechter
teuffei, der sich verstellet, das er gliesse wie
ein himlischer engel. zwo schone predigt.
(1537). Biij^
planck vnd gleissend, vber das erste buch
Mose, (1527). Ggj ^; weis, gleissend, das
hell daher glentzet vnd gleisset. ebend. ; das
gold gleisset nicht, wenn man den rost nicht
abwüschet. Bar. 6, 23 ; der bindeschlössel
ist jm brauch vnd vbung gangen, das er gleis-
set. von den schlüsseln. (1530). Cij*;
was nit willig geschieht, ist nit gut vnd gleys-
set nur als were es gut. serm. von dem n.
test. (1520). Aij"; was für wesen vnd
werck ausser gottes wort gehet, das ist für
gott vnheilig, es scheine vnd gleisse wie es
GLEISZEN
131
wolle, detidtch calech. (1529). Diiij*; ein
manDel kirchen bawen, gülden kleinol schen-
cken, iten todlen steioea vnd hold dieneo,
das gleissl, das scheiaeL der 82. psalm.
(1530). Cüj"; die ledigen, losen unJ nich-
tigen wercke, die gleisscn, die haben das an-
sehen, ebend. Dij*; eine rechUchalTeDe liebe,
die nicht gleisse vnd leuchte wie ein jrwisch.
H'tllein6. I, 120"; eine taube, der die fed-
dern weis vnd rotgleissen. Biniaeil 7, 323.
tllciucn, n. datglänien: die do meynea,
Eolchs eusserlich gleyssensey der geistliche vnd
warbafftige stand der Christenheit oder kirehe.
VON dem bapttmm. (1520). Cij''; das euszer-
lich gleissen vnd pompen von selb erdachten
wercken. buUa eene domini. (1522). Eij".
Ueisier Igleiszner, gleissener), m. heuch-
ier, seheinheitiger: die gleyszner, diegelere-
len vnd scheynend heyiigen. der 36. psalm.
(1521). Bij''; die falschen werckheiligen vnd
gleissener. vber das erste bvck Mose. (1527).
bj''. — lu gleisen heucheln aus gleichsen,
mk4. geltchesen. altd. kalthhis'jn ^ derglei-
chen lAun, sich versletlen, heucheln, s.
WeigandtDlb. 1, 443.
fildsMrci, f, heuchelet : die so in gl eis-
nereyliigenredersind. t 7Vm. 4. 2; s. Stephan
sie nicht stralTt von groben sunden, sondern
von der gleysoerey. post. (1528). 131".
fileilco (gleiilen), ausrutschen, mhd. gltten
(Ben. 1, 549". texer .1035): zu seiner leit
sol jr Tus gleitten. i Mos. 32, 35: das
meine knöchel nicht gleiten. 2. San». 22, 37 ;
das meine tritt niclil gleitten. ps. 17, 5;
seine trit gleiten nicht. 37, 31; mein tritt
hette viel mhe gegbtten. 73, 2; ein gleiten-
der fus. spr. Sal. 25, 19.
Gleuieu, s. gläu»n.
GIcibeD, s. glauben.
filtobif, sltakhcb, gleiblieh, glcBbliii,
a. gläubig, glüu bisch, glaublich, gläuhling.
fiUlUsiMC, s. gläubigin.
aiiti, gclled, anfangs auchnoch ohne das
dehnende egiid, gelid, n. membrum, artus,
mhd. glil. geht (Ben. 1. 978*. I.exer 820).
ahd. gilit (Graff 2. IS9). Zusammensetzung
des pari, ge mit lit glied. der pl. ichuiankt,
wieschonmhd., iuiiscAengelied,gelide(«ii(ter
den falsch genaiuen geisll. stand. 1522.
Hij") undgelieder, doch herrscht letzterer vor.
GLIED
1 ) glied des menschlichen und thierischen
körpert, körperlheil; der leyb vnd seyne ge-
lider. das 7. cap. s. Pauli su den Cor.
(1523). Ciiij*; mit vogewönlichem gelied. 3
Mos. 21, 18; ein ochsen oder schaf, das
vngewönlicb gelied oder wandelbar gelied
hat. 22, 23 ; es ist dir besser, das eins deiner
gebed verderbe vnd nicht der ganze leib in
die heile geworlTen werde. MalOt. 5. 29;
auch begebet nicht der siinden ewre glieder
zu wafTender vngerechligkeit. RBm. 6, 13;
gleich wie ein leib ist vnd hat doch viel glie-
der. 1 Cor. 12. 12 ; also ist auch die ztinge
ein klein glied. Jac. 3, 5. das männliehe
glied: so wil ich aller narr vnd bannha-tzi-
ger Christ Hugs lassen ein steino^ messer
machen vnd ein Jude werden, vnd soll ich
nicht allein das glied, sondern auch nasen vnd
obren besclineitten lassen, wider die sab-
bather. (1538). Bj\
bildlich von den gläubigen, sofern sie lu
dem geistlichen leib, an welchem Christus
das haupt ist, der, kirehe, gehören: jr seid
aber der leib Christi vnd glieder. 1 Cor. 12.
27 ; lasset vns wachsen in allen slUckea an
den, der das heuht ist, Christus, aus welchem
der gantze leib zusaraen gefüget vnd ein glied
am andern hanget, durch alle gelencke, da
durch eins dem andern Handreichung thut,
nach dem werck eines jghchen gliedes. Ephes.
4. 16; wir sind glieder seines [Christi) lei-
hes. 5, 30; ich gan es auch s. Peter, das
er eyn edler gelied sey denn ich. ausleg. der
ep. vnd euang. von der heil, dreykönige fest.
11525). Eiiij*; dti gottloser vngleubiger
pfalf ... so du iloch nicht sein (Christi) ge-
lied, sondern feind bist, von der winckel-
messe. (1533). Bij".
2) glied, angehöriger einer gemeine oder
gesellschaft u. dergl. : ein glid der Christen-
heit serm. von der bereitung tum sterben.
(1519). biij*; ein gelied der vbergättlichen
kirchen. eine bericht. (1528). Biiij"; ia
sie sind gelieder der kirchen, gleich wie Spei-
chel, rotz, eiter, schweis ... des leibes ge-
lieder sind, das schöne eonfilemini. (1530).
Lij''; denn die römische kirehe ist vnd sol
sein ein stiick oder gelied der heiligen, dirisl-
lichen kirchen. wider das bapslum. (1545).
GLIEDLEIN
137
GLIMnPFIG
3) glied in der abstammung und ver-
taandlsehaß, generatio, grad : vnd sähe Eph-
raims kinder bis ins dritte gelied. 1 Mos. 50,
23 ; der da heimsuchet der veter missethat
an den kindern bis in das dritte vnd vierde
ghed. 2 Mos. 20, 5; es sol auch kein hur-
kind in die gemeine des herrn konien, auch
nach dem zehenden gelied. 5 Mos. 23, 2 ; jr
name müsse im andern gehed vertilget werden.
ps. 109, 13; alle gelied (1522: gelid) von
Abraham bis auff Dauid sind vierzeben gelied.
Mallh. 1, 17 ; die not foddert auch etwas zu
sagen von ehesclieiden vnd andern stücken,
als von den gelieden der sipschafll vnd der
gletchen. von ehesachen, (1530). Jj*.; der
sipschaffi halben vnd geliede der freundschafft.
ebend. JUij* ; welche aber die verboten gelied
odder personen sind im weltlichen recht, das
las ich die Juristen vnd rechtskündigen leren.
ebend. Jiüj ^.
4) glied einer keUe, annulus: vnd zwo
keten von feinem golde mit zwey enden, aber
die gelied in einander hengcnd. 2 Mos. 2S, 14.
Uliedlein (geliedlin), n. dim. des vorigen:
denn sie nicht das geringste geliedlin von der
artikel einem vns lassen künnen noch wollen.
arUkel etc. (1538). Diij*.
lilicdMasiy gflifdwasE fgelidmas, gelied-
mas), n. s. v. a. glied: ein glidmasz der
Christenheit, von dem bapstum zu Rome.
(1520). Cj**; ein christlich ghdm.'isz. ebend.
Ciiij'; so beuget ein jghcher Christen an der-
selbigen (der kirche Christi) als ein gelicdmas.
das 17. eap. Joh. (1530). Rj^ L. hat in
der reget noch den starken pl. gliedmasse,
geliedmas (d. t. geliedmasse) : die ehiich glid-
masz. ausleg. der ep. vnd euang. vom
christag. (1522). fffiiij"; die wcybisclie
gelidmas. vrsachvndantwort. (1523). Aiiij'';
äugen, oren, zunge vnd alle andere gelidmas.
vber das erste buch Mose. (1527). Lj';
die ^iedmas seines fleischs hangen an einan-
der. Hiob 41, 14 ; denn es stehet ein mech-
tiger, grosser trost darinn ... das wir alle
gliedmasse eines einigen leibs sind, das 17.
cap. Joh. (1530). Mij''. nur vereinzelt er-
scheint gliedmassen: diese gliedmassen hat
mir gott von himel geben. 2 Macc. 7, 11.
lieber bildung und ursprüngliche bedeu-
tung des wortes s. Weigand wtb. 1, 445.
DnTs, Wörterbncb. II.
dliedwattleii, n. kleines glied: vnd ha-
ben alle zu thun mit dem cleynen glidmaszlyn.
serm, von dem hochwirdigen sacrament.
(1519). aüj*.
ClimeHy gliscere, in einzelnen funken
glühen: das fewer, weil (während) es noch
im Zunder glimmet, dempffen. Jen. 2, 498';
das glimmend locht wird er nicht ausleschen.
Jes. 42, 3. häufiger bei L. glümmen ge-
schrieben: ob hie das liecht Dauid nicht helle
leucht, so glümmet es doch in dem kinde
Joas. von den Juden. (1543). Qij^; das
glümende (1522: glumende) locht. Matlh.
12, 20; ein glummend locht, von der win-
ckelmesse. (1534). Hiij''; das glummend
hökzlin. von den concilijs. (1539). Lij*.
mhd. glimmen {Ben. 1, 548**.' Lexer
1034), von glimen «=» glänzen, leuchten, vgl.
fVeigand wtb. 1, 445.
6ll«pf, m. mhd. glimpf, gelimpf, (Ben.
1, 999*. Lexer 817), ahd. gelimpf (Graff
2, 216); zu ahd. limfan, limphan «» ange-
messen sein.
1 ) schonende nachsieht, zarte rücksichl :
nu aber mein gütiger glimpff vmb sonst ist
vnd sol vnd mus pochens gelten, von heim-
lichen vnd gestolen brieffen. (1529). Aiij^
2) guter leumund, guter name, guter ruf:
zu vnterdrücken mein glimpff vnd ehre.
ebend. Bj^; ehre vnd glimpff nehmen, ebend.
Biiij'; ehre vnd glimpff ist bald genomen,
aber nicht bald widder geben, deudsch ca-
tech. (1529). Kiiij'; des nehisten leumund,
glimpff vnd gerechtickeit. ebend. Kj^; so
hals deste mehr ansehen vnd glimpff. eine
predigt das man kinder etc. (1530). Eüi]*";
das jr gemeinet, solcher fauler, lamer zote
solle in diesen sachen mir schaden thun oder
euch glimpff bringen, wider Hans Worst.
(1541). Aüj**; den glimpff zurhalten und
mehren, de Wette br. 3, 335.
dlimpffHj zum besten wenden: dasz sie
allesampt wollten helffen die sachen stillen,
glimpfen und zum besten foddern. de Wette
br. 5, 55. — mhd. gelimpfen {Ben. 1, 999'*.
Lexer 818).
dliwpig, glimpflich^ schonend, nachsich-
tig, mhd, gelimpf ec (Ben. 1, 999 **. Lexer
818): wenn aber die person gros ist, ein
herr vnd gewaltig odder mein freund ... da
18
GLIMPFLICH
138
GLOSSE
schnitze ich die wort dünne, machs glimpfßg,
kan wol feder lesen vnd mit der warheit vn-
ter die bauck. der 112. psalm. (1526).
d6*.
(JliHplich^ adj. vnd adv. angemessen,
nachsichlig, schonend: gUnipfflich vnd gütig
antwort. v<m heimlichen vnd geslolen brief-
fen. (1529). Aiij*; vnd glimpfflich gnug
Widder hertzog Georgen meinen feind gelian-
delt. ebend, Gij ^. — mhd. gelimpflich (Ben.
1, 999 ^ Lexer 818).
ClItHieiy glänzen, mhd. glinzen (Ben, 1,
548 **. Lexer 1034): es gluwet vnd glintzt
noch nit alles, grund vnd,vrsaeh. (1521).
c iiij ^ ; jre f üsse glintzeteu wie ein hell glat
ertz. Exech. 1,1; ah wie glintzet es (das
sehweri). 21, 15; da zu vnser zeit der
mönche wercke im bapstum so schön glinlze-
ten. EisL 1, 531^; deine pfeile füren mit
glintzen dahin, der proph. Habacuc, ( 1 526).
oj'', var. zu Hab, 4, 11.
dlinierBy dasselbe: die weisse Haube, die
für grosser weisse glintzert. einer aus den
hohen ariickeln. (1537). Bj ^
lil«cke^ f. campana, mhd. gloeke, glogge
(Ben. l, 550*. Lexer 1036), ahd. glogga,
glocca (Qraff 4, 292); zu ahd. clocc6n,
clocch6n = klopfen, anschlagen (s, We i -
gand wtb. 1, 446): eine glocken giessen.
Verantwortung. (1533). 4'; die todten
glocken weihen vnd teuft'en. zwo predigt
auff der kindertaufe. (1540). Fi]*"; hosti-
arium heissen sie den so zum stränge gewey-
het war, das ist der die kirchen schliessen vnd
glocken leulen solt. von der winckelmesse.
(1533). Oiij*; gleich wie man bey vns, wenn
man eine spende gibt, alle glocken lesset
leutten. das 5. 6. vnd 7. cap. s. Matth,
(1532). e iij **; mit glocken beleuten. wider
das bapstum. (1545). Dij'^; eine glocke
oder schelle yhren eygen klang nicht höret.
post. (1528). 312'; vnd bombt die grosse
glock mit zu. der 101. psalm, (1534).
Bj ^ ; gleich als ein^ grosse glocken ... die
lufft so vol schallet vnd dohnet, das man
nicht dafür höret, was man sonst redet, aus-
leg. der ep, ,vnd euang, von ostem etc.
(1544). Lliij''. redensart: weil wir zu-
samen komen sind zur heiligen taufie, so
wollen wir derselbigen auch eine glocken
leuten, das ist von diesem heiligen sacrament
etwas reden, gott zu lobe vnd vns zur vnter-
richtung. zwo predigt. (1540). AijV
Mfkemh9ief m. beleg s. altarbote.
ntktmfkptlM, f.glockenmetaU. de Wette
br. 3, 184. — mhd. glocke-, glockensptse
(Ben. 1\ 511 ^ Lexer 1038).
Cllockeutoi^ m. ton einer glocke: glocken-
don. post. (1528). 222'.
ilickier (glockner), m. küster, der das
glockenläuten besorgt, nM. glockenaere
(Ben. i, 550**. Lexer 1037): des custers
vnd glockners ampt in allen kirchen. an den
Christi, adel. (1520). Diij^
Cllorie, f. gloria, rühm, mhd. glorje (Ben.
1, 551 '. Lexer 1038); alle kunige der er-
den werden erwirdigenn dein glorie. die
sieben buspsalmen. (1517). £5**.
tt^riertn, prangen, mhd. gl6rieren (Ben.
l, 551'. Lexer 1038), aus tat. gloriari:
vnd alles des sich rhümen vnd gloriern mag.
post, (1528). 104^; die grosgeistlichen vnd
weisen können nicht anders, denn jnen selb
wolgefallen, sicher sein, in jnen selb gloriern.
Jen. l, 18^; gloriern, prachten, prangen.
ebend. 22'; wer gloriern wil, der glorir in
gott. ebend.
(il«rlicierei| gloripcare, verherrlichen,
mhd. gl6rißcieren (Lexer 1038): durch
den todt glorificieren. serm. von der
sunde, gerechtigkeit vnd vrteil. (1523).
Aiij^
lil«8se (L. glose, glosa. gl. zu st. in Es-
ther 4, 3), f. giossa, erklärende anmerkung,
auslegungy mhd. glose {Ben. 1, 551'. Lexer
1038): disze edle, clare auszlegung deuten
vnd Unstern sie mit eyner andern glosz. gr.
serm. von dem wucher. (1520). aiij'; ein
feine glos. das 16. cap. s. Joh^ (1538).
Oij'; die glose odder auslegung. deudsch
catech. ( 1 529). Oiij ^ ; dis buch (die apostel-
geschichte) wol möcht heissen eine glose vber
die episteln s. PauH. Bindseil 7, 430 ; wo-
mit vnd wenn wollen sie aber jhr glose gewis
machen? von den schlüsseln. (1530).
Aiij^; vnd ob sie wollen eine faule glose
furgeben. ein widderruff vom fegefeur.
(1530). Cij'; drehet vnd hddert gottes wort
mit glösen. das 15. cap. der ersten ep. s.
Pauli an die Cor. (1534). Cij'*.
GLOSSEN
139
GLÜCK
lilossen (glosen), n. das auslegen, erklä-
ren: den Propheten Jeremia zuuerstehen,
darffs nicht viel giosens. Bindseil 7, 347.
— mhd. gl6sen (Lexer 1039).
CUssiercn (glosieren), wozu glossen mo'
chen, auslegen, deuten, mhd. glösieren {Ben.
1, 551 ^ Lexer 1039): szo werd ich des
bapsts vrteyll auch nit leydden. darumh szo
das erst mittel nit für sidi geht wirt sich das
spü machen, das der bapst letzt wirt machen
vnnd ich yhn glosziren. originalbr. v. j.
1519 auf der bibl, zu Gotha cod. ehart.
379; ich wil dir aber nit bergen meyne
grosse muhe, die ich daryn zuuordeutschen
vnd glosiem gehabt, bulla cene domini.
(1522). Aij**; ich wolt das alle bischoffevnd
pfaffen solche yhre eigen glosen roüsten gleu-
ben vnd für warheit halten, das die text im
euangelio also zu glosiern weren. eine be-
nchl. (1528). Fij ^ hie wider hilft kein bei-
nern, deuten, glosiern. von den Juden.
(1543)t Oiij^ <tt65l.; lügen darft* viel flickens
vnd glosierens. gl. zu 1 Tim, 6, 4.
fUdsilein (glöslin), n. dim. zu glosse : ich
wil hie noch nicht antworten auff die sophi-
stische vnd arme gloshn. das ander teyl
Widder d. hyml. prophelen. (1525). Gj^;
so wollen wir auch jhr listiges, falsches glös-
lin vom deutopffer odder denckopffer nicht
leiden, vermanung zum sacrament. (1530).
Eiij ^ ; so bald kan man ein glöslin finden, da-
mit man dem teufiel ein Uecht anstecke, das
5. 6. vnd 7. cap. s. MaUh. (1532). pü]*".
tilotieB, 'mtl weil aufgesperrten äugen
sehen', mhd. glotzen (Lexer 1039): hie, da
er nicht stehet, da glotzen sie, sperren maul
vnd nassen auff vnd suchen solchen text.
vom abendmal Christi. (1528). Gij*. vgl.
anglotzen.
Um (glw, gluu), glühend, *hell, klar, po-
lirt\ toie L. selbst das wort in der gl. zu
Dan. 10, 6 (ein gluu ertz, Frisch 1, 358*'
liest : ein glun erz) erklärt : (pfeil) der fein
glat, glw vnd wol bereit ist zu schiessen, gl.
zu Jes. 49, 2 ; das er (jedenfalls druckfehler
für es sc. das schwert) jmer fein scharff vnd
glw bleibe, das 6. cap. Ephes, (1533)«
Kiij *• ; es ist jtzt ein gantz glw newe weit.
wider den bischoff zu Magdeburg. (1539).
Jij ^ ; aber nu sind solche rotten vnser schleilT-
stein vnd polierer, die wetzen vnd schleißen
vnsern glauben vnd lere, das sie glw vnd rein
wie ein Spiegel glentzen. Jen, 5, 261'; die
äugen rot vnd glw {glühend) funcklen. aus^
leg. der ep. vnd euang, von ostem. (1544).
tij*.
zu glühen vgl. glüh Weigand wtb. \,
448. s. auch glauch.
Cliock^ flicke (gelück vber das erste buch
Mose. 1527. Hhij*'; gelücke. gl. zu Sir.
37, 19), n. fortuna, feUdtas, mhd. gelücke
{Ben. 1, 1049*. Lexer 829); zu lücken,
locken, vgl. Weigand wtb. 1, 447.
\)fors, fortuna, geschieh, gunst des
Schicksals : man hat sehen vnd greylTen müs-
sen, wie menschen ansehlege vnd hoffenung
ymer feylen vnd anders gerett denn man
denckt vnd zu letzt müsse mercken, das eyn
ander sey, der das redlin treybt, das haben
denn ettliche gott, ettliche glück genennet.
vorr. auff die spruche Salomo. Bindseil 7,
333 ; die beiden nicht gleuben, das gott das
los meystere, sondern glück gebe es alles.
der proph. Jona. (1526). Eilij**; alles Ligt
es an der zeit vnd glück, pred. Sal. 9, 1 1 .
2) nach wunsh zukommendes, segen, heil,
wolfart etc. : was solt vns gluck widderfaren,
wen wir szo vorkeret handeln, an den
Christi, adel, (1520). Lüj*; alles was er
(Joseph) thet, da gab der herr glück zu. 1
Mos. 39, 3. 23 ; bittet, das gott glücke dazu
gebe. Jud. 8, 25 ; vnd wirst auff deinem wege
kein glück haben. 5 Mos. 28, 29 ; ein böse
maul wird kein glück haben auff erden, ps.
140, 12; er wird das glücke nicht haben,
das jemand seines samens auff dem stuel
Dauid sitze. Jer. 22, 30 ; du solt jnen weder
glück noch guts wündschen. 5 Mos. 23, 6 ;
wündschet Jerusalem glück, ps. 122, 6;
gleich wie man einem glück vnd heil wündscht,
wenn er was newes anfehet. das schöne con-
fUemni. (1530). Nij*; wer es besser machen
kan, dem sey gnad vnd glück gewünscht.
von den condlijs. (1539). Jiij'; gnade vnd
gluck von gott dem vater zum neuen heilig-
thum. de Wette br. 2, 136; glück vnd wol-
fart. vber das erste buch Mose. (1527).
SS üij * ; -ein kluger könig ist des volcks glück.
weish. 6, 26. — glück zu, salve: wir
grüssen also auff deudsch, guten abind, glück
18*
GLUCKE
140
GLOCKSELIG
zu etc. gl. XII Matlh, 26» 49 ; glück zu dem
könige {vulg. vival rex). 1 Sam, 10, 24;
glück zu, er könig (vulg. salve rex). 2 Sam,
16, 16. — sprichwörier : weis glück hat,
der füret die braut heim, von ehesachen,
(1530). Eij^; je mehr Icute, je mehr glück.
der 147. psalm, (1523). üij*; yhe erger
schalck, yhe b^szer glück, der 112. psalm.
(1526). aiij*.
3) glücksgüler, reichthum: sein glück {be-
sitz) wird sich nicht ausbreiten im lande.
Hiob 15, 19.
Cilicke^ /*. brulhenne, mhd. klucke (Lexer
1635), bei L. name des Siebengestirns, die
plejaden: er machet den wagen am himel
vnd orion vnd die glucken. Hiob 9, 9; die
glucken oder die henne sind die sieben kleine
gestirne. gl. zu dieser stelle ; er macht die
glucken vnd orion. Arnos 5, 8 ; glucken, die
pleiades genant sind. gl. zu dieser stelle,
Cllnr kf ■; vom rufen der bruthenne : vnd
ist doch eyn armer vngelerter mensch seyn
leben lang blieben, der widder zu glucken
noch zu eyer legen getücht hatt. an die rad-
herm. (1524). Eij*.
Clnckeii; gelingen, von statten gehen,
mhd. glücken, gclücken {Lexer S29) : was wir
nicht mit gott anfahen, das mus zerfallen vnd
wird nicht glücken, der 112. psalm. (1526).
a 7 * ; da der könig mit seym volck sähe, das
yhm so schleunet vnd glücket zu seym
königreich, da wuchs yhn der mut. der
proph. Habacuc. (1526). eiij*; vnd es
glückt jm. 2 Macc. 10, 23; es glückt
manchem in bösen Sachen, aber es gedeiel
jm zum verderben. Sir. 20, 9; vnd ist yhm
durch hülfle des teuffels glücket (geglückt),
post. (1528). 233*.
dluckiiaftlg, glück habend, glücklich,
mhd. gelückhaftec (Ben. 1, 1050. Lexer
829): war ich nicht glückhaiTiig ? Hiob 3,
26 var.
Mickhenne^ f. was glucke: der herr
spricht, er were gern yhre gluckhenne ge-
wesen, post. (1528). 136**; wiedieiungen
hunlin vnter der gluckhennen. ausleg. der
ep. vnd euangelien vom ehristag. (1522).
Kiiij ' ; darumb müssen wyr vnsz vnter dieszer
gluckhennen flugel schmucken, ebend. Lj ^ ;
vnd reisset dicli hin wie der weihe das küchle
ausser der gluckhenne flugel« da^ 17. cap.
s. Joh. (1530). Kiij<>. in schrißen, deren
herausgäbe L. nicht selbst besorgte, auch
noch mit hartem änlaut: vnter die flügel
der kluckhennen. ausleg. der euang. von
ostem etc. (1527). Q7*.
llliickhibB, n. dasselbe: er ist eine edle
henne, ein fein gluckhun. Eisl. 2, 267 *.
Ciiäf klein (glücklin), n. kleines glück:
ich habe auch dagegen gesehen etliche so
kecke vnd stoltz sind gewest, wenn jnen die
menge anhieng, das sie krafll zufall vnd bey-
stand liatten, etwa ein glücklin vnd sieglin
erlaugeten. Eisl. 1, 533*.
Uäcklich; adv. feliciter, inhd. gelücke-
liehe {Lexer 829): das lies der herr glückhch
abgehen. 1 Mos. 39, 3 var. ; also baweten
sie vnd gieug glückhch von staten. 2 chron.
14, 7 ; ein man, dem es glückhch von Stadt
gehet, vber das erste buch Mose. (1527).
ssiiij'; dem sein mutwille glücklich fort
gehet, ps. 37, 7 ; so bald ich glücklich
widerumb herkome. 1 Macc. 7, 35; wer
nach gottcs wort sich richtet, der handelt
weislich vnd glücklich, gl. zu Jos. \ , 8.
dlücklin^ s. glückleiu.
tiluckseligy beatus, fortunatus, felix,
glücklich, *voü glück*, mhd. gelücksaelic
(Lexer 830): so war Jerobeam auch ein
feiner glückseliger könig. Bindseil 7, 399;
vnd der herr war mit Joseph, das er ein
glückseliger man ward. 1 Mos. 39, 2 ; eyn
man, der glucksehg ist, dem es wol gehet.
das Jhesus eyn gebomer Jude sey. (1523).
Ciij'^; das Sprichwort sagt, das hurkiuder
gluckselig seien, einer aus den hohen arti-
kein. (1537). Diiij''; nu aber bin ich auch
glückselig, das man mich auch mutter kan
hcissen. 176er d<is erste buch Mose. (1527).
Ttj'; Hiskia war glückselig in alle seinen
wercken. 2 chron. 32, 30; das sie ym streit
glückselig sind gewest. der proph. Habacuc.
(1526). j'; die lageweler, das sind die da
etliche tag vnsletig, etliche gluckselig orrtern
tzu reyszen(ret«en). ausleg. der ep. vnd euang.
vom christag. (1522;. fff iiij ' ; das heyssen
wir einen sehg tag, einen glückseligen tag.
post. (1528). 318''; glückselige zeit. J^n.
1, 265*; glückseliger stand. Hiob 30, 15;
glückselige schlachten. 2 Macc. 15, 9.
GLÜCKSELIG
141
GNADE
Cliekseiigy adv. feUciier, prospere, nach
wünsch, mt'l gulem erfolg: falir glückselig.
1 kön. 22, 12; wenn nitrs glück9elig gienge,
habe ich nicht meine freude darinnen gehabt.
gl. zu Hiob 31, 26 ; etlich lassen mesz halten,
das sie reycli werden vnd yhn in yhrem han-
del gluckselig gehe, serm^ von dem n. tesl,
( 1 520). Dij ^ ; der könig Ludwig solt vUleicht
glückseliger imil mehr glück) gestritten haben.
vom kriege tcidder d. T, (1529). Bij*.
ttllckscligkcitj f. prospetilas, mhd, ge-
Ittcksaelecheit (Lexer 830) : beware glück-
selikeit vnd bedechtikeit. spr» Sal. 3, 21
rar.; auff das sie allein in glückseligkeit le-
ben. Jen, 1, 400 ^
mickscliglich^ glückseligliche, adv, feU-
ciier: das er sein irdisch reich rugiglieh vnd
glückseliglich regire. ein ein f eltige weise zu
beten, (1535). Bj'; also schleunig vnd
glückseü^ich. derproph,Sacharja, (1528).
Piiij * ; also volendet Salomo das haus des
herm, vnd alles was in sein hertz komen war
zu machen im hause des herrn vnd in seinem
hause glückseligliche. 2 chron, 7, 11.
UickspM, n. hazardspiel: wie denn aufl*
w^ürfTeln vnd andern glückspielen geschieht.
der proph. Jona. (1526). Eiiij^
ClIikeBi candere, L. glüen, anfangs auch
die md, form gluwen {grund vnd ursach.
1521. Giiij^), mhd, glüen, glüjen {Ben. 1,
551 ^ Lexer 1040), ahd. gluoan {Graff 4,
291): wiemessing, das im ofen glüet. offenb,
Joh, 1, 15; eisen, das in der essen ligt vnd
glüet. von der heil, tauffe, (1535). Ej*";
sein ödem ist gluende kolen (Jen, 1, 89':
sein atliem macht kolen glüend). Hiob 41,
12 var,; eine glüende kole. Jes, 6, 6; die
drey menner im glüenden ofen. Bindseil 7,
361 ; in den glüenden ofen geworfen werden.
Dan, 3, 6; das wort wird yhm ein glüender
spies ym hertzen gewesen sein, vber das
erste buch Mose, (1527). Aaij^ un-
eigentlich: die disleln wachsen, blühen vnd
gluen daher, wie eine schöne metze. vier
predigten, (1546). Oiij'.
UlH, trübe, schmutzig: du trübest das
wasser mit deinen füssen vnd machest seine
ströme glum (os*n; Ezech, 34, 18 über-
setzt L, dasselbe wort durch 'trübe'). Ezech.
32, 2 ; bis das glum vnd trübe wasser sihc
setze. Jen, 6, 543 '.
das wort ist niederdeutsch (brem. me-
dersächs. wtb, 2, 519) und dasselbe mit
engl, gloom dunkel, düster,
ClIiHwen, s, glimmen.
Sllt| f, pruna, ardor, mhd. gluot {Ben.
1, 551^ Lexer 1041), ahd. gluot (Graff
4, 292); zu glühen (vgl, Weigand wtb,
1, 448 unter glüh): vnd sol einen napff vol
glut (glühende kohlen) vom altar nemen. 3
Mos, 16, 12; die kolen ein glut vnd holtz
ein fewr anrichten, spr. Sal. 26, 21 ; es
schmidet einer das eisen in der zangen, er-
beitel in der glut. Jes. 44, 12 ; es wird nicht
eine glut sein, da bey man sich werme. 47,
14; lege auch den toplT lehr aufl* die glut.
Ezech, 24, 11; es brennet liechter lohe vnd
heller glut. von den Juden etc. (1543).
diij*; welch ein fewr vnd glut brennet da.
ebend. eij'; der hellen glut. serm, auf
Luc. 16. (1523). Bij'; in der belle glut.
da« 5. 6. vnd 7. cap, s. Matth. (1532).
Di]-.
ülitr^tk, feuerroth: das eyssen wirt
gluttrodt. von der freiheit eines Christen-
menschen. (1520). Aiiij^
CIIm, gluwy s. glu.
Uiwen^ s. glühen.
ClMckeH; s. knacken.
diiadkriefj m. ablaszbrief: die gnadbrieue
verwesen. Jen. 1, 196*. — mhd. genäde-
brief (Lexer 850).
dnaildttntigi giadedurstigi nach gnade
verlangend: geysthüngrig vnd gnaddürstig.
grund vnd vrsach, (1521). Fiij * ; bisz wir
gar gnaddurstig werden, deutsch ausleg. des
67. psalms. (1521). Aiüj*; da durch der
mensch solche seine sunde erkenne vnd
gnaddürstig werd. post. (1528). 194';
die dritten aber, die das gesetz fulen vnd yhr
gewissen sie beysset, die sind gnadedürstig.
ebend, 1, 197'; die gnaddürstigen ledigen
geister. ebend. 166'.
ünade (genade. vber das erste buch Mose.
1527. rij^ post. 1528. fol. 235'; ajj.
gesch. 2, 47), gratia, benevolentia , mhd.
gnÄde, genide {Ben, 2, 337** — 342".
Lexer 850), ahd. k(g)inAda {Graff 2, 1025).
die grundbedeutung des Wortes, welches mit
GNADE
142
GNADEHERR
nieder mu einer tourtel gehört (vgl. Wei*
gand wlb. 1, 448 u. 2, 266), ist „neigung,
niederlassung", aus welcher sich die heulige
hedeutung „wohlwollende, helfende geneigt-
heit gegen einen geringem, huld, gunsV,
entwickelt hat,
1) zumeist steht gnade von dem wohl-
wollen, der gute, der huld gotles gegen die
^ menschen: gnade eigentlich heisset gottes
hulde oder gunst, ^ie er zu vns treget bey
sich selbs, aus welcher er geneiget - wird,
Christum vnd den geist mit seinen gaben in
vns zu giessen. Bindseil 7, 435 ; herr, herr,
gott barmhertzig . . . vnd von grosser gnad
vnd trew. 2 Mos, 34, 6 ; die gnade des, der
in dem busch wonete, kome auff das heubt
Joseph. 5 Mos, 33, 16; thu wol an Zion
nach deiner gnade {var, deyner gütte u. deinem
gutten willen), ps. 5t, 20; ich wil singen
von der gnade des herrn ewiglich. 89, 2; das
kind wuchs . . . vnd gottes gnade war bey jm.
Luc, 2, 40 ; die gnade vnsers herrn Jhesu
Christi sey mit euch. Rom, 16, 20. pl, gna-
denerweisungen, gunstbezeugungen : die ge-
wissen gnaden Dauids. Jes. 55, 3 ; die grew-
liche, schreckliche verachtunge beide des
sacraments, euangelij vnd aller gnaden gottes.
der 111. psalm, (1530). Aij " ; freiheit geben
vnd gnaden thun. 1 Macc, 10, 28. gnade-»
gnadengabe : wer die gnade hat, das er mit
lust vnd liebe keusch kan leben, das 7. cap.
Cor, (1523). Biiij».
2) wohlwollen, gunst der menschen gegen
menschen, doch nicht ausschlieszlich von der
Zuneigung eines hohem zu einem ^geringem :
vnd hatten genade bey dem gantzen volck.
ap. gesch. 2, 47 ; sein {des königs) gnade ist
wie ein abendregen, spr. Sal, 16, 15; der
fürsten gnade misbrauchen. st, Esth. 6, 2 ;
die gunst vnd gnade des testatoris. serm,
von dem n. lest, (1520). Biij*; der vbir-
hochvorstendigen gunst vnd gnad weysz ich
nit zuuordienen. an den christl, adel, (1520).
ki}^; ausz könighcher gnaden, antwort
deutsch, (1522). Ciiij''; das aber der psalm
(101, 1) gnade vnd recht nennet ist gesagt
nicht von gottes gnaden vnd recht, sondern
von der gnade vnd recht, so ein fürst gegen
seim gesinde vnd vnterthan vbet . . . von
gnade vnd recht, das ist von wolthat gegen
die fromen vnd straffe gegen die bösen. Jen,
6, 140*.
3) redensarten. um gnade bitten, auch
blosz gnade bitten, gnade suchen, finden, an-
nehmen, erlangen, erwerben, zu gnaden kom-
men, in gnaden sein : du soll nicht für dis
volck vmb gnade bitten. Jer. 14, 1 1 ; schrien
laut vnd baten gnade. 1 Macc, 13, 45; lasst
vns gnade suchen mit threnen. Jud. 8, 12 ;
Noah fand gnade für dem herrn. 1 Mos, 6,
8; herr, hab ich gnade funden für deinen
äugen. 18, 3 ; nemet an meine gnade. 2hon.
18, 31; vnd kundten dennoch mit solcher
ehre keine gnade erlangen. Jud. 3, 9; das
dienet nicht gnade zuerwerben. 8, 10; die
sich bessern, lesst er zu gnaden komen. Sir.
17, 20; da er bey dem könige in gnaden
kam. 2 Macc. 4, 24 ; seine heiligen sind in
gnaden, weish, 3, 9. gnade anbieten, er-
zeigen, geben, thun: wenn den gottlosen
gleich gnade angeboten wird, so lernen sie
doch nicht gerech tigkeit. Jes. 26, 10; ich
wil jm gnade erzeigen. 1 Mos. 44, 21 ; er
wird gott bitten, der wird jm gnade erzeigen.
Hieb 33, 26; ich wil diesem volck gnade
geben für den Egyplern. 2 Mos. 3, 21; der
herr gibt gnade vnd ehre. ps. 84, 12; der
herr hat gnade zu meiner reise gegeben. 1
Mos. 24, 56 ; aber der herr thet jnen gnade.
2 kön, 13, 23. mit gnaden, gnädiglich: mit
gnaden gezüchtiget, weish. 11, 10; den sihet
gott an mit gnaden. Sir. 11, 13. — bitl ich,
e. f. g. wollt mirs zu gnaden vor gute haben.
de Wette ftr. 1, 207.
4) als ehrentilel hoher (fürstlicher) per^
sonen : meinem gnedigstenn vnnd lieben herrn
hertzog Friedrich churfursten zcu Sachszen
zcu seyner gnadenn handenn. aufschrift eines
br. V, j, 1517 im ges, archiv zu Weimar
reg. N, 108, 4 1 ; dasz es möchte aufgeschoben
werden bis zu der anherokunft Ihro fürstl.
gnaden, de Wette br. 6, 288 ; ewr gnaden
vnd ehrufeslen fugen wir zu wissen, ebend,
5, 660. in den briefen L,'s begegnet häufig
die abkürzung e. f. g. =» euer fürstliche
gnaden.
diadedttrstig, s, gnaddürstig.
tinadeherr, gnadherr, m. gnädiger herr,
ein adlicher: das yhr land vnd leute müsten
gnadherr heissen. vber das erste buch Mose,
GNADEJUNRER
143
GNADENREICH
(1527). iiij*; vnd wir solten sie noch dazu
nicht für feinde hallen, sondern gnadeherr
heissen. der 110. psalm. (1539). Nij^
liiadcjaikerj giaijiikerj m. dasselbe :
der hapst wen (trenn) er sich wil lassen coni-
mnnieiern, stille sitzt als ein gnadjungker. an
den chrisü. adel, (1520). Gj'; vnd solle
sie noch gnad iuncker heyssen. von weltlicher
vberkeyL (1523). Aij**; so kan er jr nicht
heucheln, noch gnadjuncker heissen. das 5.
6. vnd 7. cap, s, Mallh, (1532). hiiij*;
was die gnadejuncker vher dem hohen tische
gebieten, widder das bapstum. (1545).
Biij ^
CiaifB; gnade erzeigen, gnädig sein,
mhd. gn4den, gen4den {Ben, 2, 343*. Lexer
851), ahd. g(k)in4dÖD (Graff2, 1030); sihe
mich an vnd gnade mir (bibel: sey mir gnedig).
ps. 119, 132 var,; gnade mir, du barmher-
tziger gott. das 14. vnd 15. cap, s, Joh,
(1538). gggij"; gnade dir gott, du armer
Jeremia. vom schem hamphoras. (1543).
Jiiij * ; hilfl' vnd gnade vns, Heber vater. Jen,
1, 252 ^ in folgender stelle s, v, a. den
Ulel gnaden geben: fursten vnd herrn gibt er
grosse ehre vnd herrligkeit . . . setzet sie auff
sammat küssen, lesset jnen knie beugen vnd
gnaden, das 16. cap. s, Joh. (1538). Tiij*.
ÜBadeibiMi n. ein bild, dessen anschauen
gnade bringt, in der römischen kirche ein
wunderthätiges heüigenbild, besonders ma-
rienbild: der gnadenbilde ist nichts anders,
denn Christus am creutz vnd alle seine lieben
heihgen. wie verstehet man das ? das ist gnade
vnd barmhertzigkeit, das Christus am creutze
deine sünde von dir nimpt vnd tregt sie für
dich vnd erwürget sie, vnd dasselbe festiglich
gleuben vnd für äugen haben, nicht daran
zweiueln, das heisst das gnadenbUd ansehen
vnd in sich bilden. Jen. 1, 182'; damit sie
vns blöd vnd vorlzagt machen vnd das tröst-
lich gnadeubild vor blenden, als man den taffel
that in der fasten, das magnificat. (1521).
euj^
CiaienUickj m, das schauen der gnade
(gottes): am creutz odder jnn dermutter schos
sihet man nichts denn einen meoschen, an
dem kein zorn noch schrecken ist, sondern
eitel freundligkeit vnd hertzliche liebe vns zu
helffen, wenn du alier solchen bhck faren
lessest vnd hinauff kletterst jnn die maiestet,
so mustu anlauffen, erschrecken vnd zu rück
falleo, weil du dich selber ausser dem gnaden-
blick rückest vnd jnn die blosse maiestet gaf-
fest, die dir zu hoch vnd schweer ist, denn
ausser Christo kan die natur kein gnade noch
liebe jnn gott sehen, noch erlangen, das 17.
cap.s. Joh. (1530). Hj*.
Üiaieabflchj n. das newe testament ein
euangehum oder gnadenbuch ist. Bindseil
7, 304.
üiftäeiiieist, m.geisl der gnaden :ddirumh
wie jr werdet haben den gnadengeist ... so
werdet jr auch haben den geist des gebets.
das \Q. cap. s. Joh. (1538). Bbiiij^
üiaieihiniMel, m. in welchen uns gott
aus gnaden au fnimml : der gnadenhimel. der
117. psalm. (1530). Fij^ voUständiger
s. die stelle unter gnadenreich n.
ttBaienlf hre (gnadenlere), f. das evange-
lium von Christo : im newen testament neben
der gnadenlere auch viel andere lere gegeben
werden, die da gesetz vnd gebot sind. Bind"
seil 7, 304; weil gott hie (5 Mos. 18, 15)
eiuen andern Mose verheisset, den sie hören
sollen, zwinget sichs, das er etwas anders
leren würde, denn Mose . . . darumb ists ge-
wis von der gnadenlere vnd Christo gesagt.
ebend. 7, 312.
Cnadenlicht (gnadenliecht), n. die gött-
liche erleuchtung: es mus yhe niclit finster-
nis da sein, so das liecht wird angezündet, ob
schön finsternis aus gebrechen des gnaden-
liechts da ist. aber von dem gnadenliecht
reden sie nicht, so müssen sie auch von ^em
selben Gnsternis nicht reden, post. (15281.
119*.
üiaienpreisHg, f. das preisen der {gött-
lichen) gnade: nu last vns sehen die wort,
die er braucht zu solcher gnadenpreisung.
post. (1528). 92 ^
ÜMdenrcich ; gMiitreich, giaircieh,
reich an gnade, gnädig, mhd. genädenrScbe
(Ben. 2, 688''. Lexer 852): gotlreiche,
gnadreiche menschen. post. (1528). 76^;
gnadreich vnd gottreich, ausleg. der ep. vnd
euang. vom christag. (1522). Bij'^; mit
detn vnglawben machstu diesze thewre trost-
liche gnadreyche wort tzur lugen, ebend.
Jj * ; bitte auch daneben gott, das er vns bey
GNADENREICH
144
GNÄDIG
seinem Hecht vnd gnadenreichen wort erhalte.
der barfusser münche Eulenspiegel. ( 1 542 ).
t3*; gnadenreiches sacrament. die ander
ep, Pelri. (1524). eiiij^; das hochwirdig,
gnadenreich, heilig sacrament der busse.
Jen. \, 65*^; (die laufe) fnichtbarlich vnd
gnadenreich wasser heisset. deudsch calech.
(1529). Vj**; ist aber mit solchen gnaden-
reichen Sprüchen vnd hohen deutungen ge-
sehmücket. vber das erste buch Mose, (1 527).
r ij " ; der seinen gnadenreichen bund der ver-
gebunge der sünden nicht aufT vnser verdienst,
sondern auff sein wort gegründet hat. der
111. p«a/m. (1530). Hj*».
üiiadenff ich, gnadereich, n. regnum gra-
liae, reich der gnade, himmelreich : sein
(Christi) reich ist ein gnadereich, ein hulflfe-
reich, ein trostreich für alle arme sunder. ep.
des proph. Jesaia, (1526). Ej'; auff das
yhr viel zu dem gnadenreich komen, der er-
lösung teilhafftig werden, deudsch catech,
(1529). Qiiij^; du must das gnadenreich
kindlicher weise also fassen, das gott habe
durchs euangelion einen newen grossen lümel
vber vns, die wir gleuben, gebawet, das heisse
der gnadenhimel. der \\1 . psalm. (1530).
Fij ^ ; fluchen vnd verfolgen widder das liebe
gnadenreich treiben, ebend. Gj^.
finadenspmch, m. gnade zusagender
Spruch, verheiszung : also sind im alten te-
stamentneben den gesetzen etliche verheissung
vnd gnadensprüche. Bindseil 1, 304.
Üiadenstaidy m. doch ist das auch klar,
das er yhn wiedder zu gnaden nimpt, erbar-
met sich vber yhn vnd gäbe yhm eine gnedige
absolution vnd bracht yhm widder ynn den
gnadenstand, vber das erste buch Mose.
(1527). Jij''.
ünadenstnhl (gnadenstuel , gnadenstul),
gnadestiel {von den Juden. 1543. Tiij"),
m. der deckel der bundeslade als thron des
gnade und Vergebung spendenden goltes,
n'nte, LXX : llaar'^Qioy , vulg. propitia-
torium: du solt auch einen gnadenstuel ma-
chen von feinem golde. 2 Mos, 25, 17 ; vnd
solt den gnadenstuel oben auff die lade thun.
v. 21. von Christus f dessen vorbild die
kapporeth war: welchen gott hat furgestellet
zu einem gnadenstuel. Rom, 3, 25; darumb
lasset vns hinzu tretten mit freidigkeit zu dem
gnadenstuel {d-Qovog ttjg ydQirog), Hebr.
4, 16; denn so leret mich die schrifft, das
gott den menschen zween stule gestellet habe,
einen rechtstul für die so noch sicher vnd
stoltz sind vnd jre sunde nicht erkennen noch
bekennen wollen, vnd einen gnadenstul für
die armen blöden gewissen , die jre sunde
fulen vnd bekennen, für seinem gericht ver-
zagen vnd gerne gnade betten, summa des
Christi, lebens, (1533). Diiij^
ünadeirelk, n. die leute, welche allein
aus gnaden gerecht und selig werden wol-
len, gegensatz von gesetzvolck, werkheiligen :
das ander volck ist gnadenvolck ... das sind
die, so nach dem heiligen euangelio mit dem
geist verzeichnet werden, wie Paulus zun
Römern schreibt, vertrawen auff Christum
nicht auff werck. vber das erste buch Mose.
(1527). piiij^
Ciadeprediger^ gnadpredigcr^ m. 1)
Prediger der in Christo erschienenen gnade,
gegensatz von gesetzprediger : ein gesetztrei-
ber dringet mit drewen vnd straffen, ein
gnadeprediger locket vnd reytzet mit erzeygter
göttlicher gütte vnd barmhertzigkeyt. post,
(1528). 252*.
2) was ablaszprediger : dise vnd dergley-
chen sprüch prediget kein gnadprediger gerne,
hören sie auch nicht gerne ynn das volck
bringen, denn daraus folget, das das ablas
niemant not ist. eyn serm. von dem ablasz.
(1520). Diiij*.
Cnadcreich, s, gnadenreich.
Cnadgicrig (gnadgirig), begierig nach
gnade: die durchs gesetz beschweret, tödtet
vnd gnadgyrig worden seyud. auff das vbir-
christl, buch, (1521). Fj*; die selb demut
macht dich recht gnadgyrig (post, 1528.
78'': gnadgirig) vnd heylsuchtig. ausleg, der
ep. vnd euang, vom christag, (1522). Dij'.
Cnadgierigkeit (gnadgirickeit), f, die be-
gierde, das verlangen nach gnade : wo aber
solch demutig gnadgyrickcyt ist, da ist der
gnaden die thur auffgethan. ebend, Dij '.
Cnadherr, s. gnadeherr.
Gaädig (gnedig, vereinzelt auch noch ge-
nedig, z. b. vber das erste buch Mose, 1527 .
ej'; q iij"), bamü^ertzig , wohlwollend.
GNÄDIG
145
GNATZIG
gwulig, mhd. genaedec (Beii. 2, 343 ^ Le-
xer S50), ahd. kanAdtc (Graff 2, 1028).
a) von personen : herr, herr, goll bariri-
hertzig vnd gnedig. 2 Mos» 34, 6 ; du bist
ein gnediger vnd barmhertsiger gott. Neh.
9, 31; der gnedige vnd barmherlzige herr.
ps. 1 1 1 , 4 ; so wirstu vnd deine söne einen
gnedigen köntg haben. 1 Maee. 2, IS; so
seit jr einen gnedigen herrn an jm haben. 2
Mace. 7, 24; Mkd jhn lassen ein gnedigen
fursten finden. deWetie br. 2, 381.
h) von sacken : es ist eine gnedige zeyt,
darynnen gott seinen zom abwendet, eylel
liebe vnd lust vnd wolgefallen hat an vns wol
zu thun. post, (1528). 31S''; ich hab dich
erhöret zur gnedigen zeit. Jes. 49, 8; zu
predigen ein gnedigs jar des herrn. 62, 2 ;
vnd wil mein gnediges wort vl)er euch er-
wecken.' Jer, 29, 10; gnedige zusagung.
serrn. von dem ablasz. (1520). Cij**; eine
sanfTte, gnedige straffe, vber das erste buch
Mose. (1527). Mj**; gnedige gaben go lies.
der 147. psalm. (1532). Ciüi**; gotles
gnädiger, guter wille. de Wette br, 6, 221;
ere sey got im höchsten, frid der erden, gne-
diges wolgefallen den menschen, von den
gutten werchen, (1520). Biij*, varzu.Luc.
2, 14; gnädige frist. de Wette br. 5, 185;
ein gnädigs antwort. ebend. 3, 371.
c) gnädig sein, werden mit dat.: gott sey
dir gnädig mein son. 1 Mos. 43, 29; wem
ich aber gnedig bin, dem bin ich gnedig. 2
Mos. 33, 19; das du vnser missethat vnd
Sünden gnedig seiest. 34, 9 ; gott gab Da-
niel, das jm der oberste kemerer günstig vnd
gnedig ward. Dan. 1 , 9 ; szo were eyn hoff-
nung, das vns gott eyn wenig gnediger
wurd. ausleg. der ep. vnd euang. vom
christag. (1522). sssj^
d) als epitheton adelicher, fürstlicher
personen : die gewaltigen heisset man gnedige
herrn. Luc. 22, 25; meyn gnediger herr
graff. eyn sendbr. ob auch yemand etc.
(1522). Aj**; gnedigister herr vnd fürst.
imginalbr. v.J. 1517 im ges. archiv zu
Weimar, reg. N. 108. 41; — vnser gne-
digen fraweii Sibilla hertzogin zu Sachsen.
oeconomia ehrisUana. (1529). Aij*; vnd
die weisen giengen wider zu der königin vnd
Dnrz, W6rterbaclL. IL
sprachen zu jr, gnedige fraw. vom schem
hamphoriu, (1543). BjV
faMigllck (gnediglich), gnediglichen [vber
das erste buch Mose. 1527. yj''], adv. mit
mneigungt wohlwollend, mhd. gensdecltche,
-en (Ben. 2, 344*. Lexer 851): sihet sie
gnediglichen an. euang. vim den izehen aus^
setzigen. (1521). Diiij"; du wolltist dieszen
N. genediglich ansehen, das tauf bü^lin.
(1523). a iij'*; vnd der herr sähe gnediglich
an Habel vnd sein opffer, aber Kain vnd sein
opffer sähe er nicht gnedigUch an. 1 Mos. 4,
4. 5 ; also wU ich mich gnediglich annemen
der gefangenen aus Juda. ier. 24, 5; du
wolltest deine magd gnediglich hören. Jud.
11,4; hilff mir gnedigUch. 13, 6 ; gnediglich
straffen. 2 Maec. 10, 4; gnediglich vnd
sanfft regieren, st. in Esther 1, 2; gnedig-
lich trösten, von den Juden. (1543). Yiiij'';
gnediglich vermanen. an den kurfürsten zu
Sachsen. (1545). Cüj '' ; e. k. f. g. wird sich
wol wissen gnädighch gegen ilim zu halten.
de Wette br. 3, 416.
fiiaijul^r, s. gnadejunker.
CnaüUSj ohne gnade, mhd. geni)ldel6s
{Ben. 2, 344'*. Lexer 851): szo ist nu das
erst bösz stück aller menschen, das sie got-
losz, heyllosz, gnadlosz seynn. ausleg. der
ep. vnd euang. vom christag. (1522). Biij* ;
ich möcht gerne, das man sie nennet gnadlose,
denn darumb spricht Paulus, das die heil-
wertige gnade sey erschienen den gnadlosen
menschen. post. (1528). 73''.
UmsiifTtiigtTf s. gnadeprediger.
flBadreichj s. gnadenreich.
Cnali, m. ein hautausschlag, schorf mhd.
gnatz (Ben. 1, 552 \ Lexer 1041): wolt
gern seinen bösen grind vnd gnatz an mir
abreiben, die kl. antwort. (1533). Gj*;
seinen grind vnd gnatz zu reiben, wider
Hans Worst. (1541). Ai}\ — vgl. Vil-
mar idiot. 131.
finatf e^ f L. gnetz und genetz, dasselbe :
das gesetz vber die beulen gnetz vnd eiter
weis. 3 Mos. 14, 56 ; ein grind odder genetz
am leib, das 5. 6. vnd 7. cap. s. Matth.
(1532). Giij*. — die etymologie dieses wie
des vorhergehenden Wortes ist noch dunkel,
vgl. Weigand wtb. 1, 449.
Unatiig (gnetzig), mit dem gnatze 5e-
19
GNÄTZICHT
146
GOLDFASTEN
haftet: kretzig, gnetzig vnd vnreia. vier
predigten, (1546). Liij^
üiitridil (gnetzicht), dasselbe: hastn aber
brieff vnd siegel < . . so mus dirs werden, ob du
schon grindicht, gnetzicht (der originaldruck
hat gnetzischt, ein Baseler naehdruck : gne-
tzisdi, ein Nürnberger : kretzischt), stinckend
vnd auffs vnreinest werest. Jen, 1» 311".
Snaw, fßvwtf s, genau.
UntU, s, gnätze.
fiietiicht^ gB€tiischt> s. gnätzicht.
Itntlie, m.yyiMfiri, sententia: wir wissen
aber, das Christus fleisch nicht kan vnter den«
Spruch gelioren (was aus fleisch geboren ist
das ist fleisch) wenn es gleich zehen mal ein
gnome were ... es thut nichts zur Sachen, das
ein gnome ist. vom abendmal Christi.
(1534). niij".
Cnng^ gnigde^ gniige, gaogeii^ gnagiS'
gMOgsaii^ gnigsaMlich, gnagthner^ gnag-
IhoD, goigthniog, s. genug, genügde, ge-
nüge, genügen, genügig, genugsam, genugsam-
lieh, genugthuer, genugthun, genuglhuung.
ÜöekelHaDiilelii (göckelmcnlin), n. md,
nebenform von gaukelmännlein (s, d,): als
were er {sc, gott) ein narr oder göckelmenlin,
dem es kein ernst were mit seinem drewen.
vermanung zum gebet, (1541). Aij •'.
Saekelnarr, m. gaukelnarr, narr: gerad
als musten die Deutschen für allen Christen
aufl* erden des bapsts vnd romischen stules
gockelnarn sein, an den christl. adel.
(1520). Fiij-.
Cockea, ructare, vomere: wenn sie widder
komen von des teufTels altaren, so komen sie
her zum heiligthum des herrn mit vnfletigen
henden die noch stincken vom opffer geruch
vnd göcken noch von der giß'tigen speise der
götzen. das diese wort, (1527). piij"; vnd
hofle, solch lestermaul sey nu ein wenig ge-
stopfl't, wie wol noch ethcbe mucken vnd
göcken. von den scMüsseln, (1530). Biiij'*;
ein stanck dafür man speien vnd göcken
müsse, ein brief an den ertzbischof zu
Meintz, (1530). Bij''; die Juden sinds so
satt, voll vnd truncken, das sie göcken vnd
vbergehen. ein serm, von dem haubtman zu
Capemaum. (1535). Ciijs vgl, köcken.
Mckler, m^gaukler: das ich sie für meine
stocknarren vnd göckler habe, auf des königs
von England lesiersehrift. (1527). Aij^
Sag, nom. prop, 1) fürst des Volkes
Magog, Ezech. 38 u, 39. 2) offenb. Joh.
20, 8 wird Gog als ein besonderes volk
neben Magog genannt, — L, verstand unter
Gog die Türken: Gog das sind die Türeken,
die von den Tattern herkomen, vnd die roten
Juden heissen. gl. zu offenb, Joh, 20, 8.
SoM (golt, gollt), n. aurum, das edelste
metall, mhd, golt (Ben, 1, 553*. Lexer
1046), ahd, gold {Graff 4, 194), goih.
gul|) : dasselbs findet man gold vnd das gold
des lands ist köstlich. 1 Mos, 2, 11. 12;
Abram aber war seer reich von vieb, silber
vnd gold. 13, 2; vnd vberzeuch sie (die
Stangen) mit gold. 2 Mos. 25, 13 ; vnd soll
zween cherubim machen von tichtem golde.
v, 18; gedigen gold. zwo hochzeitpredigten.
(1535). Cij'; man sol den deutschen narren
das golt ableckern. von dem bapstum,
(1520). Aiiiji*; die sonne so schier scheinet
aufT einen kot vnd vnflat als auff gold. der
101. psalm, (1534). Mj^ vergleichend
und bildlich : vnd schlieszen, das der ehestand
gollt vnd der geystlich stand dreCk ist. da^
l.cap.Cor. (1523). Dij"; der allmechtige
wird dein gold sein. Hiob 22, 25. aus gold
gemachtes, Schmucksachen: wer hat gold,
der reiss es abe vnd gebs mir. 2 Mos. 32,
24 ; welcher geschmuck sol nicht auswendig
sein mit harflechten vnd gold vmbhcngen. 1
Pet. 3, 3.
Saldberg, m. goldbergwerk, mhd, goltb6rc
(Lexer 1047): darümb ist kein goldberg
noch sylberberg ynn einem lande diesem schätz
(einem frommen pfarrer) zuuergleichen. der
82. psalm. (1530). Cüj'*; alle sQber vnd
goldberge, ein widderruff vom fegefeur.
(1530). Aiij''; er hat auch silber vnd golt-
berge unendlich viel, wider den wucher,
(1540).. Mj*.
Saldea, aureus, s. gülden.
Saldfarb, wie gold aussehend: so werden
die fittiche der tauben vber sylbert seyn vnd
yhre flugel goltfarb. ps. 68, 14 var, —
mhd. goltvar {Ben. 3, 237''. Lexer 1050).
fioldfastea, f. quatemberf asten, mhd.
gollvaste {Ben. 3, 278*. Lexer 1050): die
GOLDGEWICHT
147
GÖNNEN
vier goldfasten odder notfasten. das 5. 6.
vnd 7 rcap. s. Uatlh. (1532). kij".
teMgewickt, n. das zur ermiUelung der
sdiwere des goldes übliche gewicht: gold
nach dem goldgewicht. 1 chron. 29, 14.
teMgiMei^ m. eine goldmünxe, mhd.
goltguldin (Lexer 1048): sie hat mir auch
zween stürtzbecher vnd hundert goldgulden
drinnen geschenckt. Burkhardi briefw.
289.
Mttau^ n. ein hauSj worin gold auf'
hewahrt wird : da sind löhrheuser, heulheuser,
doch auch goldheuser, silberheuser» kleinot-
heuser. Bindseil 7, 382.
MdUümpcn^ m. aitrt massa : hab ich zu
den goldklumpen gesagt, mein trost? Hiob
31, 24.
teMlMkj n. : Franckfurt ist das sylber
vnd goltloch, da durch aus deutschem land
fleusst, was mir quiUet vnd wechst. von
kauffshandlung vnd wucher. (1524). Aiij*.
toMschmicil (goldschmid), m. aurifex,
goldarbeitery mhd. goltsmit {Ben. 2, 427*.
Lexer 1049): da nam seine mutter zwey
hundert silberling vnd thet sie zu dem gold-
schmid. rieht. 17, 4 ; Harhaja der goldschmid.
Neh. 3, 7 ; der son des goldschmids. v. 31 ;
an der ecke zum schafthor baweten die goid-
schmide vnd die kremer. v. 32; der gold-
sdimide fewr ist wasser gegen diesem feur
(das fegfeuer). ein widderruff vom fegefeur.
(1530). Ciüj^
ttolifttick^ ein stiick goldes : das ein man
theurer sein sol denn fein gold, vnd ein
mensch werder denn golds stücke aus Ophir.
Jes. 13, 12.
Mdsflcht, f, goldgier: jr ist gar wenig,
die solche goltsucht in jnen selbs mercken vnd
erkennen. Jen. 1, 287".
l2«Mwage; f. statera auraria, mhd. golt-
wAge (Lexer 1050) : die weisen bewegen jre
wort mit der goldwage. Str. 21, 27 ; warumb
wegestu nicht auch deine wort auff der gold-
wage? 28,29; ich mus bleiben yn der
theologischen einfalt vnd der krummen vnd
theuren wort, so auf der goltwagen ligen
müssen, mich enssern. Burkhardi briefw.
362.
fioMwerk, n.goldarbeit, goldsachen, mhd.
goltwSrc (Lexer 1050): der auslendische
kaufTshandel, der aus Kalikut vnd Indien vnd
der gleychen wahr her bringt, alls solch kost-
lich seyden vnd golltwerck. von kauffshand'
lung vnd Wucher. (1524). Aij''.
(•Ualklsck^ grosxmäuUg: dein goliatisch
lestemn. auff dfu vbirchrisU. buch. (1521).
Füij^
f}«ii«ry "ntalK ein hebr. masx für trockene
dinge, welches den zehnten iheil eines epha
beträgt. 2 Mos. 16, 16. 18. 22. 32.
33. 36.
f}0M«rr€r, Hnwohner von Gomorra.
Malth. 10, 15.
einen (gönnen), gimen^ mhd. gunnen,
günnen, d. i. g'-unnen (Ben. 1, 23". Lexer
1119), ahd. (selten) ^imnan(Gratfl, 271).
susammenges. aus dem präfix gi (=^ge) und
ahd. nnnan («■ gestatten, gewähren), vgl.
Weigand wtb, 1, 450. L. hat noch im
praes. ind. ich, er gan neben ich günne
(urspr. conj.), er gönnet, (gönnet, günnet) ; im
praet. gelten die formen gönnete und (mit
euphonisch eingeschobenem s) gönsle, gunste
(vgl. beginnen), part. gegönnt, gegonnet.
1) gern sehen, dcu* Jemand gutes oder
Übels zukomme, et es habe, stets mit dat.
der person. a) mit. gen. der sache : ich gan
yhm solcher stäupe des reweis wol. von ehe^
scuihen. (1530). Dij"; ich gan yhn (t'Anen)
der ehren fast wol. vom kriege widder d T.
(1529). Giiij^; da gan ich jnen der ehren.
Jen. 1, * iiij". b) öfter mit accus. : derhalben
bitt ich alle meyu freund vnnd feynnd, woll-
ten myr noch frid vnnd rüge gonnenn. ma^
nuscr, zu L.'s erbieten auf der bibl. zu
Gotha cod. Chart. 379 pag. 9; ich gähn dyr
guttis. ein sendbr. an bapst Leo X. (1520).
Aiiij*; ich günne yderman guts. post. (1528).
235**; die (Juden) uns eben so viel guts
günnen als jr vater der teufel. von den Juden.
(1543). gij**; ich gan euch ia keyn vbels.
zwey keyserlich gepot. (1524). Aij'^; so
mir gott das leben gan. ein widderruff vom
fegefeur. (1530). Aüj**; dem yederman
feind ist vnd nicht die brodrinde günnet.
vber das erste buch Mose. (1527). Kkiij*;
der niemand kein böses günnet. das 5. 6.
vnd l.cap. s. Matth. (1532). Qiüj^; das
er jm bette ein bund stro gegeben odder die
brosamen vnler seinem tisch gegonnet. ebend.
19*
GÖNNER
148
GOTT
Gij*; dem er doch die rinden vnd kromen
nicht gönnet, die vnter seinen tisch fnr die
hnnde fielen, vfider den wueher, (1540).
Kiij ^. c) mit nachfolgendem salze : ich gan es
auch s. Peter, das er eyn edler gelied sey denn
ich. ep. vnd euang. vom chrUtag, (1522).
Eiiij*; rhümen vnd frewen müssen sich, die
mir gönnen, das ich recht behalte. p<.35,27.
2) gestatten, gewähren, zulassen : was
mir gott gönnet, sol myr s. Peter nicht weren.
das 7. cap. Corinlh. (1523). Cj^; wers
besser machen kan, dem ists wol gegonoet.
Bindseil 7, 327. mit inf, mit zu oder nach-
satz mit dasz: sie {die perserkönige) yhn
{den Juden) gunsten, widdermnb die stad
Jerusalem zu bawen. der proph, Saeharja,
(1528). Tij*; gönne mir, das ich {yar, lasz,
das ich) mich an dir ergetze. Phüemon 20 ;
weyl er szo mechtig ist die wort tzu ver-
endem, wollen wyrs yhm gern gönnen, das
er messe kalbskopff odder eselskopff heysse.
aniwort deutsch. (1522). Ej*'; vnd mns
dirs gönnen, das du mich angreiftest vnd
kratzest, der 110. psalm. (1539). Kj^
CoMCE^ m. fautor, nihd, gtinner, gunner
{Lexer 1119): alle gonner, auffhalter vnnd
ruckhalter derselbigen. hulla cene domini.
(1522). Aiiij^; enthaltem, furschiebern,
gönnern (sc. Luthers), zwey key serlich ge»
pol. (1524). Cij*.
^•■8t; f.'favor, gewogenheit, md. neben*
form von gunst (w.m.s,): gonst {ist) besser
denn silber vnd gold. spr. 22, 1 ; schäme
macht grosse gonst. Sir, 32, 14; gonst der
weit. gl. zu spr. SaL 21, 4 ; sein datum auff
der weit gonst setzen, das 17. cap. s. Joh.
(1530). Nj*, wer ein Christen ist, der mus
sich aller wellt gonst . . . verzeihen, ehend.
Sj * ; aufif das der frume adel deste mehr gonst
bey gott vnd seinen Christen gewönne, der
111. psalm. (1530). Aiiij ^ ; ich wolte euch
gern gegen ewr liebe vnd gonst, mir erzeigt,
danckbar erzeigen, das schöne confitemini.
(1530). Aij"; vnd solche freundhche vnd
gnedige gonst beweiset er vber alle masse
reichlich, ebend. Aiiij*.
Sönsdgy gewogen, geneigt: gonstig vnd
vnterthenich. das Jhesus Christus ein ge-
borner Jude sey. (1523). Dij ^ ; gonstig vnd
geneigt, der proph. Sacharja. (152S).
Piiij*; freundlich vftd genstig. sufnma des
chnsU. lebens. (1533). Büi]**; der glaub
macht das er (gott) gönstig ist, poH, (1 528).
277'. — in titeln: mdnem gonsUgen herm
vnd freunde, von den Schleichern, (1532)»
Aij*. vgl. günstig.
üöistigUdi, gonstigUche, adv. mit gunst,
wohlwollend, gnädig: wo^et mir solch schrift
gÖnstiglich zu gut halten, de Wette br. 3^
419; so bitte ich wollet yhm gonstigtich
foderung thun. ßurkhardt briefw. 223;
wollet diesem Cuntz Pfeilschroid gonstigliche
forderunge erzeigen, ebend. 269.
^•rgely f. jugulum, kehle, gurgel: las vns
dem schalck an die gorgel. das ander teyl
Widder d. hymL Propheten. (1525). Nj^
Strgektecher, m. jugulator, der einem,
die gurgel absticht, das leben mmwu, m
folgender stelle bezeichnung eines Wucherers,
der andern das vermögen, den lebensunter-^
halt, entzieht: solche fynantzer heyst man
gorgelstecher odder kelstecher. von kauffs-
handlung. (1524). Dj*.
^•rgebnppe, f. durch erbrechen von sich-
gegebene speise: die sew, die doch seine (des
trunkenbolds) gorgelsuppen vmb yhn her
fressen, der proph. Habacuc. (1526). ij^
Üorre, f. bei L. m., schlechtes pferd: er
gab mir hund vmb hund, gaul vmb gorren
gut gleich so viel als er gab mir einen hund
vmb ein hund, einen gaul vmb einen gorren.
vom abendfnal Christi. (152S). mj^ —
mhd. gurre (Ben. 1, 592**. Lexer 1124).
vgl. auch Vilmaridiot. 141. Schmeller
l^ 932.
Surren, gurren, vom knurren im bauche:
so sehen nu die kinder Israel nur auff den
bauch, wie der gorret. Eist. 1, 367 •*.
S«8l, m. effusio, mhd. goz (Ben. 1, 541'*.
Lexer 1063): die gösse des meeris (vulg.
effussiones maris). 2 Sam. 22, 16 var.
S«tt (got. grund vnd vrsadh. 1521.
eiiij'O* ^' äeuSy mhd. got (Ben. i, 555*.
— 557 ^ JLea?er 1051 — 1053), ahd. got,
cot (Graf 4, 146—149), goth. guj).
Ueber die etymologie des wortes ist man
noch nicht einig (vgl. jedoch Lexer a. a.o.);
zu den adj. gut, wovon es schon L. her*
leitete (daher auch achte ich, wir Deudschen
gott eben mit dem namen von alters her nen-
ÜOTT
149
GÖTTEREI
nen, feiner vnd artiger denn kein andere
sprach, nach dem worüin 'git' als der ein
ewiger quellbrun ist, der sich mit eitel gute
vbergensset vnd von dem alles was gut ist
vnd beisset ausfleust. deutsch caieeh. 1529.
Biij ^), gehört es ohne Zweifel nicht,
formen,
der gen. sg, tontet m den früheren
»Triften L.*s in der regel gottis» gotis (vmb
gottis willen, serm. van der bereitung tum
sterben. 1519. aji*; von gottis gnadenn.
wider die bullen des endchrists. 1520.
Aiij*; gottis wort, von der beicht, 1521.
iij*; gottis werck. von begder gestalt.
1522. Bj'; die matter gottis. das Jhesus
Christus etc. 1523. Aij*; gottis gnade, das
7. cap.Cor. 1523. Aij^; gotis gericht. das
taufikuMein. 1523. biij*), später gottes»
öfters auch gotts (golts wunder, widder d.
hywU. Propheten. 1525. Diiij*; gotts Ord-
nung, vermanunge zum fride. 1525. Biij*;
der gotts beraubt ist. ep. des proph, Jes.
1 526. Aiiij *-; gotts wort, das diese wort etc.
1527. c j'; von der rechten gotts. ebend.
h ij ' ; ynn gotts namen. ob kriegsleute etc.
1527. Giij*; gotts gewalt. vom abendmal
Christi. 152S. rij^; von gotts gnaden, eine
bericht. 1528. Cij*). im dat. sg. begegnet
noch häufig die voUe form gotte (x. b. ps,
49, 8; Matth. 22, 21; ap. gesch. 5, 4; 18,
13; JImn. 6, 10. 11. 13; 8, 8; 1 Cor. 14,
2. 28 u. a. St.). statt des gewöhiUichen pl,
götter begegnet anfangs noch einige mal
gotte (x. b. du solt mit yhren gölten keinen
band machen. 2 Mos. 23, 32 in der ersten
ausg. der fünf büeher Mosis).
gebrauch. •
1) allgemein: ein gott nicht anders ist,
denn das, darauff sich das menschlich hertz
verlesst, vertrawet, gleubt, hoffet vnd liebet,
ist nu die zuuersicht recht, so ist der gott
auch recht, ist die zuuersicht falsch, so ist der
gott auch nichts. Bindseil 7, 383; ein gott
beisset das, dazu man sich versehen sol alles
gui&k vnd Zuflucht haben ynn allen nöten.
deudsch catedk. (1529). Bj*.
2) vom wahren gott, wofür nur einige
MbelsteUen als belege anzuführen genügen
mag: am anfang schuff gott himel vnd erden.
1 Mos. 1, 1; der allmechtige gott. 17, 1;
der ewige gott. 21, 33; der starke gott 33,
20 ; der lebendige gott. 5 Mos. 5, 26 ; der
grosse vnd schreckliche gott. 7, 21; der
hohe gott. Micha 6, 6; der höheste gott.
1 Mos. 14, 19; gott des himels vnd der
erden. 24,3; der gott Abraham. 31,53;
der Ebreer gott. 2Jfo«. 3, .18; der gott
Israel. 24, 10; der gott Jacob, ps. 46, 8;
gott der herr. 1 Mos. 2, 4. 7 u. öfter; gott
Zebaoth. ps. 80, 8.
3) vom faUehen gott^ abgott, götze, in
welcher bedeutung neben dem sg. auch der
pl. gebräuchlich ist: weil die schrifft ge-
schehen lesst, das die götzen auch götter
heissen. Bindseil 7, 383; warumb hastu
mir meine götter gestolen. 1 Mos. 31,^30;
thut von euch die frembden götter? 35, 2;
du solt kein ander götter neben mir haben.
2 Mos. 20, 3 ; (die kinder Israel) machten
jnen Baal Berith zum gott. rieht. 8, 33 ; der
gott Camos. 11, 24; der golt Dagon. 16,
23 ; der gott Maosim. Dan. 11, 38 ; welchen
der bauch jr gott ist. PhiL.3, 19; der gott
dieser weit (d. t. der teufet). 2 Cor. 4, 4.
4) von den magistratspersonen als gottes
Stellvertretern : die schrifft frum gotfurchtjge
fursten nennet engel gottis, ia auch gott er.
das magnificat. (1521). aij*; so bring jn
sein herr für die götter. 2 Mos. 21, 6; den
göttern soltu nicht fluchen. 22, 28 ; stehet
nicht geschrieben in ewrem gesetz , ich Iiab
gesagt, jr seid götter? Joh. 10, 34.
5) eliptische redensarten» gott gebe, es
sei der fall, es sei: gott gebe der selbige leib
sey hültzern sylbern odder wie er wil. vom
abendmal ChrisU. (1528). oiij**; gott gebe,
sie riditen recht odder vnrecht. von ehe^
Sachen. (1530). Kj ^ ; gott gebe, die pforten,
thor vnd fahne sey hultzen odder eisern, von
Jhesu Christi. (ibZS). Jiij*. — golilob, gott
sei lob ! ich kan noch wol, got lob, vbirs grasz
lauffen. vondembapslum zu Rome. (1520).
Eij ^ ; wir wissen (gott lob) wol, wem Heintz
mit seinem meuchelmordbrennen dienet, toi*
der Hans Worst. (1541). Niiij ^ ; des gassen-
gehens vnd nachtgeschreys ist ja, gott lob I
nicht sonderlichs wie es vor Zeiten gar gräu-
lich gewest. de Wette br. 4, 694.
Cotterei; f. gottesdienst: etwas das göt-
terey odder gottesdienst nicht angehet, wider
GÖTTERN
150
GOTTESDIENST
die hyml. prophelen. (1525). Bij ^ ; welche
ist die rechte götterey odder gottesehre. das
5. 6. vnd 7. eap. s. Matthäi. (1532). o ij^
vgl. abgötterei.
Sdtteniy göUliche kraft und art ver-
leihen: so du mein fleisch ergreiffest, so er-
greiffest du nicht schlecht fleisch vnd blut,
sondern issest vnd trinckest fleisch vnd blut
das göttert, das ist es gibt die art vnd krafilt
der gottheit. EüL 2, 190%
ÜbtUfüf gÖUlieh: wie ich sage von einem
menschen bild das ist ein hültzen odder
steynern bild, also sag ich Christus ist ein
göltern bild, das so war als yhenes bild holtz
ist, so war dis bild gott. posL (1528). 105*;
ein göttern glantz vnd ein göttern bilde.
ehend. 105''; nicht ein pur mensdien, son-
dern vermischt mit gott oder ein göttern
menschen. Bindseü 7, 378.
^•ttesarker^ m. hegräbnissiätte, todlen-
hof: wir Deudschen von alters solche begreb-
nis nennen gottesacker. ausleg, der ep. vnd
euang. von ostem. (1544). FF 6'.
Sottesaffe (gottsaffe), m. nachahmer gel-
tes: dieser teufl^elskopff vnd vnfletiger gottes-
afle wils jm nach thun vnd machts weit vber,
dazu auch wider den rechten gott. Bindseil
7, 379; der gottsaffe Satan, von den con-
cilijs. (1539). iij*.
Sottesdieb (gottsdieb), m. sacrilegus : du
bist ein gottesdieb , denn gottes ist die ehre,
die nemen jm alle werckheiligen. gl, zu Rom,
2, 22; wer hat dir gottesdieb die göttliche
macht gegeben zu vrteilen ander leute hertzen
vnd sinn ? widder den meuchler xu Dresen.
(1531). Aiiij^; rauben vnd Stelen als die
gottsdiebe vnd schelcke. der 147. psaUn.
(1532). Fij ^ ; so mus jderman sagen vnd be-
kennen, das sie die grossesten gottesdiebe vnd
kirchenreuber sind, von der winkelmesse.
(1533). Giiij*; gottesdieb vnd kirchenreuber,
ebend. Ciiij% Dj*; gottesdiebe vnd kirchen-
reuber. wider Hans Worst, (1541). Jiiij*;
der nam (priester) ist vnsz allen gemein mit
aller seyner gewallt, recht vnd zuhorung,
wilchs vnsz disze rewber vnd gottsdiebe gernn
abreyssen wollten vnd yhn selb alleyn tzu
eygen. ein widderspruch, (1529). A5^
Sottesdleberei^ f. sacrilegium: die weit
thut jm doch nicht anders, sie ist des teufeis
gar mit gottesdieberey vnd auffrhur. ausleg,
der ep, vnd euang. von ostem. (1544).
CG 6 ' ; das man den leien die eine gestalt des
sacramenls . . . nimpt vnd raubt ... ist ein
gantz grewliche gottsdieberey vnd teufelische
tyranney. Jen. 8, 419*.
^•ttcfidieier (gottsdiener), m. 1) culior
dei, Verehrer gottes : pfu des gotts vnd des
gottsdiensts, da der gott ein bilde ist vnd der
gottsdiener ein meister ist des gotts den er
dinheiet. der proph. Habacue. (1526). miij^.
2) servus dei^ Seelsorger, geistlicher:
zeuchstu dein kind das ein Seelsorger werden
kan, da gibstu nicht einen rock, stifftest auch
nicht ein kloster odder kirchen, du thust w^ol
ein grössers, du gibst einen heiland vnd gottes-
diener, der viel tausent seelen zum hymel
helffen kan. oecon.chrisliana. (1529). Aüij".
fiottesdieist (gottisdienst, gottsdienst), m.
dei cultus, sacra, mhd. gotesdienst (Lexer
1055 unter gotes): gottesdienst der leuiten.
2 Mos. 38, 21 ; das wort, ich byn deyn gott»
das mas vnd ziel ist, alles was von gottsdienst
gesagt mag werden, vnd were nerrisch, das
ich darunter wollt zihen ettwas das götterey
odder gottesdienst nicht angehet, widder d.
hyml. prophelen. (1525). Bij**; feyn were
es, wo in eyner jglichen hirschafft der gotts-
dienst auff einerley weyse gienge. deudsche
messe. (1526). Aij"; die Juden sind nu
fünffzehen hundel*t jar ausser Jerusalem im
elende, das sie weder tempel, gottesdienst»
priesterthumb noch furstenthumb haben, tot-
der die sabbather. (1538). Aij**; — vnd
wendet alle gulter dahyn als zum rechten
gottisdienst. die ander ep. Petri. (1524).
m j ^ ; solcher dunckel vns abfuret von gott
vnd abwendet von rechtem gottsdienst. der
proph, Jona. (1526). Ej"; im hause Israel
(ist) falscher gottesdienst, aber Juda hei t noch
fest an gott vnd am rechten heiligen gottes-
dienst. Hos. 12, 1 ; die furcht des herrn ist
der rechte gottesdienst. Sir. 1,17; frembde
vnnütze gottesdienst. Jer. S, 19; ein nich-
tiger gottesdienst. 10,8; vemünfltiger got-
tesdienst. Rom. 12, 1 ; ein reiner vnd vn be-
fleckter gottesdienst. Jac. 1, 27; die wissen
vnd dencken nicht, was es für ein gros treff-
lich ding vnd wie ein hoher gottesdienst es
ist, den sie so schendlich verachten, summa
GOTTESDIENSTLEIN
151
GOTTESKÄrNPFER
des chrüU» lebens. (1533). Aiiij''; eusser-
lichorgottesdienst. vher das erste buch Mose,
(1527). Qqij*; mit viel opffern vnd der
gleichen eusserlichen gottesdiensten. der
praph. Sacharja, (1528). Cciiij^; noch
können wir solchen leichten gottesdienst nicht
thirn, was sollen wir denn thun jnn grossem
vnd schvreren gottesdiensten, als da sind die
zehen gebot halten vnd vmb seinen willen
alles vbel leiden, der 147. psalm, (1532).
Aiij*. — esheiss^eiuen gottesdienst anrichten,
aufrichten, stiften, beschicken: vnd richtet
einen gottesdienst an. BindseU 7, 305; weil
jr einen andern gottesdienst anrichtet. Hos.
4, 14; er riclitet den rechten gottesdienst
wider auff. Sir. 49, 4 ; es ist nye kein volck
so rauchlos gewesen, das nicht einen gottes-
dienst auffgerichtet vnd gehalten habe, deudsch
catech. (1529). Bij^ vnd sliiTlet für die
seinen ein gottesdienst. weish. 14, 15; also
ward der gottesdienst beschickt. 2 cAron. 35,
10. gottesdienst pflegen: entweder sie wür-
gen jre kinder zum opffer oder pflegen gottes-
dienst, der nicht zu sagen ist. weish, 14, 23 ;
ein jglicher priester ist eingesetzt, das er alle
tage gottesdienst pflege. Hebr. 10, 1 1. einem
(etwas) gottesdienst thun, erzeigen: so wil
ich dem herrn einen gottesdienst thun. 2 Sam.
15, 8 ; er ist ja besser denn das, dem er got-
tesdienst thut. tveish. 15, 17; die da men-
schen fleisch frassen vnd grewlich blut soffen,
da mit sie dir gottesdienst erzeigen wollen.
12, 6; welcher {der götUn Diana) doch
gantz Asia vnd der weltkreis gottesdienst er-
zeiget, ap. gesch. 19, 27 ; vnd jhren gottes-
dienst müssen einem madensack vnd stanck-
balg erzeigen, das schone confitemini. (1530).
Hij^
S«ttCs4ieBsfleil (-lin), n. kleiner, ge-
ringer, leichter gottesdienst : noch wil vnser
fauler schelm nicht dran ao solch leicht lustig
frölich wercklin vnd schönes gottesdienstlin.
der 1 AI. psalm. (1532). Aiij'*.
(•ttesfnrcht (gotufurcht), f. timor dei,
pietas erga deum : wir habens zu scharff vnd
spitzig gedeut, wenn die schrifft von gottes-
furcht redet, das wir allezeit haben grosse
vnterscheyd gemacht de timore fihali et serviU,
aber auffs einfeltigst ists nichts denn gott mit
dem hertzen ynwendig vnd mit auswendigen
wesen dienen, wilches darynne stehet, das
man yhn ynn ehren halte vnd sich für yhm
schewe, thue vnd lasse nichts, on was man
weys das yhm wolgefalle. vber das erste
buch Mose. (1527). Xx iij * ; ich furchte gott
von hymei ist auff ebreisch fferedt, denn gotts-
dienst heyssen sie gottsfurcht. der proph.
Jona. (1526). Fij*; ich dacht, vieleicht ist
kein gottesfurcht an diesen orten. 1 Mos. 20,
1 1 ; kein gottesfurcht bey jnen ist. p«. 36, 2 ; '
das mahl vnd freude hielten sie in gottesfurcht.
Tob. 9, 12; siehe zu, das deine gottesfurcht
nicht heucheley sey. Sir. 1, 34.
Ooltesfirchtig (gottsfürchtig), religiosus,
fromm, nur in den tischr. : Christen vnd gott-
förchtige hertzen. 187*, in den übrigen
Schriften und der bibel stets gottfürchtig
(s. d.).
^•ttesgtbe^ f. munus dei : denoch ist die
ehe ia so wol eyn gottisgabe als die keuscheyt.
das 7. cap. Cor. (1523). Ciij*.
Stttesgebareili^ g^ttesgebarin^ f. die
Jungfrau Maria als mutter Christi.: gotles-
mutter oder gottesgebererin. von den con*
cilijs. (1539). Sj*; Maria des kindes, so
Jhesus Christus heisst, rechte natürliche mut-
ter ist, vnd sie die rechte gottesmutter, gottes-
gebererin. ebend. Siij*; Maria solle theotocos
das ist gottesgebererin heissen. ebend. Tij";
vnd weiseten vns zu der lieben gottesgeberin
Maria, zwo schöne predigten. (1537). Dij^.
fiottesgerechtlgkelt^ f. gerechUgheit, die
gott gibt und die vor gott gilt : durch den
glawben synd wyr alleyne für gott rechtfertig,
darumb auch der glawbe eyn gotlisgerecbtig-
keyt heysset. die ander ep. Petri. (1524).
a uj '.
SotteshtM^ n. statte der gottesverehrung,
kirche : dieser stein sol ein gotteshaus w^erden.
1 Mos. 28, 22; vnd der man Micha hatte
also ein gotteshaus. rieht. 17, 5; wie er
(David) in das gotteshaus (1522: gottishaus)
gieng. Matth. 12, 4; yhr habt Zachariam
getödtet zwischen dem gotteshaus vnd dem
altar. post. (1528). 135*; vnsere clöster
vnd stifftkirchen nicht gottesheuser sind, vber
das erste buch Mose. (1527). Ppij'. —
nühd. gothüs {Ben. 1, 738 ^ Lexer 1055).
SotteskiMipfer^ m. der mit gott kämpfte
GOTTESKASTEN
152
GOTTESREGIMENT
goUessireiter : Israel das ist ein gotteskempffer.
eben4' bbj^
nuifi eeclesiaiiicum : der gotteskasten za Je-
rusalem. 2 Macc, 3, 6; es taug nicht das
wir sie in gotteskasten (var. gottiskasten) le-
gen. Matth. 27/6; vnd Jhesus setzet sich
gegen den gotteskasten vnd schawet wie das
volck geld einlegte in den gotteskasten.
• Marc. 12, 41.
Iiotteskindi; n. Idnd gotles, gläubiger:
gleich wie es des predig ampts werk vnd ehre
ist, das es aus teuffelsdienem gotteskinder
macht, das man Kinder zur schulen halten
solle, (1530). Eiij*; die heiligen gotteskinder
(ironisch von den Juden), von den Juden.
( 1 543). i iij ^ ; Samariten sind falsche heiligen
vnd feister vnter gotteskindern. gl. zu Sir.
50, 28.
Gotteslästerer (gotlslesterer, gottislesterer,
gottlester), m. hlasphemus : der mörder vnd
gotteslesterer Antiochus. 2 Macc. 9, 28;
vnd verbrandlen die gotteslesterer. 10, 36;
darauff redert man die gotlslesterer vnd gros-
sen vhelthetter. 13, 6; du elender gottis-
lesterer. von dem bapslum. (1520). Eij*;
das ist eins narren rhum vnd eins gottlesters
barbari danck. von den Juden. (1543).
Aiiij**; so bin ich ein goltslästerer 15 jar ge-
west. tischr. 104**; also leret dich das vater
vnser zum ersten erkennen ... das du ein
goUslesterer bist. Jen. 1, 75*.
MteslästeriMih (gottslesterisch), goHes-
lästerlich : gantz gottslesterisch vnd vberans
schmehlich wider Christum gered. Jen. 8,
420*; gottslesterische beuche vnd wenste.
ebend. 8, 420''; gottslesterische vnd teuf-
lische grewel. ebend. 8, 421'; gottslerische
vnd abgöttische lere, ebend.
(•iteslisterlich (gottslesterlich), blasphe-
mus: das mügen sie dem bischoff zu Meintz
dancke]|, der hats durch seinen gotteslester-
lichen Detzel angefangen, wider Hans Worst.
(1541). Liiij'; gottslesterlich volck. von
den Juden. (1543). Ziiij^
Hottcfilistem^ blasphemare : gotteslestern,
liegen , morden ... hat vber band genomen.
Hos. 4, 2.
Hotleslasternng (gottislesterung, gotts-
lesterung), f. blasphemia : las die erschrecken
für deinem starcken arm, die mit gottesleste-
rung wider dein heiUges volck ziehoi. 2 Macc.
15, 24 ; jtzt habt jr seine gotteslesterung ge-
hört. Matlh. 26, 65 ; wie redet dieser solche
gotteslesterung. Marc. 2, 7 ; die christliche
kirche leydet solch schmach vnd gottisleste-
rung nicht, antwort deutsch. (1522). Aij*;
ehebruch, mord vnd gottslesterung. arti-
ekel etc. (1538). Gj'; lügen vnd gotts-
lesterung. von den Juden. (1543). Zj^;
sagen, das das creutz mit /les bapsts wapen
herrlich auSgericht vermöge so viel als das
creutz Christi, ist eine gottslesterung. Jen.
1, 5^
, fSiotUAüwtp 8. gotteslöwe.
Sottedohn (gottslobn), m. (oder n. ? s.
lohn), praemium divinum: keiser vnd fürsten
kein grosser gottslohn verdienen kondten,
denn so sie diese ketzerey ausrotten, das 1 6.
cap. Joh. (1538). Ej^; es ist gnug, das
wir vns mit Christo lassen an den backen
schlahen, es ist aber nicht zu thun, das wir
es loben sollen als haben sie wol daran ge-
than vnd ein gotteslohn verdient. Jen. 1,
317*.
I2«tted6w€ (-lewe), m. Wwe gottes : Ariel
(bM^"Tfii) heisset gotteslewe also heissen sie
die stad Jerusalem vmb des willen, das sie
durch gott mechtig war, aber nu sol er got-
teslewe heissen, wider welchen gott streiten
wil. gl. zu Jes. 29, 1 .
l2oUesM€B8cli, m. homo dei: du gottes-
mensch fleuch solches. 1 Tim. 6, 11.
l>«tlesMntler> f. die Jungfrau Maria als
fiittUer des sohnes gottes. beleg s, unter
gottesgebärerin.
HtttesprleslMr (gottispriester), m. priester
gottes, geistlicher: ein gotispriester. an den
bock. (1521). Aüj*; so begere ich von
dem hochgeystlichen gottispriester. auf da^
vbirchristl. buch. (1521). Bij*; dem aller
hochgelertisten trefflichen gottispriester . . .
Hieronymo Emszer. eyn widderspruch.
(1521). Aij*.
fitttesreglMcnty n. imperium dei, gottes-
herrschaft: vnd wo nicht gewalt solt vber
recht gehen, so künde der teuflel der weit
fürst nicht mehr sein vnd würde eytel gotts-
regiment sein, der proph. Habacuc. (1526).
cmj*.
GOTTESSRBIGH
153i
GOTTHHIT
feftesreichi n. da$ reid^ §oU$$: das ist
der dritte spmch der schrüft ans dem xcvi.
psahn gezogen, weldier kleriich Ton dem
gotteweycfa saget posL (1528). 108^ —
mhd. gotesrfche (Ben. 2, 694 *).
i«ttCBMhi (gottesson), m. die xweUe per*
$an in der gaUheit: dieser einige Tnd ewige
gottesson. deudieh eateeh. (1529). Niiij^
— mM. gotessun {Ben. 2, 733*).
IMt€8steitj 7* ctvfkM dei: Jerusalem du
gottesstad. Tob. 13, 10.
tottesstmfe» f. die ernste gottesstraffe.
weiih. 12, 26.
Mtesrerichter, m. eanlemior dei: er
verachtet die gottesverachter. Jen. 1, 288^.
MtenfenchtflMg, f. eontemUo dei: es ist
besser geringe klugheit mit gottesfbreht, denn
grosse kluglieit mit gottesverachtung. Sir,
19, 21.
tettcsfertickei, n. tentatio dei: solchs
gebet eitel gottesversuchen ist. vom kriege
Widder d. T. (1529). Cj^
€«tte8?erftielier; m. ten^atör dei: wer
anders helt vnd die Christen durch gesetz
oder eigen werck leret seUg werden oder
gnade erlangen mägen, der sey ein gottes-
Versucher, von den coneiHJs. (1539). Nj*.
<l«tte8fers«€hnng5 f. tentatio dei: weil
vns aber jnn gottesdienst nichts gebürt fur-
zanemen on gottes befehl, vnd wer es für-
nimpt das ist ein gottesversuchunge. von dol'
metschen. (1530). Dj*.
ftottesftlk, n. das volk Israel: du re-
dest mit einem edlen, auserwelten, heiligen,
beschnitten gottesvolck. von den Juden.
(1543). Diüj*.
üttteswerk^ n. werk, geschöpf gottes: eyn
man ist auch edler denn eyn weyb, dennoch
ist das weyb so wol eyu gottiswerck als der
man. das 7. eap. Cor. (1523). Giij*.
tetteswille, m. voluntas dei: der gute,
der woIgefelUge, vnd der yolkomene gottes-
Wille. Rom. 12, 2.
<l«tte8W«rl (gottswort), tt. verbwn dei:
was vns mehr denn gottiswort wirt furtragen.
auff das vbirchristl. buch, (1521). Gij^;
das heyUge gottswort. vier trosti. psalmen.
(1526). Aij*; gottesdienst on gotteswort ist
allezeit abgötterei. gl. xu Dan. 3, 11.
ItottfftrMig, wie gott gestaltet, mhd. got-
DiHTZ, Wörterlrach. IL
formec (Ben. 3, 388 \ £0aperlO55): die
gnad gottes macht yhn gottfermig vnd ver-
gottet yhn. ausleg. der euang. an den für*
nemtalMi fee$en. (1527). t8^; das sind
den (<i0iiti) recht gottformige menschen. posU
(1528). 91 ^
«•ttfifchiig (gottfurchtig), gottesßrehUg,
piuB, reUgiosus. während die Wittenb. bi'
beln die von L. aussehlieszUch gebrauchte
form gottfurchtig bis tna 17. jh. beibeheUten,
bieten süddeutsche ausgaben sch(m m 16.
jh. gotlsfürchtig. vgl. gotteslürchtig.
1) adj.: frum gotCurchtige fursten. das
vmgnifieat. (1521). aij*; ich rede hie von
den guthertzigen vnd gottfurchtigen menschen.
von kauffshandlung. (1524). Bj*; Sacharja
das volck wil zuuor frum vnd gottfurchtig
machen, der proph, Sacharja. (1528).
Fj*; die befehl ich frumen gottfurchtigen
mennern. von ehesaehen. (1530). Giüj';
ein trewer man vnd gottfurchtig. Neh. 2, 7 ;
ein heihg, gottfurchtig weib. Jud. 8, 24;
eins fromen, gerechten vnd gottfurchtigen
mannes son. Tob. 9, 9; halt dich stets zu
gottfurchtigen leuten. Sir. 37, 15; der selb
mensch war frum vnd gottfurchtig (1522:
gottfurchtig). Luc. 2, 25; so jemand gott
fürchtig ist. Joh. 9, 31; bey allen fromen,
christlicnen , vernünfifÜgen , gottfurchtigen
hertzen. artickel etc, (1538). büj^; das
ist ein rechter gottfurchtiger glawbe. ob man
für dem sterben fliehen müge. (1527). Gif;
ein gottfurchtiger wille. Jen. 1, 79**.
2) ^uft«!.: ein gottfurchtiger. Sir. 27, 12;
der gottfürchtige. 33, 15 ; die gottfurchtigen
fast auff die gebot achten, der propK Sa^
charja. (1528). Zij*; recht schaffen den
gottfurchtigen vnd steuren den gottlosen.
der%2.psalm. (1530). Giij *; wer die gott-
losen nichts achtet, sondern ehret die gott-
furchtigen. pa. 15, 4 ; er thut was die gott-
furchtigen begeren. 145, 19; gib dem
gottfurchtigen vnd eii>arm dich des gottlosen
nicht. Sir. 12, 4.
Cottgeflülgi gott gefallend: solcher got-
gefelliger weg nit gefoddert ya vorhindert vnd
furworffen wirt von den goUoszen. der 36.
psdlm. (1521). Gj^
Mtkett^ f. 1) deitas, diviniUu, gött-
liches wesen, mhd. ahd. gotheit, goteheit
20
•4
I
- e
«'•I
'^1
. -1 (
v;-.
GÖTTIN
154
GOTTLOS
(Ben. 1, 557 ^ Lexer 1054. Graff 4,
153): die götzen sind nicht götter, sondern
von menschen henden gemacht vnd ist keine
gottheit ib jnen. Bar, 6, 50 ; gottes vnsicht-
bares wesen, das ist seine ewige kra£Ft vnd
gottheit. Rom. 1,20; in jm (Christo) wonet
die gantze fülle der gottheit. Col. % 9 ; die
gottheytt Christi, ausleg, der ep. vnd euang.
vom chrislag. (1522). Qij^; also kanstu
auch nicht die gottheit von der menscheit ab-
schelen. vom ahendmal Christi. (1528).
i ij * ; ich mus dem teufiel ein stündlin die
gottheit gönnen vnd vnserm gott die teuffei-
heit zuschreiben lassen, der 111. psalm.
(1530). Gij*; er wil sie (die qbrigkeit) ab-
setzen vnd die gottheit abzihen. der 82. psalm.
(1530). Hj'*; darümb mangelt meiner lere
nichts denn die gottheit des grossen gottes
mammon. ein widderruff vom fegefeur.
(1530). Fiij^
2) gott selbst, die heilige dreieinigkeit :
ich bin gestern ym schos der gottheit gewest
vnd kom jtzt vom hymel. vom abendmal
Christi. (1528). hij*; mit Sabellio helt
ers, das gott nicht drey personen sey, doch
setzt er ein gezweiet in der gottheit. t?er-
legung des alcoran. (1542). Biij*; die drey
person ynn der gottheit. vber das erste buch
Mose. (1527). Dij«. *
Göttin» f» dea, mhd. gotin, gotinne (Ben.
1; 558*. Lexer 1056), ahd. gutin (Graff
4, 153): göttin Diana. 2 Macc. 1, 14; ap.
gesch. 19, 27. 35. 37.
Gottisch, göttlich: wie wol es so hübsch
gleysset, das sie die gottischen (post. 1528 :
göttischen) philosophi drob geheyssen sind.
ausleg. der ep. vnd euang. vom christag.
(1522). Siiij'; so werden nu durch diesen
text (du solt kein ander götter neben mir
haben) allein die göttischen bilde] verpoten
(die bilder welche gott darstellen sollen),
ausleg. der zehen gepot. (1528). Fiiij^;
solche personen auch billich göttisch, gött-
liche odder gÖtter genennet werden, der 82.
psalm. (1530). Aiiij^
Gottlaster, n. gotteslästerung (?): ynn
keinem frawenhaus solche sunde, solch got-
laster, solch seelmord vnd kirchenverstörung
geschieht noch geschehen mag als ynn diesen
hewsern. post. (1528). 130'.
Gottlester, s. gotteslästerer.
Göttlich (gottlich), divinus, mhd. göt-,
got-, göte-, gotelich (Ben. 1, 557 ^ Lexer
1054), ahd. got-, gotelih (Graff A, 152).
1) von gott ausgehend, sich auf gott be-
ziehend: gotliche Sachen, euang. der zehen
aussetzigen. (1521). Kij**; ynwissen ynn
gottlichen sachen. die ep. des proph. Jesaia,
(1526). Aiiij*; gotlich Ordnung, von dem
bapstum. (1520). Bj*; were das schwerd
nicht eyn gottlicher stand, von weltlicher
vberkeil. (1523). Aiiij"; diese leute die
Schlüssel nicht halten für ein göUlich stifft.
von den schlüsseln. (1530). Ej *" ; vorkerung,
vorgifftung vnd schandbrauch des heyligen
gottlichen worttis. auff das vbir christliche
buch. (1521). Diij • ; zu lesterung gottlicher
majestet. von weltlicher vberkeil*, (1523).
Aiij * ; abbruch gotlicher gnaden, grund vnd
vrsach. (1521). o j '; gottliche gewalt. das
diese wort. (1527). f üij •* ; göttliche rede.
4 Mos. 24, 4: göttliche ehre. Jer. 17, 12;
göttliche krafft. weish. 7, 25; göttlicher Se-
gen. Sir. 47, 7 ; göttlicher befelh. 2 Macc.
2, 4 ; göttliche hülffe. 12, 11 ; das göttliche
antwort. Rom. 11, 4; göttliche torheit. 1
Cor. 1, 25; göttliche lauterkeit. 2 Cor. 1,
12; göttliche trawrigkeit. 7, lÖ.
2) fromm, gottesfürchtig : ein göttlich leben
(var. wandel). 1 Mos. 5, 24; vnd (Noah)
füret ein göttlich leben. 6, 9 ; sie lassen jhn
jhr schendhch vnzüchtig leben bas gefallen,
denn das göttlich vnd eherlich leben, ein
hochzeitpredigl. (1531). cij**; es sey sitt
oder vnsitte, szo ist es nit christlich noch
gottlich. serm. vou dem wucher. (1520).
c ij '*.
Gottlieli, adv. mhd. goteliche (Ben, 1,
558*. Leo^er 1054): solche las zuuor lernen
jre eigene heuser göttlich regieren. 1 Tim.
5, 4 ; eine fraw kan bey einem manne ehrlich
vnd göttlich wonen. gl. zu spr. Sal. 31, 30.
Gottlos, impius. 1) adj\: gottlose men-
schen. i,Mos. 16, 26; gottlose leute. 2
Sam. 4, 1 1 ; die gottlose Athalja. 2 chron.
24, 7; gottloses maul. ps. 109, 2; gottlose
lere. Ezech. 5, 6; gottlose weise, weish,
14, 16; gottloser wandel. Judä 15.
2) subst. : ich nenne impium ein got-
löszen, denn es heysset eygentlich den, der
GOTTLOSEREI
155
GOTZE
ynn got nit trawet noch glewbt. der 36.
psalm. (1521). Bij**; wiltu denn den ge-
rechten mit den gottlosen vmbbringen? 1
Mos. 18, 23; das du einem gottlosen bey-
stand thust. 2 Mos. 23, 1 ; so der gottlose
schlege verdienet hat. 5 Mos. 25, 2 ; die
gottlosen mtlssen zu nicht werden. 2 Sam.
2,9.
Cottl«serei, f» goUlosigkeit, rueklosigkeil :
das ist die gottloserey. Sadi. 5, 8 var.
tettlosig, gottlos : alles yhr wessen yrrig,
gotloszig, verdamlich schellten, ausleg. der
ep. vnd euang. des aduents, ( 1 522). BBij'' ;
damit sie gotloszig geweszen sind, br, Jud.
15 var.
tl«tll«8heit A gotUosigkeit : impietas, vn-
glaube odder gotiosheit. post. (1528).
182*.
C«ttM«cher, m. teer einen -goU macht:
wiltu nu ein gottmacher werden, so kom her,
bore zu, er wil dich die kunst leren, das du
nicht feilest vnd einen gotzen, sondern den
rechten gott zum rechten gott machest, ver-
manung zum sacramenl. (1530). Cj*; sie
sind gottmecher vnd gotmeyster, was yhren
dunckel recht ist, das soll gott vnd goltis
seyn. ausleg. der ep. vnd euang. vom chris-
tag. (1522). Xiiij*.
(•tlMcister, m. der sich anmaszl meister,
herr Ober gott zu sein, beleg s. vorher
unter gottmacher.
UMrtlA, reich in gott: gnadreich vnnd
gottreich, ausleg. der ep. vnd euang. vom
christag. (1522). Bij^
Cetta, gen. vgl. gott und die zusammen-
Setzungen mit gottes-.
IMtschMleier, m. was gottmacher: noch
haben sie keinen gott, sondern müssen einen
bettelschen lausichten gott selbs machen aus
jrem pfenninge, o der elenden malerij zum
gott, o barmhertzige {erbarmungswerthe,
elende) gottschmider. der 147. psalm.
(1532J. ¥i)K
^•tlseligj 'selig in gott\ gottes fürchtig,
fromm. 1) adj.: gottselig vnd gottfürchtig
(fvatßfjg xal ifoßovf.uvog top d-tdr\ vulg.:
religiosus ac limens deum). ap. gesch. 10, 2 ;
es ist aber ein grosser gewin, wer gottselig
ist vnd lesset jm genügen. 1 Tim. 6, 6 ; die
da haben den schein eines gottseligen Wesens.
2 Tim. 3, 5 ; mit heUigem wandel vnd gott-
seligem wesen. 2 Pet. 3, 1 1 ; wie kan gotl
odder ein gottseliges hertz anders von euch
dencken. vom kriege widder d. T. (1529).
Eiiij*; so gibt Tobias eine feine Uebhche,
gottselige comedien. Bindseil 7, 417.
2) subst.: der herr weis die gottseligen aus
der Versuchung zu erlösen. 2 Pelri 2, 9;
sie fordern (fördern) die gottlosen vnd bindern
die gottseligen, der 82. psalm. (1530).
Ej" ; vnd gibt sie oflt reichlicher den gottlosen,
denn den gottseUgen. tischr. 35 ^.
3) adv. : alle die gottselig leben wollen in
Christo Jhesu müssen Verfolgung leiden. 2
Tim. 3, 12 ; gerecht vnd gottsehg leben. Tit.
2, 12.
CottMligkelt^ f. pietas, gottes furcht : das
er erfüre, wie gottseligkeit mechtiger ist denn
alle ding, weish. 1,0, 12; gotUeUgkeit ist
glaube an das wort gottes odder an die Weis-
heit, gl. zu dieser stelle ; auff das wir ein
gerüghch vnd stilles leben füren pögen in
aller gottseligkeit vnd erbarkeit. 1 Tim. 2, 2 ;
gottseligkeit beweisen. 2,10; vbe dich selbs
aber an der gottseligkeit. 4, 7 ; die gottselig-
keit ist zu allen dingen nütz (bei W. Linck
von arbeyt vnd betteln. Zwickau) 1523.
Biiij^: die gotselde aber ist zö allen dingen
nutz). 4, 8.
CettsochÜgi nach gott sehnsüchtig (krank-
haft) verlangend : szo gottsüchtig vnnd liebe-
sl^ch sind, eyn serm. von dem abl<u vnd
gnad. (1520). Cij^
Citie (göu. 1 Cor. 8, 4), m. idolum,
götzenbild, abgott, falscher gott, mhd. götze
(Lexer 1057), nach Weigand wtb. 1,451
mit g6; SS gegossenes bild zu gieszen, wäh-
rendes Grimmgramm.3f69ialsdiminutiv
behandelt.
1) falscher gott, abgott: der son ist kein
ander gott noch götze, sondern mit dem vater
ein einiger rechter ewiger gott. von den
letzten Worten Dauids. (1543). Gij"; wer
den bapst wil zum gölzen behalten, der bleibe
ein bapstgötzer. tröstunge an die christeji
zu Halle. (1527). Ciij^ tu der bibel wird
zwischen götzenbild und abgott in der regel
nicht unterschieden: so wissen wir nu von
der speise des götzenopßers, das ein götz
nichts in der weit sey. 1 Cor. 8, 4 ; ein on-
20*
6ÖTZEKALTAR
156
GÖTZER
mecbtiger götse. Ba/r. 6, 58; todte götzen.
ps. 106, 28; leblose göteeiL weUh. 14» 29;
stumme getzen. Bab, 3, 18; silbern vnd
gäldea götzoi. Je9. 2, 20 ; die hultzern,
▼l)erBilberte vnd vergoldete gotzen. Bar, 6,
56 ; tempel desgötzen Dagon. 1 Maec. 10, 83.
Hblkehe, auf den gatxendienst sieh de*
Kiehende redetuar$en: sich zu den götzen
wenden. 3 Mas. 19, 4; die götzen anbeten.
Bar. 6, 5 ; den götzen dienen. 2 kön. 17,
12; den götzen nachlroren. 1 ekron. 6, 25;
den götzen nachwandeln. E%eek, 20, 16.
2) dl6 0ussehliesdidhe beieulvmg »Mld,
göixenbild" hat götze in folgenden stellen:
die götzen jrer götter thut^ab. 5 Mos. 12,
3 ; also sage ich hie, das das bildstünnen vnd
vmbreissen der götzen (die heiUgenbUder
sind gemein() nicht mag erzwungen werden
aus diesem teit. ausleg. der gehen gepot.
(1528). Fj^
Mtieialtiur^ m. vnd reis die götzenaltar
ein. 1 Mace. 5, 68. über denpl.dliw s, altar.
HölieBdieaer, m. eidwXoXdrQtjg : geitziger
welcher ist ein gölzendiener. Bphes, 5, 5 ;
vnd nennet yhn (den geisigen) einen gölzen-
diener odder abgöttischen, post. (1528).
330**; die vnverstendigen gotzendiener. das
Jhesus eyn gebomer Jude sey. (1523).
SftlieBiHaBstj m. difoTiokaxQtiai ab-
götterey vnd götzendienst. 1 Sam. 15, 23 ;
fliehet von dem götzendienst. 1 Cor. 1 0, 1*4 ;
an statt des rechten gottis diensts auffgericht
eyn götzen- vnd potzen dienst mit platten,
kutten, kleidern, pfeiffen, lautten, singen,
klingen etc. ep, ond euang. des aäiiienis,
(1522). Pij^
(IMwnhant^ n. göUentempel: das götzen-
haus. Widder d. hymL propheten. (1525).
Giiij^; das ewr kirche ein götzenhaus vnd
vnreine sey. wider Hans Warst. (1541).
Jij " ; so dich jemand sehe zu tische sitzen im
gotzenbause. 1 Cor. 8, 10; wie er den an-
dern stedten vnd jren götzenheusem gethan
hatte. Jud. 4, 2.
Mteenhirt^ m. ogötzenhirten, die dieherde
lassen. Sach. 11, 17. in der ausleg. dieses
propheten: götzenhirten das ist die nicht
lebendige birten sind, die yhr ampt thun
mochten, sondern sitzen wie die götzen vnd
lassen yhn dienen, der praph. Sachafju.
(1528). €^j*.
MtSMkalk^ n. gölxe in gestalt eines
halbes: wir haben auch vnter dem bapstiim
mit abgötterey es arg gnug gemacht vnd auch
also götzenkeiber gemacht EisL U 555*.
4Mlll€BUrahe, f. was götzenhaus: die
götzenkirchen in Egypten. Jer. 43, 13; zu-
letzt da er (Salamo) alt wird, leset er sich
die weiber nerren vnd effen, stifftet den sel-
ben götzenkirchen vnd götzendienst. der
iOi. psalm. (1534). Kiüj*.
fldtienkiecht, m. gotzendiener: pfu dich
an du götzenknecht. widder d. hyml.pro'
phelen. (1525). Dj*; ein götzer odder gö-
tzenknedit. das man kinder sur schtUen
haUen solle. (1530). Aiij '^ ; ein schendbcher
verdampter götzenknecht. ausleg. der ep.
vnd euang. von ostern etc. (1544). Giij".
HAiuwbmi» n. ein land, worin den götzen
gedient wird: es (das land der Chaldäer)
ist ein götzenland. Jer. 50, 38.
üötiealehrer, m. falscher lehrer: er nennet
sie birten, weil sie der birten ampt haben, vnd
doch gotzenlerer vnd trewmersind mit der
that der praph. Sacharja. (1528). Ddj^
Sotiemaeker, m. verfertiger eines götxen:
die götzenmacher sind allzumal eitel. Jes.
44, 9 ; die götzenmecher müssen alle sampt
mit schänden vnd höhn bestehen. 45, 16.
Sotientpfer, n. iiiwXo&vTov : das jr euch
enthaltet vom götzenopffer vnd vom bluU
ap. gesch. 15, 29 ; von der speise des götjsen-
opffers. 1 Cor. 8, 4.
Wlseipfftf, m. götxenpriester : also giengs
den leuiten ym alten gesetz auch gegen den
götzrapfaffenvndhainpriestern. post. (1528).
294^; das feine wort bischoff von vnsem
götzenpfaffen vnd bischofi&laruen schendlich
verdunckelt vnd verderbt ist. ausleg. der ep.
vnd euang. von ostem etc. (1 544). L 5 *.
Mtiensillief, n. nesseln werden wachsen,
da jtzt lieben götzensilber stehet Hos. 9, 6.
Hötienspeise, f. was götzenopfer : götzen-
speyse. widder d. hyml. propheten. (1525).
Ciiij^
Cldtievteiipel, m. er verbrennet auch den
götzentempel. 1 Macc. 10, 84.
üitier, m. gotzendiener, ahgötierer: aber
geistlich wollen wir sie meyden, verdammen
GOTZJÄMMBRUGH
167
QKABW
vnd straffen, weil wir ödem habeo, als die
götier. das die$e woH etc, (1527). cj*;
hie sey nu zwischen vns lichter nicht allein
Christen, sondern auch beiden, . . . götzer vnd
aDe wellt, ehend, c iij**; wil'tu götzer (mam*
wumsäieiier) nicht bedencken, was göttlich
Tnd efarUch ist. das man Mnder xur schulen
haUensoUe. (1530). Aiijj*; wer demselben
gleubet Tnd folget ist ein götzer. wider die
Z2 arUekel, (1545). Aij*; die abgöttischen
götzer. deuUch peaUer, (1541). Oiiij\
IM^iMBMrlkli (gotzjemerUch) , gotie»-
jämmeHUh (gotz Verunstaltung von gotts,
gottes), verstärkende siusammensetxung, sehr
jSfmnerUeh: gott selbs mus sich hie abermal
gotz jemerlich lassen zu martern, van den
Juden. (1543). Guy*. vgL Frommann
munäarten 1, 135, 4. Sehmeiler wtb.
1 ^ 960. auch in Hessen gebräuchlich.
Stak, n. sepulerumf mhd. grap (Ben. 1,
562*. Lexer 1070), oAd. grab, crap (Graff
4, 305), ZI» graben: jr rächen ist ein offens
grab* ps, 5, 10; seine köcher sind offene
greber. Jer. 5, 16; vnd (Joseph) legte jn
in ein grab, das war in einen fels gehawen
ynd weltzet einen stein für des grabs thür.
Marc. 15, 46; wer waltzet vns den stein
Yon des grabs (1522: grabis) thür? 16,3;
begrabe deinen todten in vnser ehrlichsten
grebem, kein mensch sol dir vnter vns weh-
ren, das du in seinem grabe nicht begrabest
deinen todten. 1 Mos, 23, 6; vnd Jacob
richtet ein mal auff vber jrem grab. 35, 20 ;
begrabe mich in meinem grabe, das ich mir im
lande Ganaan gegraben habe. 50, 5; mein
ödem ist schwach, vnd meine tage sind ab-
gduirtzt, das grab ist da (es hat ein ende
mil Mtr). iJ»od 17, 1; dieser allein wird
za^rabe komen. 1 k&n, 14, 13; vnd wirst
im alter zu grab komen. Hiob 5, 26; mit
fartzen tzn grab leutten. bulla cene domini.
(1 522). Gij ^ ; ich wil jn mit meinem donnern
vnd blitzen also zum grabe leuten. wamunge
an s^ L Deudsd^en. (1531). Diij *; mit einem
zu grabe gdien, ihn zu seiner beerdigung
begleiten: das sie mit jrem freunde vor der
letzten stunde reden möchten vnd mit jm zu
grabe gehen, wider den bischof zu Magde-
bwrg, (1539). Füij^; das du jhn (den wu-
cherer) . . . ^nicht vnter andere Christen be-
grabest noch mit zum grabe gebest, mder
den Wucher. (1540). Eiiij ^ ; auf dem rücken
zu grabe gehen, begraben werden: darümb
sollen sie auch mit jm zum grabe gehen auff
dem rucken. «iMimaiii^e an s. L Deudsehen.
(1531). Bj*.
flnhei, m. fossa, eigenü. gr^he, dmm
mhd. grabe (Ben. 1, 562*. Lexer 1064),
ahd. grabo, crapo (Graff A, 307); zu graben.
der pl. bei L. wie mhd. graben : der gndien.
Bei 34 ; vnd worffen jn zu den lewen in den
graben. Dan. 6, 16; macht hie vnd da
graben. 2 kon. 3, 16; die graben. Neh. 4,
1 3 ; der stracks zu rennet durch püsch, hecken,
graben. Jen. 1, 282^
linbei, fodare, sculpere, mhd. graben
(Ben. 1, 560 ^ Lexer 1064), ahd. grabau,
crapan (Graff 4, 301), goth. graban. zu gr.
1) f ödere, a) ohne casus: graben mag ich
nicht. Luc. 16, 3; vnd solt ein scheufflin
haben vnd wenn du dich draussea setzen wilt,
soltu da mit grfi)en. 5 Mos. 23, 13; vnd
grub tieff. Luc. 6, 48. b) mit acc.: das ich
diesen hrun gegraben habe. 1 Mos. 21, 30;
da gruben sie einen andern brun. 26, 21 ;
odder grebt eine grübe. 2 Mos. 21, 33; er
hat eine gruben gegraben, ps. 7, 16; das
heisst recht eim andern eine gruben gegrad)en
vnd selbs darein gefallen, serm, auff MaUh.
22. (1535). Bij^ c) mtlpraep.; herr, las
jn noch dis jar, bis das ich vmb jn grabe.
Luc. 13, 8; du menschenkind , grabe durch
die wand. Ezech. 8,8; aber alle Egypter
gruben nach wasser. 2 Mos. 7, 24; ein loser
mensch grebet nach vnglück. spr. Sal. 1 6, 27 .
2) ausgraben : bergwerck, da man gold
vnd Silber grebet. 1 Jfaec. 8, 3 ; die hadder
ausz der erden graben, an den christl. adel.
(1520). Dij^
3) sculpere, eingr<iben, gravieren: vnd
solt zween onicherstein nemen vnd drauff
graben die namen der kinder Israel. 2 Mos.
28, 9 ; die steinschneiter, die da siegel graben.
V. 1 1 ; vnd er liess auff die fleche der selben
seilen vnd leisten graben cheruhim, lewen vnd
palmenbewm. 1 kön. 7, 36; auff die tafel
jres hertzen gegraben. Jer. 17, 1; und
(Christus) führet in seinen Stegreif gegraben :
ponam inimicos et scabellum pedum tuorum.
GRÄBESTEIN
158
GRAKE
i/e Weite frr. 4, 461 ; so stejgen auff vnd
üad auflgestiegen allerley kanst, malen,
stkken« graben, posl. (1528). 33*.
€ffakeitefi, m. cippus, leiehenaiein, in
fiUgender stelle der stein, womit das grab
Jesu verschloszen war: vnd ist yhm (C%n-
Sims) alle creator dordileuflliger denn die lafft
der stynune bt, wie er das ym grabe stein
beweiset hat vom abenidmcU Christi.
(1528). kj^
Ambcief chea, gnbielchei, m. momumen-
tmm, grabmal: richte dir auf! grabezeichen.
Jer. 31, 21; grabmal oder grabzeichen. gL
XU 2 kön. 23, 17; das man sie Idie gräber)
mit grabzdchen zieret, vorr, zu den begrab*
msgesängen v. j\ 1542. Wackernagel
MrchenUed 802.
GnAMal, n. dasselbe: vnd Jacob richtet
ein mal anff vber jrem grab, dasselb ist das
grabmal Rahel. 1 Mos. 35, 20 ; was ist das
for ein grabmal? 2 Iton. 23, 17.
firabtchelt, n. pala, nüid. grabeschtt (Hen.
2*, 165^ Lexer 1065)*: grabscheit. de
Wette br. 6, 331 in L.'s hausrechnung ;
da darffst nicht ein grabscheit ynn die band
nemen vnd tieff darnach graben, ausleg. der
euang. an den fümemisten festen. (1527).
DDiij ^
Crabstaltf, f. begräbnisstätte: grabstete
oder todtenhöfe. ausleg, der ep, vnd euang.
vonostem. (1544). FF6».
Crabticliy n. 'linteum ferale* (Frisch):
gebunden mit grabtücher an fassen vnd hen-
den. Joh. 11, 44.
Crabseidte^y n. s. grabezeichen.
Crad, m. stufe, mhd. grat {Ben. 1, 566 ^
Lexer 1072) , ahd. {spät) grad {Graff 4,
311); aus dem gleichbed. lal. gradus: das
ist der erste grad odder stuffe zum tode. das
5. 6. vnd 7. cap. s. Matih. (1532). Rj**;
die grad der sippschafft. vnlerrichi der visi-
tatom. (1538). Hüij*; czum andern ist zu
wissen, das drey vnterseheydliche grad vnd
orden seyn wol vnd vordinstlich handeln mit
den zeytlichen gutem, gr. serm. von dem
Wucher. (1520). aij"; wo wyr Christus
gepot hallten wollten ynn den ersten dreyen
graden, sollt der zynskauff nicht so gemeyn
odder not seyn. von kauffshandlung. ( 1 524).
Jj^
Gnul; m. rOckgral, s. grat.
Graf; m. comes. L. schrieb anfangs graf
(graff), später graue d. i. grave {vgl. land>
graf, markgraf) u dem edlen vnd wolgepornen
herrnn herm Albrecht graffen ( 1 528 : grauen)
tzu Mansfellt. ausleg. der ep. vnd euang.
vom christag, (1522). Aj^; den edeln vnd
wolgebomen herm herrn Günther, Emst»
Hoyer, Gebhard vnd Albrecht graffen zu
Manszfelt. eyn geschieht etc. (1524). Aij";
ein grafe jnn seiner graffschafft. das 15. cap^
der ersten ep. s. Pa%Ui an die Cor. (1534).
Qj*; ein graue von Hennenberg, exempet
einen rechten bischof zu weihen. (1542).
Fiiij*, Füij**; keyser, fürst, graue, eddeU
richter. ob kriegsleutte etc. (1527). Eüj**;
herrn, grauen vnd fürsten. ebend. Dij * ; alle
grauen, herm, stedte, Schlosser müssen sindi-
cos, stadschreiber vnd sonst gelerte haben, das
man kinder zur schulen halten solle. (1530).
Füi^
mhd. grAve {Ben. 1, 567*. Lexer 1074)„
ahd. grävo, cr&fo, kravio {Graff 4, 312).
wahrscheinlich aufgenommen aus dem früh^
mittellat. gravio, grafio, graphio vom gr.
yQaq>tiv schreiben, vgl. Weigand \, 452.
bes. Lexer a, a. o,
Grafeastaadj m. comitis dignilas: das nie
kein zweiffei ist, sein graffenstand sey von
gott verordent vnd befohlen. Eisl. 1, 215**.
Gräfii (grefin), f, comitissa, frau eines
grafen, mhd. graevin, graevinne {Ben. 1, 568*.
Lexer 1075), ahd. grÄvin {Graff 4, 314).
beleg s. unter bauersfrau.
Grafseliaft, graveschaft, f. comitatus,
mhd. gräüschaft, gräveschaft {Ben. 1, 568*.
Lexer 1075): der Türck leydet kein erblich
fürstenthum, graueschafft odder rittergut.
ob kriegsleutte etc. (1527). Eiiij*; wenn
einer gerne ein schlos, stad, grafschafft odder
sonst etwas grosses bette, deudsch catech.
(1529). Liiij'; ein graffschafft oder fürsten-
thum. das 14. vnd Ib. cap. s. Joh, (1538).
000 ij''; ein edle, berümbte graffschafft im
bistumb üalberstad. Jen. 1, 216'. •
Gräke (greke), m. Grieche: die Greken
haben diese land verloren. 1 Macc. 14, 2 ;
der Römer, Persen , Greken vnd anderer
historien. vber das erste buch Mose, (1527).
GRilKEN
159
GRANATÄPFELBAUM
xij^; solchs ist von den Turckeo, Greken
vnd Hannibal nicht erhöret, exempel etc.
(1542). cüi^
ClrikeB, graeeus, griechisch: dasz er
{Melanchihon) anstatt seiner gräken lection
der heiligen schrifft lection sich vnterwunde.
de Weite br. 2, 491.
Clriklsch (grekisch, greckisch), dcLSselbe:
sceptron ist ein greckisch wort von den Ju-
lien. (1543). Kij**; die gräkische (ortjjn'na/-
br, grekischen) lection. de Wette br. 2, 491.
5, 387 ; der stoltze vngelerle bLschoff hat ein
grekisch böse gebeisse angericht. von den
coneiUJs. (1539). Sij'; des grekischen
reichs. 1 Uace. 1, 11.
CrMü» adj. mhd. ahd. gram {Ben. 1,574 **.
Lexer 1067. Graff 4, 320), mit dat. wo-
gegen feindselig, übeltoollend gestimmt : vnd
Esau war Jacob gram vmb des segens willen.
1 Mos. 27, 41 ; Joseph möcht vns gram sein.
50, 15; der herr ist vns gram. 5 Mos. 1,
27 ; wenn jemand ein weib nimpt vnd wird
jr gram. 22, 13 ; du bist mir gram vnd hast
mich nicht lieb, rieht. 14, 16; vnd sind mir
heffüg gram. ps. 55, 4 ; so ist euch die weit
gram, das schone confitemini. (1530).
Fiij •* ; wer mir gram vnd bitter ist, der martert
sich. Verantwortung etc. (1533). Aüj**; der
person vnd creatur gottes ist er gram, wider
Hans Worst. (1541). Biiij''; lügen bin ich
gram {var. falscheit bin ich feind). ps. 119,
163; ich bin ewrn feiertagen gram. Arnos
5, 21 ; ich bin newen Wörtern gram (abge-
neigt), von den letzten worten Dauids.
(1543). Bij'.
Crav» m. unmuth, zom, mhd. {selten)
gram {Ben. 1, 575'): du zeigest deinen gram
{var. hass) an mir mit der stercke deiner
band. Hiob 30, 21 ; wenn freunde einander
feind werden, so bleibet der gram bis in den
lod. Sir. 37, 2.
Cravea, in der redensart: gris schlecht
(schlägt) gern nach gramen, art lässt nicht
'von art. Jen. 6, 272*. ebenso bei Stein-
höfelEsop.29\
UfMMtm (gremen), nur noch refl. sich
gremen, moerere: auff das deine seele sich
greme. 1 Sam. 2, 33; ich greme mich, das
mir das hertz verschmacht. ps. 1 19, 28 ; ich
grem^mich vnd gehabe mich vbel. Jer. 8,
21 ; weinet nicht vber die lodten vnd gremet
euch nicht danimb. 22, 10 ; das wir vns tag
vnd nacht danimb gremeten vnd betrübeten.
das 14. vnd 15. cap. s. Joh. (1538).
tttiij*; da gremet sich denn einer zu tode.
Eisl. 2, 123*.
mhd, gremen (Ben. 1, 575". Lexer
1078), ahd. kremjan (Graff 4, 320), goth.
gramjan. ,
draMen (gremen), n. moeror, trauer, be-
trübnis, Hummer: ein törichter son ist seiner
mutter gremen. spr. Sal. 10, 1 ; wer einen
narren zeuget, der hat gremen (var. macht
yhm selbs gremen). 17, 21 ; wo viel Weisheit
ist, da ist viel gremens (var. vnmuts). pred.
Sal. 1, 18; schmertzen mit gremen vnd leid
(var. mit leyd vnd vnmut). 2, 23 ; in grossem
gremen. 5, 16; dort feret gremen her vnd
traurigkeit. Bindseil 7, 319; meyne seele
tropffelt für gremen. ps. 119, 28 var.
ClraMMatisch, grammaticus : es sind grobe
grammatische schwermer. serm. von dem
sacrament. (1526). Bb''; so er ein gram-
matisches teuffelin sein mus. auff die newe
Zeitung. (1535). Aij^
ClraMMatlst, m. grammatista, lehrer in
den anfangsgründen der spräche: es gehören
ander leut dazu, denn solche vocabulisten vnd
grammalisten. das 14. vnd 15. cap. s. Joh.
(1538). Bbiüj\
Clranisehaft, f. feindschafft: das ich dem
Goslentzer concilium gramschafft vnd feind-
schafll erwecket. Jen. 6, 337 ".
Clraaatapfel , n. die frucht des granat-
baumes, tnhd. gr&nAtapfel (Ben. 1, 48*.
Lexer 1068): deine wangen sind wie der
ritz am granatapflel. hohelied 4, 3; vnd
schnitten daselbs eine reben ab . . . dazu auch
granatepflel vnd feigen. 4 Mos. 13, 24; ein
land da granatepffel innen sind. 5 Mos. 8, 8.
künstlich gebildete granatäpfel dienten als
sinnbildlicher schmuck an den knäufen der
tempelsäulen und am säume des hohen-
priesterlichen leibrocks. 1 kön. 7, 18. 20.
2 kön. 25, 17. Jer. 52, 22. 23; — 2 Mos.
28, 33 f 39, 24 ff.
Clranatapfelbaiii, m. punica granatum:
das wir sehen, ob die granatepffelbewm aus-
geschlagen sind, hohelied 7, 12. — mhd.
gr&nüitapfelbottm.
6RANATBAÜM
160
GRAT
CniMfhiiM^ graMitenhaM», m. dasselbe:
Saal aber bKeb zu Gibea ynter einem grana-
tenbawm. 1 Sam. 14, 2; so stehet der
wemstock auch jemerlich . . . dazu die granat-
benme. Joel \, 12; granatbewm {var.
granatbaom). Hagg. 2, 20.
irappci, greifen : e. i. h. zu Leiptztg ha-
ben nach jm grappen lassen. Jen. 6, 327 '.
nach Weigand u>tb. 1,453 statt gerappen,
dessen aus dem nd, aufyemmmenes rappen,
rapen vnser hoehd. raffen ist.
Aras, n. gramen, mhd. aM. golh. gras
(ßro/f4, 333. Ben. 1,566*. Lexer 1011,
wo auch die verschiedenen etymologien
nachzusehen sind) : vnd gott sprach, es lasse
die erde auffgehen gras vnd krant. 1 Mos. 1,
1 1 ; kan auch gras wachsen on wasser? Bioh
8, 1 1 ; wie das gras werden sie bald abge-
hawen. p*. 37, 2; verdorret wie gras. 102,
5 ; die gottlosen grünen wie das gras. 92, 8 ;
das grüne gras. Marc. 6, 39 ; fleisch ist wie
gras vnd alle herrligkeit der menschen wie
des grasses blumen {ältere var. haben: wie
eyn blume des grassis [grasis]). 1 Pet. 1, 24 ;
vnd (die kühe) giengen an der weide im
grase. 1 Mos. 41, 2. besondere redens-
arten: yhe höher das grasz wechszt, yhe
neher yhm die senszen vnnd hewgabeln sin'd.
derSß.psalm. (1521). Aiiij *; ich kan noch
wol, got lob, vbirs grasz lauffen {bin noch
nicht überwunden, besiegt), von dem baps-
tum zu Rome. (1520). Eij*'; ich vermis
mich nicht vber <die hohen tannen zu fliegen,
verzweiffei auch nicht, ich müge vber das
dürre gras kriechen. Jen. 1, 64*; ich musz
auch einmal kommen, dasz die strasz der für-
bitt nicht zugar mit grasz verwächst, de Wette
br. 5, 287 ; die kue gehet im grass bis an den
bauch (findet reichliche weide), hauspost.
{Wiitemb. 1545.) Aij«.
drasbliiiej f. flos graminis : alles fleisch
ist gras, vnd alle seyne herlickeit ist gras-
blumen. post. (1528). 336 ^ var. zu Jes.
40, 6.
Crasedicke, dicht une gras : aber es will
dünne werden vnd stehen nicht grasedicke
solche Prediger (sind nicht sehr häufig),
de Wßtte br. 4, 292.
CtrasefreMer^ s. grasfresser.
drasegrAn^ s. grasgrün.
CrtseMcke, s. grasmücke.
finsctt> mhd. grasen (Ben. 1, 566. Eexer
1071), ahd. gras6n (Graff A, 334), in fol-
gender stelle uneigentlidi : es scheinet als
spotte gott vnser reichstage vnd lasse den
teuffisl die selbigen hindern vnd meistern bis
der Turcke mit guter weile herzu grase
(herankomme) vnd also Deudschland on mühe
vnd on widderstand verderbe, vom kriege
wider d. T. (1529). Bij-.
drssfresser, gnsefresser, m. sie sind gras
vnd grasefresser. post. (1528). 336 ^
Crasgrnn, grase^i, grün wie gras,
mhd. gras-, grasegrüene (Ben. 1, 580**.
Lexer 1072): vnd gaben dem newen könig
so starcke giflt, das sein leib grasegrün (Jen,
6, 324*: grasgrün) ward, einer aus den
hohen artickeln. (1537). Di^
drasMOcke^ grasemncke^ f. ein munterer,
kleiner Singvogel, mhd. gras-, grasemucke
(Ben. 2, 226 \ Lexer 1072) : wie der kuckuc
mit der grasemücken spielet, widder d. hymL
Propheten. (1525). Fj*; am anfang fräs der
kuckuc die grasmücke mit feddern vnd mit
allem, das diese wort etc. (1527). cij^;
die grasemücken. ebend.
drassleren^ herrschen, wüihen, aus lat.
grassari: darümb hat der Türcke auch also
grassirt vnd gewütet. Eist. 2, 423". —
mhd. gräi^ieren (Ben. 1, 569*. Lexer 1076).
drässig (gressig), gräszlich, zornig : racha
das ist ein grewlich, zorniges, gressiges
zeichen. Jen. 1, 285*.
drasdich fgreslich), grauen erregend,
schrecklich, mhd. grae^lich [Lexer \ 07 6):
der dampff am tage mache jn greslich. Hiob
3, 5 ; das greszlich geperd vnd bild des tods.
serm. von der bereylung zum sterben. (1518).
a ij ** ; den (lod) kan er so grewlich, greslich
vnd schrecklich auffmutzen. hauspost. (Jhena
1559.) 190*.
dnit (grad), m. rückgrat, mhd. grät {Ben.
1, 566 ^ Lexer 1073), bei L. nur figür-
lich : zum dritten schinden sie (die falschen
lehr er) yhre schuler bis auff den grad (be-
rauben dieselben so viel als möglich (hrer
guter) vnd fressen sie binden ans. ausleg.
der ep. und. euang. von der heyU dreykönige
fest. (1525). dij^; schindest vnd schabst
bis auff den grat. deutsch catech. (ff 29).
GRAU
161
GRAUSAM
Jiüj^; ob sie gleich alle weit haben geschun-
den bis auff den grat. das schone con/Uemini.
(1530). Füj"; die armen vnterlhanen bis
auff den grat ausschinden vnd schätzen (ihnen
übertriebene lasten auflegen, welche sie xu
gründe richten), ausleg. der ep. vnd euang,
vanostem. (1544). t 6 ^ ; der auslendischen
wahre, die vns weder not noch nütze sind,
dazu vns schinden bis auff den grat, der
wollen wir nicht gerahten. Jen. 2, 463^;
der marckt seuget die pfarrer, so von der
schnür leben müssen, bis auff den grad aus.
Burkhardt briefw. 375.
Cm (graw), grawe {Hiob 41, 23), ca-
nus, mhd. gri gr4wes(^en. 1, 560*. Lexer
1063), ahd. grä, graw {Graff ^, 297). 1)
rom haare' und alter: vor groszem angest
byn ich alt vnnd graw worden, die sieben
buszpsalmen. (1517). B 5*; ich bin alt vnd
graw worden. 1 Sam. 12, 2; es sind graw
vüd alte vnter vns. Hiob 15, 10; verlas mich
nicht gott im alter, wenn ich graw werde,
p«. 71, 18; meine grawe har. 1 Mos. 42,
3S ; grawe har sind ein krön der ehren, spr.
Sal. 16, 31; für eim grawen heubt soltu
auffstehen. 3 Mos. 19, 32; die seuglinge
mit dem grawen man. 5 Mos. 32, 27 ; es
waren \iel grawer alter menner. von den
Juden. (1543). Rij^
2) von kleidungsstücken : man fragt nicht
darnach, ob einer graw odder rot tregt. der
proph. Sacharja. (1528). Hhüij''; vnd
giengen alle ynn grawen bauresröcken. widder
d,hynU. Propheten. (1525). Aiij*; vnd tregt
doch eynen grawen rock, das ander leyl
Widder d. hyml. Propheten. (1525). Diij*.
Clniie (grawe), m. horror, grausen^ mhd.
grüwe (Ben. 1, 584 ^ Lexer 1108): da für
jederman einen grawen hat. 2 Macc. 1, 27 ; das
wir auch einen grawen gewünnen menschen-
blut zuuergiessen. vber das erste buch Mose.
(1527). aj^; darob man einen eckel vnd gra-
wen hat. das 53. cap. Jes, (1539). Bij*.
Clniiel (grawel), m. in den früheren
Schriften L.*s erscheinende umlautlose neben^'
form XU greuel (s. d.) : an wilchen gott grawel
hau Tit. 1,16 (sept^berausg. des n. lest.
v.J. 1522); für der nacht grawell (bibel:
für dem grawen^des nachts), ps, 91, 5 var.
bei Bindseil,
DtBTs, Wörterbuch. II.
Craieli (grawein), umlautlose (ndd.)
nebenform tu greueln (s. d.): dyr grawelt
für den abgottern. Rom. 2, 22 vor.
Cimei (grawen), horrere, mhd. grüwen
(Ben. 1, 584 ^ Lexer 1108), oAd. (selten)
grü^n (Graff 4, 300). a) impers, mit dat.:
fürchte dich nicht vnd las dir nicht grawen.
b Mos. 1,21; lasset euch nicht grawen,
Jes. 8, 12; da würde er ein legend boren,
das im (ihm) grawen mochte, das 5. 6. vnd
T.cap.s.Matth. (1532). yüj^; mirgrawet,
w*enn ich dran dencke. von der winkelmesse,
(1533). Diüj^; das mir grawet vnd bange
ist. artickel etc. (1538). Aüj^ b) mit
dat. u. praep. : den Moabitern grawet für
den kindern Israel. 4 Mos. 22, 3 ; hab ich
mir grawen lassen für der grossen menge.
Hiob 31, 34; der herr ist meines lebens
kraflt, für wem soll mir grawen? ps. 27, 1 ;
das land da für dir grawet. Jes. 7, 16;
welchem frumen christlichem hertzen wolt
nu nicht grawen für solchem feinde Christi?
vom knege widder d. T. (1529). Ciiij^;
mir grawet auch für dem exempel des bapsts.
von ehesachen. (1530). Aij^; dafür dem
bapst so scheuslich grawet. wider das baps^
tum. (1545). Aiiij*; gotte dar für (vor den
götxen) eckelt vnd grawet. von des jüdischen
reiches ende. (1525). Aiiij*; sie uns eyn
sötte machen, daran einem grawen mocht.
ein serm. von dem ablas. (1520). Bj^
türiiCB (grawen), n. mhd, grüwen (Lexer
1109): so aber yemand das grawen vnd
schawen für den kranrken anstösset. ob man
für dem sterben fliehen müge. (1527).
Biij*; grawen hat mich vberfallen. ps. 55,
6; grawen hat mich erschreckt. Jes. 21, 4;
vnd machst mir grawen. Hiob 7, 14; das
du nicht erschrecken müssest für dem grawen
der nacht, ps, 91, 5.
Clrailich, umlautlose nebenform zu greu-
lich (s. d.): vmb solcher graulicher lesterung.
von dem bapstum zu Rome. (1520). Dij^
Craipe, f. 'enthülstes getraidekom* ( Wei'
gand), pl. graupen von L. in seiner haus^
rechnung (de Wette br. 6, 330) neben grutz
und reis aufgeführt.
CJniBpei, vom fallen kleiner hagelkömer:
wenn es graupet vnd hagelt. Eist. 1, 368*.
draisan (grawsam), grauen, schrecken
21
GRAUSANLICU
162
GRE1F£N
erregend, mhd, gnüwesam (Lexer 1109).
1 ) von sacken, horribilü, terribUU : wüste
die gros vnd grausam ist. 5 Mos. 1, 19; die
grosse vnd gräwsame {var. erschreckliche)
wüsten. 8« 15; an den grawsamen hechen
woneten sie. Hiob 30, 6 ; vnd zoch mich aus
der grawsauien gruben, ps. 40, 3 ; aus einem
grausamen lande. Jes, 21, 1; grausam ge-
Üiöne. 1 Maec. 6, 41 ; eine grausame
Schlacht. 10, 50; grausame mar ter. 2 üacc.
7, 42; die rausschende wasser sind nicht
grawsam. von heimlichen vnd geslolen
irieffen. (1529). Ej'; grausam wetter.
ausleg, der zehen gepoi. (1528). Dij^;
grausame iheurung. d<u man kinder zur
schulen halten solle, (1530). £j ''; ich habs
gehört von leuten, den ich gleuben mus, das
in vielen bistumen hei 200, 300, 400 gute
pfarrhen ledig stehen, ist das nicht ein schreck-
lich^ grausam ding zu hören vnter den Christen ?
von den concilijs. (1539). biij*; diese
grosse grausame schlappe, die schrecklich zu
lesen vnd zu hören ist. von den Juden.
(1543). Xij'*; solcher grausamer zorn gottes.
ebend. Aij''; grawsam vrteil. Bindsein,
361.
2) von personen, inhumanus, crudeUs,
hart, ohne alle liebe vnd barmherzigkeit:
es {das volk) ist grausam vnd on barmhertzig-
keit. Jer. 6, 23 ; grausam vnd vnbarmhertzig.
50, 42; grausame tyrannen. weish. 8, 15;
ich wil die Egypter vbergeben in die band
grausamer herrn. Jes. 19, 4. subsL: du
bist mir verwandelt in einen grawsamen.
Hiob 30, 21.
3) adv. sehr, auszerordentUch : es mus
grausam gros sein. post. (1528). 237*';
wenn die selbigen denn solchs sehen, werden
sie grausam erschrecken, weish. 5, 2.
draasaillich^ adv. aufschreckenerregende
weise: wurden sie grausamlich zurstrewet.
fßeish, 17, 3; der Türcke grausamlich han-
delt mit denen, so er gefangen weg füret.
vom kriege widder d. T. (1529). Giiij";
der satan ist sehr grausamlich wütend. Jen.
1, 57"; der teufel auch grausamlich dazu
hüff't. ebend. 1, 210^
Hinndiwari i etzliche werden grauscliwarz
vnd runzehch davon, de Welle br, 4, 667*
Urwe, m. comes, s. graf.
4^nm, grawe, grawd^ psmtlm, grawca,
s. grau, graue, grauei, grauein, grauen.
CredÜBj s. gretlein.
Crefn, s. gräfin.
Clreif, m. gryphus, mhd. grff, grife (Ben.
1, 573*. Lexer 1082), ahd. grif und grtfo
(Grafts, 320) : nu aber kan für den greifißen
vnd lewen niemand bleiben, das 5. 6. vnd
1 . cap. s. Matih. (1532). piiij\
Clreifen, prehendere, capere, mhd. grifen
(Ben. 1, 570". Lexer 1082), ahd. grifan
(Graff^, 314), golh. greipan; zu skr. grabh
ergreifen (Zacher zeilschr. 1, 15, 115).
neben dem praet. griff begegnet bei L. auch
noch die ältere form greif (greiff. ap. gesch.
3, 7. rieht. 5, 26. 1 Sam. 15, 8. 2 Sam.
4, 10).
/. intransitiv.
1) tasten, fühlen, fassen, hand an etwas
legen, eigentlich u. bildlich, a) die vier
synnen als greiffen, riechen, schmecken, hören.
vom abendmal ChrisU. (1528). riij^; sie
(die götzen) haben hende vnd greiften nicht.
ps. 115, 7 ; Üiut yemant der fusz wee, ia
das cleynist tzinleyn, szo sieht das aug dar-
nach, greyffen die finger. serm. von dem
hochw. saerament. (1519). aiij".
b) mit praep. : das du sollest greiffen an
einen stiel am beil udder axt. von der keil,
tauffe, (1535). Giij''; greiff dir selber an
deine obren vnd greiffestu recht, so wirstu
finden ein schön par grosser langer raucher
eselsoren. Witlemb. (1539). 1, *iij**; vnd
sie tratten zu jm vnd griffen an seine füsse.
Matth. 28, 9 ; — greiff nicht nach allem was
du sibest. Sir. 31, 16; wer auff trewme
helt, der greifft nach dem schatten. 34, 2 ;
— wer thar es wogen jm zwisschen die zeene
zu greiffen. Hiob 41, 4. häufig entspringen
uneigentliche und bilMche redensarten:
wenn ynn weltlichen sachen yemand dem
andern also mit lügen an seyne ehre griffe
{ihn verleumde), das ander teyl widder d.
hyml. Propheten. (1525). Nij**; so mag ich
nicht so tieff hyneyn greyffen (auf s. Pauli
Spruch von der ehepflicht nicht tief ein"
gehen) vnd vnsauber von der ehepflicht
schreyben. das 1 . cap. Cor. (1523). Gj*;
das ist der anfang dis buchs vnd ist warlich
hoch angefangen, wir aber wollen nicht zu
GREIFEN
163
GREIFUCU
tieff hynein greiffen {auf eine liefere ani-
legung um$ niehi einlassen), es ist genug,
wenn wir den ^aben daraus künnen leren.
vber das ersie Inteh Mose. (1527). Ciiij**;
~- ich soll den reyssenden woUTen basz in die
wolle griffen haben (gegen die falschen pro^
pheten mit grosserer schärfe aufgetreten
sein), von dem bapstum. (1520). Hj*;
greiff jnn dein eigen bösen vnter deine lincken
Zitzen {prüfe dich selbst^ nosee le ipsum),
serm, van dem heubiman tu Capemaum.
(1535). Düi]**; Mose jnns maul greiffen vnd
heissen stäl schweigen, predigt vom ver-
lomen sehaf, (1533). Giiij'; das heyst
denn gott jnn das maul greyffen. das 14.
vnd 15. cap, s. Joh, (1538). aaaiiij"; ist
das nicht eyn toll küner geyst, der gott so
frech ynn seyne wort greyflft vnd eraus zwa-
cket was yhm gefeilet ? das ander legi trt-
der d. hymL propheten. (1525). Cj^; das
heisst gott jnn sein eigen gericht greiffen.
die kl. anlworL (1533). Bj'; der in ein
frembd ampt greiffet. 1 Pet, 4, 1 5 ; -* er
hat dir fewr vnd wasser fiirgestellet, greiff
zu welchem du wilt {erwähle welches ßu
willst). Sir. 15, 16; zur straffe greiffen {sie
zur anwendung bringen). 5 Mos. 32, 41 ;
will solches alles nicht helfen, so musz man
zum scheiden greifen, de Wette br. 5, 667 ;
vnd w^ollen nu zu der historien greiffen (da-
zu übergehen). 2 Maee. 2, 33 ; nn greiffen
wir zur auslegung des andern buchs Mosi.
Eisl. 1, 279''; nu wollen wir zum text
greiffen. vber das erste buch Mose. (1527).
Ciij^; SQ wollen wir ynn gottes namen zur
Sachen greiffen. von ehesachen, (1530).
Aiij'*. zur ehe greiffen, sich verheirathen :
zur ehe zu greyffen sollt man widder gefatter-
schafft noch pattschaflt ansehen, an Jhan
von Schleinitz. (1523). Aiij'; greiffe nur
frisch vnd frölich zur ehe. vber das erste
buch Mose. (1527). Gij^ einem zu nahe
grafen, anzüglich werden (? vgl. Schmel-
ier l^ 990): niemand sich in eines andern
ampt menge, noch andern zu nahe greiffe,
noch das jre neme. das 5. 6. vnd 7. cap. s.
Matih. (1532). Ziij*.
2) geistiges erfassen, einsehen, begreifen:
wilch bawr vnd kind sihet vnd greyffet dasselb
nit? auf das vbirchristl. buch. (1521).
Cj ^ ; greyffestu schir, wer dieser geyst sey T
das ander teyl widder d. hyml. propheten.
(1525). Jj**; da müssen wir ja greiffen, das
es ein lauter hohmütige gespöl sei des teuffels.
das diese wort. (1527). d ij * ;* daraus man
greiffen mus, das sie aus dem ewigen leben
ein lauter gehey vnd gespötte haben, wamunge
an s. l. Deudschen. (1531). Eiiij*; das sie
gewislich müssen jrren vnd vnrecht faren,
solchs mag ein kind wol greiffen. von den
Juden. (1543). Aij^; das man wol greyffen
mag, wie gar einen besondem augenblick got
auff dieselben kirchen habe, vnterricht.
(1519). Aiij ^ ; das sage ich darumb, das man
greiffe, wie der Zwinge! mit gauckeley vmb>
gehet, vom abendmal Christi. (1534). oij*;
daraus greiffe nu ein jgiicher fromer christ,
aus was vr«achen der grobe vnvemünfflige
man mich meineidig schilt, die hl. antwort.
(1533). Dj^; da musz Petrus greiffen, er
habs nicht allein erfischet, hauspost. (Wit'
temb. IbAb). sommerteil bl. TS*.
//. trans. ergreifen, gefangen nehmen:
sie greiff (griff) mit jrer band den nagel.
rieht. 5, 26 ; vnd griffen den könig zu Ai
lebendig. Jos. S, 23; aber die Philister
griffen jn (Stm^on) vnd stochen jm die^ugen
aus. rieht. 16, 21 ; du solt seiner band nicht
entrinnen, sondern gegriffen vnd in seine band
gegeben werden. Jer. 34, 3 ; Herodes hatte
Johannem gegriffen, gebunden vnd in das ge-
fengnis gelegt. Matih. 14, 3.
CIreif ichj greifbar, mhd. grifljfh (Lexer
1084). 1) sinnlich faszbar: sichtliche,
greiflliclie, schmeckliche, riechliche, hörliche
vnd aller sinnen weise erweisliche eiempel.
ufider den wucher. (1540). Hiiij"; da jr
mich nicht mehr anrürlich noch greif dich,
sondern mit dem glauben erkennen vnd haben
sollet, ausleg. der ep. vnd euang. von ostem.
(1544). A6**; hilff got wilch greyfüiche
finstemisz sein mir das. dcks magnifkat.^
(1521). ej"; was lichts sollt ynn den köpf-
fen seyn, da solche greyffliche fmsternis ynnen
ist? das ander teyl widder d. hyml. prO"
pheten. (1525). Biij*; eine vnuerschampte
greiffliche lugen, vermanung zum sacrament,
(1530). Diiij^
2) geistig wahrnehmbar, deutlich: das ist
ia so greifOich vnd offenbar, von den Juden.
21*
GREIS
164
GREUEL
(1543). Lij^; greiflieb ists, das zur zeit
Herodes der scepter Juda gantz nider fiel.
ehend. Oiij^; so ists greifflich vnd klar
gnug, das beyde kirche, bapst vnd concilia
vnter dem ^olis wort sind, eine herieht.
(1528). Cj"; das rede ich darumb, das ich
dyr den teuffel auff decke vnd greifflich zeige.
das ander teyl toidder d. hyml. propheten.
(1525). Biij*; vnd zwar hats vns gott jnn
der nehesten auffrur greifflich gnug angezeigt,
das wedder macht noch kunst die weit regiere.
das schöne canfUemini, (1530). Biiij"; auflT
das ja greifflich kund werde, wie gar menschen
trotz vnd trosl nichts sey gegen gott. ebend.
Fiij'; die zwo rede sind offenberlich vnd
greifflich widdemander. von den condlijs.
(1539). INij*; wie man auch in des bapsts
dreckelen greifflich mercken mus. wider
Hans Worst. (1541). Hij^
Ufth, gri8> m. senex, mhd. grfse (Ben. 1,
577*. Lexer 1088): lasst vns der alten
greisen {in der ausg, v, j\ 1529: grysen)
straffe nicht achten, tceish. 2, 10.
Clrekisch^ s. gräkisch.
Clremen^ s, grämen.
CireMpelMarktj m. irödlermarkl, in fol-
genderfsielle s. v. a, trödelkram (vgl. markt) :
wie einen schändlichen grempelmarckt. toider
Hans Worst. (1541). Diiij'.
UftMfleftlf f. irödlerhandel, kleinhandel:
{die Juden) nehren sich mit pferdteuscherey
vnd kleider gremplerey. (iäcä. 419''.
Clreiiie^ f. finis, mhd, greniz, grenize (Le-
xer 1079)^, aus slav. granica, graniza. s.
Weigand wtb. 1, 457.
l) gebietsende , gebietsscheide : grentze
odder landsende, da man aus einem lande yun
das ander tritt, posl. (1528). 273^; an
der behmischen grentz. Jen. 1, 215*; die
grentze des welschen landes. wider das
bapstum. (1545). Biiij*; die grentze des
lands Canaan. 2 Mos. 16, 35 ; Arnon ist die
grentze Moab zwischen Moab vnd den Amo-
ritern. 4 Mos. 21,13; mitten inO bach der die
grentze ist. 5 Mos. 3, 1 6. scheide zwischen
wasser und land: du hast eine grentze ge-
setzt, darüber komen sie nicht, ps. 104, 9.
redensarten: die grenze weitern. 2 Mos. 34,
24 ; du solt deines nehesten grentze nicht zu
rücke treiben. 5 Mos. 19, 14; verflucht sey
wer seines nehesten grentze engert. 27, 17 ;
die grentze verrücken. Hos. 5, 10.
2) gebiet: so wil ich alle deine grentze mit
fröschen plagen. 2 Mos. 8, 2 ; also wegerten
die Edomiter Israel zuuergönnen durch jre
grentze zu ziehen. 4 Mos. 20, 21 ; vnd
namen alle grentze der Amoriter ein. rieht,
1 1, 22 ; vnd sie suchten eine schöne dirne in
allen grentzen Israel. 1 kön. 1, 3; vnd lies
alle kinder zu Bethlehem tödten vnd an jren
gantzen grentzen. Matlh. 2, 16.
UftmiitUf mit der grenze woran rühren :
Ganaan ligt hynein gegen mittemacht, Egypten
gegen dem aJsend, das. sie mit einander gren-
tzen vnd zusamen treffen wie zween zipfel.
vber das erste buch Mose. (1527). nn ij'';
Zidon vnd Tyrus, welche grentzen mit Galilea,
der proph. Jesaia. (1528). 2 '^ ; Madian sind
yhr nachpawrn vnd grentzen mit yhn an dem
rotten meer. po«l. (1528). 104'*; Hemath,
Berotha, Sibraim, die mit Damasco vnd Hemath
grentzen vnd Hazartichon, die mit Haueran
grentzet. Ezech. 47, 16; Hamath die mit jr
(Damascus) grentzet. Sach. 9, 2 ; dieselbige
stad grentzet mit dem lande Syria vnd der
slad Damascus. der proph.Sacharja. (1528).
Aa ij *.
lüreiuer^ m. grenzbewohner : also sind das
alle Galilei, grentzer die nicht williglich gottes
gebot halten. Eist. 1, 36'.
CreMstailtj f. Stadt an der grenze: alle
grentzstedte sampt jren dörffern. Jos. 16, 9.
Ureslich^ s. gräszlich.
Ilressig^ s. grässig.
dreteil, die beine auseinanderspreizen:
du gretest (d. i. gretetest) mit deinen beinen
gegen allen so für vber giengen. Ezech. 16,
2 5 . eine bei Bind'seil fehlende var. dieser
stelle lautet: du sperrest deine beyne auff
allen die für dir vber gehen, post. (1528).
130 ^ — mhd. griten (Ben. 1, 577"'.
Lexer 1089); vom goth. grids schritt.
dretleln (grettlin), n. Gretehen: vnd ist
das liebe Grettlin (1528: gredlin) mit den
rodten schuhen, ausleg. der ep. vnd euang.
vom christag. (1522). Ccij*.
dreael (grewel), m. abominaüo, ab-
scheu, mhd, griuwel (Ben. 1, 585*. Lexer
1090); von grauen, vgl. grawel.
1) greuel haben an etwas, grauen, abseheu
GREUEL
165
GREULICH
vor einem gegeniiand oder einer Handlung
empfinden, a) gewhiUich mtl der praep,
an: sie sind, 911 welchen gott grewel hat.
Tit. 1, Iß; ich hab einen grewel an jnen ge-
habt. 3 Mos, 20, 23 ; du soll einen ekel vnd
grewel daran haben. 5 Mos. 7, 26; alle
meine getrewen haben grewel an mir. Hiob
19, 19; der herr hat grewel an den blut-
gingen vnd falschen. p$. b, 1 ; lügen bin ich
gram vnd habe grewel daran. 119, 163.
h) einmal mit gen.: volck des man grewel
hat. Jes. 49, 7.
2) gegenständ des abseheus, besonders
aus religiösem {sittliehem) gründe, a) von
personen: ein mensch, der ein grewel vnd
schnöde ist. Hiob 15, 16; die thoren sind
ein grewel mit jrem wesen. ps. 14, 1 ; wer
solchs thut, der ist dem herrn ein grewel. 5
Mos, 18, 12; die Edomiter soltu nicht für
grewel halten, . . . den Egypter soltu auch
nicht für grewel halten. 23, 7; sie (die
Egypter) hielten die kinder Israel wie ein
grewel. 2 Mos. 1, 12. häufig bezeichnung
des bapstes : nu für ich mit dem verfluchten
grewel am ersten sentit vnnd leysze vnd schon.
aniVDort deuisch. (1522). Aiiij''; ich weysz
DÜ was ich dencken vnd sagen sol widder den
vDBussprechlichen grewel des endchrists zu
Rom. grund vnd vrsach. (1521). mj^;
der grewliche grewel zu Rom, der sich bapst
Deonet. mder das bapsium. (1545). Aij^
h) von Sachen : falsche wage ist dem herrn
ein grewel. spr. Sal. 11, 1; mancherley
gewicht vnd mas ist beides grewel dem herrn.
20, 10. tut a. lest, besonders von levilisch
unreinen dingen : da seit dem herrn deinem
gott kein ochsen oder schaf opffem, das einen
km oder jrgend etwas böses an jm hat» denn
es ist dem herrn deinem gott ein grewel. 5
Mos. 17, 1; du solt ketoen grewel essen.
14, 3; vnd essen sdiweinefleisch, grewel
vnd meuse. Jes. 66, 17. oai kamfigsten von
den gölzen: die schrillt heisset die abgotter
eigentlich ein grewel, darumb das gölte- dar
for eckelt vnd graweL serm. von des jü»
diseken reiekes ende. fl525i. Aüij'; ver-
flacht sey wer ein götzen oder gegossen bild
macht, einen grewel des herrn. 5 Mos. 27,
15; also wandelt Salomo Astboreth dem gott
der von Zidon nach vnd Mdcom dem grewel
der Ammoniter. 1 kÖn. 11, 5 ; da bawete
Salomo ein höhe Chamos dem grewel der
Moabiter . . . vnd Molech dem grewel der
Ammoniter. v. 7 ; auch feget Josia aus . . alle
grewel, die im lande Juda vnd zu Jerusalem
ersehen wurden. 2 kön. 23, 24 ; ein jglicher
werfTe weg die grewel für seinen äugen vnd
verunreiniget euch nicht an den götzen Egypti.
Esech. 20, 7. c) von Handlungen: was der
gröste grewel ist, mus allezeit gottes namen
beschönen vnd auff sich nemen. vber das
erste buch Mose* (1527). Tij "; wollen dazu
noch allen grewel' verteidigen, artickel.
(1538). Aüi]**. tfi der bibel namentlich die
mit dem götzendienst, überhaupt mit allem
abfall von gott verbundenen greuelhaften
Handlungen: du solt nicht bey knaben ligen
wie beim weihe, denn es ist ein grewel. 3
Mos. 18, 22; kein weib sol mit eim tliier
zuschaffen haben, denn es ist ein grewel. v.
23 ; darumb haltet meine Satzung vnd rechte
vnd Ürat dieser grewel keine, r. 26; vnd sie
theten alle die grewel der beiden. 1 kÖn.
14, 24; darumb werden sie mit schänden
bestehen, das sie solche grewel treilien. Jer,
6, 15; vnd treiben vnternander freund mit
freunds weihe grewel. Ezech. 22, 11; damit
er einen grewel begehet. 18,12.
UttutlfiiUf m. was sagen sie nu hie tzu
yhrem abgot vnd grewel götzen. bulla eene
domini. (1522). Cüj'.
Clreiela^ grauen, mhd. griuweln, grAweln
{Ben. 1, 5S4 ^), impers. mit dat.: dir grewelt
für den götzen. Rom. 2, 22 ; mir grewiet
für yhr (der falschkeit). ps. 1 19, 163 var,;
vns eckelt vnd grewelt für dem sacramenl.
das diese wort etc. (1527). i ij'; allen den
es grewelt zu hören, das ein mensch rediter
gott sey. das schone eanfiUwdni. (15^0).
N4^
iBftmtlwafftf f. fre<(«en sehwetnefleuieh vnd
haben grewelsuppen in jreo töpfllm« Jes»
65, 4.
ttffflUch (grewiicfi), adf. und adv. gramen
erregend, mhd. griuwelidi, gekürzt gfiolwii^
als adv. griuweilclie, griulktie (Ben, U
5S4^ Lexer 1090?.
\iadj.: volck 69% grewlieber ist d««»
M>n%t irgend ein«. Jes. 1^, 2; er (der
kneekt goites) wird nidit märrifcli 90tt:H
GRIEBE
166
GRIECHEN
grewlich sein. 42, 4; vnd sihe das vierde
thier war grewlich Tnd schrecklich. Dan. 7,
7 ; nach meinem abschied werden vnter euch
komen grewliche. (reiszende) wolffe. ap.
geich. 20, 29 ; die sie {toeibchen der parden)
sind grewiicher denn die hee (männehen).
der proph, Habaeue, (1526). diiij^; die
greulichen, wilden lawen vnd beerenzeene.
das 14. vnd 15. eap. s. Joh. (1538).
Zzüij^; grewliche eyde. von dem bapstum,
(1520). Gij*; gar viel grewiicher grewel aus
vnwissenheyt der sprachen geschehen, an
die radherm, (1524). Cij*; grewliche
messen vnd abgöttereyen. vom grewel der
sUUmesse. (1525). Aj^ iCarUiad gibt)
dem bapst schuld viel grosser grewiicher
stucke, doi ander legi widder d. hgmL
Propheten, (1525). Lj^; zu solchs grewlichs
weszens besserung dieplich. an den christl,
adel. (1520). Eiij*;*die cardinel vnd deines
hofes puseron vnd hermaphroditen füren ein
solch grewlich wesen. mder das bapstum,
(1545). Fj**; solch vn^eschwungener, grew-
iicher, grosser betrug, von der mnkelmesse.
(1533). Fiiij*; ein greulich, vnchristlich
lestem. auff das vbirchrisUich buch. (1521).
Diij*; grewlich Scheltwort, der \0\. psalm.
(1534). Rij ^ ; grewlich schaden drausz folgt.
von weltlicher vbirkeit. (1523). Dj*; die
gar grewliche seelmörder sind, die das iunge
volck yin die klöster stossen. das 7. cap.
Cor, (1523). Kiij*. in abgeschwächter
bedeutung als verstärkungswort für sehr^
xum erstaunen : ein greuliche lange zeit, vber
das erste buch Mose. (1527). Yiiij*.
2) adv.: die wasserwogen brausen grew-
lich. ps, 93, 4; vnd handelst grewlich mit
mir. Hiob 10, 16; er lesset sich versttnen
vnd strafft auch grewlich. 5i>. 16, 12; wenn
sie {die Juden) auch so greulich gestrafil
würden, das die gassen vol bluts rönnen.
vom schem hamphoras, (1543). Aij^;
warumb hastu meine liebe tauffe so grewlich
gelestert? von der heil, tauffe. (1535).
Biij*; weil sich der römisch hoff so grewlich
für einem freyen concilio furcht, artiekel.
(1538). Aij*.
Clriebe (gribe), f. cremium, ausgeschmelzter
fettwürfel: meyn gebeyn seynde dorre ge-
braten wie ein {d. i, eine) gribe. die sieben
busspsalm. (1517). E 5^ var. xu ps. 102,
4 (in der ausleg. E 6**: eyne griebe); gleich
wie das fewr anszeagt als (ßtles) feyst vnd
macht eyn dürre gnben. ebend. E 6 ^ friM-
lieh für gute, fette beute: das ich von Engel-
ländern mit warheit mir hab lassen sagen, der
bapst habe aus Engelland jerlich neun tonne
goldes gehabt, etliche sagen wol mehr, warlich
die griebe mocht Constantimis erben zu Rom
den kol fett machen. Jen. 6, 524*. — mhd.
griebe m. {Ben. 1, 569 ^ Lexer 1079), ahd.
griupo {Graff 4, 310). über die etgmologie
s. Weigand wlb, 1, 457.)
drieche^ m. Graecus, mhd. Krieche {Ben.
1, 880^), welche Schreibung auch L, an-
fangs noch bietet : solche kunst hat nie keyn
Krieche ersehen, die doch ynn der spräche
geporn sind, das ander teyl widder d. hyml.
Propheten, (1525). Diij**; dieser tölpe geyst
wUl noch aller erst alle Kriechen zur schulen
füren, ebend. Diiij*; Jauan sind eygentlich
Jones, das ist die Kriechen, vber das erste
buch Mose. (1527). cij^; der Jauan ist ein
vater aller Kriechen, ebend. c üj " ; ebenso
in den bis xumj. 1527 erschienenen ausg.
des n. test. (x. b, Joh. 7, 35. 12, 20; ap,
gesch, 6, 1. 9, 29. 11, 20 u. a. st.); später
nur Grieche: der Grieche Plato. von den Jü^
den. (1543). Aiiij*^; da zu auch die kinder
Juda vnd die kinder Jerusalem verkaufit habt
den Griechen. Joel 3, 11; es setzten sich
auch die Griechen mit grosser macht wider
sie. 1 Maec. 8, 9. im n. lest, kommen die
Griechen wiederholt im gegensatze zu den
Juden vor, doch nicht sowM der abslamm"
ung als der religion nach, so dasz Griechen
so viel als heiden und beide zusammen die
gesummte menschheit bezeichnen: denn es
{das evangelium) ist eine krafft gottes, die da
selig machet alle die daran gleuben, die Juden
fumemlich vnd auch die Griechen. Rom. 1,
16; denn wir haben droben beweiset, das
beide Juden vnd Griechen alle vnter der sünde
sind. 3, 9 ; hie ist kein Jude noch Grieche.
Gal. 3, 28.
ClrieclieB {Kriechen), n. Griechenland,
mhd. Kriechen {Ben, 1, 880 ^) ; durch Alexan-
der den könig ynn Kriechen, der proph.
Habacuc. (1526). ciiji\- er {der Türke)
hat gantz Kriechen, vom krieg widder d, T.
GRiECHENLAND
167
GRIFF
(1529). Hj^'; die keiserthumb zu Assyrien,
Fersen, Griecheo. der 147. jwa/m. (1532).
6j * ; io kome dieweil der fttrst aus Griechen,
torr. vber den proph. Daniel. Bindseil 7,
370.
CriechaÜMMl (khechenland), n. Graecia:
<ier zigenbock aber ist der könig in Griechen-
land. Dan, 8, 21 ; der fürst aus Griechen-
laod. 10, 20; vnd wil deine kinder Zion
erwecken vber deine kinder Griechenland
(var. Griechland). Sadi, 9, 13; da kam er
in Griedienland (var, Kriechenland in den
ersten ausg, des n. test.), ap. gesch. 20, 2 ;
vud eben die selbigen sind auch die kinder
Zion, welche er vber che kinder Griechslandes
erweckt, das ist die apostel vnd iünger mit
dem euangeiio yns Kriechenland geschickt
aus Zion. der proph. Sacharja. (1528).
Bbiüj'«.
(iriecherei (kriecherei), f. d. Carlstad mit
seyner kriecherey (es ist die rede von Carl"
tlaäs ausUgung des abendmalstextes mit
herufung auf das griechische ohne genügende
keimlnis der griechischen spräche)» das
ander teyl widder d, hymL propheten.
(1525). Eiij **. vollständig s. die stelle unter
griechischverständig.
CIriecUscfc (griegisch, kriechisch, krichesch,
krichscfa, kriechscb), graecus, mhd, kriechisch
{Ben. 1, 880 **) : von demkriechscben keyszer.
an den ehrull. adel. (1520). Liüj^ die
krichsche kirche. van dem bapsium, ( 1 520).
Füij^; apostolus auff krichesch heist ein bot
auff deutsch, ebend, Dj*; erstUcli sollt die
heylige schrillt heyde aufflateinisdi, kriechisch,
ebreisch vnd deutsch vnd ob sie noch ynn
Qiehr sprachen were, drynnen seyn (tu einer
guten bibUotkek). an die radherim. (1524;.
Eij^; da* esebkopffwill kriechische spräche
meystern. das ander teyl widdtr d. hyml.
Propheten. (1525). Bi}^; nach der griegi-
sehen spräche, das diese wort eie, (1527j.
« j'; aus dem griegiacfaen. ebemd.; auff grie-
gisch. deudsck eateeh. (1529). Aij*: idui
tauseat gnechiscfaer fosknecfat. 2 Mau. 13,
2; ein gnecbiscfa (c«r. kneciii»<:h( weib.
Marc. 7, 26; Tnaotfaeus eine» jiidiMrhen
Weibes son, aber eines griefhLNrfaen «ater».
ap.gesdi. 16, 1.
Mechischfcntiaiigy gn^Ji^ier^tefuli^r,
der griediischen spräche kundig: wolan so
will ich d. Garlstad mit seyuer kriecherey den
kriechischverstendigen befehlen, das ander
teyl Widder d. hymL propheten. (1525).
Eiij ^ ; die griechsversteudigeu. vom abendmal
Chrüti. (1528). mj*; das las ich die
griechsversteudigeu ausfedtfen. ebend. Aüi]**.
ttries, m. historisch richtiger griesz, denn
mhd. grie; {Ben. 1, 577^ Lea:«r 1080),
grobkörniger sand , dann wie in folgender
stelle sandiges ufer: inn dem kqmen sie an
den gries bey dem wasser, In genant, von
er Leonhard Keiser, (1528). Diiij"; aufT
dem gries bey dem galgcn. ebend.
Criff, m. mhd. ahd. grif (B^n. 1, 572 ^
Leor^r 1081. G raff 4, 318), bei L. ge^
wohnlich in uneigentlicher bedeuiung für :
geschickte handlung einer sache, Kunstgriff :
dis ist die regel vnd grifl' die schrifTt auszu-
legen, wider das bapstum. (1545). Vj';
daraus last vns lernen, wilche die rechte kunst
vnd der rechte griff ist ans aller not vnd
angst zu kernen, der proph, Jona. (1520).
Fij * ; die veniunft kan doch den rechten griff
nicht treffen, solches zu verkomen vnd aus zu
wortzeln. ausleg. der ep. vnd euang. von
ostem. (1544). y5''. häufig mit übler
nebenbedeutung, list, betrug: dis ist eyn
schwinder griff, ron anbeten des sacraments*
(1522). Bij*; vnter yhreui handel manch
böser griff vud schedliclie fynantze ym braurh
sind. von kaufshandlung vnd wucher.
(1524). Aij'; vnzeliche, schwinde, b<#Ae grill
vnd tuck, die itzl vnter den kauffleutti'n zu
zotten gellen, ebenda Cij'; fUridhu vnd
sdiwinde griffe (laL technas at/|ue imponturai)).
deudsch eatech. (1529;. Liij''; spitzige
renc'ke, geschwinde gnffe, gifflige pra<'liken«
das 6. cap. Ephes. (1533). Giiij'; %if\i'\tf,
Sprüche wenlefi %\ti alle mit fielM'fiden gnffm
verdrelien. das 17. cap. s, Joh. i\%M).
Fiiij'-; dz solcher Minili^r griff auch ^emerltt
ward, rem den e^meilifs* i\%^^}. Pj*;
wenn die ketzer die »a#'heD mit blindirri griffen
wollen faL^:h maclfen. ebend* f'ij * : »#;bab'li'
beit aber bei««t atlUrrlry lione Uu:k vunI ge^
' «/'hfiinde, bhnde, gifflige griffe so twm Ifrau^ft
m d#T lere oder gffttM woH, da«W|pfg« zu
! Milien ^nd %erkeren. amleg, 4er ep, vnd
\euamg.ton ostem. (1544;. A5'; UmUsT"
GRIFFEL
168
GRIMMIG
listige griffe, de Wette 6r. 1, 237. etwas
am griffe haben, kunstgeübl darin sein: nicht
gewissen haben sie jhr lebtag gehabt, denn
solche jre eigen Weissagung, sie hattens am
griffe wie die fiddeler. das schöne confUC'
mini. (1530). Eij^
Mttl, m. Stylus, ritzendes Schreibwerk'
zeug, mhd. griffel (Ben, 1, 572^. Lexer
1083), ahd. griiil (Graff 4, 312); aus gr.
tat. graphium: vnd entwarffs (das goldne
halb) mit eim griffel. 2 Mos, 32, 4 ; ah, das
meine rede geschrieben würden . . . mit einem
eisern griffel auff bley. Hiob 19, 24; ein
griffel eins guten Schreibers, p«. 45, 2; wol
ists war, das Mahmet gern bette eiv leicht
gesetze gegeben, aber es ist jm nicht verbeuget,
seinen eriffel also zu regim, das er nicht viel
schweres mit vnter schriebe. Verlegung des
alcoran. (1542). Siij*".
Criffleln (grifflin), n. dim. zu griff. 1) im
sinne von Ust, ranken: es sind eytel rechte
teuffels grifflin, da d. Carlstad mit vmbgeht.
das ander teyl widder d. hyml. propheten.
(1525). Mj*; was von wucher vnd spitzigen
grifflin gesucht vnd geschrieben ist. wider
den Wucher. (1540). Aiij^ 2) 6cyn/f : aber
doch ein kleins kurtzes grifflin zu geben den
jenigen, so gnade vnd verstand haben, weiter
darnach zu trachten, sey das mein dienst.
vorr. auf das a, lest. Bindseil 7, 313.
Mkel, n. pr, Joh. Agricola von Eisleben,
seil 1536 professor in Wittenberg, seit 1540
hofprediger in Berlin: darumb solt ra. (ma^
gister) Grikel nicht mich Luther, sondern
sanct Paul verklagen. Jen. 7, 380^; solchs
sihet m. Grikel (de Wette br. 6, 255 : Grickel)
nicht, ebend. 381^; also stehet m. Grikels
klage wider mich, ebend. 382*.
M\ltff.(?)gryllus,(Alberus dicL Cciij':
grill, grillus, heymchin), mhd. grille mf.
[Ben. 1, 573^ Lexer 1084), ahd. grillo,
crillo m. (Graffi, 320), bei L, ist das genus
unentschieden, da das wort nur im pl. be-
gegnet: also haben die alten poeten vnd
weisen gespielet von den grillen oder heu-
schrecken. ausleg. der ep. vnd euang. von
ostem. (1544). Xx6^
ClriMil (grim); m. heftiger zom, iracundia,
furor, mhd. grim (Ben. 1, 573**. Lexer
1084) ; zu grimmen: bis sich der grim deines
bruders wende. 1 Mos. 27, 44; verflucht
sey jr zorn, das er so heff^ig ist vnd jr grim,
das er so störrig ist. 49. 7 ; da du deinen
grim ausliessest verz^ret ei sie wie stoppeln.
2 Mos, 15, 7 ; kere dich von dem grim deines
zorns. 32, 12; Pinehas hat meinen grim von
den kindern Israel gewendet. 4 Mos. 25, 11;
es ist ein grosser grim' des herrn, der vber
vns entbrannd ist. 2 kön. 22, 13; da ward
der könig seer zornig vnd sein grim erbrand
(«. entbrannte) in jm. Esth. 1, 12 ; da der
grim des königs Ahasueros sich geleget hatte.
2, 1 ; das yhr euch nicht furcht ... für dem
grym des brandschwantzs. ep. an die kirche
zu Erfurt. (1522). Aj**; hilff gott, wie
zornig sind die beiden, das sie . . für grossem
wehe mut vnd grym auch nicht sehen, was
odder worauff sie antworten sollen, vom
abendmal Christi. (1528). a ij " ; die lutheri-
schen müssen alle stunde gewarten, des
gantzen reichs grim vnd gewalt. wider den
meuchler. (1531). Giij*; der bapst möchte
für grimm zubersten. tischr, 311^. gen.
grims (vol grims. Esth. 3, 5. Dan. 3, 19),
gewöhnlicher grimmes (des grimmes. Hiob
40, 6. Zeph. 1, 15; meines grimmes. Jes.
1 0, 5 ; deines grimmes. 51,17; vol grimmes.
30, 27).
ClriniMeii, wie mhd. grimmen (Ben. 1,
57 3 ^ Lexer \OSb) in zwei bedeutungen ;
1) vor zom wüten: dawider die weit grimmet
vnd wütet. Eisl. 2, 22 *.
2) brüllen: vnd grynunen wie die lewen
Widder mich, von heimlichen vnd gestolen
briefen. (1529). Eij\
CriMBiei^ n. 1) das grimmig sein: lasz
dein grimmen, ps. 37, 8 var.; auff das der
herr von dem grimmen seines zorns abge-
wendet werde. 5 Mos. 13, 17; auff den tag
des grimmens. Hiob 2 1, 30 ; o des grimmens,
des vnwÜlens göttlicher maiestet, post,
(1528). 21 ^
2) statt krimmen tormina (s. d.) : ein vn-
settiger fräs hat das grimmen vnd bauch wehe.
Sir. 31, 24; ein vnsettiger fräs kriegt das
grimmen. 37, 33; die reichen jre sondere
plage vnd kranckheiten haben, zipperlin,
grimmen, lerne, hausposl. (Wittemb. ibib)
sommerteil. 86**.
Criiimig^ zornig, unfreundlich, wild.
GRIW
1«8
GROB
mM. i^iaunic, grioamee {Beiu U 674 ^ £e-
xer 1085), ahd. grinumg (£1^4.325):
der beir ist grimmig vber alle jre hetf . /m.
34» 2 ; das die leate hofferlig vnd grimmig
»Bd. Sir. 20, 21 ; eis grimmiger heBgst
Jer, 8» 6; ewer widderwertiger seUeichi
vmbhmr wie eyn grymmiger lewe. 4Mr propk.
SaeKofj^. (1528). Miy*; vnder gieng von
Pharao mil grimmigem zora« 2 üfat. 11,8;
der grimmiga lom des herra. 4 Jfoa. 25, 4;
sein grimmiger drachen vml Lewen laro. äm$
l^.e^.Joh. (1538). FfijS
(UMi m. auuMag, mki. grisi (Ami» t,
576^ iMm 1087)» oM. crint (ßraff^f
330): deui es ist grind. 3 Um. 18, 6;
wemt aber der grind weiter firisst ia der haut
V. 7 ; Xoies anssatx heisst aUeriey grimi \nd
Malern oder mal. |i. s« 3 M09. 13, 4 ;
grind oddar geneu am leib, dos 5. 6. fand
7. eap. M. MaUk. (1532). Gü>«; wok geni
seinen giind vnd gnatz an mir abreiben. He
1U.ßmiw9rU (1533). €j^ grind vnd gnaU.
wiäsr a€M» WwiL (1541). A^*; das die
laus im grinde sieb dicke weide, dar 101.
jMota. (1534). Jj^; wenn die lanss in
grini komet« so wird sie bofferlig {tpnA^
t0erl). £f /. 2, 467 ^
V^imBW. WwwSwflMpy veHeHHHOTB • S9 QC»
leib sei also essen vnd trinfifcen, sputzen vnd
aoftwecflen, grinden vnd krauen, dos 16.
ceji. dar eralen «f. $. faitä nn die Cer.
(1534). biüj*.
fifffmUclii gHMkU, «il frind ftdba/Üel,
mAd. gritttdH («an. 1, 577 \ I«rfr 1087):
grindiciit («or* grindicb). 3 Jfoa* 21, 20;
ob dn scbon grindicht, gnetzicht, stinekend
vnd aois vnreinest werest. aerm. eo» dam
fi.leai. (1520). Bq^; wir garstigen, lausigen
grindicfae manche, die M. milioorl. (1533).
Dinj*.
Mndigy doesel^e» «iM. grintec (Leser
1087): reodig, grindig, lausichL vUr fre^
diguntic. (1546). Liij^; ist er grindig, so
sucht man rat, das man den grind möge
heflen« ebeiidL Liüj*.
teindkisy n. dtm. %u grind: nu mos man
leiden, (4) etwa an einem schonen leibe eine
wartzen oder grindlin sey. uiditr Hans
Wor$L (1541). UüjK
Mnnmiy schreien: die letzte olung ist
DiBTS, WSrtcrtadk IL
kein sacrament . . . wie die rangen zu Löuen
grynnen (mti grossem gesckrei geltend mo-
e^en). lei^br die 32 orfteJkeJ. (1545).
Bj^ «x^ grynnen sseki leoM Mar ßr grtnen,
greis^en, mM. grtnen (Ben. 1, 576*. Isxer
1086).
%eek, eroema, mhd. grop (Ben. 2, 761\
leam 1092), ahd. gerob (ffraf 2» 356.
4, 309). ob mit eingeschaäetem e, so dass
g «mrieUUi/l ledre, oder außösung in ge»
rob(p) anstmeftmen« mius doAiNfeileM
Meidan. vgL Leaer a. a. 0.
1) Ol» moiae stark und gross, wnfein: vnd
schreibt drauff mit deutlichen groben (grossen)
bucfaalabee. der pro§h. Habaene. (1526).
hj'; ich sehe wol ich muai mit den pawr
eien vber die groben bloch kummen. egn
vrbsgl der iheoiegen. (1521). Di|*; der
Zwingel ist aUer erst ein vageschickter zymer-
man vnd hawet grobe spen. das diese tsort
ete. (1527). mj*; die laa nur ^robe (raiiAe)
drescherspeise essen, vom eeriomen acAo/.
(1533). Bij*; geringe grobe kleider • . . wie
bey vns die kütel vnd grob linwand. gl* su,
1 dhrom. 22, 16 ; grober rock, werckella^i*
klaid. gl, sn Jes. 20, 2; der einen groben
kittel an hat. Sir. 40, 4 ; grob (verdickt,
geronnen) blut. von den eonci/t/a. (1539).
Ei-.
2) McM in die dane faUend, deutlidt,
eH s en n bar: tust vnd liebe zu groben sttnden.
vber das erste buch Mose. (1527). Füij«;
mord, diebruch vndhurerey, geitz, bofbrt,
hass vnd neid. . . die heisaet man grobe vnd
erkendliche sunde. von der Sünde beider den
heiLgeist. (1529). Ag'*; inn dissem groben
(deutliehen) feynen exempell. ansUg^ der
ep.vndeuang. vom christag. (1522). Rrij'';
des mus ich ein grob exempel setzen, von
den eaneil^. (1539). Sij'; grobe thorheit.
van den Juden. (1543). Aüj^ grobe nar-
heiL vmnakendmal ChrisU. (1528). nij«;
oiit groben vageböfelten lügen, ebend. lUij'';
solche grobe lügen. arlidl;e/. (1538). Aiij*;
eine grobe, tölpische, nerrichte lüge, von den
Juden. (1543). Oiij*.
3)eo» Personen, umverständig, unge^
sehidct, ungebüdet: der vugelert, grober,
stollMr man. von den eandUJs. (1539).
Sj^; vnvemiinftig, das man heisst ein groboi
22
GROB
170
GROBES
man. gl. zu Rom, 1, 31 ; schertze nicht mit
einem groben menschen. Sir. 8, 5; ein
grober, angezogen mensch. 20, 21 ; keyn
rültze ist itzt so grob wenn yhm was trewmet
odder duncket , so mus der heylig geyst yhm
eyngeben haben, an die Christen zu Äntorff.
(1525). Aij*^; das er nicht dencke, sie seien
so grob, das sie gar nichts dauon verstehen.
das 16. cap. Joh. (1538). Gciüj'; der
grobe geist weis noch nichts was im himel
sein heist. vom abendmal Christi. (1528).
Ij''; es sind mir doch ja grobe vugelerte
hempel. ebend. liiij*; zur schule vnd zum
vocabulario exquo mit mit den groben ba-
chanten. undder das bUnd vnd toll verdam-
nis. (1524). Biij^; man mus den iungen
groben leuten mit ceremonien vnd eusserlieher
weise die lere einblewen. das 15. cap, der
ersten ep. s. Pauli an die Cor. (1534).
Xj*; die groben fantastischen münchen.
hausposl. ( fViltemb. 1 545). winlerteyl 49 * ;
diszer grober bockskopff. au/f das vbirchrisU.
buch. (1521). Cij**; wie wol die groben
eselsköpfie . . . schier nichts wol verdeudscht
haben, von heimlichen vnd geslolen brieffen.
(1529). Dij**; es sind grobe schendUche
bapstesel. auff das vermeintlich edict.
(1531). Fij*^; du bist zu mal ein grober esel.
von den concilijs. (1539). Nj^
CJrobj adv. ahd. grobo {Graff 2, 356).
1) obenhin j in allgemeinen umrissen:
wie aber das selb {die Schöpfung des weibes)
zugangen ist, schweigt er hie still, wird es
aber hernach verkleren ym andern capitel . . .
wie er auch sonst gemeyniglich von ersten ein
ding pflegt grob vnd obenhyn zu schreiben.
vber das erste buch Mose. (1527). Fiij*.
2) in hohem grade, sehr: dis stuck, höre
ich, treyben die Engelender kauffleute am
grobesten vnd meysten. von kauffshandlung,
(1524). Dj''; als er (Adam) sihet wie er ge-
narret hat, feret er zu, wil sich beschönen
vnd narret erst gröber, vber das erste buch
Mose. (1527). Liij*.
3) unverhülU, derb : was tzu gottes dienst,
dem volck tzu predigen, regiren vnd bessern
gestiCFt, musz ytzt den slalbuflen, mauitreibern,
ja das ich nicht grober sag, romischen hurn
vnd buflen dienen, von guten wercken.
(1520). Liij**; wo hat ers gelesen? der saw
im (grob heraus) hindern, vom sehem ham^
phoras. (1543). Eüj*.
4) einfach, deutlich, klar: ich musz aber
grob (einfach, simpel) reden, von dem bap-
stum. (1520). Biij^; das mus ich ein wenig
grob ausstreichen {hoc aliquanto planius ac
rudiui explicandum est), deudsch cateeh.
(1529). Bj**; solchs hab ich so grob vnd
alber daher müssen sagefi vmb der groben
[vnverständigen) ^ faulen Christen willen.
vermanung zum sacrament. (1530). Gij*.
drobeln (grobeh, grobbeln), gribeli^
rimari, scrulari, mhd. grübelen {Ben. 1,
563*. Lexer 1096), ahd. grubil6n, crupU6n
{Graff4, 308); nie^ xu graben, s. Wei-
gand wtb. 1, 460. für die sintUiche be-
deuiung „bohrend graben" ist mir aus L.
kein beleg zur hand, desto häufiger begegnet
es im sinne von^- suchen, erforschen, nach'
forschen, worauf sinnen (vgl. ergröbehi).
a) absol.: auff das hertzog George nicht
abermal zu grobein vnd -meine heimUche rede
zu steleü vrsache habe, von heimlichen vnd
geslolen brieffen. (1529). Dij"; sie suchen,
grobein vnd lichten, das sie ia etwas böses
von vns sagen, auff das vermeini keiserlich
edict. (1531). Füij*'; lieber gott, wie grub-
len sie, wie Sachen sie es so mancherley vnd
gnawe. Verantwortung. (1533). Gij^
b) mü acc. : (herzog Georg) grobbelt,
sucht vnd foddert die liandschhfft. von heim-
liehen u. geslolen br. (1529). Biij".
c) mit praep. : wie er soll nach frembden
brieffen grobein. ebend. Giij*; grobelt er
aber darnach hinder meinen wissen vnd willen.
ebend. Giiij*; (S. Frank) sucht vnd gröbelt
jmer nach -dem hosen, ein dialogus. (1545).
Aij ^ ; die ketzer vber vnd ausser der schriflt
jnn diesen hohen, vnerforschUchen sachen
sich vnterstanden zu gröbein vnd klügeln.
das 16. cap. s. Joh. (1538). Qiiij*.
dj mit abhängigem salz: (die list} sucht
vnd grobelt tag vnd nacht, wie sie vnter dem
namen vnd schein der billicheit zu marckt
kome. ob kriegsleutte etc. (1527). Biij^
CIrobeSj m. gröbs, kemgehäuse des kern-
Obstes, voc. ex quo bl. B .7 ^: grubsz, mhd.
grobis; (Lexer 1091): den selben apffel hat
jderman noch jm magen, . . wil sich nicht ver-
de wen lassen, denn auch die rechten heiligen
GROBHEIT
171
GROSCH
noeb etwas zum wenigsten von dem grobes
jnn sich haben, wider den wucher. (1540).
Jj'. heule üblicher, aber unrichUg griebs.
€r«blieitj f. beschränklheit , eitmehu-
losigkeil, ungeschliffenheiU bäuerisches toe-
#eit, mhd, grobheit» gropheit (Ben. 2, 762*.
Leoper 1003): aber dem bapslesel jucken die
ohren vnd wil sein ika vnd grobheit gekutzelt
haben, eine berichl. (1528). Dij'; das er
s^ner iünger grobheit vnd schwacheit (im)
glauben so freundlich tregt. posL (1528).
336*; vnvers^nd vnd grobheit ist das. von
den eoncilijs, (1539). Yiij * ; vnuern unfl\ das
ist grobheit vnd vnbescheidenheit gegen dem
Dehesten, als die dabawerkündigvndstoltzig-
licb andei; verachten, gl. zu Marc, 7, 22.
€r«Uai> m. bäurischer, ungeschliffener
mensch, bei L., wie im 16. jh. überhaupt,
laL'deutsch grobianus : Hans Grohianus bist
du. Eisl. 1, 335".
firoUirh (grohhch), adv. mhd, grobeltche
[Ben. 2, 762*. Lexer 1091).
1) simpel, einfach, ungekünsteU: weil
ynn diesen dreyen stücken kürtzhch, gröblich
(rudiler) vnd aufls einfelligste verfasset ist
alles was wn* ynn der schrifTt haben, deudsch
ealecH. (1529). Aiij**; aber weil sie noch
nit witzig sein worden, musz ich mit groben
{beschränkten) kopffen gröblich reden, von
dem bapstum zu Rome, (1520). Dlij**; als
das Ichs gröblich rede, von den eoncilijs.
(1539). diij*; vnd das wir gröblich mit
groben dauon reden, wider Hans Worst.
(1541). Oij^
2) tti hohem masze, sehr: ist sein nit gnug
geweszen durch szouiel hundert iar die edle
nation szo grohhch mit der naszen vmhzu-
füren, an den chrisll. adel. (1520). Miij*;
das es (Deutschland) sich die bepstischen
tyrannen szo gar gröblich liesz effen vnd
narren, der 36. psalm. (1521). Aij**; wie-
wol sie es (das dritte gebot) hernach all zu
enge spanneten vnd grohhch (vehementer)
misbrauchten. deudsch catech, (1529). Diij*;
die den feyertag gröblich misbrauchen.
ebend. Ej *.
3) handgreiflich, augenscheinlich, offen"
bar, deutlich : warumb leugstu so gröblich ?
das ander teyl widder d. hyml. propheten.
(1525). Bij^; lieber, was denckstu, das gott
damit meine, das er den Schwarmgeist so
gröblich lest narren ynn der schrillt, vom
abendmal Christi. (1528). sij^; solchs
können sie nicht leugnen, weil sie jr jemer-
lieber stand vnd erfarung . . . alzu wol vnd
aku gröbUch vber weiset, wider die sab^
bather. (1538). Aiij*; vnd schemet euch
nicht ewern geilz so gröblich an den tag zu
geben, von den Juden. (1543). Rj^
llroil, grolle 5 m. simultas, heimliche
feindsehaft, hasz, zom: der vnwille vnd
grolle. Jen. 5, 484*; dein bitler gifftiger
groll, das ander teyl widder d. hyml. pro'
pheten. (1525). Bij^; so wird es auch
seinen bittern grollen nach euch vrleylen.
der proph. Habacuc. (1526). diüj*; Jacob
nicht anders meynet, denn er (Esau) werde
seinen groll aufl' yhn vnd sein gesinde aus-
schütten, vber das erste buch Mose. (1527).
aa ij '^ ; an dem mus jderman seinen giflligen
vngesetigten grol vnd hass ausgiessen. das
17. cap. s. Joh. (1530). Giiij*; vud sehen
nicht, wie sie dem nehesten von hertzen feind
sind odder einen heimlichen grol widder jn
tragen, das 5. 6. vnd 7. cap. s. Malth.
(1532). Riij*; welchs kurtzumb keinen zom
noch grollen widder den nehesten leidet.
ebend. Sij*; so kunnten indesz die vnsern
den argwöhn oder grollen sanften, de Wette
br. 4, 589.
von mhd. grellen laut, vor zom schreien,
erst im 15. jh. auftauchend.
Crappei (gropen), m. weiter y eiserner
Kochtopf, mhd. grope, groppe {Lexer 1093) :
gab der prophet Ezechiel solch gleichnis, Je-
rusalem were ein gropen. Jen. 7, 296**;
sehusseln, bratspies, groppen. de Wette br.
6, 325.
die etymologie s. Weigand 1, 459.
Clroscli) grosche^ graschei^ m. eine sil-
bermünze, denarius, mhd. gros, grosse {Ben.
1. 578''. Lexer 1093), aus tat. grossus
dickpfennig: der grossclien. Jen. 1, 3^; ein
grossch hat zu der zeit fast 30 lawen pfennig
vnser meisnisschen müntze gegolten, gl. zu
Joh. 12, 5 ; ein grossche gilt 30 lawenpfennig.
gl. zu ap. gesch. 19, 19; ein grosche helt
30 lawenpfennig. gl, zu offenb. Joh. 6, 6;
vnd kaufft ein stück ackers vmb hundert
grosschen. 1 Mos. 33, 19.
22*
GRÖSGHLEIN
17i
GIOSZ
irSadikhi (-lin) , n* <ijiii. des vorigen :
drey lewen pfennige oder ein drey gröschlin.
§1. Mu 2 Mot. 30, 13.
41M8I (gros), magnut, mhd. ahd. grb%
{Ben. h 579*. Lexer 1093. GrafA, 335).
SU toi. grandis (?) vgl Kuhn zeilsehr, 9,
320. 11, 179.
1) grosz in bexug auf maeee un4 umfang
(ausdehnung): viid gott machet zwey grosse
fiechler, ein gros liecht das den tag regiere
vnd em klein liecfat das die nadit regiere. 1
Mos, 1, 16; das grosse wasser Phrat. 15,
18 ; das grosse meer. 4 Mos, 34, 6; grosse
wüste. 5 Mos. 2, 7 ; grosse berge. Jes. 30,
25; eine grosse stad. 1 Mos. 10, 12; der
grosse zdie. 2 Mos. 29, 20 ; drey grosse,
iange zeene. Dan. 7, 5 ; der ein grosser
mensch war« Jos. 14, 15 ; sihe nicht an seine
gestalt noch seine grosse person. 1 Sam*
16, 7 ; die schatten werden gros {lang). Jer.
6, 4 ; vnd lag ein grosser stein für dem loch
des bruns. 1 Mos. 29, 2; da hast einen
grossen {weiten) weg für dir. 1 kön, 19, 7 ;
wiewol ich mit gewallt hab müssen mich
aaffhalten, das (dasz es, se. das buch) nicht
allzu gros {umfangreich) wurde, das man
Under xur schulen halten solle. (1530).
Aij*. ndt gen. des masxes: einer eilen gros.
1 Mos. 6, 16 ; vier eilen gros. 1 kön. 7, 19.
2) grosz in hexug auf anzoM und menge:
ich wil dich zum grossen volck machen. 1
Mos. 12, 2; das er viel guts hatte vnd ein
gros {xahlreich) gesinde. 26, 14; grosses
kriegsuolck. Jud. 9, 5.
3) grosz, heftig, stark: der herr plaget
den Pharao mit grossen plagen. 1 Mos. 12,
17; grosse fiustemis. 15, 12; mit grosser
{lauter) stimme. 5 Mos. 5, 22 ; ein gros
geschrey. 2 Mos. 11, 6; eine grosse sände.
32, 21 ; mit gcossem zom. 5 Ho* 29, 28 ;
grosse freude vnd wonne. 2 Sam. 1, 26;
grosse {schwere) krankheit. 2 chron. 24,
25 ; dazu leiden sie grossen hunger. Jud. 1 1,
10 ; grosse vnd vnmeidliche not vnd dringende
vrsachen, solchs zu setzen vnd zu schlieszen.
wider das hapstum. (1545). Aiiij^; grosser
hasz. auf das vhirchristl. buch. (1521).
Aij ^ ; so grosse hitze vnd so grossen vnlesch-
liehen durst. ausleg. der ep. vnd euang. von
ostem. (1540). h5*; so geschieht dem
teuffei eine grosse sehalckheit das schone
confiiemini. (1530). Jiij^ dis ist die
grosseste sorge der Weichlingen, vier trostl»
psahnen. (1526). A5^
4) grosz, bedeutend, wichtig: vnd hat
nichts so gros in dem hause, das er für nair
verholen habe. 1 Mos. 39, 9 ; wo aber eine
grosse Sache ist, das sie die selb an dich
bringen, vnd sie alle geringe sachen richten.
2 Mos. 18, 22; hie hebt sich eine grosse
{wichtige) frage, vber das erste buch Mose.
(1527). Dij*.
5) major natu: da Isaac alt v^r worden
. . . rieff er Esau seinem grossem son. 1 Mos.
27, 1 ; vnd hub am grossesten an bis auff den
jüngsten. 44,12; die drey grösteiTsönelsai.
1 Sam. 17, 13; er ist mein gröster bruder.
1 kön. 2, 22.
6) mächtig, angesehen, vornehm: vnd er
f Isaac J ward ein grosser man, gieng vnd aam
zu bis er fast gros ward. 1 Mos. 26, 13 ;
vnd Mose war seer ein grosser man in ^gYp-
tenland für den knechten Pharao vnd für dem
volck. 2 Mos. 11,3; vnd solt nicht furziehen
den geringen noch den grossen ehren. 3 Mos.
19, 15; da sandte Balak noch grösser vnd
herrlicher fürsten denn jene viraren. 4 Mos.
22, 15 ; auff diesen tag ein fürst vnd grosser
gefallen ist in Israel. 2 Sam. 3, 38; die
grossen herrnn. wider den falsch genanten
geisll. stand. (1522). Aij*'; die grossen
herrn. antwort deutsch. (1522). Biij*; von
einem herrn odder grossen man. ausleg., der
ep. vnd euang. von ostem etc. (1544).
Xiüj*'; die grossen Hansen, die weish. Sal.
(1529). Aiii^
Clr«8i^ adv. viel, sehr, mhd. gr^^e {Ben,
1,579**. Lexer 1094): hie las vns nu lernen
vnd zu herlzen fassen, wie gros an disem ge-
pot gelegen ist. deudsch catech. (1529).
Giij^; weü er selbs ausdrücket wie gros yhm
daran gelegen sey. ebend. Miij * ; es ist an
diesem erkentnis gros gelegen, von den
schlüsseln. (1530). Aij"; der man Noah
hernach der weit gros geholffen hat. vber
das erste buch Mose. (1527). Siüj'; vnd
wollt nicht gros dafür nemen. das ander
teyl Widder die hyml. propheten. (1525).
Püj*; die sich grosz mühen vnd allen vleya
GROSZACHTUNG
173
GROSZVATER
forweBdoi. ierwL von dem n. tesL (1520).
Cöj»».
iffMUcliiMBgi f. hoehtehäUumg : grosz-
achtutig des ablas, ierm, von i$m äbloi tnd
fmad. (1520). Giij"; grosacfatnug der Sünden,
/«n. 1» 170 K — mhd, grA^achtunge {Leiter
1094).
IMsM^ ^ magnüudo^ wM. grosse {Ben. 1,
580". Leaer 1095): der herr ist gros vnd
seer löblich vnd seine grosse ist vnanssprech-
lieh. ^. 145, 3 ; wdcher ist mter euch • . .
der da künde eme eile lang seiner grosse zu*
setzen? Xmc. 12, 25; die vberschwengliche
grosse seiner krtüt. Ephee. \, 19; die
grosse, mennige md sdiand der sunde. ^fnintf
vmd vnrnd^, (1521). e üj*; vmb der grosse
vnd höhe willen solchs Stands, dae 7. eeip*
Cor. (1523). Jj^
firesielterii pL die groszeltem haben jre
kindeskinder ynd nelTen lieber, denn jhre
eigaie Ton jhrem leib erzengete kinder.
Heehr. 46 \
€r«sigeiatUdij hoMiegabi, toUgeUiee:
die grosgeistlichen vnd weisen können nicht
anders, denn jnen selb wolgefallen, sicher
sdn, in jnen selb gloriem, gros von sich
halten. Jen. 1, 18 ^
ISfMiheitj f, groetej mhd. grA^heit {Ben.
1, 579 **. Lexer 1095) : groszheit der sonnen.
Hechr. 16^
Crfssihenigy muÜUg: die groszhertzigen
fenrichen, die nit durffen an tag sich geben
vnd doch gerne wollen sighaffÜg werden.
von dem bapstum. (1520). Ai]^.
6fssiUch| adv. sehr, aufs höchste, mhd.
gro^-, groß^licbe {Ben. 1, 579 ^ Lexer
1096) : das priester sich beweyben . . . ergert
auch grosszlich vnd ertzürnet auch die papisten
vbir die massz. von beider gestalt. (1522).
Cüij * ; wie hett golt seyne gute groszlicber
mocht ertzeygenn. ausleg. der ep. vnd euang.
vomchrislag. (1522). Fi^
drssnuieherj m. stille den grausamen
affterreder, anklager vnd grossmacher vnser
Sünde, den bösen geist. Jen. 1, 254^.
Crssmichtig (groszmechtig), sehr mäch-
tig, potenHssimus, in dem titel des deutsehen
haiiers: der allerdurchleuchtigisten, grosz-
mechtigisten keyserlichen maiestet, an den
ehrüa. odeL (1520). Aiij*. — mhd. grA;-
mehtic oorpulentus {Lexer 1096).
flrssnrahsMi f. L, grosse mome, grost"
bmse, die eekieeter des^ groezvaters oder
der groesm/uUer: vnd ist EUsabeth jhre {der
mutter Jesu) mume vnd des herm grosse
mome. vom sd^em hamphoras. (1543).
Mij*.
flrsssnithlgkeit, f. me^gnanimileu, mhd,
grA^uotecheit (Hai. 2, 2601*. l>xer 1096):
dein hertz wird sich ausbreytten ist leycht
znuerstehen, das es sey grosmüttickeyt,
sicherbeyt Vhd freyheit. posl. (1528). 204\
flrsamitteri f. avia, mhd. grd^uoter
{Ben. 2, 269 *. Lexer 1096) : welcher znnor
gewonet hat in deiner grosmutter Loide. 2
Tim. 1, 5; Sara seine {Jaeobs) grosmutter.
vom den Juden. (1543). Gj*; das las ich mir
nicht' nemen« das ich mich rhüme, Moha sey
mein rechter natürlicher grosvatö* vnd seine
ehefrawe (wo* sie gewesen ist) sey meine
rechte natürliche grosmutter. ebend. Cij*";
fraw vemuniltt der alleosis grosmutter. vom
abendmml ChrieU. (1534). iij**.
firsasschitrigf hod^eehrl : alles das einen
menschen mag zeitlich zieren, ihümen vnd für
den leuten oder vor jm selbs grosschetzig vnd
gefeUig machen. Jen. 1, 96*.
firsMthiler^ m. wer groexe Ihaien ans-
jiehtel: die hoffertigen heiligen, diegrostheter.
Eist. 1, 28*.
(Irssithitlgj grosze thaten verrichtend,
mhd. gro^taetic {Ben. 3, 1 49 K Lexer 1096) :
Herodes kompt von heros vnd heyst kerlisch,
hszisch, grossthettig. ausieg. der ep. vnd
euang. vom christag. (1522). iii ij ^ ; {Maria)
darff mit einem wort alle mechtigen kranck,
alle grosztettigen krafftlos machen, das sm-
gnificat. (1521). fijK
iirstifaler, m. avus, mhd. grAi^vater {Ben.
3, 279". Lexer 1096), einmal bei L. auch
getrennt grosse vater {vgl. groszmuhme) : das
dritte heubt concilium ist gehalten vnter dem
keiser Theodosius dem Jüngern, des grosse
vater war Theodosius der erste, von den
eondUjs. (1539). Rij"; {Jacob) Abraham
seinen grosuater hies. von den Juden. ( 1 543).
Gj*; vnd sind beides nifflel eines grosuaters.
vom schem hamphoras. (1543). Lij". auch
mit dem schvo. gen. vatern ; eines grosuatern
GROSZWICHTIG
174
GRUMPE
nifltel. ebend,; seines grosvatern natürliche
tochter. ebend, in weiterer bedeulung für
majore», vorfahren i das ich mich rhüme,
Noha sey mein rechter naturticher grosvater.
von den Juden, (1543). Cij**; so schemet
sich Moses nicht seine grosueter so zu
schmehen. vber da$ erste buch Mose, (1527 .
iij"; vnd sollen gottes volck vnd Christus
grosueter sein, ebend.
(Irtsiwichtig, sehr wichtig : ein trefflich,
groswichlig, sonderlich exempel. ausleg,
der ep. vnd euang. von ostem. (1544).
Cc5\
UrfAtsf.fovea, mhd, gruobe (Ben. l, 562^.
Lexer 1104), ahd, gruoba, cruopa {GraffA,
307)» goih, groba; zu graben.
1) grübe, fovea, fossa: der aber einen
(sc, centner) empfangen hatte, gieng hin vnd
machete eine grübe in die erden vnd verbarg
seines herrn geld. Matth, 25, 18; vnd
macht vmb den altar her eine gruben. 1 kön,
18, 32 ; so jemand eine gruben aufithut oder
grebt eine grübe vnd decket sie nicht zu vnd
feilet darüber ein ochs oder esel hin ein, so
sols der herr der gruben mit geld dem andern
wider bezalen. 2 Mos, 21, 33. 34. insbe-
sondere cisleme : lasset vns jn (den Joseph)
erwürgen vnd in eine gruben werffen. 1
Mos, 37, 20 ; vnd worffen jn in eine gruben,
aber die selbige grübe war leer vnd kein
Wasser drinnen, v, 24 ; da namen sie Jeremia
vnd worifen jn in die gruben Malchia . . . vnd
liessen jn an seÜen hinab in die gruben, da
nicht Wasser, sondern schlam war. Jer. 38,
6. da man sich der trockenen dstemen, wie
die zuletzt angeführte stelle zeigt, auch zu
gefängnissen bediente, so steht grübe auch
für gefängniss überhaupt : das sie versamlet
werden in ein bündlin zur gruben vnd ver-
schlossen werden im kercker. Jes. 24, 22 ;
also gieng Jeremia in die gruben vnd kercker.
Jer. 3, 16. — einem eine grübe graben, ihm
nachstellen, um ihn zu fall zu bringen: jr
fallet vber einen armen waisen vnd grabt
ewern nehesten gruben. Hiob 6, 27 ; die
stoltzen graben mir gruben, ps. 119, 85;
sie haben meiner seelen eine gruben gegraben.
Jer, 18, 20; das heisst recht eim andern eine
gruben gegraben vnd selbs darein gefallen.
ausleg. der ep. vnd euang. von ostem»
(1544). DDj-.
2) fodina, bergwerk : es ligt das ertz noch
halb ynn der gruben, post. (1528). 112'*.
3 1 grab : das ich nicht gleich werde denen
die in die gruben faren. ps. 143, 7; die in
die gruben faren. Jes. 38, 18; bis er eyns
(einmal) ynn die gruben kömpt. das bene-
diclus. (1525). Cj>'; es klebt vnd hengt
der natur an bis ynn die gruben, deudseh
catech, (1529). Rj '*; wil jch auch hin fürt
mich mit den bösewichten zuflucben vnd zu-
schelten bis jnn meine gruben, wider den
meuchler. (1531). Diij" ; als der ich nu auff
der gruben gehe (dem ende nahe bin), kurlz
bekenlnis. (1544). Aij*; vnd gar auff der
gruben gehet, das 5. 6. vnd 7. cap. s. Matlh.
(1532). piüj\
firihela^ s. gröbein.
firnbleia (-lin), n. kleine Vertiefung, mhd.
grüebelin (Ben. 1, 563". Lexer 1097), dim.
zu grübe: vnd findet, das an der wand des
hauses gele oder rötliche grüblin sind. 3 Mos.
14, 37.
firift, f höhle, höhlung: des brunnen
grufit. Jes. 51, 1. mhd. gruft (Ifeti. 1, 563'*.
Lexer 1100), ahd. cruft (Graff 4, 309);
wohl nicht von graben (Grimm gr. 2, 207),
sondern entlehnt aus alUlal. grypta, gr. lat.
crypta. s. Weigand 1, 460.
(Irimmet (grumetj, n. nachheu: im anfang
da das grumet aufigieng vnd sihe das grumel
stund. Arnos 1,1, früher auch grummat,
im Ib.jh. grüemat, aus mhd. grüenmat(ßen.
2, 21 *. Lexer 1098) = gras welches grün
(unreif) gemäht wird, nicht reif wie das
heu. Weigand 1, 461.
firnmp«, m. nebenf. zu krume (vgL
Schmeller 1», 1370. Frisch 1, 552*.
Adelung2,\0Sß unter krume). 1 ) brocken,.
Überbleibsel einer sache : gute brocken vnd
grumpen so vber blieben sind von der fülle
der lieben heiligen, ausleg. der euang, an
den fümemisten festen. (1527). aaij*»;
brosamen, brocken vnd grumpen so vbrigsind.
hauspost, (Wittemb. 1545). vorr. Aij"; wa
ist jemals eine stad oder land zerstöret, dauon
man nicht vbrig funden bette schlacken^
grumpen vnd stücke? wider die sabbaiher^
(1538). Eij''.
gron
175
GRUND
2) hildUeh: da höret ich vDler andern
guten groben gnimpen vber tische (tiiehge^
s^rächin, späiEen) curtisanen lachen vnd
riramen, wie u. s. w. von der winckelmeise.
(1533). D!i^i^
3) redensoH: grosse grumpen fürgeben,
den «und voll nehmen, ein grossee toori
führen: wenn einer zu dir kompt vnd dir
anzeigt von deiner braut odder weihe, sie sey
nicht rein, gibt grosse grumpen für, wie ers
gesehen, geboret habe vnd aller dinge gewis
sey etc. von ehesaehen. (1530). Gij*; das
er (der Inschof von Naumburg) solche vn-
geschickte schrifit mochte an die zur Neum-
bürg vnd das stiflt schreiben,- darin er grosse
gnimpen fiirgibt, er habe die walh angenomen,
wiewol beschwerhch vnd wolle alle gnade
erzeigen, exempel ele. (1542). Ej"; wie
zmdtk newhch ein toller geist grosse grumpen
furgab, wie ferlich wir Christen lebeten, das
wir eine creatur für gott anbetten» die letzten
Worte Davide. (1543). Tj*.
(Sria, grine (po«l. 1528. 307*^), vtrt'dt«,
mM. grüene (Ben. 1, 580*. Lexer 1097),
akd. gruoni, cruoni (Graff 4, 298).
1) viridis, von der färbe: grün, gel,
blaw, rod. von menschen lere zu meiden.
(1520). Aiij*; von grünen marmeln. Esih,
1, 6; das yhn grün vnd gelb für den äugen
schymert. trtder d, bMen des endchrists.
(1520). Bij«.
2) von pflanzen und deren theilen: grün
kraut. 1 Mos. 1, 30; das grüne kraut. 9,
3 ; VDler grünen bewmen. 5 Mos. 12,2;
me ein grüner olebawm. ps, 52, 10; vnd
hdwet drein, weü sie (die dornen) noch so
grün vnd frisch sind. Bindseil 7, 322 ; grüne
zweige. 2 chron. 10, 6 ; seine bletter bleiben
grüne. Jer. 17, 8; dein äuge sihet gern ...
eine grüne saat. Sir. 40, 22; das grüne
gras, ifarc. 6, 39; so man das thut am
grünen holtz, was wil am dürren werden.
Lue. 23, 3 1 .
3) frisch, roh: fisch grün {im gegensalz
zu fisch dürr) sind die rohen, ungesalzenen,
de Wette br. 6, 330.
4) jungy neu : da es noch gr(in vnd new
war. das 16. cap. s. Joh. (153S). Rij'';
vnd also noch grüne vnd schwach ist ym
glauben, post. (152S). 307*; ich bin zu
grün (jung, unerfahren) dazu, das ich oben
wil anheben. Eist. 1, 328 ^
5) der grüne donnerstag, dies viridium:
am heyligen grünen domstage. bulla cfne
donUni. (1522). Giij '*; am grünen domstag.
post. (1528). 46*. auch gründomstag.
vnterricht der visitatom. (1538). Liq^
fimrf (grünt. vondembapstumzuRome*
1520. Dü^^),m.fundus,mhd.ahd.^ni(Ben.
1, 58i*. lexer 1101. Graff A, 330), goth.
grundus (in grunduvaddjus grundmauer) ; zu
ags. grinden mahlen, zerwMlmen, s. Wei-
gand wtb, 1, 461. tu allen heule me
schon mhd. gangbaren bedeutungen.
1) unterste fläche eines korpers oder
raumes, eigentl. u. bildlich.
a) grund, fundus, boden, des wassere,
besonders des meeres, meeresboden: grund
des meers. Hiob 38, 16; der den grund des
meers zum wege macht. Jes, 51, 10; diese
zoch sie aus dem gründe der üeffen. weish.
1 0, 1 9 ; das alle gründe ym wasser verlrocken
werden. Sach. 10, 11 tu der Übersetzung
v.J. 1528» tu der ausleg. {der proph. Sa^
charja. 1528. Eej^) alle tieffe gründe ym
wasser ; sie fielen zu grund wie die steine. 2
Mos. 15, 5; gleich als wenn man ein bley
oder klotz ins wasser wir£Ft, welches balde zu
gründe sinckt. EisL 1, 364*; da das meer
vnd wasser zusamen fiel, da tauchten sie zu
gründe, ebend. 364 ^. hierher die redens"
art: zu grund gehen für untergehen, ver^
derben : die mit dem herrn haddem müssen
zu grund gehen. 1 Sam. 2, 10; wie ein
tyran zu grund gehen, ps. 82, 7 ; wer zu
grund gehen sol, der wird zuuor stoltz. spr.
Sal. 16, 18; ja du thust fein, lobest vnd
dienest gott vnd gehest drüber zu grund.
gl. zu Hiob 2, 9 ; es sind wol mechtiger vnd
mehr könige vnd wol erger buhen zu grund
gangen. Bindseil 7, 337 ; als wollten sie alle
schulen, zucht vnd lere lassen zu gründe
gehen, das man kinder zur schulen hallen
solle. (1530). Bij''; wenn solch bergwerck
fundgrub vnd bandet, nemlich fegfewr, messen,
walfarlen, stifTten, brüderschafften, ablas,
bullen etc. müsten zu grund gehen, von den
concilijs. (1539). Fj''. anders in folgender
stelle : gottes werck sind rechtschaffen, gehen
zu grund vud boddem (bleiben nicht auf der
tiRUND
176
GRUND
oherfläcKe haften, dringen luf em), vher
das ersie buch Mose. (1527). Bbüj\
h) grund des henens, das innerste des
hersens: es Ut von grund meioes hertzen von
der golÜoseA wesea gesprochen, ps. 36, 2;
DU kennet er ja vnsers kertzen grund (tN»r*
das haymliche ym hertsen). 44, 22 ; es sind
buken mcht aUeyn ynn der hautt, sondern
auch ym grund yhres herlzen. das 7. eap.
Cor, (1523). Aiij'»; ein eiterqnell im gründe
deshertzen. htmspost. {Jhena. 1559.) 2^9''.
e) aus dem gründe, von grund auf, grün4^
IM; aus dem grund mus es geheüel sein.
das 16. eap. s. Joh. (1538). Lij^ -^ zu
gründe, bis an den grundf grikndUeh, ganz
und gar : da wird denn seine gewalt weg ge*
nomen werden, da» er zu grund vertilget vnd
vmbbracht werde. I^oii. 7, 26; da die' gott*
k>sen zu grund verloren sind. Bindseü 7,
391 ; ich sag zum ersten, das es gut were,
das gebtlich recht von dem ersten kuchstaben
bisa an den letzten wurd zu grund auszge-
tilget, an den ehrisll adel. (1520). Lij*;
der Iei€kgegeitz vnd wucher habens {Deutsch^
laiuO Ktt grund verderbet, wider den umeher,
(1540). Aij"; bis ich zu grund verterbe.
ebend. Biiij*; als der einen hungers sterbet
vnd zu gründe verterbet. ebend. Düj*'; wo
ein reich oder fürstenlhumb hoch kompt, da
ist kän rüg« des neidkards bis es zu grund
zerstöret werde, uon den Juden, (1543).
Lj *. — BD gründe, dem innersten wesen
nach, in Wahrheit: s. Paulus zeygt disze
eynige an vnd ich weys auch ym grund kein
sterckere vnd bessere, das 7. cap. Cor.
(1523). Eiij*; vnd ist doch ym gründe gott
verleugnen vnd hassen, vber das erste buch
Mose, (1527). Kiiij*; was ist nu mensch-
liche wolthat jm gründe denn ein dreifeltige
vbelthat. das schöne eonßtemini. (1530).
Oiij*; darumb ists klar, das dieser Jüngling
die gebot im gründe nicht gehalten hat, wie
er doch meinet, gl, mu Matth, 19, 21 ; jr
Christen solt eine rechtschaffene liebe haben,
die nicht gleysse vnd leuchte wie ein jrwisch,
vnd doch im grund beucheley ist. Witlemb.
1, 220 »».
2) tiefliegende gegend, thal, niederung:
alle meer, see vnd tieffe wasser stehen ynn
griinden zwischen bergen, auff ebenem lande
können sie nicht bleyben, so sind nu der
berge grttnde das tieffeste tat vnd boden ym
meer, da die berge vnden zu aamnn rüren.
der proph. Jena, {ib2ß). Hiij*; des sacra-
ments ghiub macht alle krumb (krOmmungen)
schlecht vnd füllet alle grund (thäler), serm.
vender bms. (1519). bij**; auch gruben
Isaaes knechte im gründe (vor. tal) vnd funden
das^bs einen brun lebendiges wassers. 1
Mos, 26, 19; ynn der awe, ym gründe, der
proph. Saehairfa. (152S). Füj*; die Ama*
lekiter vnd Gananiter, die im gründe wonen.
4 Mos, 14, 25; auff den gebirgen vnd in
den gründen. Jos, 9, 1 ; die Syrer haben ge-
sagt, der herr sey ein gett der berge vnd
nicht ein gott d^ gründe» 1 hon. 20, 28 ;
du lessest brünnen quellen in den gründen.
ps. 104> 10.
3) fester boden worasrfnum fuSMon kann,
ort Mum stehen: ick versincke in tiefem
schlam, da kein grund ist. ps, 69, 3 ; gleich
wie hie Jona aus dem schiff geworffen wird
yns meer, da er keinen grund fnlet. der
proph. Jona. (1526). Fiij^; als einsprunck
vber eynen flachen ström, da man auff beyden
seytten eyn gewissen grund vnd vfer sdhet.
ebend, -^ abstraot, etwas sidwres^ zuvor-
lässiges, gewisses: diesze drey artickel hab
ich auff schulrecht nur disputirt, offl bekennet,
es sey man gut duncken, ich wisse aber
nichts grunds noch gewisses dauon antzu>
tzeigen. grund vnd vrsach, (1521). oig**;
das aber etliche bücher von dem Habacuc
melden, er habe dem propheten Daniel zu Ba-
bylon essen gebracht yns gefengnis aus dem
judischen binde bat widder grund noch achem
{ist weder gewis noch wahrscheinlich), der
proph. Habacue. (1526). büij^; die Krie-
chen solchs zuschreiben der königin Semira-
mis, aber sie haben das wenig grunds (haben
für diese annähme wenig sichere anhalte-'
punkte), ebend, lij*.
4) grundlage, fundament, a) von gebäu--
den, X, b, einer mauer, einem hause u, dgL :
er (der stein) sol mir nicht die Ittcken büssen,
noch eine fülle stein geben, auch nicht so
geringe sein als ein werckstück, sondern ein
eckstein sein jm gründe, das schöne conße-
mini, (1530). Mj^; gehawene steine zum
grund des hauses. 1 kön, 5, 17 ; im vierden
GRUND
177
GRCNDEN
jar im mondea sif ward der grund geleget am
hause des beim. 6, 37 ; der grund des
tempels des herm war noch nicht gelegt.
Eira 3, 6 ; er ist gleich einem menschen der
ein haas bawete vnd grub tieff vnd legete den
grund anff den fels. Lw:, 6, 43; vnd die
maur der stad hatte zwelff gründe, offenb,
Joh, 21, 14; vnd die gründe der raauren vnd
der stad waren geschmücket mit allerley eddel
gesteine. v. 19. b) übertragen auf geistige
verhäUmese: ich von gotles gnaden, die mir
gegeben ist, hab den grund gelegt als ein
weiser bawmeister, ein ander bawet darauff.
1 Cor.- 3, 10; erbawet aulT den grund der
apostel vnd propheten, da Jhesus Christus der
eckstein ist Epkes. 2, 20 ; des newen testa-
ments grund. Bindseil 7, 303; s. Paulus
den selben {den Spruch Hab. 2, 4) gleich
zum grund legt seiner aller schönsten epistel
zun Römern, der proph. Habacuc. (1526).
b j * ; bapst vnd romanisten nit mugen leyden
frag Tiind erforschung des grunds bepstlicher
gewali. von dem bapstum. (1520). Hj*^;
vnszer glawb soll eynen grund haben der
gottis wort sey vnd nit sand vnd mosz.
ausleg. der ep, vnd euang. vom christag.
(1522). ffTiij^; vnd auch noch nicht anders
weis zu predigen zum grund vnser Seligkeit,
denn von dem herrn Christo, das 15. cap.
der ersten ep. s. Pauli an die Cor. (1534).
Diij ** ; das ich dir zeiget einen gewissen grund
der warheit. spr, SaL 22, 21 ; auff das du
gewissen grund erfarest der lere, welcher du
vnterrichtet bist. Luc. 1,4.
5) argumentum, ratio, beweisgrund: es
wirt wol mehr dings an {ohne) gruodt vnnd
bewerung gesagt, serm. von dem ablasz.
(15 IS). Aüj*; vnd sprach, ich mechte eye
iawff drausz, weyl ichs mit gutem grund nitl
widderlegen kunde.ein widderspruch. (1521).
(1521). Aüj"; zeyge grund, zeyge schrifffc.
das ander teyl widder d. hyml. propheten.
(1525). Cj**; wo ist hie schrifft vnd grund?
ebend. Fij ^ ; sie meinen wol, Lemech der den
Rain erschlug, sey also gestrafft, das sieben
von seinem geschlecht erwürget seyen, ist
aber da kein grund aus der schrifft. vber
das erste buch Mose. (1527). Qiij''; wer
nicht wil gleuben, das gott vnd die Christen-
heit, glaub vnd wort etwas sey, der wird sich
BiKTZ, Wörterbaoh. IL
nichts lassen weisen noch vber reden, ist alles
vmbsonst vnd verloren, was man jm saget,
gleich als wenn du' einen Türeken woltest
vberweisen mit vnserm glauben, denn er ge-
stehet dir nichts vnd leugnet alle deine gründe.
das 15. cap. der ersten ep.s. Pauli and. Cor.
(1534). Jtj*^; wenn sie das mit einigem
grund (beger nicht viel gründe) beweisen, so
wollen wir vns gefangen geben, wider Hans
Worst. ( 1 54 1). Cj * ; die fermelung hat keinen
grund {kann nicht aus der schHft bewiesen
werden), das ein sacrament sey. wider die
Z2artikel. (1545). Aiiij^
6) grundstiick» grundeigenthum, im gegen-
sals SU der fahrenden habe : das ich kündte
keuffen einen garten, acker, haus oder was
für ein grund ist. wider den wucher. (1 540).
Cj * ; zur zeit Solonis die stad Athene durch
den Wucher also hoch verterbet war, das
nicht allein die gründe vnd guter vber laden,
sondern auch die burger den Wucherern zu
leibeigen sich musten verkeuTTen, da setzet
Solon eine solche masse, das man hinfurt
keine leibeigen mehr machen thurste, auch
das man von liegenden gründen keinen wucher
nemen muste. ebend. Dij*^.
firmdbosewidity m. erzbösewicht: ein
grundbösewicht. der 101. psalm. (1534).
Hiij\
firindeij fundare, mhd. gründen {Ben. 1,
582'. Lexer 1101), ahd. grundjan {Graff
4, 332).
1) grund finden, auf den grund kommen:
vnd es (das w asser) ward so tieif, das ich
nicht mehr gründen kund. Ezech. 47, 5.
2) gründen, fuszen, sich stützen auf e(-
was: darauff der richler gründen, vrteilen vnd
straffen kan. deudsch catech. (1529). Lj".
3) Irans, grund zu etwas legen, a) von
einem gebäude : vom tage an, da des herrn
haus gegründet ward bis ers volendet. 2
chron. 3,16; alles volck dönet laut mit lo-
ben den herrn, das der grund am hause des
herrn gelegt war, aber viel der alten priester
vnd leuiten vnd obersten veter, die das vorige
haus gesehen hatten vnd dis haus für jren
äugen gegründet ward, weinelen sie laut.
Esra 3, 11. 12. b) von der grundlegung
des weltgebäudes , der Schöpfung des him^
mels und der erden: wo wärest du, da ich
23
GRÜNDEN
178
GRÜNDGÜT
die erden gründet? Hioh 38, 4 ; du hast vor
hin die erde gegründet, ps. 102, 26; du
hast mich geliehet , ehe denn die weit ge-
gründet ward. Joh. 17, 24. c) von der
gründung eines ^reiches, eines Vereins: sint
der zeit sie (Egyplen) gegründet ist his her.
2 Mos. 9, 18 ; da sie {die aposlet) selbs ](urtz
zuuor gewesen^ vnd geleret, die Christenheit
gepflantzt vnd gegründet hatten, das 1 5. eap,
der ersten ep, s, PauH an die Cor. (1534).
Aij". d) in me}^ abstracter hedeulung,
slütxen : wo sie das wörtlin heylige finden,
wollten sie gerne der heyUgen ehre vnd fur-
bitt gränden. mdder den newen ahgoit.
(1 524). c iij " ; wie er denn (der 110. psalm)
auch jnn der schrifft des newen testaments,
beide von Christo selbs vnd den aposteln ofiH
angezogen wird als der fümemistei der den
artickel von der person Christi vnd seinem
geistlichen- reich vnd gerechtigkeit gründet
{den grund, das fundamenl, dasu bildet)
vnd bestetigt. der 110. psalm. (1539).
Aüj". — mitpraep.: die gerechtickeil, da d.
Eck sein recht geleydt auff grund. von den
newen Echischen bullen, (1520). Bij''; ist
das nicht eyne sünde vnd schände von dem
geyst, das er solche grosse sache will gründen
auff solche faule geschwetz. das ander teyl
Widder d. hyml. propheten. (1525). Ciiij" ;
wenn eyner auff seynen bewusten vnd er-
kanten vnuerstand thar artickel des glaubens
gründen, ebend. Diiij'*; da mit sie {die
apostel) vns je leren, die schrifft des alten
testaments nicht zu verachten, sondern mit
allem vleis zu lesen, weil sie selbs das newe
testament so mechligtich gründen vnd beweren
durchs alte testament. Bindseil 7, 303; mit
vornunfft sich vnterstehen gottis Ordnung zu
gründen oder schützen, sie sey dan mit glau-
ben vorhyn gegründet vnd erleuchtet, szo ists
als wen ich die helle sonne mit eyner finstern
latern wolt erleuchten, von dem bapstum.
(1520). Bij"; also gründen sie alle yhr ding
nit allein mit yhren eygen ertichten lugen,
sondern auch (das vntreglich ist) mit vor-
kerun^ {verkehrung), vorgifftung vnd schand-
brauch des heyligen gottlichen worttis. auff
das vbirchrisll. buch. (1521). Diy"; wenn
ichs nicht bette gelesen ynn yhren büchern,
bette ichs nymer mehr gegleubt, das sie mit
solchen narren teydingen diesen artickel betten
wollen gründen, das diese toort etc. (1527).
h üij ^ ; — vnd hat sich mit der tzey tt so tieff
eingesetzt, das man meynett solch geystUcher
stand sey yn der schrifft gegrund. ebend.
BüjK
4) sich gründen auff etwas : auff hertzog
Georgens dunckel vnd wahn gründe ich mich.
von heimlichen u. gestolen brieffen. (1529).
Aiiij ^ ; solche letzte wort Dauid gründen sich
{beruhen) auff gottes eigen worl. von den
Juden. (1543). Niiij"; so hat der bapst
hinfurt kein zeugnis der beüigen schrifft für
sich, darauff er sich gründen vnd fussen
möchl. Jen. 1, 50*.
Groadfeste^ f. fundament, eigentUcb u,
bildlieh, mhd. gruntveste (Ben. 3, 275'.
Lexer 1103): die grundfest der berge. 5
Mos. 32, 22; die grundfeste des himels.
2 Sam. 22, 8; die grundfest des erdbodeus
offeneten sich. 2 Sam. 22, 16 var.; grund-
feste des landes. ps. 82, 5 ; grundfeste der
stad. Jes. 1 6, 7 ; die grundfeste des gefeng-
nis. ap. geseh, 16, 26; ein pfeiler vnd
grundfesie der warheit. 1 Tim. 3, 15; eck-
stein vnd grundfest des zeitlichen friedes auff
erden, eine predigt das man kinder etc.
(1530). Fj'.
firHiidfroinin (grundfrum), durch und
durch fromm, sehr fromm : das die menschen
recht grundfrum durch den geyst werdenn.
auff das vbirchristl. buch. (1521). Fiiij".
Grundgereeht 9 wirklich, wahrhaft ge-
recht : niemand ist so feind der waren Weis-
heit als die weisen, die können gantz nicht
leiden die wort, werck vnd leben des grund-
gerechten menschen. Jen. 1, 25*.
Gmodgiiadenreiehi durchaus, völlig gna-
denreich. beleg s. unter galgenreue.
Grnndgat^ völlig, ganz, sehr gut: sie selb
nit anders wissen, es sey alles grundt gutt
mit yhn. ausleg, deutsch des v, u. (1518).
Biij ^ ; warheytt bedeutt, das es ist allis grund
gut vnd recht ist ynn yhm selb, was er ist
vnd thutt. ausleg, der ep. vnd euang. vom
christag. (1522). Yj"; grundgut ymhertzen.
vber das erste buch Mose. (1527). ,Sj";
grundgute theologen. auff das vbirehristL
buch. (1521). Eij*; grundgute gerechtig-
keit. Jen. 1, 39 ^
GRUNDHOFFART
179
6RUNDSCHALGK
fimMlk^fart^ f. grünSHeher hochmulh:
vnd euget sidi, das es ein grundhoffart ge-
wessea ist. au$le§, der ep, vnd euang, des
aduenU, (1522). RRiüj^
(IriMIfeh (gründlich), adj. u. adn., mhd,
granüich (Lester 1103).
1) aui det) Hefe, dem gründe des her$en$
liefKamend: das sind heutige Tnd sehr gründ-
liche wort eins Tirarhalftigen rewigen hertzen.
i«ti. 1, 37*; gottes stercke vnd trost wird
memant gegeben/ er erbitte es dan mit
gantzem grand des hertzen, niemant bittet
aber gmndlieh der noch nit grundlich er-
schrocken vnd vorlaszen ist. die sieben hu$x^
p«alm. (1517). Aiij*; o wye grnndüch {van
herzen) gan ich dem bapst solch schyrmleut.
iyn vrieyl der Iheologen. (1521). Diij".
2)mrkUch, wahr: hyrein geboren alle
bepste . . . monicb, nonnen vnd alle die ym
ettszerlichen wesen für Christen gehalten
werden, sie sein warhafftig, grundlich (dem
mersien wesen nach) Christen odder nit.
von dem bapstum, (1520). Giij'; nit
eoszerliche, sondern gründlich warhafftige
Christen seittn. ebend. Cüij'»; grundtich rew.
A'e Heben huszpsalm. (1517). Rj*; das
sind wort einer gründlicher rew. Jen. 1,
28*; ansz herlzlicher, gmndlicher gunst zu
thristo. grund vnd vrsach. (1521). fj";
ein bertzlicher, gründlicher, rechter danck.
^^ Ml. psalm. (1530). Dj"; das ist der
erste rechte grundliche (der Wahrheit gemäsz
^rgestelUe) anfang des lutherischen lermens.
viderHans Warst. (1541). Liij\
3) auf festem (gutem) grund ruhend,
^wnstösslich, sieher: sie sollen Jeremiam
verantworten oder sich gegen jm wercn mit
i^lem schein vnd gründlichem bestand, tri-
^ die sabbather. (1538). Fiij*; ich hab
^öndlich beweyszet, das die ablasbepste
teuscher geweszen sind, antwart deutsch.
(1522). Gj"; was man gründlich (sicher)
'omNestorio vnd diesem concüio wissen kan.
^ondeneandlijs. (1539). Sj«.
4) bis auf den grund gehend, vallständig,
9öih%lieh, genau: das ist gründhch von der
Sachen geredt, van den Jikden. (1543).
Wj*»; vnser endlich, gründlich, ewig ver-
«Jerbeii. ebend. eij**; mich dünckt ich müs
gründlich verterben. Jen. 1, 20*; vnd ist
hie zu mercken, dasz diszer psalm vnd scyns
gleychen nymer mehr wirt grundlich vor-
standen ader gebett, es gehe dan dem men-
schen der anfal vnder die äugen, die sieben
buizpsalm. (1517). Aiij*; wer aber den
titel veracht oder nicht verstehet, dem sage
ich, das er den propheten Jesaiam mit frieden
lasse, oder je nicht gründlich verstehen werde.
BindseH 7, 342; die Weissagungen nicht
gründlich zuuerstehen sind, ehe sie volendet
werden, ebend. 393 ; bis das e. k. f. g. selbs
anher komen vnd die sacheif gründhch erfaren.
ariginalbr. aus d. j. 1537 im ges.-archiv
zu Weimar. O pag. 143. EEE 9.
43rHiidIo8j mhd. grunllos, grundelos (Ben.
1, 5S1^ Lexer 1101). 1) ahne grund,
badenlas: es ist alles grundlos vnd bodelos
mit eyttel geytz vnd vnrecht. von kauffs-
handlung vnd wticher. (1524). Diij''; böse
fawle grundlose pfutzen. ausleg. des 67.
psalm. (1521). Aiij * ; ausz diszem hoff ich,
scy es klar, das der faule grund diszes plau-
ders gar nyder ligt vnd grundlosz erfunden
wirt mit allem das er drauif bawet. van dem
bapstum. (1520). Biij'.
2) unergründlich: auff das man sehe, wie
gottes wort, wie helle vnd gemeine es sey,
dennoch alles grundlos ist, vnd obs gleich
nach dem verstand auszugründen were (als
nicht ist), so ists doch der tugent vnd krafft
halben grundlos, der 111. psalm. (1530).
Bij '* ; aus grosser, hertzlicher, grundloser liebe.
vermanung zum sacrament. (1530). Bij*;
es ist ein zeichen seiner hohesten liebe vnd
grundlosen barmherlzigkeit, vnd wie kan er
hoher liebe vnd tieffer barmhertzigkeit erzei-
gen ? ebend. Gij'* ; die empfangene grundlose
gnade, ausleg. der ep. vnd euang. van astem.
(1544). Aaiii^
3) adv.: das fürnemste ampt oder krafft
des gesetzes ist, das es . . dem menschen zeige,
wie gar tieff seine natur gefallen vnd gründ-
los (unendlich, sehr) verderbet ist. artiekel
etc. (1538). Eij*.
(Irandschalcki m. erzbösewicht: ey, wie
ist m. Eisleben (J. Agricala) doch ein grund-
schalk. de Wette br. 4, 36; vom anfang
Bonifacij VIII. des grundschalks. BindseH 7,
385 ; er redet mit eitel gnindschelcken. zwo
23*
GRÜNDORNSTAG
180
GRUSZ
predigt. (1535). Diiij^; ausleg, der ep. vnd
euang. von oslem. (1544). lij*.
6md«rii8tftgj m. der grüne donnerstag,
s, grün 5.
firindsprachj m, vnd hie mit, hoff ich,
ligt das bapstum ynn der aschen, die weyl der
eynige grundspnich (der spruck, worauf es
sich gründet, nemlich Matih, 16, 18) yhm
wider strebt, auff das vhirchrisU, huch.
(1521). Kiij*.
firiidstein^ m. zum fundament dienender
stein: ich lege in Zion einen grundstein. Jes.
28, 16 ; das man weder eckstein noch grund-
stein aus dir nemen könne. Jer, 51, 26.
CrandsleinleiB (-ün), n. dim, des vorigen :
da sie aber klein grundsteinlin legen, das
diese wort, (1527). mäj**.
CrindsDppCy f» sentina, hodensatz, hefe,
mhd, gruntsopfe (Ben. 2*, 721 ^ Lexer
1 1 03}^: die grundsuppe bleibet den gottlosen.
gl. zu ps. 75, 9 (die gottlosen müssen alle
trincken vnd die hefen aussauffen). meist un'
eigentlich u. bildlich für das unterste, letzte
wovon: es ist vorkundigit, dz tzu des end-
christs tzeytten alle ketzerey sollten ynn eyne
grundsuppe sich samlen. ausleg, der ep. vnd
euang, vom christag. (1522). Xij*; der
born vnd grundsuppe aller ketzerey, yrthum
vnd Vertilgung des euangelij. widder den
newen a&^o(. * (1524). aij^; grundsuppe
aller vntugent vnd büberey. deudsch catech.
(1529). Hij**; grundsuppe aller grewel vnd
yrtlium. vom kriege widder d. T. (1529).
Diüj^; diese betrübte neige, garstige hefen,
Verdorreter schäum, schimlichte grundsuppe
vnd mösichter pfui vom jüdenthum. von den
Juden. (1543). Zj'; vnd sol nu abermal
zu Trennt das concilium werden, doch so
fern, das niemand dahin kome on allein seine
grundsuppe, epicurer vnd was jm (dem
bapst) leidlich ist. wider das bapstum.
(1545). Aij*; bapst, cardinel vnd was mehr
der hellischen grundsuppen zu Rom ist.
ebend. Aüj ^^ ; solchs roch der bapst mit seiner
hellischen grundsuppe seer wol. ebend.
Biiij*; item (cap^ x. vnd xxvüj spricht er (der
proph, Jesaias), das so viel an diesem wort
fallen, das kaum die hefen vnd grundsup vom
volck seüg werde, posl, (1528). 167';
jnn der letzten grundsuppe der weit, das 15.
cap. der ersten ep. s. Pauli an die Cor,
(1534). Aij-.
Cmdthor, n. name eines tempelthores.
2 chron. 23, 5.
flriieii, virescere, auch noch umlautloses
grünen, welches mhd. gruonen (Ben. 1,
580 ^ Lexer 1105), aW. gruonen ((rra/f
4, 300) entspricht, doch kommt auch nihd,
schon grüenen in der bedeutung „grün
werden" vor (Lexer 1 098): die Ebreer heben
jr newjar an nach d.er nafür, wenn alle ding
wider new grünet vnd wechset. gl. zu 2 Mos.
13, 4; das gantze land grünet vnd stehet
lüstig. gl. zu ps. 89, 13; vnd er (der wein-
stock) grünete, wuchs vnd blüete. 1 Mos.
40, 10; welchen ich erwelen werde, des
stecke wird grünen. 4 Mos. 17, 5; sein
zweig wird nicht grünen. Hiob 15, 32; die
gottlosen grünen wie das gras. ps. 92, 8;
die gerechten werden grünen wie ein blat.
spr. Sal, 1 1, 28; der feigenbaum wird nicht
grünen. Habac. 4, 17; ein grünende tanne.
Hos. 14, 9; eyn grünender lorbaum. der
3^> psalm. (1521). Ciiij^; alsz wenn gott
ausz eynem dorren bloch eyn newen grünen-
den bawm mechte. ausleg. der ep. vnd
euang. vom christag. (1522). Kij*.
firnieiii grunnire, mhd, grunzen (Ben.
1, 576**. leajer 1104), ahd. grunzan (Graff
4, 329) : h. George für allen andern fast seer
gruntzet. die kl. antwort, (1533). Hj^;
darnach wollen sie schmollen vnd gruntzen.
vom schem hamphoras. (1543). Kij".
subst.: nu ist doctor Luther ein wenig
hoffertig vnd gibt nit vil auff der romam'sten
runtzen vnd gruntzen. von dem bapstum zu
Rome. (1520). Bj"; szo geht es den trun-
cken fechtern, die das schwerd bey der
schneyden vnd den spiesz bey der spitzen
fassen vnd gaben lecherliche gruntzen (?) für.
auff das vbir Christi, buch. (1521). Cj".
(Irttsi (grus), m. salus, salutatio, nihd.
gruo^ (Ben. 1, 582 ^ Lexer 1105): gnade
vnnd gluck von gott dem vater.tzum newen
heyligthum. solchen grusz schreybe ich nü
m. gnedigster herr an statt meyner erbietung.
originalbr. aus d. j. 1522 im ges. archiv
zu Weimar. N. 109, 42; aUerheiligester
stuel, gnack vnd brich nicht für diszem newen
grusz. bulla cene domini, (1522). Aj
>T»
6RÜSZEN
181
GUCKEN
das ist der grüsz, wie man pflegt vorn an die
brieff zuschreyben. die ander ep. Petri.
(1524). aiij'*; vnd gedachte, welch ein
gms ist das ? Lue, 1 » 29 ; als Elisabeth den
gnis Maria böreU v. 4 1 ; mein grus mit
meiner Paulus band. Coloss. 4, 18. ei
heUsi dnem einen gnisz entbieten, sagen;
wie kund jr hertz jmer das zulassen, das
Christus einem verleugketen menschen so
einen freundlichen grus vnd so lieblichen
guten morgen entbiete, eine schöne aster"
predigi. ( 1 538). Aiiij '* ; der könig Alexander
entbeut seinem bruder Jonathe seinen grus.
1 Mace, 10, 18 ; vnd euch vnsern grus sagen.
12, 17. der englische grusz, das ave Maria
{Luc. 1, 28): der engelisch grusz war Marien
wunderlich ynn yhren äugen, das magnifical.
(1521). dij*'; aber hie wollen die papisten
toll werden vber mich, das ich den engelischen
grus verderbt habe, von dolmeUehen, (1530).
Büij«.
firisien (grüssen), salutare, mhd. grües^en
(Ben. 1, 583*. Lexer 1099), ahd, gruo^an
{GraffA, 337).
1) einen grüszen, mit grusz anreden, ihm
gutes wünschen: wir grüssen also auif
deudsch, guten abend, glück zu etc. gl. zu
Matth, 26, 49 ; so dir jemand begegnet, so
grüsse jn nicht, vnd grUsset dich jemand, so
dancke jm nicht. 2 hon. 7, 29 ; vnd nicht
danckest, wenn man dich grttsset. Sir. 4 1 ,
24 ; vnd künden gott, der yhn begegnet nit
grüssen. grund vnd vrsach. (1521). f ij ^ ;
kanstu golt nicht grüssen, der dir begegnet,
noch dancken der dich grüsset? post. (1528).
38"; gott grüsset alle weit, aber wenig
dancken ybm. vher das erste buch Mose.
( 1 527). Bb iiij" ; er aber grüsset sie freund-
lich. 1 Mos. 43» 27 ; sie kereten da ein . . .
vnd grüsseten jn freundlich, rieht. 18, 15;
so grüsset jn von meinet wegen freundlich.
1 Sam. 25, 5; grüsset euch vnternander mit
dem heiligen kus. es grüssen euch die ge-
meinen Christi. Rom. 16, 16; ich Paulus
grttsse euch mit meiner band. 1 Cor, 16,
2 1 . sich grüszen, sich gegenseitig hegrüszen :
vnd da sie sich vnternander gegrüsset hatten,
giengen sie in die hütten. 2 Mos. 18, 7;
eine alte deutsche gruszformel ist: gott
grüsze dich (euch) , gott segne dich (euch) :
gott grus dich, meyster. Matth. 26, 49 in
den ersten ausg. des n. tesl., später: ge-
grüsset seistu rabbi, was L, jedoch in der
dieser stelle beigegebenen glosse als *böse
deudsch* tadelt; gott grus dich, du Ueber
könig der Juden. 27, 29 var. (später ge-
grüsset seiestu Juden könig); gott grusse
euch. 28, 9 var. (später: seid gegrüsset);
bette ich das beste deudsch hie sollen nemen,
so bette ich den grus '(gegrüsset seistu hold-
selige. Lue. 1, 28) also verdeudschen müssen,
gott grüsse dich du liebe Maria, von dol'
meUehen. (1530). vBüij".
2) einen grüszen um etwas. Jemand um
etwas ansprechen (vgl. hegrüszen): das
weren rechte gotlis kinder, die nichts an-
fiengen, sie grüsseten tzuuor gott dnimb.
ausleg. der ep. vnd euang. vom ehristag.
(1522). tttüij"; po«l. (1528). 250"; vber
die vier hohe concilia sind viel andere gewest
hin vnd wider . . . welche den bischoff zu Rom
nicht zuuor haben drumb gegrüsset. wider
das bapstum zu Rom. (1545). £j*.
finisicapÜelj n. das letzte cap. (der ep. s.
Pauli an die Römer) ist ein gruscap. (enthält
die grüsze). Bindseil 7, 447.
Critie (grutz. in L.'s hausrechnung. de
Wette br. 6, 380; grütz. 2 Sam. 17, 28j»
f. grob gemahlene, ausgehülste getraide-
kömer, mhd. grytze {Lexer 1108): vnd das
weib breitet eine decke vber des brunnen
loch vnd breitet grütze drüber. 2 5aifi. 17,
1 9 ; wenn du den narren im mörser zu-
stiessest mit dem stempffel wie grütze. spr.
Sal. 27, 22 ; ob man vns gleych ym mörser
zustisse (als Salomon spricht) vr^e eyne grütze.*
zwey keyserl. gepot. (1524). Aj^;vndsolt
keyn brot noch kuchen noch grutz essen.
3 Mos. 23, 14 var.
Cncken^ gucken , sehen, bes. neugierig
schauen, mhd. gucken, gucken (Lexer 1110),
bei L. vorherrschend mit hartem (ndd.) an-
laul kucken : das ers deutlich, klar vnd grob
schreiben solle ... das man nicht dafür müste
stehen vnd gucken vnd die buchstaben zelen.
der proph. Habacuc. (1526). hj'^; vnd
allein ynn das leibliche essen gucken vnd
gaffen, das diese wort. (1527). rj^; er
stehet hinder vnser wand vnd sihet durchs
fenster vnd gucket durchs gitter. hohelied
GUCKEN
182
GULDEN
2, 9 ; vnd da die lade des herrn in die stad
Dauid kam, ktftket Michal durchs fenster. 2
Sam. 6, 16; yvLd{hebel) gacket zum fenster
aus. 2 kän. 9, 30 ; als sie nu weinet, kucket
sie in das grab. Joh. 20, 11; dem teufel ins
schwartze, finster, hinder lägenloch kucken,
von den Juden, (1 543). c j ' ; kucke mir in
den sra {umelellung van ars, podex), mder
das bapelum xu Rom. (1545). Büij*.
redensart: aber den zäun gucken, die er»
Wirung gibt L, selbst in folgender stelle:
lieber kuck vber den zäun, das ist sihe wie
mirs gehet, hilff vnd rat mir, sey guter nach-
bar. wider den Wucher. (1540). Gij^; die
weit kuckt nicht vber den zäun, wo man
nicht wil wider herüber kucken . . . aber ein
Christen sol jmer vber den zäun kucken zur
notturfft, wenn sein nachbar gleich nimer
mehr wolt wider herüber kucken, wie
Christus hie leret, denn gott wird so ehs mit
* einem vber flüssigem reichen kucken wol er-
statten, ebend, Gij ^ — iij *.
fiackei (kucken), n. «. den teilten beleg
vorher,
fiilden, giMe«, vereinselt auch noch
guldin (2. b, ep. s, Petri gepredigt, 1523.
Mj ' ; Siij % güldin {vber das erste buch Mose,
1527. kiiij*), aureus, golden, von gold,
mhd. ahd. guldfn {Ben. 1 , 553 ^. Lexer 1115.
ßraff4, 196), golh. gul})ei9s.
1 ) eigentl. : gülden röhr, an den chrisll,
adel. (1520). Gj "; gülden netz. gr. serm,
von dem wucher. (1520). aiiij*'; gülden
schauflTel. wider d, newen abgot. (1524).
a iij ^ ; ein gülden stuel. das diese wort.
(1527). fiij^; gülden kröne, ebend.; eine
gülden {L.'s manuscr. gülden) sylbern odder
bültzern rosen. vom abendmal Christi.
(1528). b iiij * ; gülden buchstaben. der 111.
psalm. (1530). Fij*; gülden spange. 1
Mos. 24, 22; gülden kleinod. 24, 53; ein
gülden keten. 41, 42; sübern vnd gülden
gefess. 2 Mos. 3, 22; silbern vnd güldene
götter. 20, 23; gülden krantz. 25, 11;
gülden rinck. 25, 12; gülden heflle. 26, 6;
güldene kneuffe. 26, 32 ; güldene schellen.
28, 33 ; gülden altar. 39, 38.
2) uneigentlich u. bildlich: gülden har
{capillus flavus). 3 Mos. 13, 30. 32 ; solche
heisse ich silbern vnd gülden Juristen, die
dem recht dienen nicht vmb des rechts wHlen,
sondern nach den personen vmb der taler
willen, wider den bischof zu Magdeburg.
(1539). Jij^; darumb diese epistel zu halltea
ist für eyn rechte guldyn epistel. die ander
ep, s. Petri. (1524). Siij^; sihe das sind
die rechten güldenen legenden^ vber das
erste buch Mose. (1527). gg iij , meine
gülden freundlin. auf des hönigs zu Engel*
land lesterschrift. (1527). Bij**; ygHcher
gerne wolt; das alle weit guldens von yhra
redete, deudsch cateeh. (1529). Kiij*.
das gülden jähr, annus Jubüaeus, Jubeljahr
s, güldenjahr.
tehleii gUden, vereinzelt auch gilile,
{z. b. wiederholt Jen. 1, 39*^; ebenso in:
das diese wort etc. 1527. hiiij*'), m.
ßorenus, mAd. guldtn {Ben. 1, 553 ^ Lexer
1115), d. i. dar guldfn phenninc {der gol*
dene Pfennig), also ursprünglich das adj.
gülden {golden) mit auslassung des subst.
pfennig, wie denn auch zu L.*s zeit der
gülden noch eine goldmOnze war: heist das
nicht Christum für ein kind odder narren
halten, dem man einen gülden neme vnd gebe
yhm einen zalpfennig odder ein espenlaub da-
für vnd beredet es, das es köstlicher ding
were denn der gülde? das diese wort.
(1527). hiüj^; gleich wie ein geuekler den
albern leuten ins m^Cul gülden gauckelt. wi-
der das bapstum. (1545). Aiij*; wenn du
seinen mund auflllhust, wirstu einen halben
gülden finden. Matlh. 17, 27 var.; ich wolt
ia etwa ein zelien gülden finden, das ich eine
kue kenifet zum opffer. der 117. psalm.
(1530). Giij''; wer zuuor mit xxx gülden zu
komen ist, der kau itzt kaum mit hundert
gülden zu komen. vermanung zum gebet.
(1541). Bj ^ ; da sie dem könige einen gülden
erfromet haben, der mus alle ehren vnd äugen
füllen . . . aber da viel tausent gülden dafür
sind verfaul witzt, da krehet kein hau nach.
der \0i. psalm. (1534). Giiij"; reynische
gülden, deudsche messe. (1526). Bj**; vn-
gerische gülden {dukaten). ebend. — einmal
begegnet, allerdings in einer nicht von L.
selbst herausgegebenen sehrift, der gen.
güldens: ein ortt eins güldens. ausleg. der
euang. an den ßmemisten festen. (1527).
büij*.
GOLDENFHVER
183
GURGEL
MM taiffc er, n. iuchl nach gold, hob-
sueh$ s. fieber am ende.
ÜAMe^Jakr (güldeniv, auch getrenmt
guMlen jar), m. annm juMaetu, jube{iahr,
§rosKe$ abioix/akr, van Benifaeiue VIIL in
4er römsehen kir^ eingepihri: Bonifacius
Mn. der die weit zum ersten mit dem
^deniar generret vnd verfttret hat vorr.
rfrer d. profA. DanieL Bindeeill, 385 ; da nu
solchs beguDst gelt zu tragen vnd der bullen
narckt gut ward, erdacht er das gülden jar
Ynd legis gen Rom. arlU^el. (1538). Fij-;
fluxs eilet der bapst weiter vnd machet viel
gülden jar auff einander. - el)end, ; wer des
ablas oder giüden jars wolt teilhafllig sein,
der solt berewet vnd gebeicht sein, ebend, ;
\ud sind alle jar sint der zeit dieses concilij
eitel gülden jar gewest. von den concilijs,
(1539). Fij^
teMevstick, n. goldsehmuck : das sie
kein trost noch freude haben können, wenn
man in {ihnen) alle guldenstuck vmb lüenge.
das 15. cap, der ersten ep, s, Pauli an die
Cor, (1534). Lj*; alle kleider vnd gülden-
stück die ein könig odder keiser tregt.
ebend. Tij*.
fiBHmd (gumi), 'klehsaß aus pflanzen*,
mhd. gummi {Lexer 1117), aus lat. gummi
gr. xififdi : nn griechischen stehet vnter einem
schino, das heist latine lentiscus, vnd ist der
bäum, dauon das gumi fleussl. gl zu Susanna
54 ; wie ein gumi odder wie bey vns das hartz
aus den kiffern, fichten odder thannen. aui*
leg. der euang, an den fümemislen festen,
(1527). Yüj'.
tampea, tanzen, springen, mhd. gumpen
{Ben. 1, 526 ^. Lexer 1118): wenn dem esel
zu wol ist, so gehet er auffs eysz gumpen vnd
bricht ein beyn. tischr. 339 *'. vgl, auf-
gumpen.
fliaieii gönnen: ob er gleich yhnen
lieber das leben günnet. vber das erste buch
Mose. (1527). kiiij*"; das keiner dem andern
guts gönnet, ebend. eiij^; ich günne es jhn
wol. von dolmetschen. (1530). Aiij^. vgl.
gönnen.
Clutt, f. favor, mhd, gunst {Ben. 1, 33^.
Lexer 1120); zu gunnen (gönnen): 1) ge*
wogenheü, wohlwollen : e. f. g. wolt sich
aller gunst vnnd trew zcu ym vorsehen, ort-
gifialbr. v.j.ibil im ges. arduv zu Weimar
i^. 108, 41 ; ein Christ nicht aus gunst, noch
vmb lohn, noch vmb einiger person ansehen
willen guts thut. der llLpsalm. (1530).
Giij ^ ; gunst gegen got. die sieben buszpsalm.
(1517). Aiiij*; gunst vnnd gnade, serm.von
dem n. lest. (1520). Riiij^; gunst vnd
gnaden, an den beek zu Leipzig. (1521).
Aij*; gunst vnd li^e. ausleg. der ep. vnd
euang. vom ehristag. (1 522). Oo iiij *; gunst
vnd klugheit. spr. SaL 3, 4 ; Festus aber
wolle den Juden eine gunst erzeigen, ap.
gesch. 25,' 9. vgl. gonst.
2) einwilligung, erlaubnis: damit will er
dyr nicht weren, das du frey werdest, so du
kanst mit gunst deyns herrn. das 7. cap.
Cor. (1523). Hij^
fiiittigt benevoluSf wohlwollend, geneigt,
zugeüian, mhd. gänstic {Ben, 1, 34". Lexer
1120): vnnd er (d. Staupitz) vorwar gar
sunderlich e. f. g. gunstig (mit liebe zuge*
than) ist. originalbr. v. J. 1517 im ges. ar^
chiv zu Weimar. N. 108, 41; vnd gott gab
Daniel, das jm der oberste kemerer günstig
vnd gnedig ward. Dan. 1,9; sie dem jüdi-
schen volck zu weilen vngünstig zu weilen
günstig gewest sind, der proph. Sacharja.
(1528). Tij^; gott von grund seines hertzen
geneigt vnd günstig ist jmer zu helffen vnd
wolzuthun. das schöne confllemini. (1530).
Aiiij*. in titeln: dem erbarn vnd fürsichtigen
N. meinem günstigen herrn vnd freunde, von
dolmetschen. (1530). Aüj *; meinem gunsti-
gen herrn vnd guten freunde, der lAl.psalm.
(1532). Aj"». vgl. gonstig.
fiinstiglichj adv. wohlwollend, mhd.
günstliche {Lexer 1 120) : dasselbe wolte man
mir günstiglich zu gute halten. Jen. 1, 394 ' ;
so wolte man mich günstiglich entschuldiget
haben, ebend. vgl. gonstiglich.
(ünnstwillig , freiwillig: das wortleyn
fürstlichen geiste, das hie steel, heyst yn
hebreischer sprach auch ein freywilligen adder
gunstwilligen, vngezwungen vnnd vngereytz-
ten geist. die sieben buszpsalm. (1517).
Eiij*.
finrgel^ f. jugulum : die gurgel abschneiden.
wider den bischof zu Magdeburg. (1539).
Ej'^; bey der gurgel nemen vnd zum haus
hyuaus füren, der 112. psalm. (1526). a6^
GURT
184
GUT
wir aber greiffeD jm {den bapsl) nach der
gurgel vnd käle. Uschr. 240 ^.
mkd. gurgel (Ben. 1, 592 ^ Lexer 1 124),
ahd, gurgula {Graff A, 248) nach lal. gur-
gulio; luftröhre,
fiurt, hei L. gewöhnlich f., selten m. gür-
tet, mhd, gurt m. f. (Ben. \, 593*. Lexer
1125); mtl garten zu goth. gairdan gürten,
umschlieszen (s. Weigand 1, 390): seine
gurt. 2 Mos. 28, 8; 39, 5; gerechtigkeit
wird die gurt seiner lenden sein vnd der
glaube die gurt seiner nieren. Jes, 11, 5;
da ist keine gurt mehr. 23, 10; das jr der
gurt auifgelöset würde. Bar. 6, 43 : vnd
{Adam u. Eva) machen yhn schürtz odder
gürte von blettern geflochten, vber das erste
buch Mose. (1527). Lj^
fliirtel^ m. cingulum, mhd. gürtel m. f.
{Ben. 1,593*. Lexer 1125), ahd. gurtil,
curtil {Graff 4, 255): das sind aber die klei-
der die sie machen sollen . . . hut vnd gürtel.
2 Mos. 28, 4 ; ein gestickter gürtel. 28, 39 ;
leddern gürtel. 2 kön. 1, 8; leinen gürtel.
Jer. 13, 1; gülden gürtel. Dan. 10, 5; des
kinderspiels vnd narrenwercks von langen
rocken ... breiten gürtein. artickel. (1538).
Aüij " ; gerechtigkeit wird eyn gürttel seiner
lenden sein. Jes. 11, 5 var.
fiarten, cingere, einen gurt anlegen, mhd.
gürten, gurten {Ben, 1, 593*. Lexer 1126),
ahd. gurtan, d.t.gurtjan {Graff 4, 253); tu
goth, gairdan {vgl. gurt). einen gürten, ihm
einen gurt, einen gürtel anlegen : vnd solt
jn {Aaron) gürten aussen auff den leibrock.
2 Mos. 29, 5 ; vnd beide Aaron vnd auch sie
{seine söhne) mit gürtein gürten. 29, 9.
bildlich: du hast mich mit freuden gegürtet.
ps. 30, 1 2. ein thier gürten : vnd {Abraham)
gürtet seinen esel. 1 Mos. 22, 3. sich gür~
ten: sich mit einem leinen gürtel gürten. 3
Mos. 1 6, 4 ; gürte dich vnd thu deine schuch
an. ap. gesch. 12,8; da du junger wärest
gUrtestu dich selbs . . . wenn du aber alt wü*st,
wirstu deine hende ausstrecken vnd ein ander
wird dich gürten. Joh. 21, 18; sich nicht zu
hart gürten, gl. zu Ezech. 44, 1 8. die lenden
gürten : vnd er gürtet seine lenden. 1 kön.
18, 46; gürte deine lenden. 2 kön. 4, 29;
gürte deine lenden wie ein man. Hiob 38,
3 ; sie {die gute hausfrau) gürtet jre lenden
fest, spr, Sal. 31, 17 ; lenden gürten heisst
jn der schrifft das wir sagen sich schür tzen
vnd rüsten, das einer fertig vnd geschickt- sey
zu lauffen odder zu kempffen» das 6. cap.
Ephes. (1533). Hiiij*. etwas mittelst eines
gurtes anlegen: gürte {var. binde) ein jglicher
sein Schwert auff seine lenden. 2 Mos. 32,
27 ; vnd gürtet es {das schwert) vnter sein
kleid auff seine rechten hüfft. rieht. 3, 16;
Dauid gürtet sein schwert vber seine kleider.
1 Sam. 17, 39; gürte ein jglicher sein
schwert vmb sich. 25, 13 ; gürtet secke vmb
euch vnd tragt leide. 2 Sam. 3, 31 ; schürtz
odder gürte, die sie vmb sich her gürteten.
vber das erste buch Mose. (1727). Lj*'.
Mrtleri «i. zonarius^ gürtelmacher, in
L.*s hausrechnung gurtler. de Wette br. 6,
330. mhd. gürtelaere {Lexer 1126).
fiuty bonuSy xakoa, mhd. guot {Ben. 1,
587^ — 589 ^ Lexer 1121. 1122), ahd.
g(k)uot (Graff Ay 154—159), goth. g6ds
{neutr. göd, go[)). verschiedene vermuthun-
gen über die etymologie des Wortes s. Lexer
1122.
A. adj,
1) gut, die erforderlichen eigenschaften,
die nöthige Vollkommenheit habend, von m-
nerer gute oder vortrefflichkeit, taugtichkeil
oder brauchbarkeit sein etc., von personen
und saehen. a) von personen, tüchtig, ge^
schickt: es ligt an einem guten ausleger,
spricht man. wider das bapstum. (1545).
Sj ** ; gute schwymmer ertrincken gerne vnd
gute steyger fallen gerne, ausleg. der ep.
vnd euang. von d. heyl. drey könige fest.
(1525). niij*; man mus den auch einen gu-
ten schützen sein lassen, der nahe dabey odder
das mehr mal yns blat scheusst. von ehe-
Sachen. (1530). Ej*; vnd ward ein guter
schütze (var. ein schützemeister). 1 Mos. 21,
20 ; vnd Hiram sandte seine knechte im schiff,
die gute schiffleute vnd auff dem meer erfaren
waren. 1 kÖn. 9, 27; ein guter meister.
spr. Sal. 26, 10 ; guter krieger. Jer. 50, 9 ;
gut kriegsuolck. 1 Macc. 1, 4; ein guter
Schreiber, ps. 45, 2.
b) von sacken, in manigfacher anwen-
düng, z. b. vom vieh, gut bei leibe, fett : ein
zart gut kalb. 1 Mos. 18,7; zwey gute
böcklin. 27, 9 ; gute schaf vnd rinder.
GUT
185
GUT
1 Sam. 15, 9. von einem laDde, acker, bo-
deo, fruehlbar: in ein gut land, in ein land
darinnen milch vnd bonig fleusst. 2 Mos, 3,
8 ; etliches fiel auff ein gut land vnd trug
frucht. MaUh, 13, 8; vnd werdet allen
guten acker mit steinen verderben. 2 kön.
3, 19; vnd war doch auffeim guten boden,
an viel wasser gepflantzt. Exech, 17, 8. gute
ifetle, reidiUehe) weide : der wolff kan wol
leyden, das die schaff gutte weyde haben, ep.
s, Peiri gepreäigl. (1523). aaüi]**; fett vnd i
gute weide. 1 c^ron. 5, 40. von bäumen
und frucfaien: vnd werdet feilen alle gute
(fruchtbare) bewme. 2 kön. 3, 19 ; ein guter
{gesunder) bawm bringet gute fruchte, aber
ein fauler bawm bringet arge fruchte. Matlh.
7, 17 ; in dem einen korbe waren seer gute
feigen ... im andern korbe waren seer böse
feigen. Jer. 24, 2 ; ein guter apfel. das 5.
ß.vndl.cap.s.Malth. (1532). hhij^ die
sieben gute {voUe) ehern. 1 Mos. 41, 26.
ein gutes (fruchtbares) jähr : vnd samle alle
speise der guten jare. 41, 35; ein gut iar
odder gute zeit, darinnen gott friede vnd frucht
auff erden gibt, der 147. psalm. (1532).
Aij ^ ; wir müssen ia bekennen, das dis uxj.
iar ein gut iar sey. ebend, die redensarl:
einen ein gut jähr haben laszen s. jalir. gut
(günstiges) weiter : s. Vrban sol gut weiter
zum wein geben, gl, xu Jer, 44, 17 ; samlet
eyn weyl es scheynet vnd gutt weiter ist. an
die radherm. (1524). Bj*; so schreyben
die heyden von dem tyrannen Dionysio, da er
den tempel beraubet hatte vnd gut weiter zu
schiffen kreig, das er sich rhümet vnd sprach,
sehet wie gut wetter gibt gott den kirchen
dieben. der proph. Habacuc, (1526). f iij' ;
ein guter platzregen. tischr, 188". — er
kauD fast gute wort spinnen, wirt aber nit
gut tuch darausz. originalbr. aus d.j. 1517
im ges. archiv zu Weimar N, 108, 4 1 ; gute
wahr (waare), gr, sermon von dem wucher,
(1520). cj''; gute (echte, köstliche) perlen.
Malih. 13, 45; guter wein. Joh. 2, 10; gut
draubenblut. 5 Mos, 32, 14; gute frische
meyesche putter. von der u)inckelmesse,
(1534). Kj^; peltz, da haut vnd har nicht
gut ist. ebend, Eiij ^ ; gut (dauerhaft, fest)
gebew. das man kinder etc, (1530). Düj*.
ein guter Schilling in der redensart ; einem
Dun, WiJrterbneh. II.
einen guten Schilling geben s. Schilling. «-
vnd war ein weih guter vemunfft. 1 5a».
25, 3 ; leuiten, die ein guten verstand (rtcA-
Uges Verständnis) hatten am herm. 2 d^roii«
30, 22 ; ynn gutem vnd nützlichem verstand.
vom abendmal Christi, (1528). Aüg*;ein
guter rat. 2 Sam. 17, 7 ; gott einen guten
rat geben, der lOi. psalm. (1534). Oj*';
ein gutter anfang. an den chrisU, adeL
(1520). Uiiij^; ein seer gute vnd feiste lü-
gen, auf das vermeint keiserl.edict. (1531).
Bj*'; gut (richtig) deudsch. das 6. cap.
E]^s. (1533). Biiij'.
2) gut dem masze nach, vollständig, an^^
sehnlich, bedeutend: wol sieben guter, gros*
ser, deudsche meilewegs von der stad. Bind*
seil 7, 357 ; vnd zoch vber land ein gute
(lange, geraume) zeit. Luc, 20, 9 ; ein gut
teil (eine nemliche anxahl) schlaffen. 1
Cor, 11, 30. hierher gehört auch in gutem
(schönem, hohem) alter sterben, begraben
werden: vnd Gideon starb im guten alter.
rieht. 8, 32; vnd (David) starb in gutem
alter. 1 ehron, 30, 28; du solt in gutem
alter begraben werden. 1 Mos. 15, 15.
3) seinem ztoecke entsprechend, zweck*
mos zig, nützlich: vnd gott sähe das das
liechl gut war (var, sähe das liechi für gut
an). 1 Mos. 1, 4; vnd gott sähe an alles
was er gemacht hatte vnd sihe es war seer
gut. 1, 31 ; es ist nicht gut, das der mensch
allein sey. 2, 18. mit zu: brauchbar, taug-
lieh, dienlich zu etwas : das herlz, die gallen
vnd die lebbern behalt dir, denn sie sind seer
gut zur artzney. Tob, 6, 6; die galle vom
fisch ist gut die äugen damit zu salben, v.
10. mit dat. der person: nützlich, heilsam,
vortheilhaß für jem,: bis ich lernete, was
den menschen gut were. pred, Sal. 2, 3 ;
was von anfang geschaffen ist, das ist dem
fromen gut, aber dem gottlosen schedlich.
Sir. 39, 30; das were vns nicht gut, das wir
von gottes wort vnd gottes gesetz abfielen.
1 Macc, 2, 21 ; es ist euch gut, das ich hin-
gehe. Joh, 16, 7 ; es ist dem menschen gut,
das er kein weib berüre. 1 Cor. 7, 1.
4) den sinnen angenehm, gratus, Jucun*
dus, suavis, und zwar a) dem gesichle:
Dauid war guter (schöner) gestalt. 1 Sam.
24
GUT
186
GUT
16, 12. 6) dem ^feruche: ein gut gerttcht
ist besser denn gute {woMrieehende) salbe.
pred. Sal. 7, 2; das man deine gute salbe
rieche, hohelied }, 8; vnd wird stanck für
gut gertich sein. Je$. 3, 24. o) dem §6-
sehmaeke: gut zu essen. 1 Mos. 2i 9; das
von dem bawm gut eu essen were. 3» 6;
iss, mein son, honig» denn es ist f^i{$chmeM
gui). spr.Sal.2A, 19. d) dem sinnlichen ge*
meingefM überhaupt: vnd er sähe die rüge,
das sie gut (angenehm) ist. 1 Mos. 49, 1 5 ;
hie ist gut sein. Maith. 17, 4. gutes leben,
gut gemach, gute tage eto., angen^imes^
fröhliches leben, wohllebenf Wohlergehen:
darumb wird sein gut leben keinen bestand
haben. Hioh 20» 21 ; wer ist der gut leben
begert? vnd gerne gute tage hette? ps. 34,
13 ; wohleben vnd gute tage. Esther 8, 17 ;
Jubal hat sein dalum auff gute tage, lust vnd
freude gesatzt. tiber das erste buch Mose.
(1527). Rj*; sich dergutten tage verzeyhen.
das 7. cap. Cor. (1523). Biiij''; es müsten
gar starcke beyne seyn, die gute tage solten
tragen, der proph, Eabacuc. (1526). eij'';
rüge vnd gutte gemadi. das 7. cap. Cor,
(1523). Jiiij*'; vnd gaffet auff des andern
gut gemach, das man kinder etc. (1530).
Gij '* ; das zwey eheleute kein gute stunde
beynander betten, vber das erste buch Mose.
(1527). pj'. guten morgen, guten abend,
gute nacht wünschen : es sind wol viel die
gfttte wort geben vnd sprechen g5tten mor-
gen zfi dem nehisten, denr.ken aber ym her-
tzen, der teuffei holl dich. ep. s. Pelri ge-
predigt. (1523). Siiij^; so lieblichen guten
morgen entbieten, eine schöne osterpredigt.
(1538). Aiiij^; dieser segen ist nicht ein
menschlicher segen, da man mit werten
segenet oder guten morgen oder abend
wundscht. von den letzten werten Dauids.
(1543). Oiiij'; das sind die letzte wort als
des, der da wil hinweg scheiden und gute
nacht oder den segen gibt, das 14. vnd 15.
cap. s. Joh. (153S). Ttiij". e) angenehm,
erfreulich überhaupt:' vnd meinet er were
ein guter (angenehmer) böte. 2 Sam. 4, 10 ;
du bringest heute keine gute botschafft. 18,
20 ; gute botschafft, gute meher, gutte new-
eeytung, gutt geschrey. vorr. auff das n.
iest. ausg. v.J. 1522 M. 2*;
der guten mehr bring ich so viel,
dauon ich singen vnd sagen wil.
Wackernagel kirchemlied 146.
hieran reiht sich die formet
5) gutes muthes, guter dinge sein, emfge^
räwmt, vergnügt, fröhUch sein: vnd giengen
hin zu jren faütten ft*ÖUcfa vnd guts muts. 1
kön, 8, 66 ; stehe auff vnd iss brot vnd sey
gutes muts. 21, 7; am siebenden tage, da
der könig guts muts war. Esther 1,10; man
wird yhr gar wenig finden, die guts muts
seyen, nidit trawren noch klagen, wenn sie
den mammon nicht haben, deudsch cai.
(1529). Bj^; — da nu jr hertz guter dinge
war. ridU. 16, 25; las dein hertz guter
ding sein. 19, 6 ; lachen vnd guter ding sein.
das 16. cap. s. Joh. (1536). Diiii*"; ^rin-
gen vnd guter ding sein, ebend. Tij *> ; frö^
beb vnd guter dinge sein, von den coneil^s.
(1589). Aüj*.
6) angesehen, edel, vornehm: du bist aus
einem guten geschlechte. Tob. 5, 20; es
bittet abermal die gute frawe Hanna von der
Dame. Burkhardt briefw. 274.
1) in ethischem sinne, a) von gott, dem
vollkommensten wesen ustd quell alles guten
(von dem alles was gut ist vnd heisset aus-
fleust. deudsch cot. 1529. Biij''): was
heissestu mich gut? niemand ist gut, denn
der einige gott. Matth. 19, 17 ; der herr ist
gut vnd from. ps. 25, 8 ; gut vnd gnädig.
86) 5. b) von mensd^en, bieder, recht-
schaffen, fromm: ein gut mensch bringet guts
erfür aus seinem guten schätz des hertzen vnd
ein bdser mensch bringet böses erfür. Matth.
12, 35 ; Joseph war ein guter fromer man.
Luc. 23, 50 ; ich byn nicht gutt gnug, das
du vnter mein dach gehist. £mc. 7, 6 var.
freundlich verbunden, zugeneigt: Udier herr
vnd guter freund, von den Juden. (1543).
niij^; vnd hielt sich heimlich bey guten
freunden. Tob. 1, 23; ich habe auch d.
Wenceslao geschrieben für meinen guten alten
mitbruder. de Wette br. 4, 177. c) von xu-
ständen «. handlungen etc. : gut, rechte ge-
setxmäsxig : sihe disze beichten das fiir sund
vnnd yrthum, das sie tzuuor haben für gütt
vnd recht gehalten, antwort deutsch. (1522).
IBg*; was dich gut vnd recht dünckt vns zu
thun, das thu. Jos. 9, 25 ; vnd thun was
GUT
187
GUT
recht vnd gut ist. 1 Mos, 18» 19. gute
[reine) lehre : man kund nymmer no viel ausz>
werlTen mit gutter lere aist die böezen hewln
ter eyn werffen mit falscher lere, mdäer den
faUd^ ^emwUen geisü. stand. (1522). Ai^^
gute {edle) sitten : die g^ot gutter sitten.
§nmdvnävrsa£k. (1521). liüj*. gut(rMii,
mkig) gewissen «. gewissen, guter wille: so
bore ich woU vnser glaube stünde auff dem
guten willen der schreyber vnd drucker.
das a m der teyl widder d. Aymi. prapheUn.
(1525). Güij*; es solt an gutem willen vil*
leicht weniger denn bey dem Turcken man*
geln. vom krieg wider d. T. (1529). Gig*,
gute (dem gebot gottes gemdsse, goU «0OM-
geßiüge) werke: das ist ein gut werek, so
die scfahflH foddert. das 14. vnd 15. eap. s.
Joh, (1538). Mj*; die gutten wexck der
liehe gegen den nehisten. widder den neteen
abgoU. (1524). aij*. gut (goUgefälUges)
leben, egm ssndbrief an hopst Leo X,
(1520). Ay^; vnd vleissigen vns guten Wan-
del sufiiren bey allen. Hehr. 13, 18; ein gut
beet igeket). ausleg. deutseh des v. «.
(1518). Gj*; ein gutte {teahre, rechte) rew.
gruskd wud vrsach. (1521). eüii^ ein gu-
tes {freundliches, liebreid^es) wort: ein gut
wort findet eine gute stat {sptiehwort). gl.
SM spr. Sal. 15, 1 ; vnd gebe meynen bor-
gem gute wort, ich wolle sie redlich bezalen.
von kaufshandlung, (1524). Dij"; vnd
solloi kein gut wort mehr von mir hören.
wider den meuehUr. (1531). Diij*.
B. subst.
1) der gute, fromme, im gegensatse zum
bösen, gottlosen {vgl. gut 7 b) : der gute wird
erben aulT kinds kind, aber des sünders gut
wird den gerechten furge^rt. spr.Sal. 13,
22; die bösen müssen sich bücken für den
guten. 14, 19; es begegnet dnem wie dem
andern, dem gerechten wie dem gottlosen,
dem guten vnd reinen wie dem vnreinen.
pred. SaL 9, 2 ; gott lesst seine sonne auiT
gehen vber die bösen vnd vber die guten.
MaUh. 5, 45.
2) das gute smd zwar a) das gute, %ßas
jememd tkut, im eUUsehen sinne : da ist keiner
der gut» thue. j^. 14, 1.3; las vom bösen
vnd tbu guU. 34, 15; 37, 27; hasset das
böse vnd liebet das gute. Ämos 5y 1*5 ; jr
hasset das gute vnd hebet das arge. Micha
3, 2; ob dem guten halten, ps, 38, 21;
(der heiUge geist) reytKt vnnd anhellt tzum
gutten. ausleg, der ep. vnd euang. des
aduents. (1522). Bij''; was soltistu guttis
schreyben. ati/fiiiiai7frird^rwli.^üA. (1521).
JÜ*; der nichts guttis gedenckt. grundvnd
vrsaeh. (1521). bj^ b) das gute, das
Jem. widerführt, gluck: gott wird doch
Pharao gutes weissagen. 1 Mos. 41, 16; der
herr hat Israel guts zugesagt. 4 ^os. 10,
29 ; gttU wündschen. 5 Mos. 23, 6 ; haben
wir guts empfangen von gott vnd selten das
böse nicht auch annemen? Eiob 2, 10; wer
ein ehefraw findet, der findet was guts. spr.
Sal. 18, 22. 0) gutes thun mit dat. derpers,,
jem. wohllhaten erweisen, benefaeere: vnd
er (Marao) thet Abram guts. 1 Mos. 12.
16; darumb thet gott den wehmüttern guts.
2 Mos. 1, 20 ; wegere dich nicht, dem dürff-
tigen guts tu thun. spr. Sal. 3, 27 ; der den
armen viel gutes gethan hat. Tob. 9, 9. mit
der praep. an : so lasset vns gutes thun an
jederman, aUermeist aber an des glaubens ge-
nossen. Gal. 6, 10.
C. adverbiale redensarten.
1) gut, ohne Schwierigkeit, leicht, be^
quem: es ist des nachts still vnd gut schlaffen.
das ander teyl widder d. hywU. propheten.
(1525). Eüj*; im Winter ist nicht gut wandern.
gl. SU Matth. 24, 20 ; da haUe freilich der teufel
gutnuichen. vnterrieht dervisitatom.{\ 538).
Aüj^; du hast gut reden, das l^.cap.s.Joh.
(1538). Ffij^
2) gut dafür sein, daßr einstehen, bürgen:
wer will vns gutt dafür seyn, das die vetter
{kifchenväter) nit yrren ynn yhrem auszlegen ?
ausleg. der ep. vnd euang. vom christag.
(1522). fifj'; wer wil mir bürge vnd gut dafür
seyn, das sie recht sagen, post. (1528)* 27 8^
3) es gut haben, glücklich sein: wol dir,
du hasU gut. ps. 128, 3; prediget von den
gerechten, das sie es gut haben. Jes. 3, 10 ;
wie es die gerechten zuletzt gut haben werden.
weish. 2, 16.
4) es ist gut, bene, xaXa>(, wiM: wird er
sagen, es ist gut, so steht es wol vmb deinen
knecht. 1 Sam. 20, 7 ; er sprach, warumb
wütu zu jm? . . . sie sprach, es ist gut (ear.
wol). 2 kön. 4, 23.
24*
GUT
188
GUT
5) für gut haben, nehmen, fwrlieb nehmen^
äamü zufrieden sein, sich gefallen lassen :
e. f. g. wollt für gutt haben (mit meinem
schreiben furlieh nehmen, oder: mir mein
schreiben zu gute halten? vgl, hernach zu
gut halten), für grosser eyle hatt die fedder
müssen lauffen, ich habe nicht mehr tzeytt.
originalbr, v. j. 1522 im ges. archiv zu
Weimar N, 109, 42; wo ich yhm aber
wurd tzu wenig thun, woltist für gut haben,
ich wils ein ander mal bessern, bulla cene
domini, (1522). Aiij**; weil wir in diesem
elend sein müssen vnd noch nicht daheim sind,
so müssen wir dem wirt alle ehre vnd der
herberge jr recht thun vnd für gut nemen,
was vns widerferet. ausleg, der ep. vnd
euang, von oslem, (1544). N 6*; am guten
tage sey guter dinge vnd den bösen tag nim
auch für gut. pred. SaL 7, 15.
In für gut nehmen, haben, 151 gut adj, ;
in dem folgenden zu gute (gut) halten, wie
in zu gute kommen, ist gute dat. sg, von das
gut {s, gut n. 1).
6) einem etwas zu gute (gut) haben, halten,
nicht übel nehmen, freundlich nachsehen : sol-
len das yhn zu guthaben, post, (1528). 90^;
e. k. f. g. wollen mir solche schrifft gnediglich zu
gut halten, originalbr, v,j, 1537 im ges. archiv
«u Weimar, pag, 143. EEE 9; die starri-
gen aber vnd vngelinden, die niemant nichts
tzu gutt halten, ausleg, der ep. vnd euang,
desaduents, (1522). Yüij*"; bitte freundlich
mir das zu gut (zu) halten, das man kinder
elc, (1530). Aiüj**; wer wolt einem breut-
gam solche seine vnfursichtigkeit (nicht) zu
gut halten? von ehesachen, (1530). Giiij^;
ich mus euchs zu gut halten, das 16. cap,
s, Joh, (1538). Ddiiij^; das kan man dem
guten manne nicht zu gute halten, tisehr.
180^; liebes kind, pflege deines vaters im
alter . . . vnd halt jm zu gute, ob er kindisch
würde. Sir, 3, 15. in demselben sinn
braucht L, auch vor (für) gute haben : es ist
myr zcu vül, das e. f. g. szo weyt ynn meynn
Sache vnd mühe gezcogenn wirt, die weyl
aber die not vnnd gott szo fuget, bitt ich e.
f. g. wolt myrs zcu gnaden vor gute habenn.
originalbr, aus dem /. 1519 in der bibl, zu
Gotha cod, chart» 379. (s. auch für gut
haben, nehmen 5).
7) zu gute kommen s, gut n. 1).
eilt, n. bonumy mhd. ahd, guot (Ben, 1,
589^ Lexer 1122, Graff 4, IßO).
1) das gute, nur noch in zu gute, zu gute
kommen, zu gute halten (vgl, vorher gut G,
6). a) zu gute (gat) «== zum nutzen, vor^
theil, stets mit dal, der pers,: alle werck
sollen gerecht seyn dem nehesten zu gutt.
von der freyheyt eines Christen menschen.
(1520). Cij**; die gutter der kirchen, die
der adel den seinen zu gut gestifft hat. von
den newen Eckischen bullen, (1520). Aij*;
denn der herr wird sich wenden, das er sich
vber dir frewe, dir zu gut. 5 Mos, 30, 9 ;
wenn du aber wider in die stad giengest, . . .
so würdestu mir zu gut den ratschlag
Ahitophels zu nicht machen. 2 Sam. 15, 34 ;
sie (die- obrigkeit) ist gottes dienerin, dir zu
gut. Rom, 13, 4; wir haben aber trübsal
oder trost, so geschieht es euch zu gute. 2
Cor, 1,6. b) einem zu gute (gut) kommen,
zum vorüml, zum nutzen gereichen, dienen :
der got dienet, dem kummet die vormenschung
(menschwerdung) Christi tzu gut. dasmagni"
ficat. (1521). kij*; das dirs zu gut kome.
5 Mos. 30, 9 ; solchs alles kompl den fromen
zu gut. Sir, 39, 2.
2) gut, guter, opes, vermögen, besitz,
habe : darnach sollen sie ausziehen mit gros-
sem gut. 1 Mos. 15, 14; vnd Abraham gab
alle sein gut Isaac. 25,5; gut macht viel
freunde, spr. Sal, 19, 4 ; gib mir vater das
teil der guter, das mir gehört, vnd er teilet
jnen das gut. Luc. 15, 12; gib mir die leute,
die guter (var. habe) behalt dir. 1 Mos. 1 4,
2 1 ; knecht, der allen seinen gutem furstand.
24, 2 ; mammon ist ebraisch vnd heist so viel
als reich tumb odder zeitlich gut. auslegung
der euang. von ostem. (1527). n6*; die
menge des guttes odder reichthumb. ebend. ;
hauszknecht vbir seyne geystlich gutter. auff
das vbirchrisU. buch. (1521). Biij*; denn
wer wü aussprechen, was der liebe fride für
ein vnaussprechlich gut ist ? das man kinder
zur schulen halten solle, (1530). Fj^ die
Verbindung geld und gut «» vermögen s.
geld. Sprichwörter und sprichwörtliche re-
densarten: vnrecht gut drühet (gedeihet)
nicht, ein einfeltige weise zu beten. (1535).
Diij * ; vnrecht gut faselt nicht, kommet an
GUTBEDUNKEN
189
GUTHERZIG
dritten erben Dicht, tisehr, 143'': gutmacht
mot, mut macht hohmut, bohmiit macht ar-
mut, armnt aber weh thut. der proph. Ha-
bacuc, (1526). eij"*.
3) grundbesitz, grundslück : gebet vns
aach ein gut vnter vnsers vaters ))rüdern.
4 Mos, 27, 5 ; wenn einer ein gut nicht be-
erben noch erkeuflen wolt. Ruth 4,7; gleich
ih wenn ein fürst odder lehenherr einem
edefanan ein gut schenckt odder leihet, wie
das gesetz v, euang. zu vnterscheiden»
(1532). Aiiij^; gründe vnd guter, wider
den Wucher. (1540). Dij*, vollständig $,
die stelle unter grund 6.
CafbdlMBkeay n. das gutdünken, gutach-
ten, Judicium: mit angehengter bitt, das
bemelte reichslende yhr gutbeduncken vnd
rat, durch was mittel vnd wege solchem
meynem fumemen zu begegnen seyn mocht,
dem bapst zu eroffenen, originalbr, v. j,
1523 im ges, arehiv zu Weimar. pag,
74. FF 2.
Citdaikel^ m. was gutdünken, meinung:
ich lasz eynem yglichen seyn guttdunckeü.
warumb des bapsts Imeher vorprant, (1520).
Biij'; da verkleret er sich vnd weret dem
mancherleygutdnnckel. post. (1528). 269";
das du solches haltest on eigen gutdönckel.
1 71m. 5, 21. häufiger
CitdiBken, gatdiake«, n. arbitratus,
Judicium, meinung, mhd, guotdunken (Lexer
1122): ich hab offt bekennet, es sey mein
gut duncken, ich wisse aber nichts grunds
noch gewisses dauon antzutzeigen. grund
vnd vrsach, o iij**; doch lasz ich epem yg-
lichen hie seyn gntt duncken. ausleg, des
67 . psalm. (1521). Eij '^ ; ich sage aber meyn
gutdancken. das 7. cap. Cor. (1523). Bj";
yhm ein yglicher gott abmalet nach seinem
Wahn vnd gutdüncken. vber das erste buch
Mose. (1527). Yijj^ sie {die fürsten)
stellen sich ia eben also, als stünde es ynn
yhrem gutdüncken vnd wolgefailen, ob sie
yhre vnterthan sollen retten vnd schützen für
gewalt des Turcken odder nicht, vom kriege
Widder d. T. (1529). Eiij*; ich kome nicht
getrolt aus eigenem fumemen vnd gutdüncken.
das 5. 6. vnd 7. cap. s. Matth. (1532). Bj*.
(■■tdlBkler, m. der sich gut {klug) dünkt:
es gefellet gott also, das er solch geheimnis |
verberge für den klugen vnd weisen, für den
schwetzern vnd gutdüncklern. Eist. 1, 403*.
ÜHte (gutte, guete, güete), f. bonitas,
benignitas, mhd. güete {Ben. 1, 591 *. Lexer
1111), ahd. guott {GraffA, 1 66), goth. g6dei.
1) l>onitas: gehorsam ist aller werck adel
vnd gute. Bindseil 7, 306. 2) benignitas:
hesed das ist barmhertzickeit vnd ich guete
habe verdeutscht, heysst eygentlich das, wenn
man yemand freundschafft, liebe odder wol-
that erzeygt. ebend. 329; die blossen
vnuordiente gutte gottis. euang. von den
zehen aussetzigen. (1520). Diij*; gottis
guete. der proph. Jonas. (1526). Aij''; er
{gott) schencket vns seine gnade vnd alle
guter aus lauterer güete vnd liebe, vber das
erste buch Mose. (1527). Nj"; hilff mir
vmb deiner gute wülen. ps. 6, 5 ; die wege
des herrn sind eitel gute vnd warheit. 25,
10; die güete der fursten. brieff an d.
(Fristen zu Slraspurg. (1525). A 5 ** ; einem
alle gutte vnd freundschafft erbieten vnd er-
zeigen, summa des christl. lebens. (1533).
Biiij*. mit gute, gutwillig: wer nicht wü mit
gute gott gehorsam seyn, der mus yhm doch
zu letzt mit vngute gehorsam seyn. der
proph. Jona. (1526). Ciij*.
Ünterleiai pL zu gütlein, gütchen: gott
wartet alhie seines hauses, seiner habe vnd
güterlin. Eist. 1, 385".
datfarf j n. pr. bonus portus : da kamen
wir an eine stete, die heisset Gutfurt. ap.
gesch. 27, 8.
C}|ifheit| f. bonitas, gute, mhd. guotheit
{Ben. 1, 592''. Lexer 1122): in dyszem
werck müssen alle werck gan vnd yrer gut-
heit einflusz gleich wie ein leben von ym ent-
pfangen. von den gutten wercken . (1520).
Aiij* ; wenn sich aber got vorpirget vnd seiner
gutheit gleutze zu sich zeugt ... so gabt auch
lieb vnd lob zu gleich ausz. das magnifical.
(1521). c ij '* ; wie denn Christus auch gethan
hat, der seine gutheit ynn die rapus geworffen.
ausleg. der euang. von ostem. (1527). i j'' ;
es {das evangelium) rhümet nicht mehr denn
gottes werck, seine gnade, seine gütheit (gute)
vber vns, vnd das wir seine werck, seine
gnade vnd seine gütheit vnd yhn selbs haben
sollen, post. (1528). 198 \
C^Mtkeriig^ ein gutes herz habend, wohl'
GÜTIG
190
GUTTHAT
gewinnt, mhä, guoth&rzec (Lexer 1122):
gegen solchen guthertzigen menschen müssen
wir vns viel anders halten, denn gegen den
halsstarrigen. Eisl. l, 91^; ich rede hie von
den guthertzigen vnd gottfurchtigen menschen.
vonkauffshanäiung, (1524). Bj' ; eintweder
sie sind bitter» gififtig, böse vnd meinen solchs
nicht gut, oder sind guthertzig vnd meinens
recht, von d#ti eoneüijs. (1539). Biij*';
es mügen gulhertzige leutte heissen, sie sind
aber irrehertzige vnd verfürethertzige leute.
wider Hans fVorsL (1541). Giiij*'; barm*
hertzig oder guthertzig. po$L (1528). 230*.
diitig^ benignus, gute habend, günstig,
freundlich, wUhd. güetec (Ben. 1, 592*.
Lexer 111t): der herr, der gütig ist, wird
gnedig sein. 2 ehnm. SO, 18; ein gütigs
hertz. spr, 14, 30; ein gütiger man. 2
Mace. 15, 30; gastfrey, gütig, züchtig soll
ein bischof sein, TiL 1,8; keusch. heusHch,
gütig (1522: guttig) sind eigenschaften der
Jungen weiber, 2,5; das gütige wort gottes.
Hebt, 6, 5; nu aber mein gütiger glimpff
vmbsonst ist von heimlichen und gesiolen
brieffen, (1529). Aiij**; er solte sich* an
solcher gütiger, demütiger antwort lassen
benügen. ebend. Aij^.
fliitigkeitj f. benignitas, gute, gnade,
mhd, güetecheit (Lexer 1111): ein bilde
seiner (gottes) gütigkeit, weish, 7, 26; ich
weis, lieben brüder, das jr selber vol gütig-
keit seid. Rom. 15, 14; die frucht des
geistes ist allerley gütigkeit. Ephes, 5, 9;
gütickeit ist die frucht des geist, das ein
Christen mensch gut, das ist nützlich ist vnd
gerne gut vnd wol thut seim nehisten. post.
(1528). 331 ^
Clatiglich; adv. mit gute, freundlich: vnd
sprachen» wirstu diesem volck freundlich sein
vnd wirst sie handelen gütiglich, vnd jnen
gute Worte geben, so u. s. tc. 2 ehron. 10,
7 ; eine tegUche kindessunde, die der vater
wUliglich vnd gütiglich tregt. der proph,
Jona. (1526). Kiij*.
Sitleia (gülUn), ». güuken, dm. zu gut
M.: also ist auch eines fromen heuslin oder
gutlin. der 65. pia/m. (1534). Hij''; er
hat mir mein gütlein fein gebessert, vom
sehem hamphoras. (1543). Eüj"; seins
gtttlins halben, de Wette br. 5, 106; das
gutlin vnd armes erbdächlin. ebend. 5, 107 r
DiÜicIl, gatliclis adj. u. adt. wM. guot-,
güetlich, guot-, güetltche (Ben. 1, 592'.
Lexet 1123).
1) gütig, freundlich, liebevoll: vermaaet
sie so gütlich auch so ernstlich, das nicht
besser kündte geschrieben werden, von den
candlijs. (1539). Jüij'*; Hans Metzscb ist
viel vnd oftmals von mir gutlich vnd ernstlich
vennanet. Burkhardt brisfw. 192; das sie
für jn (wie Christen gebürt) beten, jn gütlich
vnterrichten. Jen, 1, 86''; hie sol man sie
gütlich vnterrichten. 1. 276*.
2) friedlich, in gute: vnd diese böse sache
zum ende oder gütlichen (friedlichen) abtrage
fördern, de ^fetle br, 4, 658; die sachen
gütlich vnd friedlich hin zu legen (beiiuUgen).
vfidderdenmeuehler. (1531). Aiij^; wollet
jr meine junger sein, so erweget euch des
vnd gebt euch gütlich drevQt das nicht ander»
draus wird, jr müsset dahin geworffen sein.
das li. vnd 15. cap. s. Joh. (1538).
rrr ü^ ' ; mitten ynn der mordgrubenn gutlieh
leben, ausleg. der ep. vmd euang. vom
chrütag. (1522). Ciü]-.
3) sich, einem gütlich thun, sich oder an--
dem etwas zu gute thun, besonders durch
speise und trank : der eine malzeit zurichten
vnd den gesten gütlich thun wil. 2 Macc.
2, 28 ; jm (sieh) gütlich thun in seinem leben.
pred. Sal. 3, 12; die {f eidmaus) thet jr
(sich) gütlich mit eichebi, gersten, nässen vnd
womit sie kund. Jen. 5, 272^; je gütlicher
man jhnen (den Schweinen) thut, je neher sie
der schlachtbanck süpuI. tischr. 28*.
UntikU, f mhd. gootlat (Ben. 3, 147 ^.
Lexer 1123). 1) gute that, gutes werft.*
wenn jr allein die liebet, die euch heben, was.
ist das für ein gutlbat ? lieben doch die sünder
jre liebhaber, vnd wenn jr nur denen wolthut^
die euch lieben, was ist das für ein guttbat?
thun doch das auch die sünder, vnd wenn jr
leihet denen, von welchen jr h<^ wider zu
haben, was ist dss für ein gntthat? Jen. \,
202 N var. zu Luc 6, a^— 34.
2Xwolklthat: das ebreische wörtlin hesed»
das auff griechisch eleemosyne vnd bis her im
deudschen barmbertzigkeit geheissen, ich aber
gedeudscht habe gute heis&t auff dendsch
GITTUÄTER
191
GUTWE-LIGKEIT
€if[eDtlich das wir wolthat odda* guUhat
nennai. 4ai tekone e^nfUemim, (1530).
Bij ' ; er hat VHS därfftigen seine grosse, reiche«
ewige gulthat gegeben. posL (1528). 58*^;
yfar habt die gatthat hyn. amleg. der teken
gepoi. (1528). Gj'; zum dritten wil er, das
man solch hertz anch mit dem werck beweise
vnd mit allerley frenndschaflt vnd gutthat vnd
spridit, thnt wol denen die euch hassen, das
5. 6. vnd 7. eap. $. Matlk. (1582). ciJ^
IMtklt« (gnttheter), m. mM. guottaeter
^— ^ßMlhäter (Ledwr 1124), bei L, s, «. a.
^»eHAeUiger: davon die werckheiligen vnd
guttheter gar nichts wissen. Jen. 1 , 258 ^
iitthitlg (gntthetig), wohlUUUig, mM.
guoltKtec {Lemer 1124): so wol- vnd gut-
thetig soUen wir sein» das wir audi da hdlfen
vnd raten, darzu wir durch welthcb recht
nicht köndten gezwungen werden, i^ier pre-
digten. (1546). Hiiij''; auch die vnuernünff-
tige thier jres gleichen gutthetig vnd milde
sind. Jen. 1, 287 ^
ttntwerki n. gutee werk : also ist das erste
höhest vnd aller eddelste gutwerck ynn diesem
gepot der glaube ynn gott. mutleg. der teken
gepot. (1528). Hj^
liitwiiilg, gulen teiUen habend, freund-
Ite^, mkd. guotwillic {Ben. 3, 663 ^. Lexer
1124): vnd baten sie, sie wollen weiter
gegen jre leute so gutwillig sein. 2 Maee.
12, 31 ; freundlich, das ist, es ist gut mit yhr
vmbgehen, sihet nicht savnr, meydet niemand,
zeygt sich yederman gutwillig mit Worten,
wercken, geberden, poit. (1528). 313*;
ich komme freylich langsam gnug mit meiner
danckbarkeit, mein lieber, guter freund, fih*
euer gutwiUiges hertz, so ihr gegen mir er-
zeigt habt, de WeUe br. 4, 586.
ttntwilligkelti f. das UfohlwoUen : hab ich
einen mut geschepfft von solchem gnedigen
eiempel vnd mich vermessen, wie das fürst-
lich geblüt, so auch der fürstliche mut {ge^
sinnung), zuuor in gnediger senffte vnd gut-
wilhgkeit gleich vnd eins sey. Jen. 1, 255^.
H.
Der buchstabe h, die spirans der guttural'
reihe, ist theils ursprünglich, d. h. in der
äUeren spräche {tnhd., ahd., goth,) bereits
ebenso vorhanden, theils aus verwandten
laufen (wie x. b. den Spiranten j und w)
hervorgegangen, theils nur dehnungsteichen.
\) In einigen fällen, in welchen altes
echtes h nhd. in g übergetreten ist, gewahrt
L„ «m alten sprachgebraüche festhaltend,
iheUweise noch den ursprüngUdien laut: so
bietet er x. b. nicht allein ziemlich regel-
mäsxig den inf. schlahen {schlagen), sondern
auch noch häufig die praesensformen ich
schlahe, du schlechst, er schlecht neben
schlage, schlegst, schlegt. femer hat sich bei
ihm inlautendes et^tes h erhalten in höhest,
nehest, heute höchst, nächst.
2) Statt des heutigen, etymologisch (e*
I rechtigten, aber stummen h im auslaut ver-
wendet L., mhd, brauche folgend, nicht
; selten ch ; den bereits vorw. XYHL ange*
' führten beispielen füge ich hier noch floch
pulex {gen. flohes das 15. cap. der ersten
ep. s. Pauli an die Cor, 1534. f ij^) hinxu,
umgekehrt begegnet besonders in den spä'
teren Schriften ah für ach, hohmuth, hoh-
müthig für hochmuth, hochmüthig.
3) Aus* oder abfall des h ist eingetreten
in scheuen {mhd. schiuhen), wofür L. jedoch
noch scheuhen neben schewen hat ; femer in
befehl, befehlen (mhd. bev^lch, bev^lhen),
welche beiden worter L. zwar noch befelh,
befelhen schreibt, doch scheint das h in
diesem fall nur dehnungszeichen xu sein (s.
hernach), in gedeihen, welches L. stets ohne
h schrieb, ist das wurxelhafte h wieder her-
H
192
HAAR
gestellt, über die aphaerese des anlautenden
h in er für h^r dominus und der parlikel
her (in erab, erauf, eraus, erbei, erdurch,
erein, erfür, emach, ernieder, erunter, erzu)
s, die betreffenden arlikel.
4) Assimilation des h ist erfolgt in junker
und pfarrer ; L. hat noch oft die Schreibung
jungher, pfarher. in den mit heil componierten
subst», in welchen bei L,, me mhd,, das h
der endung mit dem voraufgehenden ch, seh
verschmilzt, ist heute das h wieder herge^
stellt, s, Vorwort s, XYIIL
5) Beispiele des Übergangs von j zu h
sind blähen, blühen, brühen (brühe), drehen,
frühe, glühen, krähen, mähen, mühen, nähen,
wehen, welche L. zum theil regelmäszig ohne
h schreibt, wie z, b. früe, glüen, zum theil
schwankend bald mit bald ohne h, wie z, &.
blülien, brühe. — Vertreter eines früheren
w ist das h in ruhe, ruhen (mhd. ruowe,
ruowen), bei L. rüge, rugeü. Heyne in
Grimm wtb. 4^ 4 sieht in den bei L. vor^
kommenden Schreibungen falh, kalh, malh,
melh (neben fal, kal, mal, mel) Vertretung
eines alten w durch h ; ich glaube jedoch
hier, wie bei gemalh, stalh, walh, zalh (in
anzalh), gelb, auch befelh und befelhen,
dehnendes h annehmen zu müssen.
In hühel =^ hügel ist h aus älterem v (b)
hervorgegangen,
6) Der gebrauch des dehnungs-h ist bei
L. noch von beschränkterem umfange als
gegenwärtig; er bietet z, b, kal, tal, wal, zal,
far (= gefahr), jar, war verus, lam, zam,
ban, fane, han, zan, kele gula, Stelen, welen
(wählen) , leren docere (lere doctrina, gelert
doctus), zeren (in verzeren), nemen, denen
tendere, fro, stro, hole, dole, kole, boren,'ror,
l}one, son, bulen (bule, buler), hun i4. s, w,,
von welchen Wörtern einzelne hin und wie-
der auch schon bei L, h haben, für ihn,
ihm, ihr, führen die nach 1530 erschienen
drucke jn, jm, jr ein, während L, später wie
früher nur yhn, yhm, yhr schrieb. Seine
Stellung nimmt dieses h bald vor, bald
hinter dem vocale, dessen dehnung angezeigt
werden soll, zuweilen sogar, wie die unter
5 aufgeführten beispiele zeigen, nach vorauf-
gegangenem consonanten: es begegnen z. b,
die Schreibungen jah und jha, kahn tmd
khan, rhat und rath, nehmen und nhemen,
bevehden und bevheden, roh und rho, röhr
und rhor, auffruhr und auffrhur. ein rest des
frühem brauchs, es vor den vocal zu stellen,
ist uns bis auf heute geblieben in der
Schreibung th (s, t).
7) in einigen fällen hat dieses dehwungs-
h eine eine eigentliche silbenzerdehnung
herbeigeführt: auszer .ehe prius (mhd. e),
ehe matrimonium (in Zusammensetzungen
bei L. anfangs noch eh, ee, e, vgl, ehelich,
ehelichen, ehemann), wehe dolor (neben wee)
und den verben gehen, stehen, mit ihren
praesentialformen ich gehe, du gehest, er
gehet, wir gehen u. s. w,, welche formen L.
in die nhd, Schriftsprache eingeführt hat,
finden sich vereinzelt bei ihm 'auch ehere
honor, meher fama^ meher (mehr), seher
(sehr)y wehere (wehre), sehenlich (sehnlich),
ahel (aal)f nihe (nie), womit er auf düringi-
schem brauche fuszt, s. Grimm wtb.
4^ 5.
Ha^ mhd, hä (Ben, 1, 594 ^ Lexer U29),
interj. und zwar besonders
1) der freude, in wiederholter Stellung
das lachen ausdrückend : ha, ha, ha, ...
meinet jr, todeske embrigek, das wir solche
narren sein als jr seid ? wider das bapstum,
(1545). Yij^
2) ausdruck des stolzes , Selbstgefühls,
der gleichgültigkeit : wo der schalckhafillige
knecht wirt sagen in seinem hertzen, ha mein
her bleybt lang aussen, von dem bapstum zu
Rome. (1520). Fiij", var, zu Matth. 24,
48 ; dencken, ha der Türcke ist nu weg vnd
geflohen, was wollen wir viel sorgen vnd vn-
nütze koste drauff wenden ? eine heer predigt.
(1529). Aij''; ha, was gehet mich ein ander
an? das 5. 6. vnd 7. cap.s. Matth. (1532).
ccüij"; vnd sprechen, ha, wenn mein son
deudsch schreiben, lesen vnd rechen kan, so
kan er gnug. eine predigt, das man etc.
(1530). Giiij^
3) des Spottes , hohnes : ha, solcher leute
zeucht man viel auff mit einem kübel vol
milch, wider Hans Worsl. (1540). Niiij\
4) des Schreckens: o ha, lieber herr, wie
geschieht dir ? eine bericht. (1528). gij^
Haar^ n. crinis, capillus, bei L, har
(einige mal haer, z. b. vom abendmal Christi.
HAAR
193
HAAR
1534. niij*'; auch bahr var. xu ps. 119,
120 bei Bindseil; in den tisehr, bereits mit
geminaiion haar>, ahd, mhd. hir [G raff 4,
9S1. ffen. ^633^ JLe:r«r 11S2). der pL
lautet har (3 Mos. 13, 3. 4. 21; 14, S. 9)
tmd hare (4 Mos, 8, 7; Matih. 10, 30;
Luc, 12. 7).
1 ) haare am menschen, gewöhnlich wird
ohne nähere hezeiehnung nur das köpf haar
verstanden und es wohl dann auch dem hart
entgegen gesetzt: wer sich der meynung be-
schD}ite, wie er seyn har, barlt oder hutt be-
scbnytte . . . der thet keyn sunde. ausleg. der
ep. md euang. vom ehristag. (1522). Zz j**;
ein Tihemagd, die ein schön har hat. haus*
post. (Jhena. 1559). 479 **; ^mb seiner
schonen gelben har willen, oh kriegsleute.
(1527). Ej*; sein har war weis wie wasse
wolle, offenb. Joh. ], 14. graues haar ist
zeichen des aliers: graw bar ist der alten
schmuck, spr. 20, 29; wenn j|n ein vnfal
auff dem wege begegnete, da jr auff reiset,
würdet jr meine grawe har mit hertzeleide in
die gruben bringen. 1 Mos. 42, 38. vnd
hattest schon lauge har gekriegt. Ezeeh. 16,
7 ; emem man eine unehre ist, so er lange
har zeuget, vnd dem weibe eine ehre, so sie
lange har zeuget. 1 Cor. II, 14. 15; eine
glalze für ein kraus har. Jes. 3, 24.
Ir solt ewr har am heubl nicht rund vmb-
her abschneiten. 3 Mos. 19, 27; vnd sollen
auch nicht die bar frey wachsen lassen, son-
dern sollen die har vmbber verschneiten.
Ezech. 44, 20 ; vnd stehet seine reformation
darynn, das man die langen har verschneyte.
die weissagunge Joh. Lichlenbergers. (1527).
Aij ' ; wü sie sich nicht bedecken, so schneite
man jr auch das har abe, nu es aber vbel
stehet, das ein weih verschnitten har habe
oder beschoren sey, so lasset sie das heubt
bedecken. 1 Cor. 11, 6. gänzliches kahl-
scheeren, sowie ausraufen der haare war
hei vielen Völkern des allerthums zeichen der
trauer: las die har abscheren vnd gehe kalb
vber deine zarte kinder, mach dich gar kalb
wie ein adeler, denn sie sind von dir gefangen
weg gefüret. Micha 1,16; schneit deine har
ab vnd wirff sie von dir vnd heule kleglich
auff den höhen. Jer. 7, 29 ; das beyde gros
vnd klein sollen sterben ynn diesem lande
DixTE, Wörterbncli. II.
vnd nicht begraben noch geklagt werden vnd
niemand sich vber sie reisse odder har aus-
reuffe. 1 6, 6 na(^ dem manuscr. der über"
Setzung des proph. Jeremias ; an allen örtern,
da sie zuuor frölich gewest war, raufll sie jr
har aus. stüeke in Esther 3, 2. in folgender
stelle scheint das haardbschneiden zeichen
der kfiegsgefangenschaft: vnd sihest vnter
den gefangenen ein schön weib vnd hast last
zu jr, das du sie zum weibe nemest, so füre
sie in dein haus vnd las jr das har abscheren.
5 Mos. 21, 12.
2) haar am thierischen körper: ein Jude
stickt so vol abgötterey vnd zeuberey als neun
küe har haben, das ist vnzelich vnd vnendlich.
rom schem hamphoras. (1543). Fj*; was
hilflts aber viel flicken vnd pletzen am peltz,
da haut vnd har nicht gut ist? von der
winckelmesse. (1533). Eüj**; gleich als
wenn ein kürsner solt einen bösen peltz
flicken, da weder haut noch bar gut ist. irt«
der das bapstum. (1545). Dj*.
3) sprichwörtliche redensarten, wobei ich
der anordnung Heyne's in Grimms wtb.
4^ 12 ff. folge.
a) auf der Schönheit des gelben haares
fuszt die redensart: das geschieht nicht um
deiner gelben haare {deiner schönheil) willen:
wie viel weniger wird solch {Offenbarung des
evangeliums) erschienen sein vmb deiner
Weisheit, gewalt, adel, reychtumb vnd deines
gelben hares wdlen. post. (1528). 91^
vnd lest sich duncken, er sey nicht vmb seiner
vnterlhanen willen, sondern vlnb seiner
schonen gelben har willen fürst, ob kriegs^
leutte etc. (1527). Ej"; das deine sünde
nimer sünde vnd vergessen sind, ist nicht
deiner gelen bar schuld, sondern der gnaden
vnd Vergebung. Jen. 4, 460 * ; in etwas an'
derer fassung: ich habe hie helffen wehren
vnd trewlich widerraten, nicht e. k. f. g.
schönes har angesehen, sondern arme leute.
4, 471*.
b) im haar, in haaren gehen, keine köpf'
bedeckung tragen, noch Jungfrau, unver^
heirathelsein: magd heyst eyn solch weybs-
büd, das noch iung ist vnd mit ehren den
krantz tregt vnd ym bar gehet, das man.
spricht, es ist noch eyne magd vnd keyn fraw.
das Jhesus Christus eyn gebomer Jude sey.
25
HAAR
194
HAAR
(1523). Biiij*; eine jungfraw oder magd,
die noch jnn hären vnd im kranUe gehet vnd
keine fraw worden ist. vom schein ham'
pharas, (1543). Nij^; etliche weiberwolten
in hären gehen. Bindseil 7, 448.
e) die haare stehen^ gehen gen, zu berge,
rieklen sich vor entsetzen, schrecken oder
angst empor, den bereits unter berg 1, 258**
febrachlen belegen füge ich hier noch einige
hinzu: weret jr bischoue, wie ewer namen
Tnd ampt foddert, so würden euch die har
gen berge stehen für diesem spruch. verma-
nung an die geistlichen. (1530). Gij";
meym fleysch stehn die har zn berge für
deyner furcht, var, zups. 119, 120, wo die
bibel hat : ich fürchte mich für dir, das mir
die haut schawert, und die der sehrift „von
der beicht" beigefügte Übersetzung dieses
psalmen : meynem fleysch haben die halur ge-
fttrewbt für deynem schrecken.
d) einem in die haare fallen, mit einem zu
haaren kommen, sich mit ihm raufen, strei'
ten : ein bube feilet offt dem andern jnn die
har vnd sind vnter einander nicht freund.
das 5. 6. vnd 7. cap, s, Matth, (1532).
Kij * ; kommen wir mit einander zun haaren
Tnd reuffen vns. tischr. 403^. sich mit
einem in die haare legen, zu haar Hegen, mit
jem, streiten, kämpfen : hie wollen wir vns
auch nicht ynn die har legen vnd fechten mit
den lesterern vnd sehendem dieses sacraments.
deudsch catech, (1529). \\\\\^\ ein Christ
sol das wissen, das er mitten vnter den teufeln
sitze vnd das jm der teufel neher sey, denn
sein rock oder hembd, ja neher denn sein
eigene band, das er rings vmb vns her sey vnd
wir also stets mit jm zu har ligen vnd vns mit
jm schlahen müssen, ausleg, der euang, von
ostem.^ (1544). Aaij^
e) bei, mit den haaren, mit gewalt zu etwas
heranzi^en : vnd vrteilen Paulum als habe er
Habacuc vnrecht vnd bey den baren mit ge-
walteingefurt. der proph, Habacuc, (1526).
hiüj*; wie wol sie viel stück darin nicht
verstanden vnd gar offt hey den baren gezogen
haben. Bindseil 7, 415; so bringen sie etwa
einen spruch erzu mit den baren aus sanct
Augustino odder sonst einem heUigen vater.
post. (1528). 278^; das du aber etlicher
Vetter spruch mit den baren tzeugist auff
deyne trewm. auf das vbirchrisU. buch..
(1521). Biüj*; diese göttliche gebot zeucht
er mit den baren, das jm die schwarten
krachen, zu der busse. Jen. 1, 61*; darumb-
lesst sie Christus auch faren, wil niemand
zwingen noch mit den baren erzu ziehen.
das 5. 6. vnd 7. cap. s, Matth. (1532).
Dj * ; wir wollen niemand mit den baren erzu
züien. ebend. n üij ".
f) haare haben -» reich sein: wenn wir
einen hdler setzen, so müssen sie einen
gülden dran setzen, denn sie haben har, wir
sind blosz. tischr. 149* bei Grimm.
g) haare lassen, herhaXtenf unangenehme»
erdulden, vertust leiden: denn ich achte
kein heusUn so geringe, wo man sich draus
wehren wolle, die feinde müssen har drüber
lassen. Jen. 4, 481^; da er {der teufet}
sonst lesset falsche lerer vnd andere gottlose
leute wol sicher vnd im friede vnd rüge
bleiben, allein die gottes wort haben, die
müssen jme' hare lassen vnd Verfolgung von
jme leiden. Eist. 1, 285*.
h) als hild der unzählbaren menge dienen
die haare in folgenden stellen : es haben mich
meine sünde ergriffen, das ich nicht sehen
kan, jr ist mehr denn har auff meinem heubt.
ps. 40, 13; die mich on vrsach hassen, der
ist mehr, denn ich har auff dem heubt habe.
69, 5.
t) toie man den vogel an den federn er-
kenntf so gibt für den menschen das haar
ein erkennungszeichen ab, daher die redens-
art : der haare sein : bistu der har, lieber, so
greiff dir selber an deine obren. Witlemb»
1, ♦iij'*; bistu der har, so trolle dich aus
meinem lande, widder die hymelischen pro^
pheten. (1525). Fij"; des dancke euch gott,
seyt yhr der har vnd so frume redliche leute.
das diese wort etc. (1527). kiij*.
k) haar als bild des kleinen, winzigen,
unbedeutenden: es (das wort gottes) hat die
abgötterey, rotten vnd yrthum ... so rein
auffgereumbt, das nicht ein har {nicht das
geringste) dauon vberblieben ^ist. der 117.
psalm. (1530). Büij'; drumb geh ich nicht
eyn har drauff, wenn tausent Augustinus
tausent Heintzen kirchen dazu wider mich
weren. antwort deutsch. (1522). Eüij*.
— ein haar breit: wo das nicht were, wurde
HAARAi
195
HAARLOCKE
keio measch eiii bar breit weder nacb seinem
wort noch semcm sacrament fragen, ««r-
mammm§ ntm saermnenL (1530). Fiüj*;
Tnd wo mein andere gelübde ein bar breit
wider cks erste gelübde sind, da wil ich sie
mit fussen tretten. der\\l.p$mlm. (1530).
Hj ^ : was haben sie gethan ? niemand gestolen,
geraubeC noch jemand Tmb ein har breit zu-
nähe gewesen, doi 17. eap. Joh, (1530).
5üii^. s. amek haarbreit. — vmb ein haar:
heiiestn mir herr gott nicht geholffen, so het
es nicht vnib ein haar gefeylet, das nein seele
Jim der bdle wer blieben. po$L (1528).
156**, vmr. zu jm. 94, 17; es feikt jhm
nicht vmb ein bar, so eben traf ers. da$
tdMne eemfUemini. (1530). Eiij"; das nicht
sol nah ein har feilen oder misraten. von den
Joden. (1543). Nj**. bei einem haar: ob du
gleich alle regel, geselz vnd werck des nonni-
sdien Orden thust bey eynem har {aufs
pmtkÜiehsU). posL (152S). 188*. — kein
haar krümmen, nicht das geringste zu leide
th/un : das könige vnd fürsten keinem roönche
odder pfaffen . . . tliursten ein har krümmen.
der S2. pstUm. (1530). Aij^; vnd niemand
öffenüich wider einigen pletting mucken noch
jm ein har krümmen thürste. der 1 1 0. psalni,
(1539). Müij**; sein lesterbuch ist ein scharff
Schwert, das dem Heintzen^ sampt seinen
teufein vnd papisten selbs durch jr hertz
gebet, vns aber nicht ein har krümmet, mder
Hans WorsL (1541). Biiij".
l) alliUerierend fügt sich haar zu haut:
vnd bleiben des teuf eis eygen mit liaut vnd
har {ganz und gar), das diese wort etc.
(1527). aiiij*; da kein har noch haut von
den papisten vberbliebe. Widder den meuehler,
(1531). Ciiij''; sondern ist durch marck vnd
bein, fleisch vnd blut/ haut vnd har gar vn-
rein, ron Jhesu Christo, (1533). Gj";
fleisch vnd bein, haut vnd har. das 16. cap,
s,Joh, (1538). Ffj'; dem volck haut vnd
har abzuziehen. Jen, 1, 143*.
latmt (harab), tn der redensart einem
baarab geben, ihm rine empfindliehe nieder-
lüge bereiten : aber da gibt er dem Luther
erst recht harab, da er den Spruch Johannis 4
füret, ^omdbendmal Christi, (1528). sij*;
aber hie geben die hochgdarten Juden vns
verfluchten gojim recht harab, da sie schrei-
ben M. a. 19. vom sehem hampharae.
(1543j. Jüij«.
laafffcnnd (harbandj, n. vine^um cofil*
iortnn, mkd, hirbant (Ben* 1, 132*. Lexmr
1 182) : ein schon weyb on zucbt ist wie
saw mit einem gülden harband (var,
Spangen auff der nasen). spr, Sal, II, 22;
die ringe, die harband. Jes, 3,21; vnd gol
gab dir harband an deine stim (vor, stim-
Spangen). Ezeeh, 16, 12.
lanrkKit (harbreit), n. blosze zusammen^
rOckung von haar breit {vgL oben nnler haar
3> h): yhr keiner doch nit eyn hartireytt
seynes ampts pflegt, ausleg, der ep, vnd
euang. vom ehristag, (1 522). Dd iüj * ; hun-
dert tödte sollt eyn finimer Christ leyden, ehe
er eyn harbreyt ynn der bawren sache he-
wüliget. ermanunge zum friede. (1525).
Fiij*; nicht ein harbreyt weychen, jiofl.
(1528). 292*; aber yhr keiner dencket vmb
ein harbreit zu bitten, deudsehcat. (1529).
Qj * ; vnd doch die kirche lassen vntergehen,
ehe sie wollen vntergehen, ja ein harbreit von
jnen lassen vntergehen. von den concilijs,
(1539). Bj^
Innren (haeren, baren), kiren (heren),
crtnf u«, bei L, noch mit beibehaltung des «f-
ten i der ableitungssilbe in harin, herin,
mAd. haerin {Ben, 1, 635*. Lexer 1183):
ein harin sack, offenb, Joh, 6, 12 ; eyn haryn
sack, der proph, Jona, (1526). Jiüj^;
harin hembd. von menschenlere zu meiden,
(1520). Aiij^; haerin hembd. von Jhesu
Christo, (1533). Gj^; wollen odder herin
hembd. das 5. 6. vnd 7. cap, s, Matih.
(1532). ggij*^; jnn herin kleidern gehen.
ebend, Ij*.
InarflecUen (barflechten), n. das flechten
der haare: welcher geschmuck sol nicht aus-
wendig sein mit harflechten vnd gold vmb*
hengen. 1 Petr, 3, 3.
InnrIiHseke (liarhusche) , f. ohrfeige,
schlappe : der Türck , wenn er in Teutsch*
land kompt, so wirt er vns eine gute har-
husche geben. ItacAr. 426^; oder zeucht mir
sonst eine harhuschen. ebend, 206*.
lanrig (harig), crinüas^ pilosus: hang vnd
rauch wie ein feil, vber das erste buch Mose,
(1527). Jiiij*.
Innrloeke (harlocke), f, cineinnus, mhd.
25*
HAARSCHÄDEL
196
HABEN
hÄrloc m. (Ben. 1, 1041'. Lexer 1184):
er meinet (mit zöpfen) die harlocken, welche
nach natürlicher alter weise, ungeflochten vnd
zurück geschlagen, den Weibsbildern fast wol
stehen, wenn sie mit völligem angesicht vnd
rötlichten backen er aus sehen vnd die har zu
beiden seiten herab hengen vber die obren
vnd achseln. gl. zu hohelied 4, 1.
laanckädcl (harscheddel), m. behaarter
Schädel: aber gott wird den kopfT seiner
feinde zuschmeissen sampt jrem harscheddel
(var, den scheddel mit den baren, LXX:
xOQv(pijy T^i/og, vulg. verlicem capilli),
ps. 68, 22.
labe^ /. mhd. habe (Ben. 1, 601 ^. Lexer
1129), ahd. haha (Graff 4^, 737); zu haben.
1 ) das haben, besitzen : wer am wenigsten
gleubt, dem ist das heyl am fernisten nach der
besitzung vnd habe zu reden, post. (1528).
2^ 2) was man hat, besitzthum jeder art:
die selben sehen den ehlichen stand an als
were es eyn vbrige furwitzige, menschliche
habe, das 7. cap. Cor. (1523). Aiij*; vnd
vnter des des welllichen guts brauchest vnd
gehen lassest wie es gehet als ein fahrende
habe, das 5. 6. vnd 7. cap. s. Matth. (1532).
o j * ; einerley gemein gut vnd gesampte habe.
, zwo hochzeitpredigten, ^536). Fiiij^; mit
aller jrer habe, die sie gewonnen hatten. 1
Mos. 12, 5; jre habe war gros. 13, 6; habe
an rindern vnd schafen. pred, Sal. 2, 7 ;
bah vnd gut. 1 Macc. 12, 23 ; jre guter vnd
habe verkaufften sie. ap. gesch. 2^ 45.
label^ nom. propr., nebenform von Abel
( b^io ) f d^^ zweiten sone Adams : vnd sie
(Eva) gebar Habel seinen bruder. 1 Mos. 4,
2 ; Habel ward ein schefer. v. 2 «. öfter.
Daher
Habclsch : die gnade gibt den freyen, kind-
lieben habelschen geyst. ausleg. der ep. vnd
euang. vom christag. (1522). Jiiij*.
laben^ habere, mftd. haben (Ben. 1,
594**— 599*. Lexer l\Sl—ilU), ahd.
hab^n, hapen (Graff 4, 711—728), goth.
haban. lieber die ursprüngliche bedeutung
und Verwandtschaft des wortes s, Grimm
wlb. 4\ 45. 46.
A. Die formen von haben sind bei L.
im allgemeinen die in der heutigen Schrift-
sprache gebräuchlichen . bemerkenswerth ist
nur, dasz einige frühere drucke im praet.
den mit dem conj. zusammenfallenden indic.
bitte. (bette, het) st. hatte haben und für
das pari, praet. gehabt vereinzelt die a^si-
milierte form gehat begegnet : das alte (sc.
testament) das nit mehr dan einen (hohen-
priester) het (Jen. 1, 300**: hatte), von
dem bapstum. (1520). Eiiij*; der hohe
priester ym alten testament het (Jen. 1, 302^ :
hatte) ausz gottlicher Ordnung ein sonderlich
kleyd. ebend. Fiij^; vnd musten yhm das
abkeuffen, da tzu sie von got recht betten
(hatten), ebend. einen beleg des bette ==»
hatte aus L*s. eigenhändigen br. s. hernach
B, 3. das part. gehat für gehabt bieten fol-
gende stellen : s. Paulus hat mehr gethan vnd
geerbeitet denn alle apostel, aber (gedr. ader)
darumb nicht ein besser apostelampt gehat.
das 5. 6. vnd 7. cap. s. Matth. (1532).
nn iiij ^ ; so hettens ja die Juden erlangt,
welche haben die schrifift gehat. von Jhesu
Christo. (1533). Bij*. Die contraMerte
form han für haben verwendet L. nur noch
in liedem, z. b.:
du solt ehrn vnd gehorsam sein
dem vater vnd der mutter dein,
vnd wo dein band jn dienen kan,
so wirstu längs leben han. Jen. 8, 398 " ;
vater vnser im himelreich,
der du vns alle heissest gleich
brüder sein vnd dich ruffen an,
vnd will das beten von vns han.
ebend. 8, 398 ^ ;
auff das wir ja nicht zweiueln dran,
das wir hiemit gebeten han. ebend. 8, 399\
B. Bedeutung und gebrauch.
Die vielfachen bedeutungen dieses wortes
gruppieren sich um die beiden begriffe des
haltens und des besitzens, die sich Jedoch
nicht immer genau scheiden lassen.
1) der sinnliche begriff des haltens ist
wie nhd. überhaupt nur noch in ganz be-
stimmten fugungen vorhanden, z. b. in der
band haben (halten) : vnd ich hatte den becher
Pharao in meiner band. 1 Mos. 40, 1 1 ; mit
dem Stabe, den ich in meiner band habe. 2
Mos. 7, 17; vnd (Moses) hatte zwo tafeln
des Zeugnis in seiner band. 32, 15 ; ah, das
ich jetzt ein schwert in der band bette. 4
Mos. 22, 29 ; Usia hatte ein reuchfas in der
HABEN
197
HABEN
band. 2 chron. 26, 19; der hatte ia seiner
band eine scharffe sicbel. offenb, Joh, 14,14.
MdUeh für in der gewaU haben : alle mea-
schen hat er in der band. Hiob 37, 7 ; gotl
der deinen ödem vnd alle deine wege in seiner
band hat. Dan. 5, 23.
2) anhaben^ bei, mt sich haben {tragen,
föhren) : Johannes hatte (trug) ein kleid von
kameelharen. MaUh, 3, 4 ; vnd soll schuch
ao ewren füssen haben. 2 Mos. 12, 11; vnd
balle ein ehern heim auff seinem heubt, vnd
ein schüppicht pantzer an. 1 Sam, 17, 5;
der hatte eine güldene kröne auff seinem heubt.
offenb. Joh. 14, 14; ein jglicher bat sein
schwer! an setner hüfllen. hohelied 3, S;
vnd halte einen gülden gürlel vmb seine len-
den. Dan, 1 0, 5 ; ich liab ein vierieil eins
silbern seckeb bey mir. 1 Sam. 9, 8 ; vnd
hatte mit sich allerley guter seines herrn. 1
Mos. 24, 10; vnd es kam zu jm viel voicks,
die hallen mit sich lamen, bhnden, stummen,
krüpler. Matlh. 15» 30.
3) ein gespräcb, eine Unterredung, einen
ralh mit jemand haben {halten, führen):
Abner halte eine rede mit den ehesten in
Israel. 2 Sam. 3,17; vnd iiatten eine rede
mit Jhesu. Marc, 9, 4 ; hab ich ynn der
warbeyt ynn vielen wortenn nil anders er-
fundenn, die wyr den abent von e.f.g. bellen
(hatten), originalbr. aus dem j. 1517 im
ges. archiv zu Weimar, N, lOS, 41; die
kriegsknecble aber hallen einen rat die ge-
fangenen zu tödlen. ap, gesch, 27, 42; vnd
hatte seinen rat mit Joab. 1 hon, 1, 7.
4) ein äuge, ein aufsehen, acht, achlung
auf emas haben, das äuge, die aufmerksam-
heil dauernd worauf gerichtet halten: ich
wil meyn äugen sleet auff dich haben, das
magnificat, (1521). dj*. weitere beispiele
s. unter acht {bd, 1, 40*), achlung (1, 42*),
aufsehen, n. (1, 144*), äuge (1, 154% 11).
5) haben -»» enthalten: ein sekel sol
zwenzig gera haben. Ezech. 45, 12; ein
mina bat hie sechzig sekel. gl, zu dieser
stelle, in sich haben, in sich fassen, schlies-
zen : vnd diszen texl mercke du recht woH,
denn er ball viel ynn sich, das 7. cap. Cor,
(1523). Ciij' ; was aber jhene zwo verklerung
jnn sich haben {welchen sinn sie in sich
schlieszen, was sie bedeuten), ist genug ge-
sagt, das n , cap, Joh. (1530). Füj'.
6) haben von der persönlichen haltung
und zwar a) wie in den alten 'dialecten noch
einfach intransitiv : ich mus haben, als helle
mich ein bund gebissen, das diese wort,
(1527). siiij*. b) gewöhnlicher refl. sich
haben, sich verhalten : nu beschreibt er die
hoffnung, das leben des newen menschen,
wie man sich darinne haben sol. Jen, 1, 37^
3, 25 ** ; so demütig aber als ich mich habe,
so mir golt eine kranckheil zu füget, so de-
mütig sol ich mich auch gegen böser oberkeit
liaben, die eben der selbe gotl mir audi zu-
fügt. 1, 243*; das reich gotles hat sich also.
Marc, 4, 26 ; figur vnd erfullung der figurenn
haben sich kegenn ander {verhalten sich zu
einander) wie ein leyplicb vnd geistlich ding,
ron dem bapstum zu Rome. { 1 520). Diij **.
c) oder unpersönlich es bat sich, es verhält
sich: es hat sich nicht also. 2 Sam, 20, 20 ;
also halt sichs auch mit allen andern slückon
des allen leslamenls. ron weltlicher vberkeii,
(1523). Cj*.
7) haben, halten in geistiger bedeutung,
für etwas halten, meist in Verbindung mit
der praep. für: vnd haben den für einen
grewel, der beilsam lerel. Amos 5, 1 ; das
ist der, welchen wir etwa für ein spolt hallen
vnd für ein hönisch beyspiel. weish, 5, 3 ;
vnd stet an vns, das wir den bapsl mugen
für ein lieubt haben oder niU von dem bap-
stum zu Rome. (1520). Fij'. für gut ha-
ben, halten : jederman das betteln nicht für
gut hat. Jen. 1, 357 ^ s, auch gut C,^.
ohne für : darin ich sie fast verdechlig gehabt
hatte, rechenschaft, (1533). Aij^
S) in ehren haben, wofür auch in ehren
hallen vorkommt {s, halten) : vnd habt solche
in ehren. Phil, 2, 29; darumb das er golt
in ehren halle. Hebr. 5, 7 ; Juda dich wer-
den deine brüder ... ynn eheren haben.
vber das erste buch Mose, (1527). ssiij^;
daher befielilet er euch sie in zwiefältiger
eren zu haben, de Wette br, 5, 739 bei
Grimm.
9) haben, bekommen, erlangen, erhalten,
empfangen : keufft euch Weisheit weil jrs on
geld haben künd. Sir, 51, 33 ; guter meisler.
HABEN
198
HABEN
was sol ich guts thon, das ich das ewige
leben müge haben. MaUh. 19» 16; gott hab
jmer lob, das er die gottlosen so hat weg-
gericht. 2 Macc. 1, 17. hierher auch habe
(empfange) dank, beleg s, dank Z, a. Über»
gäbe einer pergon oder sache wird mtl da
hast du (habt ihr) begleitet: da hastu das
deine. Matth. 25, 25 ; da habt jr samen vnd
beseet das feld. 1 Mos. 47, 23; da hastu
dein weib. 12, 19; da habt jr die hüter.
Matth. 27, 65.
1 0) haben wollen, poseere, poslulare :
gott hats so haben wollen (es ist sein tcille
gewesen), das ich bey euch gewesen bin.
Tob. 12,. 18; das sie wissen, es sey gottes
gebot vnd kein schertz, er wolle es ernstlich
haben, gl. zu Tit. 2, 15; alls habe ich ge-
sagt, gott wolle die sunde haben, an die
Christen zu Antorf. (1525). Aiiij*'; aber
der alt Adam will seyn leben haben, das
benediclus. (1525). Cj>'.
11) haben, zu eigen haben, besitzen, ein
äuszerst häufiger gebrauch des worles. a)
das object sieht gewöhnlich im acc: ich
habe den man des herrn. 1 Mos. 4, 1 ; Sarai
hatte kein kind. 11, 30 ; vnd er (Abraham)
hatte schafe, rinder, esel, knecht vnd megde.
12, 16 ; das tal Siddim halte viel thongruben.
14, 10; du wirst eine fette wonung haben
auff erden. 27, 39 ; ich hab eine schwere
spräche. 2 Mos. 4, 1 ; wenn ein man an
seinem fleisch einen Aus hat. 3 Mos. 15, 2;
alles was einen feil hat. 22, 20; kranckheit
haben. 2 chron. 21, 15; schmertzen haben.
Hiob 14, 22; Weisheit haben. 26, 3; zuuer-
sicht haben. Rulh 2, 12; gewalt haben.
Marc. 10, 42; macht haben. 1 Mos, 31,
28; ein gros ansehen haben. Sir. 37, 29 u.
s. w. formelhaft sind recht, unrecht haben :
ists nicht also, das ich recht habe vnd jr vn-
recht habt. Ezech, 18, 25 ; solt ich vnrecht
haben? v, 29. ebenso wahr haben: dein
wort man lesst nicht haben war. Jen. 8,
400 *'. b) statt des acc. hat haben den gen.
bei sich : vnd bette der liebe nicht. 1 Cor.
13, 1 ; das heysst denn eyn weyb haben als
hett ich sein nicht, das 7. cap. Cor. (1523).
Jüij**, c) in diesem sinne kommt auch das
part. praes. habend vor: die reichen vnd
habende, wider den wucher, (1540). Kiij'';
besondern ist das geschenck vordechtig, szo
der borger dem leyher odder der durfilige
dem habenden schenckt. groszer serm. von
dem Wucher. (1520). cj'*. d) einmal be^
gegnet auch ein passivischer gebrauch des
worles haben im sinne von besitzen, inne
haben: solehs alles kan gehabt werden on
glawbe vnd geyst, wie es denn die Juden des
mehrer teyl hatten, wo es aber on geyst vnd
glawbe gehabt wird, da thuts nidit mehr,
denn macht für gott deste grösser schuld.
der proph, Habacuc. (1526). dij".
12) In einigen redensarten drückt haben
bloszes Vorhandensein aus; so namentlich
wenn es unpersönlich gebraucht wird: es
hat keine fahr (es ist keine ge fahr vorhanden).
1 Thess. 5,3; es wird für vnd für keine not
haben, ps. 10, 6; es habe keine not. 75,
7 ; frage auch fleissig darnach . . . wie es ein
gelegenheit habe vmb ewer schw^acbeit. Jen.
8, 223 ^
13) haben mit dem refl. persönlichen dat.
(vgl. Grimm gramm. 4, 705) : Juda sprach,
sie habs jr, sie kan vns doch ja nicht schände
nachsagen. 1 Mos. 38, 23; vnd habe dir
das zum zeichen. Jes. 38, 7 ; hab dir mein
trewen rad. antworl auf die IzedeL (1520).
Aiiij^; wiltu nicht das sacrament der hebe . . .
so hab dir krieg, zwielracbt, vnfriede vnd alle
vnruge. vermanung zum sacrament. (1 530 ).
Hij ^ ; findet ^er) als denn, das yhm verdreusst,
so hab ers yhm vnd ein gut iar dazu, von
heimlichen vnd geslolen brieffen. (1529).
Ciiij*; wil er aber nicht auffhören, so lasse
er mich mit seinem büchlin vngeheiet vnd
habe jm das mein letzt vrteil vnd antwort.
Jen. 8, 192^; werden sie aber auch drüber
geschlagen, so haben sie es yhnen. vom
kriege Widder d. T. (1529). Giiij'\
14) haben mit einem in f. (vgl. Grimm
gramm. 4, 628): wo ihr anders recht glaubt
vnd Christum warbaftig in euch habt leben
vnd regieren, de Igelte br. 2, 575 bei
Grimm, durch zu vermittelt: was haben
wir mit dir zu schaffen ? Lue. 4, 34 ; man
drücke die leute mit arbeil, das sie zusehaffen
haben. 2 Mos. 5, 9 ; die alle zusehaffen
hatten in der hütten des stifls. 4 Mos. 4, 37.
15) das object von habeü wird naher he^
HABEN
199
HABERSTROU
9iiwumi a) durch ein adj\: eine waare feil
haben, beitpiele s, unter feil 3. jemand lieb,
werth haben : wie ein lieber bule einen btilen
beb hat, so werden dich deine kinder lieb
haben. Jes. 62, 5; (eitern und herm) lieb
TBd werd haben. Jen. 8, 383 *, woßr auch
i jedoch mii leiser niiance des Hnnes) lieb
und werth halten: vnd vmb deines friedes
willen warestu lieb vnd werd gehalten. Sir.
47, IS. hierher gehört auch es gut haben :
wol dir, du hasts gut. p$, 128, 2 ; prediget
von den gerechten, das sie es gut haben.
Jes. 3, 10.
h) durch ein adeerb : sie haben jren lohn
dahin. Maiih. 6, 2. 5, 16; jr habts nu hin-
durch vnd den sieg an dem alten drachen er-
obert, predigt von den lieben engein.
(1544). Düj*; es haben nun e. k. f. g. die
drei praebenden widderumb heim, de Wette
kr. 2, 529 bei Grimm.
16) haben als hilfsxeitwort {vgl. Grimm
§ramm, 4, 146 ff.). Im allgemeinen erfolgt
htkanntUch die Umschreibung des praet. mit
haben für transitive verben, für intransitive
durch sein oder werden, die anwendung
dieses leitenden grundsatzes ist Jedoch nicht
ohne schwanken, indem eine ansaht verben
der hewegung und des zustandes ihr praet.
mit beiden hilfszeitwörtem bildet, wofür
Heyne im wtb. 4«^ 71 ff. reichliche bei-
spiele bringt, denen ich nur noch toenige
zusußgen habe.
zu begegnen: wie es Christo vnd den
Propheten auch begegnet liat (widerfahren
ist), vber das erste buch Mose. (1527).
viij*.
zu fliehen: warumb hastu heimlich ge-
flohen? 1 Mos, 31, 27, neben: warumb
bistu heimlich geflohen, var, zu dieser
stelle.
zu geben : wo hastu ynn die schule gangen ?
antwort deutsch. (1522). Dlij**, weitere
lelege s. unter gehen / (2, 42 ^).
zu stehen mit sein hätten auch ein paar
heispiele aus X. angeführt werden können :
bis das er für der gemeine für gericht ge-
standen sey. 4 Mos. 35, 12; Jos. 20, 9;
zween könige sind nicht gestanden für jm.
2 kön. 10, 4; die eltesten die für seinem
valer Salomo gestanden waren. 2 ehron*
10, 6.
Die verba praeterito^praesentia können,
mögen, dürfen, müssen, sollen, wollen, die
für das umschriebene praet. nur haben ver*
wenden, wandeln in ^sem falle ihr parti*
cipium, wenn es nicht allein steht, sondern
noch einen inf. bei sich hat, scheinbar
ebenfalls in den infinitiv, z. b. : wie habt jr
das thun dürflen? 1' Mos. 44, 15, doch hat
L. auch noch: das man drumb das geleyd
nit het durflt brechen, widder die eekischen
bullen vnd lügen. (1520). Bij^
labeBf n. das haben, der besitz : das er
nu sagt, vnser heyl sey itzt neher, denn da
wirs gleubten, mag nicht von der nehe des
habens odder besitzung verstanden werden.
post. (1528). 2^
Malier^ m. avena, mhd, haber, habere
{Ben. 1, 605". Lexer 1134), ahd. habaro,
haparo (Graff 4, 760). über die etymologie
dieses wertes vgl. Grimm gesch. d. d. spr.
s. 47 und wib. 4\ 78. bei L. noch mit
schwacher declination, doch nimmt auch
der nom. das n der obliquen casus auf: alles
kraut das sich besamet das ist allerley ge-
treyde, kom, weitzen, rocken, gersten,
habern. vber das erste buch Mose. (1527),
Giij ** ; der somer vnd herbst (bringt) allerley
getreide ... kern, gersten, habern. der 65.
psalm, (1534). Jij^ vereinzelt auch mit
f statt b: weitzen, gersten, haffern. Jen. 5,
21*; ihr wollet ilu* . . . 12 scheffel kom vnd
24 hafern leihen, de Wette br. 5, 358.
vgl. auch haferkörnlein.
Haberkasten^ m. kästen zur aufbewahrung
des habers. tischr. 339^.
labersaek^ m. sack mit haber: wülen
drinnen wie ein saw jm habersack, der 111.
psalm, (1530). Düj*; das ist aber in keinen
weg zu leiden, das er die schrifft, vnsern
trost, nicht anders handelt, denn wie die saw
ein habbersack. Jen. 1, 60^.
Haberstroli I n. stramen avenaceum: da
schnattern sie die lieben psalmen dahin wie
die gense das haberstro. ein widderruff vom
fegefeur. (1530). Pj^; denn die selbigen
können nicht beten, on das sie den psalter
mögen hinschnurren vnd schnattern , wie die
gense jr haberstro fressen, das 16. cap. s.
HABICH
200
HADER
Joh. (1538). Xij'; wie die gens das haber-
stroh hinweg schnattern, ausleg. der ep.
vnd euang, van ostem. (1544). Ssiiij'*;
was sol der kuhe musr'aten, sie jsset wol
haberstro. tischr. 4*. redensari: in einen
bawren gehöret haberstro {similes habent
labra lactucas. Agricolat sprichto.), Jen.
3, 144*.
labiehy habicht^ m. accipiler, mhd.
habech (Ben. 1, G05\' Lexer 1130), ahd.
habuh, hapuh, habich (Graff 4, 754); zu
vUai. capus falke, von capere {s. We ig and
wlb, 1, 467). L. gebratichl noch beide
formen , habich in den früheren , habicht in
den späteren Schriften : ich weysz yhe, das
eyn habich repphuner fehet. ausleg. der ep.
vnd euang. vom christag. (1522). dddiij";
die stiffter haben wollen damit (mit den gü"
lern) versehen frume, züchtige, christliche
personen, nicht die da stünden vnd blöken
odder habich {Jen. 5, 86**: habicht) trügen,
sondern die da studierten, lesen vnd beten.
vermanung an die geistlichen. (1530).
Eüj**; sonderlich was grosse vogel sind, als
habicht, reyger, adeler. der proph. Habacuc.
(1526). kiij^; der adler, der habicht, der
fisschar. 5 Mos. 14, 12; fieuget der habicht
durch deinen verstand. Hiob 39, 26.
lächtlin^ s. hechtlein.
Hacke; f. Werkzeug zum hacken, mhd.
*acke (Ben. 1, 607^ Lexer 1137): mit
dem karst oder hacken zu jm einhawen. das
14. vnd 15. cap. s. Joh. (1538). Zzij';
das volck drinnen füret er er aus vnd teylel
sie mit segen, vnd eisern hacken vnd keilen.
1 chron. 21, 3.
Hackenj ferire, concidere, pastinare, mhd.
backen {Ben. 1, 607 ^ Lexer 1138), ahd.
hakjan {Graff 4, 762). Ueber etymologie
und Verwandtschaft mit hauen s. Grimm
kl. Schriften 3, 119. 120. wlb. 4^ 103.
1) von streitenden personen, concidere:
sihe wie ein burger den andern , ein bawr
den andern mit christlicher liebe vnd trewen
meinet, das ist neidet, hasset, hacket, placket,
schadet, wider den wucher. (1540). Lj";
denn sie sind vnternander selbs noch nie eins
gcwest, werden auch nimer mehr eins, was
der frey wille solle sein, hacken vnd beiss^
sich selbs drüber wie die tollen sew vntern-
ander. au/f das vermeint keiserlich edict,
(1531). Düij*.
2) mit der hacke das erdreich bearbeiten,
pastinare : ich wil jn {den weinberg) wüste
ligen lassen , das er nicht geschnitten noch
gehackt werde. Jes. 5, 6.
3) bildlich: etwas unordig untereinander
hacken, eine sache ohne Ordnung vortragen r
so fort an in den andern capiteln hacket ers
so vnördig vnternander, das niemand sagen
kan, warumb dis forne, jenes binden, oder
dis mitten stehe. Verlegung des alcoran,
(1542). Miij*.
HaekeDi m. uncus, s. haken.
laekenschntie^ m. s. hakenschatze.
läcklein, n. uncinulus, s. häklein.
ladel (haddel), m. lumpen, fetzen, zer^
rissenes zeug: also ist der genseprediger
auch keins bessern schmucks werd, denn das
er sich mit solchen lausichten lumpen vnd
stinckenden haddeln an den tag gehe, wider
den bischof zu Magdeburg. (1539). Dj***
— mhd. hadel {Ben. 1, 608"). das wort
ist, nach dem bekannten Wechsel zwischen
r und 1, auch formell gleich dem folgenden
hader.
Hader (hadder), m. wie mhd. hader {Ben.
1, 607 ^ Lexer 1138) in zwei hauptbe^
deutungen, die jetzt weit von einander ab^
stehen, gleichwohl aber einen gemeinschafl*
liehen Ursprung haben, s. Grimm wtb^
4^ 112.
1) gefetztes stück zeug, lumpen: die
merlerer . . . gingen ynn haddern vnd bösea
kleidem herein [einher), ausleg. der zehen
gepot. (1528). B5**.
2) zank, streit: feindschafft, hadder (^'()e/^,
vulg. contenliones), neid, zorn, zank. Gal.
5, 20; das nicht hadder, neid, zorn, zank.. .
da sey. 2 Cor. 12, 20; der eid macht ein
ende alles hadders. Hebr. 6, 1 6 ; vber dem
hadder der gemeine. 4 Mos. 27, 14; wenn
ein hadder ist zwischen mennern. 5 Mos..
25, 1; ym hass vnd hadder leben, das 7.
cap. Cor. (1523). Fij''; hie fehet an der
ewige zanck vnd hadder zwischen dem bi-
schoff zu Rom vnd dem zu Gonstantinopel
vmb das primat oder höhest oberkeit. von
den concilijs. (1539). Qi]**; es hat sich ein
hadder vber deinen werten ym abendmal er-
HADER
201
HADEILX
habea. vom abenitMU CkriMÜ. (1528).
xij*; wer widder schlegl macht hadder
(Sprichwort), erwuumnge xwm friede. (Ib2b)>
Büj''; h. annchten. tpr. SmL 6, 14. 19;
la> 18 ; h. anfangeo. 17» 14; h. anzünden.
^>. 28, 11; h. eitttragen. vom obemämßl
ChrüU. (1528). fij^; h. Tertngen. doi
5. 6. vnd 7. eap. s. MoUh. (1532). Umy;
den h. stillen, spr. Sal. IS» IS. StUem üi
der pl. von hader» weicher bei L. hader «MMf
hädef (hedder) lautet: alle hadder istreU-
Sache») tu. sich bringeoi von dem bapehim
zu Rom. (1520). Gij^ die hedder ^nd krieg.
an den chrüU. adel. (1520). Fj\
Inder, m. Streiter, s. haderer.
IndcrMef, m. hrief welcher hader ver^
ursacht: den selbigen hadder brieff, wekhs
halben mich fa. George auffnirtsch schilt» habe
idijut nicht. Verantwortung. (1533). 3^
Ind^rei^ f, streit, gezänk: es mag yhr
deyne h. (heiligkeit) mit leychten kurUen
Worten alle disze hadderey zu yhr nemen vnd
aasztilgen. an bapst Leo X, (1520). Bij^
— mhd, haderte (Lexer 1138).
laderer j m. Streiter, sänker: ich wii mit
deinen hadderern haddern. Jes. 49, 25.
auch gekürzt hader : herr haddere mit meinen
haddem. ps. 35, 1. ebenso var. zu Jes.
49» 25.
Inder/rage, f, Streitfrage: die hader ffage
was doch die kirche vnd jre gewalt sey.
ausleg. der ep. vnd euang. von oslem.
(1544). a5*.
laderbiftig, zänkisch, streitsüchtig: es
sol aber ein bischoff vnstreffiich sein . . . nicht
hadderhafftig {in den ersten ausgaben des
neuen test,: hadderig). 1 Tim. 3, 3; ein
zankisch, hadderhaütigs volck. vber das erste
buch Mose. (1527). Cciiij*»; es ist allwege
ein haderhafftig volck gewesen. Eisl. 2, 70^
laderheriy n. herz das am hader lust
hat: (Christus) nimpt weg den khegsmut
vnd das hadderhertz. ep. des proph, Jes.
(1526). Dij»».
laiierig; was haderhaftig» w.m. s.
IMerleia (hederlin), n. dm. zu hader in
der bedeulung „lumpen**: ein alt zerrissen
garstig hederlin. hauspost. (Wittemb. 1545).
winterteil 14*.
laderliHyei m, lumpen, fetzen: für dir
DxBTx, Wörterbuolu IX.
herr ist mein bester sammat vnd gülden stück
erger denn kein haderlumpe, hausposi.
(WiUemb. 1545). wimterieü IZ^; mit ge-
ringen haderlumpen bedeckt. Usehr, 353^;
es ides bapsts decret) ist ein zusammen ge-
ralt ding wie ein bettlers mantel zuhauffen
geflickt von vielen haderlumpen. ebenda
270'.
laderMaan, m. streitsüchtiger wumm: ein
hadderman. 2 Sam. 21, 20 var.
tsdermMMkif m. sie sollen vns nicht an
jre gerichtsstüle vnd haddermerkte ziehen.
tisehr. 161 * bei Grimm.
, f. schelte^ zunächst für ein
frauenzimmer (vgl. meUe), dann
für eine zänkische person überhaupt, ohne
rückzieht auf das geschlecht; in folgender
stelle scheint es sogar den gegenständ des
Streites zu bezeichnen : „aber gott ist seine
zuuersichl** (ps. 14, 6), ist die vrsach, dar-
über sich aller volusl vnd vneinigkeit erhebt,
er prediget nicht anders, derselbe gerechte,
denn gottes gnade, das ist die hadermetz, dar-
über hebt sich der kampff. Eisl. 2, 55 *.
Indern (haddern), mhd. hadern (Lexer
1139). 1) streiten: a) die gerne haddern
sind allzumal narren, spr, Sal. 20, 3 ; nicht
haddern. Tit. 3, 2; vnd ob man lange zenckt
vnd haddert, musz es doch zu letzt auff hören.
gr. serm. von dem wucher. (1520). a iig>* ;
in des wollen wir sie lassen haddern ... bis
sie der sachen eines werden, wider das
bapstum. (1545). Kiij\ b) mit einem oder
wider einen hadern: das volck haddert mit
Mose. 4 Mos. 20, 3; die mit dem herrn
haddern, müssen zu grund gelien. 1 Sam.
2, 10; weh dem, der mit seinem schöpffer
haddert. Jes. 45, 9; hadder nicht mit je-
mand on vrsache. spr. Sal. 3, 30 ; ah meine
mutier, das du mich geboren hast, wider den
jederman haddert vnd zanckl im gantien
lande. Jer. 15, 10. reflexiv: wenn sich
menner mit einander haddern. 2 Mos. 21,
18; da sie sich mit einander haderten, ap,
gesch. 7, 26; ein christlich gemalh sich nicht
haddern soll mit seynem vnchristlichen ge-
malh. das 7. cop. Cor, (1523). GiijS c)
der gegenständ des Streites wird durch die
praep, um, über vermittelt: wolt jr vmb
Baal haddern? rieht, 6, 31 ; vmb das zeitlich
26
HADERN
202
HAGEL
gut haddern vnd streyten. von dem hapstutn,
(1520). Giij''; vnd sollen vns nicht so fast
vmb die wort haddern. der proph, Jona,
(1526). Kiiij''; also haben die zwo kirchen,
Rom vnd Gonstantinopel, gehaddert vmb den
nichtigen primat. vondeneoncilijs. (1539).
Oiij"*; denn worumb vnd worüber sollen
Christen kriegen vnd haddern, wenn sie also
gesynnet sind, ep, des proph. Jes, (1526).
Dij''; vnd darüber haddert man sich auch.
ebend. ; hie fahen sie an sich mit jm zu had-
dern vber dem, das er den wassersüchtigen
gesund machet. Jen, 8, 216**.
2) er wird nicht jmer haddern noch ewig-
lich zorn halten, ps. 103, 9, nach L.'s
ei^er erklärung in der gl, zu dieser stelle :
haddern, vngnedig sein ; ich wil nicht jmer-
dar haddern vnd nicht ewiglich zürnen. Jes.
57, 16.
Hadern, n. der substantivisch gebrauchte
inf. des vorigen verbums: im vj. (cap. der
1. ep, s, Pauli an die Cor.) straffet er das
haddern vnd zancken für gerichte. Bindseil
7, 450 ; jr haddern macht, das man die obren
zuhalten mus. Sir, 27, 15; yhr wurdet des
bancketen vnd hadderns vmb das hohe sitzen
vnd andere vnnützer bracht eine weile lassen.
vom kriege Widder d. T. (1529). Eiiij'.
Htdersaehe, f.. Streitsache : szo thun sie
nichts das zur Christenheit dienet, nur gelt
vnd haddersachen vmb die bistumb vnd pre-
laturen treiben sie. an den christl. adel,
(1520). Ciiij*; sondern sollen jrer canoni-
schen vnd hadersachen von prebenden warten.
von den concilijs. (1539). g üij " .
laderwasser, n. aqua contradictionis :
das ist das hadderwasser , darüber die kinder
Israel mit dem herrn hadderten. 4 Mos. 20,
13; da jr hadderlet am hadderwasser. 5
Mos. 33, 8 ; vnd versuchte dich am hadder-
wasser. ps. 81, 8 ; vnd sie erzümeten jn
am hadderwasser. 106, 32.
lafen, m. portus. ein ndd. wort, wel-
chem hochd. habe, habene f, {Ben. 1, 602*,
603*. Lexer 1129. 1134) entspricht. L,
gebraucht für den ankerplalz, landungsort
der schiffe anfurt (s, d.), dagegen verwendet
er einmal das ndd. have im sinne von ufer,
gesta4e : vnd wil die vbrigen am haue (C]in,
LXX: naqaXia) des meers vmbbringen.
Ezech, 25, 16, wofür spätere bibelausgaben
hafen setzen.
iafer, s. haber.
laftieri m. tapfer, mhd. havenaere {Ben. 1,
641*. Lexer 1X9^), ähd, hafanari (Graff
4, 838): es ist also geschrieben (Jes. 64,
8) : wir seyn sein than, er ist vnser haffner.
der than musz die kunst vnd band d^ haff*-
ners nit meistern, sondern sich meisSrn vnd
machen lassen, de Wette br. 2, 442 in dem
trostbrief an die Christen zu Augsburg v. j.
1523. Heyne wtb. 4*, 127 glaubt, L,.
der sonst hafner so wenig als hafen =» topf
verwendet, habe, diesmal den adressaten zu
liebe den ihm sonst nicht geläufigen süd-
deutschen ausdruck gebraucht. Da jedoch
der originaldruck dieses briefes {quellen-
verzeichniss n. 80) gleich der entsprechen-
den bibelstelle töpfer hat, so vermuthe ich,
dasz bei de Wette ein süddeutscher nach-
drucfc, der töpfer in hafner änderte, zum
abdruck gekommen ist,
laften, haerere, mhd. haften {Ben, 1,
604'. Lexer \ HO), oÄd. haften (öra/f 4,
744): so seien sie verflucht für dem herrn,
das sie mich heute Verstössen, das ich nicht
hafffce in des herrn erbteQ. 1 Sam. 26, 19 ;
weil ich nicht auff meinen worten, sondern
was die kirche erkennen wird, haffte vnd
stehe. Jen. 1, 122*; diese wort^agterzu
allen die das sacrament empfahen, darumb
mustu an den selben mit dem glauben hafl^n.
3, 168*; denn da zu hat gott geordnet, das
ein jglicher sein ehelich weih oder man habe,
das er daselbs sein lust vnd begirde hafften
vnd werden lasse, das 5. 6. vnd 7. cap. s,
Matth. (1532). Tj*. einmal verirtil haften
das transitive heften: alszo bes'chhesz ich,
das die christliche kirche sey nit an yrgend
eyne stall, person, odder zeytt gehafftet. auf
das vbirchristl. buch. (1521). K}\
Hagelf m. grando, mhd. hagel (Ben, 1,
609 s Lexer 1141), ahd. hagal {Graff ^,
797): ich wil morgen vmb diese zeit einen
seer grossen hagel regen {regnen) lassen. 2
Mos. 9, 18; also lies der herr hagel re-
gen vber Egyptenland, das hagel vnd fewr
vntemander füren, v. 23. 24 ; vnd der don-
ner vnd hagel höreten auff. v. 33 ; da lies
der herr einen grossen hagel vom himel auff
HAGELN
203
HAHNREI
»e fallen. Jcm. 10> 11 ; vnd der höhest lies
semen donner aus mit hagel vnd hUtzen. p$,
18, 14; wenn es schon daher wechst, wie
bald kund ez mit hitze, wetter, hagel ver-
derbet werden, der 147. p$alm, (1532).
Ciiij*. In der regei iii hagel ein eoUecUvum,
die etHxelnen hageUiücke heisien hei L.
lagelst^e (ß. d.), doch verwendel er dafür
%%ch äin pL bagel: vnd werden grosse hagel
komen, die es feilen. Ezech. 13, 11 {vgL v.
IB); er macht durch seine krallt die wolcken
dicke, das hagel eraus fallen. Sir, 43, 16;
die schrifll nennet die hagel vnd bhtzen gottes
pfeil vnd spere. der proph. Habaeuc.
U526). oi^
la|;eln^ grandinare, mhd, hagelen {Lexer
1142): recke deine hand auff gen himel, das
es hagele vber gantz Egyptenland. 2 Mos.
9, 22 ; vnd der herr lies donnern vnd hageln.
V. 23. biläUch: da solts aller erst eitel
schwenner regen, hageln vnd schneyen. vom
ahendmal Christi, (1528). xij^
lagein, n, der inf, des vorigen substanti-
visch: bittet aber den herrn, das aufhöre solch
doonem vnd hageln gottes. 2 Mos, 9, 28.
lagelsteittf m. einzelnes hagelslück: ich
wil einen windwürbel reissen lassen in mei-
nem grim vnd einen platzregen in meinem
zoTn vnd grosse hagelsteine im grim, die
soUens alles vmbstossen. Ezech, 13, 13;
vnd lies seer grosse hagelsteine fallen auff die
feinde. Sir, 46, 6. — mhd, hagelstein {Ben.
2^ 614 ^ Leaser 1142).
lagelstHm, m. stürm der hagel mit sich
führt, hagelschauer : wie ein hagelsturm, wie
ein schedlich weiter. Jes, 28, 2.
lagettf m. mhd, hagen {Ben. 1, 606^.
Lexer 1142), ahd. hagan (Graff 4, 798),
von L, nur noch anfangs und zwar in der
hedeulung y,hain** gebraucht: das sind die
allar vnd hagen, dauon die propheten klagen,
vber das volck von Israel, das keyne statt
^ar sie richtet eynen eygen hagen vod allar
aufi. ausleg, der ep, vnd euang. vom chris-
tag. (1522). pppj**.
lageabHlte, /*. frucht (butte) der hage-
tose : vnd wenn es verblühet, so werden eitel
hagenbulten draus, die gar voll steine sind,
niemand neeren noch speisen, das 5. 6. vnd
7. cap,s,Matlh. (1532). üij'.
lakli dürre, austrocknend, bei L, hol:
ein böser, dürrer, holer wind, der da aus-
trocket vnd versiegen macht alle hörne« an«-
leg, der ep, vnd euang. von ostem elc,
(1544). AAüij^— AtfM. hdl (gespr. hll)
und liael. Vilmar idiot, 145. der ab^
stamwMng nach dunkel,
Mwkm (han), m. gallus, mhd, han, haue
(Ben. 1,626*. Lexer 1164), ahd. hano
(Graff 4, 958), goth, hana; zu tat, canere,
singen, bei L, erscheint neben dem n, sg,
han noch öfter hane : in dieser nacht, ehe der
haue krehet, wirstu mich drey mal verleugnen.
Matth, 26, 34 ; Marc, 14, 30; vnd als bald
krehet der hane. Matth. 26, 74; vnd der
han krehet. Marc, 14, 68; vnd der han
krehet zum andern mal. v. 7 2 ; des bannen
geschrey. post, (1528). 249 ''. der pl,
lautet hane und hauen: zween hane auff
einer misten leiden sich nicht, vermanun^
an die geistlichen, (1530). Fibj**; dassichs
nicht reime zween hanen auff einer misten.
von Jhesu Christo, (1533). Bj*; dencke
an das hünlin in Esopo, das von dem hane
gebissen ward, da es sähe, das sich die hanen
vnternander seibs auch bissen, tröstet es sich
vnd sprach u, s, w. toider den wucher,
(1540). Kiij*. reden^arlen ; es krähet kein
hahn darnach, die sache beachtet niemand,
darum bekümmert sich niemand, beleg s.
unter erfrommen, der hahn ist nicht gut von
seinem mist zu treiben, im eignen hause
kann man nicht leicht einem etwas an-
haben: grosse gewaltige ieute, die waren
also gesessen, das nicht müglich war, sie aus-
zutreiben, sonderlich von so geringem schwa-
chem volck, wie man spricht, der han ist
nicht gut von seinem mist zutreiben, vnd ein
man vermag mehr ynn seinem hause, denn
viere draussen. vber das erste buch Mose.
(1527). Mi»».
labneBscbrel (hanenschrey) , m. galUci'-
nium, als Zeitbestimmung für die anbrechende
morgendämmerung : jr wisset nicht, wenn
der herr des hauses kompt, ob er kompt am
abend, oder zu milternacht, oder vmb den
hanenschrey {var. vmb des hanenschrey), oder
des morgens. Marc, 13, 35.
Haharei (hanrei), m. ein mann, dessen
ehefrau ungetreu ist: so klagt er {gotl der
26*
M
HAIN
204
HALB
kerr) jnn allen propheten, das er seine braut
lieb babe vnd sie wolle doch eine hure seyn,
also lous vnser herr gott dn hanrey sein
(wie man jnn Sachsen redet), der 101. pialm.
(1534). Piij^
Das wort, welehei auch Älherus dtcl.
siij* {cuculus ... ein hanrey) aufführt, er*
«ctoni nach Grimm wlb. 4^ 170 zuerst
ml6,jh, und ist aus bahn und reie, reige,
tanZf zusammengesetzt. Nach Weigand
wib, 1,471 ist rey fremdher. eine andere
etymologie s. Schmeller l^ 1115.
MainLf m, nemus, lucus, mhd. {noch selten)
hahk, mit ausgefallener gulturalis von hagen
{s, d,). L., der das wort nur in der hibel
verwendet, übersetzt damit:
1) das hebr, y\b^j eiche, als ortsbezeich-
nung im pl., also eine gruppe von solchen
grossen bäumen bezeichnend, die woM
hain, kleiner wald, genannt werden kann,
1. b. 1 Mos» 13, 18: die eichen Mamre's,
X. bayn Mamre, ebenso 14, 13 u. 18, 1. 5
Mos» 11, 30: die eichen Morels, L, hain
More.
2) btiM , tamariske, z. b. 1 Sam. 22, 6,
wo das wort jedoch in der einzahl mit dem
bestimmten arlikel gebraucht wird, also
einen einzelnen, bekannten bäum bezeichnet,
unUr welchem Saul, recht sprechend, sasz
{L, wohnte). vgL i eller bibl, wtb. 1, 552.
3) $l'*^UJM , ohne zweifei (vgL rieht, 3,
7 mit 2, 13^) gleichbedeutend mit n'ihl^:;,
die phönizische götlin Astarte, deren götzen"
bild wahrscheinlich aus einem groszen, in
der erde befestigten, senkrechten bäum-
stamme {in der regel wohl der stamm der
gerade aufschieszenden, der göttin geweihten
tamariske) bestand, diese hölzernen säulen
standen entweder allein oder in Verbindung
mit den steinernen säulen des Sonnengotts
Baal, meist auf höhen in eingehegten lust-
hainen, „gärten" {vgL Jes. 1, 29 ^. ; 65, 3 ;
66, 17), unier immergrünen bäumen (5
Mos. 12, 2; 1 kön, 14, 23; 2 kön. 16, 4;
17, 10). vgl. Ger lach die heil, schrift,
anmerk. zu 2 Mos. 34, 13 und Zell er
bibl. wtb. 1, 553. L. folgte mit der Über-
setzung hain der Septuag. und vulgat€t: jre
altar soltu vmbstürtzen . . . vnd jre haine
{LJX: rä ukat], vulg. lucos) ausrotten. 2
Mos. 34, 13; zubrich den altar Baal, der
deines vaters ist, vnd hawe ab den bayn (to
aXaog Sept., nemus vulg.) der dabey stehet»
rieht. 6, 25; die vier hundert vnd funffzi^
Propheten Baal, auch die vier hundert pro-
pheten des hayns {LXX: ngo^i^ag rwi^
aXacHy, vulg.: lucornm), 1 kön. 18, 19.
Itlagötie^ m. götzenbild der Astarte : er
setzet auch einen hayngötzen (LXX: to
Yh)ni6y rov äXaovgy vulg.: idolum luci),.
den er gemacht hatte, in das haus. 2 kön^
21, 7.
EsAmfiitütff m. priester der göttin
Astarte: also giengs den leuiten ym alten
gesetz auch gegen den götzenpfaffen vnd
haynpriestern. posi. (1528). 294 *".
lake^ IwkeB^ m. uncus, L. hacken, de
WeUe br. 6, 330. — mhd. b4ke, häken^
neben hacke, hacken {Ben. 1, 612*'. Lexer
1145), ahd. hAco, hägo, neben hacco und
haggo {Graff 4, 763); zu haben hängen. 5.
Grimm wtb. 4', 177.
lakeBSchilf e 9 m. der aus dem hakeo
{„ein bis in das 17. jh. gebräuchliches
schweres feuergewehr, mit einem haken an»
Schaft, mittels dessen es auf einem beson--
deren gesteüe befestigt ward." Heyne bei
Grimm) schieszt : wenn vns gott nicht bette
die lieben heiligen engel zu bütem vnd
backenschützen zugegeben . ^ . so were es
baldt mit vns ausz. tischr. 210".
■akleia (hecklein), n. kleiner haken, un^
culus : vnd macht funffzig gülden hecklin, vnd
füget die teppich mit den hecklin einen an
den andern zusamen. 2 Mos. 36, 13; vnd
brachten die wonung zu Mose, die hätten vnd
alle jre gerete, hecklin, bretter, riegel, seulen,
füsse. 39, 33.
lalby adj. und adv., dimidius, send*, als
adj. mhd. ahd. haip {Ben. 1, 614*. Lexer-
1151. Graff 4, 889), go(h. halbs, als adv^
mhd. halbe {Ben. 1, 614''. Lexer 1146).
von Heyne in Grimm wtb. 4^ 184 auf
die gr.-lat. wurzel carp zurückgeführt.
1) halb im eigentlichen sinne, den einen
von zwei gleichen (heilen bezeichnend: eine*
ele lenger ist denn ein halbe, ausleg. der
euang. von ostem. (1527), i5^; eynen
halben gülden. Matih. 17, 27 var.; ein»
I halben sekels schweer. 1 Mos. 24, 22; ein
HALB
205
HALBEN
halb iü. 4 üo«. 28, 14; <ler halbe stam
Xinasse. 34, 14; das halbe gebirge Gilead.
5 Moi. 3» 12 ; in^eiin da mir auch dein halbes
haus gebest, so kerne ich doch nicht mit dir.
Ikon, 13, 8; eine halbe stunde. Tob. 11,
13 ; ein halb iar. vermanung lum saeramenL
Ü530). Bij*'. halb — halb: minotaurus das
war ein thier halb ein mensch, halb ein ochse.
tUehr, 126**. zuweilen bezeichnet halb
mefcr den endpunki eines von zwei gleichen
(heilen, als diesen theil selbst, es läszt sich
ämm dwreh mitte ersetzen: da sie gen
Baran kamen, welches auff halbem wege ist
gegen Nineiie. Tob. 11, 1. ähnlieh in foU
9e%der stelle: da aber Jesaja noch nicht zur
stad halb hinaus gegangen war. 2 kön, 20, 4.
2) halb t«i gegensalz zu ganz oder voll
A«r einen gröszem oder geringeren theil
(iHsdrückend: er wil nit mit falscher halber
igelheiUer) lieb geliebt sein, von dem bapS'
tum. (1520). Giiij**; eyn halb galgen rew.
grimd vnd vrsaeh. (1521). fiij"; vnfriede
wol zu rechen ist für eine halbe helle, der
S2. psalm. (1530). Dj^ mit halben (un-
deutlidien, unverständlichen) Worten reden.
das 5. 6. vnd 7. cap. s. Matth. (1532).
Kiij^ ; vnd denn gern wollen hundert gülden
geben fnr einen halben gelerten, da sie jtzt
nicht zehen gegeben hetten für zween gantz
gelerten. das man kinder zur schulen hat*
ten solle. (1530). Bj^
3) adv. : die zogen jn aus vnd schlagen jn
^nd giengen dauon vnd Hessen jn halb tod
liegen. Luc. 10, 30; eyn halb todter ver-
zagter mensch, das ander teil tcidder die
hyml, Propheten. (1525). Nj " ; das vnzeitige
obs, das abfeilet ehe es reiff wird. Witlemb.
l,iii\
lalfc^ praep. mit gen., um — willen
toegen : das er dem könige geld brechte vnd
jn etlicher nötiger sachen halb erinnerte.
2 Macc. 4, 23. vgl. derhaib. gewöhnlicher
das folgende halben.
lalbeB^ praep. mit gen., eigentlich dat.
pi. des Substantivs halbe seile, vgl. deinet-
halben,eurethalben, ihrethalben, meinethalben,
seinethalben, unserthalben, auch derhalben u.
deshalben.
1) halben steht im sinne von betreffend,
in rOcksicht, in beziehung auf: nicht sage
ich das des mangels halben. Phil. 4, 11;
das arm volck mit öffentlichem vorspieten
yrre gemacht wirt meiner bncher halben.
vnlerricht der beichtkinder. (1521). aji*;
hie vnterricht s. Paulus die eheleutt, wie sie
sich gegeneinander hallten sollen der ehe-
pflicbt halben, das 7. cap. Cor. (1523).
Biiij'*; vnd wir also allenthalben das vnser
thun vnd für gott vnsers ampts halben ent-
schuldigt seien, das man kinder zur schulen
halten solle. (1530). Bij"; vnd sihet eins
dem andern {eheUch und hurenleben) so fast
ehnlich, das des beywesens oder beywonens
halben kein vnterscheid ist. zwo hochzeit'
predigten. (1536). Aiij*; e. k.f. g. wollten
ihm doch des koms halben gnädige frist vnd
bezahlung stimmen lassen, de Wette br.
5, 185.
2) häufiger hat halben rein ursächlichen
sinn: aus grund, wegen: deines opffers
halben straffe ich dich nicht, ps. 50, 8 ; du
weist, das ich nicht böser lust halben diese
meine Schwester zum weihe genomen. Tob.
8, 9; als aber der junge Tobias seiner hoch-
zeit halben lange aussen war. 10, 1 ; dieauff
Bethzura kundten hungers halben nicht lenger
darin bleiben. 1 Macc. 6, 49; dieser hoff-
nung halben werde ich, lieber könig Agryppa,
von den Juden beschuldiget, ap. gesch. 26,
7 ; wie das e. f. g. solt vngnade emfangen
haben vber doclor Staupitz . . . ellich schrey-
bens halben, originalbr. v,j, 1517 im ges»
archiv zu Weimar N, 108, 41; wenn er
ynn solchen stand geratlen were vnfalls hal-
ben. Widder den falsch genanten geistl.
stand, (1522). Hij"; es ist itzt newlich ein
buchlin vnter hertzog Georgen zu Sachsen
namen ausgangen, darynn ich werde ange-
griffen eines brieffs halben, von heimlichen
vnd gestolen brieffen. (1529). Aij"; s. Va-
lerius war ein bischoff zu Hippon vnd kund
der sprachen halben vbel predigen, exempel
etc. (1542). Giiij'.
HalbeOy verb. dimidiare, mhd. halben
{Ben. 1, 617". Lexer 1147), ahd. halben
{Graff 4, 888), L. umgelautet helben, mhd.
helben (Lexer 122S), wa^ auf ein ahd.
halbjan zurückweist: aber gentze oder helbe
den Christum, wie du wilt, so gibstu gleich-
wol das gantze sacrament nicht, sondern
^
HALBER
206
HALLBUBE
raubest ./das halbe ivider OprisiutfK gebot.
Jen. 6, 346'.
Iftlber^ praep,, nur vereinzelt ersehet-
nende nebenform xu halb und halben : Ster-
bens halber. Burkhardt briefw. 237;'
seines vater&jialber. 238.
lalbgelelrt^ parL semdoctus: solche
halbgelerte leute die vnnützesten leute amff
erden sind, vnd were jhn viel besser, das sie
gar nichts kündten. der 111, psalm. (153(U^
Bj^; denn ich bin auch ein halbgelerter
doctor. das 16. cap, s. Joh. (1538). Qj".
lalfcsacraHeatcr^ m. hezeichnung eines,
der das saeramenl des abendmals nur unter
einer geslali gereicht haben will, mit aus-
schlusz des kelches : mich wundert, wie die
schismatici, parteischen romischen Christen
vnd halbsacramenter nit rodt oder bleych da-
für werden, grund vnd vrsach, (1521).
h iiij *•.
lalfcscblafeBil^ part, praes.: gleich als
wenn ich einen trunckenen, halbschlaffenden
oder einen narren fragt, wider Hans Worst.
(1541). Cij*.
lalbthell, m. oder n.? dimidia pars,
hälfte: s. Johannes vher den kreis zu der
jungfrawen gieng jnn jr halbteil vnd vmbfieng
sie liebhchen. die lügend, (1537). Biiij*.
auch adverbial: weil es vns, wenn wirs
recht ansehen nur halbteil sawer wird, das
5. 6. vnd 7. cap. s. Matth. 24, 28.
lalbwacbead^ part. praes. : mit schlum-
mernden vnd halbwachenden äugen, von
den schlüsseln. (1530). Aiij*.
Hälfte (helftej, dimidia pars, in genauem
und ungenauem (ungefährem) sinne: ist
aber der schuldiger nit arm, so lasz yhn Wid-
der geben, so viel er mag, es sey gantz, die
helfft, dritte oder vierde teyl. von weltlicher
vberkeytt. (1523). F 5*; vnd Mose nam die
helffte des bluts vnd thets in ein hecken, die
ander helfft sprenget er auff den allar. 2
Mos. 24, 6 ; das sol das opffer sein Aarons
vnd seiner söne, das sie dem herrn opffern
sollen am tage seiner salbunge, das zehende
teil ephi von semelmelh des teglichen speis-
opffers, eine helfil des morgens, die ander
helfft des abends. 3 Mos. 6, 20 ; sprach der
könig: teilet das lebendige kind in zwey teil,
vnd gebt dieser die helfile vnd jener die helffte.
1 konp ^j 25;. v^d es geschach hin fürder,
das die jüpglin^ die helM theten die erbett,
die ander helfft hielten spiese, schilde , bogen
vnd pantzer. Neh. 4, 1.6; die helffte des
königreichs. Esth. 5, 3 ; die helfiW meiner
guter gebe ich den armen. Luc. 19, 8; vncl
ist in war, dasz ich diesen |iunnier (1530)
mehr denn die hälft bah müssen feyern. de
Wette dr. 4, 178 ; vnd sihe, es ist mir nicht
die helfft gesagt, du hast mehr Weisheit vnd
guls, denn das gencht ist. 1 kön. 10, 7 ;
so hat auch Samaria nicht die helfft deiner
Sünde gethan. Ezech. 16, 51. zuweilen be^
zeichnet hälfte nur den endpunkt eines hal-'
ben teils, die mitte : vnd macht am altar eia
gitter . . von vnten auff bis an die helfft des
altars. 2 Mos. 38, 4 ; mein gott, nim mich
nicht weg in der helfft (vor. in dem mittel)
meiner tage. ps. 102, 25, was L. in der
gl. zu dieser stelle erklärt: ehe ich miclis
versehe.
Das worty welches erst seit L. sich nach
und nach in die deutsche Schriftsprache
eingebürgert hat, ist ndd. Ursprungs; ahd.
würde es halbida {von halb) lauten, was je '
doch nicht zu belegen ist.
lalfte in adjecUvischer fügung: also
hebt er auch alhie an jnn vns den tod zu
schwedien, das er an vns nicht mehr ge-
winnet, on das er die Scherben vnd nur das
helffte stück an vns weg nimpt.* das 15. cap»
der ersten ep. s. Pauli an die Cor. (1534).
Sij«.
lallj m. sonus, schall, klang, mhd. hal
(Ben. 1, 685*. Lexer 1146): jhr {der pre-
digt) hal ist ausgangen jnn alle weit, der
117. psalm. (1530). Büj>', var. xu ps. 19^
5 ; er wird singen ein lied ... des hall er-
schallen wird bis an der weit ende. Jer. 25,
30; als das volck den hal der posaunen
höret. Jos. 6, 20 ; es {das ross) achtel nicht
der drometen halle. Hiob 39, 24; seiner
sackpfeiffen hall ist der aller beste schall.
ein brief an die zu Franckfort. (1533).
Cj ^ ; wie wol die schlege verloren sind, ist
doch zu hoffen, das der klang vnd hall ett-
lichen andern die obren fülle, von dem fal-
schen blut. (1533). Aüj*.
lallbafcey m. denn wie Vergerius desz
bapsts legat in Teutschlande war, da hetten
HALLDROMETE
207
HALS
in ^e haOlmbeD, als des biigsts mutlep, schier
mit dreck zu tod^ geworlRn. lifvAf. 215'*
hei Grimm mit der erklärung: ,*u>ohl ein
hube^ der sich an den verkanfshallen des
marfUeM ^umher treibt , straexenhube, gössen^
(«
jmge
lalllr»«ietib f- halUrampele, irompete
^itomü das halljahr (s. d.) angebliisen wurde :
TDd die halldrometen in seine hand. 4 Mosi
lalle, /*. nkkd. halle (Leser 1148), ahd.
halb (Gra/r 4, 859), von L. in der bibel-
uberteixung verwendet I ) von einem offenen
bau mit einem blosz aufsäulen oder pfosten^
rvkenden dache: es ist aber zu Jerusalem
bey dem schafhause ein teich, der heisset aufT
kreisch Bethhesda, vnd hat fünff halle ((rroa,
vfäg. porticus). Joh, 5, 2.
2) käufiger von einem von säulen getra^
genen vorbau, x. b, am pallaste Salomos:
er bawet auch eine halle von seulen. l hon,
1, 6; vnd bawet auch eine halle zum richt-
stuel. V. 7. des tempels: vnd bawet eine
halle für den tempel, zwenzig eilen lang,
nach der breite des hauses, vnd zehen eilen
breit für dem hause her. 1 fcd'n. 6, 3 ; vnd
Jhesus wandelte im tempel in der haHe Salo-
monis. Joh, 10, 23 ; vud waren alle in der
\\a\le Salomonis einmütiglich. ap. gesch,
5, 12.
ffallelaja ihalelu ia), der hebr» jubelruf
!l*"^bV?l, preiset Jehova! häufig in den
psalmen vorkommend, x. b. ps, 104, 35;
105, 45; 106, 1. 4S u. sonst ößer; dar-
nach höret ich eine slim grosser scharen im
himel, die sprachen : haleluia {var. halleluia).
offenb. Joh. 19, 1 ;
des wir sollen frölich sein,
gott loben vnd danckbar sein,
vnd singen haleluia, haleluia. Jen, 8, 396".
Haiyabr (halljar), n. das alttestamenlUche
Jubeljahr^ welches durch den hall der po^
saunen verkündet wurde: vnd jr solt das
funfizigst jar heiligen vnd solts ein erlasiar
heissen im lande allen die drinnen wonen,
denn es ist ewr halliar, da sol ein jglicher bey
euch wider zu seiner habe vnd zu seinem ge-
schlecht komen, denn das funfTzigst jar ist
ewr halliar. jr solt nicht seen, auch was von
jm selber wechst (var, das von yhm selbst
gewedim, welche zu gewachsen «. lli^
nachsulragen^ist) nicht emdten, auch was
on erbeit wechst im Weinberge nicht lesen.
3 Mos, 25, 10. 11 ; las die priester sieben
posaunen des halliars nemen.. Jos. 6, 4. vgl.
auch erlaszjabr u. freijahr.
lalljaknkenii n. hom, womit das hall'
jakr angeblasen wurde : wenn man das hall-
iarshorn bleset Jos. 6, 5.
lallJakrtpesaiBey f dasselbe: sieben
priester lasset sieben halliarsposaunen tragen.
Jos. 6, 6 ; da trugen die sieben priester die
sieben halliars posaunen, v, 8.
tslm, m. gras'f getreidestengel, mhd.
ahd. halni (Ben. 1, 613 ^ Lexer \\49.
Graff 4 t 926): wie gehet das zu, das der
halm aus der erden wechst aus einem einigen
körn vnd so viel körniein auff der ehre Iregt ?
serm. von dem sacrament. (1526). A6';
der teufel hesse nicht einen halm noch blat
auifgehen vnd wachsen, wo yhm goU nicht
wehret, der 147. psalm. (1532). Ciiij';
jnn dem faulen vnd verwesen, wenn es {das
weizenkom) nichts mehr taug noch bleibt,
kriegt es erstlich eine wurtzel vnter sieh vnd
ein stenglin odder halm vber sich, das 15.
cap, der ersten ep. s, Pauli an die Cor.
(1534). cij^; sieben ehern wuchsen aus
einem halm. 1 Mos. 40, 5 ; wiltu wider ein
fliegend blat so ernst sein vnd ein dürren
halm verfolgen? Hiob 13, 25.
Ueber die etymologie des wortes s.
Grimm wtb. 4^ 237.
lalMlela (helmlin), n. hälmchen, kleiner
halm: vnd doch nicht wissen noch verstehen
mögen wie es zugehet, viel weniger mit vnser
krafft vermögen ein helmlin aus der erde zu
bringen, von Jhesu Christo. (1533). Lij*;
gott mus es selbs bawen, wo etwas sol her->
aus wachssen, sonst must der bawr wol ewig
pflügen, seen vnd sich zu tod erbeiten, ehe
er ein helmlin heraus brechte. Jen. 1, 136*.
— mhd. halmel, helmel (Ben. 1, 613^ Le*
xer 1151).
Iah, m. Collum, mhd. ahd. hals (Bett. 1,
617^ Lca?cr 1154. Graff 4, 921).
I. hals tili eigentlichen sinne, und xwar
1) die auszenseite desselben bezeichnend
a) am menschen: aber die feil von den bock-*
litt tket sie jm vmb seine hende vnd wo er
m^^m^mmmm^t^mmmmmm^mmd
r
HALS
208
HALS
glat war am halse. 1 Mos. 27, 16; vnd
hieng jm ein gülden keten an seinen hals.
41, 42; gestickte bundte kleider vmb den
hals. TiehL 5, 30 ; das koller, das ein keiser
am halse zu tragen pflegt, einer aus den
hohen artikeln. (1537). Aiiij^; so thut in
die brach vnd henget sie an den hals, wider
Hans Worst. (1541). Aiiij*; wer aber
ergert dieser geringsten einen , die an mich
gleuben, dem were besser, das ein mülstein
an seinen hab gehenget würde vnd erseufft
würde im meer, da es am tieffesten ist.
Malih. 18, 6. mit auffgenchtetem halse gehen
töchter Zion stoltz sind vnd gehen mit auff-
gerichtem halse. Jes. 3, 16. das fallen um
den hals ist gebärde herzlicher liebe: Esau
aber lieff jm entgegen vnd hertzet jn vnd fiel
jm vmb den hals vnd küsset jn. 1 Mos. 33,
4 ; vnd er fiel seinem bruder Benjamin vmb
den hals vnd weinet, vnd Benjamin weinet
auch an seinem halse. 45, 14; vnd fielen
Paulo vmb den hals vnd küsseten jn. ap.
gesch. 20, 37. das treten auf den hals ist
zeichen der unlerdräckung, Unterwerfung:
da aber die fünff könige zu jm eraus bracht
waren, neff Josua dem gantzen Israel vnd
sprach zu den obersten des kriegsuolcks die
mit jm zogen, kompt erzu vnd trettet diesen
königen mit füssen auff die helsse. vnd sie
kamen erzu vnd tratten mit füssen auff jre
helse. . Jos. 10, 24; auff jre helse wirstu
iretten. Baruch 4, 25. ebenso die fesselung
des halses : mache dich los von den banden
deines halses, du gefangene tochter Zion.
Jes. 52, 2. es heiszt den hals abhauen,
brechen (entzweibrechen), entzweifallen, stür-
zen, abstürzen : wenn ich sehe wie ein reuber
oder mörder einem den kopff abhawet, so ist
das werck eben dem gleich an zu sehen, so
der fürst oder richter einem den hals abhawen
lest, zwo hochzeiipredigten. (1536). Aiiij";
fiel er zurück vom stuel am thor vnd brach
seinen hals entzwey. 1 Sam. 4, 18; dauon
(von dem tempel) sie hinab stürtzeten vnd
den hals brachen, zwo schöne predigten,
(1537). Cij'; da man mus gleiten vnd
straucheln bis man hals vnd bein bricht. ausL
sdiöner Sprüche. ( 1 549). Giiij • ; uneigent-
Uch : so bricht damit sein glaube nicht den
hals noch bein. die letzten worte Dauids.
(1543). Aiij*»; — da wird der erstochen, hie
feilet dieser den hals entzwey. trostunge an
die Christen zu Halle. (1527). Aiij*; wer
aber kein äuge hat vnd sol gehen , der gehet
vber holtz vnd stein bis er feilet vnd den
hals stürtzet. das 5. 6. vnd 7. cap. s.Matth.
(1 532). üij 1* ; bis sie darüber jn selbs den
hals sturtzen. ebend. Giij * ; (die Nazarener)
wollen jm den hals den fels hinunter ab-
stdrtzen. vom schem hamphoras. (1543).
Miiij K
b) von thieren: vnd nam die spangen die
ist gebärde des stolzes: darumb das die^an jrer kamelen helse waren, rieht. 8, 21 ;
kanstu dem ross kreftt geben t>der seinen hals
zieren mit seinem geschrey? Hiob 39, 19;
er (der levialhan) hat -einen starcken hals.
41,13; wer ein schaf opffert ist als der einem
hund den hals breche. Jes. 66, 3 ; vnd sollen
sie (die kuh) hin ab füren in einen kiesicfaten
grund . . . vnd daselbs ün grund jr den hals
abhawen. 5 Mos. 21, 4.
2j der innere hals, die luft^ und speise»
röhre, zuweilen mit einschlusz der mund»
höhle, z, b. honigseim ist süss in deinem
haise. spr. Sal. 24, 13; vnd haben falsche
Zungen in jrem halse. Micha 6, 12. a) als
gliedj das zum athmen, sprechen dient: ich
habe mich müde geschrien, mein halss ist
heisch, ps. 69, 4; vnd reden nicht durch
jren hals. !15, 7; racha ist das rauch
scharren ym halsz. gl. zu Matih. 5, 22 in
der Septemberausgabe des n. test,v,j. 1522.
b) als glied, das zum essen dient : das sacra«
ment ynn den hals gestossen als ynn einen
brodsack, ob man für dem sterben fliehen
müge. (1527). Giiij''; wer sein maul offen
vergesse, das jhm eine mucke jnn hals flöge.
auff das vermeint keiserUch edict. (1531).
Eiij*; fris lieber wolff, fris, das dir bald ein
bein quehr jm halse bleibe. Widerlegung.
(1535). Aiüj».
3) redensarten, welche sich an hals in
der bedeutung 1 angesetzt haben, a) an
das legen des jochs auf den hals der zug-»
Ihiere, wodurch diese jedes eigenen willens
bar werden, kniffen sieh die bildlichen re»
densarten, welche feindliche Unterdrückung,
unfreiwillige dienstbarkeit , knechtschaft,
bezeichnen: vnd wird ein eisern jochauff
NacbtTäge und bericlitigaiigeii zur 1. liefemng des 11. bandes.
Schon jeUt mögen noch folgende^ früher übersehene Wörter nmehgetragen werden:
SeUage (gehenge), n. ein am haU (?) getragener xierrath, mhd, gehenke (ileii. 1, 160^
Leser 789); rosenpahn das ist ein gdienge oder kösilidi kleinot in einer rosen gestalt.
gL xupe. 60,1.
Seiilenfeli m. sum gnt reizender böser geiet: etliche feine, vemOnflnige, dapffere leule
mit diesem geilzleafel vnd wucherteufe] also besessen sind, das sie wissentlidi vnd wol
bedachtes Verstands den erkandten Wucher treiben« ßindseil 7, XXI.
ieliigewinst m. gewinnangeld : aber geldgewinstbraditen sie nichtdavon. fieM.5, 19 var.
ficnnglieh fgnuglich), genugsam, hinreichend: wie wol auch das latiniscfa vnd kriechisch
nicht erlanget gnuglich das ebreisch. post. (1528) 73^
fierickIkalUy f. halle, worin gerieht gehalten wird: vnd macht sie sur gertchüialle.
1 kön» 7, 7 var,
üfsnailMadier, m. orsi: Raphael das ist artzl oder gesundmaclier. vorr. aufs buch
Tobia. BindeeU 1,4\S.
filanbcnsktMpfi m. kämpf um den glauben: die gerechten redlieh gelitten vnd jm
glaubenskampf gestritten haben, das schöne confUenUni (1530). Hüj^
UattbenssachCy /*. den glauben betreffende saehe: jnn der sacramenten vnd glaubens-
Sachen. recAeiiscAa/'( (1533). Aij*.
fiUckenUangf m. ghckenton: meinstu das gotl sich mit glockenklang, kereenrauch»
gollgleissen vnd desgleichen geschwürmis wird lassen zalen? post. (1528). 85*.
lirikfssckrlftj /*. epitaphium: solche sprüche vnd grabeschrillt ziereten die kirchhöfe
besser, denn sonst andere weltliche zeichen, schild, heim etc. Jen. 8, 411*.
SnwMgig. graue augen habend: alle gleich schwartz vnd alle gleich grawaugig. Jen.5,21*.
Dagegen sind die beiden artikel: Üeckisans («. 30*) und Cle klsMU {s, 59*j zu streichen.
Zu folgenden %eörtom bringe ich noch einige belege nach:
üefcniBch, m. usus : wenn es nicht gebrauch gewesen were ynn dem lande, vber das
erste buch Mose (1527). Rri^^; ein handwerksman, der seines handwerks rocht vnd
gebrauch nicht weis, deudsch catech. (1529). Aij*.
i>bihrlick: gebürlich zins. summa des christl. lebens (1533). Aiiij*.
fiefnllen «> fallen (s, 35^): vnd müssen die zinse gefallen, vber das erste buch Mose
(1527), rrij*.
fiesatS) n. gesell >* vnd hüt dich für der menschen gsatz,
davon verdirbt der edle schätz. Jen. 8, 403**.
fiewncksen »- wachsen : auch nicht emdten, das von yhm selbst gewechst. var. tu
3 Mose 25, 11.
firnndstein^ m, also ist ein iglicher fürst oddes herr seines landes oddcr voleks eckstein,
frls vnd grundstein. d«r 82. pro/m (1530). Fiiij*.
finnsti /. 2) erlaubniss : e. f. g. wollt uns gnädiglich dieses nothbaus gunst vnd laub
erzeigen, de Wette br, 1, 283.
Druckfehler.
s. 9*, z, 10 V. 0. lies: Aiüj^ s. 110^ s. 10 v, o. ^i««: geuatter«l.geater
- 14^ - 13 V. tt. - Ists nu * lir, - 20 r. o. fi7^0 naeA vieren da« z
- 30*, - 12 V. w. - gedashlnisse - 148^ - 12 v. u. lies: mhd. g6^
- 32\ - 19 r. t«. - zu statt p. - 152^ - 27 «. o. - b»;^«
- 32^ - 8 r. 0. - schuldigen
S3afigf, Cdfat ($af)or in S8a<}'enborf) , 2)te it^xt bom 9lei4 ©ottee otin 92euer
^ateci^idmudin ^toölf ^auptftüden. 8. t869.
«uögabc mit 23ortt)ort. 12 9^gT.
ausgäbe o^nc ißorttjort. 10 Syigr.
Äl einer Äatcc^iemite für bic ^rifWic^c »olfdfdtuU. 8. 1869. cart 5 9^gr.
Bnrkhardt. Dr. C. A. H« (Grossh. Archivar in Weimar), Dr. Martin Lnther's Brief-
wechsel. Mit vielen unbekannten Briefen und unter vorzüglicher BerücksichtiguDg
der de Wette'schen Ausgabe, gr. 8. 1866. 3 nibr.
Dunger. Dr. Hermann (Oburl. in Dresden), Die Sage vom trojanischen Kriege
Habn« A., Lehrbuch des christlichen Glaubens. Zweite verb. Auflage.
Zwei Bände, gr. 8. 1857—1858. 3 TWr. T*/« Ngr«
in den Bearbeitungen des Mittelalters und ihre antiken Quellen, gr. 8. 1869. 16 Ngr.
$anb)oerFdltcbtr, ^eutf^e. @efamme(t unb herausgegeben ton O. @ t^ a b e ($rof. in 5^0ntg««
berg). SKit Xitclbilb. 8. 1864. 1 %\)ix,
Hnefrel, Dr. Richard (in Leipzig), üeber Otfrid's Yersbetonung. gr. 8. 1869.
10 Ngr.
Jonekbloet's 9 W. J. A«, Geschichte der Niederländischen Literatur. Vom
Verfasser und Verleger des Öriginalwerkes autorisirte deutsche Ausgabe von Wilhelm
Berg. Mit einem Vorwort und Verzeichniss der niederländischen Schriftsteller und
ihrer Werke von Prof. £rnst Martin (in Freiburg). Zwei Bände. Erster Band,
gr. 8. ISIO. 2 Thhr. 20 Ngr.
Der zweite Band erscheint im Herbst 1872.
3ufK, Dr. Äatl (^rof. in aJ^arburg), SBtndclmann. €cin geben, feine SBerfc «nb feine
3ettgenoffen. (grfter ©anb : Söinaelmanu in 3)cutfc§Ianb. 9JJit ©ü^en au8 bcr Äunfl*
unb ®ete^rtengcf(^ic^te be« 18. So^r^unbcrt«. ^aäf gebrudten unb l^anbf^riftUc^en OueUcn
bargepettt. ^thft einem «Porträt Stnrfelmann*«, nact bem Originale ber 91ugel.
Äauffmann gelberen toon 5R. Slabn in Sürici. 2cj. 8. 1806. 3 Z^x.
^oberftetn, 91. (?rof. in 'Sc!tu(|)forta) , ©runbrig ber ^cfcbicbte ber ©eutfd^en
9fiationaI*i4tcrotur. Stierte »erbcffcrte unb Vjöttig umgearbeitete Sluflage. 2)rei ©änbc,
ar. 8» 1866. . 10 X^Ir.
Äoftlet, Dr. SHeinjolb («ibliottclar in SBeimar), ^erber'ö (Sib unb feine franj8flf(<te
Oueüe. or. 8. 1S67. 12 ißgr.
Bvmpelt, JDf. H. B« (in Breslau), Die deutschen FronomiDa und Zahlwörter. Historisch
dargestellt, gr. 8. 1870. 1 TWr.
»if^er, Dr. S5^il6clm (?rof. in Safel), 3)ie @age öon ber Söefveiuug bcr SBatbjtäbtc
no4 i^^ter aHmäügen 2(u«bilbung untcrfuc^t. 9^cbft einer ^Beilage: 2)aö Sltefte Xellen*
f*auft>ieL 8. 1867. I S^Ir.
»olWliebct, 2)te bifiorifd^en, ber 'Deutfeten t3om 13. bis 16. Sal^r^unbcrt. «uf SSer*
onlaffung unb mit Unterflüfeung @r. Tla\. bc8 Äönig« SDlayimilian I. laon SBatjern ]^erou«ge*
geben burc^ bie ^^iflw. (£ommi|fion hd bcr Äönigl. Slfabcmie bcv Sßiffcnfcbaften in ÜJiünci^en.
©efammelt unb erläutert toon iR, ö. Öiliencro'n (®eb. (£abinct«ratb in SWeiningen). 8icr
Sänbe unb 92a ertrag (bie Xöne unb ba9 al^>^abctifcbe ^erjei^nig ent^altenb). (Scm^let.
2ey. 8. 1865—1869. U X))lx. 15 SflQX.
(grfter «anb (1243—1469). 1865. 3 2:i?lr. 10 Sf^gr. Sttjeiter Söanb (1471—1507).
1866. 3 %\)lx. 10 iRgr. ^Dritter ©onb (1506-1529». 1867. 3 X^lr. 10 91gT.
3Jtertcr ©anb (1530— 1554). 1869. 3 SC^lr. 15 g^gr. giacbtrag. 1869. 1 X^lr.
Sßa^dmtttQr SS., (Suro^äif^e @ittengef(!(|ictte t>om Urf)>runge tooltM^fimlicber <$e«
ftaltungen bi« auf unfere Seit, günf Steile, gr. 8. 1831—1839. (17 %\)lx. 2»,i Slgr.)
6 S^lr. 20 SRqx.
«Ugemcine «uUurgefc^icbte. SDreiX^eile. gr.8. 1850—1852. (7 2:^r. 22»/» 9^.)
4 ^l^lr.
de Wette, Wilb. Mart. Leber«, Lehrbuch der hebräisch-jüdischen Archäo-
logie nebst einem Grundrisse der hebräisch- jüdischen Geschichte. Vierte Auflage,
bearbeitet von Dr. F. J. Kaebiger (Prof. in Breslau). Mit 2 Tafeln, gr. 8. 1864.
2 Thlr. 7»/» Ngr.
ITindisefa, Dr. Ernst (in Leipzig), Der Heliand und seine Quellen, gr. 8. 1808.
24 Ngr.
Winer, 6« B«, Grammatik des neutestamentlichen Sprachidioms, als
sichere Grundlage der neutestamentlichen Exegese. Siebente Terbesserte und
vermehrte Auflage, besorgt von Dr. G. Lünemann (Prof. in Göttingen), gr. 8.
1867. , 2 Thhr. 77« Ngr.
Drack V. BtnchMd. L«Jp*i«.